1
ez wuohs in Îrlande	ein rîcher künic hêr;
geheizen was er Sigebant,	sîn vater der hiez Gêr.
sîn muoter diu hiez Uote	und was ein küniginne.
durch ir hôhe tilgende	sô gezam dem rîchen wol ir minne.
2
Gêre dem rîchen künege,	daz ist wol erkant,
dienten vil der bürge;	er het siben vürsten lant.
dar inne het er recken	vier tûsent oder mêre,
dâ mite er tägelîchen	mohte erwerben beide guot und êre.
3
dem jungen Sigebande	man gên hove gebôt,
dâ er solde lernen,	ob im des wurde nôt,
mit dem sper rîten,	schirmen unde schiezen,
sô er zuo den vinden kaeme,	daz ers deste baz möhte geniezen.
4
er wuohs unz an die stunde,	daz er wâfen truoc.
in beides ahte er kunde	alles des genuoc,
des in sohlen prîsen	man unde mâgen.
des lie der helt edele	sich deheine zîte betrâgen.
5
dar nâch in kurzen stunden	dô schiet si der tôt,
sô noch den edelen liuten	geschiht ze grôzer nôt.
jâ erstânt diu urkunde	in aller vürsten rîchen,
der wir mit grôzen sorgen	müezen warten allertägelîchen.
6
diu Sigebandes muoter	den witewenstuol besaz.
der maere helt guoter,	dar umbe liez er daz,
daz er niht wolde minnen	ze rehter sîner ê.
den edelen küniginnen	was nâch Sigebanden wê.
7
sîn muoter riet dem rîchen,	daz er im naeme ein wîp,
dâ von getiuret wurde	sîn lant und ouch sîn lîp
nâch sô grôzem sêre,	er und ouch sîn künne:
nâch sînes vater tôde	volgte im beide vreude und michel wünne.
8
sîner muoter lêre	diu behaget im wol;
der begunde er volgen sêre	als man vriunden sol.
er hiez im werben eine	die besten von den rîchen,
diu saz in Norwaege	des hulfen im sîne mâge vliziclîchen.
9
si wart im gemahelet,	alsô ist uns geseit.
dô wart ir hovegesinde	vil manic schoeniu meit
und siben hundert recken	von Frideschotten lande.
die vuoren mit ir gerne,	wan si den jungen künic wol erkanden.
10
in magetlîchen êren,	die ir dâ vuoren mite,
si brâhtens im ze lande	nâch rîchem küniges site.
die si dâ sâhen gerne,	die begunden îlen.
bedecket man die strâze	vant vil wol in vierdehalber mîle.
11
zertretet allenthalben	bî den wegen was
von der liute krefte	bluomen unde gras.
ez was in einen zîten,	sô diu loup entspringent
und daz ouch in dem walde	diu vogellîn ir wîse beste singent.
12
geifer tumber liute	reit mit ir genuoc.
vil manic soumaere	rîch gewoete truoc,
daz ir hovegesinde	brâhte von dem lande,
der gienc bî ir tûsent	geladen mit schatze unde mit gewande.
13
enphangen wart vil schône	daz minniclîche kint
ûf zweier lande marke,	dâ, si der westerwint
von des meres ünde	waejen ab begunde.
man gap ir herberge,	daz der junge künic vil wol geschaffen kunde.
14
mit buhurt wart enphangen	diu ritterlîche meit:
der was nu zergangen	mit grôzer arbeit,
diu vrouwe wart gevüeret	in daz Gêren lant.
si wart dâ vil gewaltic	und sider verre bekant.
15
swaz si ir kunden dienen,	des was man ir bereit,
den vil guoten moeren	diu guoten satelkleit.
mengen vür die hüeve	nider ûf daz gras,
ahi wie hôhes muotes	der voget von Îrlande was!
16
dô er küssen solde	die minniclîchen meit,
bî im wart gedrungen	mit grôzer arbeit.
dô hôrte man erdiezen	manegen buckel rîchen
von ir schilde stoezen.	si mohten einander niht entwîchen.
17
an dem naehsten morgen	dô wart vür gesant,
wie si komen solde	in des vürsten lant,
dâ si bî dem recken	solde tragen krône,
si wart sît küniginne	und diente an dem beide michel lône.
18
daz er si solde minnen,	daz dûhte niemen reht.
si was ein küniginne,	dô was er dannoch kneht;
doch muose er tragen krône	ob edelen vürsten rîche:
des hulfen im sîne mâge.	sît wart er ze künde lobelîche.
19
vünf hundert recken	nâmen bî im swert.
alles des si wolden,	wurden si gewert
von rossen und von kleidern,	von maneger hande waete:
der junge künic edele	beleip an sînen êren harte staete.
20
er saz in Îrlande	sît vil manegen tac,
daz sîn hôhiu êre	ringe nie gelac.
er rihte swem er solde	und rach der armen anden.
er was bevollen milte	und was ein tiurer helt ze sinen handen.
21
im dienten sîne huobe	daz kreftige guot.
sîn wîp diu küniginne	diu was ouch sô gemuot,
der si gewaltic taete	drizic künege lant,
ob si diu haben solde,	diu zergaebe gar ir hant.
22
inner drien jâren,	sô wir hoeren sagen,
si begunde bî dem künege	ein edel kint tragen,
daz wart getoufet	unde sît genennet
bî sînem namen Hagene,	dâ von man daz maere wol erkennet.
23
man hiez ez ziehen schône	und vil vliziclîchen phlegen.
geriete ez nâch dem künne,	sô wurde ez wol ein degen.
sîn phlâgen wîse vrouwen	und vil schoene meide,
sîn vater und sîn muoter	sâhen an im ir liebten ougenweide.
24
dô was ez gewahsen	ze siben jâre tagen:
man sach ez dicke recken	ûf ir handen tragen.
im leidet bî den vrouwen	und liebte bî den mannen.
sît wart ez in vremede:	ez wart von in gevüeret verre dannen.
25
swâ daz kint diu wâfen	ûf dem hove sach
der mohte ez bekennen,	dicke daz beschach,
daz ez ze kleidern gerte	heim unde ringe.
daz wart im sît vremede.	dô gelac vil gar sîn gedinge.
26
eines tages Sigebant	ûf einer grêden saz.
sîn wîp diu küniginne	mit im redete daz
under einem zederboume:	'wir hân êren vil.
mich wundert einer maere,	der ich verdagen niht enwil.'
27
er vrâgte, waz daz waere.	dô sprach daz edele wîp:
'des verdriuzet sêre	mîn herze und mînen lîp,
daz ich dich sihe sô selten,	dar umb sô ist mir leide,
bî dînen küenen helden	in der mînen lichten ougenweide.'
28
dô sprach der künic edele:	'wie solde daz geschehen,
daz du mich woldest gerne	vor mînen recken sehen?
daz lâz du mich ervinden,	küniginne hêre.
durch den dînen willen	sô hân ich arbeite deste mêre.'
29
si sprach: 'sô rîche niemen	ist lebendic erkant,
der habe sô vil der bürge	und ouch wîtiu lant,
silber und gesteine	unde golt daz swaere.
dem tuon wir ungelîche:	des ist mir ze lebene vil unmaere.
30
dô ich magetlîchen	in Frideschotten saz,
— her künic, mîniu maere	merket âne haz —
dô sach ich tägelîchen	mînes vater man
nâch hôhem prîse werben,	des ich hie künde noch nie gewan.
31
ein künic sô rîcher solde	sich dicker lâzen sehen,
als ir sît genennet	und ich iu hoere jehen.
er solde mit sînen helden	ofte buhurdieren,
dâ mite er sîniu erbe	unde sich selben solde zieren.
32
ez ist an rîchen vürsten	harte kranker muot,
die zesamene bringent	âne mâze guot,
ob sîz mit recken	niht willeclîchen teilen,
die si ûz stürmen bringent,	tiefe wunden, wie sol man die heilen?'
33
dô sprach der künic edele:	'vrouwe, ir spottet mîn.
ich wil in dem gedingen	vliziclîchen sîn
daz sich des mîn herze	nimmer sol verkêren,
man müge mich vil lîhte	edeler vürsten site noch gelêren.'
34
si sprach: 'sô sult ir senden	nâch vürsten in daz lant
und bietet in ze gebene	schatz und gewant:
sô wil ich boten senden	nâch mînen mâgen;
ich enbiute in holden willen:	sô mac uns deste minner hie betrâgen.'
35
der künic von Îrlande	zuo sînem wîbe sprach:
'ich wil iu gerne volgen,	als ez mer geschach,
daz man nâch vrouwen râte	lobeten hôchzîten.
mîne und iuwer mâge	wil ich her ze hove heizen rîten.'
36
dô sprach diu küniginne:	'daz ist mir niht leit.
sô gibe ich besunder	vünf hundert vrouwen kleit;
vier und sehzic meiden	den gibe ich guot gewaete.'
dô daz der künic erhôrte,	er jach daz er ez williclîchen taete.
37
dô er lobete hôchzîte,	dar nâch in ahtzehn tagen
den vriunden und den mâgen	hiez er allen sagen,
die hin ze Îrlande	gerne wolden rîten,
daz si nâch dem sumere	von des winters stunden solden bîten.
38
gesidele hiez er werken,	sô wir hoeren sagen,
des muose man von dem wilden	walde dar tragen,
sehzic tûsent helden	den hiez man allen benken.
daz kunden wol geprüeven	des küneges truhsaezen unde schenken.
39
rîten si begunden	ûf vil manegen wegen
— die ze hove kômen,	der hiez man schône phlegen —
unz daz dem künege	ûz aller vürsten rîchen
kômen heim ze hove	sehs und ahtzic tûsent lobelîche.
40
von des wirtes gademe	kleider man dô truoc.
allen die ir gerten,	den gap man ir genuoc.
dar zuo gap man in schilde	und ros von Îrlande.
diu edele küniginne	zierte ouch vil der vrouwen mit gewande.
41
si gap wol tûsent wîben	hêrlîche wât
unde vil den meiden,	daz kinden rehte stât,
von borten und von gesteine	und manegen phelle rîchen,
die minneclîchen vrouwen	stuonden in ir waete sûberlîchen.
42
alle die sîn gerten	heten guot gewant.
dâ sach man ros springen	den knaben an ir hant.
die brâhten liehte schilde	unde schefte rîche.
Uote diu vil edele	saz in den venstern lobelîche.
43
dô erloubte buhurdieren	der wirt den gesten sîn.
des wart dâ tunkel	vil maneges helmes schîn.
die wol gelobeten vrouwen	sâzen alsô nâhen,
swes die helde phlâgen,	daz si ez bescheidenlîchen sâhen.
44
der buhurt werte lange,	sô dicke ist geschehen,
der wirt sich wolde lâzen	bî sînen gesten sehen.
daz lobete in guoter mâze	sîn wîp diu küniginne,
wande si sô nâhen	saz mit den vrouwen obene an der zinne.
45
dô er geriten hiete,	als ez vürsten wol gezam,
dô begunde er wenden	— daz tet er âne scham —
den sînen lieben gesten	die starken arbeite
nâch vil grôzen êren.	dô was er vür die vrouwen ir geleite.
46
Uote diu schoene	grüezen dô began
die vremeden zuo den vriunden.	dâ von si gewan
manegen gast mit willen,	die si ouch gerne sâhen,
diu Uoten gâbe	dorfte ir deheinem niht versmâhen.
47
ritter unde vrouwen	man bî einander vant.
in was des wirtes wille	allen wol bekant,
daz er in êren gunde	bî sînen hôchzîten.
wider âbendes	hiez er aber die werden geste rîten.
48
diu hôchgezît werte	unz an den niunden tac.
swes man mit ritters vuore	bî dem künege phlac,
die varnde diet des mohte	lützel dâ verdriezen:
die heten arbeite:	wan si sîn ouch wolden geniezen.
49
pusûnen unde trumben	vil lûte man dô vernam;
vloiten unde harphen,	swes man dâ began,
rotten unde singen,	des vlizzen si sich sêre,
phîfen unde gîgen.	in wart der guoten kleider deste mêre.
50
an dem zehenden morgen	— nu hoeret wunder sagen! —
nâch ir aller wünne	muose ir maneger klagen.
von der hôchzîte	hebent sich niuwiu maere.
nâch ir grôzen vreuden	si kômen in vil herzenlîche swaere.
51
dô der wirt mit vreuden	bî sînen gesten saz,
dô kom der varnden einer.	mit vlîze kunde er daz,
daz er vür si alle	— wer möhte des getrouwen? —
dâ spilte mit gevuoge,	daz in werde vürsten muosen schouwen.
52
dô wiste an ir hende	ein schoene magedîn
dâ ûz Îrlande	des wirtes kindelîn.
dâ mite giengen vrouwen,	die sîn mit zühten phlâgen,
und ouch des wirtes vriunde:	jâ zugen ez mit vlîze sîne mâgen.
53
in des wirtes hûse	hôrte man grôzen schal,
die liute begunden lachen	allez über al.
des jungen Hagenen magezogen	kômen gar ze nâhen,
daz si der jungen meide	und des kindelines niht ensâhen.
54
des wirtes ungelücke	nâhen dô began,
dâ von er und vrou Uote	grôziu leit gewan.
ez hete der übele tiuvel	gesant in daz rîche
sînen boten verre.	daz ergienc in allen klagelîche.
55
ez was ein wilder grîfe,	der kom dar gevlogen.
daz im der künic Sigebant	het ze liebe erzogen,
sîn grôz ungelücke	mohte er dâ bî kiesen:
sînen sun den jungen	muose er von dem starken grîfen vliesen.
56
er begunde schatewen	dar in sîn gevidere truoc,
als ez ein wôlken waere.	starc was er genuoc.
vor ir manegen vreuden	si namens war vil kleine.
diu maget mit dem kinde	stuont vor dem hûse vil eine.
57
vor des grîfen krefte	der walt dâ nider brach,
dô diu maget edele	den vogel vliegen sach,
dô nerte si sich selben	und lie daz kint belîben.
durch ditze starke maere	möhte man ez vür ein wunder schrîben.
58
der grîfe lie sich nidere	und beslôz daz kindelîn
in sîne klâwe.	dô tete er grôzen schîn,
daz er grimmic waere	und übele gemuot.
daz muosen sît beweinen	die helde stolz unde guot.
59
ez begunde lûte erschrien,	ez was sêre erschraht.
er truoc ez harte hôhe	mit der sînen maht,
dô kêrte er gegen dem lufte	zuo den wôlken verre.
daz muose dô beweinen	ûzer Îrlande der herre.
60
Sigebandes vriunde	greif disiu leide nôt.
si klageten harte sêre	des kindelines tôt.
des was in unmuote	der künic und ouch sîn wîp.
si klageten al gemeine	des edelen kindes werden lîp.
61
von dem unmuote	diu werde wirtschaft
diu muose sich zerlâzen.	die hete mit sîner kraft
der grîfe sô zervüeret,	daz si mit arbeit
sich alle muosen scheiden:	in was vil innerlîchen leit.
62
der wirt weinte sêre,	sîn brust diu wart im naz
diu edele küniginne	mit zühten sprach dô daz,
daz er die klage lieze:	daz liut laeg allez tôt,
ez müese sich verenden,	als got von himele gebôt.
63
die geste wolden rîten.	dô sprach diu künigîn:
'jâ sult ir, edele helde,	noch hie ze hove sîn,
und lât iu niht versmâhen	silber unde golt.
daz haben wir ze gebene:	wir sîn iu groezlîchen holt.'
64
dô nigen ir die recken.	si begunden alle sagen
ril hôhez danken.	der wirt hiez in tragen
manegen rîchen phelle,	die wâren ungesniten.
si wâren sumelîche	von verren landen dar geriten.
65
dar zuo gap er in moere,	zelter unde marc,
diu ros ûz Îrlande	michel hôch und starc.
man gap in golt daz rôte,	silber ungewegen.
der wirt hiez sîner geste	schône und güetlîchen phlegen.
66
dô lie diu küniginne	scheiden manic wîp
und vil der edelen meide,	alsô daz ir lîp
ir gâbe was getiuret.	si truogen guot gewant.
diu hôchzît sich endet.	si rûmten Sigebandes lant.
67
nu lâzen wir belîben,	wie dâ gescheiden wart,,
und grîfen an diu maere,	welch ein swindiu vart
mit dem wilden grîfen	daz kint dannen treit.
ez heten sîne mâge	umbe ez vil starkez leit.
68
ez was noch unerstorben,	wan ez got gebôt,
iedoch het ez besunder	dar umbe grôze nôt,
wan ez der alte grîfe	den sînen jungen truoc.
dô ez die vor in hieten,	dô hete ez arbeit genuoc.
69
als diu kunft des alten	zuo dein neste ergie,
daz kint er ûz den klâwen	zuo den jungen lie.
dô zuhte ez ir einer.	daz er ez niht verslant,
dâ wart diu gotes güete	vil verre an bekant.
70
si woldenz hân zerbrochen,	mit klâwen gar zertragen.
dâ hoeret michel wunder	von sînen sorgen sagen,
wie dâ den lîp behielte	von Îrlant der herre.
in habet der jungen einer	under sînen klâwen harte verre.
71
von boume ze boume	er mit dem kinde vlouc.
den grîfen dô sîn sterke	ein teil ze sêre trouc.
er gestuont ûf einem aste,	dem was er ze swaere:
des muose er ûf die erde,	dô er zuo dem neste gerner waere.
72
von des grîfen valle	das kindel im enbrast.
sich bare in einem krûte	der wenige gast.
er was noch übele enbizzen	an dem sînen lîbe.
sît kom er ze trôste	in ir ellende manegem schoenen wîbe.
73
got tuot michel wunder:	des mac man verjehen,
von der grîfen sterke	was ouch ê geschehen,
daz drîer künege tohter	wâren dar getragen,
si sâzen dâ vil nâhen.	nu kan iu niemen gesagen.
74
wie si den lîp nerten	ie sô manegen tac,
wan daz ir got von himele	vil gnaediclîchen phlac.
Hagene solde belîben	dâ niht al eine.
die minneclîchen meide	vant daz kint in einem hohl steine.
75
dô ez die vrouwen slîchen	sâhen an den berc,
dô wolden si des waenen,	ez waere ein wildez twerc
oder ein merwunder	von dem sê gegangen.
sît kom ez in sô nâhen:	jâ wart ez von in güetlîche enphangen.
76
Hagene wart ir innen:	si wichen in daz hol.
alles unmuotes	was ir herze vol,
ê daz si ervünden,	daz ez ein kristen waere.
mit sîner arbeite	schiet er si sît von maneger herzen swaere.
77
dô sprach diu eltiste:	'wie getarst du zuo uns gân,
sît wir von gote von himele	dise herberge hân?
nu suoche dîne genôze	in dem wilden sê.
wir lîden doch arbeit	und ist uns hie griulîchen wê.'
78
dô sprach daz edele kindel:	'lât mich iu wesen bî,
ob ir daz weit gelouben,	daz ich ein kristen sî.
mich truoc der wilden grîfen	einer zuo dem steine.
ich woere bî iu gerne:	jâ mac ich niht hie belîben eine.'
79
dô enphiengens minneclîchen	daz wenige kint.
si gewunnens künde	von sînem dienste sint.
si begunden vrâgen	von wannenz komen waere.
von sînes hungers sorgen	verdroz ez gên den vrouwen der maere.
80
dô sprach daz edele kindel:	'mir waere enbizens nôt.
weit ir mir mite teilen	iuwer trinken und iuwer brôt —
daz ist mir gewesen tiure	wol drîer tage wîle,
wande mich der grîfe	truoc dâ her wol hundert lange mîle.'
81
dô sprach der vrouwen einiu:	'ez ist sô geschehen,
daz wir unser schenken	selten hân gesehen
noch unser truhsaezen,	die uns solden tragen spîse.'
si lebeten gotes güete	und wâren in ir tumben jâren wîse.
82
si begunden balde suochen	wurzen und ander krût.
si wolden bî in neren	daz Sigebandes trût.
des si dâ lebeten,	des brâhtens im genuoc.
ez was ein vremede spîse,	die im diu juncvrouwe truoc.
83
diu krût diu muose er niezen	durch des hungers nôt:
müelîch ist ze lîden	der bitterlîche tôt.
er wonte bî den vrouwen	dâ vil manegen tac,
daz er ir güetlîche	mit sînem dieneste phlac.
84
ouch heten sîn in huote,	daz wil ich iu sagen,
jâ wuohs er dâ mit sorgen	in sînen jungen tagen,
unze daz den kinden	bî ir grôzen swaere
vor dem holn steine	erstuonden aber diu sunderbaeren maere.
85
ich enweiz von welhem ende	gevlozzen über mer
kom zen steinwenden	ein grôzez gotes her.
die starken gruntwelle	kolten si vil sêre.
die ellenden meide	heten ungemüetes deste mêre.
86
die kiele in zerbrâsten,	des liutes niht genas,
die alten grîfen kômen	dâ daz geschehen was.
si truogen zuo ir neste	vil manegen tôten man;
des manic wîp von vrâge	vil der sorgen gewan.
87
dô si den jungen grîfen	ir spîse heten lân,
die alten grîfen kêrten	von ir geniste dan,
ich enweiz in welhez ende	ûf des meres strâzen.
si heten ûf dem berge	einen grimmen nâchgebûren lâzen.
88
Hagene rât der liute	sach ligen bî dem mer,
die dâ ertrunken wâren	— daz was ein gotes her —;
dô wânde er daz er solde	vinden dâ ir spîse.
vor den übelen grîfen	sleich er zuo dem Stade harte lîse.
89
dô vant er niemen mêre,	wan gewâfent einen man;
des er von dem grîfen	grôze nôt gewan.
er schutte in ûz den ringen;	er liez im niht versmâhen,
bogen und gewaefen	vant er der sîten harte nâhen.
90
dô garte sich selben	daz wenige kint.
dâ obene in den lüften	hôrte er einen wint:
dô hete sich versûmet	der wenige herre.
dô kom der alte grîfe;	Hagene was dem steine gar ze verre.
91
er swanc sich zorniclîche	nider ûf den griez.
den sînen burgaere,	den er dâ heime liez,
den wolde er harte gerne	an der zîte hân verslunden.
dô wart der küene	in vil guotes heldes mâze vunden.
92
mit sîner bloeder krefte	het er ûf gezogen
manic starke strâle	schôz er ûz dem bogen.
er kundes niht versniden:	wes mohte er dâ geniezen?
dô versuohte erz mit dem swerte.	er hôrte die vrouwen klagen unde riezen.
93
in sînen siten tumben	grimme er was genuoc.
dem grîfen einen vetechen	er von der ahsel sluoc
und verhoute an einem beine	in starke unde sêre,
daz er getragen mohte	von der stat sînen lîp niht mêre.
94
den sie het er erworben.	der eine der was tôt.
schiere kom der ander:	des leit er sundernôt.
sît sluoc er si alle,	die jungen zuo den alten,
des half im got von himele;	jâ mohte er solher krefte niht gewalten.
95
als er daz michel wunder	hete dâ getân,
dô hiez er sîne vrouwen	von dem steine gân.
er sprach: 'lât iu erschînen	den luft und ouch die sunnen,
sît uns got von himele	wil etelîcher vreuden gunnen.'
96
si enphiengen in güetlîchen:	ofte bî der stunt
wart er von den vrouwen	geküsset an den munt.
ir voget lac dâ veige.	waz mohte in dô gewerren,
si giengen an dem berge	nâch ir willen nâhen oderverren?
97
dô in der grôzen sorgen	von im gar gebrast,
dô lernte sô wol schiezen	der ellende gast,
daz im die vogele kunden	vliegende niht entrinnen,
er lernte swes er gerte,	dô er nâch sîner nôt begunde sinnen.
98
er wart sô baldes herzen,	sô vrevele und sô zam.
hei waz er von tieren	sneller sprunge nam!
als ein pantel wilde	lief er ûf die steine.
jâ zôch er sich selbe:	er was aller sîner mâge eine.
99
wie ofte er zuo den ünden	durch kurzwîle gie!
er sach in dem wâge	die râwen vische ie:
die kunde er gevâhen,	möht er ir iht geniezen.
sîn kuchen diu rouch selten:	des mohte in alle tage dâ verdriezen.
100
von sîner herberge	gienc er in den walt.
dâ sach er vil der tiere	vrevele unde halt.
dar under was ir einez,	daz wolde in verslinden,
daz sluoc er mit dem swerte:	ez muose sînes zornes harte enphinden.
101
einem gabilûne	was ez anelîch.
er begunde ez schinden:	dô wart er krefte rîch,
in luste sînes bluotes.	dô er des vol getranc,
dô gewan er vil der krefte.	er hete manegen gedanc.
102
mit des tieres mute	der helt sich bewant.
bî im er harte nâhen	einen lewen vant;
der mohte im niht enphliehen.	wie schiere er zuo im gie!
des beleip er unverhouwen.	der helt ez güetlîche enphie.
103
daz tier daz er biete	dâ ze tôde erslagen,
daz gedâhte er ze hûse	heim mit im tragen.
die vrouwen zaller zîte	genuzzen sîner güete.
von der vremeden spîse	hôhte sich ir herze und ir gemüete.
104
viur was in tiure,	walt heten si genuoc.
ûz einem herten velsen	er manegen vanken sluoc.
daz in vor was vremede,	des wurden si berâten,
jâ tet ez ander niemen,	si muosenz selbe bî der glüete brâten.
105
dô si die spîse nuzzen,	dô merte sich ir kraft,
ouch kuhten sich ir sinne	von gotes meisterschaft.
si wurden an ir lîben	schoene und lobebaere,
sam ir ieteslîchiu	dâ keime in ir vater lande waere.
106
ouch hete der wilde Hagene	krefte zwelf man,
des er bî sînen zîten	hôhen lop gewan.
in und die juncvrouwen	muote daz harte sêre,
daz si in der wüeste	solden belîben immer mêre.
107
dô bâten si sich wîsen	zuo des wazzers vluot.
si giengen schamlîchen.	jâ wâren niht ze guot
ir kleider diu si truogen:	diu strihte ir selber hant,
dâ si der junge Hagene	in ir ellende vant.
108
tage vier und zweinzic	si giengen durch den tan.
an einem morgen vrüeje	dô sach der junge man
ein schif geladen swaere.	ez kom von Garadê.
den ellenden vrouwen	den tet ir arbeit vil wê.
109
Hagene ruofte lûte,	daz in des niht verdrôz,
swie sêre von den winden	daz mer mit ünden vlôz;
daz schif begunde krachen.	die bî in vuoren nâhen,
si vorhten wildiu merkint,	dô si die vrouwen an dem stade sâhen.
110
daz schif het einen herren	ûz Salmê.
Hagene und sîn künne	was im vil kunt ê.
er was ir nâchgebûre:	dô het von Îrlant
sun den Sigebandes	der pilgerîne einer niht bekant.
111
der grâve sînen schifman	zem stade niht enliez.
der ellende recke	vüeren sich dô hiez
durch die gotes güete	von dem wilden sande.
dô erkaltet ir gemüete,	dô er Krist sô vrevellîche nande.
112
der grâve selbe zwelfte	in eine barken spranc.
ê er diu maere ervüere,	diu wîle dûhte in lanc,
obe ez schrâwaz waeren	oder wildiu merwunder.
er gesach bî sînen zîten	nie niht sô herlîchiu kunder.
113
er begunde vrâgen,	ê er zem stade gie:
'sît ir kint getoufet,	waz tuot ir danne hie?'
er sach ir lîp den schoenen	in jungen mies gewunden,
dô bâten si die geste,	daz si in mit in ze varne gunden.
114
ê si zem schiffe giengen,	dô brâhte man in gewant,
daz die pilgerîne	mit in vuorten in daz lant.
swie kiusche si waeren,	daz muosen si dô tragen,
jâ schamten si sich sêre:	iedoch verendet sich ir klagen.
115
dô si die schoenen meide	brâhten ûf die vluot,
dô giengen in engegene	die ritter stolz und guot.
si enphiengen vliziclîche	die vürsten tohter tiure,
swie si sich ê versaehen	daz si waeren wilde und ungehiure.
116
dô beliben si des nahtes	bî in ûf dem sê.
diu ungewonheite	tet den kinden wê.
hieten sîz vür wirde,	sô diuhten si mich wîse.
der grâve von Garadîe	hiez in balde geben guote spîse.
117
dô si gespiset wâren	und er bî in gesaz,
der grâve von Garadîe	bat im sagen daz,
wer si sô rehte schoene	her braehte zuo dem sê.
den kinden tet sîn vrâgen	und ouch ir arbeite wê.
118
dô sprach diu eltiste,	diu under in dâ saz:
'ich bin von verren landen,	herre, wizzet daz,
von Indîâ der guoten	— dâ was künic inne
mîn vater, dô er lebete —:	dâ ich krône leider nimmer mer gewinne.'
119
dô sprach diu mitteliste:	'ich bin von verren komen;
mich hât ein wilder grîfe	ze Portigâl genomen.
der mîn dâ jach ze kinde,	der was dâ landes herre.
ein voget vil gewaltic	was er geheizen nâhen unde verre.'
120
diu jungiste drunder,	diu bî dem grâven saz,
diu sprach gezogenlîche:	'herre, ich sage iu daz:
ich bin von Îserlande,	dâ was mîn vater herre.
die mich dâ ziehen solden,	den kom ich sît leider al ze verre.'
121
dô sprach der ritter edele:	'got hât vil wol getân:
sît er iuch bî den mâgen	niht enwolde lân,
ir sît mit genâden	ûz grôzer nôt enbunden,
sît ich iuch sô schoene	meide hân an disem stade vunden.'
122
swes er dâ vrâgen möhte,	des waere im unnôt,
wie daz komen waere,	daz si den grimmen tôt
niht von den grîfen nâmen,	die si ze neste truogen.
si lîten leit manegez,	des si doch nie mêre gewuogen.
123
dô sprach der rîche grâve	wider den jungen man:
'vriunt und geselle,	ir sult mich hoeren lân,
sît daz mir die vrouwen	gesaget hânt ir maere,
nu weste ich harte gerne,	wâ iuwer lant oder künne waere.'
124
dô sprach der wilde Hagene:	'daz wil ich iu sagen,
mich hât der grîfen einer	ouch dâ her getragen.
mîn vater hiez Sigebant;	ich bin von Îrrîche
und bin bî disen vrouwen	gewesen vil lange kumberlîche.'
125
dô vrâgten si alle:	'wie mohte daz wesen,
daz ir bî den grîfen	sô lange sît genesen?'
dô sprach der junge Hagene:	'daz wolde diu gotes güete;
an in ist wol erküelet	beidiu mîn herze und ouch mîn gemüete.'
126
dô sprach der ûz Garadîe:	'daz solt du mir sagen,
wie dir si diu nôt geringet?'	'dâ hân ich erslagen
die alten zuo den jungen,	ir einer niht genas,
bî den ich mînes lîbes	in vil grôzen sorgen was.'
127
dô sprâchens al gemeine:	'sô ist starc diu lîp.
dich mügen loben balde	beide man und wîp.
ez möhten unser tûsent	nimmer hân getân,
daz wirs erslagen hieten:	ez ist dir saeliclîche ergân.'
128
der grâve und sîn gesinde	vorhten ditze kint.
ez het unmaezlîch sterke:	daz geschadete in sint.
man wolde in von den wâfen	mit listen hân gescheiden:
daz werte er zorniclîche.	jâ mohte in sîn komen balde leiden.
129
dô sprach aber der grâve:	'mir ist wol geschehen
nâch manegem schaden grôzen,	den ich hân gesehen.
und bist der mâge	dâ her von Îrlande
des vürsten Sigebandes,	sô wil ich dich haben mir ze phande.
130
du bist mir komen rehte,	daz si dir geseit.
mir hânt dîne vriunde	getân sô manegiu leit
ze Garadîe dem lande,	daz lît in gar ze nâhen:
si hiezen mîne helde	in herten stürmen slahen unde vâhen.'
131
dô sprach der junge Hagene:	'unschuldic ich des bin,
daz si iu getâten,	nu bringet mich ze in,
sô getrouwe ich wol versüenen	ir haz und iuwer strîten.
lât mich genaediclîche	zuo den mînen kunden erbîten.'
132
der grâve sprach zem kinde:	'du muost mîn gisel sîn:
sô sîn mîn hovegesinde	diu schoenen magedîn.
diu wil ich mir ze êren	haben in mînem lande.'
diu rede dûhte Hagenen,	si waere im beide schade unde schande.
133
der recke sprach in zorne:	'ich wil niht gisel wesen.
des enmuote niemen,	der welle genesen.
ir guote schifliute,	ir bringet mich ze lande:
des lône ich iu gerne,	ich gilte mit schatze und mit gewande.
134
er muotet mînen vrouwen	daz sîn gesinde wesen;
âne sîne helfe	si mügen wol genesen.
si iemen hie sô wîse,	der volge mîner lêre.
wendet iuwer segele,	daz man gên Îrlande iht kêre.'
135
daz liut in wolde vâhen;	ir herre daz gebôt,
dô stuont er in ze nâhen:	des kômens in grôze nôt.
er holte bî dem hâre	wol drizic in die ünde.
diu kraft sînes lîbes	wart den pilgerinen harte künde.
136
hietenz niht gescheiden	diu minniclîchen kint,.
den helt von Garadîe	hiet er erslagen sint.
si wâren im gelîche	die armen zuo den hêren.
die selben schifliute	muosen dô gên Îrlande kêren.
137
îlen si begunden,	daz si niht wurden vlorn,
wan si muosen vürhten	des jungen Hagenen zorn.
tage sibenzehene	si vil unmüezic wâren.
si vorhten in al gemeine,	wan si in sâhen übele gebâren.
138
dô er begunde nâhen	in sînes vater lant
— die vil wîten bürge	het er ê bekant —,
einen palas hôhen	kôs er bî dem vluote;
driu hundert turne	sach er dâ vil veste unde guote.
139
dar inne was her Sigebant	und ouch sîn edel wîp.
die pilgerîne muosen	sorgen umb ir lîp,
ob ir wurde innen	der ûz Îrrîche,
daz er si alle slüege.	daz understuont Hagene lobelîche.
140
dô sprach zuo den gesten	der waetlîche man:
'ich wil ez gerne süenen.	swie ich niht enhân
gewaltes hie ze lande,	ich wil dar boten senden
und wil haz den alten	mit iu und mit dem künege gar verenden.
141
der nu welle dienen	an mir michel guot,
diu maere diu ich enbiute,	swer daz gerne tuot,
der si sage dem künege,	dem gibe ich golt daz rîche.
jâ lônet im vil gerne	mîn vater und mîn muoter rîchlîche.'
142
der pilgerîne zwelve	hiez er rîten dan.
'nu saget dem künege',	sprach der junge man,
'ob er welle Hagenen	sînen sun sehen,
an dem von einem grîfen	im herzenleide was geschehen.
143
ich weiz wol, sîn geloubet	der edele künic niht.
sô vrâget mîne muoter,	ob si iu des vergiht,
daz si mich danne welle	haben ze einem kinde,
ob si ein guldîn kriuze	vor an mîner brüste bevinde.'
144
die boten riten dannen	nâhen in daz lant.
dâ saz in einem hûse	vrou Uote und Sigebant.
dô erkante er, daz du vüeren	dâ her von Garadîne:
ez wâren sîne vînde.	dar umbe zurnte der wirt und ouch die sîne.
145
er vrâgte, wie si getôrsten	komen in daz lant.
dô sprach einer drunder:	'dâ hât uns her gesant
dîn sun der junge Hagene.	swer den gerne saehe,
der ist hie sô nâhen,	daz daz in kurzer zîte wol geschaehe.'
146
dô sprach der vürste Sigebant:	'ir trieget âne nôt.
er ist sô hin gescheiden,	daz mir des kindes tôt
dicke hât erwecket	mînes herzen sinne.'
'ob irs niht geloubet,	sô vrâget iuwer wîp die küniginne.
147
der ist er alsô dicke	gewesen nâhen bî:
ob im an sîner brüste	ein guldîn kriuze sî,
ob man des an dem degene	die rehten wârheit vinde,
geruochet ir des beide,	sô müget ir sîn wol jehen ze einem kinde.'
148
Uoten der vrouwen	ditze wart geseit.
si vreute sich der maere;	ê was ir ofte leit.
si sprach: 'wir suln rîten	dâ wirz ze rehte ervinden.'
der wirt hiez dô satelen	im und sînen besten ingesinden.
149
zehant dô sprach ein pilgerin	der schoenen Uoten zuo:
'wilt du mir, vrouwe, volgen,	ich râte dir waz du tuo:
du solt bringen kleider	den vil schoenen kinden.
die koment dir zallen êren;	si heizent daz sîn jungez ingesinde.'
150
man brâhte rîchiu kleider	mit der vrouwen dan.
ouch volgte der küniginne	vil manic küener man.
her Hagene was gestanden	nider ûf den sant,
dâ man die von Garadîe	bî dem ellenden vant.
151
dô gesach er rîten	wîp unde man.
dô wolde in Hagene	hin engegene gân.
wer im grüezen kunt taete,	daz wolde er gerne sehen,
dâ muose ein starkez dringen	von sînen vriunden geschehen.
152
der künic hiez in willekomen	sîn in sîn lant.
er sprach: 'sît irz der recke,	der nâch uns hât gesant,
und jehet ze einer muoter	der edelen küniginne?
und sint war diu maere,	sô bin ich vrô von allen mînen sinnen.'
153
Uote diu schoene	gezogenlîchen sprach:
'heiz uns vor den liuten	schaffen hie gemach.
ich sol in wol erkennen,	ob im hie zimt diu krône.'
si er vant diu wâren bilde;	dô enphiengen si den jungen helt vil schône.
154
mit weinenden ougen	si kuste in an den munt.
'ê west ich mich sieche,	nû bin ich wol gesunt.
bis willekomen Hagene,	mîn einigez kint.
nu mügen sich dîn wol troesten	die hie bî Sigebande sint.'
155
der künic trat dar nâher,	sîn vreude diu was grôz.
von sînes herzen liebe	ûz sînen ougen vlôz
im der vil heizen	trâhene dâ genuoc.
dem kinde er holden willen	von schulden vriuntlîchen truoc.
156
die ellenden vremeden	vroun Uoten wurden kunt.
si gap in maneger hande	grâ unde bunt,
phelle ob lichten vederen,	daz wol gezam ir lîbe.
sich ringet ir gemüete	von des küneges Sigebandes wîbe.
157
man kleite die schoenen vrouwen	als ez in wol gezam.
die zît muosens dulden	dar under michel scham,
unze si behangen	mit rîchen borten giengen.
der wirt und sîne helde	die jungen meide vliziclîche enphiengen.
158
Hagene hiez genaedic	den von Garadîe sîn
den künic und die liute	durch den willen sîn,
daz er in vergaebe	schaden unde schulde.
Hagene der junge	der gewan den pilgerînen hulde.
159
dô der künic mit kusse	versuonte sînen zorn,
dô muose man in gelten	swaz si heten verlorn.
daz was in vrume vil grôziu	und was ouch Hagenen êre.
sît wurden si vînde	mit dem von Îrlande nimmer mêre.
160
dô hiez man den gesten	tragen ûf den sant
in dem vride Hagenen	ir spîse und ir gewant,
daz si dâ ruowen solden	ze vierzehen tagen.
die stolzen pilgerîne	muosen im des gnade sagen.
161
dô riten si mit schalle	von dem mêre dan.
zuo der burc ze Baljân	kom vil manic man
durch diu vremeden maere,	daz noch leben solde
des vil rîchen küneges sun.	lützel iemen daz gelouben wolde.
162
nâch tagen vierzehenen	scheiden man dô lie
die wazzermüeden helde,	die bî in wâren hie.
dô gap in sîne gâbe	der wirt von lichtem golde.
durch sînes sunes liebe	ze staeten vriunden er si haben wolde.
163
Hagene sîne vrouwen	niht unberuochet liez.
baden ze allen zîten	ers vliziclîchen hiez.
den minniclîchen meiden	den diente er vil lîse.
man gap in rîchiu kleider;	er was in sînen jungen jâren wîse.
164
wahsen er begunde	bevollen zeinem man.
dô phlac er mit den helden	swes man ie began,
daz ritter prüeven solden,	mit werken und mit handen.
sît wart er gewaltic	in sînes vater Sigebandes landen.
165
der junge Hagene lernte	daz beiden wol gezam,
vor sô manegem degene,	daz er des âne scham
muose beliben.	daz lobeten schoene vrouwen.
er wart sô rehte mute,	daz es niemen möhte wol getrouwen.
166
dar zuo wart er sô küene,	als uns ist geseit,
daz er getorste rechen	sîner vriunde leit.
er behabete gar sîn êre	an aller hande dingen,
des hôrte man in dem lande	von dem helde sagen unde singen.
167
er wuohs in einer wüeste,	der edele vürste junc,
bî den wilden tieren.	des mohte im einen sprunc
lebendes niht enphliehen,	swaz er wolde vâhen.
er waene und sîne vrouwen	bî dem mêre manic wunder sâhen.
168
sîn rehter name hiez Hagene.	sît wart er genant
Vâlant aller künege.	dâ bî was er bekant
von der sînen sterke	wol in allen rîchen.
Hagene der küene	urborte sînen namen vlîziclîche.
169
im rieten sîne mâge,	er wurbe umb ein wîp.
diu was im dâ vil nâhen,	daz nindert schoener lîp
lebete in al der weide	ûf dem ertrîche.
diu hete erzogen in selben;	jâ wuohs er bî ir harte sorclîche.
170
si was geheizen Hilde	und was von Indîân.
sie hete im ofte liebe	in grôzer nôt getân,
dô er si aller êrste	vant in einem steine.
ûz allen landen	gerte er vür si bezzer deheine.
171
sîn vater hiez in gâhen,	daz er naeme swert
mit hundert sînen helden:	tûsent marke wert
gaeb er ie vier gesellen	vür ros und vür gewaete.
dô sprach der degen Hagene,	daz er daz vil williclîchen taete.
172
dô hiez er ez künden	in diu vürsten lant:
wanne ez wesen solde,	daz tet man in bekant.
sît wart sîn grôziu mute	harte wol bevunden.
man sagete die hôchzît	in drien tagen und in jâres stunden.
173
dar zuo sich vlizzen recken	die gerne wolden dar.
si hiezen würken schilde	licht und wol gevar.
dar zuo man in bereite	satele vil rîche.
vürbüege und zoume	bereite man von golde sûberlîche.
174
ûf einem wîten plane	herbergen man dô hiez
des rîchen küneges geste.	wie wenic er des liez
des si an in gerten!	dâ sidelte man vil wîten.
man sach an allen enden	sîne geste zuo dem lande rîten.
175
die vremeden die dâ wolden	wâfen mit im nemen,
die hiez er kleiden alle:	daz muose in wol gezemen.
die dâ von vremeden erben	kômen zuo dem lande,
der wâren tûsent helde.	die zierte er wol mit rosse und mit gewande.
176
er sprach ze sînen vriunden:	'nu râtet ir mir daz,
daz ich ein künic heize.	ez zimt mir deste baz,
ob ich von herzen minne	diu bî mir trage krône,
ich erwinde nimmer,	unz ich ir ir arbeit gelône.'
177
wer diu vrouwe waere,	des vrâgten sîne man,
diu vor sînen helden	ze hove solde gân.
er sprach: 'daz ist vrou Hilde	von Indîâ dem lande,
der ich und mîne vriunde	ze dirre weide haben wenic schande.'
178
wol behagete ez sîner muoter	— sim vater tet ez sam —,
daz man si solde kroenen,	dô si daz vernam.
si was wol in der mâze,	daz lant hete ir êre.
wol sehs hundert degene	nâmen bî im wâfen oder mêre.
179
nâch siten kristenlîchen	wihen man dô hiez
beide zuo der krône:	niht lenger man daz liez.
her Hagene und vrou Hilde	riten vor in dannen.
manegen buhurt rîchen	sach man dâ von des küneges mannen.
180
her Sigebant reit selbe;	hôhe stuont sîn muot.
in ahte harte ringe,	verzert er michel guot.
dô si geriten hieten	wol nâch ritters rehte,
dô wurden vil unmüezic	ûf des küneges hove die kamerknehte.
181
si truogen an gesidele	breit unde lanc,
stüele unde tische.	dô man vol gesanc,
ze hove reit vrou Uote	und mit ir vil der vrouwen,
die die jungen helde	dâ vil williclîchen mohten schouwen.
182
dô der künic Sigebant	bî vroun Uoten saz
und Hagene bî Hilden,	die liute redeten daz:
im waere wol gelungen	an sînem lieben kinde.
den krach von manegem schafte	pruofte vor den tischen ir ingesinde.
183
vier und zweinzic recken	die wâren ûf den plan
komen under schilde.	dâ wart ez wol getân,
manic rîchiu tjoste	wart von in getriben.
daz sâhen schoene vrouwen:	jâ waer daz übele beliben.
184
dô der herre ûz Îrlande	vol enbizzen was,
schiere wart ze molten	bluomen unde gras
von sînen manegen gesten;	die riten dâ mit schalle.
die man gesunde weste,	die buhurdierten vor den vrouwen alle.
185
sun der Sigebandes	den buhurt selbe reit.
daz sach sîn triutinne:	jâ was ez ir niht leit.
ob si im iht gedienet	hete in vremeden landen,
des lônte er ir gerne.	er was ein maerer helt ze sînen handen.
186
dâ vant man under stoube	dem wirte rîten bî,
daz ouch künege hiezen,	zwelf unde drî,
die lêhen von im hieten,	kristen unde heiden.
Sigebande und Hagenen	den dienten si vliziclîchen beiden.
187
diu hôchzît werte lange;	diu vreude diu was grôz.
von hurte und von dringen	ludern unde dôz.
der wirt hiez sîne geste	ir arbeite lâzen:
dô wart in daz erloubet,	daz si zuo den vrouwen gesâzen.
188
vor den sînen genôzen	sprach her Sigebant:
'mînem sune Hagenen	gibe ich mîniu lant,
die liute mit den bürgen	nâhen unde verren.
alle mîne recken	suln in in haben ze einem herren.'
189
dô sich verzigen hiete	der vürste Sigebant,
dô begunde Hagene lîhen	bürge unde lant
mit vil guotem willen.	die si nemen solden,
er dûhte si sô biderbe,	daz sîs von im gerne nemen wolden.
190
nâch lehenlîchem rehte	gestraht ir maneges hant
wart dem jungen künege.	schatz und ouch gewant
gap er sînen gesten	nâhen unde verren.
sô miltes vürsten hôchzît	möhte noch den armen niht gewerren.
191
ze hove wâren vrouwen,	die mit im in daz lant
wâren gevüeret.	nâch der einer wart gesant;
die hiez man zuo vroun Hilden	vür den künic gân.
diu was von Îserlande	und was ze wunsche wol getân.
192
ir gerte ein junger vürste.	der hete si gesehen
bî der küniginne.	des mohte er wol verjehen,
daz si von allem rehte	solde tragen krône,
si was gespil vroun Hilden:	sît wart ir ein rîchez lant ze lône.
193
dô schieden sich die geste,	der künic und sîne man.
die edelen juncvrouwen	vuorte man dan
gegen Norwaege	in des vürsten rîche.
nâch ir grôzen leide	sô stuont ir dinc vil genaediclîche.
194
dô begunde rihten	her Hagene in Îrlant.
swaz er unbillîches	an den liuten vant,
des muosen si engelten	von im harte sêre.
in einem jâre	enthoubter ir ahtzic oder mêre.
195
nu schuof er herverte	in sîner vînde lant.
durch die armen wolder	vüeren deheinen brant.
swâ ir mit übermuote	deheiner wart ervunden,
dem brach er die bürge	und rach sich mit den tiefen verchwunden.
196
swâ er kom ze strîte,	er was ein ritter guot.
den hôchvertigen helden	swachet er den muot.
von sîner vorgetaene	nâhen unde verren
er hiez Vâlant aller künege:	daz mohte sînen vinden wol gewerren.
197
der helt lebete schône;	vrô was er genuoc.
von Indîâ diu vrouwe	bî dem recken truoc
eine tohter schoene.	sît wart diu genennet
nâch ir muoter Hilde,	dâ von man diu maere wol erkennet.
198
dô hiez der wilde Hagene	ziehen sô daz kint,
ez beschein diu sunne selten	noch daz ez der wint
vil lützel an geruorte.	sîn huoten edele vrouwen.
sam tâten sîne mâge,	den er aller beste mohte getrouwen.
199
inner zwelf jâren	diu hêrlîche meit
wart unmâzen schoene.	verre ez wart geseit.
edele vürsten rîche	die begunden sinnen,
wie si wolden werben	nâch des wilden Hagenen tohter minnen.
200
der selben vürsten einer	bî Tenemarke saz
ze Wâleis in dem lande.	dô er gehôrte daz,
daz si sô schoene waere,	dô ranc er nâch ir sêre.
daz versmâhte Hagenen:	er nam im beide lîp unde êre.
201
swaz man ie boten sande	nâch der megede guot,
die hiez her Hagene vliesen.	durch sînen übermuot
er wolde si geben deheinem	der swacher danne er waere.
dô hôrte man allenthalben	sagen von dem vürsten daz maere.
202
boten hiez er hâhen	wol zweinzic oder mer
— diez niht gerechen mohten,	den was ez herzen ser —,
alle die man sande	nâch sîner tohter hêre.
genuoge den manz sagete,	die gerten ir ze wîbe nimmer mêre.
203
noch beleip ez ungeworben	von guoten recken niht.
hât ir einer übermuot,	alsô man des giht,
dâ bî man vindet einen,	der dunket sich sam hêre.
von ir hôhen minne	huop sich sîner sorgen deste mêre.
204
ein helt der was erwahsen	in Tenelant.
ze Stürmen in einer marke,	daz ist wol erkant,
dâ sâzen sîne mâge,	die zugen in nâch êren.
im diente ouch Nortlant.	jâ was er vil gewaltic unde hêre.
205
einer sîner mâge	— Wate was er genant —
der hete von dem degene	bürge unde lant.
durch daz er was sîn künne,	er zôch in vliziclîchen.
er lêrte in alle tugende;	er liez in ûz der huote niht entwîchen.
206
ze Tenemarke herre	was Waten swesterkint,
Hôrant der biderbe.	der verdiente sint
an Hetelen dem künege,	daz er im der krône
wol ze tragene gunde.	er gaps dem helde volliclîch ze lône.
207
Hetele der rîche	ze Hegelingen saz
nâhen bî Nortlande,	ich wil iu sagen daz;
dar inne hete er bürge	wol ahtzic oder mêre.
die der phlegen solden,	die dienten im tägelîch mit grôzer êre.
208
er was ze Friesen herre	wazzer unde lant,
Dietmers unde Wâleis	was in sîner hant.
Hetele der was rîche	und hete vil der mâge.
er was ouch grimme küene.	ofte schuof er sînen vinden lâge.
209
Hetele was ein weise.	dâ von sô wart im nôt,
ob er ein wîp hiete.	im wâren beide tôt
vater und ouch muoter,	die im diu lant dâ liezen.
sus het er vil der vriunde.	bî den muos in ze lebene verdriezen.
210
dô rieten im die besten,	er solde minne phlegen,
diu im ze mâze kaeme.	dô sprach der junge degen:
'ich enweiz deheine,	diu zen Hegelingen
mit êren waere vrouwe,	noch die man mir ze hûse möhte bringen.'
211
dô sprach von Nîflande	Môrunc der junge man:
'ich weiz eine vrouwen,	als ich vernomen hân,
daz deheiniu lebet sô schoeniu	nindert ûf der erde,
wir suln ahten gerne,	daz si iu zeiner triutinne werde.'
212
er vrâgte, wer si waere	oder wie si si genant,
er sprach: 'si heizet Hilde	und ist ûz Îrlant.
ir vater heizet Hagene	und ist daz Gêren künne.
kumt si her ze lande,	sô hâst du immer vreude unde wünne.'
213
dô sprach der vürste Hetele:	'nu ist mir doch geseit,
swer werbe nâch ir minne,	ez si ir vater leit.
dar umbe si erstorben	vil manic edel man.
deheinem mînem vriunde	ich des tôdes niht engan.'
214
dô sprach aber Môrunc:	'sô sende in sîn lant,
heiz Hôranden bringen:	dem ist wol erkant
alle site Hagenen	hât er wol gesehen,
âne sîne helfe	kunde ez nimmer geschehen.'
215
er sprach: 'ich wil dir volgen,	nu si sô schoene sî.
dâ man si sol gewinnen,	dâ muost du wesen bî,
wan ich dir alles guotes	von schulden wol getrouwe.
du hâst es vrume und êre,	wirt si ze Hegelingen vrouwe.'
216
dô hiez er boten rîten	hin ze Tenelant,
dâ man Hôranden	sînen neven vant.
er enbôt dem recken,	daz er in sehen solde
inner tagen sibenen,	ob er im deheinen dienest leisten wolde.
217
dô die boten kômen	und daz er die vernam,
getriulîcher dienste	was er im sô zam,
daz er leiste gerne	swaz er im gebôt,
des gewan er sider arbeit	unde groezlîche nôt.
218
er reit ze hove schiere	mit sehzic sîner man.
dô der helt dâ heime	urloup genam,
dô gâhte er deste vaster,	daz er diu maere ervunde,
wâ mite er dem degene	wol nâch êren gedienen kunde.
219
an dem sibenden morgen	kom er in daz lant.
er und sîne gesellen	truogen guot gewant.
der künic hin engegene	gie den recken guoten.
dô sach er bî dem recken	von Tenemarke den küenen Fruoten.
220
ez was im ein liebez maere,	daz si wâren komen.
der künic sach si gerne.	dâ von im was benomen
ein teil sîner sorgen,	die er hete in sînem muote.
dô sprach er lachende:	'bis willekomen, neve Fruote.'
221
dô gienc vür den vürsten	Fruote und Hôrant.
er vrâgte wie ez stüende	dâ heime in Tenelant.
dô sageten si im beide:	'wir hân in kurzen stunden
in herten stürmen	geslagen vil schedelîche wunden.'
222
er vrâgte, wâ si waeren	durch vehten hin geriten.
'dâ ze Portigâle	hân wir gestriten.
des wolde uns niht erlâzen	der edele künic rîche,
er enschadete uns sêre	in der marke aller tägelîche.'
223
dô sprach der junge Hetele:	'nu lât ez hin gân.
jâ waene ich, Wate der alte	der welle niht lân
die marke dâ ze Stürmen,	dâ er dâ sitzet inne.
danc habe er des immer,	der im eine burc an gewinne.'
224
die helde giengen sitzen	in einen palas wît.
mit tumplîchen witzen	begundens reden sît
von edeler vrouwen minnen,	Hôrant unde Fruote.
der künic hôrte ez gerne.	dar umbe gap er in miete guote.
225
Hetele Hôranden	biten dô began:
'ist dir daz maere künde,	du solt mich wizzen lân,
wie stât ez umb vroun Hilden,	die jungen küniginne?
der wolde ich mînen dienest	unde mîne botschaft heizen bringen.'
226
dô sprach der degen küene:	'ez ist mir vil wol erkant.
maget alsô schoene	ich mêre nie bevant
als von Îrlande	Hilde die rîchen,
des wilden Hagenen tohter.	jâ stüende ir ein krône lobelîche.'
227
Hetele dô vrâgte:	'möhte daz gesîn,
daz mir ir vater gaebe	daz schoene magedîn,
und diuhte ich in sô biderbe,	sô wolde ich si minnen
und wolde im immer lônen,	der mir die maget hulfe gewinnen.'
228
'daz mac sich niht gevüegen',	sprach Hôrant.
'ze boten rîtet niemen	in daz Hagenen lant.
des wil ich mich selbe	nimmer vergâhen.
den man dar gesendet,	den heizet man dâ slahen oder hâhen.'
229
dô sprach aber Hetele:	'mirst nâch ir alsô nôt.
hâhet er mir einen,	dar umbe müese tôt
selbe geligen Hagene	der künic von Îrrîche.
er ist nie sô vrevele,	im kome sîn grimmer muot vil schedelîche.'
230
dô sprach der degen Fruote:	'wolde Wate sîn
gegen Îrlande	nu der bote dîn,
sô möhte uns wol gelingen	und braehten dir die vrouwen,
oder uns wurden wunden	ûf daz herze al durch den lîp gehouwen.'
231
Hetele der herre	sprach: 'dâ wil ich hin
senden zuo den Stürmen.	an angest ich des bin,
Wate rîte gerne	swar ich im gebiute.
heizet mir von Friesen	komen Îrolden und sîne liute.'
232
die boten riten gaehes	ze Stürmen in daz lant,
dâ man Waten den küenen	bî sînen helden vant.
man saget im von dem künege,	daz er im komen solde.
waten hete wunder,	waz sîn der künic von Hegelingen wolde.
233
er vrâgte, ob er vüeren	solde mit im dan
heim oder brünne	und iemen sîner man.
der boten sprach dô einer:	'des enhôrte wir niht,
daz er bedôrfte iht recken,	wan daz er iuch gerne siht.'
234
wate wolde dannen.	sîne liute er lie
dem lande und den bürgen.	dô er ze rosse gie,
dô volgte im niemen mêre,	wan zwelve sîner man.
wate der vil küene	ze hove gâhen began.
235
er kom ze Hegelingen.	dô der degen reit
hin ze Campatille,	daz was niht ze leit
Hetelen dem degene.	er begunde zuo im gâhen.
er dâhte wie er Waten	sînen alten vriunt solde enphâhen.
236
er gruozte in williclîche.	der vürste lûte sprach:
'her Wate, sît willekomen.	daz ich iuch niht ensach,
des ist nu lange zîte,	daz wir ensamet sâzen,
dâ wir uns urliuges	ûf unser widerwinnen vermâzen.'
237
wate im antwurte:	'ensamet solden wesen
gerne guote vriunde:	sô möhten si genesen
vor ir starken vinden	immer deste baz.'
er vienc in bî der hende	und tete vil güetlîchen daz.
238
si giengen beide sitzen	und ander niemen mer.
der künic der was rîche,	Wate der was her
und ouch übermüete	ze allen sînen dingen.
Hetele hete gedanke,	wie er in ze Îrlande solde bringen.
239
dô sprach der junge recke:	'ich hân nâch dir gesant:
boten ich bedôrfte	in des wilden Hagenen lant.
nu enweiz ich niemen,	der mir dar bezzer waere,
danne ir, Wate, lieber vriunt:	ir sît zer botschaft vil redebaere.'
240
dô sprach Wate der alte:	'swaz ich werben sol
iu ze liebe und zeren,	daz tuon ich gerne und wol.
des sult ir mir getrouwen,	ich bringe ez an ein ende
nâch iuwerme willen,	ez ensî daz michs der tôt erwende.'
241
Hetele sprach: 'mir râtent	al die vriunde mîn,
ob mir geben welle	die schoenen tohter sîn
Hagene der starke,	daz si ein küniginne
werde in mînem lande.	dar nâch stânt hôhe mîne sinne.'
242
wate sprach mit zorne:	'swer dir daz hât geseit,
ob ich hiute sturbe,	daz waere im niht ze leit.
jâ hât dich ander niemen	gereizet des gedingen,
wan Fruote von Tenemarke,	deich dir die schoenen Hilden müge bringen.
243
ez ist in solher huote	diu minneclîche meit —
Hôrant unde Fruote,	die ditze hânt geseit,
daz si si sô schoene,	ich wil ê niht erwinden,
du solt mich und si beide	in dînem dienst genendiclîchen vinden.'
244
er wolde nâch in beiden	senden an der stunt;
mêre sîner vriunde	tete man ez kunt,
daz si ze hove solden	vür den künic hêre.
heimlîcher sprâche	heten si dar umbe deheine mêre.
245
wate der vil küene,	dô er Hôranden sach
unde ouch Fruoten,	wie schiere er dô sprach:
'got lône iu helden beiden,	daz ir der mînen êre
und mîner hovereise	under wîlen muotet alsô sêre.
246
ir sît es vil genoete,	daz ich bote bin.
nu müezet ir ouch beide	mit samet mir dâ hin.
sô sul wir dem künege dienen	wol nâch sînen hulden.
der mînes gemaches vâret,	der sol die selben triuwe von mir dulden.'
247
dô sprach der recke Hôrant:	'ich wil dar gerne varn.
ob michs der künec erlieze,	sô wolde ich niht bewarn,
ich enwolde haben arbeit	dâ ich schoene vrouwen saehe,
daz mir und mînem künne	erlîchiu vreude von in geschaehe.'
248
'wir suln', sprach her Fruote,	'siben hundert man
die reise mit uns vüeren.	her Hagene niemen gân
deheiner voller êre.	er ist nie sô vermezzen,
ob er uns waenet twingen,	sô muoz er sîner hôchvart gar vergezzen.
249
her künic, ir sult heizen	bereiten ûf die vluot
ein schif von ziperboumen	veste unde guot,
daz iuwer gesinde	müge wol getragen,
von silberwizen spangen	suln siule werden geslagen.
250
und werbet umbe spîse	die man haben sol.
heizet würken helme	vliziclîchen wol
und halsperge veste,	die wir vüeren hinnen.
des wilden Hagenen tohter	müge wir deste baz alsô gewinnen.
251
jâ sol mîn neve Hôrant,	der ist ein wiser man,
stân in sîner krâme	— des ich im wol gan —
mischen unde bouge	verkoufen den vrouwen,
golt und edel gesteine:	sô sol man uns deste baz getrouwen.
252
wir suln vüeren veile	wâfen unde wât.
sît ez umb Hagenen tohter	sô angestlîchen stât,
daz si niemen mac erwerben,	er enmüeze umb si strîten:
nu kiese Wate selbe,	weihe er mite welle heizen rîten.'
253
dô sprach Wate der alte:	'ich kan niht koufes phlegen.
mîn habe ist vil selten	müezic her gelegen.
ich teiltes ie mit helden:	daz ist noch mîn gedinge.
ich bin niht sô gevüege,	daz ich kleinât schoenen vrouwen bringe.
254
sît ez mîn neve Hôrant	ûf mich gerâten hât,
er weiz in guoter mâze,	wie ez umb Hagenen stât.
der genôzet sich mit sterke	sehs und zweinzic mannen,
gevreischet er daz werben,	sô komen wir harte sorclîche dannen.
255
her künic, heizet gâhen.	decken man uns sol
unser schif mit dillen.	jâ muoz ez unden vol
wesen guoter recken,	die uns helfen strîten,
ob uns der wilde Hagene	niht mit gemache welle lâzen rîten.
256
der suln wol hundert	strîtlîch gewant
mit uns hinnen vüeren	gegen Îrlant.
sô sol mîn neve Hôrant	mit zwei hundert manne
wesen in der krâme:	sô koment zuo im schoene vrouwen danne.
257
dar zuo sol man würken	guoter kocken drî,
die ros unde spîse	uns nâhen tragen bî,
daz uns in einem jâre	des si unzerunnen.
wir suln sagen Hagenen,	daz wir kûme ûz Stürmen sîn entrunnen.
258
und daz uns ungenâde	der künic Hetele tuo.
mit unser grôzen gâbe	sul wir ofte zuo
ze Hilden und ze Hagenen	hin ze hove gân:
sô wirt uns von dem künege	sîn vride vil staete getân.
259
wir suln jehen alle,	daz wir in sehte sîn.
zehant sô vâhet gnade	der wilde Hagene mîn.
man heizet herbergen	uns ellenden geste:
sô lât uns her Hagene	in sînem lande lützel iht gebresten.'
260
die helde vrâgte Hetele:	'wanne mac daz sîn,
daz ir scheidet hinnen,	lieben vriunde mîn?'
si sprâchen: 'swanne ez sumeret	von des winters zîten,
sô si wir gekleidet	und suln aber her ze hove rîten.
261
die wîle man würket	daz man haben sol,
segele unde riemen	vliziclîchen wol,
kocken und galeide,	die wir suln vüeren,
daz uns die gruntwelle	ze schaden iht mügen an gerüeren.'
262
her Hetele sprach: 'nu rîtet	heim in iuwer lant.
ir durfet niht verkosten	ûf ros noch gewant.
allen die iu volgent,	den gibe ich solch gezouwe,
daz iuch wol mit êren	mac gesehen ein ietslîchiu vrouwe.'
263
dô reit mit urloube	Wate in Sturmlant;
Hôrant unde Fruote	die kêrten sâ zehant
hin ze Tenemarke,	dâ si hiezen herren.
si gedâhten sich mit dienste	dem künic Hetelen nimmer geverren.
264
dô tete sînes willen	dâ heime Hetele schîn.
ez wurden vil unmüezic	die zimberliute sîn;
sîniu schif si worhten	sô si beste kunden.
die wende zuo den stoezen	wurden mit silber wol gebunden.
265
die masboume wurden	veste unde guot.
dô bewant man diu ruoder	rôt alsam ein gluot
mit dem lichten golde:	der herre der was rîche.
dô si varn solden,	si bereiten sich zer vart lobelîche.
266
ir ankerseil wurden	dâ her von Arâbê
gevüeret harte verre,	daz man sît noch ê
deheiniu alsô guoten	nindert vinden künde.
deste baz si vuoren	von Hegelingen ûf den tiefen ünden.
267
dô worhte man die segele	spâte unde vruo.
der künic hiez des îlen.	dô weite man dar zuo
von Abalî der sîden	die besten die si vunden.
vil unmüezic wâren	die si würken solden an den stunden.
268
wer mac uns daz gelouben,	daz man ûz silber guot
hiez die anker würken?	des küneges gernder muot
stuont nâch hôher minne.	er machte manegen man
vil gar unmüezic,	dô er sîn gâhen began.
269
gedillet und getrâmet	diu schif man dô vant
gên wetere und gên strîte.	schiere wart gesant
nâch den die varn solden	nâch der schoenen vrouwen.
dar zuo bat man niemen,	wan den der künic wol mohte getrouwen.
270
wate reit von Stürmen	dâ er Hetelen vant.
sîn ros giengen swaere	von silber und gewant.
vier hundert manne	vuorte er mit im dan.
Hetele der biderbe	vil küene geste gewan.
271
dar reit von Tenemarke	Hôrant der küene man.
boten guotes willen	Hetele dô gewan
tûsent oder mêre,	die er wolde senden,
waere er niht sô rîche,	er enkunde ez nimmer verenden.
272
Môrunc der snelle	dâ her von Friesen reit.
er brâhte zwei hundert degene;	dem künege wart geseit,
daz si komen waeren	mit helme und mit brünne.
vil schiere kom ouch irolt.	jâ wâren si Hetelen künne.
273
Îrolt von Nortlande	het sich sô bereit,
ob im der künic gaebe	nimmer sîniu kleit,
doch wâren sîne helde	und er sô berâten,
swâ si hin gewanden,	daz si lützel iemen ihtes bâten.
274
der künic si alle gruozte,	als ez wol gezam.
Îrolt bî der hende	er güetlîchen nam.
er gienc dâ er sitzen	den alten Waten vant.
dô die helde mit witzen	solden rûmen daz lant.
275
dô hiez man allenthalben	vil kleine nemen war,
swaz si vüeren solden	daz sîz heten gar.
die helde sâhen selbe	ir schef diu wâren rîche.
nâch der schoenen Hilden	sande er sîne boten kostlîche.
276
zwo galie niuwe,	veste unde guot,
und ouch zwêne kocken	die hetens bî der vluot,
und einen kiel den besten,	den bî allen stunden
ûf des meres ünden	in dem lande iemen hete vunden.
277
dô wolden si von dannen.	ir ros und ouch ir wât
daz was ûf den schiffen.	Wate sînen rât
gap dô dem künic Hetelen,	unz si komen solden,
daz er sich wol gehabete,	wan si im alle gerne dienen wolden.
278
der künic sprach trûrende:	'lât iu bevolhen sîn
die tumben, die von hinnen	in dem dienste mîn
vârent sorclîche.	durch iuwer selber êre
aller tägelîche	gebet den tumben helden iuwer lêre.'
279
wate sprach zem künege:	'swaz man dort getuot,
nu schaffet sô hie heime,	daz iu iuwer muot
niht dar an geswiche,	swâ man sol haben êre.
hüetet uns der erbe;	in gebristet niht an mîner lêre.'
280
hundert man dô weite	die dâ solden sîn
verborgen in dem scheffe,	dâ man daz magedîn
mit strîte solde erwerben,	ob in des geschaehe nôt.
sîne grôze gâbe	der künic in williclîchen bôt.
281
Fruote der küene	der kameren dô phlac,
dâ golt und gesteine	und vil dinges inne lac.
der künic leiste gerne	swes man an in gerte:
des Fruote einez wolde,	der künic in ietslichs wol drizic werte.
282
aller hande liute	vuortens mit in dan,
ritter unde knehte	drizic hundert man,
sam si gerûmet hieten	ir lant mit arbeite.
Hetele sprach zen helden:	'nu gebe iu got von himele sîn geleite!'
283
Hôrant sprach zem künege:	'ir sult an angest sîn.
swenn ir uns sehet nâhen,	sô schoene magedîn
müget ir danne schouwen,	die ir gerne sult enphâhen.'
der künic hôrte ez gerne,	dannoch was ir komen vil unnâhen.
284
mit kusse liez er scheiden	manegen von im dan.
nâch ir arbeite	der junge künic gewan
trûric gemüete;	er vorhte ir alle stunde.
der künic sich getroesten	in sînen siten ir niht enkunde.
285
dô kom in daz ze heile,	daz ein nortwint
den helden nâch ir willen	ir segele ruorte sint.
ir schif giengen ebene,	dô si ûz dem lande kêrten.
die ze arbeite kunden,	die tumben si dô williclîchen lêrten.
286
wir kunnenz niht bescheiden	noch wizzenz niht ze sagen,
wâ si ir nahtselde	ze sehs und drizic tagen
ûf dem mêre nâmen.	die dâ bî in vuoren,
mit gestabten eiden	ze behalten si die alle swuoren.
287
swie sô was ir wille,	ûf dem wilden sê
sô was in etewenne	von ungemache wê.
dâ bî sô hetens ruowe,	sô daz mohte wesen.
swer die ünde bouwet,	der muoz mit ungemache genesen.
288
si bete wol tûsent mîle	daz wazzer dan getragen
bin ze Hagenen burc ze Baljân;	sô wir hoeren sagen,
daz er herre waere	ze Polân lasterlîche,
si liegent tobelîche:	ez enist dem maere niht gelîche.
289
dô die von Hegelingen	wâren hin bekomen
zuo der Hagenen bürge,	dô wart ir war genomen.
die liute wundert alle,	von welher künege lande
si die ünde trüegen.	si wâren wol gezieret mit gewande.
290
ir schif si schiere bunden	mit anker ûf den grunt,
ir segele nider lâzen	wurden sâ ze stunt.
dô werte daz unlange,	unz daz man sagete maere
in der Hagenen bürge,	daz dar vremede liute komen waeren.
291
si giengen ûz den schiffen	und truogen ûf den sant.
swes sô man bedorfte	veile man dâ vant
und swes iemen gerte.	ir armuot diu was kleine.
swie manege marc si hieten,	der sande man nâch koufe vil seine.
292
in bürgere mâze	sach man ûf dem Stade stân
sehzic oder mêre	der waetlîchen man.
von Tenemarke Fruote	meister was dar under;
ouch truoc er bezzer kleider	danne ander iemen dâ besunder.
293
der stat rihtaere	von der burc ze Baljân,
durch daz er die geste	sô rîche dâ gewan,
mit sînen burgaeren	reit er dâ si vunden
die spaehe koufliute.	die gehabeten sich sô si beste kunden.
294
der rihtaere vrâgte,	von wannen si dar
über sê gevarn waeren.	'daz sage ich iu vür war',
sô sprach der degen Fruote,	'unser lant lît verren.
wir sîn koufliute	und haben in dem scheffe rîche herren.'
295
her Wate hiez gedinges	des landes herren biten
man mohte dâ wol kiesen	an sînen hêren siten,
den sîn gewalt gereichte,	daz er dâ grimme waere.
Hagenen dem künege	brâhte man die geste mit dem maere.
296
er sprach: 'mîn geleite	unde mînen vride
den wil ich in enbieten.	er büezet mit der wide,
der an iht beswaeret	die unkunden herren.
des sîn âne sorge:	in sol in mînem lande niht gewerren.'
297
dem künege si dô gâben	wol tûsent marke wert
an rîchen kleinâten.	er hete niht gegert
gên einem phenninge,	wan daz si liezen schouwen
waz si dâ veile hieten,	daz wol gezaeme rittern unde vrouwen.
298
her Hagene dankte sêre.	er sprach: 'und sol ich leben
drîer tage stunde,	daz ir mir hât gegeben,
daz wirt den mînen gesten	alsô vergolten,
hânt si ihtes gebresten,	daz ich immer mêre bin bescholten.'
299
der künic begunde teilen	daz im was vür getragen;
bouge drunder lâgen,	die mohten wol behagen
den minniclîchen vrouwen.	die borten alsô rîche,
schapel unde vingerlîn,	diu teilte dô der wirt vliziclîche.
300
sîn wîp und ouch sîn tohter	heten wol gesehen,
daz sô rîche gâbe	selten was geschehen
von deheinen koufliuten	in des küneges landen.
Hôrant unde Wate	allerêrste hin ze hove ir gâbe sanden.
301
sehzic rîcher phelle,	die besten die man vant,
und vierzic sigelâte	truoc man ûf den sant.
purpur unde baldekin	het man dâ unwert vunden.
si gâben hundert sabene,	die besten die si bî in vinden kunden.
302
nâch der phelle mâze,	die man ze hove truoc,
bezôge vil rîche	der gap man dâ genuoc.
der mohte werden	vierzic oder mêre.
sol iemen lop erkoufen,	sô muosen si der gâbe haben êre.
303
dar brâhte man gesatelet	zwelf kastelân,
und ouch manege brünne	und helme wol getân
hiez man mit in vüeren	unde zwelf schilde,
gevazzet mit golde.	des künic Hagenen geste wâren milde.
304
mit der gâbe Hôrant	dô ze hove reit
und Îrolt der starke.	dem künege wart geseit
(man brâhte im aber maere	von den gesten sîn),
si waeren landes herren.	daz was wol an der gâbe schîn.
305
ze hove mit in kômen	wol vier und zweinzic man
die si mit in vuorten,	die wâren wol getân.
si wâren sô gekleidet,	ob ez kiesen wolden
des künic Hagenen recken,	sam si des tages swert nemen solden.
306
einer sprach zem künege:	'herre, ir sult enphân
dise gâbe grôze,	diu iu wirt getân.
ir sult ouch ungedanket	niht den gesten lâzen.'
swie rîche er selbe waere,	er dankte den gesten âne mâze.
307
er sprach: 'ich danke ins gerne,	als ich des schulde hân.'
sîne kameraere	hiez man dar gân.
man hiez si daz gewaete	schouwen al besunder.
dô sîz rehte ersâhen,	dô nam si der gâbe michel wunder.
308
dô sprach ein kameraere:	'herre, ich sage iu daz,
ez lît hie bî von silber	und von golde manic vaz
mit edelem gesteine,	edele unde rîche.
ze zweinzic tûsent marken	hânt si iu gegeben sicherlîche.'
309
der wirt der sprach:	'die geste müezen saelic sîn.
nu wil ich teilen	mit den recken mîn.'
der künic gap in allen,	swer an in ihtes gerte.
ieclîchen sunder	er nâch sînem willen wol werte.
310
der wirt hiez zuo im sitzen	die zwêne junge man,
Îrolden und Hôranden.	vrâgen er began,
wannen si dar waeren	komen in daz rîche:
'wan mir gâben geste	bî mînen zîten nie sô lobelîche.'
311
dô sprach der recke Hôrant:	'daz wil ich iu sagen,
herre, ûf genâde	sô müezen wir iu klagen:
wir sîn vertribene liute	von unser selber landen.
ez hât ein künic rîche	an uns getân sînen grôzen anden.'
312
dô sprach der wilde Hagene:	'wie ist er genant,
durch den ir muoset rûmen	iuwer bürge und iuwer lant?
ich sihe iuch in der mâze,	kunde er witze walten,
ir dunket mich alsô biderbe,	sô möhte er iuch gerne hân behalten.'
313
er vrâgte, wie er hieze,	der si ze aehte bôt
unde von des schulden	si wâren in der nôt,
daz si in ir vlühte	suohten vremediu rîche.
dô sprach der recke Hôrant:	'den tuon wir in bekant sicherlîche.
314
sîn name heizet Hetele	von Hegelinge lant.
sîn kraft und ouch sîn ellen,	sîn sterke und ouch sîn hant
hant uns gemachet âne	maneger vreuden guot,
daz wir sîn von schulden	deste trüeber gemuot.'
315
dô sprach der wilde Hagene:	'ez ist iu wol bekomen;
ez wirt iu gar vergolten	daz er iu hât genomen.
ez ensî daz mir gebreste	alsô gar des mînen,
den künic von Hegelingen	sult ir selten biten des sînen.'
316
er sprach: 'und weit ir recken	bî mir hie bestân,
sô wil ich mit iu teilen	diu lant diu ich dâ hân,
daz iu der künic Hetele	nie gebôt die êre.
swaz er iu genomen hât,	des gibe ich iu zehen stunt mêre.'
317
'wir beliben bî iu gerne',	sprach von Tenen Hôrant —
'ich vürhte, ob uns gevreische	hie in Îrlant
ûz Hegelingen Hetele	— jâ sint im kunt die strâze —,
ich sorge zallen zîten,	daz uns der recke nindert leben lâze.'
318
Hagene der herre	zuo den gesellen sprach:
'vereinet iuch sîn rehte	und schaffet iu gemach,
iuch getar her Hetele	nimmer hie ze lande
gesuochen schedelîche,	wan daz waere mir ein grôziu schande.'
319
er hiez si herbergen	balde in die stat.
sîn selbes burgaere	der wilde Hagene bat,
daz si in erbüten êre	swâ sô si kunden.
die wazzermüeden helde	si vil dicke an ir gemache vunden.
320
von der stat die liute	in werten sîner bete.
hûs diu aller besten	— mit willen man daz tete —
vierzic oder mêre	wurden in dâ laere,
den ûz Tenelande.	dar ûz zugen sich die burgaere.
321
zuo dem Stade si brâhten	daz kreftige guot.
die dâ verborgen lâgen,	die heten ofte muot,
daz si in herten stürmen	gerner wolden strîten,
danne si gelückes	nâch der schoenen Hilden solden bîten.
322
der künic hiez vrâgen	die werden geste sîn,
ob si wolden niezen	sîn brôt und sînen wîn,
unze si besaezen	bî im vürsten rîche.
dô sprach von Tenen Fruote:	'daz stüende uns allen schemelîche.
323
ob uns der künic Hetele	ze rehte waere holt,
und ob wir ezzen solden	silber oder golt,
des möhte wir dâ heime	wol sô vil bevinden,
daz wir grôzen hunger	dâ von ofte möhten überwinden.'
324
Fruote hiez ûf swingen	sîner krame dach,
von sô rîchem koufe	daz wunder nie geschach
al umbe in den landen,	daz ie burgaere
gaeben guot sô ringe:	si möhten eines tages werden laere.
325
ez kouften die ez wolden	steine unde golt
— der künic was sînen gesten	ze guoter mâze holt —,
swer aber âne koufes	ir gâbe ihtes gerte,
si wâren in dem willen,	daz man ir manegen güetlîche werte.
326
swaz aber iemen sagete	von den küenen man,
von Waten und von Fruoten,	waz dâ wart getân,
der mute was noch mêre	dan iemen möhte getrouwen.
si wurben vaste umb êre.	daz sagete man ze hove den schoenen vrouwen.
327
man sach arme liute	tragen ir gewant.
die sich verzert hieten,	den wart dicke ir phant
geloeset und gevriget.	von ir kameraere
diu junge küniginne	hôrte ofte sagen von in daz maere.
328
si sprach zuo dem künege:	'vil lieber vater mîn,
heiz ze hove rîten	die werden geste dîn.
man saget, hie si einer,	swenne daz geschaehe,
sô wunderlîches muotes,	daz ich in under wîlen gerne saehe.'
329
der künic sprach zer meide:	'daz mac vil wol geschehen,
sîne site und sîne gebaerde	die lâz ich dich sehen.'
dannoch was er Hagenen	gar in unkünde.
die vrouwen erbiten kûme,	unz si die site an Waten dem alten ervünden.
330
der künic sîne geste	bat und in gebôt,
ob si von gebresten	hieten deheine nôt,
daz si ze hove koemen	und nüzzen sîne spîse.
daz riet von Tenen Fruote.	der was beide küene unde wîse.
331
ze hove sich dô vlizzen	die von Tenelant,
daz nieman itewizzen	in möhte ir gewant.
sam tâten ouch von Stürmen	die Waten ingesinden.
jâ mohte man in selben	gekielt als einen swertdegen vinden.
332
die Môrunges recken	die truogen mentel guot.
rocke ûz Campalîe.	rôt alsam ein gluot
sach man dar ûz erschînen	golt mit dem gesteine.
Îrolt der küene	der gienc dâ ze hove niht al eine.
333
Hôrant der snelle,	des hete niemen strît
der baz gekleidet waere.	mentel tief und wît
sach man daz si truogen,	die wâren licht gevar.
die selben Tene küene	kômen hêrlîchen dar.
334
swie rîch her Hagene waere	und swie hôchgemuot,
er gie in hin engegene.	diu küniginne guot
stuont ûf von gesidele,	dô si Waten sach.
der hete die gebaerde	daz im lachens gebrach.
335
si sprach gezogenlîche:	'nu sît uns willekomen.
ich und der künic mîn herre	hân daz wol vernomen,
ir sît vermüete helde	von urliuge sêre.
nu sol an iu bedenken	der künic sîn lop und ouch sîn êre.'
336
si nigen ir al gemeine,	zühtic was ir muot.
der künic hiez si sitzen,	als man geste tuot.
dô truoc man in ze trinken	den aller besten wîn,
der in allen landen	in vürsten hûse mac gesîn.
337
mit schimphlîchen worten	sâzens über al.
diu edele küniginne	rûmte den sal.
si bat den wilden Hagenen,	daz er ir gehieze
daz er die snellen helde	durch maere zuo ir kemenâten lieze.
338
daz lobte der künic schiere,	als uns ist geseit.
der jungen küniginne	was ez niht ze leit.
dô vlizzen si sich alle	mit golde und mit gewaete:
si wolden sehen gerne,	wie daz vremede ingesinde taete.
339
dô nu diu alte Hilde	bî ir tohter saz,
die minniclîchen meide	vil wol behuoten daz,
daz si iemen vünde	in der gebaere,
daz man iht anders spraeche	wan daz ieclîche ein küniginne waere.
340
dô hiez man Waten den alten	zuo der meide gân.
swie grîs er dô waere,	si bete iedoch den wan,
daz si sich huote	in kintlîchem sinne.
traten hin engegene	mit zühten gie diu junge küniginne.
341
si emphienc in aller êrste,	jâ woere ir lîhte leit,
ob si in küssen sohle.	sîn bart was im breit,
sîn hâr was im bewunden	mit borten den vil guoten.
si hiez si sitzen beide	Waten und von Tenemarke Fruoten.
342
vor ir gesidele stuonden	die waetlîchen man,
die manege zuht kunden	und heten vil getân
in ir tagen tugende	in manegem strîte schône.
daz lobet man an den helden.	man gap in des den prîs dâ ze lône.
343
vrou Hilde und ir tohter	durch schimphlîchen muot
begunden Waten vrâgen,	ob in daz diuhte guot,
swann er bî schoenen vrouwen	alsô sitzen solde,
oder ob er gerner	in den herten strîten vehten wolde.
344
dô sprach Wate der alte:	'mir zimet einez baz:
wan bî schoenen vrouwen	sô sanfte ich nie gesaz,
ich entaete einez lîhter,	daz ich mit guoten knehten,
swenne ez wesen solde,	in vil herten stürmen wolde vehten.'
345
des erlachte lûte	diu minneclîche meit:
si sach wol, daz im waere	bî schoenen vrouwen leit.
dâ von wart des schimphes	mêre in der selde.
vrou Hilde und ir tohter	redeten dô mit Môrunges helden.
346
si vrâgte von dem alten:	'wie ist er genant?
hât er indert liute,	bürge unde lant?
oder hât er in der bürge	wîp oder kint?
ich waene si getriutet	selten in sîner heime sint.'
347
dô sprach der recken einer:	'kint unde wîp
hât er in sînen landen.	guot unde lîp
daz wâget er durch êre:	daz ist an im wol ervunden.
er ist ein küener recke	gewesen her von allen sînen stunden.'
348
Îrolt sagete maere	von dem küenen man,
daz künic deheiner	nie noch gewan
sô rehte küenen recken	in sînen landen:
'swie sanfte sô er gebâre,	er ist ein maerer helt ze sînen handen.'
349
dô sprach diu küniginne:	'her Wate, ez ist mîn rât,
sît iuch von Tenemarke	her vertriben hât
Hetele der herre,	nu sult ir hie belîben.
ez lebet sô rîcher niemen,	der iuch wol von hinnen müge vertrîben.'
350
er sprach zer küniginne:	'jâ hete ich selbe lant.
dô gap ich, swem ich wolde,	ros und gewant.
sold ich nu leben dienen,	müelîchen ich daz taete.
von den mînen erben	belîbe ich nimmer jâres vrist staete.'
351
der künic zallen stunden	bôt vil michel guot.
die ûz erweiten recken	die wâren sô gemuot,
daz si von niemen gerten	nemen ze einer marke,
her Hagene der was rîche:	ein teil in muote ir übermüete starke.
352
von dannen si dô giengen.	diu schoene Hilde bat,
daz si ze allen zîten	ze hove hieten stat
sitzens bî den vrouwen;	ez waere in âne schande,
dô sprach der degen Îrolt:	'sam bôt manz uns in mînes herren lande.'
353
vür den künic si giengen;	dâ wâren ritter vil.
dâ vunden si besunder	maneger hande spil,
in dem brete zabelen,	schirmen under schilden.
si ahten niht sô hôhe,	als man doch hete, Hagenen den wilden.
354
nâch site in Îrlande	vil ofte man began
maneger hande vreude.	dâ von Wate gewan
den künic zeinem vriunde.	Hôrant von Tenerîche,
durch der vrouwen liebe	vant man in vil ofte gâmelîchen.
355
her Wate und ouch Fruote,	die snelle ritter balt,
vil nâch in einer mâze	die recken wâren alt.
ir beider grîse locke	sach man in golt gewunden.
swâ man bedorfte recken,	dâ wurden si gar ritterlîchen vunden.
356
des küneges ingesinde	ze hove schilde truoc,
kiule und buckelaere.	geschirmet wart dâ gnuoc,
gevohten mit den swerten,	mit gabilote geschozzen
vil ûf guote schilde.	die jungen helde wâren unverdrozzen.
357
der vürste Hagene vrâgte	Waten und sîne man,
ob in in ir lande	waere iht kunt getân
schirmen alsô starke,	alsam in Îrrîche
die sînen helde phlaegen.	des ersmielte Wate versmâhlîche.
358
dô sprach der helt von Stürmen:	'ich gesach ez nie.
der aber mich ez lêrte,	dar umbe waere ich hie
bevollen zeinem jâre,	daz ich ez rehte kunde.
swer des meister waere,	mîner miete ich im gerne gunde.'
359
dô sprach der künic zem gaste:	'den besten meister mîn
wil ich dich lêren heizen	durch die liebe dîn,
daz du doch drî swanke	künnest, swâ man strîte
in herten veitstürmen:	ez vrumet dir ze etelîcher zîte.'
360
dô kom ein schermmeister.	lêren er began
Waten den vil küenen.	dâ von er gewan
des sînes lîbes sorge.	Wate stuont in huote,
sam er ein kemphe waere.	des erlachte dô von Tenen Fruote.
361
daz half den schermmeister,	daz er wîte spranc
alsam ein lebart wilde.	an Waten hende erklanc
vil dicke daz schoene wâfen,	daz die viurvanken
drâten ûz den schilden.	des mohte er sînem schermknaben gedanken.
362
dô sprach der wilde Hagene:	'gebt mir daz swert enhant!
ich wil kurzwîlen	mit dem von Sturmlant,
ob ich in müge lêren	der mînen siege viere,
daz mirs der recke danke.'	daz lobete dô der alte Wate schiere.
363
der gast sprach zem künege:	'ich sol vride dîn
haben, vürste Hagene,	daz du iht vârest mîn.
slüegest du mir wunden,	des schamte ich mich vor vrouwen.'
wate kunde schirmen	daz es in der weide niemen mohte trouwen.
364
Hagene swoere dolte	den kunstlosen man,
daz er als ein begozzen brant	riechen began,
der meister vor dem junger.	jâ was er starc genuoc.
der wirt ouch sînem gaste	siege unmaezlîchen sluoc.
365
die liute sâhenz gerne	durch ir beider kraft,
der künic vil schiere erkande	die Waten meisterschaft.
ein teil begunde er zürnen,	waerez im niht an êre.
swaz man sach ir sterke,	doch hete ir Wate dâ bezeiget mêre.
366
wate sprach zem künege:	'lâz âne vride sîn
unser beider schirmen.	ich hân der siege dîn
gelernet nu wol viere:	ich wil dirs gerne danken.'
er lônte im sît sô hôhe	sam einem wilden Sahsen oder Franken.
367
dô si den vride liezen	belîben under wegen,
der sal begunde diezen	von ir beider slegen.
swaz si anders taeten,	in möhte sîn gelungen.
ir schirmen was als swinde,	daz in die swertes knôphe hin sprungen.
368
si giengen beide sitzen,	der wirt zem gaste sprach:
'ir sprecht, ir wellet lernen?	jâ waen ich nie gesach
des junger ich sô gerne	nâch solher künste waere.
swâ man phliget der dinge,	dâ sît ir ûf dem ringe lobebaere.'
369
Îrolt sprach zem künege:	'kerre, ez ist geschehen,
daz ir iuch habet versuochet.	wir hân ez ê gesehen
in unsers herren lande,	wir habenz uns ze rehte,
daz sîn aller tägelîche	phlegent beide ritter unde knehte.'
370
dô sprach aber Hagene:	'und hete ich daz erkant,
sô waer daz schermwâfen	niht komen in mîne hant.
ich ensach nie junger	lernen alsô swinde.'
der rede wart gelachet	von maneger edeler muoter kinde.
371
dô erloubte er den gesten	swâ mite si die zît
hin getrîben möhten.	des volgten im sît
die von Nortlande.	dô si begunde verdriezen,
dô wurfen si die steine	und begunden mit den scheften schiezen.
372
daz kom an einen âbent,	daz in sô gelanc,
daz von Tenemarke	der küene (legen sanc
mit sô herlîcher stimme,	daz ez wol gevallen
muose al den liuten.	dâ von gesweic der vogellîne schallen.
373
daz hôrte der künic gerne	und alle sîne man,
dâ von von Tenen Hôrant	der vriunde vil gewan.
ouch hete ez wol gehoeret	diu alte küniginne.
ez erhal ir durch daz venster,	dâ si was gesezzen an der zinne.
374
dô sprach diu schoene Hilde:	'waz hân ich vernomen?
diu aller beste wîse	ist in mîn ôren komen,
die ich ze dirre weide	von iemen hân ervunden.
daz wolde got von himele,	daz si mîne kameraere kunden!'
375
si hiez ir gewinnen	der sô schône sanc.
dô si sach den recken,	si sagete ims grôzen danc,
daz ir der âbent waere	mit vreuden hin gegangen.
von vroun Hilden wîben	wart der helt harte wol enphangen.
376
dô sprach diu küniginne:	'ir sult uns hoeren lân
die wîse, die ich hinte	von iu vernomen hân.
daz gebet mir zeiner gâbe	ze allen âbunden,
daz ich iuch hoere singen:	sô wirt iuwer lôn wol ervunden.'
377
'vrouwe, ob irs geruochet,	weit ir mirs sagen danc,
ich singe iu zallen zîten	alsô guotez sanc,
swer ez rehte erhoeret,	daz im sîn leit verswindet
und minnert gar sîn sorgen,	der mîne süeze wîse rehte ervindet.'
378
er sprach, er diente ir gerne,	dâ mite schiet er dan,
sîn singen lôn sô grôzez	ze Îrlant gewan,
daz man im nie dâ heime	gelônet alsô verre.
alsô diente Hetelen	ûz Tenemarke der herre.
379
dô sich diu naht verendet	und ez begunde tagen,
Hôrant begunde singen,	daz dâ bî in den hagen
geswigen alle vogele	von sînem süezen sange.
die liute, die dâ sliefen,	die enlâgen dô niht ze lange.
380
sîn liet erklanc im schône,	ie hôher und ie baz.
Hagene ez selbe hôrte:	bî sînem wîbe er saz.
ûz der kemenâten	muosens in die zinne.
der gast wart wol berâten:	ez hôrte ez diu junge küniginne.
381
des wilden Hagenen tohter	und ouch ir magedîn
die sâzen unde loseten	daz diu vogellîn
vergâzen ir doene	ûf dem hove vrône.
wol hôrten ouch die helde,	daz der von Tenemarke sanc sô schône.
382
dô wart im gedanket	von wîben und von man.
dô sprach von Tenen Fruote:	'mîn neve möhte lân
sîn ungevüege doene,	die ich in hoere singen.
wem mac er ze dienste	als ungevüege tagewise bringen?'
383
dô sprâchen Hagenen helde:	'herre, lât vernemen.
niemen lebet sô siecher.	im möhte wol gezemen
hoeren sîne stimme,	diu gêt ûz sînem munde.'
'daz wolde got von himele',	sprach der künic, 'daz ich si selbe kunde.'
384
dô er drî doene	sunder vol gesanc,
alle die ez hôrten	dûhte ez niht ze lanc.
si hetenz niht geahtet	einer hende wîle,
ob er solde singen,	daz einer möhte rîten tûsent mîle.
385
dô er nu hete gesungen	und er von sedele gie,
diu junge küniginne	vroelîcher nie
wider morgen wart gekleidet	mit lichtem ir gewande.
diu junge maget edele,	nâch ir vater Hagenen si dô sande.
386
der herre gie balde	dâ er die maget vant.
in triutelîcher wîse	dô was der megede hant
an ir vater kinne.	si bat in vil sêre,
si sprach: 'liebez vaterlin,	heiz in hie ze hove singen mêre.'
387
er sprach: 'liebiu tohter,	ze âbendes stunt
wolde er dir singen,	ich gaebe im tûsent phunt.
nu sint sô hôchvertic	die geste mîne,
daz uns hie ze hove	niht wol erklingen die doene sîne.'
388
swaz si gebiten kunde,	der künic dannen gie.
des vleiz sich aber wîse	Hôrant, daz er nie
gesanc sô ritterlîche.	die siechen zen gesunden
sich mit ir sinnen	dannen niht wol gescheiden kunden.
389
diu tier in dem walde	ir weide liezen stân.
die würme die dâ solden	in dem grase gân,
die vische die dâ solden	in dem wâge vliezen,
die liezen ir geverte.	jâ kunde er sîner vuoge wol geniezen.
390
swaz er dâ dienen mohte,	daz dûhte niemen lanc.
sich minnert in ir koeren	dâ von der phaffen sanc,
die glocken niht klungen	sô wol alsam ê.
allez daz in hôrte,	dem was nâch Hôranden wê.
391
dô bat in ir gewinnen	daz schoene magedîn,
daz ez âne ir vater wizzen	vil tougen solde sîn,
noch daz ir muoter Hilden	lernen sagt daz maere,
daz er alsô tougenlîche	bî ir in ir kemenâten waere.
392
ein gevüeger kameraere	der erarnte den solt.
daz si im gap ze miete,	daz was rôt golt,
licht unde tiure	zwelf bouge swaere,
daz der sanges meister	ze âbende in ir kemenâten waere.
393
er warp ez tougenlîchen.	jâ vreute sich der man,
daz er sô guoten willen	dâ ze hove gewan.
er was von vremeden landen	gevarn nâch ir minne.
durch die sîne vuoge	truoc si im wol von schulden holde sinne.
394
si hiez ir kameraere	vor dem hûse stân,
daz niemen ensolde	nâch im dar in gân,
unz si vol gehôrte	die wîse die er sunge.
dâ was manne niemen	wan er unde Môrunc der junge.
395
den helt bat si sitzen.	'ir sult mich hoeren lân',
sprach diu maget edele,	'daz ich ê vernomen hân:
des lustet mich vil sêre,	wande iuwer stimme
diu ist vor aller vreude	ob aller kurzwîle ein gimme.'
396
'getôrste ich iu singen,	vil schoenez magedîn,
daz mir dar umbe naeme	niht daz houbet mîn
iuwer vater der künic Hagene,	mir solde niht versmâhen
swâ ich iu möhte dienen,	waeret ir mîns herren lande nâhen.'
397
dô huop er eine wîse,	diu was von Amilê,
die nie kristen mensche	gelernte sît noch ê,
wan daz er si hôrte	ûf dem wilden vluote.
dâ mite diente ze hove	Hôrant der snelle degen guote.
398
dô er die süezen wîse	ze hove vol gesanc,
dô sprach diu maget schoene:	vriunt, du habe danc'
si gap im ab ir hende,	niht goldes was sô guotes.
si sprach: 'ich lône iu gerne,	des bin ich iu vil williges muotes.'
399
si gab im des ir triuwe	mit willen an die hant:
getrüege si immer krône	und daz si gewünne lant,
daz man in verrer	kunde niht vertrîben
wan zuo ir bürge.	dâ möhte er mit êren wol belîben.
400
swaz im diu vrouwe büte,	des enwolde er niht,
wan einen gürtel:	'des man mir vergiht,
daz ich si behalten,	maget vil minneclîche.
den bringe ich mînem herren,	sô ist er mîner maere vreuden rîche.'
401
si sprach: 'wer ist dîn herre	oder wie ist er genant?
mac er haben krône	oder hât er eigen lant?
ich bin im durch dîne liebe	holt vil sicherlîchen.'
dô sprach der Tene küene:	'ich gesach nie künic alsô rîchen.'
402
er sprach: 'und melde uns niemen,	vil schoene magedîn,
sô sagete ich dir gerne,	wie uns der herre mîn
von im scheiden lieze,	dô er uns her sande,
durch dînen willen, vrouwe,	ze dînes vater bürge unde lande.'
403
si sprach: 'lâz mich hoeren,	waz mir der herre dîn
ûz iuwerm lande enbiete.	ist ez der wille mîn,
des bringe ich dich wol innen,	ê daz wir uns gescheiden.'
Hôrant vorhte Hagenen:	im begunde dâ ze hove leiden.
404
er sprach zuo der vrouwen:	'sô enbiutet er dir daz,
daz dich sîn herze minnet	an aller slahte haz.
nu lâz in geniezen,	vrouwe, dîner güete.
er hât durch dich einen	genomen von allen vrouwen sîn gemüete.'
405
si sprach: 'got müeze im lônen,	daz er mir waege sî.
koeme er mir ze mâze,	ich wolde im ligen bî,
ob du mir woldest singen	den âbent und den morgen.'
er sprach: 'ich tuon ez gerne,	des sît âne aller slahte sorgen.'
406
er sprach zer schoenen Hilden:	'vil edelez magedîn,
mîn herre tägelîche	hât in dem hove sîn
zwelve, die ze prîse	vür mich singent verre.
swie süeze si ir wîse,	doch singet aller beste mîn herre.'
407
si sprach: 'nu sô gevüege	dîn lieber herre sî,
ich wil gên im nimmer	des willen werden vrî,
ich gelône im der gedanke,	die er hât nâch mînen minnen.
getôrste ich vor dem vater mîn,	sô wolde ich iu gerne volgen hinnen.'
408
dô sprach der degen Môrunc:	'vrouwe, uns sint bereit
siben hundert recken,	die liep unde leit
gerne mit uns dulden,	komet ir ûf die strâze,
sô sît an alle sorge,	daz ich iuch dem wilden Hagenen lâze.'
409
er sprach: 'wir wellen hinnen	urloubes gern,
sô sult ir Hagenen biten,	daz er iuch müeze gewern,
junge maget edele,	er und iuwer muoter
sol unser kiele schouwen	und ir selbe', sprach der degen guoter.
410
'daz tuon ich vaste gerne,	ob mirs mîn vater gân.
dar zuo sult ir biten	den künic und sîne man,
daz ich und die magede	rîten zuo den ünden.
ob iuz mîn vater geheize,	sô sult ir mirz drîer tage vor künden.'
411
der hoehste kameraere	hete des gewalt,
daz er ofte bî ir waere.	der selbe degen balt
der gienc an der wîle	durch maere vür die vrouwen.
die helde vant er beide:	dô mohten si ir lebenes niht getrouwen.
412
er sprach ze vroun Hilden:	'wer sint die sitzent hie?'
dô wart den helden	sô rehte leide nie.
er sprach: 'wer hiez iuch beide	gên ze kemenâten?
swer iu daz gevuocte,	der hât iuch entriuwen gar verrâten.'
413
si sprach: 'nu lâ dîn zürnen,	si mügen wol genesen,
ob du mit ungemache	niht immer wellest wesen,
du solt si tougenlîchen	ze ir gemache bringen.
jâ hulfe in anders übele,	daz er sô ritterlîchen kan gesingen.'
414
er sprach: 'ist ez der recke	der sô wol singen kan?
der selben weiz ich einen,	daz künic nie gewan
bezzeren recken	— mîn vater und sîn muoter
diu wâren eines vater kint —,	wan er was ein zierer degen guoter.'
415
diu maget begunde vrâgen:	'wie was der genant?'
er sprach: 'er hiez Hôrant	und was von Tenelant.
swie er ir niht entrüege,	er diente im die krône.
swie si mir sîn vremede,	wir lebeten ie bî Hetelen schône.'
416
dô Môrunc den erkande,	den man in sehte bôt
dâ heime in sînem lande,	dô gienc dem recken nôt,
im erwielen sîniu ougen,	truoben er began.
dô sach diu küniginne	den recken güetlîchen an.
417
ouch sach der kameraere	der recken ougen naz.
er sprach: 'liebiu vrouwe,	ich wil iu sagen daz,
ez sint mâge mîne.	nu helfet, daz genesen
dise helde beide,	ich wil ir hüetaere wesen.'
418
dem recken wart in sorge	ein teil sîn herze wunt.
'tôrste ich vor mîner vrouwen,	ich kustes an ir munt,
dise recken beide.	des ist nu langiu stunde,
daz ich von Hegelingen	nâch dem künic Hetelen vrâgen kunde.'
419
dô sprach diu juncvrouwe:	'sint si die neven dîn,
mir suln deste lieber	dise geste sîn:
sô solt du die helde	mînem herren künden,
daz si alsô gâhes	niht enkomen zuo des meres ünden.'
420
dô giengen sundersprâchen	die zwêne ritter guot.
Môrunc dem kameraere	sagete sînen muot,
daz si durch vroun Hilden	koemen zuo dem lande,
und wie der künic Hetele	si nâch vroun Hilden dar sande.
421
dô sprach der kameraere:	'mir ist beidenthalben nôt,
nâch des küneges êre	und wie ich iu den tôt
gevremede von dem künege.	und wirt er des inne,
daz ir gert der magede,	sô enkumt ir nimmer von hinnen.'
422
dô sprach der degen Hôrant:	'hoere waz ich dir sage.
wir gern urloubes	an dem vierden tage,
daz wir wellen scheiden	hinnen von dem lande.
sô muotet uns ze gebene	der künic mit schatze unde mit gewande.
423
sô muote wir nihtes mêre	— des solt du uns helfen biten —,
wan daz uns wer her Hagene	mit vil guoten siten
rîten zuo den scheffen,	er und mîn vrouwe
sîn wîp diu küniginne,	unde unser kiele dâ schouwe.
424
mac uns dar an gelingen,	sô swindet unser leit
und ist wol gewendet	unser arbeit,
ob diu maget edele	rîtet zuo den griezen.
des müge wir dâ heime	wider den künic Hetelen wol geniezen.'
425
dô brâhte si ûz dem hûse	der listige man,
alsô daz der maere	der künic sich nie versan,
dô si zir herberge	balde solden gâhen.
alsô getriuwer dienest	dorfte dâ ze hove in niht versmâhen.
426
si sageten heimlîchen	dem alten Waten daz,
daz diu maget edele	minnet âne haz
den ir vriunt Hetelen	von den Hegelingen.
dô rietens mit dem degene,	wie sîs mit in ze hûse solden bringen.
427
dô sprach Wate der alte:	'koeme si ûz dem tor,
daz ich si wan eines	gestehe dâ vor,
swie halt wir gerungen	mit den von dem hûse,
diu junge küniginne	koeme nimmer zuo ir vater klûse.'
428
ditze starke maere	gar verholn wart,
si rihten sich vil tougen	zuo ir widervart
und sagetenz ouch den degenen,	die in den schiffen lâgen,
si hôrtenz niht ungerne.	jâ mohte si nu lange dâ betrâgen.
429
si brâhten zuo einander	die si mohten hân.
dô wart ein geriune	under in getân,
daz in Îrlande	klagten genuoge sêre.
swie leit ez Hagenen waere,	die Hegelinge wurben vaste umb êre.
430
an dem vierden morgen	ze hove si dô riten.
iteniuwiu kleider	ze wunsche wol gesniten
truogen an die geste:	si wolden scheiden dannen.
si gerten urloubes	von dem künege und allen sînen mannen.
431
her Hagene sprach zen gesten:	'wie lât ir mîniu lant?
alle mîne sinne	ich dar zuo hete gewant,
wie ich iu geliebte	mîn lant und mîn rîche.
nu weit ir hinnen scheiden	unde lât mich ungeselliclîche.'
432
dô sprach Wate der alte:	'nâch uns gesendet hât
der voget von Hegelingen	und wil niht haben rât,
er enbringe ez zeiner suone.	ouch jâmert nâch uns sêre
die wir dâ heime liezen:	dâ von gâhen wir vil deste mêre.'
433
dô sprach der wilde Hagene:	'sô ist mir nâch iu leit.
nu ruochet von mir nemen	mîn ros und mîniu kleit,
golt und gesteine.	ich sol iu alsô gelten
iuwer grôze gâbe,	daz mich die liute drumbe iht dürfen schelten.'
434
dô sprach Wate der alte:	'ze rîche ich dar zuo bin,
daz ich iuwers goldes	mit mir iht vüere hin.
an dem uns unser mâge	erworben habent hulde,
Hetele der rîche,	der vergaebe uns nimmer unser schulde.
435
wir hân eines dinges,	her künic, an iuch muot
— daz dunket uns êre,	ob ir daz gerne tuot —,
daz ir daz sehet selbe,	wie wir uns mügen verkosten,
biderber liute spîse	waer uns in drien jâren niht gebrosten.
436
wir gebenz swer es ruochet,	sît wir hinnen varn.
got müeze iuwer êre	und iuch selben hie bewarn.
jâ scheiden wir nu hinnen,	wir mügen niht lenger bîten.
daz hoehste geleite	sol mit uns zuo den scheffen rîten.
437
iuwer schoene tohter	und mîn vrouwe iuwer wîp
sol unser habe schouwen.	des ist uns der lîp
getiuret an ein ende,	geschult uns disiu êre,
edeler künic Hagene,	sô bite wir iuch deheiner gâbe mêre.'
438
der wirt sprach den gesten	gezogenlîchen zuo:
'nu ir niht weit erwinden,	sô heize ich morgen vruo
satelen hundert moere	mageden unde vrouwen.
ich wil ouch mit in selbe	und wil iuwer schef gerne schouwen.'
439
die naht mit urloube	si riten zuo der vluot.
dô truoc man zuo der erde	wîn, der was vil guot,
gelegen in den kocken,	und dar zuo vil der spîse.
ir schif wurden ringe:	Fruote von Tenemarke der was vil wîse.
440
an dem naehsten morgen	nâch vruomessezît,
dô kleiten sich meide	und wîp wider strît,
die Hagene vüeren wolde	zuo des meres sande.
hie mite riten	wol tûsent recken guot ûz Îrlande.
441
die geste heten messe	ze Baljân vernomen.
der künic niht enwesse,	daz ez im möhte komen
ze als schedelîchem leide.	ez was im gar an êre
der vremeden recken scheiden,	dâ von verlôs er sîner tohter êre.
442
dô si nu komen wâren	dâ er diu schef vant,
vroun Hilden und ir vrouwen	die huop man ûf den sant.
dô solden zuo den scheffen	die minniclîchen vrouwen.
die krame stuonden offen,	dâ diu küniginne mohte wunder schouwen.
443
her Hagene sack ouch selbe	swaz ûf der krame lac,
vil manic kleinât rîche,	diu man vil hôhe wac.
dô er und sîne gesellen	daz geschouwet bieten,
dô lie manz sehen die magede,	den si ir guote bouge nemen rieten.
444
der künic ûf einen kocken	durch schouwen was gegân.
ê diu zür der krame	vol wurde ûf getân,
die Waten anker wâren	alle von dem grunde,
dô schiet man die vrouwen,	sô man aller gaeheste kunde.
445
niemens ungemüete	Waten dô wac.
er enruohte war daz koeme	daz ûf der krame lac.
die alten küniginne	schiet man von der meide.
ûf sprungen die dâ lâgen:	dô was dem künic Hagenen grimme leide.
446
ûf zuhten si die segele,	die liute sâhen daz.
die si ûz dem scheffe stiezen,	der wart vil maneger naz;
si swebeten sam die vogele	in dem wazzer bî dem sande.
der alten küniginne	wart nâch ir vil lieben tohter ande.
447
dô der wilde Hagene	die gewâfenten sach,
wie rehte grimmiclîche	der helt mit zorne sprach:
'nu bringet mir vil drâte	die mînen gerstangen.
si müezen alle sterben,	die ich mit mîner hant erlange.'
448
schône sprach her Môrunc:	'nu si iu niht ze gâch.
swaz ir durch strîten	uns immer îlent nâch,
si danne wol gewâfent	tûsent iuwer helde,
die kol wir in die vlüete.	wir geben in die wazzerküelen selde.'
449
dô wolden ez niht lâzen	des küenen Hagenen man.
der grunt begunde erglizen:	strîten wart getân,
erzogen sach man wâfen	und ouch mit spern schiezen.
si wurfen in diu ruoder.	man sach die kocken von dem stade vliezen.
450
wate der vil küene	von dem stade spranc
in eine galie,	daz im diu brünne erklanc.
mit vünfzic sîner beide	er ilte Hilden nâch.
den stolzen burgaeren	den was ze urliuge gâch.
451
dô kom der degen Hagen ê.	gewaefen er dô truoc
und ein swert vil scharphez,	ez was swaere genuoc.
sieb bete dô her Wate	gesûmet nâch ze lange.
der belt was vil grimme,	er truoc nu hôhe sîne gerstangen.
452
er ruofte harte lûte.	îlen er dô hiez
— daz liut allenthalben	er ungeruowet liez —,
ob er sîne geste	möhte noch ergâhen,
die tâten im vil leide.	er wolde si alle slahen unde hâhen.
453
vil schiere er hete gewunnen	ein vil michel her.
dô kunde ern niht gevolgen	ûf dem wilden mer:
diu schif diu wâren dürkel	und vil unbereite,
diu dâ gâben solden.	Hagenen den schaden man dô seite.
454
dô enweste er wie gebâren,	wan daz er ûf den griez
mit anderm sîme gesinde	die wercliute hiez
iteniuwer schiffe	gâhen zuo dem vluote.
im kômen die dâ mohten:	er gewan vil ziere degene guote.
455
an dem sibenden morgen	rûmten si Îrlant,
die der künic Hetele	nâch Hilden hete gesant,
der enwas niht mêre,	wan tûsent sîner manne.
dô brâhte Hagene	drizic hundert helde nâch in dannen.
456
die küenen Tene hieten	nâch Hetelen gesant.
si kunten im diu maere,	daz si im in sîn lant
die Hagenen tohter braehten	nâch grôzer sîner êre.
swie si des niht gedrehten,	jâ gewunnen si der arbeite mêre.
457
Hetele der herre	vil vroelîche sprach:
'mîn sorge ist mir nu verre.	mir ist liep, daz ie geschach
arbeit mîn er helde	in dem Hagenen lande.
die rûmten mîne selde,	nâch den was mir ze allen zîten ande.
458
ob du mich niht triegest,	vil lieber bote mîn,
und mir daz niht liegest,	hâst du daz magedîn
bî mînen vriunden	gesehen in disen rîchen,
sô wil ich dir lônen	dirre maere vil lobelîchen.'
459
'ich sage dir âne triegen,	daz ich die maget sach,
daz si ir vorhte sêre.	diu küniginne sprach,
swie si von dannen waeren	nu vil manege mîle:
'des bin ich in swaeren,	ob mîn vater mit schiffen nâch uns île.'
460
dem boten hiez er geben	wol hundert marke wert.
die ritter die dâ wâren,	heim im dê swert
brâhte man den helden	und manegen schilt guoten.
ûz Hetelen selden	begunden si der hovereise muoten.
461
alle die er bringen	kunde mit im dan,
des het er gedingen,	daz er sîne man
sô ze velde braehte,	mit sô grôzer êre,
daz man küneges tohter	enphienge nie sô lobelîche mêre.
462
swie harte si sîn gâhten,	die mit im solden dan,
wie lützel si des nâhten,	ê er daz volc gewan,
des si dar zuo bedorften.	ez muote si vil sêre.
doch brâhte er sîner vriunde	gegen Hilden tûsent oder mêre.
463
gekleidet vliziclîchen	— des enwas niht rât —
die armen zuo den rîchen	in lichter sarwât
wolden si die vrouwen	heim ze lande bringen.
die stolzen helde ziere	heten zuo der verte hôch gedinge.
464
dô si von hûse wolden,	man hôrte grôzen schal,
dô si von hinnen solden,	ze berge und ouch ze tal
mohte man vil liute	dâ bî dem wege schouwen.
Hetele dar zuo gâhte,	wie er gesaehe sîne schoene vrouwen.
465
nu was Wate der alte,	der helt von Sturmlant,
ze Wâleis in der marke	komen ûf den sant.
die wazzermüeden helde	ze stade si dô giengen.
an der vriunde selden	vroun Hilden si dô herberge viengen.
466
si hiezen nider spannen	mitten zuo der vluot
des alten Waten mannen,	ir leben daz wart guot.
dô erstuonden in vil schiere	iteniuwiu maere.
man sagete den helden ziere, daz Hetele	von den Hegelingen dar komen waere.
467
unde rite engegene	der triutinne sîn,
er und sîne degene.	diu vil schoene magedîn
heten des gedingen,	daz man si mit êren
zuo ir lande braehte.	si versâhen sich deheines strîtes mêre.
468
ez wolden niht gelouben	die von Tenelant,
si ensaehenz mit ir ougen,	ze Wâleis ûf den sant
Hagenen helde koemen	nâch Hilden der rîchen.
die von Nortlande	die lâgen ûf dem stade gâmelîchen.
469
si heten swes si gerten,	spîse unde wîn.
die lantliute werten,	die mite solden sîn,
die geste swes si mohten:	des si solden bringen
und des si haben wolden,	dar an liezens in niht misselingen.
470
Hetele dô nâhen	zuo in in daz lant
mit den begunde gâhen,	nâch den ê was gesant,
zuo sînes vater erbe.	die komen ouch sô rîche
mit lichter sarwaete,	daz si die geste sâhen williclîche.
471
die von Hegelingen	riten ûf den plan,
von den snellen helden	ein buhurt wart getân
nâch der tumben muote	ze ritterlîchem prîse.
dô kom von Tenen Fruote.	mit im reit ouch Wate der vil wîse.
472
von verren sach si Hetele.	er wart hôch gemuot.
er sprancte dar durch liebe	der maere helt guot,
dâ er sach zwêne die besten,	die er hin ze Îrlande
mit den werden gesten	nâch des wilden Hagenen tohter sande.
473
dô sâhen ouch si gerne	den helt vil lobelîch.
si muosen vreude lernen	aller tägelîch.
si heten kumber grôzen	dâ vor in vremeden landen,
Wate mit sînen genôzen;	den buozte künic Hetele nu ir anden.
474
vor liebe kuste er beide	die altgrîse man.
lieber ougenweide	der künic hie gewan,
danne er in langen zîten	waetlîch ie gesaehe.
ich geloube, daz dem degene	in kurzer zîte lieber noch geschaehe.
475
mit lachendem muote	vor den vriunden sîn
sprach der künic Hetele:	'ir liebe boten mîn,
ich hete nâch iu helden	grôze und michel swaere,
daz in den Hagenen selden	al mîn volc in vancnüsse waere.'
476
dô sprach Wate der alte:	'des ist niht geschehen.
von sô grôzem gewalte	hôrte ich nie gejehen,
als der starke Hagene	phliget in sînem lande.
sîn volc ist übermüete.	selbe ist er ein helt ze sîner hande.
477
ez was ein saelic stunde,	daz sîn ie wart gedâht,
swer dir daz râten kunde,	daz wir dir haben brâht
die schoenesten vrouwen,	daz ist âne lougen,
geloube mir der maere,	die ich ie gesach mit mînen ougen.'
478
dô sprach der ritter edele:	'swie schiere ez mac geschehen
— die vînde die sint vrevele —,	ir sult umbe sehen,
daz uns iht ergâhe	hie in dirre marke
Hagene der ist grimme.	sô gemüejet uns sîn übermüete starke.'
479
wate und ouch her Fruote	die vuorten mit in dan,
die küene helde guote,	des künic Hetelen man
dâ si die schoenen Hilden	des tages solden schouwen.
ob den vil lichten schilden	wart sît der helme vil verhouwen.
480
under einem schoenen huote	diu edele maget gie.
die von Hegelingen	bî dem künege hie
wâren nu von rosse	komen ûf daz gras,
mit vroelîchem muote	daz edele ingesinde was.
481
Îrolt von Nortrîche	und Môrunc von Friesenlant,
der recken ietwedere	gienc ir an der hant,
Hilden der schoenen,	dâ si den künic ersâhen.
ir lop man möhte kroenen.	dô gedâhte si den helt enphâhen.
482
mit ir giengen meide	zweinzic oder baz
samet in wîzen sabenen,	ich wil gelouben daz.
die aller besten sîden,	die man möhte vinden
— daz mohten si wol lîden —,	die sach man an den tugentlîchen kinden.
483
in guoten siten schône	grüezen dô began,
diu sît bî im truoc krône,	der waetlîche man
die maget minneclîche,	des in wol geluste.
er beslôz mit armen	der schoenen lîp vil süezeclîch er kuste.
484
dô enphie er al besunder	diu schoenen magedîn.
dâ was einiu under,	diu mohte vil wol sîn
geborn von küneges künne.	si was von rîchen mâgen;
si was der vrouwen einiu,	die dâ lange bî dem grîfen lâgen.
485
diu was geheizen Hildeburc.	vrou Hilde, Hagenen wîp,
diu hete erzogen nâch êren	ir tugenthaften lîp.
si was von Portegâle	geborn ûz dem lande.
si sach vil vremeder diete:	dâ von was ir nâch ir vriunden ande.
486
Hetele hete gegrüezet	in zühten diu magedîn.
noch was in ungebüezet.	dô si wânden sîn
komen von arbeite,	an dem naehsten morgen,
dô ez aller êrste tagete,	dô komen aber si ze grôzen sorgen.
487
daz edele ingesinde	wart gegrüezet über al.
bî dem Hagenen kinde	sâzen si ze tal
an die lichten bluomen	under guoten sîden.
Hagene was nu nâhen:	dâ von muosens grôze arbeit lîden.
488
dô ez âbenden begunde,	dô sach von Tenelant
Hôrant der degen küene	— ez was im wol bekant —
ein kriuze in einem segele;	bilde lâgen drinne.
solher pilgerîne	hete Wate der alte lützel minne.
489
lûte ruofte dô Môrunc	Îrolden zuo:
'nu sage dem künic Hetelen,	waz er dar umbe tuo:
ich sihe diu Hagenen wâfen	in einem segele rîchen,
wir hân ze vil geslâfen.	jâ schiede wir von im harte unsenfticlîchen.'
490
Hetelen saget man maere,	daz von Îrlant
sîn sweher her gevüeret	zuo im ûf den sant
vil manegen kocken hiete	unde ouch galeide.
râten mit dem künege	begunden ..... beide.
491
dô hôrte ez vrou Hilde,	daz schoene magedîn.
diu edele und diu milde	sprach: 'der vater mîn,
kumt er her ze lande,	maneger schoenen vrouwen
er tuot mit sînen handen,	des zer weide niemen mac getrouwen.'
492
'daz sul wir wol behüeten '	sprach der degen Îrolt.
'ob er begunde wüeten,	und waere ein berc golt,
den naeme ich niht dar umbe,	sô der strît geschaehe,
daz ich Waten mînen ôheim	bî dem wilden Hagenen niht ensaehe.'
493
dô weinten und klageten	diu waetlîchen kint.
diu schif vil sêre wâgeten.	ez hete ein âbentwint
ze Wâleis in die marke	gevüeret vil der helde.
in den herten stürmen	gâbens in die bluotvarwen selde.
494
wate hiez vroun Hilden	ûf einem kocken sîn.
begâhen mit den schilden	vür diu magedîn
was in allen enden	daz schef behüetet sêre.
ez was bî den vrouwen	ze huote hundert ritter oder mêre.
495
dô rillten sich ze strîte	alle die ûf den sant
mit Hilden komen wâren	und die von Îrlant
die maget heten gevüeret	dem künege ze leide.
vil maneger gesunder	gestuont sînes lîbes an der vreide.
496
Hetelen hôrte man rüefen	vaste an sîne man:
'nu wert iuch, snelle degene!	der nie golt gewan,
dem heize ich ez mezzen	mit vollen âne wâge.
ir sult des niht vergezzen,	ir stât den von Îrlant hie ze lâge.'
497
mit ir strîtgeziuge	si sprungen an den sant.
gemüet mit urliuge	Wâleis al daz lant
wart in den zîten	von den guoten helden.
die vînde mit den vriunden	wolden alle sîn an einer selde.
498
nu was komen Hagene	zuo in an den sant.
dâ wurden sper geschozzen	von guoter helde hant.
die ûf dem sande stuonden,	die werten sich vil sêre
der von Îrlande.	dâ von geschach der wunden deste mêre.
499
wie gar selten iemen	gaebe dar sîn kint,
dâ man sô kunde dienen,	daz man des viures wint
slüege ûz herten helmen	ze sehene schoenen vrouwen!
ir reise mit den gesten	hete die schoenen Hilden nâch gerouwen.
500
dô stuonden wider wehsel	mit den herten spern
die under den schilden	ein ander wolden wern
der vil tiefen wunden	durch halsberge guote.
geverwet was daz wazzer	mit dem verchbluote.
501
Hagene ruofte lûte,	daz im der wâc erdôz?
an die sîne trûte	— sîn sterke diu was grôz —,
daz si im erwerben hulfen	daz lant mit tiefen wunden,
daz tâten si vil gerne.	des wurden wâfen an der herte vunden.
502
Hagene hete gedrungen	vil nâhen an den sant.
diu swert vil lûte erklungen.	Hagene Hetelen vant
ze nâhest bî dem wazzer	an dem stade stân.
er hete ez lobelîche	mit sînen ellen dâ getân.
503
Hagene in grôzem zorne	spranc ûz in die vluot.
der degen ûz erkorne	zuo dem stade wuot.
dô sach man ûf den recken	sam snêwes vlocken swinde
geschiezen dâ mit phîlen.	daz tete von Hegelingen daz gesinde.
504
dô wart ouch von den swerten	ein vil michel klanc.
die in dâ slahen gerten,	die muosen manegen wanc
vor sînen siegen wenken.	Hetele der vil hêre
kom ze sînem swehere.	daz beweinte diu schoene Hilde vil sêre.
505
ez was ein michel wunder,	als diu buoch uns kunt tuont,
swie starc Hetele waere,	daz vor im ie gestuont
der Hegelinge herre.	dô si begunden dringen
mit strîte zuo einander,	man hôrte guoter helme vil erklingen.
506
ez wart doch nicht gescheiden	in sô kurzer stunt.
Hetele der küene	wart von Hagenen wunt.
dô kômen sîne mâgen	mit Waten von Sturmlande.
Îrolt unde Môrunc	wâren vil guote recken zuo ir handen.
507
dô kom der degen Fruote	und Wate mit sîner schar,
tûsent helde guote	drangen mit in dar.
von den Hegelingen	die Hetelen mâgen
die sluogen vil der wunden.	die geste beidenthalp gestrewet lâgen.
508
dô heten ouch mit ellen	erworben nu daz lant
die Hagenen gesellen.	dô kômen ûf den sant
mit disen werden gesten	die von Îrrîche.
dâ muosen helme bresten.	si wurben nâch den vrouwen grimmiclîche.
509
Hagene gevriesch bî im	Hetelen daz kint.
manegen ungesunden	vrumten si dâ sint,
die von Tenelanden	und die von Hegelingen.
ze Hagenen dem wilden	hiezen si Waten den alten dringen.
510
Hagene der starke	durch die schar brach,
sîn swert daz sneit sêre.	williclîche er rach,
daz im wâren enphüeret	die minniclîchen meide.
dô wart manic rinc gerüeret:	im was harte groezlîche leide.
511
er troute mit dem swerte	gerechen niht den haz.
von sîner gerstangen	hinder sich gesaz
vil manic ritter edele,	der nimmer mer diu maere
gesagete in sînem lande,	wie im in dem strîte gelungen waere.
512
dô kom Wate schiere,	ein edel ritter guot,
dâ er ûz den lichten ringen	daz vliezende bluot
sach rinnen von den swerten	den sînen mâgen.
die im dâ helfen gerten,	vünf hundert der bî im dâ veige lâgen.
513
dô hete sich gesamenet	daz volc über al,
die vremeden zuo den kunden.	dô huop sich michel schal.
wate unde Hagene	zuo einander drungen:
die in dâ mohten wichen,	die dûhte in waere wol gelungen.
514
dô gienc ûf Waten den alten	der künic mit grôzen slegen,
wol mohte er sterke walten.	dâ sach manic degen
daz viur ûz helmen stieben	sam die rostbrende.
si kunden helme klieben	beide mit vil manhafter hende.
515
dô sluoc Wate der alte,	daz im erwaget der wert,
ez wurden vor gewalte	die vrouwen kûme ernert.
dô was dem künic Hetelen	gebunden sîn wunde.
er begunde vrâgen,	wâ er sînen neven Waten vunde.
516
bî Vâlande aller künege	sînen neven er dô vant.
des wert sich in der mâze	der von Sturmlant,
daz man von in beiden	sagen möhte maere,
wie Wate der vil küene	bî Hagenen in dem herten strîte waere.
517
Hagenen brast diu stange,	die er in dem strîte truoc,
ûf dem Waten schilde,	der was starc genuoc.
ouch enkunde baz vehten	in allen den rîchen
recken deheiner.	Wate wolde Hagenen niht entwîchen.
518
dô sluoc er durch die hûben	des künic Hetelen man,
Waten den vil küenen,	daz ûz dem helme ran
daz bluot von sîner wunde.	dô kuolten nu die winde.
ez was gên âbunde.	man sach strîten allez daz gesinde.
519
wate galt mit zorne	den grimmen verchslac,
daz bluotiger zehere	sô vil ûf im lac.
er sluoc den wilden Hagenen,	daz von des helmes bouge
daz swert sêre erglaste,	im gebrast des tages vor den ougen.
520
dô was ouch wunt Îrolt,	der helt von Nortlant.
swie vil der tôten laege	gestreut von sîner hant,
er kunde Waten den alten	niht von Hagenen bringen,
die vrouwen weinten sêre,	dô si hôrten der swerte sô vil klingen.
521
Hilde diu vil schoene	ruofte trûreclîchen an
Hetelen den recken,	daz er braehte dan
ir vater ûz den noeten	von Waten dem grîsen.
er hiez nâch sînem venre	daz volc zuo dem herten sturme wîsen.
522
Hetele der herre	vil hêrlîchen streit.
er kom ze Waten dem alten:	daz was dem helde leit.
der recke ruofte an Hagenen:	'durch iuwer selbes êre
lât sich den haz verenden,	daz unser vriunde niht ensterbe mêre.'
523
Hagene vrâgte lûte	— grimme was sîn muot —,
durch wen erz scheiden solde.	dô sprach der helt guot:
'ditze bin ich Hetele	von Hegelinge lande,
der sîne liebe mâge	'sô verre nâch vroun Hilden gesande.'
524
Hetele spranc dar nâher,	sô noch maneger tuot,
der strît waenet scheiden.	swie harte grimmen muot
hete Wate der küene,	doch wichen si von dannen.
dô stuont balde ûf hôher	Hagene mit allen sînen mannen.
525
Hetele der vürste	den heim ab gebant.
den vride hôrte man rüefen	dâ über al daz lant.
dô sprach vater der Hilden,	daz ez gescheiden waere.
dô hôrten die vrouwen	in maneger zîte in nie sô liebez maere.
526
dô engarten si sich alle,	die strîtes phlâgen ê.
genuoge in schuofen ruowe.	manegem was ouch wê
von den tiefen wunden,	die si ûz strîte brâhten.
maneger wart dâ vunden,	die der noete nimmer mer gedâhten.
527
dô gienc der künic Hetele	zuo dem wilden Hagenen dan.
er sprach zuo dem recken:	'sît ich êren gân
Hilden iuwer tohter,	sô sult ouch ir der gunnen
daz si trage krône,	dâ si hât manegen zieren helt gewunnen.'
528
dô sprach der übermüete:	'sît ich hân vernomen,
daz si mit maneger güete	wâren nâch ir komen,
sît ist iu grôzer êren	von helden unzerunnen.
ir hât mit schoenen listen	mîne liebe tohter gewunnen.'
529
Hetele boten sande.	dô hiez er Waten komen.
si heten in langer zîte	dâ vor wol vernomen,
daz Wate arzât waere	von einem wilden wîbe.
wate der vil maere,	des gevrumte er manegem an dem lîbe.
530
dô er sich entwâfent	und selben sich gebant,
eine guote wurzen	nam er in die hant
und eine bühsen,	dâ was phlaster inne.
dô viel im vür die vüeze	Hilde diu schoene küniginne.
531
si sprach: 'Wate, lieber vriunt,	ner den vater mîn
— swie du mir gebiutest,	sô wil ich immer sîn —
und hilf sînen recken,	die dâ ligent in der molden,
und wer dîner künste	die mînem vater helfen wolden.
532
du solt ouch niht vergezzen	von Hegelinge lant
der Hetelen vriunde.	jâ habent si den sant
genetzet mit bluote,	sam ez ein regen waere.
ich mac von dirre reise	sagen immer mêre leidiu maere.
533
dô sprach Wate der alte:	'ich bin ir arzât niht
— ich wer ez mit gewalte —,	unze daz geschiht,
daz ez redet ûf eine suone	Hagene der vil rîche
mit Hetelen mînem herren.	die wîle ich si mîde schuldiclîche.'
534
dô sprach diu maget edele:	'getôrste ich dar gân!
ich hân ab leider verre	wider mînen vater getân,
daz ich mînen besten vriunt	niht getar enphâhen.
im und ouch den sînen	waen mîn gruoz harte müge versmâhen.'
535
Hagene wart gevrâget:	'helt, mac daz geschehen?
ob iuch des niht betraget,	iuch wolde gerne sehen
iuwer schoene tohter,	diu junge küniginne.
diu wolde helfen	iuwern wunden, hietet irz ze minne.'
536
'ich wil si sehen gerne,	swie si habe getân,
ich minne ouch ir enphâhen.	war umbe solde ichz lân
hie in vremeden landen,	ich ennaeme ir grüezen?
mir und mîner tohter	mac der künic Hetele wol gebüezen.'
537
Hôrant von Tenemarke	wiste si bî der hant
und ouch der degen Fruote,	dâ si den künic vant,
niwan mit einer magede	ir vater wunden schouwen.
ir was leit umb ir vriunde,	swes halt ir Hetele mohte getrouwen.
538
dô er si und Hildeburge	zuo im komen sach,
dô spranc von dem gesidele	her Hagene alsô sprach:
'willekomen, tohter,	Hilde diu vil rîche.
ich kan des niht gelâzen,	ich engrüeze iuch vil williclîche.'
539
er wolde sîne wunden	diu kint niht sehen lân:
die wurden im gebunden.	ûf hôher hiez er gân
die edelen juncvrouwen.	Wate gâhte sêre,
wie er den künic heilte,	daz diu maget weinte dâ niht mêre.
540
dô er die erzenîe,	wurzen und krût genôz,
er wart der sorgen vrîe	nâch sînem schaden grôz.
als er bestreich mit phlaster	des künic Hagenen wunden,
sîn tohter gienc hin widere,	dô vant si ir vater wol gesunden.
541
der erzenîe meister	vil unmüezic wart,
solde er guot verdienen	in grôzer hervart,
sô kundenz olbende	niht von stat getragen,
von sô grôzer künste	hôrte ich nie deheinen man gesagen.
542
zehant dô heilte er Hetelen	von Hegelinge lant,
dar nâch die andern alle,	swaz man der dâ vant.
die mit deheinen listen	heilen iemen kunde,
die mohte ouch er gevristen.	er machtes vor dem tôde wol gesunde.
543
dô wolden si die magede	niht lenger lâzen dâ.
Hagene sprach ze Hilden:	'wir suln anderswâ
in der zît belîben,	unz man daz velt gerûme
von den manegen tôten.	si hânt ir tages erbiten her vil kûme.'
544
Hetele bat dô Hagenen	mit im in sîn lant.
ein teil lobete erz trâge,	wan daz er wol ervant,
daz der von Hegelingen	hete lant vil rîche.
mit sîner lieben tohter	vuor er ze hûse sît vil lobelîchen.
545
die jungen beide sungen,	dô si wolden dan:
den lebenden was gelungen.	si heten dort verlân
armer unde rîcher	wol driu hundert tôte.
si lâgen jâmmerlîchen	mit den scharphen swerten gar zerschrôten.
546
die hermüeden helde	die vuoren in daz lant,
daz man die liute drinne	vil vroelîche vant.
iedoch jener mâge,	die dort lâgen tôt,
die vreuten sich vil trâge.	des gienc in waerlîchen nôt.
547
diu Hilden heimreise	mit Hetelen geschach.
dô weinte manic weise.	dar nâch ir gemach
si vuocte in den landen.	von dem künege hêre
gekroenet wart vrou Hilde.	daz was den Hegelingen gar ein êre.
548
Hetelen was gelungen,	als er hete gegert.
die alten zuo den jungen	ze hove truogen swert.
sam tâten ouch die geste	bî dem vürsten rîchen.
die hôchzît vroun Hilden	lobete ir vater Hagene billîche.
549
mit wie getâner êre	im brûtstuole saz
diu maget vil hêre!	jâ saget man daz,
daz dâ wâfen nâmen	vünf hundert ritter guote.
dô was aber kameraere	von Tenemarke der wîse Fruote.
550
die rîcheit grôze	het Hagene wol gesehen.
die Hetelen genôze	heten ê dort verjehen,
daz er herre waere	ob siben rîchen landen.
die armen si dô alle	mit vreuden heim ze herberge sanden.
551
dô gap der künic Hetele	silber und gewant,
ros und golt daz rôte	den von Îrlant,
daz sîs niht mohten vüeren	von sînem hûse mêre.
er gewan si im ze vriunde.	des hete vrou Hilde michel êre.
552
an dem zwelften morgen	rûmten si diu lant.
diu ros von Tenemarke	diu zôch man ûf den sant,
den die mane verre	ûf die hüeve giengen.
liep was ez den gesten,	daz si Hetelen künde ie geviengen.
553
truhsaeze unde marschalc	mit Hagenen riten dan,
schenke und kameraere.	swaz er der ie gewan,
man diente im nie sô schône	bî sîn selbes guote.
daz Hilde truoc dâ krône,	des was dem wilden Hagenen wol ze muote.
554
imbiz und nahtselde	namens ûf den wegen.
Hagenen und sîner helde	wart alsô gephlegen,
daz sîz dâ heime	wol sagen kunden,
die Hetelen vriunde,	daz si in wol aller êren gunden.
555
Hagene Hildeburgen	mit armen umbeslôz.
er sprach: 'nu phlic Hilden	durch dîne triuwe grôz.
ez gewirret lîhte vrouwen	an sô grôzem ingesinde.
nu tuo genaediclîchen,	daz man die zuht an dir bevinde.'
556
'herre, ich tuon ez gerne.	ez ist iu wol geseit,
dô ich bî ir muoter	hete vil manic leit,
daz ich si zeiner wîle	ze vriunde nie verlôs,
ir volgte ich manege mîle,	ê si iuch ze vriedel ie erkôs.'
557
die andern hiez er alle	vür sich ze hove gân.
dô mohten die vrouwen	ir weinen niht verlân.
er enphalch si dem wirte	alle bî der hende.
er sprach: 'sît in genaedic.	jâ sint diu schoenen kint hie vil ellende.'
558
er sprach ze sîner tohter:	'ir sult krône tragen,
daz ich und iuwer muoter	iemen hoeren sagen,
daz iuch iemen hazze.	ir sît sô guotes rîche,
liezet ir iuch schelten,	daz stüende iuwerm namen unlobelîchen.'
559
Hagene kuste Hilden	und neic dem künege her.
er und sîn gesinde	gesâhen nimmer mer
daz lant ze Hegelingen:	si kômen in ze verre.
gegen Baljâne	schifte sich Hagene der herre.
560
sît dô er dâ heime	bî ir muoter saz,
der alten küniginne	Hagene sagete daz,
er kunde ze niemen	sîn tohter baz bewenden.
hete er ir noch mêre,	er woldes hin ze Hegelingen senden.
561
des lobte diu schoene Hilde	den waltenden Krist:
'daz uns mit unser tohter	sô wol gelungen ist,
des vreunt sich mîne sinne,	daz herze mit dem muote.
wie gehabet sich ir gesinde	dâ und ouch vrou Hildeburc diu guote?'
562
dô sprach der herre Hagene:	'liute unde lant,
des hânt si sich getroestet.	alsô rîch gewant
bî uns nie getruogen	unser tohter junevrouwen.
wir müezens lân belîben.	durch si wart der brünnen vil verhouwen.'
563
nu lâzen disiu maere:	ich wil iu sagen daz,
daz Hetelen künne,	daz in dem lande saz,
wie si im muosen zinsen	die bürge zuo dem lande.
ze hove kômens alle,	als Hetele und vrou Hilde nâch in sanden.
564
wate reit zen Stürmen,	Môrunc in Nîflant.
Hôrant von Tenemarke,	ze Gîvers ûf den sant
brâhte er sîne helde,	wan si in dâ hiezen herre.
si erwerten dâ ir selde.	man erkande ir vogetes namen verre.
565
Îrolt ze Nortlande	gewalteclîchen saz.
er was dâ landes herre.	des mahte er deste baz
Hetelen gedienen	nâhen unde verren.
der künic was sô biderbe:	man gevriesch nie bezzern landes herren.
566
swâ Hetele in den landen	diu schoenen magedîn
gevriesch von edelem künne,	getiuret wolde er sîn,
sô er die ze hûse braehte	im ze ingesinde.
al des si willen hiete,	daz dienten si des wilden Hagenen kinde.
567
der künic mit sînem wîbe.	vil vroelîchen saz.
sam was sît ir lîbe,	die liute westen daz,
daz er die weit alle	verkür durch si eine.
die sîne mâge	gesâhen schoener vrouwen nie deheine.
568
dar nâch in siben jâren	drî stürme vaht
Hetele ze wâren.	die tac unde naht
vârten sîner êren,	swâ sîz gevüegen kunden,
von Hetelen dem degene	wurden si dicke an grôzem schaden vunden.
569
sîne bürge er stifte	und vridete sîn lant
wol nâch küneges rehte.	dicke tete sîn hant,
daz man diu maere sagete	verre in vremediu rîche,
daz er nie verzagete:	er trüege sînen namen lobelîchen.
570
wol ze hôhem prîse	her Hetele gesaz.
wate der vil wîse,	selten liez er daz,
drî stunt in dem jâre	ern saehe sînen herren.
jâ diente er im mit triuwen	beide vil nâhen unde verren.
571
Hôrant von Tenemarke	ouch dicke ze hove reit,
er brâhte dem gesinde	steine unde kleit,
golt unde sîden.	daz vrouwen tragen solden,
daz vuorte er von Tenelant	und gap ez den diez gerne nemen wolden.
572
der gemeiner dienest,	den des küneges man
künic Hetelen tâten,	dâ von er gewan
vor anderen degenen	alsô michel êre:
des volzôch vrou Hilde,	ein rîchiu küniginne hêre.
573
Hilde Hagenen tohter	zwei kindelîn gewan
bî Hetelen dem künege.	dô daz was getân,
diu hiez man schône ziehen.	daz niht an erben waeren
lant unde bürge,	man sagete harte wîte disiu maere.
574
daz eine wart ein recke	und hiez Ortwîn.
den enphalch er Waten.	er zôch daz kindelîn,
daz er an hôhe tugende	sîne sinne wande,
man lêrte in von der jugende:	er wart ein degen maere ze sîner hande.
575
diu vil schoene tohter	bî namen wart genant
Kûdrûn diu schoene	von Hegelingelant.
die sante er ze Tenemarke	durch zuht ir naehsten mâgen.
dar an si dienten Hetelen,	des enliezen si sich niht betrâgen.
576
nu wuohs diu maget junge.	schoene wart ir lîp,
daz si loben muosen	man unde wîp,
wande man si verre	von ir lande erkande.
si was geheizen Kûdrûn	unde wart erzogen in Tenelande.
577
si wuohs ouch in der mâze,	daz si wol trüege swert,
ob si ein ritter waere.	dâ von wart gegert
nâch ir edelen minnen	von vürsten harte rîchen,
genuoge die ez wurben,	den ergienc ez vil schedelîchen.
578
swie schoene waere Hilde	des künic Hetelen wîp,
noch wart michel schoener	der Kûdrûnen lîp,
oder danne ir âne Hilde	dâ her von Îrrîche.
vür ander schoene vrouwen	lobete man Kûdrûnen tägelîche.
579
er versagete si einem künege,	der saz in Alzabê.
dô er in verzîhen hôrte,	daz tete im vil wê.
der dûhte sich alsô rîche,	daz deheiner waere,
der ie gebarte	mit sîner tugende alsô lobebaere.
580
sîn name hiez Sîvrit,	er saz in Môrlant.
mit siten ellenthaften	verre er was bekant.
er was ein künic gewaltic	über siben künege hêre.
er muote Hilden tohter,	durch daz man saget von ir sô michel êre.
581
mit den sînen genôzen	ûz Ikarjâ
manegen prîs grôzen	si erwurben dicke dâ,
die sînen hergesellen,	dâ si die vrouwen sâhen.
vor der Hetelen bürge	si tâten dicke ritterschaft vil nâhen.
582
dô Hilde und ir tohter	giengen in den sal,
vor Wîgâleises hûse	hôrten si dicke schal,
dâ die von Môrlande	mit ritterlîcher krefte
wol riten in ze sehene.	des erhullen dicke schilde unde schefte.
583
ez kunde ein ritter edele	nimmer gevarn baz.
si truoc im holden willen	(ofte tete si daz),
swie salwer varwe er waere	ze sehene an sînem lîbe.
er phlaege ir minne gerne:	dô gap im si niemen ze wîbe.
584
daz klagete er âne mâze	und was im vil zorn,
daz rîten manege strâze,	solde er daz hân verlorn.
dar umbe drôte er Hetelen	ze brennen al sîn rîche.
die von Môrlande	gehabeten drumbe sich vil trûriclîche.
585
Hetelen muot der hôhe	versagete im sîn kint.
vriuntlîcher dienste	schieden si sich sint.
er sprach, ob ez im immer	koeme an die stunde,
daz gelieze er nimmer,	daz man in ûf Hetelen schaden vunde.
586
von Hegelingelande	kêrten si dô dan.
dâ von ein ritter edele	schaden vil gewan
sît in langer wîle	nâch den selben stunden:
si tâten Herwîge	swaz si gevüegen sînes schaden kunden.
587
dô gevriesch man diu maere	in Ormanîelant,
daz niemen schoener waere,	danne was erkant
diu Hetelen tohter,	Kûdrûn diu hêre.
ein künic der hiez Hartmuot:	nâch ir wande er sîne minne sêre.
588
daz riet im sîn muoter,	diu hiez Gêrlint.
dô volgete ir lêre	der junge voget sint.
sîn vater hiez Ludewîc	von Normandîelande.
dô sîs ze râte wurden,	nâch dem alten künege man dô sande.
589
Ludewîc der alte	ze Hartmuoten reit,
des er willen hiete,	des wart in niht verdeit.
dô er hôrte diu maere	von dem jungen Hartmuote,
diu wâren sorgebaere.	doch prîste im si der degen guote.
590
'wer saget iu daz' sprach Ludewîc,	'daz si sô schoene sî?
waer si aller lande vrouwe,	si ist uns sô nâhen bî
mit hûse niht gesezzen,	daz wir si möhten werben,
boten under wîlen	möhten durch ir liebe vil verderben.'
591
'ez sol niht sîn ze verre'	sprach dô Hartmuot.
'swâ eines landes herre	lîp unde guot
wirbet im ze staete,	daz wert unz an daz ende.
nu volget mîner raete:	ich wil daz man boten zuo ir sende.'
592
dô sprach aber Ludewîc:	'ist iu daz erkant,
wie ir muoter Hilde	koeme ûz Îrlant,
oder waz den guoten recken	an ir reise geschaehe?
daz volc ist übermüete:	Kûdrûnen mâgen waene ich si wir smaehe.'
593
dô sprach aber Hartmuot:	'ob ich ein michel her
nâch ir vüeren solde	erde unde mer,
daz taete ich williclîche.	ich bin in dem sinne,
ich erwinde nimmer,	unz ich der schoenen Hilden tohter gewinne.'
594
dô sprach diu alte Gêrlint	von Ormanîelant:
'nu heizet brieve schrîben.	schatz und ouch gewant
gib ich den boten gerne,	die solhiu maere bringen.
man sol die strâze lernen	nâch Kûdrûnen der küniginne.'
595
'ich hilfe ez gerne vüegen'	sprach Ludewîc der degen.
'lât iuch des genüegen,	daz ich iu zuo den wegen
mit mînem silber sende	zwelf soumaere,
ob sich iht nâch êren	deste senfter künde ditze maere.'
596
Hartmuot dô weite,	die er wolde dan
nâch der vrouwen senden,	sehzic sîner man.
die wurden wol bereitet	mit waete und mit spîse
und wurden wol beleitet.	Ludewîc der alte der was wîse.
597
dô si bereitet wâren	des si solden hân,
mit versigelten brieven	sach man zuo in gân
den snellen Hartmuoten	und vroun Gêrlinde.
si vrumten von dem lande	schiere dô daz stolze ingesinde.
598
si riten swaz si mohten	die naht zuo den tagen,
unze daz si vunden	dâ si solden sagen
daz in enboten waere	von Ormanîelande.
die wîle was Hartmuoten	mit gedanken vil liebe und ouch vil ande.
599
wol hundert tageweide	wazzer unde lant
was ir arbeite,	ê in wurde erkant,
in welhem ende laege	daz lant ze Hegelingen.
diu ros wurden trage,	ê si die brieve mohten volbringen.
600
dôch kômen si ze ende,	daz si ab dem sê
ze Tenemarke vuoren.	in was ofte wê,
ê si daz erkunten	und den künic gesâhen.
dô gerten si geleites:	dô hiez man in die waegisten nâhen.
601
man sagete ez Hôranden;	der was wol gezogen,
si vrieschen ouch daz maere,	daz dâ niht was gelogen
daz man gesaget hiete	von Hetelen und von Hilden.
man sach ir landes liute	dicke varn mit helme und ouch mit schilde.
602
sîn geleite wîsen	hiez dô Hôrant
die ellenden geste	dâ her von Tenelant,
unze daz si braehten	die Hartmuotes mâgen,
daz si ze hove koemen.	des liezen sich die helde niht betrâgen.
603
dô man ze Hegelingen	die boten komen sach,
si vuoren in der mâze,	daz iegelîcher sprach
daz si waeren rîche,	swie si dar komen waeren.
man begunde ez dem künege	ze hove bringen mit vil ganzen maeren.
604
geherberget wurden	die von Normendî,
man hiez in vliziclîchen	mit dienste wesen bî.
er enweste waz si wurben	in dem sînen lande.
an dem zwelften morgen	der künic nâch Hartmuotes boten sande.
605
ein grâve was dar under,	wie schoener zühte er phlac!
ir wât die si truogen,	vil hôhe man die wac.
si riten ros diu besten,	diu man hete vunden.
sus komen si ze hove	dem künege sô si aller beste kunden.
606
der wirt si gruozte schône	und ouch sîne man.
sît wart in ze lône,	dô er sich versan
daz si nâch minne vüeren,	dô hete man si vil smaehe.
ich waene künic Hetele	Hartmuote guotes willen niht verjaehe.
607
als einer der daz kunde	die brieve gelas,
der künic in übele gunde,	daz ir geleite was
Hôrant der biderbe,	ein sneller degen rîche.
si müesen anders widere	scheiden von dem künege schedelîche.
608
dô sprach der künic Hetele:	'ez was iu niht ze guot,
daz iueh her hât gesendet	der künic Hartmuot.
des müezet ir engelten,	guote boten hêre.
der gedinge Hartmuotes	müet mich und vroun Hilden vil sêre.'
609
dô sprach einer eirunder:	'jâ heizet er iu sagen:
liebet er der meide	und wil si bî im tragen
vor den sînen vriunden	krône in Ormanîe,
daz mac vil wol verdienen	Hartmuot der helt vor schanden gar der vrîe.'
610
dô sprach vrou Hilde:	'wie laege si im bî?
ez lêch mîn vater Hagene	hundert unde drî
sînem vater bürge	dâ ze Garadîne.
diu lêhen naemen übele	von Ludewîges hant die mâge mîne.
611
er gesaz in Frideschotten.	dô gediente er daz,
daz im des küneges Otten	bruoder wart gehaz,
der ouch diu lêhen hiete	von Hagenen mînem herren.
der vremdet sich sêre.	des muose im von dem künege harte werren.
612
nu saget Hartmuote:	si wirt niht sîn wîp,
daz der helt guote	immer sînen. lîp
dar ûf dürfe prîsen,	daz in mîn tohter minne.
ir sult in anders wîsen,	wâ er sînem lande werbe ein küniginne.'
613
den boten den was leide,	diu swaere in niht gezam,
daz si sô manege tageweide	in sorgen unde in scham
muosen hin wider rîten	ze Ormanîe verre.
ir arbeit harte erkômen	Ludewîc unde Hartmuot der herre.
614
dô sprach der junge Hartmuot:	'müget ir mir verjehen,
ob ir daz Hagenen künne	inder habet ersehen?
ist Kûdrûn sô schoene,	sô man mir saget ze maere:
daz Hetelen got gehoene,	daz er mir ie sô arges willen waere.'
615
dô sprach der grâve rîche:	'ich kan iu wol gesagen:
swer gesiht die minniclîche,	dem muoz si wol behagen,
daz si ir tugent prîsent	vor meiden und vor wîben.'
dô sprach der herre Hartmuot:	'sô wil ich âne si niht belîben.'
616
dô klagete weinunde	diu vrouwe Gêrlint.
si sprach sâ ze stunde:	'owê, vil liebez kint,
daz wir unser boten	hin nâch ir ie gesanden!
wie gerne ich daz gelebete,	daz ich si noch saehe in disen landen.'
617
die boteschaft belîben	si liezen manic jâr.
sich huoben ander maere	— diu rede ist al wâr —
von einem künege jungen.	Herwic was er genennet.
den sach man ofte in prîse.	dâ von man noch den recken wol erkennet.
618
der begunde werben,	ob in diu schoene meit
ze vriunde nemen wolde.	mit grôzer arbeit
versuohte er ez ofte	und mit sînem guote.
ob ez diu maget nu taete,	es was dem künic Hetelen niht ze muote.
619
swie der helt gebarte,	swaz boten drumbe reit,
daz man der dâ vârte,	daz was im grimme leit.
des was sîn stolzez herze	gebunden mit swaere.
er tete dem wol gelîche,	daz er bî Kûdrûnen gerne waere.
620
ez hete sich gar gevüeget,	swie ez was geschehen,
daz dâ zen Hegelingen	muosen gesehen
ritter unde magede	und ouch schoene vrouwen
den stolzen Hartmuoten.	des enmohte Hetele niht getrouwen.
621
nu was der nôtveste	komen in daz lant.
die vil werden geste	beliben unerkant.
Hartmuote und sînen mâgen	den helden diente man schône,
er hete des gedingen,	daz diu maget noch trüege mit im krône.
622
in sâhen vrouwen edele.	dô er was gegân
in sînen hôhen zühten	vür vroun Hilden stân,
man sach in der gebaere	Hartmuoten den rîchen,
daz er edeler minne	an hôhe vrouwen gerte billîchen.
623
sîn lîp was wol gewahsen,	schoene unde balt,
mute unde küene.	ich enweiz wes er engalt,
daz in versprochen hiete	diu schoene tohter hêre
Hetelen und vroun Hilden,	daz muote Hartmuoten harte sêre.
624
der sîn herze gerte,	die hete er nu gesehen,
tougen ougen blicke	was dâ vil geschehen.
er enbôt ir heimlîche,	daz si daz erkande,
daz er hieze Hartmuot	und waere von Ormanîelande.
625
dô kunte si dem degene,	daz ez ir waere leit
— si gunde im wol ze lebene,	diu hêrlîche meit —:
daz er gâhen solde	von dem hove dannen,
ob er leben wolde	vor ir vater und vor allen sînen mannen.
626
si sach in alsô schoenen,	daz irz ir herze riet,
swie sîn bote gehoenet	ûz dem lande schiet,
si was im doch genaedic	der er in herzen gerte,
swie si Hartmuoten	sins willen vil lützel iht gewerte.
627
alsô schiet von dannen	der wol gezogene gast,
daz er über rücke	truoc den grôzen last,
wie er sich geraeche	an Hetelen der leide,
und daz er doch dar under	niht vlür die hulde der vil schoenen meide.
628
sus rûmte Hegelinge	der degen Hartmuot.
jâ was sîn gedinge	übel unde guot,
wie er verenden kunde	daz werben nâch der vrouwen.
dô wart nâch der stunde	vil helme durch ir willen verhouwen.
629
dô er kom ze lande,	dâ er hete verlân
vater unde muoter,	rihten sich began
ze starkem urliuge	Hartmuot der vil grimme.
daz riet im zallen zîten	Gêrlint diu alte vâlentinne.
630
nu lâzen wir belîben	wie ez im ergê.
dem küenen Herwîge	was wol alsô wê
alse Hartmuote	nâch Kûdrûn der rîchen.
mit allen sînen mâgen	versuohte erz an die maget vliziclîchen.
631
er was ir nâchgebûre	und hete bî ir lant.
het er tûsent stunde	eins tages dar gesant,
er vunde dâ niht anders	wan hôchvart und versmâhen,
swie sêre si imz werten,	sît gelac er Kûdrûnen nâhen.
632
Hetele bat in lâzen,	er wurbe iht umb sîn kint.
dô enbôt er dem künege	zorniclîchen sint,
er wolde niht erwinden,	er ensaehe in dâ mit schilden,
daz ez im schade waere	und ouch der küniginne vroun Hilden.
633
ich enweiz wer im daz riete:	driu tûsent küener man,
die er ze vriunde hiete,	Herwic dô gewan.
dâ mite spilte er leide	dâ zen Hegelingen
der die er in sîn dienest	mit aller hande liebe wolde bringen.
634
dô woldens niht getrouwen	die von Sturmlant.
den von Tenemarke	was ez ouch unerkant.
sît gevriesch ez Îrolt	dâ her von Nortrîche,
daz Herwic der küene	Hetelen suohte vil gewalticlîche.
635
dô ez nu Hetele weste,	daz er mit sîner schar
züge âne vorhte	under wegen dar,
er sagete ez sînen mannen	und ouch der küniginne.
er sprach: 'waz redet ir danne?	ich hoere uns geste ze hûse bringen.'
636
'waz sol ich dar zuo sprechen	niwan allez guot?
ez dunket mich niht unbillîch,	ob ein ritter tuot
mit liebe und ouch mit leide	daz man ûf êre prîse.
wie möhte im misselingen?	Herwic ist biderbe unde wîse.
637
jâ sul wir daz behüeten'	sprach daz edele wîp,
'daz er iht beswaere	den helden hie ir lîp.
ich hân des hoeren jehen,	daz er an iuwer schranken
kum alsô mit helden,	daz ims iuwer tohter müeze danken.'
638
ein teil sich dô ze lange	der künic und sîne man
versûmten: des dô Herwic	des hazzes hie began.
in einer morgenküele	er und sîne geste
vür Hetelen burc bekômen.	er tete selbe sît daz aller beste.
639
dô noch die helde sliefen	in Hetelen sal,
dô ruofte ein wahtaere	vür die burc ze tal:
'wol ûf in der selde!	wir haben vremede geste,
und wâfent iuch, ir helde!	ich sihe von manegem lichten helme gleste.'
640
si sprungen von den betten	und lâgen dô niht mer.
swer dâ inne waere	armer oder her,
der muose haben sorge	der êre und ouch des lîbes.
alsô gerte Herwic	in dem herten sturme sînes wîbes.
641
Hetele und vrou Hilde	in daz venster wâren komen.
Herwic der hiete	ein volc an sich genomen,
daz saz vor einem berge	ze Gâleis in dem lande,
die der starke Môrunc	ze Wâleis an der marke wol erkande.
642
Hetele sach ir dringen	vaste gên dem tor.
dô waere er ungerne	gewesen dar vor,
Kûdrûnen vater,	swie küene er doch waere.
jâ erzurnten in die geste.	im hulfen sider sîne burgaere.
643
gewâfent wart dar inne	ein hundert oder baz.
der wirt der streit selbe;	mit willen tete er daz.
sîn volc daz was küene:	daz mohte in niht gewerren.
man vant schaden starken,	den Hetelen tete Herwic der herre.
644
ofte sluoc ûz helmen	den viurheizen wint
Herwic der herre.	daz sach des wirtes kint
Kûdrûn diu schoene;	daz hete si zougen weide.
der helt der dûhte si biderbe:	daz was ir beide liebe unde leide.
645
Hetele grimmes muotes	selbe wâfen truoc.
lîbes unde guotes	was er biderbe genuoc.
der wirt der tete unrehte;	er kom im sît ze nâhen,
alsô daz ab der bürge	si den strît bescheidenlîchen sâhen.
646
dô si hieten gerne	die porten zuo getân,
dô muosen si daz lernen	durch schumphentiure verlân.
si begunden mit den gesten	in die porten dringen.
ûf schoener vrouwen lônen	stuont Herwîge aller sîn gedinge.
647
Hetele unde Herwic,	vür ir beider man
die guoten ritter sprungen.	liuhten in began
der louc ûz gespenge,	daz in dâ hie vor handen.
daz werte vil unlange,	unz si beide einander wol bekanden.
648
dô der künic Hetele	sô rehte küenen sach
den stolzen Herwîgen,	in dem strîte er sprach:
'die mir ze einem vriunde	des recken niht engunden,
die enwesten wer er waere.	er houwet durch daz verch die tiefen wunden.'
649
Kûdrûn diu schoene	diu sach und hôrte den schal,
gelücke daz ist sinewel	dicke alsam ein bal.
dô ez diu vrouwe anders	mohte niht gescheiden
ir vater und dem gaste,	— si wunschte des si gedâhte in beiden —.
650
si begunde rüefen	zuo im über den sal
'Hetele, vater hêre,	nu vliuzet ze tal
daz bluot durch halsberge.	dâ von sint uns die mûre
besprungen allenthalben.	Herwic ist ein übel nâchgebûre.
651
durch den mînen willen	sô sult irz beide vriden.
nu schaffet eine wîle	dem herzen und den liden
ruowe in dem strîte,	unz ich iuch beide vrâge,
wâ der vürste Herwic	habende si die aller beste mâge.'
652
dô sprach der ritter edele:	'der vride ist ungetan,
ir enlât mich ungewâfent,	vrouwe, vür iuch gân.
sô wil ich iu künden	von mînen besten mâgen.
hân ich vride die zîte,	swes ir weit, sô müget ir mich wol vrâgen.'
653
durch der vrouwen liebe	gescheiden wart der strît.
sich schutten ûz den ringen	die sturmmüeden sît.
nâch harnasches râme	si wuoschen sich mit brunnen.
dô wârens wol getâne:	man mohte in ze lebene wol gunnen.
654
mit hundert sîner helde	gienc er dâ er vant
gezweiet in ir muote	von Hegelingelant
Kûdrûn enphienc in	mit anderen vrouwen.
der ritter edel unde guot	mohte in volleclîchen niht getrouwen.
655
die geste hiez dô sitzen	daz waetlîche kint.
daz Herwîges ellen	daz geliebte sich sint.
durch sîne grôze zühte	behagete er wol in beiden.
Hilden und ir tohter	riet man an alle twâle ez scheiden.
656
Herwic sprach zer vrouwen:	'mir ist daz geseit
— doch hât ez mich gerouwen	von mîner arbeit —,
daz ich iu versmâhe	durch mîn lihtez künne.
ofte bî den armen	habent rîche liute guote wünne.'
657
si sprach: 'wer waer diu vrouwe,	der versmâhet daz,
der ein helt sô diente,	daz si dem trüege haz?
geloubet mir' sprach Kûdrûn,	'daz es mir niht versmâhet,
holder danne ich iu waere	ist deheiniu die ir ie gesâhet.
658
wolden mir des gunnen	die naehsten vriunde mîn,
nâch iuwer selbes willen	wolde ich bî iu sîn.'
mit lieplîchen blicken	er sach ir under dougen.
si trüege in ime herzen,	daz redet si vor den liuten âne tougen.
659
urloubes gerte	ze werben umb daz kint
der recke vil küene.	daz erloubte sint
Hetele unde Hilde.	die wolden hoeren beide,
ob ir lieben tohter waere	liep der gewerp oder leide.
660
vil schiere wart er inne,	wie si waere gemuot.
vor der juncvrouwen	stuont der helt guot,
sam er ûz meisters hende	wol entworfen waere
an einer wîzen wende:	dem gelîche stuont der degen maere.
661
'geruochet ir mich minnen,	vil schoenez magedîn,
mit allen mînen sinnen	sô wil ich immer sîn
swie ir mir gebietet,	mîn bürge und mîne mâge
daz sol iu allez dienen,	daz mich des, vrouwe, hin ze iu niht betrâge.'
662
si sprach: 'ich gihe iu gerne,	daz ich iu wese holt,
du hâst mit dieneste	hiute hie versolt,
daz ich den haz wil scheiden	von dir und mînem künne.
daz mac mir niemen leiden.	du solt immer haben mit mir wünne.'
663
Hetelen hiez man bringen	— des endet sich der strît —
zuo der küniginne.	nâch im komen sît
die aller besten degene	von Hegelingelande,
die der künic hiete.	dô verendet sich al sîn ande.
664
vrâgen si begunde	nâch râte sîner man
Hetele dâ ze stunde,	ob si ze einem man
wolde Herwîgen,	den edelen ritter guoten.
dô sprach diu maget schoene:	'ich wil mir niht bezzers vriundes muoten.'
665
dô vestent man die schoenen	dem recken an der stunt,
der si dâ solde kroenen.	von ir wart im kunt
vreude und ungemüete.	dô gap mans im ze wîbe:
daz geschadete in kurzen zîten	in sturme vil guoter recken lîbe.
666
er wânde mit im vüeren	die juncvrouwen dan:
des gunde im niht ir muoter.	dâ von er gewan
von unkunden recken	michel arbeite.
Hilde sprach zem künege,	si woldes zuo der krône baz bereiten.
667
man riet Herwîgen,	daz er si lieze dâ,
daz er mit schoenen wîben	vertribe anders wâ
die zît und sîne stunde	dar nâch in einem jâre.
daz vrieschen die von Alzabê.	si rieten Herwîge dô ze vâre.
668
dô besande sich Sîvrit,	der künic von Môrlant.
nâch schiffen hiez er werben.	swâ er diu vant,
diu hiez er vaste rüsten	mit wâfen und mit spîse,
ze schaden Herwîge:	er besande sich mit vriunden harte lîse.
669
zweinzic starke kiele	zimbern er dô hiez.
ez warn den niht geviele,	die erz wizzen liez,
daz er hin ze Sêlande	wolde herverten.
gelobet wart diu reise,	sô sich verendet der winter herte.
670
mit ahtzic tûsent helden	hete er sich besant.
von liuten wart dô laere	ze Alzabê daz lant.
die künege von den Moeren	herverten swuoren.
si beliben sumelîche,	die andern nâch des küneges willen vuoren.
671
hin ze Sêlande	hiez er widersagen,
daz was dem vürsten ande;	von schulden mohte erz klagen,
wan er nie verdiente	der rîchen künege haz.
der marke und sîner bürge	hiez er hüeten deste baz.
672
er klagete ez sînen vriunden,	swâ er die vant,
daz man im brennen wolde	und wüesten sîn lant.
swaz er ze gebene hiete,	daz was nâch dienest veile.
die gerne solt enphiengen,	den komz gemeinlîche gar ze heile.
673
gen des meien zîten	si kômen über sê,
die helde ûz Abakîe	und die von Alzabê,
sam si gewalticlîchen	der weide zende wolden.
vil gelfer vuor dar under,	die man sider kolte mit der molden.
674
in lant daz Herwîges	wurfen si den brant.
swaz er dô helfe hiete	an vriunden besant,
die bat er mit im rîten.	si huoben stürme grimme,
si kouftenz mit dem verhe	swaz man in gap, golt silber oder gimme.
675
dem recken ûz Sêlande	was sîn schade leit:
er was ein helt zer hande.	âhî wie er streit,
unze er gar tungte	daz velt mit den tôten.
die alten ez alsô jungte.	dâ wart gesunder houbte vil verschrôten.
676
der strît werte lange.	des lac dâ maneger tôt.
Herwic der edele	kom in grôze nôt,
daz er ûf sîne marke	muose sît entrinnen,
daz lant rouch allenthalben.	daz enbôt er Kûdrûn der küniginne.
677
die boten hiez er riten	in daz Hetelen lant.
si vuoren mit manegem trahene	die er dâ hete gesant.
dô si diu maere sageten	und Hetelen gesâhen,
dem vil rîchen künege	si alles leides âne vrume verjâhen.
678
swie er si saehe gebâren,	sô enphienc ers alsô wol,
als man in vremeden landen	liebe vriunde sol.
er vrâgte, wie sie koemen	von ir herren lande,
sît man im brach die bürge	und im die marke in allen enden brande.
679
si sprâchen dô: 'mit sorgen	si wir gevarn dan.
âbent unde morgen	die Herwîges man
die urborent sêre	die gâbe mit ir lîbe.
si werbent vaste umb êre:	des hoert man bî in weinen vil der wîbe.'
680
dô sprach der künic Hetele:	'gêt vür die vrouwen mîn.
swaz diu gebiutet,	daz sol allez sîn.
bite si uns rechen	den schaden in dem lande,
sô dienen wir iu gerne,	ez wirt vil wol gerochen gar sîn ande.'
681
ê daz die boten giengen	vür die schoenen meit,
dô sâhen dâ die liute	wol ir herzen leit.
des troute niht erbeiten	Kûdrûn diu hêre.
dô hiez si nâch in senden.	si.klagete, vlorn ir lant und ir êre.
682
die boten vür si kômen.	mit triuwen tete si daz,
daz diu maget vil edele	weinende saz.
si vrâgte, wie si schieden	von ir lieben manne:
ob si in lebenden liezen,	dô si von ir lande schieden dannen.
683
dô sprach dar under einer:	'wir liezen in wol gesunt.
sît wir vuoren dannen,	uns enist niht kunt,
wie mit im haben geworben	die von Môrlande.
ir was vil verdorben;	si tâten niht wan rouben mit dem brande.
684
nu hoere, maget edele,	waz dir mîn herre enbôt.
er und sîne helde	sint in grôzer nôt.
si vürhtent tägelîchen,	si vliesen lîp und êre.
nu wil mîn herre Herwic	versuochen dîne triuwe, vrouwe hêre.'
685
von sedele stuont dô Kûdrûn,	diu schoene meit
die schaden wurden beide	dem künege geseit,
man slüege ir die liute	und braeche ir bürge wîten.
si bat ir vater Hetelen	ze des kûnic Herwîges helfe rîten.
686
mit weinenden ougen	si ir vater umbeslôz.
'hilfâ, künic hêre!	mîn schade wirt alze grôz,
ez enwellen dîne degene	mit williclîchen henden
helfen mînen vriunden.	jâ kan ez ander niemen sô wol genden.'
687
'daz lâze ich durch niemen,	daz wil ich dir sagen,
ich enwelle ze Herwîgen	in vil kurzen tagen.
ich wil dîn schaden grôzen,	sô ich beste mac, verenden,
und wil nâch Waten dem alten	unde nâch den anderen senden.
688
der bringet von Stürmen	alle die er hât.
gevreischet ez her Môrunc,	wie ez in dem lande stât,
der mac uns guoter helde	wol tûsent gevüeren.
die vînde werdent inne,	daz wir uns under helme türren gerüeren.
689
Hôrant von Tenemarke	sol uns ûf den wegen
driu tûsent ritter vüeren.	Îrolt der degen
sol al daz gesinde	nâch dem vanen wîsen.
ouch kumt ir bruoder Ortwîn:	sô mac mîn tohter unser helfe prîsen.'
690
boten riten gâhes,	die dâ sande diu meit.
si westen niht sô nâhes.	alle die ir leit
mit helfe wolden büezen,	den bôt si michel êre.
si kunde helde grüezen:	des kom der recken vil deste mêre.
691
der meide muoter Hilde	diu sprach wol dar zuo:
'swer under sînem schilde	williclîchen tuo
helfe dînen vriunden,	sô si rîten hinnen,
im sol sîn mite geteilet,	swaz wir immer mêre gewinnen.'
692
dô slôz man ûf die kisten.	hin ze hove man truoc,
der si dâ inne wisten,	harnasche genuoc,
genagelet wol mit stâle.	der silberwizen ringe
brâhte man vil den helden.	des vreute sich diu junge küniginne.
693
der wirt wol tûsent helden	gap ros unde wât.
die zugens ûz den selden,	sô si der ofte hât,
der vehten wolde rîten	zuo langen strâzen.
swaz ir der künic hiete,	der wolde er vil wenic verlâzen.
694
der wirt urloubes gerte	von sînem wîbe dan.
Hilde unde ir tohter	weinen dô began;
doch sâhen si vil gerne	helde mit im rîten.
si sprâchen: 'got von himele	lâze iuch lop und êre erstrîten.'
695
dô si nu komen wâren	vür daz bürgetor,
vil singender knappen	hôrte man dar vor,
die sich in herten strîten	roubes versâhen.
si muosen verre rîten:	jâ wâren in die vînde niht ze nâhen.
696
an dem dritten morgen	dô kom in harte vruo
Wate der vil alte	mit tûsent helden zuo.
an dem sibenden morgen	dô kom von Tenelande
Hôrant mit vierzic hundert,	nâch den diu schoene Kûdrûn sande.
697
von Wâleis der marke	kom Môrunc der degen.
durch schoener vrouwen liebe	wolde er strîtes phlegen.
er brâhte sunder	zweinzic hundert manne,
die vuoren wol gewâfent	und riten alle vroelîchen dannen.
698
der küniginne bruoder,	der degen Ortwîn,
ûf dez wazzers vluote	vuorte er der swester sîn
wol vierzic hundert recken	oder dannoch mêre.
westenz die von Alzabê,	sô möhten si in vürhten harte sêre.
699
dô si im ze helfe kômen,	Herwîge und sînen man,
dô was im misselungen.	swes er ie began,
dar an er schaden grôzen	vil ofte muose enphâhen
mit sînen strîtgenôzen.	si riten sînem bürgetor vil nâhen.
700
sich huop von küneges künne	vil grôz ungemach.
daz man dâ die porten	und vesten bürge brach,
daz kom von untriuwen	und grôzem übermuote.
swen man dar an ervindet,	dem vervâhet man ez niht ze guote.
701
die boten gâhes vüeren,	Herwîge saget man daz.
die vînde begundenz rüeren	vil vaste durch ir haz
vil manegen âbent spâte	unde manegen morgen.
dô sigen allenthalben	Herwîges helfe zuo vil unverborgen.
702
dô ez die von Karadîe	gevrieschen, in was leit.
daz wâren zwêne künege,	den ir arbeit
kom ze unsanften maeren,	dô Hetele der herre
mit sînen helden maeren	gestrichen was nâch in vil harte verre.
703
durch daz si vrevele wâren,	si rihten sich ze wer.
man sach sô gebâren	von Môrlant daz her.
sam si durch vehten wolden	niemen dan entwîchen,
die es mit in phlegen solden,	die muose ez maneger arbeite rîchen.
704
wate der vil küene	kom mit grôzer kraft:
ez hete dar gevüeget	grôze ritterschaft
Kûdrûn diu schoene	Herwîge ir manne.
swie si dâ wurben,	si riten sît unvroelîchen dannen.
705
swie si heiden hiezen	die von Môrlant,
dringen si sich niht liezen.	an in was wol erkant,
ez waeren ie die besten	von allem ertrîche.
si gâben andern gesten	vil ofte herberge schâdelîche.
706
Herwic von Sêwen	wolde sich erholn
an den von Alzabê.	dar umbe muosen doln
diu her ze beiden sîten.	wunden vil ir mâge
gewunnen zallen zîten.	sîn mohte den künic Hetelen vil betrâgen.
707
dô si zesamene wâren,	von den ich hân geseit,
komen mit ir kreften,	âne vreude leit
heten zallen zîten	die recken unde sorgen,
waz in die naht geschaehe,	si dâhten: 'wie geleben wir den morgen! '
708
dri veltstürme	si mit den Moeren striten.
dô heten vride die bürge	nâch ritterlîchen siten.
si teiltenz mit den swerten	und mit den spern sêre:
vrides si niht gerten.	dâ von wart sît der wunden deste mêre.
709
die geste zuo den kunden,	des komen si niht abe,
si enstrîten zallen stunden.	des muose ir bestiu habe
der krefte dâ belîben,	dô sîs niht wolden lâzen.
daz saget man schoenen wîben;	die begunden weinen âne mâzen.
710
waz Wate der küene	in sturme dâ gestreit!
er was vil wîse,	daz er diu herzen leit
ofte vremeden gesten	mit schaden vrumte nâhen;
wan si in zallen zîten	mit sînen helden bî den besten sâhen.
711
Hôrant von Tenemarke,	vrum was er genuoc.
waz er der helme starke	mit sîner hant durchsluoc!
ouch vergaz er selten	der vil lichten brünne.
si muosen sîn engelten.	er tete den vinden die dicken schar vil dünne.
712
Môrunc der snelle,	dicke über rant
mit ellenthaftem muote	strahte er sîne hant.
er wolde niht entwenken	den von Môrlande,
den edelen künegen rîchen.	an den rach er den Herwîges anden.
713
Hetele der rîche,	durch daz in dar gesant
het sîn schoeniu tohter	in Herwîges lant,
daz erz vriden solde,	sît tete er in der mâze,
der gerne leben wolde,	der mohte im sîne marke ligen lâzen.
714
Herwic streit dâ selbe,	daz niemen kunde baz,
vor porten und an velde.	dâ von vil dicke naz
wart im sîn houbet	von sweize under ringen.
ir wart dâ vil betoubet,	die in hin hinder wânden dringen.
715
Wîgâleis der guote	tete den gesten leit.
von Tenelant her Fruote	sô ritterlîchen streit,
daz man ims danken mohte	von schulden wol nâch êren.
in sturme er wol getohte.	man gevriesch nie alten recken alsô hêren.
716
Ortwîn der junge,	der helt ûz Nortlant,
des jach im manic zunge,	daz küener heldes hant
niemen in den strîten	als volliclîche trüege.
man sagete zallen zîten,	daz er die ungevüege wunden slüege.
717
si heten tage zwelve	mit sorgen nu gestriten.
die Hetelen helde	sach man in herten siten
ofte vor dem künege	lichte schilde houwen.
dâ von die stolzen Moere	ir herverten mohte hân gerouwen.
718
am drizehenden morgen	vor vruomessezît
sprach Sîvrit mit sorgen:	'sehet waz hie lît
unser guoten recken.	der künic von Sêlanden
nâch vil hôher minne	lât im ez alsô sêre enblanden.'
719
er begunde râten	mit den von Karadê
— wie gerne si ez tâten	und die von Alzabê! —
rîten in eine veste,	dâ si genesen kunden,
daz si die werden geste	niht al gemeine erslagen vunden.
720
si wichen von dem strîte	ze einer warte dan,
dâ ze einer site	ein grôzer phlûm hin ran.
dô si begunden rîten	dar si entwîchen solden,
dô sach man mit in strîten	die in gemaches niht gunnen wolden.
721
der künic von den Moeren	ze Hetelen gereit,
man mohte daz wol hoeren,	swaz er ie gestreit,
daz was ein anegenge,	sît er nu hete vunden,
der im sîner mâge	alsô manegen lazte mit vil tiefen wunden.
722
von Hegelingen Hetele	und her Sîvrit
die tâten daz si kunden	in hôchverten sit.
durchhouwen liebte schilde	sach man vor ir henden.
der künic von den Moeren	der muose von dem von Tenelande wenden.
723
dô schuofen ir geligere	die von Tenelant.
dâ ist niht rede widere:	dâ von man sît bevant
die vil küene geste	in vil maneger swaere.
swie guot in was ir veste,	ieclîcher doch dâ heime gerner waere.
724
dô wâren dâ besezzen	mit der vînde kraft
die helde sô vermezzen,	daz si ritterschaft,
sô man es an si gerte,	niht wol gegeben kunden,
si werten ir herberge,	sô si aller bezziste kunden.
725
dô enbôt hin heim Hetele,	daz si niht solden klagen,
den schoenen vrouwen edele	hiez er daz sagen,
in waere wol gelungen	in stürmen und in strîten,
alten und jungen:	si solden ir genaediclîche bîten.
726
und hiez in daz künden,	daz in gesseze lac
er mit al den sînen,	dâ man dienen phlac
der schoenen Kûdrûnen	und Herwîge ûz Sêlanden,
si taeten daz si kunden	aller tägelîche mit ir handen.
727
Hilde diu schoene	wünschen dô began
gelückes Herwîge	und allen sînen man,
daz in nâch ir êre	müese wol gelingen,
'daz gebe got' sprach Kûdrûn,	'daz si unser vriunt gesunde wider bringen.'
728
dô liezen die von Stürmen	ninder ûf den sê
die von Môrlande	und die von Alzabê.
si muosen angestlîchen	bî in dâ tûren.
an Waten und an Fruoten	heten si vil übele nâchgebûren.
729
Hetele swuor des eide,	er koeme nimmer dan
und rûmte in niht die heide,	unz er und sîne man
ze gisel dâ gewunne	die von Môrrîche.
si wâren unversunnen.	sît kom in ir hervart schâdelîche.
730
diu spehe Hartmuotes	was dar gesant
— si goumten dâ niht guotes —	von Ormanîelant.
si speheten zallen zîten,	waz dâ wurde ervunden.
in stürmen und in strîten	Hetelen si deheines guotes gunden.
731
si sâhen, sunder scheiden	hie besezzen lac
— daz mohte im vil wol leiden —	naht unde tac
der künic ûz Karadîne,	der edelen Moere herre.
im kom vil wenic helfe.	sîniu lant diu lâgen von im gar ze verre.
732
die boten îlten widere	in Ormanîelant,
die Ludewîc und Hartmuot	heten dar gesant.
si sageten in dâ heime	diu lieben maere,
daz Hetele unde Herwic	vil unmüezic in dem strîte waeren.
733
der lieben maere in dankte	der voget von Ormandîn.
'kunnet ir mir bescheiden,	wie lange mac daz sîn,
daz die von Karadîne	sîn in Sêlande
bî ir widerwinnen,	oder wanne si dâ volrechen gar ir anden?'
734
dô sprach der boten einet':	'her künic, diu rede ist wâr:
si müezen dâ belîben	lenger danne ein jâr.
die von Hegelingen	wellent si niht lâzen;
si hânt si sô besezzen,	daz si nindert mügen zuo den strâzen.'
735
dô sprach von Ormanîe	der snelle Hartmuot:
'daz mich sô sorgen vrîen	hôchgedinge tuot!
sît si sô sint besezzen,	daz si müezen strîten,
ê Hetele wider koeme,	wir solden hin ze Hegelingen rîten.'
736
Ludewîc und her Hartmuot	vereinten sich alsâ,
ob si helde hieten	zehen tûsent dâ,
daz si Kûdrûnen	wol dannen möhten bringen,
ê Hetele wider koeme	mit den sînen hin ze Hegelingen.
737
des was dâ vil genoete	diu alte Gêrlint,
wie si daz rechen möhte,	daz Hetele sîn kint
versagete smâhelîche	ir sune Hartmuoten.
si wunschte, daz si hâhen	solden beide Waten unde Fruoten.
738
dô sprach diu tiuvelinne:	'nu hât ir grôzen solt.
weit ir riten hinnen,	mîn silber und mîn golt
daz wil ich geben recken	und wilz entsagen vrouwen.
jâ enruochte ich, ob ez Hetelen	unde Hilden hiete nu gerouwen.'
739
dô sprach der herre Ludewîc:	'wir suln von Normandîn
brüeven herverten	mit den recken mîn.
ich trouwe wol gewinnen	zweinzic tûsent manne
in vil kurzen zîten:	dâ mite sô vüeren Kûdrûnen dannen.'
740
dô sprach der junge Hartmuot:	'und möhte daz geschehen,
daz ich die Hilden tohter	solde hie gesehen,
dâ vür ich niht naeme	ein witez vürsten rîche,
daz uns beiden zaeme	bî einander wesen vriuntlîche.'
741
kâten alle stunde	mit vlîze man began,
wie manz gevüegen kunde,	daz Ludewîc gewan
ein her, daz wolde er vüeren	hin zen Hegelingen.
wie solde daz Hilde wizzen,	daz ir dâ von solde misselingen?
742
swâ mite und immer mahte	daz Ludewîges wîp,
si hete in ir ahte,	der Kûdrûnen. lîp
solde ze Ormanîe	bî Hartmuote erwarmen.
si vleiz sich des ze wâre,	er umbeslûzze si mit sînen armen.
743
Ludewîc ze Hartmuote	sînem sune sprach:
'nu gedenke, degen guote,	wir müezen ungemach
haben, ê wir bringen	die liute von den selden.
sun, gip et den gesten,	sô gib ich hie heime mînen helden.'
744
si teilten grôze gâbe	wider unde dan,
daz man dâ ze Swâben	solhez nie gewan
von rossen und von soumern,	von satelen unde schilden,
ich waen sîz gerne taeten.	jâ vant man Ludewîgen nie sô milden.
745
si bereiten sich drâte	zuo in verre dan.
die guote schifliute	Ludewîc gewan,
den die merstrâze	ze rehte wâren künde.
si muosen arbeiten	nâch dem hôhen solde durch die ünde.
746
etelîcher mâze	wurden si bereit.
lant unde strâze	dâ wart ez hin geseit,
daz Ludewîc und Hartmuot	von ir lande wolden.
si heten doch grôze sorge,	wie si hin ze Hegelingen komen solden.
747
dô si zem Stade kômen,	bereit man dâ vant
diu schef diu si dâ solden	tragen ûf den sant.
geworht wârens veste	von Gêrlinde guote.
des alles niht enweste	her Wate der alte noch von Tenen Fruote.
748
mit drî und zweinzic tûsent	si vuoren über sê.
ez was nâch Kûdrûnen	Hartmuoten wê:
dem tete er wol gelîche.	mit allen sînen mâgen
er begunde künic Hetelen	mit urliuge groezlîche lâgen.
749
si muosen, swie si mohten,	dar bekomen sint.
des kom in arbeite	maneger muoter kint.
jâ truogen si die ünde	neben Nortlande,
ê Hetele ez ervünde,	daz si die Hilden burc wol erkanden.
750
wol inner zwelf milen	kom daz Hartmuotes her
in den selben wîlen	ab dem tiefen mer
ze Hegelinge lande	die mâze wol sô nâhen,
daz si palas unde turne	in der schoenen Hilden bürge sâhen.
751
Ludewîc von Normandîne	der hiez ûf den sant
die anker nider lâzen.	dô bat ers alle sant,
daz si nider gâhten	sô si beldiste kunden.
ez was dâ bî sô nâhen,	si vorhten, deiz die Hegelinge ervunden.
752
dô si nu getruogen	und vuorten ab der vluot
vil schilde si besluogen	und manegen heim guot.
si rihten sich ze strîte:	ir boten si dô sanden.
si versuohten, ob si iht vunden	vriunde in den Hetelen landen.
753
Hartmuot hiez rîten	sîne boten dan.
dô wart der schoenen Hilden	schiere kunt getân
und ir lieben tohter:	möhte ez sich gevüegen,
sô taete er nâch ir minne,	des si wol beide ze rehte möhte genüegen.
754
ob si in minnen wolde,	als er ir ê enbôt
— im was mit gedanken	vil dicke nâch ir nôt —,
daz wolde er immer dienen	die wîle er möhte leben,
sînes vater erbe	wolde er Kûdrûnen geben.
755
ob si des niht entaete,	sô waere er ir gehaz.
daz er die maget baete,	dâ von versuochte er daz,
daz ers an urliuge	ze lande wolde bringen,
die schoenen juncvrouwen:	des hete der küene Hartmuot gedingen.
756
'widerredet sîz danne'	sprach dô Hartmuot,
'sô saget, daz ich niht naeme	deheiner slahte guot,
ich enbringe ez ûf die zîte,	ê ich hinnen scheide,
daz ich der schoenen Kûdrûn	welle machen recken ougenweide.
757
mîne boten biderbe,	ir sult ir sagen mê:
ich kûme nimmer mêre widere	ûf den breiten sê,
ich welle mich ze stücken	lâzen ê zerhouwen,
mir envolge hinnen	von Hegelingelant diu juncvrouwe.
758
ob sîz gar verspreche,	daz sîz niht entuo,
si sol mich sehen rîten	mit mînen recken zuo.
zweinzic tûsent helde	wil ich belîben lâzen
vor Hegelinge bürge	veige beidenthalben der strâze.
759
daz Hetele Wîgâleise	des gevolget hât
unde Waten dem alten,	daz wir niht haben rât
sô maneger langen reise	her ze Hegelingen,
des wirt vil manic weise,	ich wilz an ein ende gerne bringen.'
760
die boten riten vil drâte	dannen — des was zît —
nâch Hartmuotes râte	vür eine burc wît;
diu hiez ze Matelâne:	vrou Hilde saz dar inne
und diu vil wol getâne,	ir tohter diu junge küniginne.
761
zwene rîche grâven	hete er dar gesant
— die brâhte er mit im über mer	ûz Ormanîelant —,
daz si sageten Hilden	sîn dienest vliziclîchen:
er wolde niht erwinden,	er wolde ûz ir dienste niht entwîchen.
762
daz si im der maget gunde,	daz er die vrouwen guot
hiete vor in allen	— dannoch im ie der muot
stuont ûf hôhe minne —;	si solde es wol geniezen,
daz si sô edel waere,	in solde ir dienen nimmer verdriezen.
763
die der vrouwen phlâgen,	den wart daz geseit,
daz daz ingesinde	von Ormanîe reit
durch gewerbes willen	hin ze Matelâne.
vrou Hilde si hiez geswigen.	des erschrac diu vil wolgetâne.
764
die Hilden schaffaere	sluzzen ûf daz tor,
swer dar komen waere,	daz man den dâ vor
niht lenger solde lâzen.	man entslôz die porten wîten:
die boten Hartmuotes	hiez man dô in Matelâne rîten.
765
ze sehene si dô gerten	daz Hetelen wîp.
die helde si des werten,	die ir schoenen lîp
solden behüeten	nâch des küneges êren.
man liez si selten eine	Hilden und ouch Kûdrûn die hêren.
766
dô nu ze hove kômen	die Hartmuotes man,
Hilde diu schoene	grüezen si began;
sam tete in hôhem muote	vrou Kûdrûn diu hêre.
diu edele und diu guote	minte den küenen Herwîgen sêre.
767
swie erbolgen si in waeren,	schenken man in hiez,
den boten vor den maeren.	vrou Hilde si sitzen liez
vor ir und vor ir tohter.	waz si dar wolden,
des vrâgte diu küniginne,	wande si sîs niht verdagen solden.
768
vil gezogenlîche	von dem sedele stuont
allez daz gesinde,	sô noch boten tuont.
si sageten, waz si wolden	ze Hegelingelande:
daz si ir herre Hartmuot	nâch der schoenen Kûdrûn dar sande.
769
dô sprach diu maget edele:	'ich wil des haben rât,
daz der küene Hartmuot	bî mir niht enstât
vor unser beider vriunden	under küneges krône.
er ist geheizen Herwic,	dem ich sînes guoten willen gerne lône.
770
dem bin ich bevestent:	ich lobete in zeinem man,
er nam mich ze wîbe.	dem recken ich wol gân
swaz im immer kunde	geschehen grôzer êre.
alle mîne stunde	ger ich ûf minne deheines vriundes mêre.'
771
dô sprach der boten einer:	'iu hiez her Hartmuot
sagen, des er dinget,	ob ir des niht entuot,
daz ir in mit sînen recken	sehet ze Matelâne
an dem dritten morgen.'	des erlachte diu vil wolgetâne.
772
die boten wolden dannen.	urloubes hôrte mans gern,
die zwêne grâven hêre.	vrou Hilde hiez si wern,
swie vremede si ir waeren,	ir gâbe rîche,
der si doch niht nâmen.	die boten wurben vil listiclîche.
773
die Hetelen recken,	den boten saget man daz,
daz si vorhten kleine	ir zorn und ir haz.
ob si niht wolden trinken	des küneges Hetelen wîn,
man schankte mit dem bluote	im und den recken sîn.
774
dô brâhten disiu maere	die boten an die stat
hin widere, dâ si Hartmuot	von im rîten bat.
dô lief er in engegene	und vrâgte, wiez in ergienge,
ob si diu edele Kûdrûn	durch sîniu maere iht vroelîche enphienge.
775
der einer sprach zem recken:	'iu ist alsô verseit,
ez habe einen vriedel	diu hêrlîche meit,
den si im herzen minne	vor aller slahte diete.
weit ir ir wîn niht trinken,	sô schenket man in heizez bluot ze miete.'
776
'ach mîner schande!'	alsô sprach Hartmuot,
'in mînem herzen ande	mir disiu rede tuot.
nâch bezzeren vriunden	darf ich nimmer vrâgen,
wan der mir helfe strîten.'	dô sprungen ûf die bî dem stade lâgen.
777
Ludewîc und Hartmuot	sich huoben mit ir schar
mit vanen ûf gerihtet	vil zorniclîchen dar.
man kôs ûf Matelâne	ir zeichen schînen verre.
dô sprach diu wol getâne:	'wol mich! dâ kumet Hetele mîn herre.'
778
si bekanden, daz ez waere	des wirtes zeichen niht.
'ach grôzer swaere,	diu hiute hie geschiht!
uns koment grimme geste	nâch Kûdrûn der vrouwen.
manegen heim veste	siht man vor âbende noch zerhouwen.'
779
die von Hegelingen	sprâchen Hilden zuo:
'swaz Hartmuotes gesinde	hiute hie tuo,
des sul wir si letzen	mit vil tiefen wunden.'
dô hiez diu küniginne	diu bürgetor versliezen an den stunden.
780
des wolden niht volgen	die küenen Hetelen man.
die des landes huoten,	die hiezen binden an
ir herren zeichen.	zuo in ûz der veste
die Hetelen degene	wolden, slahen die vil werden geste.
781
die schranken, die man solde	alle nider lân,
durch ir übermüete	wurden ûf getân.
daz goumen Hartmuotes	liezen si in versmâhen.
dô die êrsten in drangen,	dô kômen in onch die lesten al ze nâhen.
782
mit ûf geworfen swerten	vant man dô dar vor
wol tûsent oder mêre,	die habten vor dem tor.
dô was ouch komen Hartmuot	wol mit tûsent mannen,
si erbeizten an die heide;	man hiez diu ros schiere ziehen dannen.
783
si truogen schefte in henden	mit snidenden spern.
wer mohte den strît dâ wenden?	si begunden wern
die stolzen burgaere	mit den tiefen wunden.
dô kom von Ormanîe	Ludewîc mit helden sâ ze stunde.
784
des heten vrouwen sorgen,	dô er dort her reit,
si sâhen unverborgen	sîniu zeichen breit,
bî der ieclîchem	wol driu tûsent manne
kômen dar mit zorne,	swie die küenen recken schieden dannen.
785
si wurden alle unmüezic	dort unde hie.
man gesach von einem lande	küener recken nie,
danne ouch dise wâren	in den Hetelen selden.
si kunden wunden vâren;	si tâtenz wol mit Hartmuotes helden.
786
dô die burgaere	wânden vride hân,
dô kom mit helden maere	nâher dar gegân
der vater Hartmuotes	dâ her von Ormandîne.
dem helde gunde er guotes:	daz wart des tages dicke ze schîne.
787
Ludewîc der küene,	der voget ûz Ormandîn,
ûz herten schildes spangen	sluoc er rôten schîn
mit sînem starken ellen,	daz er in brüsten truoc.
die sînen spilgesellen	wâren küene genuoc.
788
den stolzen burgaeren	leiden dô began,
daz si den rât liezen,	den Hilde hete getân,
diu schoene vrouwe,	daz Hetelen wîp.
des sach man dürkel schilde	und vlos ouch maneger dâ den lîp.
789
Ludewîc und Hartmuot	beide wâren komen
sô nâhen zuo einander:	si heten wol vernomen,
daz man die burc vroun Hilden	wolde versliezen.
dô giengens mit den schilden,	daz si diu zeichen in die burc stiezen.
790
swie vil man von der mûre	warf und geschôz,
des nam si vil untûre:	ir ellen daz was grôz.
si ahte harte kleine	swaz man dâ sach der veigen.
mit grôzen lassteinen	sach man der helde vil geneigen.
791
Ludewîc und Hartmuot	kômen in daz tor.
vil manegen sêrewunden	liezen si dar vor.
des begunde weinen	ein juncvrouwe sêre.
in der Hetelen bürge	wart des grôzen schaden dannoch mêre.
792
der künic von Ormanîe	der was vrô genuoc,
dô er und ouch die sîne	sins landes wâfen truoc
vür den sal künic Hetelen.	obene durch die zinne
liez man den vanen weiben.	des trûrte diu vil hêre küniginne.
793
mich wundert, waz doch waere	den gesten dâ geschehen,
ob Wate der vil grimme	hiete daz gesehen,
daz Hartmuotes helde	durch den sal sô giengen
mit samet Ludewîge,	dâ si die schoenen Kûdrûnen viengen.
794
wate und ouch Hetele	hietenz sô gewert,
der inz gesaget hiete,	ûf helme sô gebert
mit den guoten swerten,	daz ez nimmer waere ergangen,
daz si Kûdrûnen	ze Ormanîe braehten gevangen.
795
swaz man dâ vant der liute,	die wâren ungemuot;
sam taete man noch hiute.	maneger hande guot,
die daz wolden rouben,	die vuortenz ûz der selde.
daz müget ir gelouben:	rîch wurden alle Hartmuotes helde.
796
Hartmuot der snelle	ze Kûdrûnen gie.
er sprach: 'maget edele,	ich versmâhte iu ie.
mir und mînen vriunden	solde ouch nu versmâhen,
daz wir hie niemen viengen.	wir soldens alle slahen unde hâhen.'
797
dô redete si niht mêre	wan: 'owê vater mîn,
soldest du daz wizzen,	daz man die tohter dîn
gewalticlîchen vüeret	ûz dînem lande,
mir armen küniginne	geschaehe niht der schade noch diu schande.'
798
dô si genomen hieten	schatz und ouch gewant,
dar zuo man Hilden wiste	bî ir wîzen hant.
die guoten Matelâne	wolden si verbrennen.
swaz in dâ von geschaehe,	die von Ormanîe woldens niht erkennen.
799
Hartmuot hiez dô lâzen	die burc unverbrant.
des ilte er âne mâze,	wie er rûmte daz lant,
ê daz ez ervunden	die mit heres kreften lâgen
ze Wâleis bî der marke,	des künic Hetelen man und sîne mâgen.
800
'lât den roup belîben!'	alsô sprach Hartmuot.
'ich gibe iu dâ heime	mînes vater guot.
uns ist ouch deste lîhter	ze varne ûf dem sê.'
gewalt der Ludewîges	tete Kûdrûnen wê.
801
diu burc diu was zerbrochen,	diu stat diu was verbrant.
dô hete man gevangen	die besten die man vant,
zwô und sehzic vrouwen,	vil minneclîche meide,
die vuorten si von dannen.	dô was der edelen Hilden herzenleide.
802
wie trûric si liezen	des wirtes wîne stân!
dô ilte diu küniginne	in ein venster gân,
daz si nâch den mageden	her nider möhte schouwen.
noch liezens in dem lande	klagende vil manege schoene vrouwen.
803
rüefen unde weinen	vil lûte man dâ vant.
vrô was ir deheine,	dô man über lant
mit der Hilden tohter	vuorte ir ingesinde.
daz geschadete sît in alter	dar nâch maneges werden ritters kinde.
804
Hartmuot brâhte die gisel	mit im ûf den sant.
verbrennet und zervüeret	liez er des vürsten lant.
ez was nâch sînem willen	die zît wol ergangen:
Kûdrûn und Hildeburge	vuorte er mit im von dannen gevangen.
805
er weste wol, daz Hetele	in daz vierde lant
durch urliuge waere.	des rûmte er den sant.
er was niht sô gaehes	von den Hegelingen,
vrou Hilde hiez diu maere	Hetelen unde sînen vriunden bringen.
806
wie rehte klâgelîche	si dem künege enbôt,
daz im dâ heime laegen	sîne ritter tôt;
si hiete Hartmuot lâzen	in dem bluote touwen.
sîn tohter waere gevangen:	dâ mite vuorte er manege schoene vrouwen.
807
'ir boten, saget dem künege,	daz ich vil eine bin.
ez ist mir komen übele:	mit hôchverte hin
vert ze sînem lande	Ludewîc der rîche.
tûsent oder mêre	ligent vor 'der porte jaemerlîche.'
808
Hartmuot sich dô schifte	snelle in drien tagen
wider ûf die kiele.	swaz die mohten getragen,
daz heten sîne recken	genomen und geroubet.
des künic Hetelen degene	wâren hie vil schâdelîche betoubet.
809
wie si nu gevüeren,	wer möhte iu daz gesagen?
man hôrte in ir segele	diezen unde wagen,
dô si gewendet wâren	von des küneges lande
ze einem wilden werde.	der was geheizen dâ zem Wülpensande.
810
Hilde diu vil hêre	ir herze und ouch ir sin
dar zuo wande sêre,	wie si gevrumte hin
ir boten dem künege.	diu herzenlîche leide
geschach von Hartmuote:	der liez ir mit jâmer ougenweide.
811
ir manne und Herwîge	diu vrouwe dô enbôt,
ir tohter waere gevangen,	ir helde waeren tôt
und hieten si al eine	mit ungemüete lâzen;
ir golt und ir gesteine	vuorten die von Ormanîe an den strâzen.
812
die boten riten gaehes	und îlten über lant.
si hete in grôzen sorgen	diu vrouwe dar gesant.
an dem sibenden morgen	si kômen dâ si sâhen
in ir grôzen sorgen	die Hegelinge bî den Moeren harte nâhen.
813
si gâben tägelîche	ritterschefte vil.
ouch mohte man dâ hoeren	maneger hande spil,
daz si an dem legere	dörfte niht verdriezen.
man sach si loufen und springen	unde dicke mit den scheften schiezen.
814
dô sach von Tenemarke	der degen Hôrant
die Hilden boten rîten	zuo in in daz lant.
er sprach zuo dem künege:	'uns koment niuwiu maere.
got gebe, daz uns helden	dâ heime niht geschehen si schade swaere.'
815
der künic gienc in engegene	selbe dâ ers sach.
zen ungemuoten boten	gezogenlîche er sprach:
sît willekomen, ir herren,	her ze disem lande,
wie gehabet sich mîn vrou Hilde?	saget uns, wer iuch her sande.'
816
er sprach: 'daz tete mîn vrouwe,	diu hât uns her gesant.
dîne bürge sint zerbrochen,	verbrennet ist dîn lant;
Kûdrûn ist gevüeret	hin mit ir gesinde.
schaden alsô grôzen	ich waene dîn lant niht überwinde.'
817
er sprach: 'ich klage dir mêre,	des gêt uns michel nôt.
dîner mâge und dîner manne	lît wol tûsent tôt;
dîn schatz ist gevüeret	ze vremeden künicrîchen;
dîn hôrt ist an gerüeret:	daz stât sô guoten helden lasterlîchen.'
818
er vrâgte, wie er hieze,	der ez hete getân,
dô sprach zuo dem künege	ein des recken man:
'der eine heizet Ludewîc	von Ormanîerîche,
der ander heizet Hartmuot.	die kômen uns mit helden schâdelîche.'
819
dô sprach der vürste Hetele:	'darumbe daz ich verzêch
im mîne schoene tohter:	wol weste ich, daz im lêch,
dem künege ûz Ormanîe,	Hagene sîn lant.
dar umbe waere Kûdrûn	hin ze im nâch êren niht gewant.
820
man sol unser vînde	disiu maere gar verdagen;
man sol si unsern vriunden	heimlîchen klagen.
nu heizet uns die mâge	balde her bringen.
ez endôrfte guoten recken	dâ heime nimmer wirser gelingen.'
821
dô hiez man Herwîge	hin ze hove gân,
vriunde unde mâge	und ander sküneges man.
dô dise guote recken	ze hove komen wâren,
man sach den künic Hetelen	in sînem muote truobe gebâren.
822
der voget von Hegelingen	sprach: 'ich wil iu klagen
und muoz iu ûf genâde	mînen kumber sagen,
waz uns mîn vrou Hilde	her enboten hât,
daz ez ze Hegelingen	sô rehte unvroelîchen stât.
823
mîn lant ist verbrennet,	mîne bürge gebrochen nider
— uns ist gehüetet übele	dâ heime leider sider, —
mîn tohter ist gevangen,	erslagen mîne mâgen,
die mir mînes landes	und mîner êre dâ heime phlâgen.'
824
dô trehenden Herwîge	diu ougen umbe daz,
daz diu Hetelen ougen	von weinen wurden naz.
sam tâten die andern alle,	dô sîs weinen sâhen.
der was vrô deheiner,	die dem künege stuonden alsô nâhen.
825
dô sprach Wate der alte:	'nu vermeldet niht.
swaz uns an vriunden	schaden nu geschiht,
des müge wir uns erholen	her nâch mit maneger wünne.
vil trûric wirt gesetzet	Hartmuotes unde Ludewîges künne.'
826
Hetele dô vrâgte:	'wie sol daz ergân?'
dô sprach Wate der alte:	'dâ sul wir vride lân
den von Môrlande,	dem künege und sim gesinde.
sô vüeren wir die degene	nâch der schoenen Kûdrûn dînem kinde.'
827
wate wîslîchen	râten kunde duo.
wir suln mit den gesten	werben morgen vruo
und ouch in der mâze,	daz si werden inne,
ob wirs niht lâzen,	daz si ir volc nimmer bringen hinnen.'
828
dô sprach der küene Herwic:	'nu ist gerâten wol;
bereitet iuch alsô hiute,	wie man morgen sol
gebâren mit den vînden,	daz wir daz lâzen schouwen.
swie wir hinnen scheiden,	mir ist unmâzen leit nâch den vrouwen.'
829
si rillten sich ze strîte	mit rossen und mit wât:
si liezen vil ungerne	des alten Waten rât.
dô in erschein der morgen,	si versuochtenz vil sêre
an die von Abakîne.	dâ mite si wurben beide lop und êre.
830
die paniere allenthalben	in gedrenge man dô truoc;
der vil wol gesunden	manegen man dâ sluoc.
die von Sturmlande	lûte riefen 'nâher!'
die si dâ twingen wolden,	den was zuo dem strîte deste gâher.
831
Îrolt begunde rüefen	über schildes rant:
'weit irz mit uns süenen,	ir helde ûz Môrlant?
des heizet iuch mîn herre	der künic Hetele vrâgen.
iuwer lant sint iu ze verre:	ir verlieset beide guot unde mâgen.'
832
des antwurte Sîvrit,	der künic ûz Môrlant:
'swenne ir den sige erwerbet,	sô habet ir guotiu phant.
ich wil mit niemen dingen	wan nâch mîner êre.
waenet ir uns twingen,	ir verderbent beidenthalben deste mêre.'
833
dô sprach der recke Fruote:	'nu sichert ir uns bî
ze wesene dienestlîche,	sô lâze wir iuch vrî
urliuges immer mêre	ûz mînes herren landen.'
die von Karadîne	strahten dar den vride mit ir handen.
834
alsô kom ez ze suone,	als ich iu hân geseit.
dô giengen zuo einander	die recken vil gemeit;
einander buten dienest	die ê vînde wâren.
ir haz der was versüenet:	si rieten den von Ormanîe ze vâre.
835
nu sagete alrêrste Hetele	dem künege ûz Môrlant,
waz er von sînen boten	leider maere ervant.
ob er im helfen wolde,	daz diente er an sîn ende,
daz er hêrn Hartmuote	gelônte dirre starken missewende.
836
dô sprach der herre Sîvrit,	der künic ûz Alzabê:
'westen wir si vinden,	sô müese in werden wê.'
dô sprach Wate der alte:	'ich weiz hie bî vil nâhen
ir rehte wazzerstrâze.	wir mügens ûf dem mer vil wol ergâhen.'
837
Hetele sprach zin allen:	'wâ solde ich kiele hân?
ob ich in gerne schatte,	wie möhte daz ergân,
ez enwaere, ob ich dâ heime	mich bereite zuo ir lande,
daz ich si dâ gesaehe?	sô geriche ich an in beide schaden und anden.'
838
dô sprach Wate der alte:	'sîn mac wol werden rât;
got tuot mit gewalte,	als ez umbe in stât.
jâ weiz ich hie vil nâhen	bî uns in dem lande
wol sibenzic guoter kiele.	die stânt mit guoter spîse ûf einem sande.
839
die habent pilgerîne	gevüeret ûf den sê.
die müezen wir gewinnen,	swiez uns dar nâch ergê.
si suln gedulticlîchen	ûf dem sande erbîten,
unz wir mit unsern vînden	uns versüenen oder aber gestrîten.'
840
waten dem küenen	wart dannen gâch
wol mit hundert recken;	die andern zugen nâch.
er sprach, er wolde koufen,	heten si iht spîse veile.
des starp im vil der mâge:	im selben kom ez sît ze unheile.
841
die si an dem sande vunden,	vür war sô weiz ich daz,
der was drizic hundert,	ich waene, und dannoch baz.
die mohten niht sô gaehes	sich gerihten ze strîte.
dô kom in dar nâher	der künic mit maneger schar wîten.
842
swie sô si gebârten,	man truoc in ûf den sant,
des Wate niht enwolde,	ir silber und ir gewant.
die spîse hiez er lâzen	belîben ûf den ünden.
er sprach, man solde inz gelten,	sô si allernaehste her wider wünden.
843
die pilgerîne klageten	und vluochten: des gienc in nôt.
swaz si im ir dinges sageten,	er ahte ez niht ein brôt;
Wate der vil küene	trahte âne smiele,
daz si im lâzen müesen	mit ir spîse kocken unde kiele.
844
Hetele der enruochte,	ob si immer ûf daz mer
mit ir kriuze koemen.	er nam ûz ir her
vünf hundert oder mêre	der besten, die si vunden.
des brâhten si vil wenic	ze Hegelingelande der gesunden.
845
ich enweiz, ob des engulte	Hetele und sîne man
daz ditze volc ellende	daz herzenleit gewan,
daz si sich dâ muosen scheiden	in den vremeden landen,
ich waene, got von himele	raeche dâ selbe sînen anden.
846
si vuoren, sô si mohten	beldiste dan.
Hetele und die sîne	guoten luft gewan.
si begunden segelen	nâch ir vîanden,
swâ si die bevunden,	und wolden an in rechen schaden und anden.
847
nu was künic Ludewîc	und ouch her Hartmuot
mit ir landes volke	bî des meres vluot
beliben durch ir ruowe	ûf den wilden griezen.
swie vil si liute hieten,	des mohten si doch lützel geniezen.
848
ez was ein wert vil breiter	und hiez der Wülpensant,
dâ die von Ormanîe	ûz Ludewîges lant
gemach gevüeget hieten	ir rossen und in selben,
daz sich ir schade muose	nâch ir gemache grimmiclîche melden.
849
die vil edele gisel	von Hegelingelant
die hete man gewîset	ûf den wilden sant.
die mâze und si dâ mohten	sach man si gebâren,
die minneclîche meide,	bî den vînden trûric si wâren.
850
diu viur man allenthalben	bî dem sande sach,
die von verren landen	schuofen in gemach.
si wânden dâ belîben	— daz kom in al ze sêre —
mit den schoenen wîben	wol ze siben nahten oder mêre.
851
dô dise recken lâgen	an einer wilden habe,
Hartmuot mit sînen mâgen	muose lâzen abe
den gedingen den si hieten,	daz si solden belîben
dâ ze siben tagen	an ir gemache mit den schoenen wîben.
852
ez was von Matelâne	nu sô verre dan
Kûdrûn diu wol getâne,	daz Ludewîges man
heten an ir gemache	deheiner slahte gedingen,
daz Wate und sîne vriunde	ez in ze schaden ie möhten bringen.
853
dô sach der marnaere	ûf den ünden wagen
in schif mit rîchen segelen.	dem künege hiez erz sagen.
dô daz gesach her Hartmuot	und ouch al die sîne,
in den segelen waeren kriuze,	si jâhen ez waeren pilgerîne.
854
schiere sâhens vliezen	drî kiele guot
und niun kocken rîche.	die truogen ûf der vluot
manegen der daz kriuze	durch gotes êre selten
truoc an sînen kleiden.	des muosen die ûz Ormanîe engelten.
855
si kômen in nu sô nâhen,	daz man die helme sach
ab den schiffen schînen.	sich huop ir ungemach
und ir schade sêre	Ludewîgen und den sînen.
'wol ûf!' rief dô Hartmuot,	'hie koment die grimmen widerwarten mîne. '
856
si gâhten zuo dem lande,	daz man wol vernam
diu ruoder an den banden	krachen manegem man.
die ûf dem stade wâren,	die alten zuo den jungen,
die enwesten wie gebâren,	wan daz si werlîche dar sprungen.
857
Ludewîc und Hartmuot	truogen schilt enhant.
si wâren ê vil sanfter	komen in ir lant,
wan daz si ir ruowe	trouc ein teil ze sêre.
si versâhen sich zir vînden,	Hetele hete der mâge niht mêre.
858
lûte ruofte dô Ludewîc	an alle sîne man:
'ez was gar ein kintspil	swes ich ie began:
nu muoz ich aller êrste	mit guoten helden strîten.
ich gerîche immer	der ir tar under mînem vanen erbîten.'
859
Hartmuotes zeichen	truoc man ûf den sant.
diu schif sô nâhen wâren,	daz sîs mit der hant
mit scheften mohten langen	bî in an dem grieze.
ich waen her Wate der alte	sînen schilt niht müezic enlieze.
860
sô rehte grimmiclîche	werte man nie ein lant:
die von Hegelingen	drungen ûf den sant.
mit spern und mit swerten	strîtens alsô sêre.
einander si dô werten,	daz si des koufes sît niht gerten mêre.
861
si wâren allenthalben	an daz stat gestân.
nâch winden von den alben	sach man nie snê gân
sô dicke, sô dâ draeten	die schüzze von den henden.
ob sîz nu gerne taeten,	sô möhte den schaden niemen wol erwenden.
862
man vant ein sperwehsel.	diu wîle diu was lanc.
ê si daz lant gewunnen.	der alte Wate spranc
zuo den vînden sêre:	si wâren im sô nâhen.
er was sô grimmes muotes,	daz si sînen willen wol gesâhen.
863
Ludewîc von Ormanîe	der lief Waten an.
mit einem sper vil scharphen	schôz er ûf den man,
daz diu stücke hôhe	sprungen in die winde.
Ludewîc der was küene.	dô kom ouch daz Waten ingesinde.
864
wate Ludewîgen	durch den heim sluoc,
daz des swertes ecke	ûf daz houbet truoc.
ouch hete er under brünne	von vil guoten sîden
von Abalîe ein hemede:	anders müese er nu daz ende lîden.
865
Ludewîc im vil kûme	mit sînem lîbe enbrast.
die stat muose er rûmen.	ez was ein übel gast
Wate dâ er solde	bî vînden sige erwerben.
man sach von sîner hende	manegen guoten recken dâ sterben.
866
Hartmuot und Îrolt	zuo einander spranc.
ir ietweders wâfen	ûf dem helme erklanc,
daz man ez mohte hoeren	durch die schar verre.
Îrolt was vil biderbe:	küene was ouch Hartmuot der herre.
867
Herwic von Sêwen,	ein maerer helt guot,
der enmohte vollangen.	jâ spranc er in die vluot.
er stuont unz an die üehsen	tiefe in einer ünde.
herter vrouwen dienest	wart dâ dem küenen Herwîge künde.
868
disen recken guoten	wolden in der vluot
ertrenken sîne vînde.	manegen schaft vil guot
sach man ûf im zebrechen.	im was gâch zem sande
nâch sînen vînden.	dô wart gerochen maneges recken ande.
869
als si daz stat erwurben,	man sach des meres vluot
von den, die dâ sturben,	gevar als daz bluot
bî in allenthalben	in rôter varwe vliezen
sô wîte, daz ez niemen	mit einem sper wol möhte überschiezen.
870
groezer arbeite	wart nie helden kunt:
ez wart nie helt als maneger	gedrücket an den grunt,
ein lant si möhten erben,	die âne wunden sturben,
die in dâ schaden tâten,	ich waen si allenthalben dâ verdurben.
871
nâch sînem lieben kinde	der küene Hetele streit,
er und sîn gesinde.	schaden unde leit
tâten allenthalben	die vremeden zuo den kunden.
des wart vil maneger	veige ûf dem Wülpensande vunden.
872
mit ungevüegem dienste	urborte sich ir hant,
der von Ormanîe	und von Hegelingelant.
man sach die Tene küene	sô hêrlîchen strîten:
swer genesen wolde,	der endorfte ir nimmer dâ enbîten.
873
Ortwîn und Môrunc	die bouten daz lant
nâch alsô grôzen êren,	daz man ir wenic vant,
die baz gevüegen kunden	schaden mit ir ellen.
si sluogen vil der wunden,	die zwêne helde und ir hergesellen.
874
die vil stolzen Moere,	als ich hân vernomen,
die wâren von ir schiffen	zuo ir vînden komen.
der wânde dâ Hetele	in sorgen wol geniezen.
si wâren helde küene:	man sach daz bluot durch veste helme vliezen.
875
ir voget den si hieten,	wie möhte der küener sîn?
des tages vrumte er sweizic	maneger brünne schîn;
er was in starken stürmen	ein maerer helt vil guote.
wie kundens wesen küener	der alte Wate und ouch von Tenen Fruote?
876
diu sper verschozzen wâren	dort und ouch hie.
Ortwîn mit sînen gesellen	vrevellîchen gie.
des wart des tages helme	vil von in verhouwen.
grimme weinte Kûdrûn.	alsô tâten ouch bî ir ander vrouwen.
877
der herte strît der werte	des selben tages lanc.
daz volc einander gerte.	grôz was der gedranc.
dâ muose snellen helden	sêre misselingen,
dâ die Hetelen vriunde	wolden sîne tohter wider gewinnen.
878
der âbent seic ie nâher.	dâ von der künic gewan
schaden deste mêre.	die Ludewîges man
tâten swaz si solden.	si enwesten war entrinnen.
si sluogen tiefe wunden:	alsô werten si die küniginne.
879
diz werte in grôzen sorgen,	unz inz diu naht benam,
von einem vruomorgen.	si tâten âne scham
allez daz si kunden,	die alten zuo den jungen,
ê daz künic Hetele	kom zuo dem von Ormanîe gedrungen.
880
Hetele unde Ludewîc	die truogen hôch enhant
ir vil scharphiu wâfen.	ir ietweder vant
mit kreften an dem andern	rehte wer er waere.
Ludewîc sluoc dô Hetelen.	des wurden dô herzenleidiu maere.
881
dô von Matelâne	der wirt wart erslagen,
daz gevriesch diu wol getâne,	jâ hôrte man dô klagen
die schoenen Kûdrûnen	und ouch alle ir meide,
ez wart gescheiden kûme.	den liuten wart beidenthalben leide.
882
dô Wate der vil grimme	gevriesch des küneges tôt,
er begunde limmen.	sam ein âbentrôt
sach man helme schînen	von sînen siegen swinden.
in und al die sînen	die muose man vil zornige vinden.
883
swaz tâten die helde guote,	waz mohte helfen daz?
von dem heizen bluote	der wert wart vil naz.
des vrides niht engerten	die von Hegelingen:
ûf dem Wülpenwerde	woldens Kûdrûn gerne wider bringen.
884
die von Wâleis und von Stürmen	râchen sküneges tôt.
die von Tenemarke	wâren in der nôt
bî den Hegelingen	und bî den von Nortlande.
den vil zieren helden	brâsten guotiu wâfen an den handen.
885
sînen vater wolde rechen	der küene Ortwîn.
dô kom mit grôzer menege	Hôrant und die helde sîn.
der tac was verendet,	nahten ez begunde.
dô wart alrerst erhouwen	von den helden manic vil tiefiu wunde.
886
einer von Tenemarke	ze Hôranden spranc,
sîn swert im harte lûte	an der hende erklanc.
er wânde er waere der vînde.	dô vrumte im an den stunden
Hôrant schaden grôzen:	der degen küene sluoc im eine wunden.
887
dô er sînen neven	hete ze tôde erslagen,
den vanen hiez er schiere	nâch sînem vanen tragen.
dô erkande er bî der stimme	den er dâ hete verschrôten
mit sînen starken ellen.	Hôrant klagete sêre dô den tôten.
888
lûte ruofte Herwic:	'hie wirt mort getân,
sît daz wir niht lenger	des tages mügen hân,
wir slahen alle einander,	die vremeden zuo den kunden,
ob ez wert unz an den morgen,	hie wirt niht der dritte lebende vunden.'
889
swâ man Waten den küenen	in stürmen ie vernam,
niemen zuo im dringen	in der nôt gezam.
sîn ungevüegez zürnen	niemen bî im dolde.
er brâhte ir vil manegen	dâ hin, dâ er immer wesen solde.
890
ouch mohten sîz wol scheiden,	unze ez wurde tac:
ir volc dâ beidenthalben	mit verchwunden lac
erslagen von den vremeden.	in gebrast des mânen schînen;
der tac der was zergangen.	des vlôs den sige der gast mit al den sînen.
891
die grimme müelîchen	liezen dô den strît.
mit vil müeden handen	schieden si sich sît.
si beliben bî einander	dannoch ahô nâhen,
swâ diu viur brunnen,	daz si ir helme und ouch ir schilde sâhen.
892
Ludewîc und Hartmuot	ûz Ormandîn
giengen sundersprâchen.	daz gesinde sîn
liez der künic hoeren,	wes er belîben solde
bî Waten dem vil küenen,	wande der in gerne sterben wolde.
893
er riet in sînen listen:	'nu leget iueh ze tal,
iuwer houbet ûf die schilde,	und habet grôzen schal,
sô mügen niht enwaenen	die von Hegelingen,
ob ichz kan gevüegen,	daz ich iueh von hinnen alsô bringe.'
894
dô volgte Ludewîge	mâge unde man.
trumben und pusûnen	lûte man vernam,
sam daz lant dâ waere	gewalticlîche ir eigen,
sîne starke liste	begunde Ludewîc dô zeigen.
895
man hôrte dâ allenthalben	gebraht unde wuof.
dô verbot man den kinden	den weinenden ruof,
die des niht wolden lâzen,	daz man die alle ertrankte:
swelhe man dâ gehôrte,	daz man die in die ünde sankte.
896
swaz si gehaben mohten,	daz wart in ûf getragen,
si liezen dâ die tôten,	die in wâren erslagen.
in gebrast vil vriunde;	daz was in vil swaere,
des liezen si ir kocken	hinder in dâ vil manegen laere.
897
mit alsô grôzen listen	kômens ûf den sê,
die von Ormanîe.	den vrouwen den was wê,
daz si verswigen muosen	daz varn von ir mâgen.
des westen niht die helde,	die noch ûf dem Wülpenwerde lâgen.
898
ê in der tac bekoeme,	dô wârens ûf den wegen,
mit den die von Tenemarke	strîtes wânden phlegen.
wate hiez lûte	sîn herhorn schellen.
dô wolde er zuo in gâhen,	die er mit tiefen wunden wolde vellen.
899
ze rosse und ouch ze vuoze	von Hegelingelant
daz volc sach man allez	sigen über sant
nâch den von Ormanîe,	Ludewîge und sînen mannen,
mit den si wolden strîten:	dô wâren si gevarn verre dannen.
900
diu schif si vunden laere,	gestrewet ir gewant;
daz sach man allez ligende	ûf dem Wülpensant.
der herrenlôsen wâfen	wart dâ vil vunden.
si heten daz verslâfen,	daz si in nimmer geschaden kunden.
901
dô man daz Waten sagete	— des gienc im michel nôt —,
wie angestlîche er klagete	des künic Hetelen tôt,
daz erz niht hete errochen	an Ludewîges lîbe.
vil helme lac zerbrochen.	daz klaget dâ heime vil der schoenen wîbe.
902
wie rehte jaemerlîchen	durch zornigen muot
Ortwîn dô klagete	die sînen recken guot!
er sprach: 'wol ûf, ir helde,	ob wir si mügen ergâhen,
ê daz si rûmen die selde!	jâ sint si noch dem stade nâhen.
903
des wolde dô gerne volgen	Wate der alte man.
Fruote bî dem lûfte	kiesen dô began;
er sprach zuo den recken:	'waz hilf et, ob man île?
merket mich vil ebene:	si sint von hinnen wol drizic mîle.
904
ouch mügen wir der liute	die state niht gehân,
daz in iht schade werde	von unser vart getân.
nu lât iu mîne lêre',	sprach Fruote, 'niht versmâhen;
waz weit ir rede mêre?	jâ müget ir si nimmer wol ergâhen.
905
nu heizet die wunden	zuo den schiffen tragen
und suochet ouch die tôten,	die uns sint erslagen,
und heizet die bestaten	ûf den wilden griezen.
si hânt hie vil der vriunde.	war umbe solden si des niht geniezen? '
906
si stuonden al gemeine	mit windender hant.
ob in niwan eine	der schade wurde erkant,
daz si verlorn hieten	die jungen küniginne:
waz si nu der maere	möhten vroun Hilden wider bringen!
907
dô sprach Môrunc:	'und wurde es nu niht mer,
wan daz wir selbe lîden	leit und herzen ser —
wir dienen swache gâbe,	sô wir ir bringen diu maere,
daz Hetele lît erstorben,	noch sanfter ich von vroun Hilden waere.'
908
dô suochte man die tôten	über al den sant.
die dâ wâren kristen,	swaz man der dâ vant,
die hiez der helt von Stürmen	zuo einander bringen,
wâ si belîben solden,	daz ahten si mit den jungelingen.
909
dô riet der degen Ortwîn:	'dâ sul wir si begraben,
daz sul wir ahten danne,	daz si urkunde haben
mit einem rîchen klôster	immer nâch ir ende,
und daz ein teil guotes	ieclîchez künne dar zuo sende.'
910
'daz hâst du wol gerâten'	sprach der von Sturmlant,
'jâ sol man verkoufen	ir ros und ir gewant,
die dâ ligent tôte,	daz man der armen diete
nâch ir lîbes ende	von ir guote disen vrumen biete.'
911
dô sprach Îrolt:	'sol man ouch die begraben,
die uns den schaden tâten,	oder sol man si die raben
und die wilden wolve	ûf dem werde lâzen niezen?'
dô rieten daz die wîsen,	daz si der einen ligen niht enliezen.
912
dô si dô müezic wurden	nâch ir maneger nôt,
den künic si begruoben,	der den werden tôt
durch vriunde liebe hiete	genomen ûf dem sande.
swie si geheizen waeren,	sam tete man die von ieclîchem lande.
913
die Moere man besunder	ir ieclîchen vant.
sam tete man dâ die degene	von Hegelingelant
und die von Ormanîe:	man muose ir stat bescheiden.
die legete man besunder.	si wâren beide kristen unde heiden.
914
vil unmüezic si wâren	unz an den sehsten tac,
si heten niht der wîle.	daz gesinde nie gelac,
wie si ze gotes hulden	die von Hegelingen
von ir grôzen schulden	und von ir missetât möhten bringen.
915
lesen unde singen	man hôrte sô vil dâ,
daz man bî sturmtoten	nindert anders wâ
gote sô schône diente	in deheinem lande,
sît lie man bî den veigen	vil der pfaffen ûf dem Wülpensande.
916
ouch muosen dâ belîben	die ir solden phlegen.
die hiez man âne schrîben	daz in dâ wart gegeben,
wol driu hundert huobe;	ez wurden spitâlaere.
diu maere erschullen verre,	wie daz klôster dâ gestiftet waere.
917
alle die ir mâge	heten dâ verlân,
die gâben dar ir stiure,	wîp unde man,
durch willen der sêle	der lîcham si begruoben.
sît wart ez alsô rîche,	daz dar dienten wol driu hundert huobe.
918
nu ruoche in got genâden,	die dâ sint gelegen,
und den in dem lande.	nu vuoren after wegen
die noch gesunt wâren	ûf dem Wülpensande.
die kômen nâch ir sorgen	ietslîcher heim zuo ir herren lande.
919
die Hetelen mâge	heten lâzen hie
in des tôdes lâge,	daz guote recken nie
mit sô grôzen sorgen	mê komen zuo ir lande.
sît sach man schoene vrouwen	weinen mit windenden handen.
920
ez getorste ûz Nortlande	der degen Ortwîn
nâch schaden und nâch schande	die lieben muoter sîn,
Hilden die schoenen,	vor jâmer nie beschouwen.
diu warte tägelîche,	ob si braehten Kûdrûn die vrouwen.
921
wate reit mit vorhten	in daz Hilden lant
— die andern niht getorsten —:	sîn kraft und ouch sîn hant
het übele gehüetet	in volcstürmen grimmen.
er entroute niht sô gaehes	die Hilden hulde widere gewinnen.
922
dô die liute sageten,	Wate waere komen,
genuoge des verzageten.	si heten ê vernomen,
swanne er reit ûz strîte,	sô vuor er ie mit schalle.
daz tete er zallen zîten:	si swîgen nu gemeinlîchen alle.
923
'owê' sprach vrou Hilde,	'wie ist ez nu ergân?
ez vüerent dürkel schilde	des alten Waten man.
unsanfte gânt die moere,	geladen harte swaere.
si gehabent sich übele.	ich weste gerne, wâ der künic waere.'
924
dar nâch in kurzer wîle,	dô si daz gesprach,
dô sach man manegen îlen	dâ man Waten sach,
die von ir lieben vriunden	gerne wolden vrâgen.
dô saget er in diu maere,	der ieclîchen mohte wol betrâgen.
925
dô sprach Wate von Stürmen:	'ich mac iuch niht verdagen
noch sol iuch niht betriegen:	si sint alle erslagen.'
des erschrâken sêre	die alten zuo den kinden.
man kunde nimmer mêre	sô rehte trûric ingesinde vinden.
926
'owê mîner leide! '	sprach des küneges wîp.
'wie ist von mir gescheiden	mînes herren lîp,
Hetelen des rîchen!	wie swindet mîn êre!
wie hân ich vlorn beide!	jâ gesihe ich Kûdrûn nimmer mêre.'
927
ritter unde meide	kolten dô den lîp
von ungevüegem leide.	dô des küneges wîp
ir man sô sêre klagete,	man hôrte den sal erdiezen.
'owê mir' sprach vrou Hilde,	'und sol sîn künic Hartmuot geniezen.'
928
dô sprach Wate der küene:	'vrouwe, lât daz klagen:
si koment niht her widere.	noch nâch disen tagen,
sô uns die liute erwahsent	hie in disem lande,
sô tuo wir Ludewîge	unde Hartmuote ouch alsam ande.'
929
dô sprach diu trûrende:	'hei, solde ich daz geleben!
allez daz ich hiete	wolde ich dar umbe geben,
daz ich errochen wurde,	swie sô daz geschaehe,
daz ich vil gotes armiu	mîne tochter Kûdrûn gesaehe.'
930
wate sprach ze Hilden:	'vrouwe, lât daz klagen,
wir suln uns besenden	in disen zwelf tagen
mit allen iuwern recken,	swaz wir der mügen bringen,
und râten eine reise:	sô muoz Ormanîe misselingen. '
931
er sprach: 'mîn vrou Hilde,	ez ist alsô komen:
ich hân pilgerinen	niun schif genomen.
diu sul wir den armen	dar umbe wider bringen,
ob wir mêre strîten,	daz uns danne baz müge gelingen.'
932
dô sprach diu jâmerhafte:	'daz râte ich daz man tuo:
daz man ir schaden büeze,	dâ hân ich willen zuo.
swer iht nimt pilgerinen,	der hât des sünde starke.
man sol in ie wider eine	mînes silbers geben drî marke.'
933
diu schef brâhte man widere,	als diu vrouwe riet,
ê daz dehein pilgerin	von dem stade schiet,
dô wart in allen	alsô wol vergolten,
daz si dâ vluochten niemen	und daz Hagenen kint beleip unbescholten.
934
dar nâch des naehsten morgens	dô kom von Sêlant
Herwic der küene	dâ er vroun Hilden vant
nâch ir mannes ende	weinen grimmiclîche.
mit windenden henden	enphienc si doch den helt vil lobelîche.
935
von der vrouwen weinen	trâhenen dô began
Herwic der edele.	dô sprach der junge man:
'si sint niht alle erstorben,	die iu dâ helfen solden
und ez gerne tâten.	des hânt sumelîche sêre engolden.
936
ez geruowet nimmer	mîn herze und ouch mîn lîp,
ez muoz erarnen Hartmuot,	daz er mir ie mîn wîp
getorste hin gevüeren	und slahen unser helde.
ich rîte im noch sô nâhen,	daz ich gesitze ûf sîner selde.'
937
swie leit in allen waere,	si riten gegen der stat
hin ze Matelâne.	diu küniginne bat,
swaz in geschehen waere,	die triuwe haben wolden,
daz si die küniginne	doch dar umbe niht miden solden.
938
dô kômen die von Friesen	und die von Sturmlant.
nâch den Tenemarken	hete si ouch gesant.
von Wâleis dar kômen	die Môrunges helde.
dô riten die Hegelinge	mit in zuo der schoenen Hilden selde.
939
dô kom von Nortlande	ir sun Ortwîn.
si klagete, als si solde,	den lieben vater sîn.
die helde sundersprâche	mit ir vrouwen tâten:
ez wart ein urliuge	mit den starken helden gerâten.
940
dô sprach von Tenen Fruote:	'ez mac niht ê ergân,
ê wir die state der liute	mügen vol gehân,
daz wir herverten	rîten von hinnen,
swaz halt die vînde	..... dort gewinnen.
941
dô sprach diu küniginne:	'wanne möhte daz sîn?
sol allez bî den vinden	diu liebe tohter mîn
in vremeden landen sitzen	alsus dort gevangen,
ich vil armiu küniginne,	sô ist mir mîn vreude gar zergangen.'
942
dô sprach Wate der alte:	'ez kan niht ê geschehen,
die wir dâ hân ze kinden,	unz daz wir gesehen,
daz si sint swertmaezic:	vil manic edel weise,
si gedenkent an ir mâge	und helfent uns vil gerne zuo der reise.'
943
dô sprach diu küniginne:	'daz lâze uns got geleben.
mir vil armer vrouwen	ist der tac ze lanc gegeben,
swer an mich gedenket	und an Kûdrûn die armen,
dem wil î's wol getrouwen,	der sich über uns lât erbarmen.'
944
si gerten urloubes.	dô sprach daz edele wîp:
'swer an mich gedenket,	saelic si sîn lîp.
jâ sult ir, küene recken,	gerne zuo mir rîten
und schaffet unser reise,	sô ir beste kunnet in den zîten.'
945
dô sprach mit listen Wate,	der alte helt balt:
'vrouwe, man sol swenden	dâ zuo den besten walt.
sît wir ze herverte	haben guot gedinge,
von ieclîchem lande	heizet ir iu vierzic kocken gewinnen.'
946
si sprach: 'sô sol ich würken	heizen bî der vluot
zweinzic veste kiele,	starc unde guot,
und wil die heizen rüsten:	des hân ich guot gedinge,
daz si mîne vriunde	mit staten zuo den vîanden bringen.'
947
dô wolden si sich scheiden.	der voget ûz Môrlant,
der gie gezogenlîche	dâ er die vrouwen vant.
er sprach: 'man sol mir künden	der zît ein rehtez ende,
sô si hinnen wellen,	daz man nimmer nâch mir gesende.'
948
güetlîchez scheiden	liez si dô geschehen,
man mohte nâch ir leiden	trûrende sehen
dise guote geste	und ouch die schoenen vrouwen.
si rieten zallen stunden	des man ze Ormanîe nimmer möhte getrouwen.
949
dô si von dannen wâren	geriten in ir lant
mit trüeben gebâren,	ûf den Wülpensant
der tôten beteliuten	hiez man vüeren spîse,
daz si ir gên gote gedaehten.	diu vrouwe Hilde diu was vil wîse.
950
dar zuo hiez si mûren	ein münster, daz was wît.
klôster und spitâle	hiez si mûren sît.
mich dunket daz ez wurde	erkant in manegem lande
von den die dâ lâgen.	sît nande man ez dâ zem Wülpensande.
951
nu lâzen wir belîben,	wie ez umbe si gestâ,
oder waz die klôsterliute	ze schaffen heten dâ.
wir suln lâzen hoeren	umbe Hartmuote,
wie er ze lande brâhte	manege maget edele unde guote.
952
dô si gescheiden wâren,	als wir iu sageten ê,
von vil manegem recken,	den was von wunden wê,
die si in den stürmen	wunde heten lâzen,
daz muosen sît die weisen	beweinen in ir lande âne mâze.
953
mit vil grôzen sorgen	kômens über vluot.
âbent unde morgen	vil manic degen guot
schamten sich vil sêre.	die alten zuo den jungen,
daz si entrunnen waeren,	swie wol in anders waere gelungen.
954
si nâhten Ormanîe,	ze Ludewîges lant:
den guoten schifliuten	was dâ erkant.
dô si ir heimwesen	in ir sorgen sâhen,
dô sprach einer drunder:	'wir sîn der Hartmuotes bürge nâhen.'
955
dô hulfen in die winde	in des vürsten lant.
daz liut ûz Ormanîe	vreute sich zehant,
daz si noch komen solden	zir kinden und zir wîben,
die ê waenen wolden,	daz si dort tôt müesen belîben.
956
Ludewîc der vrîe	sîne bürge sach.
der von Ormanîe	ze Kûdrûnen sprach:
'seht ir die bürge, vrouwe?	ir müget iuch vreudê nieten,
weit ir uns sîn genaedic,	wir wellen iuch mit rîchem lande mieten.'
957
dô sprach vil trûriclîche	daz edele magedîn:
'wem möhte ich sîn genaedic?	wan diu genâde mîn,
von der bin ich sô verre	leider nu gescheiden,
ich waene et harte verre!	des belîbe ich alle tage in leide.'
958
dô sprach aber Ludewîc:	'lât iu niht wesen leit:
minnet Hartmuoten,	den recken gemeit.
allez daz wir sîn habende,	daz wellen wir iu bieten,
ir müget iuch mit dem degene	êre unde wünne noch genieten.'
959
dô sprach diu Hilden tohter:	'wan lât ir mich an nôt?
ê ich Hartmuoten naeme,	ich wolde ê wesen tôt.
im waer ez von dem vater geslaht,	daz er mich solde minnen,
den lîp wil ich verliesen,	ê ich in ze vriunde welle gewinnen.'
960
dem künic Ludewîge	tete diu rede wê.
er vienc si bî dem hâre,	er warf si ûf den sê.
Hartmuot der küene,	wie balde er daz werte,
daz er die maget edele	von den starken ünden vor im nerte.
961
dô si nu wolde sinken,	dô kom her Hartmuot.
si möhte wol ertrinken,	wan daz der degen guot
ir valwe zophe	erreichte mit den henden.
dâ mite zôch er si widere.	anders mohte er ir sterben niht erwenden.
962
si brâhte in eine barken	Hartmuot der degen.
Ludewîc kunde unsanfte	schoener vrouwen phlegen:
si saz in dem hemede,	dô ers ûz dem wâge brâhte.
diu zuht diu was ir vremede.	hei wie rehte leide si ir gedâhte!
963
dô weinten al gemeine	diu schoene magedîn,
vrô was ir deheine.	wie kunde in leider sîn,
dô man des küneges tohter	strafte alsô sêre?
si gedâhten in ir muote:	'man tuot uns der leide noch mêre.'
964
dô sprach der herre Hartmuot:	'zwiu ertrenket ir mîn wîp,
die schoenen Kûdrûnen?	diu ist mir als der lîp.
taete ez ander iemen,	sô zurnte ich alsô sêre,
dan Ludewîc der vater mîn,	ich naeme im beide lîp unde êre.'
965
dô sprach aber Ludewîc:	'unbescholten ich noch bin
komen in mîn alter	und wolde ouch alsô hin
leben nâch mînen êren	unze an mîn ende.
nu bite Kûdrûnen,	daz si ir zorn niht an mir verende.'
966
die boten komen wâren	vroelîch gemuot.
dô enbôt man vroun Gêrlinde	liep unde guot
und willigen dienest	von ir sune Hartmuoten,
und daz si enphâhen solde	ûf dem stade vil manegen ritter guoten.
967
er hiez ouch daz künden,	ez kûme über sê
diu maget von Hegelingen,	nâch der dicke wê
waere Hartmuote,	ê daz er si gesaehe.
dô daz gehôrte Gêrlint,	jâ waene ich ir lieber nie geschaehe.
968
dô sprach der bote biderbe:	'vrouwe, ir sult sîn
vor der burc dâ nidene,	dâ ir diu magedîn
mit minniclîchem gruoze	enphâhet in ir leide.
ir und iuwer tohter	sult rîten zuo dem stade beide.
969
ouch sult ir mit iu vüeren	hin nider zuo der vluot
magede unde vrouwen	und ouch ritter guot,
dâ man die ellende	in der habe vinde.
mit minneclîchem gruoze	sult ir enphâhen daz ir ingesinde.'
970
'daz tuon ich williclîchen '	sprach vrou Gêrlint,
'ez sol mich vreuden rîchen	hie daz Hetelen kint,
kumt si her ze lande	mit ir ingesinde,
ich wil, daz man Hartmuoten	dicke bî ir vroelîchen vinde.'
971
diu ros hiez man gewinnen,	dar zuo diu satelkleit.
diu junge küniginne	was vrô und gemeit,
wanne daz geschaehe,	daz si in ir vater lande
Kûdrûn gesaehe,	die man vil dicke in hôhem prîse nande.
972
dô suohtens ûz den kisten	die allerbesten wât,
die si dâ inne wisten	und die ouch iemen hât.
mit vlîze hiez man kleiden	die Hartmuotes helde:
des küneges ingesinde	reit vil schône mit zierde ûz der selde.
973
an dem dritten morgen	wîp unde man,
swaz man Gêrlinde	gesindes gewan,
daz was wol bereitet	ze vrôwem antphange.
si riten ûz der bürge	und biten dâ ze hove niht lange.
974
dô wâren ouch die geste	komen in die habe,
allez daz si brâhten,	daz wart gevüeret abe.
si wâren zuo ir lande	komen vroelîchen,
wan eine Kûdrûn	und ir gesinde vuoren trûriclîchen.
975
Hartmuot der snelle	si vuorte bî der hant.
möhte ez sich gevüegen,	si hiete ez gerne erwant:
jâ nam ouch diu arme	den dienst von im durch êre:
dô tete ab erz vil gerne	unde swaz er dienen kunde mêre.
976
mit ir giengen dannen	wol sehzic magedîn,
dem gelîch, si solden	in hôhen zühten sîn
komen ûz ir lande.	si wâren ê vil maere
in manegen künicrîchen:	done liez si vreude hân ir grôziu swaere.
977
diu Hartmuotes swester	bî zwein vürsten gie
dâ si die Hilden tohter	vliziclîche enphie.
mit weinenden ougen	diu maget vil ellende
kuste des wirtes tohter.	dô nam si Ortrûn bî ir wîzen hende.
978
küssen si dô wolde	daz Ludewîges wîp,
des was in unmuote	der juncvrouwen lîp.
si sprach ze Gêrlinde:	'wes gêt ir mir sô nâhen?
swie ich iuwer tohter kuste,	ir endurfet mich niht enphâhen.
979
ez wâren iuwer raete,	daz ich vil armiu meit
ûf michel unstaete	vil manegiu herzen leit
mit schanden hân geduldet.	es wirt noch leider mêre.'
dô begunde nâch ir hulden	diu küniginne ringen harte sêre.
980
si gruozte ouch albesunder	die vrouwen über al.
dô kom liute ein wunder;	dâ von was michel schal.
dô hiez man ûf den griezen	manege hütten spannen
mit sîdînen snüeren	dem herren Hartmuote und sînen mannen.
981
die liute unmüezic wâren,	ê daz si ab dem sê
brâhten daz si vuorten.	Kûdrûnen tete wê,
daz die von Ormanîe	bî ir megeden wâren.
man sach si wider niemen	wan gên Ortrûnen wol gebâren.
982
Ortrûn was alles arges	gegen ir tugende vrî.
swaz anders iemen taete,	si was ir gerne bî
und liebte ir ze wesene	in ir vater lande.
der armen juncvrouwen	was nâch ir vriunden leit unde ande.
983
si muosen ûf den griezen	belîben al den tac.
ir ougen sach man riezen,	swes ander iemen phlac;
diu wurden selten trucken	und ir lichten wange.
Hartmuot si dicke trôste:	doch muose ir ungemüete weren lange.
984
vrô sis dâ heime vunden	— daz was michel reht —,
den si erzeigen kunden,	ritter oder kneht,
waz si von Hegelingen	heim ze lande brâhten.
wie vroelîch sîs enphiengen!	wan si ir dar ze lande niht gedâhten.
985
dô si gemuozet haeten	ab dem wilden mer,
swaz dô die liute taeten,	daz Hartmuotes her
daz wart dô gescheiden	des landes manegen ende,
etlîche sach man lachen,	sumelîche winden die hende.
986
dô vuor ouch von dem sande	der degen Hartmuot.
er brâhte Kûdrûnen	ze einer bürge guot.
dâ muose si sît lenger	belîben danne waere
der juncvrouwen wille.	si leit dâ michel angest unde swaere.
987
dô diu maget edele	in der bürge saz,
die man dâ solde kroenen,	der wirt der riet in daz,
daz si ir al gemeine	dienten vliziclîchen:
sô lieze si deheinen,	si machtes alle sant mit guote rîche.
988
dô sprach diu alte Gêrlint,	daz Ludewîges wîp:
'wanne sol nu Kûdrûn	den Hartmuotes lîp,
den jungen künic rîchen,	mit armen umbesliezen?
er mac sich ir wol gelîchen:	wolde si, si endôrfte es niht verdriezen.'
989
ditze erhôrte Kûdrûn,	diu ellende meit.
si sprach: 'vrou Gêrlint,	ez waere iu lîhte leit,
der iueh eines nôte,	von dem ir iuwer mâgen
sô manegen vlorn hietet.	jâ möhte iueh im dienen wol betrâgen.'
990
'daz niemen mac erwenden '	sprach dô des küneges wîp,
'mit triuwen sol manz enden:	nu minne sînen lîp.
daz habe ûf mînem houbte,	ich wil dirs immer lônen,
wiltu heizen künigîn,	ich wil dir gerne geben mîne krône.'
991
dô sprach diu ungemuote:	'der wil ich niht tragen.
von sînem grôzen guote	maht du mir niht gesagen,
daz ich den recken immer	gerne welle minnen.
ich ger hie niht ze wesene:	jâ muote ich aller tägelîche hinnen.'
992
der junge wirt der lande,	der degen Hartmuot,
diu rede was im ande	und dûhte in niht guot.
er sprach: 'sol ich erwerben	niht die edelen vrouwen,
sô sol ouch mir diu schoene	deheines guoten willen niht getrouwen.'
993
dô sprach ze Hartmuote	diu übele Gêrlint:
'die wîsen suln ziehen	alsô diu tumben kint,
weit et ir, her Hartmuot,	mich si ziehen lâzen,
ich trouwe ez wol gevüegen,	daz si sich ir hôchvart müeze mâzen.'
994
'ich gân iu wol der dinge'	sprach dô Hartmuot,
'swie halt mir gelinge.	daz ir die maget guot
habet in iuwer zühte	nâch ir und iuwern êren.
diu maget ist ellende:	vrouwe, ir sult si güetlîchen lêren.'
995
die schoenen Kûdrûnen,	ê daz er dannen gie,
der junge künic ze zühte	sîner muoter lie.
die junge küniginne	gemuote ez harte sêre:
si wold iedoch niht gelouben,	swie si taete, der Gêrlinde lêre.
996
dô sprach diu tiuvelinne	wider die schoenen meit:
'wilt du niht haben vreude,	sô muost du haben leit.
nu sich et allenthalben,	wer dir daz wende:
du muost eiten mînen phiesel	und muost schürn selbe die brende.'
997
dô sprach diu maget edele:	'dâ kan ich wol zuo,
swaz ir mir gebietet,	daz ich daz allez tuo,
unz mir got von himele	mîne sorge wende.
iedoch hât vil selten	mîner muoter tohter geschürt die brende.'
998
si sprach: 'du muost beginnen,	ob ich daz leben hân,
daz ander küniginne	selten hânt getân.
dîne michel hôchvart	trouwe ich dir wol geleiden.
ê morgen âbent werde,	du muost von dînen meiden sîn gescheiden.
999
du dunkest dich sô tiure,	als ich hoere jehen.
dâ von dir arbeite	dicke muoz geschehen.
dînen muot vil grimmen	trouwe ich dir wol geleiden,
von allen hôhen dingen	wil ich dich swachen unde scheiden.'
1000
ze hove gienc mit zorne	diu übele Gêrlint.
si sprach ze Hartmuote:	'daz Hetelen kint
wil dich und dîne vriunde	haben alsô smaehe.
ê ich daz hoeren wolde,	ich wolde ê daz ichs nimmer besaehe.'
1001
dô sprach ze sîner muoter	Hartmuot der degen:
'swie daz kint gebâre,	vrouwe, ir sult sîn phlegen
alsô güetlîche,	daz ichs iu müge gedanken.
ich hân ir getân sô leide,	si mac wol von mînen diensten wanken.'
1002
dô sprach diu küniginne:	'swaz ir iemen tuot,
si envolget niemen.	si ist sô herte gemuot,
man enwende sîs mit übele,	si kumt dir zeinem wîbe
ze rehter mâze nimmer.	daz tuon ouch, ê sîs âne belîbe.'
1003
dô sprach von Ormanîe	der ûz erweite degen:
'vrouwe, nu lât schînen	und ruochet ir alsô phlegen,
ob ir mir triuwe leistet,	ir ziehet si in der mâze,
daz mich diu küniginne	ûz der vriuntschefte niht gar lâze.'
1004
diu übele tiuvelinne	zorniclîche gie
dâ si daz ingesinde	von Hegelingen lie.
si sprach: 'ir juncvrouwen,	ir sult würken gân.
daz ich iu gebiute,	daz sol iuwer deheiniu verlân.'
1005
dô wurden dâ gescheiden	diu schoene magedîn,
daz si einander lange	muosen vremede sîn.
die mit grôzen êren	herzoginne waeren,
die muosen garn winden.	si sâzen sît in ungevüeger swaere.
1006
sumlîche muosen spinnen	und bürsten ir den har.
die von hôhen dingen	wâren komen dar
und die wol legen kunden	golt in die sîden
mit edelem gesteine,	die muosen michel arbeite lîden.
1007
diu diu allerbeste drunder	ze hove solde sîn,
der gebôt man besunder,	daz si diu magedîn
ze Ortrûnen kemenâte	daz wazzer tragen hieze:
diu was geheizen Heregart.	jâ mohten si ir adeles niht geniezen.
1008
ouch was ir einiu drunder	von Galitzenlant,
die hete ir ungelücke	von Portigâl gesant.
si was von Îrlande	komen mit Hagenen kinde
hin ze Hegelingen.	sît wart si ze Ormanîe ingesinde.
1009
si was eins vürsten tohter,	der het bürge unde lant.
si muose den oven heizen	mit ir wîzen hant,
sô Gêrlinde vrouwen	in die stuben giengen.
daz si in alsô diente,	daz si irz zem besten niht verviengen!
1010
nu müget ir hoeren wunder	umb dise grôze nôt.
diu swacheste drunder,	swaz ir diu gebôt,
daz muose si leisten,	swaz si diu würken hieze.
si mohte ir edelen mâgen	dâ ze Ormanîe niht geniezen.
1011
werc diu vil smaehen,	daz ist al wâr,
der phlâgen die vrouwen	vierdehalbez jâr,
unze daz her Hartmuot	ûz drien herreisen
was komen heim ze lande.	dannoch dienten allez dâ die weisen.
1012
Hartmuot hiez im zeigen	die triutinne sîn.
an der edelen vrouwen	was worden schîn,
daz si hete vil selten	gemach und guote spîse.
man lie si des engelten,	daz si lebete in tugentlîcher wîse.
1013
dô si im gie engegene,	der junge künic sprach:
'Kûdrûn, schoene vrouwe,	welch ist dîn gemach,
sît ich und mîne degene	schieden von dem lande?'
si sprach: 'dâ muose ich dienen,	daz ir sîn habet sünde und ich schande.'
1014
dô sprach aber Hartmuot:	'wie habet ir sô getân,
Gêrlint, liebe muoter?	ich het si iu doch verlân
ze huote ûf die genâde,	daz ir diu grôze swaere
an aller hande dingen	geringet in disem lande waere.'
1015
dô sprach diu wülpinne:	'wie möhte ichs ziehen baz,
die Hetelen tohter?	du solt wizzen daz:
ich kunde nie gewinnen,	gebiten noch gebieten,
daz si dich und dînen vater,	dar zuo dîn mâge niht beschulten hiete.'
1016
dô sprach aber Hartmuot:	'des gêt ir michel nôt.
wir sluogen ir die mâge,	sô manegen ritter tôt,
wir machten ze weisen	Kûdrûn die hêren,
mîn vater ir vater sluoc:	jâ mac man si mit lîhter rede gesêren.'
1017
dô sprach aber sîn muoter:	'sun, daz ist wâr:
ob wir Kûdrûnen	vlegten drizic jâr,
ichn möhtes wan mit besemen	oder geisel dar zuo bringen,
daz si bî dir laege.	anders kan irz niemen an ertwingen.'
1018
si sprach ze Hartmuote:	'baz unde baz
wil ich si haben gerne.'	dô enweste daz
niht rehte der recke küene,	daz sîz in allen ende
wirs danne dâ vor hiete.	daz mohte der armen leider niemen wenden.
1019
dô gie si hin widere	dâ sîs sitzen vant.
si sprach ze Kûdrûnen	von Hegelingelant:
'ob du dich, maget schoene,	niht baz wilt verdenken,
du muost mit dînem hâre	strîchen stoup von schainelen und von benken.
1020
mîne kemenâten,	daz wil ich dir sagen,
die muost du drî stunde	ze ieclîchem tage
kêren unde zünden	mir daz viur darinne.'
si sprach: 'daz tuon ich allez,	ê ich vür mînen vriedel iemen minne.'
1021
si leiste güetlîchen	allez daz mans hiez
tuon die maget edele.	wie lützel si des liez!
siben jâr bevollen	leit si in vremeden rîchen
die grôzen arbeite,	man hete si küneges kinde niht gelîche.
1022
dô ez dem niunden jâre	nâhen began
— Hartmuot der was wîse —,	der helt sich versan,
daz im und sînen vriunden	waere gar ein schande,
daz er niht krône trüege	und doch herre hieze ob küneges lande.
1023
er kom geriten ûz strîte,	er und sîne man:
mit vil hôhem ellen	prîs er gewan.
dô wânde er die schoenen	ze rehte minnen solde,
die er vor allen meiden	zeinem liebe gerne haben wolde.
1024
dô er nu was gesezzen,	bringen er si im hiez.
deheiniu guote kleider	tragen si enliez
Gêrlint diu übele.	swie der helt nu taete,
die maget ez ahte ringe,	wan si was an grôzen êren vil staete.
1025
dô rieten sîne vriunde,	ez liep oder leit
sîner muoter waere,	daz er die schoene meit
in sînen willen braehte,	swâ mite er kunde:
er möhte mit der vrouwen	geleben noch vil manege liebe stunde.
1026
nâch sîner mâge râte	gie er dâ er si vant
in einer kemenâte.	er nam si bî der hant.
er sprach: 'ir sult mich minnen,	vil edele maget rîche,
und sît ein küniginne.	iu dienent mîne helde lobelîche.'
1027
dô sprach diu maget schoene:	'des hân ich nindert muot,
wan mir diu übele Gêrlint	sô vil ze leide tuot,
daz mich niht mac gelüsten	deheines recken minne.
ir und al ir künne	bin ich vînt von allen mînen sinnen.'
1028
'daz ist mir leit' sprach Hartmuot.	'ob ichz gedienen kan,
swaz iu mîn muoter Gêrlint	ze leide hât getân,
des wil ich iuch ergetzen	nâch unser beider êre.'
dô sprach diu maget edele:	'ich wil iu getrouwen nimmer mêre.'
1029
dô sprach von Ormanîe	Hartmuot daz kint:
'ir wizzet daz wol, Kûdrûn,	daz mîn eigen sint
diu lant und die bürge	und ouch die liute.
wer hienge mich darumbe,	ob ich iuch gewunne mir ze einer briute?'
1030
dô sprach diu Hetelen tohter:	'daz hieze ich missetân.
dar zuo ich keine sorge	entriuwen nie gewan:
ez spraechen ander vürsten,	sô si des hôrten maere,
daz daz Hagenen künne	in Hartmuotes lande kebese waere.'
1031
'waz mochte ich, waz si tasten?'	sprach dô Hartmuot.
'ob et ez iuch, vrouwe,	eine diuhte guot,
sô wolde ich künic werden	und ouch ir küniginne.'
si sprach: 'sît âne sorge,	daz ich iuch immer gerne minne.
1032
ir wizzet wol, her Hartmuot,	wie ez darumbe stât,
waz iuwer baldez ellen	mir geschadet hât,
dô ir mich dort vienget	und mich vuortet dannen,
waz schaden iuwer recken	tâten an mînes vater mannen.
1033
nu ist iu wol künde	— daz ist mir leit genuoc —,
daz iuwer vater Ludewîc	mînen vater sluoc.
ob ich ein ritter waere,	er dôrfte âne wâfen
zuo mir komen selten,	warumbe solde ich danne bî iu slâfen?
1034
ez was noch her der zîte	ein site alsô getân,
daz kein vrouwe solde	nemen nimmer man,
ez enwaere ir beider wille.	daz was ein michel êre.'
Kûdrûn diu schoene	klagete nâch ir vater harte sêre.
1035
dô sprach vil zorniclîche	der recke Hartmuot:
mir ist vil unmaere	swaz man iu getuot,
sît ir niht enruochet	tragen mit mir krône,
ir vindet daz ir suochet.	jâ gît man iu daz tägelîch ze lône.'
1036
'den lôn wil ich dienen	als ich hân her getân,
swaz ich gewürken künne	den Hartmuotes man
und Gêrlinde wîben,	sît mîn hât got vergezzen,
daz lîde ich allez gerne.	ich bin mit manegem kumber besezzen.'
1037
si woldenz baz versuochen:	ze hove hiez man gân
die vil schoenen Ortrûn,	ein maget wol getân.
diu solde in ir zühten,	si mit ir gesinde,
eines guoten willen	die armen Kûdrûnen überwinden.
1038
dô sprach offenlîchen	der degen Hartmuot:
'ich wil iuch immer rîchen,	swester, ob irz tuot
daz ir mir des gehelfet,	daz Kûdrûn diu hêre
vergezze ir grôzen leides,	daz si doch enklage niht sô sêre.'
1039
dô sprach ûz Ormanîe	Ortrûn daz kint:
'ich sol ir immer dienen	und alle die dâ sint,
daz si vergezze ir leides.	mîn houbet wil ich ir neigen,
ich und mîne meide	suln ir immer dienen hie vür eigen.'
1040
des sagete ir dô genâde	diu maget wol getân:
'daz ir mich sô gerne	gekroenet saehet stân
bî Hartmuote dem künege	und daz ich lebete in êre,
des lône ich iu mit triuwen.	doch müejet mich mîn ellende sêre.'
1041
dô bôt man Kûdrûnen	bürge unde lant.
dô si des niht wolde,	sît muose si gewant
waschen tägelîche	von morgen unz an die naht.
des vlôs den sige her Ludewîc,	dô er mit Herwîge vaht.
1042
dô bat man Kûdrûnen	von dem sedele stân
und hiez die maget edele	mit Ortrûnen gân,
daz si gemaches phlaege	und trunke guoten wîn.
dô sprach diu ellende:	'ich wil niht küniginne sîn.
1043
ir wizzet wol, her Hartmuot,	swie iuwer wille stât,
daz man mich bevestent	einem künege hât
mit vil staeten eiden	zeinem elîchen wîbe.
ez ensî daz er sterbe,	ich gelige nimmer bî recken lîbe.'
1044
dô sprach der vürste Hartmuot:	'ir sent iuch âne nôt.
uns enscheidet niemen,	ez entuo danne der tôt.
ir sult mit guoten siten	sîn bî mîner vrouwen.
diu senftet iu iuwer swaere:	des wil ich ir ze vlîze wol getrouwen.'
1045
Hartmuot waenen wolde,	daz sich ir staeter site
dâ mite senften solde,	daz ir sîn swester mite
al gelîche teilte	swaz si möhte bringen.
jâ gedâhten si in beide,	daz in möhte noch an ir gelingen.
1046
si begunde enphâhen	swer ir dienest bôt.
Ortrûn saz zuo ir nâhen.	ir varwe rôsenrôt
wart in kurzen zîten	von trinken und von spîse.
des wart ir vil bereite:	dô enwas diu arme niht sô wîse.
1047
sô si der künic ie gruozte	und irz schône bôt,
wie lützel daz ir buozte!	si gedâhte an ir nôt,
die si und ir gesinde	dulten in vremeden landen.
mit rede harte swinde	si rach an Hartmuoten ir anden.
1048
daz tete si alsô lange,	daz sîn den künic verdrôz.
er sprach: 'mîn vrou Kûdrûn,	ich waere wol genôz
des vürsten Herwîges,	den ir vür michel êre
nemet iu ze vriunde.	jâ strafet ir mich dicke al ze sêre.
1049
woldet ir daz lâzen,	daz waere uns beiden guot.
mir ist leit unmâzen,	swer iu iht leides tuot,
dâ mite er iu beswaeret	daz herze und ouch die sinne,
swie vînt ir mir waeret,	ich lieze iuch gerne wesen küniginne.'
1050
von dannen gie dô Hartmuot	dâ er die sînen man
vlegte, daz si solden	des landes huote hân
und ander sîner êren.	er gedâhte im under stunden:
'man hazzet mich sô sêre,	daz ich an dem schaden iht werde ervunden.'
1051
Gêrlint diu übele	dienen ir dô hiez
die si an vrouwen sedele	harte selten liez.
die man von allem rehte	bî vürsten kinden
alle zît solde suochen,	die muose man dâ bî den swachen vinden.
1052
diu alte wülpinne	sprach ir vîntlîchen zuo:
'ich wil daz mir den dienest	diu Hilden tohter tuo.
nu si sich durch ir übele	dunket alsô staete,
nu muoz si mir dienen,	daz si mir sus nimmer getaete.'
1053
dô sprach diu maget edele:	'swaz ich dienen mac
mit willen und mit henden	naht unde tac,
daz sol ich vliziclîchen	tuon in aller stunde,
sît mir mîn ungelücke	bî mînen vriunden niht ze wesene gunde.'
1054
dô sprach diu übele Gêrlint:	'du solt mîn gewant
tragen tägelîche	hin nider ûf den sant,
unde solt daz waschen	mir und mîme gesinde,
und solt daz behüeten,	daz man dich deheine wîle müezic vinde.'
1055
dô sprach diu maget edele:	'vil rîches küneges wîp,
sô schaffet, daz man mich lêre,	daz ich den mînen lîp
dar zuo bringen künne,	daz ich iu wasche kleider.
ich sol niht haben wünne.	ich wolde, daz ir mir noch taetet leider.
1056
nu heizet mich ez lêren,	sît ich waschen sol.
ich weiz mich niht sô hêre,	ich künde ez gerne wol,
sît ich dâ mite sol dienen	die mîne spîse,
ich versage ez niemen.'	Kûdrûn diu arme was vil wîse.
1057
dô hiez si eine weschen	tragen daz gewant,
diu si dâ lêren solde,	mit ir ûf den sant.
alrerst begundes dienen	mit sorgen angestlîchen.
daz understuont dô niemen:	Gêrlint kolte dô Kûdrûn die rîchen.
1058
vor Ludewîges selden	lêrte man si daz,
daz si sô diente helden,	daz niemen kunde baz
gewaschen in diu kleider	in Ormanîelande.
ir junevrouwen wart nie leider,	dô si si sâhen dienen ûf dem sande.
1059
dô was ir einiu drunder,	diu was ouch küneges kint:
swaz si alle klageten,	daz was gar ein wint.
disiu arbeite	diu gienc in allen nâhen,
dô si ir edelen vrouwen	alsô jâmerlîchen waschen sâhen.
1060
dô sprach in ir triuwen	Hildeburc diu meit:
'ez mac si alle riuwen	— gote si ez gekleit —,
die mit Kûdrûnen	kômen her ze lande,
die erbeitent reste kûme.	nu stêt si selbe waschende ûf dem sande.
1061
ditz gehôrte Gêrlint.	si sprach ir übele zuo:
'wiltu, daz dîn vrouwe	der dienste niht entuo,
sô solt du si vervâhen	der dienste zaller stunde.'
'ich taete ez vür si gerne'	sprach Hildeburc, 'ob mirs iemen gunde.
1062
ir sult durch got den rîchen,	mîn vrou Gêrlint,
si niht eine lâzen:	si ist ein küneges kint.
ouch truoc mîn vater krône.	daz wil ich noch volbringen,
lât mich mit ir waschen,	swie uns übele oder wol gelinge.
1063
si erbarmet mir sô sêre,	swie ich selbe lîde nôt,
durch ir hôhen êre,	die got an ir gebôt.
riebest aller künege	daz wâren vor ir mâgen.
ir dienest zimt hie übele,	doch lâze ich mich niht bî ir betrâgen.'
1064
dô sprach diu übele Gêrlint:	'sô wirt dir ofte wê.
swie herte si der winter,	du muost ûf den snê
und muost diu kleider waschen	in den küelen winden,
sô du dich ofte gerner	in dem phieselgademe liezest vinden.'
1065
si erbeite harte kûme,	daz ez âbenden began.
dâ von diu edele Kûdrûn	einen trôst gewan:
zuo ir gie vrou Hildeburc	in eine kemenâten.
klagen si dô beide	von ir dienste herzelîche tâten.
1066
Hildeburc diu hêre	weinende sprach:
'jâ riuwet mich vil sêre	dîn grôzer ungemach.
ich hân die tievelinne	erbeten, daz du niht eine
waschest ûf dem grieze;	ich trage mit dir die swoere gemeine.'
1067
dô sprach diu ellende:	'des lône dir Krist,
daz du alsô trûrec	mînes leides bist.
wiltu mit mir waschen,	daz gît uns vreude guote
und kürzet uns die wîle.	uns ist ouch deste baz ze muote.'
1068
dô ir daz was erloubet,	daz si daz gewant,
diu vreuden was beroubet,	mit ir ûf den sant
ze waschen tragen müese	in ir grôzem leide,
swaz ander iemen taete,	noch muosen niere waschen dise beide.
1069
sô ir ingesinde	die muoze mohte hân,
si weinten harte swinde,	sô sîs sâhen stân
waschen an dem grieze.	daz klagetens alle sêre,
und heten si doch arbeit,	daz ir in der weide hete niemen mêre.
1070
daz werte alsô lange,	daz ist al wâr,
daz si waschen muosen	wol sehstehalp jâr,
bereiten wîziu kleider	den Hartmuotes helden.
ez wart nie vrouwen leider:	man vant si jâmerlîchen vor den selden.
1071
nu lâzen wir belîben,	wie si dienten hie
mannen unde wîben.	vrou Hilde hete nie
lâzen ûz gedanken,	wie si dâ nâch gesunne,
wie si ir lieben tohter	ûz Ormanîelande gewunne.
1072
si hete heizen würken	bî des meres vluot
starker kiele sibene	veste unde guot,
zwêne und zweinzic kocken	niuwe unde rîche.
swaz die haben solden,	des wâren si berihtet vliziclîche.
1073
vierzic galeide	hete si ûf dem mer;
daz was ir ougenweide.	si warte einem her,
daz si senden solde.	dem hete si rîche spîse
erworben swâ si kunde.	si lônte ir helden rehte wol ze prîse.
1074
ez nâhent zuo den zîten,	daz si zuo dem sê
niht lenger wolden bîten	nâch jenen, den vil wê
was in vremeden landen	mit starken arbeiten,
dô hiez diu schoene Hilde	ir boten mit kleidern wol bereiten.
1075
daz was zen wihen nahten,	dô kunte si den tac
den die daz solden rechen,	daz Hetele tôt gelac.
dô bat sîz allen künden	ir vriunden und ir mannen,
daz man ir liebe tohter	ûz Ormanîe wider vuorte dannen.
1076
dô sande si aller êrste	Herwîge dan
ir boten, daz er weste	unde sîne man,
wie si in gesworn hieten	lange herreise,
von den in was bestanden	dâ zen Hegelingen manic rîcher weise.
1077
dô îlten Hilden boten	in Herwîges lant:
er weste wol war umbe	si waeren dar gesant.
dô gienc er hin engegene	dâ si si komen sâhen.
dô gruozte ers vliziclîchen,	dô si im Hilden botschaft verjâhen.
1078
'ir wizzet wol, herre,	wie ez darumbe stât,
wie zen Hegelingen	daz volc gesworn hât.
des getrouwet iu vrou Hilde	baz dan ander iemen.
Kûdrûnen ellende	daz erbarmet billîcher niemen.'
1079
dô sprach der ritter edele:	'ich weiz wiez drumbe stât,
daz Hartmuot mit vrevele	mîn trût gevangen hât
durch daz si im versagete	und mich ze vriunde erkôs.
darumbe ouch mîn vrou Kûdrûn	ir vater Hetelen verlôs.
1080
du bote vil biderbe	solt ir mîn dienest sagen:
jâ wirt ez Hartmuote	nimmer vertragen,
daz er mîne vrouwen	sô lange hât gevangen.
baz dan ander iemen	sô mac mich der arbeit belangen.
1081
ir und ir gesinde	solt du, bote, sagen,
daz ich nâch wihen nahten	in sehs und zweinzic tagen
zen Hegelingen rîte	mit drî tûsent mannen.'
dô biten si niht mêre:	vroun Hilden boten schieden von dannen.
1082
dô rihte sich Herwic	ûf strîtes wân
mit den die ez vil dicke	heten guot getân.
dô bereite er zuo der verte	die mit im varn wolden
in einem winter herte,	die des urliuges mit im phlegen solden.
1083
Hilden der schoenen	helfe waere nôt:
hin ze Tenemarke	ir vriunden si ez enbôt,
daz die vil snellen recken	niht lenger solden bîten,
die ze Ormanîe	nâch der schoenen Kûdrûnen wolden rîten.
1084
si hiez ez sagen Hôrande,	daz er gedaehte dran,
er waere des küneges künne,	daz er und sîne man
die ir lieben tohter	in liezen erbarmen,
si wolde ê selbe ersterben,	ê sîs ligen saehe an Hartmuotes armen.
1085
dô sprach der (legen küene:	'vroun Hilden solt du sagen,
daz ichz alsô süene	mit maneges wîbes klagen,
ich kûme zuo ir gerne	und allez mîn gesinde.
man hoert noch drumbe weinen	in dem lande von maneger muoter kinde.
1086
dar zuo sult ir mêre	mîner vrouwen sagen,
daz ich ir vil gerne	kûme in kurzen tagen,
und wie ze urliuge	stâ mîn gedinge,
daz ich zehen tûsent	mîner helde ûz Tenemarke bringe.'
1087
die boten urloubes	gerten von im dan
ze Wâleis in die marke,	dâ si mit sînen man
Môrungen vunden,	den marcgrâven rîchen.
er sach die boten gerne	und enphie si harte minniclîchen.
1088
dô sprach der ritter biderbe:	'ich kum vil gerne dâr
dâ wirs gewinnen widere.	des ist driuzehen jâr,
daz wir herverten	ze Ormanîe swuoren,
dô Hartmuotes vriunde	von uns mit Kûdrûnen hinnenvuoren.'
1089
dô hiez daz Môrunc künden	in Holzânelant,
daz nâch ir vriunden	vrou Hilde bete gesant.
man solde herverten:	daz kunte man den guoten.
dô sagete man diu maere	von Tenemarke dem küenen Fruoten.
1090
dô sprach der degen Îrolt:	'wan mir ist wol erkant,
daz ich in siben wochen	ze Hegelingelant
mit recken solde rîten,	swaz ich der möhte bringen.
daz tuon ich vil gerne,	swie joch mînen recken dâ gelinge.'
1091
wate ouch wol gedâhte,	der helt ûz Sturmlant.
sîne helfe er brâhte.	swie im niht wart bekant
der bote der küniginne	von den Hegelingen,
doch ilte er swaz er kunde,	waz er guoter ritter möhte bringen.
1092
dô vlizzen si sich alle	zuo der hervart.
wol mit tûsent helden	wol bereitet wart
Wate dâ zen Stürmen	von mannen und von mâgen,
dâ mite er Hartmuote	ûz Ormanîelande wolde lâgen.
1093
die ellenden vrouwen	übele bewart
bî Gêrlinde wâren,	wan vrou Heregart
— sô hiez ir einiu drunder —,	diu phlac hôher minne
mit des küneges schenken.	si wolde wesen gewaltic herzoginne.
1094
daz beweinte vil dicke	der schoenen Hilden kint.
ouch geschadete ez vil sêre	der selben vrouwen sint,
daz si dâ niht tragen wolde	mit in die grôzen swaere.
swaz ir dâ von geschaehe,	daz was Kûdrûnen unmaere.
1095
die liute unmüezic wâren,	als ich iu hân geseit.
vil lützel wart gebüezet	doch der arbeit,
der si vil ofte phlâgen	in Hegelingelande,
die helde dô daz rieten,	daz man nâch Kûdrûnen bruoder sande.
1096
die boten riten balde	gegen Nortlant,
dâ man ûf dem plane	den jungen degen vant
bî einem breiten phlûme,	der was vogele rîche.
mit sînem valkenaere	beizte dâ der künic vil kündiclîche.
1097
die boten sach er gâhen.	dô sprach er sâ zehant:
'dort rîtent liute nâhen,	die hât nâch uns gesant
Hilde mîn vrouwe,	ir helde vil vermezzen.
nu wil si des waenen,	daz wir der herverte haben vergezzen.'
1098
die valken liez er vliegen.	dô reit er balde dan
dâ er in kurzen zîten	trüeben muot gewan.
die boten er dô gruozte.	wie schiere si im daz kunden,
daz si die küniginne	ze allen zîten weinende vunden.
1099
si sageten im ir dienest,	triuwe unde guot:
wie dâ der recke	darumbe waere gemuot
oder wen er sîner manne	dar wolde bringen.
si solden herverten	hin ze Ormanîe von den Hegelingen.
1100
dô sprach der degen Ortwîn:	'du hâst mir war geseit.
ich wil von hinnen vüeren	michel unde breit
ein her mit guoten helden,	zweinzic tûsent manne,
die wil ich dar vüeren,	ob ir deheiner nimmer kome von dannen.'
1101
man sach in allen enden	rîten in daz lant
nâch den vrou Hilde	hiete gesant.
wie si der wol gedienten,	des vlizzens sich durch êre.
die helde die ir kômen,	der was sehzic tûsent oder mêre.
1102
von Wâleis her Môrunc	der hete ûf der vluot
wol sehzic kocken starke	veste unde guot.
swaz die liute mohten	hin zen Hegelingen
getragen ûf der vlüete,	die wolde er nâch vroun Kûdrûnen bringen.
1103
man brâhte ouch schif diu rîchen	dâ her von Nortlant.
harte lobelîchen	ir ros und ir gewant
allez was gezieret	gên dem urliuge,
ir heim und ir wâfen.	si vuorten harte ritterlîch geziuge.
1104
man ahte bî den schilden,	wie vil ir möhte sîn,
die der schoenen Hilden	daz edele magedîn
solden helfen bringen	ûz Ormanîerîche.
der wurden sibenzic tûsent.	in gap vrou Hilde ir gâbe kostlîche.
1105
swelhe bekomen wâren	oder swer ze hove gie,
diu vreudenlôse vrouwe	selten daz verlie,
si engienge in engegene	und gruozte si besunder.
den ûz erweiten degenen	gap man von rîcher woete manic wunder.
1106
die Hilden kiele wâren	wol bereit dar zuo,
ob si varn solden	des naehsten tages vruo,
ez gezaeme wol ze mâzen	den lobelîchen gesten.
dô wolde sîs niht lâzen,	unz si heten deheiner slahte gebresten.
1107
diu wâfen hiez vrou Hilde	zuo den schiffen tragen
und helme vil guote	ûz stahele geslagen.
halsberge wîze	wol fünf hundert mannen
über allez daz si hieten	hiez si die recken mit in vüeren dannen.
1108
ir ankerseil diu wâren	von vesten sîden guot,
ir segele harte rîche,	dâ mite si über vluot
von Hegelingelande	ze Ormanîe solden,
die der vrouwen Hilden	Kûdrûnen gerne wider bringen wolden.
1109
ir anker die wâren	von îsen niht geslagen,
von glockenspise gozzen,	sô wir hoeren sagen.
von spânischem messe	wâren si gebunden,
daz den guoten helden	die magneten niht geschaden kunden.
1110
Hilde diu schoene	vil manegen bouc bôt
Waten und den sînen.	dâ von muosen tôt
geligen vil der helde,	dô er mit den Hegelingen
ûz Hartmuotes bürge	die schoenen vrouwen solde wider bringen.
1111
Hilde vliziclîchen	dô begunde biten
die von Tenelande:	'swaz ir her hât gestriten
in herten volcstürmen,	des lône ich iu nâch êren.
volget mînem venre,	der kan iuch daz beste wol gelêren.'
1112
si vrâgten, wer der waere.	daz tete si in bekant.
si sprach: 'daz ist Hôrant	dâ her von Tenelant:
sîn muoter diu was swester	Hetelen des rîchen,
weit irs im getrouwen,	sô sult irm in dem sturme niht entwîchen.
1113
ir sult ouch niht vergezzen	des lieben sunes mîn:
der helt ist vil vermezzen,	er ist der tage sîn
kûme in zweinzic jâren	gewahsen zeinem manne,
beginnet sîn iemen vâren,	sô helfet ir im, guote recken, dannen.'
1114
daz si daz gerne taeten,	und waeren si dâ bî,
daz sprâchen si gemeine:	er koeme schaden vrî
wol heim ze sînem lande,	ob er in wolde volgen.
dô was der helt Ortwîn	in sînen jungen siten unerbolgen.
1115
ez wart zuo den schiffen	gevüeret und getragen,
daz iu daz wunder niemen	kunde vol gesagen.
si gerten urloubes	gên ir arbeite.
den rîchen Krist von himele	bat si diu schoene Hilde wol beleiten.
1116
genuoge mit in vuoren,	den ir vater was erslagen;
die biderbe weisen wolden	ir schaden niht vertragen.
joch weinte vil der vrouwen	dâ ze Hegelingen,
wanne in got von himele	ir liebiu kint solde wider bringen.
1117
si mohtenz in ir sinne	allez niht getragen
und wolden die liute	niht lenger lâzen klagen.
si huoben sich dannen	mit vreuden und mit schalle,
dô si zen schiffen giengen,	die guoten ritter hôrte man singen alle.
1118
dô nu gescheiden wâren	hie die liute dan,
dô sach man vil der vrouwen	in den venstern stân.
si beleitens mit den ougen	sô si verriste kunden
von der burc ze Matelâne,	dô die beide dannen varn begunden.
1119
ir masboume erkrachten,	in kom ein rehter wint:
vil segele sich erstrahten.	maneger muoter kint
vuor ûf den gedingen,	daz si wurben êre.
der kom in vil ze handen;	dar nâch si muosen arbeiten sêre.
1120
jâ enweiz ich ez niht allez,	wie ir dinc ergie,
wan der künic des landes	von Karadie
der vuor mit sînem volke	den recken hin engegene.
er brâhte ûz sînem lande	wol zehen tûsent sneller degene.
1121
der künic von den Moeren	wart enphangen wol.
vier und zweinzic kocken	brâhte er liutes vol,
dar zuo vil der spîse,	daz in in zweinzic jâren
niht gebresten solde.	si wolden der von Ormanîe vâren.
1122
ûf dem Wülpensande,	dâ ê was der strît,
von iegelîchem lande	dâ heten si sich sît
vermezzen alle gelîche	ze einer samenunge.
ir klôster daz was rîche;	dar gap der alte und der junge.
1123
die abe den schiffen wâren	gegangen von der habe,
der schiet nu vil maneger	von sînes vater grabe
mit solhem ungemüete,	daz ez wart jenen swaere,
an den si daz erkanden,	der in schedelîch in strîte waere.
1124
von stade si sich dô huoben,	sô si aller beste dan
mit ir scheffen kunden.	sît wart in kunt getân
michel arbeite	ûf dem breiten vluote.
waz half daz si nu wiste	der alte Wate und von Tenen Fruote?
1125
in kômen sunderwinde,	die sluogen ûf dem sê
daz edele ingesinde	— dâ von wart in wê —,
dâ si mit tûsent seilen	den grunt niht hieten vunden.
ir beste schifliute	aller meiste weinen dô begunden.
1126
ze Gîvers vor dem berge	lac daz Hilden her.
swie guot ir anker waeren,	an daz vinster mer
magneten die steine	heten si gezogen:
ir guote segelboume	stuonden alle gebogen.
1127
dô daz volc mit jâmer	weinte über al,
dô sprach Wate der alte:	'lât vallen hin ze tal
in die gruntlôsen ünde	die unser anker swaere.
man saget von manegen dingen,	dar bî ich under wîlen gerner waere.
1128
sît hie lît versigelet	unser vrouwen her
und wir sîn komen sô verre	ûf daz vinster mer —
ich hôrte ie sagen von kinde	vür ein wazzermaere,
daz ze Gîvers in dem berge	ein witez künicrîche erbouwen waere.
1129
dâ leben die liute schône;	sô rîche si ir lant,
dâ diu wazzer vliezen,	dâ si silberin der sant:
dâ mite mûrens bürge.	daz si dâ hânt vür steine,
daz ist golt daz beste.	jâ ist ir armuot harte kleine.
1130
und hôrte sagen mêre	— got würket manegiu werc —:
swen die magneten	bringent vür den berc,
daz lant hât die winde,	swer ir mac erbîten,
der ist immer rîche	mit allem sînem künne nâch den zîten.
1131
ezzen wir die spîse.	ob uns gelinge wol'
sprach Wate der wîse,	'sô sul wir vazzen vol
unser schif diu guoten	mit edelem gesteine.
kom wir dâ mite widere,	wir gesitzen vroelîch noch dâ heime.'
1132
dô sprach von Tenen Fruote:	'ê mir diu galinê
und mînen vartgenôzen	taete hie sô wê,
ich swüere tûsent eide,	daz ich nimmer guot gewunne,
daz ich vor disem berge	mit guoten winden ûz der nôt entrunne.'
1133
die dâ kristen hiezen,	die gevrumten ir gebet,
dô diu schif dâ stuonden	vaste an einer stet
vier tage lange,	ich warne, und dannoch mêre,
daz si nimmer dannen koemen,	des vorhten die Hegelinge sêre.
1134
daz genibele zôch sich hôher,	alz ez got gebôt.
dô erwageten ouch die ünde:	dô kômens ûz grôzer nôt.
durch die grôzen vinster	sâhen si die sunnen.
dô kom in ein westerwint:	dô was in ir arbeit gar zerunnen.
1135
der treip si in einer wîle	ze Gîvers vür den berc
wol sehs und zweinzic mîle,	daz si diu gotes werc
und ouch sîne helfe	bescheidenlîchen sâhen.
wate mit sîme gesinde	was den magneten komen al ze nâhen.
1136
ze vliezenden ünden	wâren si nu komen.
si engulten niht ir sünden.	jâ was in benomen
ein michel teil ir sorgen,	der wolde in got niht gunnen.
diu schif diu wâren rehte	gên Ormanîelande nu gerunnen.
1137
dô huop sich aber schiere	ein iteniuwez klagen:
die schifwende krachten.	dô begunden wagen
von den gruntwellen	ir kiele harte sêre.
dô sprach der degen Ortwîn:	'wir müezen tiure koufen unser êre.'
1138
dô ruofte ein marnaere:	'ach ach dirre nôt,
daz wir ze Gîvers lâgen	niht vor dem berge tôt!
swes got wil vergezzen,	wie sol sich der behüeten?
ir beide vil vermezzen,	daz mer wil aber toben unde wüeten.'
1139
dô ruofte von Tenemarke	der küene Hôrant:
'gehabet iuch wol, ir degene.	mir ist wol erkant,
der luft schadet hie niemen,	ez sint westerwinde.'
dô vreute sich der maere	der künic von Karadîe und daz gesinde.
1140
Hôrant der snelle	oben in die keibe gie:
er sach manege welle,	wenken er dô lie
sîniu ougen wîten.	dô sprach der selbe herre:
ir müget sanfte erbîten.	wir sîn Ormanîe vil unverre.'
1141
die segele hiez man lâzen	nider in al dem her.
einen berc si sâhen	vor in in dem mer
und ouch vor dem berge	einen walt vil wîten.
dâ hin begunde râten	Wate sînen helden an den zîten.
1142
si vuoren vor dem berge	an den selben walt.
mit listen muosen werben	dô die recken balt.
ir anker si dâ schuzzen	zuo des meres grunde:
si lâgen in der wilde,	daz daz niemen merken niht enkunde.
1143
durch gemach si vuoren	von schiffen ûf den sant.
guoter dinge genuoge	hei waz man der dâ vant!
vrische kalte brunnen	die vluzzen in den tan
nider von dem berge.	des vreuten sich die wazzermüeden man.
1144
dâ die liute solden	mit gemache ligen,
dâ was der degen Îrolt	ûf einen boum gestigen,
der was unmâzen hôher,	dô schoute er vliziclîche,
war si von dannen solden:	dô sach er ze Ormanîe in daz rîche.
1145
'nu vreut iuch, jungelinge'	sô sprach der junge man.
'mîn sorge ist nu ringe,	sît ich gesehen hân
wol siben palas rîche	und einen sal vil wîten.
wir sîn in Ormanîe	morgen wol vor mittes tages zîten.'
1146
dô sprach Wate der wîse:	'sô traget ûz ûf den sant
schilt unde wâfen	und iuwer wicgewant.
tuot iuch selbe unmüezic,	die knehte heizet dienen,
diu ros sol man baneken.	ir heizet halsperge und helme riemen.
1147
ob iuwer etelîchem	daz kleit niht rehte stât,
daz zuo dem wâfen gehoeret,	sô habet des mînen rât:
ez hât mîn vrou Hilde	vünf hundert brünne
mit uns her gesendet;	die geben wir der guoten ritter künne.'
1148
diu ros zôch man schiere	zuo in ûf den sant.
swaz man guoter decke	und kovertiure vant,
die versuochten ûf ir rossen	ritter unde knehte,
welhez in gezaeme.	dô nam ir ieclîcher im daz rehte.
1149
diu ros hiez man ersprengen	wîten ûf dem sant
die breite und die lenge.	manegez man dâ vant,
diu vil traege wâren	und springen niht enkunden:
diu heten sich verstanden.	Wate hiez si küelen an den stunden.
1150
ir viur si dô zunden.	rîche spîse guot,
die besten die si vunden	bî des meres vluot,
die hiez man dô bereiten	den ellenden gesten,
wande si sô nâhen	ir gemaches dâ niht enwesten.
1151
die naht si heten ruowe	unz an den naehsten tac.
wate und ouch her Fruote	des küneges râtes phlac.
die giengen sundersprâchen	ûf dem wilden sande,
die ir bürge brâchen,	wie si den gelônten in ir lande.
1152
'wir solden boten senden'	sprach dô Ortwîn,
'die uns ervüeren maere	von der swester mîn
und von den ellenden,	ob lebeten noch die meide.
swann ich an si gedenke,	sô ist mir dicke herzenlîche leide.'
1153
si rieten, wer der waere,	der bote möhte sîn
und der in braehte maere,	wâ man diu meidîn
vil bescheidenlîche	in dem lande vunde,
und ouch die sînen vrâge	vor den vînden wol gehein kunde.
1154
dô sprach von Nortlande	der degen Ortwîn,
ein helt ze sînen handen:	'ich wil bote sîn.
Kûdrûn ist mîn swester	von vater und von muoter:
under allem dem gedigene	sô ist dehein bote niht sô guoter.'
1155
dô sprach der künic Herwic:	'ich wil der ander wesen.
ich wil bî dir sterben	oder aber genesen.
was diu maget dîn swester,	man gap mir si ze wîbe:
ûz ir dieneste	einen tac ich nimmer belîbe.'
1156
dô sprach Wate in zorne:	'daz waere ein kindes muot,
ir helde ûz erkorne;	daz ir des niht entuot,
daz râte ich iu mit triuwen:	lât ez iu niht versmâhen,
wirt iuwer Hartmuot innen,	er heizet iuch an einen galgen hâhen.'
1157
dô sprach der künic Herwic:	'ergê ez übele oder wol,
sît daz vriunt vriunde	angstlîchen dienen sol,
ich und mîn vriunt Ortwîn	suln niht erwinden,
swie halt uns gelinge,	wir enmüezen Kûdrûnen vinden.'
1158
dô si beide wolden	in boteschefte dan,
dô hiezens in gewinnen	ir mâge und ir man,
daz si mit in redeten,	daz si ir vesten eide
nimmer vergaezen	an disen küenen recken beiden.
1159
'ich man iuch iuwer triuwe'	sprach dô Ortwîn,
'werde man unser innen,	ob wir gevangen sîn,
daz si uns wellen lâzen	loesen mit guote,
sô verkoufet lant und bürge.	dar umbe si iu leide niht ze muote.
1160
nu hoeret, guote degene,	waz wir iu mêre sagen,
erbunne man uns lebenes	oder werden wir erslagen,
sô sult ir niht vergezzen,	ir enrechet iuwer anden,
ir helde vil vermezzen,	mit swerten in künic Hartmuotes landen.
1161
ouch biten wir iuch mêre,	ir edelen ritter guot,
mit swelhen arbeiten	ir helde daz getuot,
daz ir hie iht lâzet	die ellenden vrouwen,
ê ir iuch strîtes mâzet,	sît si iu alles guotes wol getrouwen.'
1162
des gâben si ir triuwe	den vürsten an ir hant,
die aller besten drunder,	daz si ir eigen lant
mit willen noch mit muote	niht wolden beschouwen,
si enbraehten mit in widere	ûz Ormanîe die ellenden vrouwen.
1163
die in getriuwe wâren,	die weinten umbe daz
— si vorhten alle harte	den Ludewîges haz —,
daz si niht boten ander	von in möhten senden.
si gedâhten sumelîche:	'nu kan ir ende niemen erwenden.'
1164
si heten mit dem râte	gestriten al den tac.
ez was nu worden spâte,	der sunne schîn gelac
verborgen hinder wôlken	ze Gustrâte verre.
des muose noch belîben	Ortwîn und Herwic der herre.
1165
nu swîgen wir der degene.	ich wil iuch lân vernemen,
die wol mit vreuden waeren,	wie den daz mac gezemen,
daz si müezen waschen	in den vremeden landen.
Kûdrûn und Hildeburc	die wuoschen alle zît ûf einem sande.
1166
ez was in einer vasten	umb einen mitten tac:
ein vogel kom gevlozzen.	Kûdrûn dô sprach:
'owê vogel schoene,	du erbarmest mir sô sêre,
daz du sô vil gevliuzest	ûf disem vluote' sprach diu maget hêre.
1167
in menschlîcher stimme	antwürten ir began
der gotes engel hêre,	sam ez waere ein man:
'ich bin ein bote von gote,	und kanst du mich gevrâgen,
vil hêre maget edele,	sô sage ich dir von den dînen mâgen.'
1168
dô diu juncvrouwe	die stimme dâ vernam,
dô wolde si niht getrouwen,	daz immer alsam
der wilde vogel wurde,	daz er reden kunde,
si hôrte sîne stimme,	sam si gienge ûz eines menschen munde.
1169
dô sprach der engel hêre:	'du maht dich wol versehen,
maget vil ellende:	dir sol grôz liep geschehen,
wilt du mich vrâgen	von dîner mâge lande,
ich hin ein bote der dîne,	wan got ze trôste mich dir her sande.'
1170
Kûdrûn diu edele	viel ûf den griez ze tal,
als taete si gên gote	ir venje in kriuzestal.
si sprach ze Hildeburge:	'sô wol uns dirre êre,
daz unser got ruochet.	jâne sul wir trûren nu niht mêre.'
1171
dô sprach diu gotes arme:	'sît dich Krist hât gesant
uns vil ellenden	ze trôste in ditze lant,
du solt mich lâzen hoeren,	bote du vil guoter,
lebet noch inder Hilde?	diu was der armen Kûdrûnen muoter.'
1172
dô sprach der vil hêre:	'ich wil dir verjehen:
Hilden dîne muoter	hân ich gesunt gesehen,
dô si dir her daz groezest	vrumte her ze lande,
daz witewe oder künne	durch lieber vriunde willen ie gesande.'
1173
dô sprach diu maget edele:	'bote du vil her,
lâ dich des niht verdriezen:	ich wil dich vrâgen mer.
lebet noch indert Ortwîn,	der künic von Nortlande,
und Herwic mîn vriedel?	diu maere ich harte gerne erkande.'
1174
dô sprach der engel hêre:	'daz tuon ich dir wol kunt.
Ortwîn und Herwic	die sint wol gesunt.
die sach ich in den ünden	ûf des meres muoder;
die ellenthaften degene	zugen vil gelîche an einem ruoder.'
1175
si sprach: 'nu sage inere.	ist dir daz bekant,
ob Îrolt und Môrunc	komen in ditze lant,
bote vil hêre?	gerne ich des vrâge.
die saehe ich vil gerne:	si wâren ouch mînes vater Hetelen mâge.'
1176
dô sprach der bote hêre:	'des wil ich dir verjehen.
Îrolden und Môrungen	die hân ich gesehen.
die dienent williclîchen	iu vil schoenen vrouwen.
koment si her ze lande,	von in wirt der helme vil zerhouwen.'
1177
dô sprach der engel hêre:	'ich wil scheiden hin
— got phlege iuwer êre —,	wan ich unmüezic bin.
ez ist über mînen orden,	ich sol niht reden mêre.'
er verswant in vor den ougen.	daz klageten dô die juncvrouwen sêre.
1178
dô sprach diu Hilden tohter:	'mir ist unmâzen leit:
des ich dâ wolde vrâgen,	daz ist mich verdeit.
ich gebiute dir bî Kriste,	ê daz du scheidest hinnen,
daz du mich ûz sorgen	loesest, mich vil armen küniginne.'
1179
er swebete ir vor den ougen	aber alsam ê.
le daz unser scheiden	mîn und dîn ergê,
swaz ich dir mac gedienen,	des sol mich niht betrâgen,
sît duz bî Kriste gebiutest,	sô sage ich dir von allen dînen mâgen.'
1180
si sprach: 'sô hôrte ich gerne,	hâst du daz vernomen,
sol von Tenemarke	Hôrant her komen
mit den sînen helden,	die mich in sorgen liezen?
den weiz ich alsô biderben,	daz ich armiu maget sîn möhte wol geniezen.'
1181
'dir kumt von Tenemarke	Hôrant der neve dîn
ûf urliuge starke,	er und die recken sîn.
er sol daz Hilden zeichen	tragen in sînen handen,
sô die Hegelinge	koment zuo den Hartmuotes landen.'
1182
dô sprach aber Kûdrûn:	'kanst du mir gesagen,
lebet noch Wate von Stürmen?	sô wolde ich niht klagen,
des vreuten wir uns alle,	swenne daz geschaehe,
daz ich ouch Fruoten den alten	bî mîner muoter zeichen gesaehe.'
1183
dô sprach aber der engel:	'dir kumt in ditze lant
Wate von den Stürmen.	der hât an sîner hant
ein starkez stierruoder	in einem kiel bî Fruoten.
bezzer vriunde deheiner	darftu niht bî urliuge muoten.'
1184
dô wolde aber der engel	von in scheiden hin.
dô sprach diu gotes arme:	'in sorgen ich noch bin.
ich weste harte gerne,	wanne daz geschaehe,
daz ich vil ellende	mîner muoter Hilden boten saehe.'
1185
des antwurte ir der engel:	'dir gêt vreude zuo:
dir koment boten zwêne	morgen vil vruo.
die sint wol sô biderbe,	daz si dich niht triegent,
swaz dir die sagent maere,	daz si dir der deheinez niht enliegent.'
1186
dô muose von in scheiden	der bote vil her.
die ellenden vrouwen	vrâgten dô niht mer.
jâ was in mit gedanken	liep unde swaere,
die in dâ helfen solden,	wâ daz vil werde ingesinde waere.
1187
si wuoschen deste seiner	des tages daz gewant.
si redeten von den helden,	die in dar gesant
hiete ûz Hegelingen	Hilde diu rîche.
der Kûdrûnen mâgen	erbiten diu magedîn angestlîche.
1188
der tac hete ende.	ze hûse solden gân
diu magedîn ellende.	dô wart in getân
zornlîchez strafen	von der übelen Gêrlinde.
daz liez si vil selten,	sîn zurnte mit dem edelen ingesinde.
1189
si sprach zuo den vrouwen:	'wer gît iu den rât,
daz ir seine waschet	die sabene und ander wât?
mîne wîze phelle	die bleichet ir ze seine.
diu ez niht behüeten welle,	ich wil daz ez etelîchiu beweine.'
1190
dô sprach diu vrouwe Hildeburc:	'wir tuon swaz wir gemügen.
ouch sult ir iuwer zühte,	vrouwe, an uns gehügen:
uns armez ingesinde	vriuset ofte sêre.
waeren warme winde,	wir wüeschen iu vil deste mêre.'
1191
dô sprach aber Gêrlint	in übellîchen zuo:
'jâ sult ir iuch niht sûmen,	swie daz weter tuo,
im waschet mîne sabene	vruo unde spâte.
als ez betaget morgen,	sô sult ir gân von mîner kemenâte.
1192
uns nâhent hôchzîte,	daz habet ir wol vernomen:
der palmetac ist nâhen,	uns suln geste komen.
und gebet ir mînen helden	wîziu niht ir kleider,
sô geschach nie weschen mêre	in küneges selden noch zer weide leider.'
1193
von ir si dô giengen.	si legeten von in naz
die wât die si truogen;	man solde ir phlegen baz.
jâ was in gar der triuwen	leider dâ zerunnen.
daz mohte si geriuwen:	ir spîse was von rocken und von brunnen.
1194
daz arme ingesinde	wolde slâfen gân:
ir bette was niht linde.	beide truogens an
niwan zwei salwiu hemede.	sus kunde si bedenken
Gêrlint diu vil übele	liez si ligen âne küsse ûf herten benken.
1195
Kûdrûn diu arme	vil unsanfte lac.
si erbiten beide kûme,	wanne ez wurde tac,
und sliefen deste minner.	si waen dar an gedaehten,
wanne in diu vogellîn	guote ritter dar ze lande braehten.
1196
dô ez êrste tagete,	an ein venster gie
diu durch die naht unsanfte	was gelegen ie,
Hildeburc diu edele	von Galitzenlande.
dô was ein snê gevallen:	daz was den armen leit und vil ande.
1197
dô sprach diu ellende:	'wir solden waschen gân.
ez ensî daz got ez wende,	daz weter ist sô getân,
sul wir hiute waschen,	vor âbendes stunden,
alsô barvüeze,	wir werden gar lîhte tôte vunden.'
1198
si vreute iedoch gedinge,	swie ez solde geschehen,
daz sie boten die Hilden	des tages solden sehen.
dô si dar an gedâhten,	die minniclîchen meide,
die in trôst und vreude brâhten,	dô was in niht sô herzenlîchen leide.
1199
dô sprach diu Hilden tohter:	'gespil, du solt daz sagen
der übelen Gêrlinde,	daz si uns erloube tragen
schuohe zuo dem sêwe.	si mac daz selbe kiesen,
gên wir dar barvüeze,	sô müeze wir ûf den tôt ervriesen.'
1200
sie giengen dâ si vunden	den künic und ouch sîn wîp
dâ hete umbevangen	den Ludewîges lîp
Gêrlint diu übele.	si sliefen dannoch beide:
si getorsten si niht wecken.	daz was der armen Kûdrûnen leide.
1201
klagende in ir slâfe	hôrte si si stân.
si begunde strafen	die meide wol getân.
si sprach: 'nu saget, war umbe	gêt ir niht zuo dem grieze
und waschet wât die mîne,	daz daz lûter wazzer nider vlieze? '
1202
dô sprach diu ellende:	'jâ enweiz ich, war ich gê.
hinte ist gevallen	ein krefticlîcher snê.
ir enwelt uns danne	des tôdes gerne büezen,
wir müezen hiute sterben,	tragen wir niht schuohe an den vüezen.'
1203
dô sprach diu wülpinne:	'ich warne ez niht ergê:
ir müezet alsô hinnen,	iu si sanfte oder wê.
ir waschet vil genôte	oder ich tuon iu sô leide —
waz werret ir mir tôte?'	dô weinten die vil armen vrouwen beide.
1204
dô nâmen si diu kleider	und giengen alsô dan.
'nu gebe ez got' sprach Kûdrûn,	'daz ich iuchs geman.'
mit den bâren vüezen	si wuoten durch den snê.
den ellenden meiden	tete ir arbeite wê.
1205
nâch ir gewonheite	giengens ûf den sant,
si stuonden unde wuoschen	aber daz gewant,
daz si getragen hieten	nider zuo den griezen.
ir hôhes gedingen	mohten si übele nu geniezen.
1206
si tâten harte dicke	vür sich ûf den vluot
senlîche blicke,	wâ die boten guot
zuo in komen solden,	die von ir lande
diu vil rîche küniginne	dem edelen ingesinde dar sande.
1207
dô si gewarten lange,	dô sâhens ûf dem sê
zwêne in einer barken	und ander niemen mê.
dô sprach vrou Hildeburc	ze Kûdrûn der rîchen:
'dort sihe ich vliezen zwêne,	die mügen dînen boten wol gelîchen.'
1208
dô sprach diu jâmers rîche:	'owê, ich armiu meit!
mir ist innerclîche	beide liep und leit.
sint ez die boten Hilden,	suln mich die sus hie vinden
waschen ûf dem grieze,	daz laster kunde ich nimmer überwinden.
1209
ich vil gotes armiu,	jâ enweiz ich waz ich tuo.
trûtgespil Hildeburc,	rât mir dar zuo:
sol ich von hinnen wichen	oder lâzen mich hie vinden
in disen grôzen schanden?	ê wolde ich immer heizen ingesinde.'
1210
dô sprach vrou Hildeburc:	'ir sehet wol wie ez stât,
ir sult an mich niht lâzen	alsô hôhen rât.
ich leiste mit iu gerne	allez daz ir tuot.
ich wil bî iu belîben	und lîden beide übel unde guot.'
1211
dô kêrten sie sich umbe	und giengen beide dan.
dô wâren ouch sô nâhen	dise zwêne man,
daz si die schoenen weschen	bî dem stade sâhen,
si wurden des wol innen,	daz si wolden von den kleidern gâhen.
1212
si sprangen ûz der barken	und ruoften in hin nâch
'ir vil schoenen weschen,	war ist iu sô gâch?
wir sîn vremede liute,	daz müget ir an uns kiesen,
scheidet ir von hinnen,	sô müget ir die vil rîche sabene vliesen.'
1213
si tâten dem gelîche,	sam sîs niht heten vernomen,
doch was in diu stimme	wol zuo den ôren komen:
Herwic der herre	sprach ein teil ze lûte.
er weste niht der maere,	daz er sô nâhen stüende sînem trûte.
1214
dô sprach der voget von Sêwen:	'ir minniclîchiu kint,
ir sult uns lâzen hoeren,	wes disiu kleider sint.
wir biten iuch valsches âne,	allen meiden tuot ez ze êren:
ir minniclîchen vrouwen,	jâ sult ir wider zuo dem Stade kêren.'
1215
dô sprach diu vrouwe Kûdrûn:	'sô diuhte ich mich geschant,
sît ich ein maget heize	und ir mich habet gemant
durch ander meide êre.	des müezet ir nu geniezen'
sprach diu vrouwe hêre,	'swie des müezen mîniu ougen riezen.'
1216
si giengen in ir hemeden,	diu wâren beidiu naz.
den vil edelen vrouwen	was ê gewesen baz:
dô bidemte von dem vroste	daz arme ingesinde.
si wâren in swacher koste,	jâ waten die kalten merzischen winde.
1217
ez was in den zîten,	dô der winter sich zerlie,
und daz in widerstrîte	die vogele wolden hie
singen aber ir wîse	nâch des merzen stunden.
in snêwe und ouch in ise	wurden die vil armen weisen vunden.
1218
mit strûbendem hâre	sâhen si si gân.
swie in diu houbet waeren	beiden wol getân,
ir vahs was in zervüeret	von merzischen winden.
ez regente oder ez snite,	wê was immer den vil edelen kinden.
1219
der sê allenthalben	mit dem ise vlôz;
daz hete sich zerlâzen.	ir sorge diu was grôz.
in schein durch diu hemede	wîz alsam der snê
ir lîp der minniclîche.	in tete diu unkünde wê.
1220
Herwic der edele	in guoten morgen bôt,
den ellenden kinden.	des waere in dicker nôt,
wan ir meisterinne	diu was vil ungehiure.
'guoten morgen' und 'guoten âbent'	was den minniclîchen meiden tiure.
1221
'ir sult lâzen hoeren'	sprach her Ortwîn,
'wes disiu rîchiu kleider	ûf dem sande sîn
oder wem ir waschet.	ir beide sît sô schoene:
wie tuot erz iu ze leide?	daz in got von himele immer gehoene!
1222
ir sît sô rehte schoene,	ir möhtet krône tragen,
ob ez iu wol möhte	von erbe her behagen,
ir soldet landes vrouwen	sîn.mit grôzer êre.
dem ir sô swache dienet,	hât er sô schoener weschen noch iht mêre?'
1223
dô sprach vil trûriclîchen	daz schoene magedîn:
'er hât noch manege schoener,	dan wir mügen sîn.
nu vrâget swes ir wellet:	wir haben ein meisterinne,
ez kumt uns niht vergebene,	siht si uns mit iu sprechen ab der zinne.'
1224
'lât iuch niht verdriezen	und nemet unser golt.
guoter bouge viere	daz si iuwer solt,
daz ir schoene vrouwen	iuch niht lât betrâgen
— die geben wir iu gerne —,	daz ir uns saget des wir iuch wellen vrâgen.'
1225
'got lâze iu iuwer bouge	beiden saelic sîn:
wir nemen von iu niht miete'	sprach daz magedîn.
'nu vrâget swes ir wellet:	wir müezen scheiden hinnen,
siht man uns bî iu beiden,	daz ist mir leit von allen mînen sinnen.'
1226
'wes sint disiu erbe	und ditze rîche lant
und ouch die guoten bürge?	wie ist er genant?
daz er iuch âne kleider	lât sô swache dienen,
wold er iht haben êre,	sô solde imz vür guot vervâhen niemen.'
1227
si sprach: 'der vürsten einer	heizet Hartmuot:
dem dienent lant diu wîten	und veste bürge guot.
der ander heizet Ludewîc	von Ormanîerîche.
in dienent vil der helde;	die sitzent in ir lande lobelîche.'
1228
'wir saehen si vil gerne'	sprach Ortwîn.
'müget ir uns bescheiden,	vil schoeniu magedîn,
wâ wir die vürsten beide	in ir lande möhten vinden?
wir sîn zuo in gesendet,	jâ si wir eines küneges ingesinden.'
1229
Kûdrûn diu hêre	sprach den helden zuo:
'ich lie si in der bürge	hiute morgen vruo
ligen an ir bette	wol mit vierzic hundert mannen,
daz ist mir ungewizzen,	sint si in der zît geriten indert dannen.'
1230
dô sprach der künic Herwic:	'müget ir uns gesagen,
von wiu die künege beide	sô grôze swaere tragen,
daz si mit sô vil helden	sitzent zallen zîten?
het ichs in mînen selden,	ich troute wol eins küneges lant bestrîten.'
1231
'uns ist niht kunt dar umbe'	sprâchen dô diu kint.
'wir enwizzen weihen enden	der vürsten erbe sint.
ein lant, daz liget wîten,	daz heizet Hegelinge:
die vürhtents zallen zîten,	daz si in dar ûz herte vînde bringen.'
1232
dô bidemten vor der kelte	diu schoenen meidîn.
dô sprach der vürste Herwic:	'möhte daz gesîn,
daz ez iuch minniclîchen	diuhte niht ein schande,
ob ir edele meide	unser mentel trüeget ûf dem sande?'
1233
dô sprach diu Hilden tohter:	'got lâze iu saelic sîn
iuwer beider mentel.	an dem lîbe mîn
suln nimmer iemens ougen	gesehen mannes kleider.'
möhtens sich erkennen,	sô waere in dicke geschehen leider.
1234
ofte erblihte Herwic	die juncvrouwen an.
si dûhte in sô schoene	und ouch sô wol getân,
daz ez im in sînem herzen	harte siuften brâhte.
er gelichte si ze einer	der er vil ofte güetlîchen gedâhte.
1235
dô sprach aber Ortwîn,	der künic von Nortlant:
'ich vrâge iuch meide beide,	ist iu iht bekant
umbe ein hergesinde,	daz kom in ditze lant?
einiu was dar under,	diu was Kûdrûn genant.'
1236
dô sprach diu juncvrouwe:	'daz ist mir wol kunt.
her kom ein gesinde,	des ist nu langiu stunt.
in starker herverte	brâhte mans in ditze rîche.
die ellenden vrouwen	kômen her ze lande jâmerlîche.'
1237
si sprach: 'die ir dâ suochet,	die hân ich wol gesehen
in grôzer arbeite;	des wil ich iu verjehen.'
jâ was sîz der einiu,	die Hartmuot dar brâhte.
ez was selbe Kûdrûn:	si warn der maere deste baz gedâhte.
1238
dô sprach der vürste Herwic:	'nu seht, her Ortwîn,
sol iuwer swester Kûdrûn	indert lebende sîn
in deheinem lande	ûf al dem ertrîche,
sô ist daz diu selbe.	ich gesach ir nie deheine sô gelîche.'
1239
dô sprach der künic Ortwîn:	'si ist vil minniclîch
und doch mîner swester	nindert anelîch.
von unser beider jugende	gedenke ich noch der stunde,
daz man in al der weide	sô schoene maget hiete nindert vunden.'
1240
dô sich alsô nande	der vil küene man,
daz er Ortwîn hieze,	dô sach in wider an
Kûdrûn diu arme.	ob ez ir bruoder waere,
daz weste si harte gerne:	sô hiete gar ein ende al ir swaere.
1241
'swie ir sît geheizen,	ir sît lobelîch.
einen ich erkande,	dem sît ir anelîch:
der was geheizen Herwic	und was von Sêlanden:
ob der helt noch lebete,	sô erlôste er uns von disen starken banden.
1242
ich bin ouch der einiu,	diu von Hartmuotes her
in strîte wart gevangen	und gevüeret über mer.
ir suochet Kûdrûnen:	daz tuot ir âne nôt.
diu maget von Hegelingen	ist in grôzen arbeiten tôt.'
1243
dô trahenten Ortwînen	sîniu ougen licht,
ouch enliez ez Herwic	ungeweinet nicht.
dô si in gesaget hiete,	daz erstorben waere
Kûdrûn diu schoene,	dô hieten die helde grôze swaere.
1244
dô si si beide	vor ir weinen sach,
diu maget ellende	zuo in dô sprach:
'ir tuot dem gelîche	und sît in der gebaere,
sam diu edele Kûdrûn	iu vil guoten helden sippe waere.'
1245
dô sprach der vürste Herwic:	'jâ riuwet mich ir lîp
ûf mînes lebenes ende:	diu maget was mîn wîp.
si was mir bevestent	mit eiden alsô staeten.
sît muose ich si verliesen	durch des alten Ludewîges raete.'
1246
'nu wellet ir mich triegen '	sprach diu arme meit.
'von Herwîges tôde	ist mir vil geseit.
al der weide wünne	die solde ich gewinnen,
waer er indert lebende,	sô hiete er mich gevüeret von hinnen.'
1247
dô sprach der ritter edele:	'nu sehet an mîne hant,
ob ir daz golt erkennet	— sô bin ich Herwic genant —,
dâ mite ich wart gemahelet	Kûdrûn ze minnen.
sît ir danne mîn vrouwe,	sô vüere ich iuch gewalticlîche hinnen.'
1248
si sach im nâch der hende:	ein rinc dar an erschein,
dâ lac in dem golde	von Abalî der stein,
der beste den ir ougen	zer weide ie bekanden.
den hete vrou Kûdrûn	diu schoene ê getragen an ir handen.
1249
si ersmielte in ir vreuden.	dô sprach daz magedîn:
'daz golt ich wol erkande	hie vor dô ez was mîn.
nu sult ir sehen ditze,	daz mîn vriedel sande,
dô ich vil armez magedîn	mit vreuden was in mînes vater lande.'
1250
er blihte ir nâch der hende.	dô er daz golt er sach,
Herwic der edele	ze Kûdrûnen sprach:
'dich truoc ouch ander niemen,	ez enwaere küneges künne.
nu hân ich nâch manegem leide	gesehen mîne vreude und mîne wünne.'
1251
er umbeslôz mit armen	die hêrlîchen meit.
in was ir beider maere	liep unde leit.
er kuste, ine weiz wie ofte,	die küniginne rîche,
si unde Hildeburc	die ellenden maget minniclîche.
1252
Ortwîn begunde vrâgen	die hêrlîchen meit
— des schamte si sich sêre,	wande ir was leit —,
ob si niht anders kunde	dienen in dem lande,
wan daz si kleider	wüesche ze allen zîten an dem sande.
1253
'nu saget mir, vrou swester,	wâ sint iuwer kint,
diu ir bî Hartmuoten	habet getragen sint,
daz si iuch eine lâzent	waschen an den griezen?
sît ir werdiu küniginne,	des lât man iuch hie übele geniezen.'
1254
si sagete im weinende:	'wâ solde ich nemen kint?
ez ist allen den wol künde,	die bî Hartmuoten sint,
daz er mir nie kunde	solhez ie gebieten,
daz ich in nemen wolde.	des muoz ich mich der arbeit sît nieten.'
1255
dô sprach der herre Herwic:	'des müge wir verjehen,
daz uns an dirre verte	ist alsô wol geschehen,
daz uns nimmer kunde	baz dar an gelingen.
nu sul wir des gâhen,	daz wir si von der veste bringen.'
1256
dô sprach der degen Ortwîn:	'ich waen des niht ergê.
und hiete ich hundert swester,	die lieze ich sterben ê,
ê daz ich mich sô starke	in vremeden landen haele,
die man mir mit sturme naeme,	daz ich die mînen grimmen vînden staele.'
1257
dô sprach der degen Herwic:	'war tuost du dînen sin?
die mîne triutinne	die wil ich vüeren hin.
werben, swie wir künnen,	über unser vrouwen.'
dô sprach der degen Ortwîn:	'ê lieze ich mit der swester mich zerhouwen.'
1258
dô sprach diu ungemuote:	'waz hân ich dir getân,
lieber bruoder Ortwîn?	wan ich nie gewan
deheine gebaere,	daz man mich möhte schelten,
ich enweiz welher dinge	du mich, edele vürste, lâst engelten.'
1259
'jâ tuon ichz, liebe swester,	niht durch dînen haz:
dîne schoene meide	genesent deste baz.
ich kan dich niht geziehen	hinnen wan nâch êren.
du solt noch hân holden	Herwîgen dînen vriedel hêren.'
1260
dô sprach der helt von Sêwen:	'daz ist diu angest mîn,
wirt man unser innen,	daz man diu meidîn
enphüere alsô verre	— des si wir bî in tougen —,
man lât uns deheine	nimmer mer gesehen mit unsern ougen.'
1261
dô sprach aber Ortwîn:	'wie lieze wir danne hie
daz edele ingesinde?	daz hât gebiten ie
in disem vremeden rîche,	deis si mac verdriezen.
rainer swester Kûdrûn	suln alle ir meide wol geniezen.'
1262
si giengen zuo dem schiffe.	dô klaget diu schoene meit.
si sprach: 'owê mir armen!	nu ist endelos mîn leit.
der ich mich ie gestrôste,	sol ich den nu versmâhen,
daz mich ir helfe lôste?	mir ist mîn gelücke vil unnâhen.'
1263
den ellenthaften degenen	was von dem stade gâch.
Kûdrûn diu arme	ruofte Herwîgen nâch:
'ê was ich diu beste,	nu hât man mich zer boesten.
wem wil du mich lâzen	oder wes sol ich mich armer weise troesten? '
1264
'du bist niht diu boeste,	du muost diu beste sîn.
vil edele küniginne,	verhil die reise mîn.
ê morgen schînt diu sunne,	ich bin vor disen selden,
daz habe ûf mînen triuwen,	mit ahzic tûsent mîner küenen helde.'
1265
si vuoren sô si kunden	beldiste dan.
dâ wart ein herter scheiden	von vriunden getân,
dan noch vriunde taeten,	daz weiz ich âne lougen.
sô si verriste kunden,	beleiten si die boten mit den ougen.
1266
der wesche dô vergâzen	diu hêrlîchen kint.
des hete wol gegoumet	diu übele Gêrlint,
daz si stuonden müezic	dâ nidene ûf dem sande.
daz zurnde si vil sêre:	ez was ir an ir wesche leit und ande.
1267
dô sprach diu vrouwe Hildeburc,	diu meit ûz Îrlant:
'wes lât ir, küniginne,	ligen ditz gewant?
daz ir niht enwaschet	Ludwîges man diu kleider,
und wirt des Gêrlint innen,	sô getete si uns mit siegen noch nie leider.'
1268
dô sprach diu Hilden tohter:	'dar zuo bin ich ze her,
daz ich Gêrlinde	wasche immer mer.
dienest alsô swachez	sol mir nu versmâhen:
mich kusten zwêne künege	und mochten mich mit armen umbevâhen.'
1269
dô sprach aber Hildeburc:	'lât iu niht wesen leit,
daz ich iuch daz lêre:	wir bleichen baz diu kleit,
daz wir si iht sô salwiu	tragen ze kemenâten;
anders wirt uns beiden	der rücke mit siegen wol berâten.'
1270
dô sprach daz Hagenen künne:	'mir gêt vreude zuo,
trôst unde wünne.	der mich unz morgen vruo
die zît mit besemen slüege,	ich troute niht ersterben.
die uns dâ tuont sô leide,	der muoz etelîcher ê verderben.
1271
nu wil ich disiu kleider	tragen zuo der vluot.
si suln des wol geniezen'	sprach diu maget guot,
'daz ich mac gelîchen	einer küniginne.
ich wirfe si ûf die ünde,	daz si vrîlîche vliezen hinnen.'
1272
swaz Hildeburc geredete,	Kûdrûn truoc dan
die Gêrlinde sabene.	zürnen si began.
si swanc si von den handen	verre zuo den ünden.
si swebeten eine wîle:	ine weiz, ob sîs immer mêre vünden.
1273
dô nâhent ez der nahte,	daz in des tages zeran.
Hildeburc gie swaere	zuo der bürge dan;
si truoc ander kleider	und siben sabene rîche.
diu Ortwînes swester	gienc bî Hildeburge lediclîche.
1274
ez was nu harte spâte.	si kômen hin gegân
ze Ludewîges bürge.	dâ vundens vor stân
Gêrlint die übelen;	diu warte ir ingesinde.
die vil edelen weschen	gruozte si mit worten harte swinde.
1275
'wer hât iu daz erloubet'	sprach des küneges wîp?
— ez sol sêre erarnen	iuwer beider lîp —,
daz ir gêt den âbent	über wert vil spâte?
ez zimt niht küneges wîbe,	daz si iuch sehe in ir kemenâten.'
1276
si sprach: 'nu saget mir balde,	war umbe tuot ir daz?
ir versprechet rîche künege,	den sît ir gehaz,
und koset gegen âbent	wider boese knehte.
weit ir erwerben êre,	sô enkumet ez iu niht ze rehte.'
1277
dô sprach diu maget hêre:	'wes lieget ir mich an?
wande ich vil armiu	den willen nie gewan,
daz iemen lebe sô tiure,	mit dem ich sprechen wolde,
ez enwaeren mîne mâge,	mit den ich von rehte reden solde.'
1278
'nu swîc, du übele galle.	du heizest liegen mich?
daz sol ich hint rechen	alsô über dich,
daz dir dîn zorn erhillet	sô lûte nimmer mêre.
ê daz ich erwinde,	sô gemüet ez dînen rücke sêre.'
1279
'daz wil ich widerraten'	sprach diu maget her,
daz ir mich mit besemen	gestrâfet nimmer mer.
jâ bin ich verre tiurer	danne ir mit iuwern mâgen:
als ungevüeger zühte	der möhte iuch lîhte nu betrâgen.'
1280
dô sprach diu wülpinne:	'wâ sint die sabene mîn,
daz du alsô gewunden	hâst die hende dîn
sô rehte müeziclîche	in den dînen gêren?
und leb ich deheine wîle,	ich wil dich ander dienest lêren.
1281
dô sprach daz Hagenen künne:	'ich hân si ligen lân
dâ nidene bî der vlüete.	dô ich si wolde dan
mit mir her ze hove tragen,	si wâren mir ze swaere.
beschouwet ir si nimmer,	daz ist mir ûf mîn triuwe vil unmaere.'
1282
dô sprach diu tiuvelinne:	'jâ geniuzest du sîn niht.
ê daz ich entslâfe,	wie leide dir geschiht!'
dô hiez sîs ûz ziehen,	ûz dornen besemen binden:
der ungevüegen zühte	wolde diu vrouwe Gêrlint niht erwinden.
1283
ze einem bettestalle	binden si si hiez.
in der kemenâte	niemen si bî ir liez.
si wolde ir hût die schoenen	slahen von den beinen.
die vrouwen die daz westen,	die begunden krefticlîchen weinen.
1284
mist listen sprach dô Kûdrûn:	'daz wil ich iu sagen:
wird ich mit disem besemen	hint hie geslagen,
gesiht mich immer ouge	gestân bî künegen rîchen,
daz ich trage krône,	iu wirt sîn gelônet sicherlîchen.
1285
daz ir mich der zühte	müget vil gerne erlân,
sô wil ich ê minnen	den ich versprochen hân.
ich wil daz künicrîche	ze Ormanîe bouwen.
wird ich gewaltic immer,	sô tuon ich des niemen mac getrouwen.'
1286
dô sprach diu vrouwe Gêrlint:	'sô lieze ich mînen zorn.
und ob du tûsent sabene	hietest mir verlorn,
die wolde ich verkiesen.	ez koeme ouch dir ze guote,
ob du von Ormanîe	minnen wilt den vürsten Hartmuote.'
1287
dô sprach diu maget schoene:	'jâ wil ich mich erholn:
dise manege quâle	mac ich niht verdoln.
heizet mir gewinnen	den künic ûz Ormanîn.
swie er mir gebiutet,	sô wil ich immer mêre sîn.'
1288
die dô die rede hôrten,	die liefen balde dan.
dem snellen Hartmuote	wart ez kunt getân.
bî im sâzen mêre	der sînes vater manne.
dô sagete im einer maere,	daz er ze Kûdrûnen gienge dannen.
1289
der sagete im offenlîchen:	'gebet mir daz botenbrôt:
der schoenen Hilden tohter	ir dienest iu enbôt,
daz ir komen ruochet	zuo ir kemenâten.
si wil fuch nimmer vremeden;	si hât sich bezzer dinge sît berâten.'
1290
dô sprach der ritter edele:	'du liugest âne nôt.
waeren war dîn maere,	ich gaebe dir botenbrôt
guoter bürge drîe	und dar zuo huobe rîche
und sehzic bouge goldes.	jâ wolde ich immer leben wünniclîche.'
1291
dô sprach ein sîn geselle:	'ich hân ez ouch vernomen;
die gâbe wil ich teilen.	ir sult ze hove komen.
ez sprach diu maget edele,	daz si iueh gerne minne,
ob ir des geruochet,	si werde hie ze lande küniginne.'
1292
Hartmuot der sagete	dô dem boten danc.
wie rehte vroelîchen	er von dem sedele spranc!
er wânde daz in minne	hiete got berâten.
in vroelîchem sinne	gienc er zuo der meide kemenâten.
1293
dô stuont in nazzem hemede	daz hêrlîche kint.
mit weinenden ougen	gruozte si in sint.
si gienc im hin engegene	und stuont im alsô nâhen,
daz er mit sînen armen	wolde Kûdrûnen umbevâhen.
1294
si sprach: 'neinâ Hartmuot,	des entuot noch niht:
jâ wizent iuz die liute,	swer sô daz ersiht.
ich bin ein armiu wesche:	ez mac iu wol versmâhen,
ir sît ein künic rîche:	wie gezaeme ich iu mit armen ze umbevâhen?
1295
ich erloube ez iu danne	vil wol, Hartmuot,
swanne ich stân under krône	vor iuwern recken guot.
sô heize ich küniginne,	sô sol ich iu niht versmâhen.
sô zimt ez wol uns beiden,	sô sult ir mich mit armen umbevâhen.'
1296
in sînen grôzen zühten	er stuont ûf hôher dan.
er sprach ze Kûdrûnen:	'maget vil wolgetân,
nu du mich ruochest minnen,	ich wil dich hôhe mieten,
mir und mînen vriunden	maht du, swaz du selbe wilt, gebieten.'
1297
dô sprach diu juncvrouwe:	'mir wart sanfter nie.
sol ich vil gotes armiu	nu gebieten hie,
sô ist mîn gebôt daz êrste,	nâch grôzer arbeite,
ê daz ich hint slâfe,	daz man mir ein schoenez bat bereite.
1298
mîn gebôt daz ander	daz sol ditze sîn,
daz man mir balde bringe	mîniu magedîn,
swie man si vinde	under Gêrlinde wîben.
in ir phieselgademe	ensol ir deheiniu niht belîben.'
1299
'daz schaffe ich williclîche'	sprach her Hartmuot.
dô suochte man ûz dem gademe	manege maget guot,
die mit strûbendem hâre	und in swachen kleiden
hin ze hove giengen:	diu übele Gêrlint was unbescheiden.
1300
dô kômen drî und sehzic	dâ Hartmuot si sach.
Kûdrûn diu edele	gezogenlîche sprach:
'nu schouwet, künic rîche,	weit ir daz hân vür êre?
wie sint erzogen die meide?'	dô sprach er: 'ez geschiht in nimmer mêre.'
1301
'tuot mirz ze liebe, Hartmuot'	sprach daz edele kint,
'alle mîne meide,	die hie verderbet sint,
daz man si bade hinte.	volget mîner raete.
ir sult si sehen selbe,	daz si stân in wünniclîcher waete.'
1302
des antwurte Hartmuot,	der ritter ûz erkorn:
'liebiu mîn vrou Kûdrûn,	ist iht der kleider vlorn,
diu mit in her brâhten	iuwer ingesinden,
sô gibet man in diu besten,	diu man in der weide indert vinde.
1303
ich sol si sehen gerne	bî iu gekleidet stân.'
bades vliziclîchen	gâhen man began.
Hartmuotes künnes	wart maneger kameraere.
si îlten ir alle dienen,	durch daz si in dar nâch genaedic waere.
1304
dô wart gebadet schône	diu hêrlîche meit
mit ir juncvrouwen.	diu aller besten kleit,
diu iemen haben kunde,	brâhte man in allen,
diu swacheste drunder	diu möhte einem künege wol gevallen.
1305
dô si gebadet wâren,	dô brâhte man in wîn,
daz in Ormanîe	niht bezzer mohte sîn.
mete den vil guoten	brâhte man den vrouwen.
wie es im gedanket wurde,	wie solde des her Hartmuot getrouwen?
1306
in einen sal gesâzen	diu minniclîchen kint.
ir tohter Ortrûnen	hiez vrou Gêrlint
daz si sich dar zuo kleite	mit ir juncvrouwen,
ob si die Hilden tohter	wolde mit ir ingesinde schouwen.
1307
Ortrûn diu edele	kleite sich zehant.
si gienc vil vroelîchen	dâ si Kûdrûnen vant.
dô gienc ir hin engegene	des alten Waten künne.
dô si ensamet wâren,	dô gesach man vreude unde wünne.
1308
si kusten beide einander	under rôtem golde guot.
dar zuo schein ir varwe.	gezweiet was ir muot:
liep was Ortrûnen,	der küniginne rîche,
daz si die edele weschen	sack gekleidet alsô wünniclîche.
1309
dô vreute sich diu arme,	als wir hân verjehen,
daz si ir edelez künne	sô schiere solde sehen.
spilnde bî einander	sâzen dô die hêren.
swar si dicke saehen,	ez möhte ein trûric herze vreude lêren.
1310
'wol mich' sprach vrou Ortrûn,	'daz ich gelebet hân,
daz du bî Hartmuote	wilt hie bestân.
des dînen guoten willen	gibe ich dir ze lône,
die ich tragen solde,	mîner muoter Gêrlinde krône.'
1311
'nu lône dir got, Ortrûn'	sprach daz meidîn.
'swie du mir gebiutest,	sô wil ich gerne sîn:
du hâst beweinet dicke	mînes herzen leide.
getriulîcher dienste	wil ich mich nimmer tac von dir scheiden.'
1312
in kintlîchen listen	sprach diu maget guot:
'ir sult boten senden,	mîn her Hartmuot,
in Ormanîerîche,	ob ez in wol gevalle,
nâch iuwern besten vriunden,	daz si her ze hove komen alle.
1313
gestânt mit vride diu erbe,	daz wil ich iu sagen,
sô wil ich bî iu krône	vor den helden tragen,
daz ich daz müge erkennen,	wer mîn ger ze vrouwen.
mich und mîne mâge	lâze ich danne iuwer recken schouwen.'
1314
ez was ein list sô wiser:	swaz er der boten vant,
wol hundert oder mêre	wurden ûz gesant.
deste minner was der vînde,	dô die Hegelinge
suochten Hartmuoten.	daz was ouch der meide gedinge.
1315
dô sprach diu vrouwe Gêrlint:	'liebiu tohter mîn,
nu sult ir iuch scheiden.	sol ez aber morgen sîn,
sô sît bî einander	mit gezogenheite.'
dô neic si Kûdrûnen	unde bat got sîn ir geleite.
1316
von dannen gienc dô Hartmuot.	schenken man ir schuof
unde truhsaezen.	dâ was vil kleiner ruof.
man hiez dâ haben schône	die stolzen meide rîche.
mit trinken und mit spîse	phlac man der ellenden vliziclîchen.
1317
dô sprach von Hegelingen	ein vil schoene meit:
'sô wir dar an gedenken,	sô wirt uns dicke leit,
sul wir bî den belîben,	die uns her brâhten,
uns selben ânewünne:	des wir uns doch selten ie gedâhten.'
1318
si begunde weinen	dâ ir vrouwe saz.
dô der kinde mêre	gesehen heten daz,
si gedâhten in ir sorgen	ir ungemaches sêre;
si weinten sumelîche.	des erlachte Kûdrûn diu hêre.
1319
si wânden, daz si solden	immer dâ bestân.
dô was der vrouwen wille	nindert sô getân,
daz si belîbe gerne	bî in tage viere.
dô kom ez an die zîte,	daz sîz Gêrlinden rûnten schiere.
1320
ein teil ûz ir zühten	lachen si began,
diu in vierzehen jâren	vreude nie gewan.
daz hete wol gehoeret	diu übele tiuvelinne.
diu winkte Ludewîgen:	ez was ir leit von allen ir sinnen.
1321
dô gienc si schiere	dâ si Hartmuoten vant.
si sprach: 'sun der mîne,	über allez ditze lant
müezen hân arbeit	die liute dar inne.
ich enweiz, wes hât gelachet	Kûdrûn diu hêre küniginne.
1322
swiez sich habe gevüeget	oder swie sîz habe vernomen,
ir sint von ir vriunden	heimlîche boten komen.
dâ von solt du dich hüeten,	edel ritter hêre,
daz du von ir vriunden	iht vliesest beidiu lîp und ouch die êre.'
1323
er sprach: 'lât ez belîben.	ich gân ir harte wol,
swaz si bî ir wîben	vreude haben sol.
mir sint ir naehste mâge	gesezzen alsô verre:
wâ koeme ich in ir lâge?	jâ waen mir von in immer iht gewerre.'
1324
Kûdrûn ir gesinde	vrâgen dô began,
ob ir gebettet waere:	si wolde slâfen gân.
si was die naht al eine	gescheiden von ir swaere.
dô giengen mit der meide	des künic Hartmuotes kameraere.
1325
diu kint von Ormanîe	diu truogen ir diu licht,
si heten ir gedienet	dâ vor vil selten icht.
man vant dâ gerihtet	wol drizic oder mêre
vil sûberlîcher bette,	dâ solden ligen der ritter tohter hêre.
1326
dar ûf lâgen golter	dâ her von Arâbê
vil maneger hande varwe,	und grüene als der klê
von listen harte tiure	diu deckelachen rîche.
rôt von dem viure	schein golt ûz den sîden sûberlîche.
1327
an den lichten phellen.	von maneger vische hût
bezôge wâren drunder.	Hartmuot wânde er trût
der minniclîchen waere	dâ her von Hegelingen:
er weste niht der maere,	waz im ir künne leides möhte bringen.
1328
dô sprach diu maget edele:	'jâ sult ir slâfen gân,
ir Hartmuotes helde.	wir wellen ruowe hân,
ich und mîne vrouwen,	doch dise naht al eine.
sît wir her bekômen,	sô gewunne wir mer deheine.'
1329
swaz dâ was der vremeden,	die sach man dannen gân,
die wîsen mit den tumben.	die Hartmuotes man
die îlten zir gemache	ûz der vrouwen kemenâten.
von niete und ouch von wîne	die armen wâren vliziclîch berâten.
1330
dô sprach diu Hilden tohter:	'besliezet mir die tür.'
starker rigele viere	schôz man dar vür.
ouch was daz gadem sô veste,	swes man dâ begunde,
deiz ûz der kemenâte	bescheidenlîchen niemen hoeren kunde.
1331
dô sâzens allerêrste	und trunken guoten wîn.
dô sprach diu allerherste:	'vrô müget ir wol sîn,
alle mîne vrouwen,	nâch starkem iuwerm leide,
ich lâze iuch morgen schouwen	an iuwer vil lieben ougenweide.
1332
ich hân geküsset hiute	Herwîge mînen man
und Ortwîn mînen bruoder.	dâ sult ir gedenken an:
swelhiu wil werden rîche	von mir an allez sorgen,
diu si des genoete,	daz si nâch der naht verkünde uns den morgen.
1333
ir miete wirt niht ringe.	uns nâhent vreuden zît.
jâ gibe ich ir ze miete	guote bürge wît,
dar zuo vil der huoben.	die mac ich wol gewinnen,
gelebe ich an die stunde,	daz man mich nennet eine küniginne.'
1334
dô legten si sich slâfen.	vrô was in der muot:
si westen daz in koeme	manic ritter guot,
die in gehelfen möhten	von ir grôzen sorgen.
dar zuo stuont ir gedinge,	daz sîs saehen an dem naehsten morgen.
1335
nu hoeren wir ein maere,	des habe wir niht vernomen.
Ortwîn und Herwic	wâren nu balde komen
dâ si ir recken vunden	noch ûf dem wilden sande.
dô liefen in engegene	die helde ûz Hegelingelande.
1336
die booten si wol enphiengen	und bâten in daz sagen,
waz si maere braehten;	si soldens niht verdagen.
Ortwîn den küenen,	den man dar umbe sande,
si vrâgten: 'lebet noch Kûdrûn	in des künic Ludewîges lande?'
1337
dô sprach der ritter edele:	'ich mac iu niht gesagen
allen besunder;	jâ muoz ich iuch verdagen,
unz unser beste vriunde	bî mir gestânt vil nâhen:
sô lâze wir iuch hoeren,	swaz wir vor Hartmuotes bürge sâhen.'
1338
dô sagete manz den helden:	der kom ein miche kraft,
dô wurdens umbestanden	mit grôzer ritterschaft.
dô sprach der degen Ortwîn:	'nu bringe ich iu maere,
möhte ez sich gevüegen,	der ich mit mînen vriunden gerne enbaere.
1339
nu hoeret michel wunder,	daz hie ist geschehen.
Kûdrûn mîne swester	die hân ich gesehen
und Hildeburge,	die maget ûz Îrrîche.'
dô er in daz sagete,	dô heten ez vür lüge sumelîche.
1340
dô sprâchen sumelîche:	'den spot müget ir wol lân,
wan wir nâch ir gesinnet	nu lange zîte hân,
wie wir si wider braehten	von Ludewîges lande.
Ortwîn und sîne degene	die sint noch ûf dem schaden und dem sande.'
1341
'nu vrâget Herwîgen,	der hât si ouch gesehen
und alsô, daz uns kunde	leider niht geschehen.
nu gedenket, alle ir mâge,	ob uns daz si ein schande:
wir vunden Hildeburgen	und vroun Kûdrûn waschen ûf der schande.'
1342
dô weinten alle mâge,	die man dâ sach.
wate der vil alte	zorneclîche sprach:
'ir gebâret alle	wîben vil gelîche,
ir enwizzet war umbe.	jâ stât ez helden niht lobelîche.
1343
welt ir Kûdrûnen	helfen ûz der nôt,
sô sult ir nâch der wîze	diu kleider machen rôt,
diu dâ hânt gewaschen	ir vil wîze hende.
dâ mite sult ir ir dienen:	sô mac si komen ûz ir ellende.'
1344
dô sprach von Tenen Fruote:	'wie viengen wir daz an,
daz wir ze ir lande koemen,	ê Ludewîges man
und Hartmuotes helde	ervunden disiu maere,
daz daz Hilden ingesinde	bî in in Ormanîerîche waere?'
1345
dô sprach Wate der alde:	'daz kan ich râten wol.
ich getrouwe in vor der halde	gedienen als ich sol,
gelebe ich die zîte,	daz ich in kûme sô nâhen.
ir helde, ir sultz hie rûmen	unde sult gên Ormanîe gâhen.
1346
der luft ist sô heiter,	sô rîche und sô breit
der mâne schînet hinte:	des bin ich gemeit.
nu gâhet von dem sande,	ir tiurlîchen helde,
ê ez morgen tage,	daz wir sîn ze Ludewîges selde.'
1347
si wurden harte unmüezic	durch den Waten rât,
ê si zen schiffen braehten	ir ros und ir wât.
si îlten, swaz si mohten,	des nahtes zuo dem lande.
ê daz ez tagen begunde,	si wâren vor der bürge ûf dem sande.
1348
wate der bat swîgen	daz her über al,
daz si sich sanfte legten	den griez hin ze tal.
den wazzermüeden helden	den wart daz erloubet,
daz si strahten nider die schilde.	dar ûf legten sumelîche ir houbet.
1349
'swer an dem morgen vrüe je	gerne welle gesigen'
sprach Wate der alte,	'der sol sich niht verligen.
jâ hân wir dirre verte	erbiten harte kûme:
sô wir den morgen kiesen,	daz iuch guote recken ihtes iht dann sûme.
1350
und wil iuch warnen mêre:	ûf und ouch ze tal
swer sô hoere diezen	mînes hornes schal,
daz der sich sâ ze stunde	rihte gên dem strîte,
künde ich iu den morgen,	daz iuwer deheiner dâ iht lenger bîte.
1351
sô ich anderstunt geblâse,	des sult ir niht lân,
iu ensî gesatelet.	zen rossen sult ir gân
und stât dâ bereite,	unz ich den tac erkiese,
ze rehter sturmes zîte	daz niemen dâ sîn arbeit verliese.
1352
sô ich drî stunt geblâse,	ir lieben vriunde mîn,
sô sult ir wol gewâfent	ûf den rossen sîn.
dannoch sult ir degene	mîn gerne bîten,
unz ir mich sehet gewâfent	nâch der schoenen Hilden zeichen rîten.'
1353
si jâhen, sîz gerne treten	swaz er geriet.
waz er dâ schoener vrouwen	von ir vriunden schiet
mit verchtiefen wunden	in dem herten strîte!
si warten al gemeine	niwan gên des naehsten tages zîten.
1354
dô legten sich die müeden	ûf den wert ze tal.
si wâren dâ vil nâhen	vor Ludewîges sal:
swie ez bî der naht waere,	den sâhen si doch alle.
die stolzen helde maere	lâgen dâ mit wenigem schalle.
1355
nu was der morgensterne	hôhe ûf gegân.
dô kom ein maget schoene	in ein venster stân.
si spehete, wanne ez waere,	daz ez tagen solde,
dâ mite si grôze miete	an vroun Kûdrûnen dienen wolde.
1356
dô kôs diu maget edele	ein teil des morgens schîn,
und gên des wazzers brehene,	als ez solde sîn,
sach si liuhten helme	und vil der lichten schilde.
diu burc was besezzen;	von gewaefen lûhte al daz gevilde.
1357
dô gienc si hin widere	dâ si ir vrouwen vant.
'wachet, maget edele!	allez ditze lant
und disiu burc veste	mit vînden ist besezzen.
unser vriunt dâ heime	hânt unser armen niht vergezzen.'
1358
Kûdrûn diu hêre	ûz dem bette spranc.
gâch was ir in daz venster.	si saget der meide danc
dirre boteschefte:	dâ von wart si rîche.
von ir grôzen swaere	si goumte nâch ir vriunden vliziclîche.
1359
dô sach si rîche segele	wagen ûf dem sê.
dô sprach diu maget edele:	'nu ist mir êrste wê.
owê ich gotes armiu,	daz ich ie den lîp gewan!
man siht hie hiute sterben	manegen waetlîchen man.'
1360
dô si daz geredete,	daz liut noch meistec slief.
Ludewîges wahtaere	krefticlîchen rief:
'wol ûf, ir stolzen recken!	wâfen, herre, wâfen!
ir küene von Ormanîe,	jâ warne ich ir ze lange habet geslâfen.'
1361
ditze erhôrte Gêrlint,	daz Ludewiges wîp.
dô liez si ligen slâfen	des alten küneges lîp.
dô gâhte si harte balde	selbe in eine zinne.
dâ sach si vil der geste:	unmâzen leit was dô der tiuvelinne.
1362
si ilte hin widere	dâ si den künic vant.
'wachâ, herre Ludewîc!	dîn burc und ouch dîn lant
daz ist umbemûret	von gesten ungehiure.
daz lachen Kûdrûnen	koufent dîne recken hiute tiure.'
1363
'swiget' sprach dô Ludewîc,	'ich wil si selbe sehen.
wir müezens alles erbîten,	swaz uns nu mac geschehen.'
dô gienc er harte snelle	in sîn palas schouwen:
er hete des tages geste,	der er übele mohte getrouwen.
1364
dô sach er vanen breite	vor sîner bürge wagen,
dô sprach der künic Ludewîc:	'jâ sul wir ez sagen
mînem sune Hartmuote.	ez sint lîhte pilgerîne
und ligent hie durch koufen	vor der stat und vor der bürge mîne.'
1365
man wahte Hartmuote.	dô ez im wart geseit,
dô sprach der degen guote:	'lât iu niht wesen leit.
ich erkenne vürsten zeichen	wol in zweinzic landen.
ich waene, daz die vînde	wellen rechen an uns ir alten anden.'
1366
dô liez er ligen slâfen	alle sîne man.
Ludewîc und Hartmuot	die zwêne giengen dan
schouwen in diu venster.	dô si diu hêre sâhen,
schiere sprach dô Hartmuot:	'si ligent mîner bürge ein teil ze nâhen.
1367
ez sint niht pilgerîne,	vil lieber vater mîn:
wate und ouch die sîne	mügen ez vil wol sîn,
der helt von Sturmlanden	und der von Nortrîche.
dort sihe ich wagen ein zeichen,	daz mac dem maere sich vil wol gelîchen.
1368
ez ist ein brûner phelle	dâ her von Karadê.
ê daz sich der geneige,	dâ bî wirt helden wê.
dar inne swebet ein houbet,	daz ist von rôtem golde.
alsô küener geste	ich hie ze lande gerne enberen wolde.
1369
uns bringet der voget von Moeren	wol zweinzic tûsent man.
daz sint vil küene degene,	als ich gesehen kan.
die wellen an uns erwerben	mit strîte michel êre.
noch sihe ich dort ein zeichen,	dâ bî der helde lît noch mêre.
1370
der van ist Hôrandes	dâ her von Tenelant.
dar bî sih ich hêrn Fruoten,	der ist mir erkant,
und hêrn Môrungen	von Wâleis dem lande.
der hât uns vil der vînde	gevüeret wider morgen zuo dem sande.
1371
noch sihe ich ir einen	mit liebten sparren rôt,
dâ stânt ôrter inne.	des koment helde in nôt:
der ist Ortwînes	dâ her von Nortrîche,
dem wir den vater sluogen.	der enkumt uns niht ze vriuntlîche.
1372
dôrt sihe ich vanen einen,	der ist wîzer danne ein swan.
guldîniu bilde	müget ir kiesen dran:
den hât mîn swiger Hilde	gesendet über ünde.
der haz der Hegelinge	wirt ê morgen âbent vil wol künde.
1373
noch sihe ich hie bî weiben	einen vanen breit
von wolkenblâwen sîden.	daz si iu geseit:
den bringet uns her Herwic	dâ her von Sêlanden,
sêbleter swebent dar inne.	er wil hie vaste rechen sînen anden.
1374
ouch kumt uns her Îrolt,	des mac ich wol jehen;
er bringet vil der Friesen,	als ich mich kan versehen,
und ouch der Holzsaezen:	daz sint ziere helde.
ez nâhet zeinem sturme,	nu wâfent iuch, ir recken, in der selde!
1375
nu wol ûf sprach Hartmuot,	'alle mîne man!
wan ich den grimmen gesten	der êre niht engân,
daz si ze mîner bürge	geriten sint sô nâhen.
wir suln si vor der porten	mit den swertslegen wol enphâhen.
1376
dô sprungen von den betten	die man noch ligende vant.
si ruoften, daz man braehte	ir lichtez wicgewant:
si wolden dem künege	helfen wern daz rîche.
wol vierzic hundert degene	garten sich dar inne sûberlîche.
1377
dô wâfent sich Ludewîc	und ouch Hartmuot.
die vrouwen ellende	dûhte ez übel und guot:
si heten in der bürge	ganzen trôst deheinen.
dô sprach einiu drunder:	'der vert lachte, den lât hiure weinen.'
1378
vil schiere kom vrou Gêrlint,	daz Ludewîges wîp.
'waz weit ir tuon, her Hartmuot?	zwiu weit ir den lîp
selbe hie verliesen	und alle dise helde?
jâ slahent iuch die vînde,	kumet ir zuo in ûz der selde.'
1379
dô sprach der ritter edele:	'muoter, gêt hin dan.
ir müget niht bewîsen	mich und mîne man.
râtet iuwern vrouwen,	die mügenz sanfte lîden,
wie si gestein ê	legen mit dem golde in die sîden.
1380
nu sult ir' sprach Hartmuot,	'waschen heizen gân
Kûdrûn mit ir meiden,	als ir ê hât getân.
ir wândet, si enhiete	niht vriunt noch ingesinde:
ir müget noch hiute schouwen,	daz uns die geste gedankent swinde.'
1381
dô sprach diu tiuvelinne:	'dâ mite diente ich dir,
daz ich si wânde twingen.	nu solt du volgen mir.
dîn burc ist sô veste:	heiz dîniu tor besliezen.
sô mügen dise geste	ir reise harte wenic her geniezen.
1382
du weist vil wol, Hartmuot,	daz si dir sint gehaz,
den du ir mâge slüege:	nu hüete dich deste baz.
du hâst vor der bürge	gesipter vriunde deheinen;
die stolzen Hegelinge	bringent ie drizic wider einen.
1383
ir sult ouch daz bedenken,	vil lieber sun mîn:
ir habet in disem hûse	brôt unde wîn
unde guote spîse	vollen zeinem jâre.
swer hie wirt gevangen,	jâ lâzent si den loesen harte undâre.'
1384
dô riet aber dem recken	daz Ludewîges wîp:
'behüetet iuwer êre,	verlies et niht den lîp.
mit armbrusten heizet	ûz den venstern schiezen
die grimmen verchwunden,	daz ez ir vriunt dâ heime beriezen.
1385
antwerc diu besten	heizet seilen wol
gegen disen gesten.	diu burc ist recken vol.
ê ich iuch mit den vînden	der swerte lâze brûchen,
ich und mîne meide	tragen iu die steine in wîzen stûchen.'
1386
dô sprach in zorne Hartmuot:	'vrouwe, nu gêt hin.
waz müget ir mir gerâten?	zwiu solde mir mîn sin?
ê man mich beslozzen	in dirre bürge vinde,
ê wolde ich sterben	dâ ûzen bî Hilden ingesinde.'
1387
dô sprach weinende	des alten küneges wîp:
'jâ tuon ichz dar umbe,	daz du dînen lîp
deste baz behüetest.	swer sich lât hiute schouwen
under dînem zeichen,	der mac uns alles guotes wol getrouwen.'
1388
nu wâfent iuch' sprach Gêrlint	'bî dem sune mîn.
houwet ûz den helmen	den heizen viures schîn.
ir sult bî dem recken	hiute wesen nâhen:
jâ sult ir die geste	mit den tiefen wunden wol enphâhen.'
1389
'mîn vrouwe saget iu rehte '	sprach dô Hartmuot,
'ir vil guote knehte.	swer ez mit willen tuot
und mir ez mit den vînden	hiute hilf et tîchen,
swaz der alten stirbet,	den wil ich die weisen alle rîchen.'
1390
gewâfent wart dar inne	der Ludewîges man
tûsent unde hundert.	ê daz si vüeren dan
ûz des küneges porte,	der bürge schuof er huote:
noch liezen si dar inne	wol vünf hundert snelle ritter guote.
1391
dô slôz man ûf die rigele	ze vier bürgetorn.
si heten niht gebresten	gegen einigem sporn.
die dem jungen künege	wolden helfen strîten,
mit helmen ûf gebunden	sach man der drizic hundert nâch im rîten.
1392
nu nâhent ez dem strîte.	der helt ûz Sturmlant
begunde ein horn blâsen,	daz manz über sant
wol von sînen kreften	hôrte drîzic mîle:
die von Hegelingen	begunden zuo dem Hilden zeichen îlen.
1393
dô blies er ander stunde.	daz tete er umbe daz,
daz ieclîcher recke	in den satel saz
und ir schar schihten	dar si wolden kêren.
man gevriesch in den strîten	nie alten recken alsô hêren.
1394
er blies ze dritten stunden	mit einer krefte grôz,
daz im der wert erwagete	und im der wâc erdôz.
Ludewîges eckesteine	möhten ûz der mûre rîsen.
dô hiez er Hôranden	der scheinen Hilden zeichen dannen wîsen.
1395
si vorhten Waten sêre.	dâ wart niemen lût:
man hôrte ein ros ergrinen.	daz Herwîges trût
stuont obene in der zinne.	statelîche rîten
sach man die küenen,	die mit Hartmuoten wolden strîten.
1396
nu was ouch komen Hartmuot	unde sîne man,
ze vlîze wol gewâfent,	ûz der porten dan.
von vremeden und von kunden	durch die venstersteine
erglasten in die helme.	jâ enwas ouch Hartmuot dâ niht eine.
1397
der bürge in vier enden	giengen zuo die schar,
allez ir gewaete	was nâch silber var;
dar zuo sach man schînen	gespenge ab lichten schilden,
si vorhten Waten den alten	alsam einen grimmen lewen wilden.
1398
die helde von den Moeren	man sunder rîten sach,
schiezen starke schefte.	vil trunzen dâ zerbrach,
dô si den strît erhuoben	mit den von Ormandîne,
dô sach man ûz ir wâfen	und ûz ir brünnen viures blicke erschînen.
1399
die von Tenemarke	zer bürge riten dan.
Îrolt der vil starke	wîsen dô began
der mûre an ein ende	sehs tûsent oder mêre.
daz wâren guote helde:	ez geschadete Ludewîgen sêre.
1400
dô reit mit sînen mannen	sunder Ortwîn.
er vuorte wol ahzic hundert.	daz muose schade sîn
dem lande ze Ormanîe	und ouch den liuten drinne.
Gêrlint und Ortrûn	stuonden weinende an der zinne.
1401
dô kom ouch her Herwic,	vroun Kûdrûnen man,
des vil manic vrouwe	grôzen schaden gewan,
dô er begunde strîten	nâch sînes herzen trûte,
von den starken wâfen	hôrte man helme erdiezen harte lûte.
1402
nu was ouch Wate der alte	mit sînen recken komen.
der helt was grimmes muotes,	daz heten si vernomen.
mit spern ungeneigten	reit er unz an die schranken,
leit was ez Gêrlinde:	dô mohte aber es Kûdrûn im gedanken.
1403
dô sach man Hartmuoten	rîten vor der schar:
ob er ein keiser waere,	sô kunde er nimmer gar
vliziclîcher werben.	ez lûhte gên der sunnen
allez sîn gewaete.	im was noch hôhes muotes unzerunnen.
1404
dô sach in Ortwîn,	der künic von Nortlant.
er sprach: 'und saget uns iemen,	dem ez si erkant,
wer ist jener recke?	er vert dem wol gelîche,
sam er mit sîner hende	an. uns welle erdienen ein künicrîche.'
1405
dô sprach ir einer drunder:	'daz ist Hartmuot.
dâ man sol helde kiesen,	dâ ist er ein ritter guot.
jâ ist ez der selbe,	der dînen vater sluoc.
er ist in allen strîten	küene und biderbe genuoc.'
1406
in zorne sprach Ortwîn:	'sô ist er mîn geschol.
er muoz mir sidherlîche	hiute gelten wol,
swaz wir von im verlorn hân,	daz sul wir hie gewinnen,
des hilfet im niht Gêrlint,	daz er immer lebende kome hinnen.'
1407
dô hete Ortwînen	Hartmuot erkorn.
swie er sîn niht erkande,	doch houte er mit den sporn
sîn ros, daz spranc vil wîte.	er reit ûf Ortwînen.
ir sper si neigten beide.	dâ von man sach lichte brünne erschînen.
1408
ir ietweder des andern	mit stiche niht vergaz:
Ortwînes ros daz guote	ûf die hâhsen saz
— der künege ungemüete	si mohten niht verdoln —,
dô sach man ouch strûchen	des künic Hartmuotes voln.
1409
diu ros ûf gesprungen,	dô huop sich michel klanc
von der künege swerten.	man mohte in sagen danc,
daz si den strît erhuoben	sô rehte ritterlîchen.
si wâren beide küene:	si wolden an einander niht entwîchen.
1410
ir beider ingesinde	kom mit geneigten spern.
daz geschadete manegem kinde.	einander sach mans wern
mit hurte tiefer wunden,	die guoten ritter, sêre.
si wâren alle biderbe	unde wurben vaste umb êre.
1411
tûsent wider tûsent	der Hartmuotes man
ze Waten ingesinde	dringen dô began.
der herre von den Stürmen	leidet ez in sêre:
swer im kom sô nâhen,	der gedâhte des dringens nimmer mêre.
1412
dô was underschüttet	diu Herwîges schar
mit zehen tûsent mannen;	die kômen zornic dar.
ê daz si iemen solde	von dem lande trîben,
si wâren in dem muote,	daz si wolden tôt dâ belîben.
1413
Herwic was ein recke.	wie wackerlîche er streit!
er diente vliziclîchen,	daz im diu schoene meit
deste holder waere.	wie im dâ gelunge,
wie möhte er des getrouwen?	ez sach allez Kûdrûn diu junge.
1414
dô bete sich gesamenet	mit den von Tenelant
Ludewîc der alte.	der truoc an sîner hant
ein vil starkez wâfen:	er stuont alsam ein herre.
er und sîne degene	kômen vür die schranken ze verre.
1415
mit den Holzsaezen	manegen ersluoc
Fruote der küene:	vrum was er genuoc.
von Wâleis ûz dem lande	Môrunc den degen jungen
vor Ludewîges bürge	sach man die erde mit den tôten tungen.
1416
Îrolt der junge	was ein ritter guot:
der houwet ûz den ringen	daz heize walbluot.
bî dem Hilden zeichen	streit daz Waten künne.
man sach diu houbet bleichen.	jâ tâten si die dicken schar vil dünne.
1417
dô samente sich her Hartmuot	und Ortwîn alsam ê.
die winde waeten verren	sô dicke nie den snê,
sô die helde tâten	diu swert an den handen.
dô wart aber Hartmuot	von dem künege ûz Nortlant bestanden.
1418
Ortwîn der junge	biderbe was genuoc.
Hartmuot der starke	in durch den heim sluoc,
daz im sîn lichtiu brünne	mit bluote gar beran.
daz sâhen vil ungerne	des küenen Ortwînes man.
1419
dô wart ein michel dringen;	gemischet wart der strît.
si sluogen durch die ringe	vil manege wunden wît.
dô sach man mit den swerten	geneiget manegez houbet.
der Tôt tet dem gelîche,	daz er die liute guoter vriunde beroubet.
1420
dô sach von Tenen Hôrant	Ortwînen wunt.
dô begunde er vrâgen,	wer iht ungesunt
gemachet in dem strîte	sînen lieben herren.
Hartmuot der lachte:	jâ wârens von einander vil unverren.
1421
Ortwîn sagete im selbe:	'daz tete her Hartmuot.'
dô gap daz Hilden zeichen	von im der degen guot,
daz er wol kunde bringen	nâch maneger grôzer êre
ze schaden sînen vînden.	des dranc er nâch Hartmuoten sêre.
1422
Hartmuot bî im hôrte	ungevüegen schal,
er sach daz bluot rîchlîchen	vliezen hin ze tal
vil manegen ûz den wunden	nider zuo den vüezen.
dô sprach der degen küene:	'den schaden sol ich mînen helden büezen.'
1423
dô kêrte er sich hin umbe	dâ er Hôranden sach.
von ir beider ellen	balde daz geschach,
daz viur von den ringen	in drâte vür diu ougen.
sich bugen swertes ecke	von ir handen ûf den helmbougen.
1424
er wundet Hôranden,	als ouch ê geschach
dem küenen Ortwînen,	daz im ein rôter bach
vlôz ûz sînen ringen	von Hartmuotes handen.
er was sô rehte biderbe:	wer solde muoten dô nâch sînen landen?
1425
gescheidet wart mit strîte	von ir beider man
in angestlîcher zîte	vil schilde wol getân
mit den guoten swerten,	diu si ûf einander sêre
vliziclîchen sluogen.	Hartmuot werte sich nâch grôzer êre.
1426
Ortwînes und Hôrandes	vriunde huoten sît
daz si ûz der schar wichen,	daz man ir wunden wît
vrumte gebunden:	des gâhten si vil sêre.
dô riten si hin widere,	von in wart gestriten sider mêre.
1427
nu lâze wir si muoten	swes si nu gezeme:
wer dâ vrume gewinne	oder wer dâ schaden neme,
daz ist nu unverscheiden	vor Ludewîges veste.
sîn volc daz werte sich grimme:	dô wurben wol nâch êre die geste.
1428
man kunde iu von in allen	gelîche niht gesagen.
der man dâ gedenket,	der wart dâ vil erslagen.
man hôrte in vier enden	der swerte vil erschellen.
man mohte dâ zen stunden	niht gescheiden die traegen noch die snellen.
1429
wate stuont niht müezic,	des ich gelouben wil.
er het ir vil gegrüezet	des lîbes an ein zil,
die von sînen handen	vor im zerhouwen lâgen.
daz wolden rechen gerne	ûz Ormanîe der guoten ritter mâgen.
1430
nu was komen Herwic,	als uns ist geseit,
gegen Ludewîge	mit einer schar breit,
aldâ er sach strîten	Ludewîgen den alten,
daz er und sîne degene	wunder vil der guoten recken valten.
1431
lûte ruofte dô Herwic:	'ist iemen daz erkant,
wer ist jener alte?	der hât mit sîn er hant
sô vil der tiefen wunden	al hie gehouwen
von sînem starken ellen,	daz ez beweinen müezen schoene vrouwen.'
1432
daz erhôrte Ludewîc,	der voget ûz Ormanîn.
'wer ist der in der herte	hât gevrâget mîn?
ich bin geheizen Ludewîc	von Ormanîerîche.
möhte ich mit den vînden	gestriten wol, daz taete ich sicherlîche.'
1433
dô sprach der künic Herwic:	'du hâst verdienet daz,
nu du heizest Ludewîc,	daz ich dir bin gehaz,
wan du uns vil der helde	slüege ûf einem sande.
von dir erstarp ouch Hetele.	der was ein küener helt ze sîner hande.
1434
du taete uns schaden mêre,	ê daz du schiedest dan:
den klage wir noch vil sêre.	dâ von ich gewan
sô vil der herzen swaere.	du staele mir mîn vrouwen,
ûf dem Wülpensande	du lieze mîner helde vil verhouwen.
1435
ich bin geheizen Herwic:	du naeme mir mîn wîp;
die muost du geben widere,	oder unser eines lîp
muoz dar umbe sterben,	dar zuo der recken mêre.'
dô sprach der künic Ludewîc:	'du drôust mir in mîm lande gar ze sêre.
1436
du hâst mir dîne bihte	âne nôt getân,
ir ist hie noch mêre,	den ich genomen hân
ir guot und ir mâge.	des solt du mir getrouwen,
ich sol ez alsô schaffen,	daz du nimmer küssest dîne vrouwen.'
1437
nâch dem selben worte	liefens einander an,
die zwêne rîche künege.	swer ez dâ guot gewan,
der holte ez unsanfte.	von ir ungelinge
von ir beider zeichen	sach man manegen guoten zuo in springen.
1438
Herwic was biderbe	und küene genuoc:
der vater Hartmuotes	den jungen künic sluoc,
daz er begunde streichen	vor Ludewîges handen.
er wolde in hân gescheiden	von sînem lîbe und von sînen landen.
1439
waeren niht sô nâhen	die Herwîges man,
die im mit vlîze hulfen,	sô kunde er nimmer dan
âne sîn ende	von im sîn gescheiden.
alsô kunde Ludewîc	der alte den kinden bî im leiden.
1440
die hulfen Herwîge,	daz er dâ genas,
dô er sînes valles	wider komen was,
dô blihte er harte schiere	ze berge gegen der zinne,
ob er indert saehe	dar inne stân sins herzen triutinne.
1441
er gedâhte in sînem muote:	'ach wie ist mir geschehen!
ob mîn vrouwe Kûdrûn	ditze hât gesehen,
gelebe wir daz immer,	daz ich si sol umbevâhen,
si tuot mir itewîze,	sô ich bî mîner vrouwen lige nâhen.
1442
daz mich der alte grîse	hie nider hât geslagen,
des scham ich mich vil sêre.'	sîn zeichen hiez er tragen
hin nâch Ludewîge	mit den sînen mannen.
si drungen nâch den vînden:	si wolden in lâzen niht von dannen.
1443
Ludewîc der hôrte	hinder im den schal,
dô kêrte er wider umbe	gegen im ze tal.
dô hôrte man ûf den helmen	swerte vil erdiezen.
die dâ bî in wâren,	die mohte ir beider grimmes wol verdriezen.
1444
si sprungen zuo einander	durch strît in daz wal,
dâ herte wider herte	in dem sturme ergal.
waz dâ liute ersturbe	wer kunde des wizzen aht?
des vlos den sige Ludewîc,	dô er mit Herwîge vaht.
1445
der Kûdrûnen vriedel	under helme über rant
erreichte Ludewîgen	mit ellenthafter hant.
er wundet in sô sêre,	daz er niht mohte gestrîten.
dâ von muose Ludewîc	des grimmen tôdes dâ vor im erbîten.
1446
er sluoc im ander stunde	einen vesten swanc,
daz des küneges houbet	von der ahsel spranc.
er hete im wol vergolten,	daz er was gevallen.
der künic was erstorben:	des muosen schoeniu ougen überwallen.
1447
die Ludewîges helde	daz zeichen wolden tragen
wider zuo der selde,	als er wart erslagen.
dô wâren si der porten	komen gar ze verre.
dô nam man in daz zeichen,	ir muose vil belîben bî ir herren.
1448
dô sach der bürge huote,	wie er verlôs den lîp.
dô hôrte man weinen	man unde wîp:
si westen wol erstorben	den alten künic rîchen.
Kûdrûn und ir gesinde	stuonden dâ ze hove angestlîchen.
1449
dô weste niht der maere	der degen Hartmuot,
daz er erslagen waere	mit manegem ritter guot,
sîn vater und manic tumbe,	die ir mâge wâren,
dô hôrte er in der bürge	lûte schrien und angestlîche gebâren.
1450
dô sprach ze sînen mannen	Hartmuot der degen:
'nu wendet mit mir dannen.	ir ist hie vil gelegen,
die uns slahen wolden	in dem herten strîte.
nu kêret zuo der bürge,	unze daz wir bezzer wîle erbîten.'
1451
des wolden si im volgen:	si kêrten dâ er reit,
si hetenz überhouwen	mit grôzer arbeit
dâ si gewesen wâren	bî grimmen vîanden.
daz bluot vlôz wîten	von Hartmuotes und sîner recken banden.
1452
'ir habet mir sô gedienet,	ir mâge und mîne man,
daz ich iu mîner erbe	mit mir ze habene gân.
nu sul wir rîten ruowen	zuo der veste mîn.
man tuot uns ûf die porten	und schenket uns mete unde wîn.'
1453
si heten vil der degene	hinder in verlân.
waer daz lant ir eigen,	si enkunden hân getân
niht bezzers in dem strîte.	si wolden zuo der selde:
wate sûmte si starke	mit tûsent sîner helde.
1454
er was unz an die porte	mit grôzer kraft gegân,
dâ Hartmuot hin wolde	mit den sînen man.
si kundenz niht verenden;	in zouwet es harte kleine:
si sâhen ab der mûre	werfen mit manegem lassteine.
1455
ûf Waten und sîne helde	sô grimme man dâ schôz,
sam von dem lufte nidere	gienge ein schûr grôz.
wer lebete oder sturbe,	daz ahte Waten ringe:
wie er den sige erwurbe,	dar nâch stuont aller sîn gedinge.
1456
dô sach in her Hartmuot	vor dem bürgetor.
er sprach: 'daz wir verdienet	haben hie bevor,
daz wil sich waerlîche	hiute an uns erzeigen.
die gesunden haben sorge:	jâ lît hie vaste vil der veigen.
1457
daz ich der starken vînde	ie sô vil gewan,
daz müet mich nu vil sêre.	Waten und sîne man
den sihe ich an dem bürgetor	dort, mit swerten houwen.
sol er sîn portenaere,	sô mac ich im deheines guotes niht getrouwen.'
1458
ir recken, schouwet selbe:	die mûre und ouch diu tor
sint vaste umbezimbert;	dâ ist vil der helde vor.
in allen vier enden	bouwent si die strâze.
Kûdrûnen vriunde	werbent nâch dem sige âne mâze.
1459
daz müget ir selbe kiesen.	als ich kan gesehen,
wir müezen vriunde vliesen.	swie daz si geschehen,
vor der ûzern porten	sih ich von Môrrîchen
wagen des landes zeichen.	daz werent mîne helde vliziclîchen.
1460
dâ bî in der naehsten	sih ich den vînden mîn
den wint diu ôrter rüeren:	dâ ist her Ortwîn,
vroun Kûdrûnen bruoder;	der wil hie dienen vrouwen.
ê im der muot erkuolet,	sô wirt niere helme hie verhouwen.
1461
sô sihe ich bî der dritten	Herwîgen stân:
dem hânt dar gevolget	wol siben tûsent man.
er dienet ritterlîche	nâch sînes herzen wünne.
daz siht hiute gerne	vrou Kûdrûn und ouch der meide künne.
1462
nu hât sich versûmet	mînes herzen sin.
nu enweiz ich wâ ich wende	mit mînen recken hin,
sît daz Wate der alte	zer vierden porten strîtet.
mîn gesinde drinne	daz waen et sîner vriunde lange bitet.
1463
ich mac niht gevliegen:	veder hân ich niht.
ich enmac ouch under die erde,	swaz anders mir geschiht.
wir mügen ouch vor den vînden	niht zuo den ünden.
den besten mînen willen	wil ich iu bescheidenlîchen künden.'
1464
sîn mac niht anders werden,	ir edele ritter guot:
erbeizet zuo der erden	und houwet heizez bluot
ûz den lichten ringen:	des lât iuch niht verdriezen.'
si stuonden von den satelen,	diu ros si hinder sich ze rücke stiezen.
1465
'nu zuo, ir maeren helde!'	sprach dô Hartmuot.
'gêt nâher zuo der selde.	ez si übel oder guot,
ich muoz ze Waten dem alten,	swie mir dâ gelinge,
ich wil doch versuochen,	ob ich in hôher von der porten bringe,'
1466
mit ûf geworfen swerten	begunden si dô gân,
Hartmuot der küene	und ouch sîne man.
dô bestuont er Waten den grimmen:	daz was dem helde ein êre.
dô hôrte man swert erklingen;	dô starp guoter ritter deste mêre.
1467
dô Wate Hartmuoten	zuo im dringen sach
— den vanen truoc her Fruote —,	der helt mit zorne sprach:
'jâ hoere ich zuo uns vaste	vil guoter swerte erklingen,
vil lieber neve Fruote,	lât iuch niemen von der porten dringen.
1468
Wate vil zorniclîchen	lief Hartmuoten an.
dô wolde im niht entwîchen	der waetliche man.
der melm gên der sunnen	truobte harte sêre:
ir kraft was unzerunnen.	Hartmuot und Wate wurben vaste umb êre.
1469
waz half daz man sagete,	sehs und zweinzic manne kraft
hiete Wate der alte?	doch gap im ritterschaft
Hartmuot der junge,	der herre von Ormanîne.
swie die geste taeten,	er versuochte ez vaste mit den sînen.
1470
er was ouch ein recke	und tete in strîte wol.
der berc von den tôten	lac allenthalben vol.
ez was ein michel wunder,	daz dâ Hartmuot
von Waten niht muose sterben:	vil grimme was der recke gemuot.
1471
er hôrte lûte erschrien	daz Ludewîges wîp:
sîn muoter Gêrlint klagete	des alten küneges lîp.
si bôt vil grôze miete,	daz manz iht vertrüege:
daz man Kûdrûnen	mit allem ir ingesinde slüege.
1472
dô lief ein ungetriuwer	— dem was liep daz guot —,
daz er beswârte sêre	der schoenen vrouwen muot,
dâ bî einander sâzen	diu kint von Hegelingen.
durch die vil hôhen miete	wolde er si alle von dem lebene bringen.
1473
als diu Hilden tohter	sach blôz ein wâfen tragen
gegen ir zorniclîche,	si mohte balde klagen,
daz si sô verre waere	von ir vriunden komen.
und saehe ez niht her Hartmuot,	ir waere ir houbet dâ benomen.
1474
si vergaz ein teil ir zühte.	wie lûte si schrê,
als si ersterben solde!	diu angest tete ir wê.
sam tâten die andern vrouwen,	die dâ bî ir wâren
obene in den venstern.	jâ sach man si vil übele gebâren.
1475
si erkande bî ir stimme	der recke Hartmuot:
in wundert waz ir waere.	dô sach der helt guot
einen ungezogenen	mit dem swerte stân,
als er si slahen wolde.	der helt rüefen dô began:
1476
'wer sît ir, zage boese?	waz twinget iuch des nôt,,
daz ir die juncvrouwen	wellet slahen tôt?
und slüeget ir ir eine,	iuwer leben waer zergangen,
allez iuwer künne	müese sicherlîchen drumbe hangen.'
1477
jener spranc ûf hôher:	er vorhte sînen zorn.
dô hete der künic selbe	nâch den lîp verlorn,
daz er die gotes arme	durch sîne triuwe trôste,
dô er selbe stuont in sorge,	daz er si von dem grimmen tôde erlôste.
1478
schiere kom Ortrûn	von Ormanîelant,
diu junge küniginne,	mit windender hant
ze vroun Kûdrûnen.	diu junge maget hêre
viel ir vür die vüeze;	si klagete ir vater Ludewîgen sêre.
1479
si sprach: 'lâ dich erbarmen,	edelez vürsten kint,.
sô vil mîner mâge,	die hie erstorben sint,
und gedenke wie dir waere,	dô man sluoc den vater dînen.
edele küniginne,	nu hân ich hiute vlorn hie den mînen.
1480
nu sich, maget edele,	ditz ist ein grôziu nôt:
mîn vater und mîne mâge	sint aller meiste tôt.
nu stât der recke Hartmuot	vor Waten in grôzer vreise.
verliuse ich den bruoder,	sô muoz ich immer mêre sîn ein weise.
1481
und lâz mich des geniezen'	sprach daz edele kint,
'sô dich niemen klagete	aller die hie sint,
du hetest vriunde niht mêre	danne mich vil eine,
swaz dir iemen taete,	sô muose ich zallen zîten umb dich weinen.'
1482
dô sprach diu Hilden tohter:	'des hâst du vil getân:
ich enweiz niht wie ich müge	den strît understân,
ich enwaere danne ein recke,	daz ich wâfen trüege:
sô schiede ich ez gerne,	daz dir dînen bruoder niemen slüege.'
1483
si weinte angestlîche.	wie tiure si si bat,
unze daz vrou Kûdrûn	in daz venster trat.
si winkte mit der hende	und vrâgte si der maere,
ob von ir vater lande	iemen guoter dar komen waere.
1484
des antwurte Herwic,	ein edel ritter guot:
'wer sît ir, juncvrouwe,	diu uns vrâgen tuot?
hie ist von Hegelingen	nâhen bî iu niemen.
wir sîn her von Sêwen.	nu saget uns, maget, waz sul wir iu dienen?'
1485
dô sprach daz küneges künne:	'ich wolde iuch gerne biten,
möhtet irz gescheiden	— hie ist doch vil gestriten —,
daz wolde ich immer dienen,	swer mich des getrôste,
daz er mir Hartmuoten	ûz strîte von dem alten Waten erlôste.'
1486
dô sprach gezogenlîche	der helt von Sêlant:
'nu saget mir, maget edele,	wie sît ir genant?'
si sprach: 'ich heize Kûdrûn	und bin daz Hagenen künne.
swie rîche ich vor ie waere,	sô sihe ich hie vil wênec deheine wünne.'
1487
er sprach: 'sît ir ez Kûdrûn,	diu liebe vrouwe mîn,
sô sol ich iu gerne	immer diende sîn:
sô bin ich ez Herwic	und kôs iuch mir ze trôste,
und lâze iuch daz wol schouwen,	daz ich iuch von allen sorgen gerne lôste.'
1488
si sprach: 'weit ir mir dienen,	ritter ûz erkorn,
sô sult ir uns vervâhen	daz vür deheinen zorn:
mich bitent vliziclîche	hie die schoenen meide,
daz man Hartmuoten	ûz strîte von dem alten Waten scheide.'
1489
'daz sol ich gerne leisten,	vil liebiu vrouwe mîn.'
lûte ruofte dô Herwic	zuo den recken sîn:
'nu sult ir mîniu zeichen	hin ze Waten wenden.'
dô sach man sêre dringen	Herwîge und alle sîne venden.
1490
ein herter vrouwen dienest	wart von im getân.
Herwic ruofte dô lûte	den alten Waten an.
er sprach: 'Wate, lieber vriunt,	gunnet daz man scheide
disen strît vil swinden:	des bitent iuch die minniclîche meide.'
1491
wate sprach mit zorne:	'her Herwic, nu gêt hin!
solde ich nu vrouwen volgen,	war taete ich mînen sin?
solde ich sparn die vînde,	daz taete ich ûf mich selben,
des volge ich iu nimmer:	Hartmuot muoz sîner vrevele engelden.'
1492
durch Kûdrûnen liebe	zuo in beiden spranc
Herwic der küene.	der swerte vil erklanc.
wate was erzürnet:	er kunde daz wol leiden,
daz in strîte niemen	in von sînen vînden torste scheiden.
1493
dô sluoc er Herwîgen	einen tiuren slac,
der dâ wolde scheiden,	daz er vor im lac.
dô sprungen sîne recken	und hulfen im von dannen:
genomen wart dô Hartmuot	vor Herwîge und vor allen sînen mannen.
1494
wate tobete sêre.	dô gienc er vür den sal
gegen der porten hôher,	manegen enden schal
hôrte man von weinen	und von swerte klingen.
Hartmuot was gevangen:	dô muose ouch sînen helden misselingen.
1495
dô vienc man bî dem künege	ahzic ritter guot.
die andern sluoc man alle.	dô wart Hartmuot
ûf ir schif gevüeret	und beslozzen sêre.
ez hete noch niht ende:	si muosen lîden arbeit dannoch mêre.
1496
swie dicke man si schiede	von der bürge dan
mit würfen und mit schüzzen,	Wate doch gewan
die burc mit grimmen stürmen.	sît wurden ûf gehouwen
die rigele ûz der mûre:	daz beweinten dô die schoenen vrouwen.
1497
Hôrant von Tenemarke	daz Hilden zeichen truoc.
im volgten vil der recken	— der hete er dâ genuoc —
vür einen palas wîten	ûf den turn allerbesten,
den die Hegelinge	indert in der bürge dâ westen.
1498
diu burc was gewunnen,	als ich iu hân geseit;
die si dâ inne vunden,	den was grimme leit.
dô sach man nâch gewinne	dringen vil der recken,
dô sprach Wate der grimme:	'wâ sint nu die knehte mit den secken?'
1499
dô wart ûf gehouwen	vil manegez rîchez gadem.
dô hôrte man dar inne	vil ungevüegen kradem.
ouch wâren die geste	niht in einem muote:
genuoge sluogen wunden,	die andern wurben vaste nâch dem guote.
1500
si vuorten ûz der bürge,	sô wir hoeren sagen,
daz ez zwêne kiele	kunden niht getragen,
von phelle und ouch von sîden,	von silber und von golde,
der ûf tiefer vlüete	sîniu schef dâ mite laden wolde.
1501
in der bürge niemen	deheiner vreude gezam.
daz volc von dem lande	grôzen schaden nam.
dô sluoc man dar inne	man unde wîp.
der kindel in den wiegen	verlôs dâ manegez sînen lîp.
1502
Îrolt der starke	ruofte Waten an:
'jâ hânt iu den tiuvel	diu jungen kint getân;
si hânt an unsern mâgen	deheiner slahte schulde.
durch die gotes êre	sô lât die armen weisen haben hulde!'
1503
dô sprach Wate der alte:	'du hâst kindes muot.
die in der wiegen weinent,	diuhte dich daz guot,
daz ich si leben lieze?	solden die erwahsen,
sô wolde ich in niht mêre	getrouwen danne einem wilden Sahsen.'
1504
bluot in manegem ende	ûz den gademen vlôz.
ir vriunde die daz sâhen,	wie sêre si des verdrôz!
dô kom vil sorclîche	Ortrûn diu hêre
dâ si sach Kûdrûnen.	jâ vorhte si des schaden dannoch mêre.
1505
dô neigte si ir houbet	vür die schoenen meit.
si sprach: 'vrou Kûdrûn,	lâz dir wesen leit
mînen starken jâmer	und lâ mich niht verderben,
ezn stâ an dînen tugenden,	ich muoz von dînen vriunden hie ersterben.'
1506
'ich wil dich nern gerne,	ob ich mit rehte kan,
wan ich dir aller êren	und alles guotes gân.
ich wil dir vride gewinnen:	du maht lebendec wol belîben.
sô stânt mir deste nâher	mit dînen meiden unde wîben.'
1507
'daz tuon ich harte gerne'	sprach Ortrûn daz kint.
mit drî und drizic meiden	ernerte si si sint.
zwêne und sehzic degene	stuonden bî den vrouwen:
waeren die niht entwîchen,	si waeren von den gesten gar zerhouwen.
1508
dô wart ir Wate der alte	in der zît gewar.
mit grisgramenden zenden	zehant huop er sich dar,
mit schînenden ougen,	mit ellenbreitem barte;
alle die dâ wâren	vorhten den helt von den Stürmen harte.
1509
mit bluote was er berunnen,	naz was sîn wât.
swie gerne in saehe Kûdrûn,	doch hiete si des rât,
daz er sô tobelîche	gegen ir iht gienge.
jâ waen ich ir deheiniu	vor vorhte in iht minneclîche enphienge.
1510
niwan Kûdrûn diu vrouwe	gienc dâ si Waten sach.
diu reine Hilden tohter	sorgende sprach:
'willekomen Wate!	wie gerne ich dich saehe,
ob sô vil der diete	hie niht leide von dir geschaehe.'
1511
'genâde, maget edele!	sît ir daz Hilden kint?
wer sint dise vrouwen,	die iu sô nâhen sint?'
dô sprach diu vrouwe Kûdrûn:	'daz ist Ortrûn diu hêre:
der soltu, Wate, schonen.	jâ vürhtent dich die vrouwen harte sêre.
1512
daz ander sint die armen,	die mit mir über mer
von Hegelingen brâhte	daz Ludewîges her.
ir sît von bluote sweizic:	nu gêt uns niht sô nâhen,
swaz ir uns danne gedienet,	daz lâze wir arme uns niht versmâhen.'
1513
wate gienc ûf hôher,	dâ er Herwîgen vant
unde Ortwînen,	den künic von Nortlant,
Îrolden und Môrungen	und ouch von Tenen Fruoten.
die wâren vil unmüezic:	si sluogen dô vil manegen ritter guoten.
1514
vil schiere kom Hergart,	diu junge herzogîn.
'Kûdrûn vil edele,	du solt genaedic sîn
mir vil armen wîbe.	gedenke daz wir hiezen
und sîn noch dîn gesinde.	des lâz mich, edele vrouwe, geniezen.'
1515
in zorne sprach vrou Kûdrûn:	'ir sult ûf hôher stân:
allez daz uns armen	leides wart getân,
daz klagetet ir vil kleine	und ahte ez iuch ringe,
nu ist ouch mir unmaere,	ob iu übele oder wol gelinge.'
1516
dô kom ouch dar gegâhet	diu übele Gêrlint.
diu bôt sich vür eigen	vür daz Hilden kint.
'nu ner uns, küniginne,	vor Waten und sînen mannen:
ezn stâ an dir al eine,	ich waene ez si umbe mich ergangen. '
1517
dô sprach diu Hilden tohter:	'nu hoere ich iuch gern,
daz ich iu si genaedic:	wie möhte ich iuch gewern?
ich bat iuch nie zer weide,	des ir mir woldet volgen.
ir wart mir ungenaedic;	des müese ich iu von herzen sîn erbolgen.
1518
iedoch stât mir dar nâher	under diu magedîn.'
noch suochte Wate der alte	die widerwarten sîn,
wâ er vinden solde	die übelen Gêrlinde,
bî vroun Kûdrûnen	was diu tiuvelinne mit ir ingesinde.
1519
wate grimmiclîche	gienc hin vür den sal.
er sprach: 'mîn vrou Kûdrûn,	gebt mir her ze tal
Gêrlint mit ir vriunden,	die iuch der wesche nôten,
und der selben künne,	die uns dâ heime manegen recken tôten.'
1520
dô sprach diu minniclîche:	'der ist deheiniu hie.'
wate in sînem zorne	dô dar nâher gie.
er sprach: 'weit ir niht balde	mir die rehten zeigen,
die vremeden zuo den vriunden	müezen alle wesen hie die veigen.'
1521
er zurnte harte sêre;	des wurden si gewar.
im winkte ein maget schoene	mit den ougen dar:
dâ von er bekande	die übelen tiuvelinne.
er sprach: 'sagt mir, vrou Gêrlint,	wellet ir der weschen mer gewinnen?'
1522
er vienc si bî der hende	und zôch si von in dan.
Gêrlint diu übele	trûren dô began.
er sprach in tobeheite:	'küniginne hêre,
iu sol mîn juncvrouwe	iuwer kleider waschen nimmer mêre.'
1523
als er si danne brâhte	vür des sales tür.
wes er mit ir gedâhte,	des goumten si hin vür.
er vienc si bî dem hâre:	wer het im daz erloubet?
sîn zürnen was vil swaere:	er sluoc der küniginne ab daz houbet.
1524
die vrouwen schrirn alle:	des twanc si michel ser.
dô gienc er hin widere.	er sprach: 'wâ ist ir mer,
die ir dâ heizent sippe?	die sult ir mir zeigen.
ir deheiniu ist sô tiure,	ine getürre ir houbet wol geneigen.'
1525
dô sprach weinende	daz Hetelen kint:
'nu lât mîn geniezen	die durch vride sint
her ze mir gegangen	und bî mir gestanden.
daz ist Ortrûn diu edele	und ir gesinde von Ormanîelande.'
1526
den si het vride gewunnen,	die hiez man hôher stân.
wate vil ungüetlîche	vrâgen began:
wâ ist mîn vrou Hergart,	diu junge herzoginne,
diu in disem lande	des küneges schenken nam durch hôhe minne?'
1527
si wolden si niht zeigen;	dô trat er aber dar.
er sprach: 'ob ir vür eigen	hetet diu rîche gar,
solher hôchverte	wer möhte iu der getrouwen?
ir hât gedienet kleine	in disem lande Kûdrûn iuwer vrouwen.'
1528
si ruoften al gemeine:	'lât si noch genesen.'
dô sprach Wate der alte:	'des enmac niht wesen.
ich bin kameraere:	sus kan ich vrouwen ziehen.'
er sluoc ir ab daz houbet.	si begunden hinder Kûdrûnen vliehen.
1529
si heten nu gemuozet	des strîtes über al.
dô kom der künic Herwic	ze Ludewîges sal
mit sînen walgenôzen	nâch bluote var gegangen,
als in ersach vrou Kûdrûn,	dô wart er von ir minniclîche enphangen.
1530
sîn swert der degen schiere	von der sîten bant.
dô schutte er sîn gewaefen	in des schildes rant.
dô gie er isenvarwer	dâ stân zuo der vrouwen.
er hete durch ir liebe	daz wal des tages dicke durchhouwen.
1531
dô kom ouch her Ortwîn,	der künic von Nortlant,
Îrolt unde Môrunc	die zugen ab ir gewant,
durch daz si erkuolten	ûzerhalp der ringe,
si wolden zuo den vrouwen:	die helde heten des guot gedinge.
1532
dô sich erhouwen hieten	die helde ûz Tenelant,
ir schilde und ouch ir wâfen	leitens ûz der hant.
ir helme si ab gebunden	und giengen zuo den meiden,
ein gruoz vil minneclîche	wart von Kûdrûnen in beiden.
1533
Îrolt unde Môrunc	nigen sâ zehant
der minniclîchen meide,	wie schiere man daz bevant,
daz si gerne saehe	daz edele ingesinde!
dô was wol ze muote	ûz Hegelingelant dem Hilden kinde.
1534
der künic von den Moeren	der wart enphangen wol,
als man guote recken	nâch arbeite sol.
gedanket von der vrouwen	wart dô dem guoten herren,
daz er von Karadîne	hete gehervertet alsô verre.
1535
dô wurden ze râte	die herren und ir man,
sît man Kassiâne	die guoten burc gewan,
dâ mite waeren betwungen	die bürge zuo den landen,
dô riet Wate der alte,	daz man turne unde palas brande.
1536
dô sprach von Tenen Fruote:	'des enmac niht sîn:
hie inne muoz belîben	diu liebe vrouwe mîn.
nu heizet ir die tôten	tragen ûz den selden,
ez mac diu mîn gewerren	hie ze lande allen disen helden.
1537
diu burc ist vil veste,	wît unde guot.
heizet ab den wenden	waschen daz bluot,
daz iht verdrieze hinne	die minniclîchen vrouwen.
daz Hartmuotes erbe	sul wir baz mit herverte schouwen.
1538
des wart gevolget Fruoten:	wîse was er genuoc.
vil manegen ritter guoten	man ûz der bürge truoc
sêre verhouwen	mit tiefen verchwunden.
dô vuortens zuo den ünden	die si erslagen vor der porten vunden.
1539
der bevulhen si dem wâge	vier tûsent oder baz.
daz was ein ungenâde;	Fruote riet in daz.
des si phlegen solden,	daz was noch unergangen.
in Ludewîges bürge	wart Ortrûn diu küniginne gevangen.
1540
zwene und sehzic degene	und drizic meidîn
die wurden mit ir gisel.	dô sprach diu künigîn:
'der meide wil ich hüeten:	si nâmen vride den mînen.
nu tuo, swaz er welle,	Wate mit den giselen sînen.'
1541
dô bevalch man Hôrande,	dem helde ûz Tenelant,
swaz man der gisel	ze Kassiâne vant.
man bevalch im Kûdrûnen,	si und alle ir vrouwen.
er was ir naehstez künne:	man mohte im deste baz getrouwen.
1542
man hiez in wesen meister	der vierzic turne guot
und sehzic sale wîter,	die stuonden bî der vluot,
und drî palas rîche.	ein herre er was dar inne.
dô muose noch belîben	bî im vrou Kûdrûn diu küniginne.
1543
dô hiez man schaffen huote	den schiffen bî der vluot.
hin wider wart gevüeret	der degen Hartmuot
ûf Kassiânen	ze andern sînen mâgen,
dâ die schoenen vrouwen	ouch bî den beiden dô gevangen lâgen.
1544
man hiez ir alsô hüeten,	daz niemen in entran,
und liez ouch dâ belîben	tûsent küener man,
die mit dem Tenemarken	huoten dâ der vrouwen.
wate und der küene Fruote	wolden noch der schilde mer zerhouwen.
1545
dô schihtens ir reise	mit drizic tûsent man.
daz viur allenthalben	hiez man werfen an:
dô begunde ir erbe	an manegen enden brinnen.
dem edelen Hartmuote	wart êrste leit von allen sînen sinnen.
1546
die helde von den Stürmen	und von Tenelant
die brâchen guote bürge,	swaz man der dâ vant.
si nâmen roup den meisten,	den iemen möhte bringen,
vil manic schoeniu vrouwe	wart dâ gevangen von den Hegelingen.
1547
ê daz die Hilden vriunde	ir reise kêrten wider,
sehs und zweinzic bürge	brâchen si dâ nider.
si wâren ir urliuges	vil stolz unde hêre.
sît brâhten si vroun Hilden	tûsent gisel oder dannoch mêre.
1548
man sach daz Hilden zeichen	durch Ormanîelant
vüeren unverirret	hin wider ûf den sant,
dâ si heten lâzen	die edelen maget hêre.
si wolden dannen scheiden:	si muoten dâ ze wesene niht mêre.
1549
die si dâ heten lâzen	in Hartmuotes sal,
die riten gên ir vriunden	ûz der burc ze tal.
si gruozten williclîche	die alten zuo den jungen,
dô sprâchen die von Tenelant:	'wie ist iu jungelingen dort gelungen?'
1550
dô sprach der künic Ortwîn:	'daz ist die mâze wol,
daz ichs mînen vriunden	immer danken sol:
wir haben in vergolten	mit strîte alsô sêre,
swaz si uns ie getâten,	wir nâmen in wol tûsent stunde mêre.'
1551
dô sprach Wate der alte:	'wen wellen wir hie lân,
der uns phlege der lande?	nu heizet abe gân
die schoenen Kûdrûnen.	wir suln gên Hegelingen
und lâzen dâ vroun Hilden	sehen waz wir ir ze lande bringen.'
1552
dô sprachens al gemeine,	alt unde junc:
'dâ tuon die Tene Hôrant	unde Môrunc.
die suln hie belîben	mit tûsent küenen mannen.'
dô muosen si in volgen.	die herren vuorten manegen gisel dannen.
1553
dô si ze Hegelingen	der verte heten muot,
si brâhten zuo den schiffen	maneger slahte guot,
daz si genomen hieten	und daz was ir eigen.
die vremedez gerne brâhten,	die mohten ez dâ heime vil wol zeigen.
1554
dô hiez man Hartmuoten	ûz dem sale gân,
den recken vil guoten,	mit vünf hundert man,
die alle gisel hiezen	und wâren dâ gevangen.
si gewunnen bî ir vînden	sider manegen ziehen tac vil langen.
1555
man brâhte ouch Ortrûnen,	die hêrlîchen meit,
mit ir ingesinde	ze grôzer arbeit.
dô si von dem lande	und von vriunden muosen scheiden,
dô mohtens wol gelouben,	wie Kûdrûnen waere und al ir meiden.
1556
die gevangen liute	vuorten si dan.
die gewunnen bürge	wurden undertân
Môrunge und Hôrande.	dô si vuoren dannen,
si beliben in Ormanîe	wol mit tûsent ir vil küenen mannen.
1557
'nu baete ich iuch gerne'	sprach dô Hartmuot,
'dar umbe wolde ich setzen	lîp unde guot,
daz ir mich ledic lâzet	in mînes vater rîche.'
dô sprach Wate der alte:	'jâ behalten wir iuch selben vliziclîche.
1558
ich enweiz von weihen schulden	ez mîn neve tuot,
der im gerne naeme	lîp unde guot,
daz er den heizet vüeren	heim ze sînem lande,
wold er, ich schüefe ez schiere,	daz er gesorgte nimmer in den banden.'
1559
'waz hulfe, ob wir si alle'	sprach her Ortwîn,
'hie ze tôde slüegen	in dem lande sîn?
Hartmuot und sîn gesinde	die suln baz gedingen:
ich wil si lobelîche	ze lande mîner muoter Hilden bringen.'
1560
si brâhten zuo den schiffen	den kreftigen rât,
mit golde und mit gesteine	ros unde wât.
des si gedingen hieten,	dar an was in gelungen,
die vor vil harte klageten,	man hôrte daz si sumelîche sungen.
1561
sich huop mit vreuden widere	daz Hegelinge her.
die si mit in hieten	gevüeret über mer,
der muose dâ belîben	toter unde wunder
driu tûsent unde mêre.	si klageten ir vriunt heimlîche besunder.
1562
ir schif giengen ebene,	ir winde wâren guot.
die den roup dâ brâhten,	die wâren hôch gemuot.
swie si daz gevuogten,	ir boten si vür sanden,
die braehten disiu maere	Hilden heim ze Hegelingelande.
1563
si gâhten swaz si mohten,	daz wil ich iu sagen,
si kômen heim ze lande	in neizwie manegen tagen.
ez gehôrte vrou Hilde	nie sô liebiu maere,
dô si ir daz sageten,	daz der künic Ludewîc erslagen waere.
1564
si sprach: 'wie lebet	mîn tohter und ir meidîn?'
'dâ bringet iu her Herwic	die triutinne sîn.
ez darf niht baz gelingen	helden alsô guoten:
si bringent Ortrûnen	gevangen und ir bruoder Hartmuoten.'
1565
'daz sint mir liebiu maere'	sprach daz edele wîp.
'ez was von in bekumbert	mîn herze und ouch mîn lîp.
ich solz in itewizen,	gesehent si mîn ougen:
michel ungemüete	leit ich offenlîchen unde tougen.
1566
ir boten, ich sol iu lônen	daz ir mir hât geseit,
dâ von mir ist entwîchen	mîn ungevüegez leit.
ich gibe iu golt daz mîne	und tuon daz billîchen.'
si sprâchen: 'vrouwe hêre,	jâ müget ir uns sanfte gerîchen.
1567
daz wir dâ hân geroubet,	des bringen wir sô vil:
wir tuonz niht durch vers mâhen,	swer daz iuwer niht enwil.
jâ sint unser kocken	von lichtem golde swaere.
wir hân ûf unser verte	lâzen vil guote kameraere.'
1568
vrou Hilde hiez bereiten,	sô sîz hete vernomen,
gên ir vil lieben gesten,	die ir dâ solden komen,
trinken unde spîse,	stüele zuo den benken,
dâ si dâ sitzen solden.	jâ kunde sîs nâch êren wol bedenken.
1569
die ze Matelâne	unmüezic man dô vant,
dâ nidene ûf dem plane	und ouch ûf dem sant
schuof man zimberliute.	die îlten des vil sêre,
wie dâ nâch êren saeze	Herwic und Kûdrûn diu hêre.
1570
ich kan iu niht bescheiden,	ob si ûf dem mer
heten iht der leide.	daz Ortwînes her
was in sehs wochen	hin ze Matelâne.
si brâhten dar die vrouwen	unde manege maget wol getâne.
1571
dô si nu komen wâren	— daz saget man uns vür wâr —,
dô hete ir herverten	geweret wol ein jâr:
ez was in einem meien,	dô si ir gisel brâhten.
nu vuoren si mit schalle,	swie si maneger arbeit gedâhten.
1572
dô man nu ir kocken	vor Matelâne sach,
von trumben und pusûnen	hôrte man manegen krach,
vloiten unde blasen,	ûf sumber sêre bôzen.
waten schif des alten	wâren nu in eine habe gestôzen.
1573
dô kômen ouch die degene	ûz Nortlant.
dô reit in en gegen ê	nider ûf den sant
vrou Hilde und ir gesinde	ûz der burc ze Matelâne.
dô was ouch komen Kûdrûn:	dâ sach man manege vrouwen wol getâne.
1574
si wâren von den rossen	gestanden ûf den sant,
vrou Hilde und ir gesinde.	dô vuorte an sîner hant
die schoenen Kûdrûnen	Îrolt der maere.
swie si Hilde erkande,	si weste niht wer ir deheiniu waere.
1575
si sach mit ir gesinde	wol hundert vrouwen gân.
'nu enweiz ich' sprach vrou Hilde,	'wen ich sol enphân
vür mîne liebe tohter:	diu ist mir gar unkünde.
willekomen sîn mîn vriunde,	die getreten sint ab der ünde.'
1576
'daz ist iuwer tohter'	sprach Îrolt der degen.
dô gienc si ir dar nâher.	wer möhte in widerwegen
mit guote dise vreude,	die si dô gewunnen?
dô si einander kusten,	dô was in ir leides zerunnen.
1577
vrou Hilde enphienc Îrolden	und alle sîne man.
waten si vil tiefe	nigen began:
'willekomen, helt von Stürmen!	du hâst gedienet schône,
wer möhte dich versolden,	man engebe dir danne lant und eine krône?'
1578
dô sprach er zuo der vrouwen:	'swaz ich iu gedienen mac,
des bin ich iu vil willic	unz an den lesten tac'
dô kuste si in vor liebe:	sam tete si ouch Ortwînen.
dô was ouch komen Herwic	mit den stolzen werden recken sînen.
1579
der vuorte an sîner hende	Ortrûn daz kint.
Kûdrûn bat ir muoter	güetlîchen sint:
'nu küsset, liebiu vrouwe,	dise maget hêre.
in mînem ellende	bôt si mir manegen dienest unde êre.'
1580
'ich wil hie niemen küssen,	ern si mir danne bekant.
wer sint der vrouwen mâge	oder wie ist si genant,
die du mich heizest küssen	sô rehte vriuntlîche?'
si sprach: 'ez ist Ortrûn,	diu junge maget von Ormanîerîche.'
1581
'ich sol ir niht küssen.	zwiu raetest du mir daz?
daz ich si hieze toeten,	daz zaeme mir vil baz.
jâ hânt mir ir mâge	getân vil der leide,
swaz ich hân her geweinet,	daz was ir kunden bestiu ougenweide.'
1582
'vrouwe, dir riet selten	disiu schoeniu meit'
sô sprach aber Kûdrûn	'dehein herzen leit.
gedenke, liebiu muoter,	waz ich des hiete schulde,
swen slüegen mîne mâge:	lâz die armen maget haben hulde.
1583
si wolde es ir niht volgen.	weinende allez an
Kûdrûn ir muoter	vlêhen dô began.
si sprach: 'ich wil dich lenger	niht sehen alsô riezen.
hât si dir iht gedienet,	des muoz si in disem lande geniezen.'
1584
dô kuste diu schoene Hilde	daz Ludewîges kint.
si gruozte ouch mer der vrouwen	durch Kûdrûnen sint.
dô kom ouch vrou Hildeburc	ûz vremeden landen,
diu mit ir hete gewaschen.	die vuorte her Fruote an sîner hande.
1585
dô sprach aber Kûdrûn:	'vil liebiu muoter mîn,
nu grüezet Hildeburgen.	möhte iht bezzers sîn
dan vriuntlîchiu triuwe?	golt oder edel gesteine,
swaz des ein rîche hiete,	daz solde man Hildeburgen geben eine.'
1586
dô sprach diu küniginne:	'ez ist mir wol geseit,
wie si mit dir getragen hât	liep unde leit.
ich gesitze nimmer	vroelîch under krône,
des si dir hât gedienet,	unze ich irs mit rehten triuwen gelône.'
1587
dô si die maget kuste	— die andern tete si sam —,
vrou Hilde sprach ze Fruoten:	'daz ist mir âne scham,
daz ich dir gienc engegene	und dînen wiganden.
willekomen sît ir degene	alle her ze Hegelingelande.'
1588
si nigen ir vliziclîchen.	dô ir gruoz geschach,
den künic von den Moeren	komen man dô sach
mit den sînen recken	ûf den griez mit schalle,
ein wîse von Arâben	sungen dô die bezzisten alle.
1589
vrou Hilde dô gebeite,	daz er zem stade gie.
den voget von Karadîe	si vliziclîche enphie:
'sît willekomen, her Sîvrit,	ein künic ûz Môrlanden.
ich sol ez immer dienen,	daz ir hulfet rechen mînen anden.'
1590
'vrouwe, ich tuon ez gerne,	swâ ich iu gedienen mac.
sô ich in diu lant nu kûme,	diu mîn vil manegen tac
sint her gewesen von jugende,	sît ich begunde rîten
ûf schaden Herwîges,	nu wil ich nimmer mer mit im gestrîten.
1591
dô entluoden si die kocken	und truogen ûf den sant
vil dinges, des si brâhten	mit in in daz lant.
.....	.....âhen
.....	sach man si gegen Herwîge gâhen.
1592
vrou Hilde mit ir gesten	reit ûf daz velt.
man sach vor Matelâne	hütten und ouch gezelt
von golde gezieret,	manic sedel rîche
heten si dâ vunden:	dar inne phlac man ir vliziclîche.
1593
vrou Hilde bete heizen	vüeren in ir lant,
daz si dâ niht liezen	ir bürgen noch ir phant.
ez wart in allen rieben	ein wirt nie sô guoter
sam diu edele witewe:	ir geste gulten weder wîn noch vuoter.
1594
dô ruoweten die müeden	unz an den vünften tac.
swie wol man doeb ir aller	mit handelunge phlac,
dar under wart Hartmuot	mit sorgen doeb berâten,
unz daz die schoenen meide	vroun Hilden umb einen vride bâten.
1595
ir tohter und Ortrûn	giengen dâ si saz.
si sprach: 'vil liebiu muoter,	gedenket an daz,
daz niemen mit übele	sol deheines bazzes lônen.
ir sult iuwer tugende	an dem künege Hartmuote schônen. '
1596
si sprach: 'vil liebiu tohter,	des solt du mich niht biten:
ich hân von sînen schulden	grôzen schaden erliten.
im sol mîn kârkaere	sins übermuotes büezen.'
wol mit sehzic meiden	vielen ir die vrouwen dô zen vüezen.
1597
dô sprach Ortrûn:	'vrouwe, lât in genesen,
daz er iu gerne diene,	des wil ich bürge wesen.
ir sult genaediclîchen	mînen bruoder halten:
ez kumt iu ze allen êren,	sol er noch sîner krône walten.'
1598
si weinten al gemeine	durch daz er gevangen saz
in vil starken banden.	ir ougen wurden naz
umbe Hartmuoten,	den künic von Ormandîne:
die vil grôzen boien	lâgen an im und an den sînen.
1599
dô sprach diu küniginne:	'ir sult daz weinen lân.
ich wil si ungebunden	ze bove lâzen gân.
si müezen mir erstaeten,	daz si uns iht entrinnen,
und müezen swern eide,	daz si âne mîn gebôt iht rîten hinnen.'
1600
die vil edele gisel	man ûz den banden liez.
Kûdrûn die helde	tougen baden hiez
unde schône kleiden	und hin ze hove bringen.
si wâren guote degene:	des muose in deste baz gelingen.
1601
dô man Hartmuoten	sach bî den recken stân,
man vant waetlîcher	nie deheinen man.
in allen sînen sorgen	stuont er in der gebaere,
als er mit einem pensel	an einer wende wol entworfen waere.
1602
dô sâhen in die vrouwen	güetlîchen an,
dâ von er heimlîche	bezzer sît gewan.
mit vollen wart versüenet	der haz, den si dâ truogen,
daz si des gar vergâzen,	daz ir recken ê einander sluogen.
1603
her wie dô gedâhte,	wie er Hegelingelant
mit êren möhte rûmen.	wâfen und gewant
hiez er zen rossen bringen,	man luot sîne soume.
daz gevriesch vrou Hilde:	si werte in der reise harte koume.
1604
si sprach: 'mîn her Herwic,	ir sult hie bestân.
mir ist sô vil der liebe	von iuwer schult getân,
daz ichz immer diene.	jâ sult ir nindert rîten,
ê sich die geste scheiden,	ich wil mit mînen vriunden hôchzîten.'
1605
dô sprach der vürste Herwic:	'vrouwe, ez ist wol erkant,
die ir mâge sendent	in ander künege lant,
daz ieteslîcher	die sînen gerne saehe;
si erbeitent des vil kûme,	wann unser widervart hin heim geschaehe.'
1606
dô sprach aber Hilde:	'ir sult mir gunnen hie
der êren und der vreude,	sô wart mir sanfter nie.
vil edel künic Herwic,	nu gebet mir daz ze lône,
daz mîn liebiu tohter	bî mir armen vrouwen trage krône.'
1607
er volgte des ungerne.	si bat und ouch gebôt:
dâ mite die ellenden	kômen sît ûz nôt.
dô er verjehen hiete,	daz erz gerne taete,
dô wart vrou Hilde	berâten mit hôhen vreuden staete.
1608
den helden hiez si sidelen	ie baz unde baz,
dâ sît vil manic recke	mit êren bî ir saz
ze einer hôchzîte,	die erkande man sît verre.
die schoenen Kûdrûnen	hiez dô kroenen Herwic der herre.
1609
die mit in komen wâren,	der schiet ê niemen dan,
unz man der hôchzîte	vor Matelâne began.
dar zuo kleidete Hilde	wol sehzic oder mêre
minniclîcher meide.	vil liep was ir ir lop und ouch ir êre.
1610
wol hundert schoenen wîben	gap man guot gewant.
man liez der niht belîben,	die man in daz lant
dar ze gisel brâhte:	die kleidete man besunder.
diu vil schoene Hilde	tete mit ir gâbe michel wunder.
1611
Îrolt wart kameraer ê:	der degen in ir lant
muose komen gaehes.	vil schiere man den vant.
wate wart truhsaeze,	der helt von Sturmlande.
nâch dem starken Fruoten	von Tenemarke man dô ouch sande.
1612
man hiez in wesen schenke,	der helt sprach ir zuo:
'ich leiste ez gerne, vrouwe;	weit ir daz ichz tuo,
diu lêhen sult ir lîhen	mit zwelf vanen rîchen:
sô wirde ich herre in Tenelant.'	des lachte dô vrou Hilde minniclîchen.
1613
dô sprach diu küniginne:	'des mac niht gesîn:
in Tenelant ist herre	Hôrant der neve dîn.
du solt in vriundes mâze	an sîner stat schenken,
swie er si ze Ormanîe,	sô solt du doch hie heime in bedenken.'
1614
daz liut hiez man berihten,	wes si solden phlegen.
vrou Hilde hiez zervüeren	daz lange was gelegen
in kisten und in kameren,	manegen phelle rîchen.
die truogen kameraere:	die teilte man den gesten williclîchen.
1615
dâ was sô swacher niemen,	man engaebe im guot gewant.
ob si noch vremeder iemen	brâhten in daz lant,
daz ist mir ungewizzen,	wes si dâ mite gedâhten.
der was wol drizic tûsent,	die si von Ormanîe dar brâhten.
1616
der si alle wolde kleiden,	wâ solde er daz hân?
ob ze Arabî daz rîche	im waere undertân,
sô waene ich drinne niemen	vunde bezzer waete,
dan man dâ gap den gesten.	daz wâren ouch vroun Kûdrûnen raete.
1617
dô diu vil minniclîche	bî den gesten saz,
nâch Ortwîn si sande.	dar umbe tete si daz,
daz si im râten wolde	nâch Ortrûnen minne:
diu Ludewîges tohter	saz bî Kûdrûnen ouch dar inne.
1618
der helt von Nortrîche	zir kemenâten gie.
Ortwînen vliziclîche	manegiu maget enphie.
sîn swester stuont von sedele	und nam in bî der hende.
Kûdrûn diu edele	gie mit im des hoves an ein ende.
1619
si sprach: 'vil lieber bruoder,	nu solt du volgen mir.
mit vil rehten triuwen	sô wil ich râten dir:
wilt du bî dînem lebene	vreuden iht gewinnen,
swie du daz gevüegest,	sô solt du Hartmuotes swester minnen.'
1620
dô sprach der ritter küene:	'diuhte dich daz guot?
wir sîn sô niht gevriunde	ich und Hartmuot;
wir sluogen Ludewîgen.	swann si dar an gedaehte,
und si bî mir laege,	ir waen ez under wîlen siuften braehte.'
1621
'dâ solt du daz verdienen,	daz si des niht entuo.
an mînen rehten triuwen	sô râte ich dir dar zuo,
die ich zer weide ziemen	bî mîner zît gewan.
du hâst mit ir wünne,	sol si dir werden ze vrouwen undertân.'
1622
dô sprach der ritter edele:	'ist si dir sô bekant,
daz ir suln dienen	liute unde lant,
weist dus in den zühten,	ich wil si gerne minnen.'
dô sprach aber Kûdrûn:	'jane kanst du bî ir leiden tac gewinnen.'
1623
er sagete ez sînen vriunden.	vrou Hilde ez widersprach,
unz er sîn Herwîgen	dem recken ouch verjach,
der riet ez im mit triuwen.	ouch sagete er ez Fruoten.
er sprach: 'du solt si minnen:	du hâst von ir manegen recken guoten.
1624
man sol den haz versüenen,	den wir hân getragen:
mit wie getânen dingen,	daz wil ich dir sagen.'
alsô redete	der snelle degen Fruote:
'dâ sul wir Hildeburge	gemahelen dem künege Hartmuoten.'
1625
Herwic der biderbe	mit triuwen sprach dar zuo:
'ich wilz gerne râten	daz ez diu maget tuo:
von Hartmuotes landen	ist si vrouwe rîche.
er hât under sînen handen	wol tûsent bürge vil gewalticlîche.
1626
Kûdrûn diu schoene	heimlîchen sprach
zer edelen Hildeburgen:	si vuogte ir gemach.
si sprach: 'trûtgespil mîn,	wilt du, daz ich dir lône
des du mir hâst gedienet,	sô wirt dir ze Ormanîe ein rîchiu krône.'
1627
dô sprach diu schoene Hildeburc:	'unsanfte mir daz tuot,
sol ich einen minnen,	der herze noch den muot
nie an mich gewande	zuo deheinen stunden,
sol ich mit im alten,	wir werden etewenne in zorne vunden.'
1628
dô sprach diu vrouwe Kûdrûn:	'daz solt du understân.
ich wil nâch Hartmuoten	balde heizen gân,
ob im daz gevalle,	daz ich in ûz banden
loese mit den recken	und in sende heim ze sînen landen.
1629
sô saget er mir genâde.	zehant râte ich daz,
daz erz immer gerne	diene deste baz;
sô wil ich in vrâgen,	ob er welle minnen,
dâ mite er mîne mâge	unde mich ze vriunden müge gewinnen.'
1630
man brâhte Hartmuoten,	den künic von Normandîn.
mit im gie dô Fruote	dâ stolziu meidîn
vor der Hilden tohter	ze kemenâten sâzen,
die sît vil maneges leides	von der vrouwen râte vergâzen.
1631
dô sun der Ludewîges	durch den palas gie,
diu beste noch diu boeste	deheiniu daz verlie,
si tâtenz im ze liebe	und stuonden von dem sedele.
er was bevollen küene:	dar zuo was er rîche unde edele.
1632
dô bat in sitzen Kûdrûn,	diu minniclîche meit.
ez hete niht ir grüezen	deheiniu im verseit.
dô sprach diu Hilden tohter:	'zuo der gespiln mînen
solt du sitzen, Hartmuot,	diu ê mit mir wuosch den helden dînen.'
1633
'ir weit mir itewizen,	küniginne her,
swaz man iu tete ze leide,	daz wâren mîniu ser.
jâ hiez michz alle zîte	heln diu vrouwe mîne,
daz ichs niht ervunde	noch mîn vater und al die helde sîne.'
1634
dô sprach diu juncvrouwe:	'ich kan des niht verlân:
ich muoz mit iu, Hartmuot,	sundersprâchen gân.
daz sol niemen hoeren	wan ich und ir eine.'
dô gedâhte im Hartmuot:	'nu gebiete ir got, daz sîz mit triuwen meine.'
1635
dar zuo hiez si niemen	wan Fruoten gân.
dô sprach zuo dem künege	diu maget wol getân:
'weit ir des volgen, Hartmuot,	alsô ich iuch lêre,
tuot ir daz williclîche,	sô scheidet ir von aller hande sêre.'
1636
'ich weiz iuch in den tugenden'	sprach dô Hartmuot,
'daz ir mir niht râtet	wan êre unde guot.
ich weiz in mînem herzen	niht alsôlher sinne,
ich entuo williclîche	swaz ir mir râtet, edele küniginne.'
1637
si sprach: 'sô râte ich gerne	dir vristen dînen lîp.
ich und mîne mâge	wir geben dir ein wîp:
dâ mite wirt behalten	dîn lant und ouch dîn êre,
und ouch der vintschefte	dâ von wirt gewahenet nimmer mêre.'
1638
'sô lât mich wizzen, vrouwe,	wen weit ir mir geben?
ê daz ich alsô minte,	ê lieze ich mîn leben,
daz ez dâ heime diuhte	mîne mâge smaehe,
sô wolde ich woerlîche,	daz man mich ê veigen gesaehe.'
1639
'dâ wil ich Ortrûnen,	die schoenen swester dîn,
hie ze wîbe geben	dem lieben bruoder mîn.
sô nim du Hildeburgen,	die edelen küniginne:
du kanst in der weide	tiurer maget nindert dir gewinnen.'
1640
'müget ir daz gevüegen,	als ir mir hât geseit,
daz iuwer bruoder Ortwîn	Ortrûn die schoenen meit
nimet waerlîchen	hie ze einem wîbe,
sô nim ich Hildeburgen,	daz ez immer âne haz belîbe.'
1641
si sprach: 'ich hânz gevüeget,	daz erz gelobet hât.
ob dich des genüeget,	daz er dir wider lât
dîn lant und ouch dîn erbe	und ouch die bürge drinne,
sô mac dich des wol lusten,	daz Hildeburc dâ werde küniginne.'
1642
er sprach: 'daz lobe ich gerne'	und lobete ez an an ir hant.
'swie schiere sô mîn swester	bî dem von Nortlant
stât under krône,	sô wil ich niht verzîhen
die schoenen Hildeburge,	si enmüeze mit mir geben unde lîhen.'
1643
dô erz gelobet hiete,	dô sprach diu maget her:
'ich wil der vriuntschefte	gerne machen mer,
daz si mit uns staete	immer mer belîbe,
wir geben ouch dem von Karadîe	Herwîges swester ze einem wîbe.'
1644
ich waene als grôziu süene	nie wart als tete daz kint.
die tiure helde küene	kômen zesamene sint.
daz riet allez Fruote	ûz Tenelande,
daz man nâch Ortwîne	unde nâch der Moere künege sande.
1645
ze hove si dô giengen	und truogen guot gewant.
dô schuof daz vrou Kûdrûn,	daz ez Wate ervant.
man hiez ouch Îrolden	sagen diu selben maere.
si giengen sundersprâchen:	dô wart der helde rât vil lobebaere.
1646
dô sprach Wate der alte:	'wer möhte ez süenen ê,
unz Ortrûn unde Hartmuot	vür vroun Hilden gê
und biete sich ze vüezen	der edelen küniginne?
und lobet sîz al eine,	sô müge wirs alle wol ze hulden bringen.'
1647
dô sprach diu edele Kûdrûn:	'daz wil ich iu sagen,
si ist in niht ungenaedic.	nu sehet ir si doch tragen
diu kleider, diu mîn muoter	gap mir und mînen vrouwen.
ich wil ez gerne süenen:	des mügen die ellenden mir getrouwen.'
1648
dô hiez man Ortrûnen	zuo dem ringe gân
und ouch Hildeburge,	die maget wol getân.
Ortwîn und Hartmuot	die nâmen si ze wîbe.
'nu wil ich' sprach vrou Hilde,	'daz ez immer mit vride belîbe.'
1649
Ortwîn von dem ringe	ze im daz meidîn
zuhte minniclîchen.	ein guldîn vingerlîn
gap er der küniginne	in ir vil wîzen hende.
dâ mite was verdrungen	gar von ir daz michel ellende.
1650
dô umbeslôz ouch Hartmuot	die meit ûz Îrlant.
ir ietwederz dem andern	daz golt stiez an die hant.
si hete niht untugende,	diu si im möhte leiden:
Hartmuot und Hildeburc	die wâren sît mit triuwen ungescheiden.
1651
dô sprach Hilden tohter:	'lieber herre mîn,
mügen dîniu erbe	hie sô nâhen sîn,
daz man dîne swester,	swie man daz bedaehte,
dem künege ûz Karadîe	her ze mîner muoter lande braehte?'
1652
dô sprach der künic Herwic:	'daz wil ich dir sagen:
der sîn wolde gâhen,	ez geschaehe in zwelf tagen,
der die maget junge	braehte her ze lande,
er müese es hân arbeit,	ê ich ir mîn geleite dar sande.'
1653
dô sprach Hilden tohter:	'wie gerne ichs biten wil!
sô brüevet ir iu selben	maneger hande spil.
dar zuo gît iu mîn muoter	kleider unde spîse.
nu bringet uns die vrouwen,	daz ich iuchs mit rehten triuwen prîse.'
1654
dô sprach der vürste Herwic:	'wâ naeme si gewant?
der von Karadîe	wuoste mir mîn lant
und brande mîne bürge:	dô vlôs ich ir gewaete.'
dô sprach der künic von Moeren,	daz er ir wan in einem hemede baete.
1655
Herwic hundert recken	nâch ir sande dan.
dô hiez er ûf der verte	gâben sîne man.
waten bat er mit in	rîten unde Fruoten.
daz was in ein arbeit;	iedoch gewerten si den degen guoten.
1656
si strichen, swaz si kunden,	die tage zuo der naht,
dô si die maget vunden,	daz Wate dô niht vaht,
daz understuonden kûme	die Herwîges helde.
mit vier und zweinzic vrouwen	brâhten si die recken von der selde.
1657
wate was ir geleite	von der bürge unz ûf den sant,
dâ er zwô galeide	und zwêne kocken vant.
der nâmen si den einen;	si begunden îlen.
des hulfen in die winde:	si kômen wider in zwelf tagewîlen.
1658
dô si die maget brâhten	ze Hegelingelant,
die ritter des gedâhten,	wie si über sant
îlten gên der schoenen:	mit panieren si vuoren.
si behielten wol ir eide,	die nâch der edelen vrouwen minnen swuoren.
1659
wie möhte ein gruoz iht schoener	von edelen kinden sîn?
ir vuoren hin engegene	diu schoenen meidîn
und Hilde diu edele	mit vrouwen vil gemeine.
swie ir lant verbrennet waere,	Herwîges swester vuor niht eine.
1660
ir volget ûz dem hûse	wol driu hundert man.
dô ir der künic Herwic	nâhen nu began,
manegen puneiz rîchen	reit er durch ir êre.
sam tâten die andern alle:	man hôrte schilde stôzen helde sêre.
1661
die vier künege rîche	ir hin engegene riten.
dô si zesamene kômen,	von helden wart gestriten
umb ir aller schoene,	wer diu beste waere:
man lobete ir aller tugende.	hie mite gestuonden disiu maere.
1662
dô kuste si vrou Kûdrûn	und die andern al zehant.
si giengen ûf dem grieze	dâ man ein hütte vant
von vil rîchen sîden,	dâ si gestuonden under.
wes man dâ phlegen wolde,	des nam Herwîges swester wunder.
1663
den künic von Karadîe	hiez man dar gân.
si sprâchen zuo der vrouwen:	'weit ir disen man?
der machet iueh gewaltic	niun künicrîche.'
bî dem sach si salwen	stân manegen ritter lobelîchen.
1664
sîn vater und sîn muoter	diu wâren niht enein:
sîn varwe kristenlîche	an dem helde schein;
sîn hâr lac ûf dem houbte	als ein golt gespunnen.
si waere gar unwise,	soldes im ir minne niht engunnen.
1665
dôch lobete si in trâge,	als dicke ein maget tuot.
dô bôt man im ir minne.	dô sprach der degen guot:
'si behaget mir in der mâze,	daz ich niht erwinde,
ine gediene sô der vrouwen,	daz man mich an der schoenen bette vinde.'
1666
dô lobeten si einander,	der ritter und daz kint.
si erbiten alle kûme	der naht des tages sint.
ir aller heimlîche	vuogte sich alsô schône,
vier künege tohter	die wihte man vor den helden zuo der krône.
1667
dô wâren ouch die künege	gewihet nâch ir ê.
dô wurden swertdegene	vünf hundert oder mê.
disiu werde hôchzît	geschach in Hilden lande:
ez was ze Matelâne	vor der bürge nidene ûf dem sande.
1668
dô gap diu schoene Hilde	al ir gesten kleit.
hei wie vor dem gesidele	der alte Wate reit,
Îrolt unde Fruote,	die recken ûz Tenelanden!
man hôrte vil schefte brechen,	die dâ die helde neigten in ir handen.
1669
swie lützel windes waete,	der stoup wart sam diu naht,
die helde lobebaere	hetens lützel aht,
ob dâ an schoenen vrouwen	salwet iht guoter waete:
si nâmen buhurt manegen	vor dem gesidele in Matelâne staete.
1670
man wolde dô niht lâzen	belîben dâ diu kint.
mit der schoenen Hilden	brâhte man si sint
in diu wîten venster	den recken ze ougenweide.
dô sach man bî den vieren	wol hundert meide in wünniclîchem kleide.
1671
der varnden kunst muose	schînen den tac.
swaz ieclîcher kunde,	wie gerne er des phlac!
an dem andern morgen	nâch vruomesse zîte,
dô dâ wart gote gedienet,	dô sâhens aber die swertdegene rîten.
1672
waz möhte dâ sîn mêre	dan vreude unde schal?
von maneger hande dône	der palas ofte erhal.
daz werte volliclîche	unz an den vierden tac:
daz edele ingesinde	selten müezic dâ gelac.
1673
dô was der muten einer	hin ze hove komen.
der hete von den varnden	daz vil wol vernomen,
daz si alle wurden rîche,	dar nâch stüend ir gedinge:
dô erhuop erz williclîchen,	daz den varnden möhte deste baz gelingen.
1674
ez was der voget von Sêwen,	der die êrste gâbe swanc
sô williclîch von hende,	daz im des sageten danc
alle die ez sâhen	unde sît ervunden.
des sînen rôten goldes	gap dô her Herwic wol ze tûsent phunden.
1675
dar zuo gâben kleider	sîne mâge und sîne man.
ros mit guoten satelen	maneger dâ gewan,
der si selten hiete	geriten vor disen zîten.
daz sach dô Ortwîn:	si begunden mit der milte strîten.
1676
der künic von Nortlande	gap sô rîche wât:
ob iemen bezzer deheine	sît getragen hât,
des wizzen wir niht maere	noch habens niht ervunden.
er und sîne degene	gestuonden kleider blôz in kurzen stunden.
1677
ez kunde erahten niemen,	wie manege rîche wât
die von Môrlanden,	als man uns gesaget hât,
liezen dâ belîben	ze rossen den vil guoten.
den si dâ geben wolden,	die dorften dâ hoehers niht enmuoten.
1678
die jungen zuo den alten	die wurden guotes rîch,
dô sach man Hartmuoten:	der tete dem wol gelîch,
ob er niht verheret waere,	der junge künic hêre.
den weste man sô muten,	daz deheiner hiete niht gegeben mêre.
1679
er und sîne vriunde,	die im volgten dan,
die dâ gisel hiezen,	wie sanfte man gewan
swaz si haben mohten	und iemen an si gerte!
Hartmuot mit den sînen	die liute des güetlîchen werte.
1680
Kûdrûn diu schoene	diu was holt genuoc
Hildeburgen ûz Îrlande,	diu ofte mit ir truoc
diu kleider zuo dem grieze,	dâ si waschen solden.
si waen des ouch niht lieze,	sîne gewünne ir Hartmuoten holden.
1681
dem hiez si von ir kameren	der mâze guotes tragen,
swem si daz geben wolde,	daz man daz mohte sagen.
daz im diu junge künegin	sô guotes willen waere,
daz er ze gebene hiete	beidiu wât unde golt daz swaere.
1682
man sach die von den Stürmen	von dem sedele stân
in sô guoter waete,	daz künic noch küneges man
bezzer nie getruogen	in deheinen zîten.
die dâ ir gâbe wolden,	die liezen si dar nâch niht lenger bîten.
1683
wate der gap eine	alsô guot gewant,
daz man an küneges lîbe	bezzer nie bevant.
von golde und von gesteine	was ez überhangen
mit einem netze rîche.	dâ mite kom der helt ze hove gegangen.
1684
in ieclîchem stricke	lac ein edelstein:
swie sîn name hieze,	dâ bî wol daz schein,
daz si versliffen wâren	ze Abalî dem lande.
waten und sîne helde	nâmen dô die helde bî ir handen.
1685
si muosen al gelîche,	die ez heten dâ gesehen,
Waten dem degene	der wârheite jehen,
daz vür küneges gâbe	sîn gâbe reichte verre.
dem si dâ kom ze handen,	der was von hôhem guote lange ein herre.
1686
Îrolt der liez schouwen	willic sînen muot,
daz im niht erbarmte	deheiner slahte guot.
von Tenemarke Fruote	was Hilden kameraere:
er diente sîner vrouwen,	daz man dâ von lange sagete maere.
1687
dô wolden si sich scheiden;	diu hôchzît ende nam.
dô liez man Hartmuoten	die mâze als im gezam
gedingen mit den vînden	in vride sîner vrouwen.
si kômen sît ze lande	baz dan sîn iemen möhte getrouwen.
1688
vrou Hilde minniclîchen	si scheiden von ir lie.
si und ir tohter	mit Hildeburge gie
und allez daz gesinde	von der bürge verre,
dô si von dannen wolden,	urloup nam dô Hartmuot der herre.
1689
vrou Hilde in gap geleite	ûf erde und ûf dem mer.
si gewunnen sunder	ein sûberlîchez her,
die Ortwîn und her Herwic	hin wider mit in sanden.
die ir gesinde hiezen,	der brâhten si wol tûsent zuo den landen.
1690
küssen manegen enden	man sich die vrouwen sach.
ir sumelîcher scheiden	alsô dâ geschach,
daz si dar nâch selten	gesâhen einander mêre.
si beleite unz ûf ir kocken	Ortwîn und Herwic der hêre.
1691
ir geleite muose werden	irolt unz an ir lant.
den hiez der künic sô werben,	daz erz taete erkant
Hôrande von Tenemarke,	wie si gescheiden waeren.
sît vuorte er ze lande	mit im vil manegen degen maere.
1692
ich enweiz, in welher zîte	spâte oder vruo
daz si begunden segelen	Kassiânen zuo.
sich vrente dô williclîchen	alliu diu diet:
ich waen nâch arbeite	got vil manegen dâ beriet.
1693
Îrolt saget Hôrande	in Normanîelant,
wie in die künege hieten	mit in dar gesant.
er sprach: 'sô ist ez billîch,	daz manz den recken rûme.
si sint hie heime gerne,	sô erbite ouch ich ze mînen landen kûme.'
1694
si enphiengen Hartmuoten	und rûmten im sîn lant.
wie er der lande phlaege,	daz ist mir unbekant.
Hôrant und sîne vriunde	gâhten des vil starke,
dô si von dannen schieden,	daz si koemen schiere in Tenemarke.
1695
ir vart wir lân belîben	und wellen ahten daz,
daz von hôchgezîten	nie geschieden baz
recken al deheine	noch von ir mâgen.
dannoch hôchverte	die von Karadîe in dem lande phlâgen.
1696
dâ ze Hegelingen	biten si niht mê:
Herwîges swester	gegen Alzabê
vuorten si mit schalle:	in was dâ wol gelungen,
dô si ûf der strâze wâren,	die stolzen ritter vroelîchen sungen.
1697
vrou Hilde liez si alle	minniclîchen dan.
swie rîche si ir kômen,	Herwîges man,
si liez si âne ir gâbe	dannoch niht belîben.
der nu sô milte waere,	jâ müese man imz vür ein wunder schrîben.
1698
vrou Kûdrûn sprach zir muoter:	'nu solt du saelic sîn.
getroeste dich der veigen.	ich und der herre mîn
suln dir alsô dienen,	daz selten diu gemüete
belîbe in deheiner swaere:	du solt geniezen Herwîges güete.'
1699
dô sprach diu küniginne:	'vil liebiu tohter mîn,
wil du mir sîn genaedic,	mich suln die boten dîn
drî stunt des jâres sehen	hie zen Hegelingen.
an michel ungemüete	getrouwe ich sus nimmer hie gedingen.'
1700
dô sprach diu edele Kûdrûn:	'muoter, daz sol sîn.'
mit lachen und mit weinen	si und ir meidîn
verwendeclîche giengen	ûz Matelâne.
ir sorge hete nu ende,	man gesach nie niht sô wol getânes.
1701
dô brâhte man gesatelet,	diu solden tragen dan
si und ouch ir meide,	diu ros vil wol getân
mit goltroten zoumen,	mit smalen vürbüegen.
langer dâ ze wesene	ich waen diu vrouwe dô iht gewüege.
1702
die ir ungebunden	under golde riten bî,
ich waene die des hazzes	iht waeren vrî,
dô si von Ortrûnen	schieden und ouch ir meiden,
ob iemen schôner lebete,	daz waere Kûdrûn der vrouwen leide.
1703
diu triutinne Ortwînes	danken dô began
der edelen Kûdrûnen,	daz von ir schult gewan
Hartmuot ir bruoder	daz lant ze Normandîe:
'des lône dir got, Kûdrûn;	des bin ich immer mer diu sorgen vrîe.'
1704
des begunde si ouch genâde	ir muoter Hilden sagen,
daz si ze Nortlande	krône solde tragen
bî Ortwîne dem künege,	daz si dâ vrouwe hieze.
dô sprach diu küniginne,	daz sîz immer ungeniten lieze.
1705
Ortwîn und Herwic	die swuoren beide ensamt
mit triuwen staete einander,	daz si ir vürsten amt
nâch ir hôhen êren	vil lobelîche trüegen:
swelhe in schaden wolden,	daz si die beide viengen unde slüegen.
