ez wuohs in Burgonden	ein vil edel magedîn,
daz in allen landen	niht schœners möhte sîn,
Kriemhilt geheizen.	si wart ein schœne wîp.
dar umbe muosen degene	vil verliesen den lîp.

ir pflâgen drîe künege	edel und rîch,
Gunthêr unde Gêrnôt,	die recken lobelîch,
und Gîselhêr der junge,	ein ûz erwelter degen.
diu vrouwe was ir swester,	die fürsten hetens in ir pflegen.

die hêrren wâren milte,	von arde hôhe erborn,
mit kraft unmâzen küene,	die recken ûz erkorn.
dâ zen Burgonden,	sô was ir lant genant.
si vrumten starkiu wunder	sît in Etzelen lant.

ze Wormeze bî dem Rîne	si wonten mit ir kraft.
in diente von ir landen	vil stolziu ritterschaft
mit lobelîchen êren	unz an ir endes zît.
si ersturben sît jæmerlîche	von zweier edelen vrouwen nît.

ein rîchiu küneginne,	vrou Uote ir muoter hiez.
ir vater, der hiez Dancrât,	der in diu erbe liez
sît nâch sînem lebene,	ein ellens rîcher man,
der ouch in sîner jugende	grôzer êren vil gewan.

die drîe künege wâren,	als ich gesaget hân,
von vil hôhem ellen.	in wâren undertân
ouch die besten recken,	von den man hât gesaget,
starc und vil küene,	in scharpfen strîten unverzaget.

daz was von Tronege Hagene	und ouch der bruoder sîn,
Dancwart der vil snelle,	von Metzen Ortwîn,
die zwêne marcgrâven	Gêre und Eckewart,
Volkêr von Alzeye,	mit ganzem ellen wol bewart.

Rûmolt der kuchenmeister,	ein tiuwerlîcher degen,
Sindolt und Hûnolt,	dise hêrren muosen pflegen
des hoves und der êren,	der drîer künege man.
si heten noch manegen recken,	des ich genennen niene kan.

Dancwart, der was marschalc,	dô was der neve sîn
truhsæze des küneges,	von Metzen Ortwîn.
Sindolt, der was schenke,	ein ûz erwelter degen.
Hûnolt was kamerære.	si kunden hôher êren pflegen.

von des hoves krefte	und von ir wîten kraft,
von ir vil hôhen werdekeit	und von ir ritterschaft,
der die hêrren pflâgen	mit vröuden al ir leben,
des enkunde iu ze wâre	niemen gar ein ende geben.

in disen hôhen êren	troumte Kriemhilde,
wie si züge einen valken,	starc, schœn und wilde,
den ir zwêne aren erkrummen,	daz si daz muoste sehen,
ir enkunde in dirre werlde	leider nimmêr geschehen.

den troum si dô sagete	ir muoter Uoten.
sine kunde es niht bescheiden	baz der guoten:
„der valke, den dû ziuhest,	daz ist ein edel man.
in enwelle got behüeten,	dû muost in schiere verloren hân.“

„waz saget ir mir von manne,	vil liebiu muoter mîn?
âne recken minne,	sô wil ich immer sîn.
sus schœn ich wil belîben	unz an mînen tôt,
daz ich von mannes minne	sol gewinnen nimmêr nôt.“

„nû versprich ez niht ze sêre!“	sprach aber ir muoter dô.
„soltû immer herzenlîche	zer werlde werden vrô,
daz geschiht von mannes minne.	dû wirst ein schœne wîp,
ob dir noch got gefüeget	eins rehte guoten ritters lîp.“

„die rede lât belîben“,	sprach si, „vrouwe mîn!
ez ist an manegen wîben	vil dicke worden schîn,
wie liebe mit leide	ze jungest lônen kan.
ich sol si mîden beide,	sône kan mir nimmêr missegân.“

Kriemhilt in ir muote	sich minne gar bewac.
sît lebte diu vil guote	vil manegen lieben tac,
daz sine wesse niemen,	den minnen wolde ir lîp.
sît wart si mit êren	eins vil küenen recken wîp.

der was der selbe valke,	den si in ir troume sach,
den ir beschiet ir muoter.	wie sêre si daz rach
an ir næhsten mâgen,	die in sluogen sint!
durch sîn eines sterben	starp vil maneger muoter kint.

dô wuohs in Niderlanden	eins vil edelen küneges kint,
des vater, der hiez Sigemunt,	sîn muoter Sigelint,
in einer rîchen bürge,	wîten wol bekant,
nidene bî dem Rîne.	diu was ze Santen genant.

Sîvrit was geheizen	der snelle degen guot.
er versuochte vil der rîche	durch ellenthaften muot.
durch sînes lîbes sterke	er reit in manegiu lant.
hey, waz er sneller degene	sît zen Burgonden vant!

in sînen besten zîten,	bî sînen jungen tagen,
man mohte michel wunder	von Sîvride sagen,
waz êren an im wüehse,	und wie schœne was sîn lîp.
sît heten in ze minne	diu vil wætlîchen wîp.

man zôch in mit dem vlîze,	als im daz wol gezam.
von sîn selbes muote	waz tugende er an sich nam!
des wurden sît gezieret	sînes vater lant,
daz man in ze allen dingen	sô rehte hêrlîchen vant.

er was nû sô gewahsen,	daz er ze hove reit.
die liute in sâhen gerne.	manec vrouwe und manec meit
im wunschten, daz sîn wille	in immer trüege dar.
holt wurden im genuoge.	des wart der hêrre wol gewar.

vil selten âne huote	man rîten lie daz kint.
in hiez mit kleidern zieren	Sigemunt und Sigelint.
sîn pflâgen ouch die wîsen,	den êre was bekant.
des mohte er wol gewinnen	beide liute unde lant.

nû was er in der sterke,	daz er wol wâfen truoc.
swes er dar zuo bedorfte,	des lac an im genuoc.
er begunde mit sinnen	werben schœniu wîp.
die trûten wol mit êren	des küenen Sîvrides lîp.

dô hiez sîn vater Sigemunt	künden sînen man,
er wolde hôchgezîte	mit lieben vriunden hân.
diu mære man dô fuorte	in ander künege lant.
den vremden und den kunden	gap er ross und guot gewant.

swâ man vant deheinen,	der ritter solde sîn
von art der sînen mâge,	diu edelen kindelîn,
diu ladete man zuo dem lande	durch die hôchgezît.
mit dem jungen künege	swert genâmen si sît.

von der hôchgezîte	man mohte wunder sagen.
Sigemunt unde Sigelint,	die mohten wol bejagen
mit guote michel êre.	des teilte vil ir hant.
des sach man vil der werden	nû zin rîten in daz lant.

vier hundert swertdegene,	die solden tragen kleit
mit samt Sîvride.	vil manec schœniu meit
von werke was unmüezec,	wan si im wâren holt.
vil der edelen steine	die vrouwen leiten in daz golt,

die si mit porten wolden	würken ûf ir wât
den jungen stolzen recken.	des newas niht rât.
der wirt der hiez dô sidelen	vil manegen küenen man
ze einen sunewenden,	dâ sîn sun Sîvrit wol ritters namen gewan.

dô gie ze einem münster	vil manec rîcher kneht
und manec edel ritter.	die wîsen heten reht,
daz si den tumben dienten,	als in was ê getân.
si heten kurzewîle	und ouch vil maneger vröuden wân.

got man dô zen êren	eine messe sanc.
dô huop sich von den liuten	vil michel der gedranc,
dâ si ze ritter wurden	nâch ritterlîcher ê
mit alsô grôzen êren,	daz wætlîch immer mêr ergê.

si liefen, dâ si funden	gesatelt manec marc
in hove Sigemundes.	der bûhurt wart sô starc,
daz man erdiezen hôrte	palas und sal.
die hôchgemuoten degene,	die heten grœzlîchen schal.

von wîsen und von tumben	man hôrte manegen stôz,
daz der schefte brechen	gein den lüften dôz.
trunzûne sach man vliegen	für den palas dan
von maneges recken hende.	daz wart mit vlîze getân.

der wirt, der bat ez lâzen.	dô zôch man diu marc.
man sach ouch dâ zebrochen	vil manege buckel starc,
vil der edelen steine	gevellet ûf daz gras
ab liehten schildes spangen.	von hürten daz geschehen was.

dô giengens wirtes geste,	dâ man in sitzen riet.
vil der edelen spîse	si von ir müede schiet,
und wîn der aller beste,	des man in vil getruoc.
den vremden und den kunden	bôt man êren genuoc.

swie vil si kurzewîle	pflâgen al den tac,
vil der varender diete	ruowe sich bewac.
si dienten nâch der gâbe,	die man dâ rîche vant.
des wart mit lobe gezieret	allez Sigemundes lant.

der hêrre, der hiez lîhen	Sîvrit den jungen man
lant und bürge,	als er hete ê getân.
sînen swertgenôzen,	den gap dô vil sîn hant.
dô liebte in diu reise,	daz si kômen in daz lant.

diu hôchgezît, diu werte	unz an den sibenden tac.
Sigelint diu rîche	nâch alten siten pflac
durch ir suns liebe	teilen rôtez golt.
si kundez wol gedienen,	daz im die liute wâren holt.

vil lützel man der varnder	armen dâ vant.
ross und kleider,	daz stoup in von der hant,
sam si ze lebene heten	niht mêr deheinen tac.
ich wæn, ie ingesinde	sô grôzer milte gepflac.

mit lobelîchen êren	schiet sich diu hôchgezît.
von den rîchen hêrren	hôrte man wol sît,
daz si den jungen wolden	ze einem hêrren hân.
des engerte niht hêr Sîvrit,	der vil wætlîche man.

sît daz noch beide lebten,	Sigemunt und Sigelint,
niht wolde tragen krône	ir beider liebez kint.
doch wolder wesen hêrre	für allen den gewalt,
des in den landen vorhte	der degen küen und balt.

den hêrren müeten selten	deheiniu herzen leit.
er hôrte sagen mære,	wie ein schœniu meit
wære in Burgonden,	ze wunsche wolgetân,
von der er sît vil vröuden	und ouch arbeit gewan.

diu ir unmâzen schœne	was vil wîten kunt,
und ir hôch gemüete	zuo der selben stunt
an der juncvrouwen	sô manec helt ervant.
ez ladete vil der geste	in daz Gunthêres lant.

swaz man der werbenden	nâch ir minne sach,
Kriemhilt in ir sinne	ir selber nie verjach,
daz si deheinen wolde	ze einem trûte hân.
er was ir noch vil vremde,	dem si wart sider undertân.

dô gedâhte ûf hôhe minne	daz Sigelinde kint.
ez was ir aller werben	wider in ein wint.
er mohte wol verdienen	schœner vrouwen lîp.
sît wart diu edele Kriemhilt	des küenen Sîvrides wîp.

im rieten sîne mâge	und genuoge sîne man,
sît er ûf stæte minne	wolde tragen wân,
daz er dan eine würbe,	diu im möhte zemen.
dô sprach der küene Sîvrit:	„sô wil ich Kriemhilden nemen,

die schœnen juncvrouwen	von Burgonden lant,
durch ir unmâzen schœne.	daz ist mir wol bekant,
nie keiser wart sô rîche,	der wolde haben wîp,
im zæme wol ze minnen	der rîchen küneginne lîp.“

disiu selben mære	gehôrte Sigemunt.
ez reiten sîne liute,	dâ von wart im kunt
der wille sînes kindes	was im harte leit,
daz er werben wolde	die vil hêrlîchen meit.

ez gevriesch ouch Sigelint,	des edelen küneges wîp.
si hete grôze sorge	um ir kindes lîp,
wan si wol erkande	Gunthêren und sîne man.
den gewerp man dem degene	sêre leiden began.

dô sprach der küene Sîvrit:	„vil lieber vater mîn,
ân edeler vrouwen minne	wolde ich immer sîn,
ich enwürbe, dar mîn herze	vil grôze liebe hât.
swaz iemen reden kunde,	des ist deheiner slahte rât.“

„und wiltû niht erwinden“,	sprach der künec dô,
„sô bin ich dînes	willen wærlîchen vrô
und wil dir ez helfen enden,	sô ich aller beste kan.
doch hât der künec Gunthêr	vil manegen hôchverten man.

ob ez ander niemen wære	wan Hagene der degen,
der kan mit übermüete	der hôchverte pflegen,
daz ich des sêre fürhte,	ez müge uns werden leit,
ob wir werben wellen	die vil hêrlîchen meit.“

„waz mac uns daz gewerren?“,	sprach dô Sîvrit,
„swaz ich vriuntlîche	niht ab in erbit,
daz mac sus erwerben	mit ellen dâ mîn hant.
ich trûwe an in ertwingen	beide liute und lant.“

dô sprach der fürste Sigemunt:	„dîn rede, diu ist mir leit.
wan würden disiu mære	ze Rîne geseit,
dûne dorftest nimmêr	gerîten in daz lant.
Gunthêr und Gêrnôt,	die sint mir lange bekant.

mit gewalte niemen	erwerben mac die maget“,
sô sprach der künec Sigemunt,	„daz ist mir wol gesaget.
wilt aber dû mit recken	rîten in daz lant,
ob wir iht haben vriunde,	die werdent schiere besant.“

„des enist mir niht ze muote“,	sprach aber Sîvrit,
„daz mir sulen recken	ze Rîne volgen mit
durch deheine hervart,	daz wære mir vil leit,
dâ mit ich solde ertwingen	die vil wætlîchen meit.

si mac wol sus erwerben	dâ mîn eines hant.
ich wil selbe zwelfte	in Gunthêres lant.
dar sult ir mir helfen,	vater Sigemunt.“
dô gap man sînen degenen	ze kleidern grâ und bunt.

dô vernam ouch disiu mære	sîn muoter Sigelint.
si begunde trûren	um ir liebez kint.
daz vorhte si verliesen	von Gunthêres man.
diu edele küneginne	vil sêre weinen began.

Sîvrit der hêrre	gie, dâ er si sach.
wider sîne muoter	er güetlîche sprach:
„vrouwe, ir sult niht weinen	durch den willen mîn.
jâ wil ich ân sorge	vor allen wîganden sîn!

und helfet mir der reise	in Burgonden lant,
daz ich und mîne recken	haben sölch gewant,
daz alsô stolze helde	mit êren mugen tragen.
des wil ich iu genâde	mit triuwen wærlîchen sagen.“

„sît dû niht wil erwinden“,	sprach vrou Sigelint,
„sô hilf ich dir der reise,	mîn einigez kint,
mit der besten wæte,	die ritter ie getruoc,
dir und dînen gesellen.	ir sult ir füeren genuoc.“

dô neic der küneginne	Sîvrit, der junge man.
er sprach: „ich wil zer verte	niemen mêr hân
niuwan zwelf recken.	den sol man prüeven wât.
ich wil daz sehen gerne,	wiez um Kriemhilde stât.“

dô sâzen schœne	vrouwen naht und tac,
daz lützel ir deheiniu	ruowe gepflac,
unze man geworhte	die Sîvrides wât.
er wolde sîner reise haben	deheiner slahte rât.

sîn vater hiez im zieren	sîn ritterlîch gewant,
dâ mit er wolde rûmen	daz Sigemundes lant,
und ir vil liehten brünne,	die wurden ouch bereit,
und ir vesten helme,	ir schilde schœn und breit.

dô nâhete in ir reise	zen Burgonden dan.
um si begunde	sorgen wîp und man,
ob si immer komen solden	heim wider in daz lant.
die helde in hiezen soumen	beide wâfen und gewant.

ir ross, diu wâren schœne,	ir gereite goldes rôt.
lebte iemen übermüeter,	des enwas niht nôt,
denne wære Sîvrit	und die sîne man.
urloubes er dô gerte	zuo den Burgonden dan.

in werten trûreclîchen	der künec und sîn wîp.
er trôste minneclîchen	dô ir beider lîp.
er sprach: „ir sult niht weinen	durch den willen mîn.
immer âne sorge	sult ir mînes lîbes sîn.“

ez was leit den recken.	ez weinte ouch manec meit.
ich wæn, in hete ir herze	rehte daz geseit,
daz in sô vil der vriunde	dâ von gelæge tôt.
von schulden si dô klageten.	des gie in wærlîche nôt.

an dem sibenden morgen	ze Wormez ûf den sant
riten die vil küenen.	allez ir gewant
was von rôtem golde,	ir gereite wol getân.
ir ross in giengen ebene,	des küenen Sîvrides man.

ir schilde wâren	niuwe, lieht unde breit,
und vil schœn ir helme,	dâ ze hove reit
Sîvrit der vil küene	in Gunthêres lant.
man gesach an helden	nie sô hêrlîch gewant.

diu ort ir swerten giengen	nider ûf den sporn.
ez fuorten scharpfe gêren	die ritter ûz erkorn.
Sîvrit, der fuorte ir einen	wol zweier spannen breit,
der zuo sînen ecken	vil harte vreislîchen sneit.

die golt varwen zoume	fuortens an der hant,
sîdîniu fürbüege.	sus kômens in daz lant.
daz volc si allenthalben	kapfen an began.
dô liefen in engegene	vil der Gunthêres man.

die hôchgemuoten recken,	ritter und kneht,
die giengen zuo den hêrren,	daz was michel reht,
und enpfiengen dise geste	in ir hêrren lant
und nâmen in die mœre	mit den schilden von der hant.

diu ross si wolden dannen	ziehen an gemach.
Sîvrit der vil küene,	wie snelle er dô sprach:
„lât uns stân die mœre,	mir und mînen man!
wir wellen schiere hinnen.	des ich vil guoten willen hân.

swem sîn kunt diu mære,	der sol mich niht verdagen:
wâ ich den künec vinde,	daz sol man mir sagen,
Gunthêren den vil rîchen	ûz Burgonden lant.“
dô sagte ez im ir einer,	dem ez rehte was bekant:

„welt ir den hêrren vinden,	daz mac vil wol geschehen.
in jenem sale wîten,	dâ hân ich in gesehen
bî den sînen helden.	dâ sult ir hine gân.
dâ muget ir bî im vinden	vil manegen hêrlîchen man.“

nû wâren dem künege	diu mære geseit,
daz dâ komen wæren	ritter vil gemeit,
die fuorten wîze	brünne und hêrlîch gewant.
sine erkande niemen	in der Burgonden lant.

den künec des hete wunder,	von wannen kœmen dar
die hêrlîchen recken	in wæte lieht gevar,
und mit sô guoten	schilden niuwe und breit.
daz im daz sagte niemen,	daz was Gunthêre leit.

des antwurte dem künege	von Metzen Ortwîn,
rîch und küene mohte	er wol sîn:
„sît wir ir niht erkennen,	nû sult ir heizen gân
nâch mînem œheim Hagenen.	den sult ir si sehen lân.

dem sint kunt diu rîche	und ouch diu vremden lant.
sint im die hêrren künde,	daz tuot er uns bekant.“
der künec bat in bringen	und die sînen man.
man sach in hêrlîche	mit recken hin ze hove gân.

waz sîn der künec wolde,	des vrâgte Hagene.
„ez sint in mînem hûse	unkunde degene,
die niemen hie bekennet.	habt ir si ie gesehen,
des sult ir mir, hêr Hagene,	der rehten wârheite jehen.“

„daz tuon ich“, sprach Hagene.	zeinem venster er dâ gie.
sîn ouge er dô wenken	zuo den gesten lie.
wol behagte im ir geverte	und ouch ir gewant.
si wâren im vil vremde	in der Burgonden lant.

er sprach, von swannen kœmen	die recken an den Rîn,
ez möhten selbe fürsten	oder fürsten boten sîn.
ir ross, diu wæren schœne,	ir kleider harte guot.
von swannen daz si füeren,	si wæren hôchgemuot.

alsô sprach dô Hagene:	„ich wil des wol verjehen,
swie ich Sîvriden	nie mêr habe gesehen,
sô wil ich wol gelouben,	swie ez dar umbe stât,
daz ez sî der recke,	der dort sô hêrlîchen gât.

er bringet niuwe mære	her in ditze lant.
die küenen Nibelunge	sluoc des heldes hant,
Schilbunc und Nibelungen,	diu rîchen küneges kint.
er vrumte starkiu wunder	mit sîner grôzen krefte sint.

dâ der helt aleine	ân alle helfe reit,
er vant vor einem berge,	daz ist mir wol geseit,
bî Nibelunges horde	vil manegen küenen man.
die wâren im ê vremde,	unz er ir kunde dâ gewan.

hort der Nibelunges,	der was gar getragen
ûz einem holem berge.	nû hœret wunder sagen,
wie in wolden teilen	der Nibelunge man!
daz sach der degen Sîvrit.	den helt ez wunderen began.

er kom zuo zin sô nâhen,	daz er die helde sach,
und ouch in die degene.	ir einer drunder sprach:
„hie kumt der starke Sîvrit,	der helt von Niderlant.“
vil seltsæniu mære	er an den Nibelungen vant.

den recken wol enpfiengen	Schilbunc und Nibelunc.
mit gemeinem râte	die edelen fürsten junc
den schatz in bâten teilen	den wætlîchen man,
und gerten des mit vlîze.	der hêrre loben inz began.

er sach sô vil gesteines,	sô wir hœren sagen,
hundert kanzwegene	ez möhten niht getragen,
noch mê des rôten goldes	von Nibelunge lant.
daz solde in allez teilen	des küenen Sîvrides hant.

dô gâben si im ze miete	daz Nibelunges swert.
si wâren mit dem dienste	vil übele gewert,
den in dâ leisten solde	Sîvrit, der helt guot.
er enkundez niht verenden,	si wâren zornec gemuot.

si heten dâ ir vriunde	zwelf küene man,
daz starke risen wâren.	waz kundez si vervân?
die sluoc sît mit zorne	diu Sîvrides hant,
und recken siben hundert	twanc er von Nibelunge lant

mit dem guotem swerte,	daz hiez Balmunc.
durch die starken vorhte	vil manec recke junc
die si zem swerte heten	und an den küenen man
daz lant zuo den bürgen	si im tâten undertân.

dar zuo die rîchen künege,	die sluoc er beide tôt.
er kom von Albrîche	sît in grôze nôt.
der wânde sîne hêrren	rechen dâ zehant,
unz er die grôzen sterke	sît an Sîvride vant.

dône kunde im niht gestrîten	daz starke getwerc.
alsam die lewen wilde	si liefen an den berc,
dâ er die tarnkappen	sît Albrîche an gewan.
dô was des hordes hêrre	Sîvrit, der vreislîche man.

die dâ torsten vehten,	die lâgen alle erslagen.
den schatz, den hiez er balde	füeren und tragen,
dâ in dâ vor dâ nâmen	die Nibelunge man.
Albrîch der vil starke	dô die kamern gewan.

er muose im sweren eide,	er diente im sô sîn kneht.
aller hande dinge	was er im gereht.“
sô sprach von Tronege Hagene:	„daz hât er getân.
alsô grôzer krefte	nie mêr recke gewan.

noch weiz ich an im mêre,	daz mir ist bekant:
einen linttrachen,	den sluoc des heldes hant.
er badete sich in dem bluote.	sîn hût wart hurnîn.
des snîdet in kein wâfen.	daz ist dicke worden schîn.

wir suln den hêrren	enpfâhen deste baz,
daz wir iht verdienen	des jungen recken haz.
sîn lîp, der ist sô küene,	man sol in holden hân.
er hât mit sîner krefte	sô manegiu wunder getân.“

dô sprach der künec rîche:	„dû maht wol haben wâr.
nû sich, wie degenlîche	er stât in strîtes vâr,
er und die sînen degene,	der vil küene man.
wir sulen im engegene	hin nider zuo dem recken gân.“

„daz muget ir“, sprach dô Hagene,	„wol mit êren tuon.
er ist von edelem künne,	eines rîchen küneges sun.
er stât in der gebære,	mich dunket, wizze Krist,
ez ensîn niht kleiniu mære,	dar umb er her geriten ist.“

dô sprach der künec des landes:	„nû sî uns willekomen!
er ist edel und küene,	daz hân ich wol vernomen,
des sol ouch er geniezen	in Burgonden lant.“
dô gie der hêrre Gunthêr,	dâ er Sîvriden vant.

der wirt und sîne recken	enpfiengen sô den gast,
daz in an ir zühten	vil wênec iht gebrast.
des begunde in nîgen	der wætlîche man,
daz si in heten grüezen	sô rehte schône getân.

„mich wundert dirre mære“,	sprach der künec zehant,
„von wannen ir, edel Sîvrit,	sît komen in ditze lant,
oder waz ir wellent werben	ze Wormez an den Rîn.“
dô sprach der gast zem künege:	„daz sol iuch unverdaget sîn.

mir wart gesaget mære	in mînes vater lant,
daz hie bî iu wæren,	daz hete ich gerne erkant,
die küensten recken,	des hân ich vil vernomen,
die ie künec gewünne.	dar umbe bin ich her bekomen.

ouch hœre ich iu selben	der degenheite jehen,
daz man künec deheinen	küener habe gesehen.
des redent vil die liute	über elliu disiu lant.
nû wil ich niht erwinden,	unz ez mir werde bekant.

ich bin ouch ein recke	und solde krône tragen.
ich wil daz gerne füegen,	daz si von mir sagen,
daz ich habe von rehte	liute und lant.
dar umbe sol mîn êre	und ouch mîn houbet wesen pfant.

nû ir sît sô küene,	als mir ist geseit,
sône ruoche ich, ist daz iemen	liep oder leit,
ich wil an iu ertwingen,	swaz ir müget hân.
lant unde bürge,	daz sol mir werden undertân.“

den künec hete wunder	und sîne man alsam
umbe disiu mære,	diu er hie vernam,
daz er des hete willen,	er næme im sîniu lant.
daz hôrten sîne degene.	dô wart in zürnen bekant.

„wie hete ich daz verdienet“,	sprach Gunthêr der degen,
„des mîn vater lange	mit êren hât gepflegen,
daz wir daz solden	verliesen von iemannes kraft?
wir liezen übele schînen,	daz wir ouch pflegen ritterschaft.“

„ine wil es niht erwinden“,	sprach aber der küene man,
„ez enmüge von dînen ellen	dîn lant den vride hân,
ich wil es alles walden.	und ouch diu erbe mîn,
erwirbest dûz mit sterke,	diu sulen dir undertænec sîn.

dîn erbe und ouch daz mîne	sulen gelîche ligen.
sweder unser einer	am andern mac gesigen,
dem sol ez allez dienen,	die liute und ouch diu lant.“
daz widerredete Hagene	und Gêrnôt zehant.

„wir hân des niht gedingen“,	sprach dô Gêrnôt,
„daz wir iht lande ertwingen,	daz iemen drumbe tôt
gelige vor heldes handen.	wir haben rîchiu lant,
diu dienent uns von rehte.	ze niemen sint si baz bewant.“

mit grimmigem muote	dâ stuonden vriunde sîn.
dô was ouch dar under	von Metzen Ortwîn.
der sprach: „disiu suone,	diu ist mir harte leit.
iu hât der starke Sîvrit	unverdienet widerseit.

ob ir und iuwer bruoder	hetet niht die wer,
und ob er danne fuorte	ein ganzez küneges her,
ich trûte wol erstrîten,	daz der küene man
diz starkez übermüeten	von wâren schulden müese lân.“

daz zurnde harte sêre	der helt von Niderlant.
er sprach: „sich sol vermezzen	niht wider mich dîn hant.
ich bin ein künec rîche,	sô bistû küneges man.
jâne dorften mich dîn zwelve	mit strîte nimmêr bestân!“

nâch swerten rief dô sêre	von Metzen Ortwîn.
er mohte Hagenen swester	sun von Tronege vil wol sîn.
daz der sô lange dagete,	daz was dem künege leit.
dô understuondez Gêrnôt,	der ritter küen und gemeit.

er sprach ze Ortwîne:	„lât iuwer zürnen stân!
uns enhât der hêrre Sîvrit	sölches niht getân,
wir enmugenz noch wol scheiden	mit zühten, deist mîn rât,
und haben in ze vriunde.	daz uns noch lobelîcher stât.“

dô sprach der starke Hagene:	„uns mac wol wesen leit,
allen dînen degenen,	daz er ie gereit
durch strîten her ze Rîne.	er solde ez haben lân.
im heten mîne hêrren	sölcher leide niht getân.“

des antwurte Sîvrit,	der kreftige man:
„müet iuch daz, hêr Hagene,	daz ich gesprochen hân,
sô sol ich lâzen kiesen,	daz die hende mîn
wellent vil gewaltec	hie zen Burgonden sîn.“

„daz sol ich eine wenden“,	sprach aber Gêrnôt.
allen sînen degenen	reden er verbôt
iht mit übermüete,	des im wære leit.
dô gedâhte ouch Sîvrit	an die hêrlîchen meit.

„wie zæme uns mit iu strîten?“	sprach aber Gêrnôt,
„swaz helde nû dar under	müese ligen tôt,
wir hetens lützel êre,	und ir vil kleinen vrum.“
des antwurte im dô Sîvrit,	des künec Sigemundes sun:

„war umbe bîtet Hagene	und ouch Ortwîn,
daz er niht gâhet strîten	mit den vriunden sîn,
der er hie sô manegen	zen Burgonden hât?“
si muosen rede vermîden.	daz was Gêrnôtes rât.

„ir sult uns wesen willekomen“,	sô sprach daz Uoten kint,
„mit iuwern gesellen,	die mit iu komen sint!
wir sulen iu gerne dienen,	ich und die mâge mîn.“
dô hiez man den gesten	schenken den Gunthêres wîn.

dô sprach der wirt des landes:	„allez, daz wir hân,
geruochet irs nâch êren,	daz sî iu undertân,
und sî mit iu geteilet	lîp und guot.“
dô wart der hêrre Sîvrit	ein lützel sanfter gemuot.

dô hiez man in gehalten	allez ir gewant.
man suochte herberge,	die besten die man vant,
Sîvrides knehten.	man schuof in guot gemach.
den gast man sît vil gerne	dâ zen Burgonden sach.

man bôt im michel êre	dar nâch ze manegen tagen,
tûsent stunden mêre	dann ich iu kan gesagen.
daz hete versolt sîn ellen.	ir sult gelouben daz,
in sach vil lützel iemen,	der im wære gehaz.

sich vlizzen kurzewîle	die künege und ouch ir man,
sô was er ie der beste.	swes man dâ began,
des enkunde im gevolgen niemen,	sô michel was sîn kraft,
sô si den stein wurfen	oder schuzzen den schaft.

swâ sô bî den vrouwen	durch ir höveschheit
kurzewîle pflâgen	die ritter vil gemeit,
dâ sach man ie vil gerne	den helt von Niderlant.
er hete ûf hôhe minne	sîne sinne gewant.

swes man ie begunde,	des was sîn lîp bereit.
er truoc in sînem sinne	ein minneclîche meit,
und ouch in ein diu vrouwe,	die er noch nie gesach,
diu im in heinlîche	vil dicke güetlîchen sprach.

swenne ûf dem hove wolden	spilen dâ diu kint,
ritter und knehte,	daz sach vil dicke sint
Kriemhilt durch diu venster,	diu küneginne hêr.
deheiner kurzewîle	bedorfte si in den zîten mêr.

wesse er, daz in sæhe,	die er in herzen truoc,
dâ hete er kurzewîle	immer von genuoc.
sæhen si sîniu ougen,	ich wil wol wizzen daz,
daz im in dirre werlde	kunde nimmêr werden baz.

swenne er bî den helden	ûf dem hove stuont,
alsô noch die liute	durch kurzewîle tuont,
sô stuont sô minneclîche	daz Sigelinde kint,
daz in durch herzenliebe	trûte manec vrouwe sint.

er gedâhte ouch manege	zîte: „wie sol daz geschehen,
daz ich die maget edele	mit ougen müge sehen,
die ich von herzen minne,	und lange hân getân?
diu ist mir noch vil vremde.	des muoz ich trûric stân.“

sô ie die künege rîche	riten in ir lant,
sô muosen ouch die recken	mit in al zehant.
dâ mite muose ouch Sîvrit.	daz was der vrouwen leit.
er leit ouch von ir minne	dicke michel arbeit.

sus wonte er bî den hêrren,	daz ist al wâr,
in Gunthêres lande	volleclîch ein jâr,
daz er die minneclîchen	die zîte niene gesach.
dâ von im sît vil liebe	und ouch vil leide geschach.

nû nâhten vremdiu	mære in Gunthêres lant
von boten, die in verre	wurden dar gesant
von unkunden recken,	die in truogen haz.
dô si die rede vernâmen,	leit was in wærlîche daz.

die wil ich iu nennen:	ez was Liudegêr
ûzer Sahsen lande,	ein rîcher fürste hêr,
und ouch von Tenemarke	der künec Liudegast.
die brâhten in ir reise	vil manegen hêrlîchen gast.

ir boten komen wâren	in Gunthêres lant,
die sîne widerwinnen	heten dar gesant.
dô vrâgete man der mære	die unkunden man.
man hiez die boten balde	ze hove für den künec gân.

der gruozte si vil schône.	er sprach: „sît willekomen!
wer iuch her habe gesendet,	des enhân ich niht vernomen.
daz sult ir lâzen hœren“,	sprach der künec guot.
dô vorhten si vil sêre	den grimmen Gunthêres muot.

„welt ir, künec,	erlouben, daz wir iu mære sagen,
diu wir iu dâ bringen,	sône sul wir niht verdagen,
wir nennen iu die hêrren,	die uns her habent gesant.
Liudegast und Liudegêr,	die wellent suochen her enlant.

ir habt ir zorn verdienet.	jâ hôrten wir wol daz,
daz iu die hêrren beide	tragent grôzen haz!
si wellent herverten	ze Wormez an den Rîn.
in hilfet vil der degene,	daz wizzet ûf die triuwe mîn.

inre zwelf wochen	diu reise muoz geschehen.
habt ir iht guoter vriunde,	daz lâzet balde sehen,
die iu vriden helfen	die bürge und iuwer lant.
hie wirt von in verhouwen	vil manec helm und rant.

oder welt ir mit in dingen,	sô enbietet ez in dar.
sône rîtent iu sô nâhen	niht die manegen schar
der iuwer starken vîande	ûf herzenlîchiu leit,
dâ von verderben müezen	vil guote ritter gemeit.“

„nû bîtet eine wîle“,	sprach der künec guot,
„unz ich mich baz versinne.	ich künd iu mînen muot.
hân ich getriuwer iemen,	diene sol ich niht verdagen.
disiu starken mære	sol ich mînen vriunden klagen.“

Gunthêre dem vil rîchen	wart leide genuoc.
die rede er tougenlîchen	in sînem herzen truoc.
er hiez gewinnen Hagenen	und ander sîne man
und bat ouch harte balde	ze hove nâch Gêrnôte gân.

dô kômen die besten,	swaz man der dâ vant.
er sprach: „man wil uns suochen	her in unser lant
mit starken herverten.	daz lât iu wesen leit!“
des antwurte Gêrnôt,	ein ritter küen und gemeit:

„daz wer êt wir mit swerten“,	sô sprach Gêrnôt,
„dâ sterbent wan die veigen.	die lâzen ligen tôt.
dar umb ich niht vergezzen	mac der êren mîn.
die unsern vîande	suln uns willekomen sîn!“

dô sprach von Tronege Hagene:	„daz endunket mich niht guot.
Liudegast und Liudegêr,	die tragent übermuot.
wir mugen uns niht besenden	in sô kurzen tagen“,
sô sprach der küene recke.	„wan müget ir ez Sîvride sagen?“

die boten herbergen	hiez man in die stat.
swie vîent man in wære,	vil schône ir pflegen bat
Gunthêr der rîche,	daz was wol getân,
unz er ervant an vriunden,	wer im dâ wolde gestân.

dem künege in sînen sorgen	was iedoch vil leit.
dô sach in trûrende	ein ritter vil gemeit,
der niht mohte wizzen,	waz im was geschehen.
dô bat er im der mære	den künec Gunthêr verjehen.

„mich nimt des michel wunder“,	sprach dô Sîvrit,
„wie habt ir sô verkêret	die vrœlîchen sit,
der ir mit uns nû lange	habt al her gepflegen?“
des antwurte im dô Gunthêr,	der vil zierlîche degen:

„jâne mac ich allen	liuten die swære niht gesagen,
die ich muoz tougenlîche	in mînem herzen tragen!
man sol stæten vriunden	klagen herzen nôt.“
diu Sîvrides varwe	wart dô bleich und rôt.

er sprach zuo dem künege:	„ine hân iu niht verseit.
ich sol iu helfen wenden	elliu iuwer leit.
welt ir vriunde suochen,	der sol ich einer sîn,
und trûwez wol volbringen	mit êren an daz ende mîn.“

„nû lôn iu got hêr Sîvrit,	diu rede dunket mich guot.
und ob mir nimmêr helfe	iuwer ellen getuot,
ich vröu mich doch der mære,	daz ir mir sît sô holt.
leb ich deheine	wîle, ez wirdet umb iuch wol versolt.

ich wil iuch lâzen hœren,	war umb ich trûrec stân.
von boten mîner vîande	ich daz vernomen hân,
daz si mich wellen suochen	mit herverten hie.
daz getâten uns noch degene	her zuo disen landen nie.“

„daz lât iuch ahten ringe“,	sprach dô Sîvrit,
„und senftet iuwerem muote.	tuot, des ich iuch bit!
lât mich iu erwerben	êre unde vrumen
und bittet iuwer degene,	daz si iu ouch ze helfe kumen.

swenne iuwer starken vîande	zir helfe möhten hân
drîzec tûsent degene,	sô wolde ich si bestân,
und hete ich niuwan tûsent.	des lât iuch an mich.“
dô sprach der künec Gunthêr:	„daz dien ich immer umbe dich.“

„sô heizet mir gewinnen	tûsent iuwer man,
sît daz ich der mînen	bî mir niht enhân
niuwan zwelf recken.	sô wer ich iuwer lant.
iu sol mit triuwen dienen	immer Sîvrides hant.

des sol uns helfen Hagene	und ouch Ortwîn,
Dancwart und Sindolt,	die lieben recken dîn.
ouch sol dâ mit rîten	Volkêr, der küene man,
der sol den vanen füeren.	baz ichs niemen engan.

und lât die boten rîten	heim in ir hêrren lant.
daz si uns sehen schiere,	daz tuo man in bekant,
sô daz unser bürge	müezen vride hân.“
dô hiez der künec besenden	beide mâge und man.

die boten Liudegêres	ze hove giengen dô.
daz si ze lande solden,	des wâren si vil vrô.
dô bôt in rîche gâbe	Gunthêr, der künec guot,
und schuof in sîn geleite.	des stuont in hôhe der muot.

„nû sagt“, sprach dô Gunthêr,	„den starken vîanden mîn,
si mugen mit ir reise	wol dâ heime sîn.
wellen aber si mich suochen	her in mîniu lant,
mir enzerinne mîner	vriunde, in wirt arbeit erkant.“

den boten rîche gâbe	man dô für truoc.
der hete in ze gebene	Gunthêr genuoc.
diene torsten versprechen	die Liudegêres man,
dô si urloup genâmen.	si schieden vrœlîche dan.

dô die boten wâren	ze Tenemarke komen,
und der künec Liudegast	hete daz vernomen,
wie si von Rîne kœmen,	als im daz wart geseit,
ir starkez übermüeten,	daz was im wærlîchen leit.

si sagten, daz si heten	vil manegen küenen man.
ouch sâhen si dar under	einen recken stân,
der was geheizen Sîvrit,	ein helt ûz Niderlant.
ez leidete Liudegaste,	als er daz mære rehte ervant.

dô die von Tenemarke	ditze hôrten sagen,
dô îlten si der vriunde	deste mêr bejagen,
unz daz hêr Liudegast	sîner küenen man
zweinzec tûsent degene	zuo sîner reise gewan.

dô besande ouch sich von Sahsen	der künec Liudegêr,
unze si vierzec tûsent	heten unde mêr,
mit den si wolden rîten	in Burgonden lant.
dô hete ouch sich hie heime	der künec Gunthêr besant

mit den sînen mâgen	und sîner bruoder man,
die si wolden füeren	durch urliuge dan,
und ouch die Hagenen recken.	des gie den helden nôt.
dar umbe muosen degene	sider kiesen den tôt.

si vlizzen sich der reise,	dô si wolden dan.
den vanen muose leiten	Volkêr, der küene man,
alsô si wolden rîten	von Wormez über Rîn.
Hagene von Tronege,	der muose scharmeister sîn.

dâ mite reit ouch Sindolt	und Hûnolt,
die wol gedienen kunden	daz Gunthêres golt.
Dancwart, Hagenen bruoder,	und ouch Ortwîn,
die mohten wol mit êren	in der herverte sîn.

„hêr künec, nû sît hie heime“,	sprach dô Sîvrit,
„sît daz iuwer recken	mir wellent volgen mit,
belîbet bî den vrouwen	und traget hôhen muot!
ich trûwe iu wol behüeten	beidiu êre unde guot.

die iuch dâ wolden suochen	ze Wormez an den Rîn,
daz wil ich wol behüeten,	si mügen dâ heime sîn.
wir sulen in gerîten	sô nâhen in ir lant,
daz in ir übermüeten	werde in sorgen erwant.“

von Rîne si durch Hessen	mit ir helden riten
gegen Sahsen lande.	dâ wart sît gestriten.
mit roube und ouch mit brande	wuosten si daz lant,
daz ez den fürsten beiden	wart mit arbeit bekant.

si kômen ûf die marke.	die knehte zogten dan.
Sîvrit der vil starke	vrâgen des began:
„wer sol des gesindes	uns nû hüeten hie?“
jâne wart den Sahsen	geriten schedelîcher nie.

si sprâchen: „lât die tumben	hüeten ûf den wegen
den küenen Dancwarten.	der ist ein sneller degen.
wir verliesen deste minre	von Liudegêres man.
lât in und Ortwînen	hie die nâchhuote hân!“

„sô wil ich selbe rîten“,	sprach Sîvrit der degen,
„und wil der warte gegen	den vîanden pflegen,
unz ich rehte ervinde,	wâ die recken sint.“
dô wart gewâfent schiere	der schœnen Sigelinden kint.

daz volc bevalch er Hagenen,	dô er wolde dan,
und Gêrnôte,	dem vil küenen man.
dô reit er eine dannen	in der Sahsen lant.
des wart von im verhouwen	des tages manec helmbant.

dô sach er her daz grôze,	daz ûf dem velde lac,
daz wider sîner helfe	mit unfuoge wac.
des was wol vierzec	tûsent oder dannoch baz.
Sîvrit in hôhem muote	sach vil vrœlîche daz.

dô hete ouch sich ein recke	gein den vîanden dar
erhaben ûf die warte,	der was ze vlîze gar.
den sach der hêrre Sîvrit,	und in der küene man.
ietweder dô des andern	mit nîde hüeten began.

ich sag iu, wer der wære,	der der warte pflac:
ein liehter schilt von golde	im vor der hende lac.
ez was der künec Liudegast,	der huote sîner schar.
dirre gast vil edele	sprancte vil hêrlîchen dar.

nû hete ouch in hêr Liudegast	vîentlîch erkorn.
ir ross si nâmen beide	zen sîten mit den sporn.
si neigten ûf die schilde	die schefte mit ir kraft.
des wart der künec rîche	mit grôzen sorgen behaft.

diu ross nâch stiche truogen	diu rîchen küneges kint
beide für ein ander,	sam si wæte ein wint.
mit zoumen wart gewendet	vil ritterlîche dan.
mit swerten ez versuochten	die zwêne grimmige man.

dô sluoc der hêrre Sîvrit,	daz al daz velt erdôz.
dô stoup ûz dem helme	sam von brenden grôz
die fiuwer rôten vanken	von des heldes hant.
ir ietweder den sînen	an dem andern vant.

ouch sluoc im hêr Liudegast	vil manegen grimmen slac.
ir ietweders ellen	ûf schilden vaste lac.
dô heten dar gehüetet	wol drîzec sîner man.
ê daz im die kœmen,	den sic doch Sîvrit gewan

mit drîen starken wunden,	die er dem künege sluoc
durch eine wîze brünne,	diu was guot genuoc.
daz swert an sînen ecken	brâhte ûz wunden bluot.
des muose der künec Liudegast	haben trûrigen muot.

er bat sich leben lâzen	und bôt im sîniu lant
und sagte im, daz er wære	Liudegast genant.
dô kômen sîne recken.	die heten wol gesehen,
waz dâ von in beiden	ûf der warte was geschehen.

er wolde in füeren dannen.	dô wart er an gerant
von drîzec sînen mannen.	dô werte des heldes hant
sînen rîchen gîsel	mit ungefüegen slegen.
sît tet schaden mêre	der vil zierlîche degen.

die drîzec er ze tôde	vil werlîche sluoc.
er liez ir leben einen.	balde er reit genuoc
und sagte hin diu mære,	waz hie was geschehen.
ouch mohte mans die wârheit	an sînem rôtem helme sehen.

den von Tenemarke	was vil grimme leit,
ir hêrre was gevangen.	dô in daz wart geseit,
man sagte ez sînem bruoder.	toben er began
von ungefüegem zorne,	wand im was leide getân.

Liudegast der recke	was gefüeret dan
von Sîvrides gewalte	zuo Gunthêres man.
er bevalch in Hagenen.	dô in daz wart geseit,
daz ez der künec wære,	dô was in mæzlîche leit.

man hiez den Burgonden	ir vanen binden an.
„wol ûf!“ sprach Sîvrit,	„hie wirt mêr getân,
ê sich der tac verende.	sol ich haben den lîp,
daz müet in Sahsen lande	vil manec wætlîchez wîp.

ir helde von dem Rîne,	ir sult mîn nemen war.
ich kan iuch wol geleiten	in Liudegêres schar.
sô seht ir helme houwen	von guoter helde hant.
ê daz wir wider wenden,	in wirdet sorge bekant.“

zen rossen gâhte Gêrnôt	und sîne man.
den vanen zucte balde	der starke spileman,
Volkêr der hêrre.	dô reit er vor der schar.
dô was ouch daz gesinde	ze strîte hêrlîchen gar.

si fuorten doch niht mêre	niuwan tûsent man,
dar über zwelf recken.	stieben dô began
die molten von den strâzen.	si riten über lant.
dâ sach man von in schînen	vil manegen hêrlîchen rant.

dô wâren ouch die Sahsen	mit ir scharn komen,
mit swerten wol gewahsen,	daz hân ich sît vernomen.
diu swert, diu sniten sêre	den helden an der hant.
dô wolden si den gesten	weren bürge und lant.

der hêrren scharmeister	daz volc dô fuorte dan.
dô was ouch komen Sîvrit	mit den sînen man,
die er mit im brâhte	ûzer Niderlant.
des tages wart in sturme	vil manec bluotigiu hant.

Sindolt und Hûnolt	und ouch Gêrnôt,
die sluogen in dem strîte	vil manegen helt tôt,
ê si daz rehte erfunden,	wie küene was ir lîp.
daz muose sît beweinen	vil manec edel wîp.

Volkêr und Hagene	und ouch Ortwîn,
die laschten ime strîte	vil maneges helmes schîn
mit vliezendem bluote,	die sturmküene man.
dâ wart von Dancwarte	vil michel wunder getân.

die von Tenemarke	versuochten wol ir hant.
dô hôrte man von hurte	erdiezen manegen rant
und ouch von scharpfen swerten,	der man dâ vil gesluoc.
die strîtküenen Sahsen tâten	schaden dâ genuoc.

dô die von Burgonden	drungen in den strît,
von in wart erhouwen	vil manec wunde wît.
dô sach man über setele	vliezen daz bluot.
sus wurben nâch den êren	die ritter küene unde guot.

man hôrte dâ lûte erhellen	den helden an der hant
diu vil scharpfen wâfen,	dô die von Niderlant
drungen nâch ir hêrren	in die herten schar.
si kômen degenlîche	mit samt Sîvride dar.

volgen der von Rîne	niemen man im sach.
man mohte kiesen vliezen	den bluotigen bach
durch die liehten helme	von Sîvrides hant,
unz er Liudegêren	vor sînen hergesellen vant.

drî widerkêre	hete er nû genomen
durch daz her anz ende.	nû was Hagene komen,
der half im wol ervollen	in sturme sînen muot.
des tages muose ersterben	vor in manec ritter guot.

dô der starke Liudegêr	Sîvriden vant,
und daz er alsô hôhe	truoc an sîner hant
den guoten Balmungen	und ir sô manegen sluoc,
des wart der hêrre zornec	und grimmic genuoc.

dô wart ein michel dringen	und grôzer swerte klanc,
dâ ir ingesinde	zuo zein ander dranc.
dô versuochten sich die recken	beide deste baz.
die schar begunden wîchen.	sich huop dâ grœzlîcher haz.

dem vogte von den Sahsen	was daz wol geseit,
sîn bruoder was gevangen.	daz was im harte leit.
wol wesser, daz ez tæte	daz Sigelinde kint.
man zêch ez Gêrnôte.	vil wol ervant erz sint.

die slege Liudegêres,	die wâren alsô starc,
daz Sîvride under satele	strûchte daz marc.
dô sich daz ross erholte,	der küene Sîvrit,
der gewan in dem sturme	einen vreislîchen sit.

des half im wol Hagene	und ouch Gêrnôt,
Dancwart und Volkêr.	des lac ir vil dâ tôt.
Sindolt und Hûnolt	und Ortwîn der degen,
die kunden in dem strîte	zem tôde manegen nider legen.

in sturme ungescheiden	wâren die fürsten hêr.
dô sach man über helme	vliegen manegen gêr
durch die liehten schilde	von der helde hant.
man sach dâ var nâch bluote	vil manegen hêrlîchen rant.

in dem starken sturme	erbeizte manec man
nider von den rossen.	ein ander liefen an
Sîvrit der vil küene	und ouch Liudegêr.
man sach dâ schefte vliegen	und manegen scharpfen gêr.

dô vlouc daz schiltgespenge	von Sîvrides hant.
den sic gedâhte erwerben	der helt von Niderlant
an den küenen Sahsen,	der man vil wunder sach.
hey, waz dâ liehter ringe	der küene Dancwart zebrach!

dô hete der hêrre Liudegêr	ûf einem schilde erkant
gemâlet eine krône	vor Sîvrides hant.
wol wesse er, daz ez wære	der kreftige man.
der helt zuo sînen vriunden	dô lûte rüefen began:

„geloubet iuch des sturmes,	alle mîne man!
sun den Sigemundes	ich hie gesehen hân.
Sîvriden den starken	hân ich hie bekant.
in hât der übele tiuvel	her zen Sahsen gesant.“

die vanen hiez er lâzen	in dem sturme nider.
vrides er dô gerte.	des werte man in sider,
doch muose er werden	gîsel in Gunthêres lant.
daz hete an im betwungen	des küenen Sîvrides hant.

mit gemeinem râte	sô liezen si den strît.
dürkel vil der helme	und ouch der schilde wît
si leiten von den handen.	swaz sô man der vant,
die truogen bluotes varwe	von der Burgonden hant.

si viengen swen si wolden,	des heten si gewalt.
Gêrnôt und Hagene,	die recken vil balt,
die wunden hiezen bâren.	si fuorten mit in dan
gevangen zuo dem Rîne	fünf hundert werlîcher man.

die sigelôsen recken	ze Tenemarke riten.
dône heten ouch die Sahsen	sô hôhe niht gestriten,
daz man in lobes jæhe.	daz was den helden leit.
dô wurden ouch die veigen	von vriunden sêre gekleit.

si hiezen daz gewæfen	wider soumen an den Rîn.
ez hete wol geworben	mit den helden sîn
Sîvrit der recke.	der hete ez guot getân,
des im jehen muosen	alle Gunthêres man.

gegen Wormez sande	der hêrre Gêrnôt.
heim zuo sînem lande	den vriunden er enbôt,
wie gelungen wære	im und sînen man.
ez heten die vil küenen	wol nâch êren getân.

die garzûne liefen.	von den wart ez geseit.
dâ vröuten sich vor liebe,	die ê dâ heten leit,
dirre lieben mære,	die in dâ wâren komen.
dâ wart von edelen	vrouwen michel vrâgen vernomen,

wie gelungen wære	des rîchen küneges man.
man hiez der boten einen	für Kriemhilde gân.
daz geschach vil tougen.	jâne torste si über lût,
wan si hete dar under	ir vil liebez herzen trût.

dô si den boten komende	zir kemenâten sach,
Kriemhilt diu schœne	vil güetlîchen sprach:
„nû sag an liebiu mære!	jâ gip ich dir mîn golt!
tuost dûz âne liegen,	ich wil dir immer wesen holt.

wie schiet ûz dem strîte	mîn bruoder Gêrnôt
und ander mîne vriunden?	ist uns iht maneger tôt?
oder wer tet dâ daz beste?	daz solt dû mir sagen.“
dô sprach der bote schiere:	„wir heten niender keinen zagen.

ze ernste und ze strîte	reit niemen alsô wol,
vil edeliu küneginne,	sît ichz iu sagen sol,
sô der gast vil edele	ûzer Niderlant.
dâ worhte michel wunder	des küenen Sîvrides hant.

swaz die recken alle	in strîte hânt getân,
Dancwart und Hagene	und ander sküneges man,
swaz si striten nâch êren,	daz ist gar ein wint
unz eine an Sîvriden,	des künec Sigemundes kint.

si vrumten in dem sturme	der helde vil erslagen,
doch möhte iu daz wunder	niemen wol gesagen,
waz dâ worhte Sîvrit.	swenne er ze strîte reit,
den vrouwen an ir mâgen	tet er diu grœzlîchen leit.

ouch muoste dâ belîben	maneger vrouwen trût.
sîne slege man hôrte	ûf helmen alsô lût,
daz si von wunden brâhten	daz vliezende bluot.
er ist an allen tugenden	ein ritter küen unde guot.

swaz dâ hât begangen	von Metzen Ortwîn!
swaz er ir mohte erlangen	mit dem swerte sîn,
die muosen wunt belîben	oder meistec tôt.
dâ tet iuwer bruoder	die aller grœzisten nôt,

diu immer in den stürmen	kunde sîn geschehen.
man muoz der wârheite	den ûz erwelten jehen:
die stolzen Burgonden	habent sô gevarn,
daz si vor allen schanden	ir êre kunnen wol bewarn.

man sach dâ vor ir handen	vil manegen satel blôz,
dâ von liehten swerten	daz velt sô lûte erdôz.
die recken von dem Rîne,	die habent sô geriten,
daz ez ir vîanden	wære bezzer vermiten.

die küenen Tronegære,	die vrumten grôziu leit,
dô mit volkes kreften	daz her ze samne reit.
dâ vrumte manegen tôten	des küenen Hagenen hant.
des vil ze sagene wære	her ze Burgonden lant.

Sindolt und Hûnolt,	die Gêrnôtes man,
und Rûmolt der küene,	die hânt sô vil getân,
daz ez Liudegêre	mac immer wesen leit,
daz er den dînen mâgen	ze Rîne hete widerseit.

strît den aller hœhsten,	der iender dâ geschach,
ze jungest und zem êrsten,	den ieman gesach,
den tet vil willeclîche	diu Sîvrides hant.
er bringet rîche gîsel	in daz Gunthêres lant.

die twanc mit sînen ellen	der wætlîche man,
des ouch der künec Liudegast	muoz den schaden hân,
und ouch von Sahsen lande	sîn bruoder Liudegêr.
nû hœret mîniu mære,	edeliu küneginne hêr:

si hât gevangen beide	diu Sîvrides hant.
nie sô manegen gîsel	man brâhte in ditze lant,
sô von sînen schulden	nû kumt an den Rîn.“
ir kunden disiu mære	nimmêr lieber sîn.

„man bringet der gesunden	fünf hundert oder baz,
und der verchwunden,	vrouwe, wizzet daz,
wol ahzec rôte bâre	her in unser lant.
die meistec hât verhouwen	des starken Sîvrides hant.

die durch übermüeten	widersagten an den Rîn,
die müezen nû gevangen	die Gunthêres sîn.
die bringet man mit vröuden	her in ditze lant.“
dô erblüete ir liehtiu varwe,	dô si diu mære rehte ervant.

ir schœnez antlütze,	daz wart rôsen rôt,
dô mit liebe was gescheiden	ûz der grôzen nôt
der wætlîche recke,	Sîvrit, der junge man.
si vröute ouch sich ir vriunde.	daz was von schulden getân.

dô sprach diu minneclîche:	„dû hâst mir wol geseit.
dû solt haben dar umbe	ze miete rîchiu kleit
und zehen marc von golde.	die heiz ich dir tragen.“
des mac man sölchiu mære	rîchen vrouwen gerne sagen.

man gap im sîne miete,	daz golt und ouch diu kleit.
dô gie an diu venster	vil manec schœniu meit.
si warten ûf die strâzen.	rîten man dô vant
vil der hôchgemuoten	in der Burgonden lant.

dâ kômen die gesunden,	die wunden tâten sam.
si mohten grüezen hœren	von vriunden âne scham.
der wirt gein sînen gesten	vil vrœlîche reit.
mit vröuden was verendet	daz sîn vil grœzlîche leit.

dô enpfie er wol die sîne,	die vremden tet er sam,
wan dem rîchen künege	anders niht gezam
wan danken güetlîche	den, die im wâren komen,
daz si den sic nâch êren	in sturme heten genomen.

Gunthêr bat im mære	von sînen vriunden sagen,
wer im an der reise	ze tôde wære erslagen.
dô hete er verloren niemen	niuwan sehzec man.
verklagen man die muose,	sô sît nâch helden was getân.

die gesunden brâhten	zerhouwen manegen rant,
von helme vil verschrôten,	in Gunthêres lant.
daz volc erbeizte nidere	für des küneges sal
ze liebem antpfange.	man hôrte vrœlîchen schal.

dô hiez man herbergen	die recken in die stat.
der künec sîner geste	vil schône pflegen bat.
er hiez der wunden hüeten,	und schaffen guot gemach.
wol man sîne tugende	an sînen vîanden sach.

er sprach ze Liudegaste:	„nû sît mir willekomen!
ich hân von iuwern schulden	vil grôzen schaden genomen.
der wirt mir nû vergolten,	ob ich gelücke hân.
got lône mînen vriunden,	si hânt liebe getân.“

„ir muget in gerne danken“,	sprach dô Liudegêr,
„alsô hôher gîsel	gewan nie künec mêr.
umbe schœne huote	wir geben michel guot,
daz ir genædeclîche	an iuwern vîanden tuot.“

„ich wil iuch beide lâzen“,	sprach er, „ledec gân.
daz mîne vîande	hie bî mir bestân,
des wil ich haben bürgen,	daz si mîniu lant
iht rûmen âne hulde.“	des bôt Liudegêr die hant.

man brâhte si ze ruowe	und schuof in ir gemach.
den wunden man gebettet	vil güetlîchen sach.
man schancte den gesunden	met und guoten wîn,
dô kunde daz gesinde	nimmêr vrœlîcher sîn.

ir zerhouwen schilde	behalten man dô truoc.
vil bluotiger setele,	der was dâ genuoc.
die hiez man verbergen,	daz weinten niht diu wîp.
dâ kom hermüede maneges	guoten ritters lîp.

der künec pflac sîner	geste vil grœzlîche wol.
der vremden und der kunden	diu lant wâren vol.
er bat der sêre wunden	vil güetlîche pflegen.
dô was ir übermüeten	vil harte ringe gelegen.

die erzenîe kunden,	den bôt man rîchen solt,
silber âne wâge,	dar zuo daz liehte golt,
daz si die helde nerten	nâch der strîtes nôt.
dar zuo der künec den gesten	gâbe grœzlîchen bôt.

die wider heim ze hûse	heten reise muot,
die bat man noch belîben,	alsô man vriunden tuot.
der künec dô gie ze râte,	wie er lônte sînen man.
si heten sînen willen	nâch grôzen êren getân.

dô sprach der hêrre Gêrnôt:	„man sol si rîten lân.
über sehs wochen	sî in daz kunt getân,
daz si komen widere	ze einer hôchgezît.
sô ist ir maneger geheilet,	der nû vil sêre wunder lît.“

dô gerte ouch urloubes	Sîvrit von Niderlant.
dô der künec Gunthêr	den willen sîn ervant,
er bat in minneclîche	noch bî im bestân.
niuwan durch sîne swester schœne,	sône wære ez nimmêr getân.

dar zuo was er ze rîche,	daz er iht næme solt.
er hete daz wol verdienet.	der künec was im holt,
sam wâren sîne mâge,	die heten daz gesehen,
waz von sînen kreften	in dem strîte was geschehen.

durch der schœnen willen	gedâhte er noch bestân,
ob er si gesehen möhte.	sît wart ez getân.
wol nâch sînem willen	wart im diu maget bekant.
sît reit er vrœlîche	in daz Sigemundes lant.

der wirt hiez ze allen zîten	ritterschefte pflegen.
daz tet dô willeclîchen	vil manec junger degen.
die wîle hiez er sidelen	vor Wormez ûf den sant
den, die im komen solden	zuo der Burgonden lant.

in den selben zîten,	dô si nû solden komen,
dô hete diu schœne Kriemhilt	diu mære wol vernomen,
er wolde hôchgezîte	durch liebe vriunde hân.
dô wart vil michel vlîzen	von schœnen vrouwen getân

mit wæte und mit gebende,	daz si dâ solden tragen.
Uote diu vil rîche	diu mære hôrte sagen
von den stolzen recken,	die dâ solden komen.
dô wart ûz der valde	vil rîcher kleider genomen.

durch ir kinde liebe	hiez si bereiten kleit.
dâ mite wart gezieret	vil manec vrouwe und manec meit,
und vil der jungen recken	ûz Burgonden lant.
ouch hiez si vil den vremden	prüeven hêrlîch gewant.

man sach si tegelîchen	nû rîten an den Rîn,
die zer hôchgezîte	gerne wolden sîn.
die durch des küneges liebe	kômen in daz lant,
den bôt man sümelîchen	ross und hêrlîch gewant.

in was ir gesidele	allen wol bereit,
den hœhsten und den besten,	als uns daz ist geseit,
zwein und drîzec fürsten,	dâ zer hôchgezît.
dâ zierten sich engegene	die schœnen vrouwen wider strît.

ez was dâ vil unmüezec	Gîselhêr daz kint.
die geste mit den kunden,	vil güetelîch sint
die enpfienc er und Gêrnôt,	und ouch ir beider man.
jâ gruozten si die degene,	als ez nâch êren was getân.

vil golt rôter setele	si fuorten in daz lant.
zierlîche schilde	und hêrlîch gewant
brâhten si ze Rîne	zuo der hôchgezît.
manegen ungesunden	sach man vrœlîchen sît.

die in den betten lâgen	und heten wunden nôt,
die muosen des vergezzen,	wie herte was der tôt.
die siechen ungesunden	muosen si verklagen.
si vröuten sich der mære	gein der hôchgezîte tagen,

wie si leben wolden	dâ zer wirtschaft.
wunne âne mâze	mit vröuden überkraft
heten al die liute,	swaz man ir dâ vant.
des huop sich michel vröude	über al daz Gunthêres lant.

an einem pfinxtmorgen	sach man füre gân
gekleidet wunneclîche	vil manegen küenen man,
fünf tûsent oder mêre,	dâ zer hôchgezît.
sich huop diu kurzewîle	an manegem ende wider strît.

der wirt der hete die sinne,	im was daz wol erkant,
wie rehte herzenlîche	der helt von Niderlant
sîne swester trûte,	swie er si niene gesach,
der man sô grôzer schœne	vor allen juncvrouwen jach.

dô sprach zuo dem künege	der degen Ortwîn:
„welt ir mit vollen êren	zer hôchgezîte sîn,
sô sult ir lâzen schouwen	diu wunneclîchen kint,
die mit sô grôzen êren	hie zen Burgonden sint.

waz wære mannes wunne,	des vröute sich sîn lîp,
ez entæten schœne megede	und hêrlîchiu wîp?
lâzet iuwer swester	für iuwer geste gân!“
der rât, der was ze liebe	manegem helde getân.

„des wil ich gerne volgen“,	sprach der künec dô.
alle, die ez erfunden,	die wârens harte vrô.
er enbôt ez vrouwen Uoten	und ir tohter wolgetân,
daz si mit ir megeden	hin ze hove solden gân.

dô wart ûz den schrînen	gesuochet guot gewant.
swaz man in der valde	der edelen wæte vant,
die bouge mit den porten,	des was in vil bereit.
sich zierte vlîzeclîche	vil manec wætlîchiu meit.

vil manec recke tumber	des tages hete muot,
daz er an ze sehene	den vrouwen wære guot,
daz er dâ für niht næme	eins rîchen küneges lant.
si sâhen die vil gerne,	die si nie heten bekant.

dô hiez der künec rîche	mit sîner swester gân,
die ir dienen solden,	wol hundert sîner man,
ir und sîner mâge.	die truogen swert enhant.
daz was daz hovegesinde	von der Burgonden lant.

Uoten die vil rîchen,	die sach man mit ir komen.
diu hete schœne vrouwen	geselleclîch genomen
wol hundert oder mêre.	die truogen rîchiu kleit.
ouch gie dâ nâch ir tohter	vil manec wætlîchiu meit.

von einer kemenâten	sach man si alle gân.
dô wart vil michel dringen	von helden dar getân,
die des gedingen heten,	ob kunde daz geschehen,
daz si die maget edele	solden vrœlîche sehen.

nû gie diu minneclîche,	alsô der morgen rôt
tuot ûz den trüeben wolken.	dâ schiet von maneger nôt,
der si dâ truoc in herzen,	und lange hete getân.
er sach die minneclîchen	nû vil hêrlîchen stân.

jâ lûhte ir von ir wæte	vil manec edel stein.
ir rôsen rôtiu varwe	vil minneclîchen schein.
ob iemen wünschen solde,	der kunde niht gejehen,
daz er ze dirre werlde	hete iht schœners gesehen.

sam der liehte mâne	vor den sternen stât,
der schîn sô lûterlîche	ab den wolken gât,
dem stuont si nû gelîche	vor maneger vrouwen guot.
des wart dâ wol gehœhet	den zieren helden der muot.

die rîchen kamerære	sach man vor ir gân.
die hôchgemuoten degene,	diene wolden daz niht lân,
sine drungen, dâ si sâhen	die minneclîchen meit.
Sîvride dem hêrren	wart beide liep und leit.

er dâhte in sînem muote:	„wie kunde daz ergân,
daz ich dich minnen solde?	daz ist ein tumber wân.
sol aber ich dich vremeden,	sô wære ich sanfter tôt.“
er wart von den gedanken	vil dicke bleich und rôt.

dô stuont sô minneclîche	daz Sigemundes kint,
sam er entworfen wære	an ein permint
von guotes meisters listen.	alsô man im jach,
daz man helt deheinen	nie sô schœnen gesach.

die mit den vrouwen giengen,	die hiezen von den wegen
wîchen allenthalben.	daz leiste manec degen.
diu hôhe tragenden herzen	vröuten manegen lîp.
man sach in hôhen zühten	manec hêrlîchez wîp.

dô sprach von Burgonden	der hêrre Gêrnôt:
„der iu sînen dienest	sô güetlîchen bôt,
Gunthêr, vil lieber	bruoder, dem sult ir tuon alsam
vor allen disen recken.	des râtes ich nimmêr mich gescham,

ir heizet Sîvride	zuo mîner swester kumen.
daz in diu maget grüeze,	des habe wir immer vrumen.
diu nie gegrüezte recken,	diu sol in grüezen pflegen.
dâ mit wir haben gewunnen	den vil zierlîchen degen.“

dô giengens wirtes mâge,	dâ man den helt vant.
si sprâchen zuo dem recken	ûzer Niderlant:
„iu hât der künec erloubet,	ir sult ze hove gân.
sîn swester sol iuch grüezen,	daz ist zen êren iu getân.“

der hêrre in sînem muote	was des vil gemeit.
dô truoc er ime herzen	liep âne leit,
daz er sehen solde	der schœnen Uoten kint.
mit minneclîchen tugenden	si gruozte Sîvride sint.

dô si den hôchgemuoten	vor ir stênde sach,
dô erzunde sich sîn varwe.	diu schœne maget sprach:
„sît willekomen, hêr Sîvrit,	ein edel ritter guot!“
dô wart im von dem gruoze	vil wol gehœhet der muot.

er neic ir vlîzeclîche.	bî der hende si in vie.
wie rehte minneclîche	er bî der vrouwen gie!
mit lieben ougen blicken	ein ander sâhen an
der hêrre und ouch diu vrouwe.	daz wart vil tougenlîch getân.

wart iht dâ vriuntlîche	getwungen wîziu hant
von herzenlieber minne,	daz ist mir niht bekant.
doch enkan ich niht gelouben,	daz ez wurde lân.
si hete im holden willen	kunt vil schiere getân.

bî der summer zîte	und gein des meien tagen
dorfte er in sînem	herzen nimmêr mêr getragen
sô vil der hôhen vröude,	denn er dâ gewan,
dô im diu gie enhende,	die er ze trûte wolde hân.

dô gedâhte manec recke:	„hey, wære mir sam geschehen,
daz ich ir gienge nebene,	sam ich in hân gesehen,
oder bî ze ligene!	daz lieze ich âne haz.“
ez engediente noch nie recke	nâch einer küneginne baz.

von swelcher künege lande	die geste kômen dar,
die nâmen al gelîche	niuwan ir zweier war.
ir wart erloubet küssen	den wætlîchen man.
im wart in al der werlde	nie sô liebe getân.

der künec von Tenemarke,	der sprach sâ ze stunt:
„dises vil hôhen gruozes	lît maneger ungesunt,
des ich vil wol enpfinde,	von Sîvrides hant.
got enlâz in nimmêr mêre komen	in mîniu küneges lant!“

man hiez dô allenthalben	wîchen von den wegen
der schœnen Kriemhilde.	manegen küenen degen
sach man gezogenlîche	zer kirchen mit ir gân.
sît wart von ir gescheiden	der vil wætlîche man.

dô gie si zuo dem münster.	ir volgete manec wîp.
dô was ouch sô gezieret	der küneginne lîp,
daz dâ hôher wünsche	vil maneger wart verlorn.
si was dâ ze ougenweide	vil manegem recken erkorn.

vil kûme erbeite Sîvrit,	daz man dâ gesanc.
er mohte sînen sælden	des immer sagen danc,
daz im diu was sô wæge,	die er in herzen truoc.
ouch was er der schœnen	holt von schulden genuoc.

dô si kom ûz dem münster,	sam er hete ê getân,
man bat den degen küenen	wider zuo zir gân.
alrêst begunde im danken	diu minneclîche meit,
daz er vor manegem helde	sô rehte hêrlîchen streit.

„nû lôn iu got, hêr Sîvrit“,	sprach daz vil schœne kint,
„daz ir daz habt verdienet,	daz iu die recken sint
sô holt mit rehten triuwen,	als ich si hœre jehen!“
dô begunde er minneclîche	an vroun Kriemhilden sehen.

„ich sol in immer dienen“,	alsô sprach der degen,
„und enwil mîn houbet	nimmêr ê gelegen,
ich enwerbe nâch ir willen,	sol ich mîn leben hân.
daz ist nâch iuwern hulden,	mîn vrou Kriemhilt, getân.“

inre tagen zwelven	der tage al ieslîch
sach man bî dem degene	die maget lobelîch,
sô si ze hove solde	vor ir vriunden gân.
der dienst wart dem recken	durch grôze liebe getân.

vröude und wunne,	vil grœzlîchen schal,
sach man aller tegelîch	vor Gunthêres sal,
dar ûz und ouch dar inne,	von manegem küenen man.
Ortwîn und Hagene	vil grôzer wunder began.

swes iemen pflegen wolde,	des wâren si bereit
mit volleclîcher mâze,	die helde vil gemeit.
des wurden von den gesten	die recken wol bekant.
dâ von sô was gezieret	allez Gunthêres lant.

die dâ wunde lâgen,	die sach man für gân.
si wolden kurzewîle	mit dem gesinde hân,
schirmen mit den schilden	und schiezen manegen schaft.
des hulfen in genuoge.	si heten grœzlîche kraft.

in der hôchgezîte,	der wirt, der hiez ir pflegen
mit der besten spîse.	er hete sich bewegen
aller slahte schande,	die ie künec gewan.
man sach in vriuntlîche	zuo den sînen gesten gân.

er sprach: „ir guoten recken,	ê daz ir scheidet hin,
sô nemt ir mîne gâbe!	alsô stât mîn sin,
daz ichz immer diene,	versmâhet iu niht mîn guot.
daz wil ich mit iu teilen,	des hân ich willigen muot.“

die von Tenemarke,	die sprâchen sâ zehant:
„ê daz wir wider rîten	heim in unser lant,
wir gern stæter suone.	des ist uns recken nôt.
wir hân von iuwern degenen	manegen lieben vriunt tôt.“

Liudegast geheilet	sîner wunden was.
der vogt von den Sahsen	nâch strîte wol genas.
etelîche tôten	si liezen dar enlant.
dô gie der künec Gunthêr,	dâ er Sîvriden vant.

er sprach zuo dem recken:	„nû râtet, wie ich tuo.
die unsern widerwinnen,	die wellent rîten vruo
und gerent stæter suone	an mich und mîne man.
nû râtâ degen Sîvrit,	waz dich des dunke guot getân!

waz mir die hêrren bieten,	daz wil ich dir sagen:
swaz fünf hundert mœre	goldes möhten getragen,
daz gæben si mir gerne,	wolde ich si ledec lân.“
dô sprach der starke Sîvrit:	„daz wære vil übele getân.

ir sult si ledeclîchen	hinnen lâzen varn,
und daz die recken edele	mêre wol bewarn
vîentlîchez rîten	her in iuwer lant,
des lât iu geben sicherheit	hie der beider hêrren hant.“

„des râtes wil ich volgen.“	dâ mit si giengen dan.
den sînen vîanden	wart daz kunt getân,
ir goldes gerte niemen,	daz si dâ buten ê.
dâ heime ir lieben vriunden	was nâch den hermüeden wê.

manege schilde volle	man dar schatzes truoc.
er teilte es âne wâge	den vriunden sîn genuoc,
bî fünf hundert marken	und etslîchen baz.
Gêrnôt der vil küene,	der riet Gunthêre daz.

urloup si alle nâmen,	alsô si wolden dan.
dô sach man die geste	für Kriemhilde gân,
und ouch dâ vrouwe Uote,	diu küneginne, saz.
ez enwart nie degene	noch mêre geurloubet baz.

die herberge wurden	lære, dô si von dannen riten.
noch bestuont dâ heime	mit hêrlîchen siten
der künec mit sînen mâgen,	vil manec edel man.
die sach man tegelîche	zuo vrouwen Kriemhilde gân.

urloup dô nemen wolde	Sîvrit, der helt guot.
er trûwete niht erwerben,	des er dâ hete muot.
der künec daz sagen hôrte,	daz er wolde dan.
Gîselhêr der junge	in von der reise gar gewan.

„war woldet ir nû rîten,	vil edel Sîvrit?
belîbet bî den recken (	 tuot, des ich iuch bit),
bî Gunthêre dem künege	und ouch bî sînen man!
hie ist vil schœner vrouwen,	die sol man iuch gerne sehen lân.“

dô sprach der starke Sîvrit:	„diu ross, diu lâzet stân!
ich wolde hinnen rîten,	des wil ich ab gân.
und traget ouch hin die schilde.	jâ wolde ich in mîn lant!
des hât mich hêr Gîselhêr	mit grôzen triuwen erwant.“

sus beleip der küene	durch vriunde liebe dâ.
jâ wære er in den landen	niender anderswâ
gewesen alsô sanfte.	dâ von daz geschach,
daz er nû tegelîche	die schœnen Kriemhilden sach.

durch ir unmâzen schœne	der hêrre dâ beleip.
mit maneger kurzewîle	man nû die zît vertreip,
wan daz in twanc ir minne.	diu gap im dicke nôt.
dar umbe sît der küene	lac vil jæmerlîche tôt.

iteniuwe mære	sich huoben über Rîn.
man sagte, daz dâ wære	manec schœne magedîn.
der gedâhte im eine	erwerben Gunthêr, der künec guot.
dâ von begunde dem recken	vil sêre hôhen der muot.

ez was ein küneginne	gesezzen über sê,
ir gelîche enheine	man wesse niender mê,
diu was unmâzen schœne.	vil michel was ir kraft.
si schôz mit snellen degenen	umb minne den schaft.

den stein, den warf si verre,	dar nâch si wîten spranc.
swer ir minne gerte,	der muose âne wanc
driu spil an gewinnen	der vrouwen wol geborn.
gebrast im an dem einem,	er hete daz houbet sîn verlorn.

des hete diu juncvrouwe	unmâzen vil getân.
daz gehôrte bî dem Rîne	ein ritter wolgetân,
der wante sîne sinne	an daz schœne wîp.
dar umbe muosen helde	sît verliesen den lîp.

dô sprach der vogt von Rîne:	„ich wil nider an den sê,
hin ze Prünhilde,	swie ez mir ergê.
ich wil durch ir minne	wâgen mînen lîp.
den wil ich verliesen,	sine werde mîn wîp.“

„daz wil ich widerrâten“,	sprach dô Sîvrit.
„jâ hât diu küneginne	sô vreislîche sit,
swer umb ir minne wirbet,	daz ez im hôhe stât.
des muget ir der reise	haben wærlîchen rât!“

„sô wil ich iu daz râten“,	sprach dô Hagene,
„ir bittet Sîvride	mit iu ze tragene
die vil starken swære.	daz ist nû mîn rât,
sît im daz ist sô kündec,	wie ez umbe Prünhilde stât.“

er sprach: „wil dû mir helfen,	edel Sîvrit,
werben die minneclîchen?	tuostû, des ich dich bit,
und wirt mir zeime trûte	daz minneclîche wîp,
ich wil durch dînen willen	wâgen êre und lîp!“

des antwurte Sîvrit,	der Sigemundes sun:
„gîstû mir dîne swester,	sô wil ich ez tuon,
die schœnen Kriemhilde,	ein küneginne hêr.
sô ger ich deheines lônes	nâch mînen arbeiten mêr.“

„daz lob ich“, sprach dô Gunthêr,	„Sîvrit, an dîne hant.
und kumt diu schœne Prünhilt	her in ditze lant,
sô wil ich dir ze wîbe	mîne swester geben.
sô mahtû mit der schœnen	immer vrœlîche leben.“

des swuoren si dô eide,	die recken vil hêr.
des wart ir arbeiten	verre deste mêr,
ê daz si die vrouwen	brâhten an den Rîn.
des muosen die vil küenen	sît in grôzen sorgen sîn.

Sîvrit, der muose	füeren die kappen mit im dan,
die der helt vil küene	mit sorgen gewan
ab einem getwerge,	daz hiez Albrîch.
sich bereiten zuo der verte	die recken küen und rîch.

alsô der starke Sîvrit	die tarnkappen truoc,
sô hete er dar inne	krefte genuoc:
wol zwelf manne sterke	zuo sîn selbes lîp.
er warp mit grôzen listen	daz vil hêrlîche wîp.

ouch was diu selbe tarnhût	alsô getân,
daz dar inne worhte	ein ieslîcher man,
swaz er selbe wolde,	daz in doch niemen sach.
sus gewan er Prünhilde.	dâ von im leide geschach.

„nû sag mir, degen Sîvrit,	ê daz mîn vart ergê,
daz wir mit vollen êren	komen an den sê,
sulen wir iht recken	füeren in Prünhilde lant?
drîzec tûsent degene,	die werdent schiere besant.“

„swie vil wir volkes füeren“,	sprach aber Sîvrit,
„ez pfliget diu küneginne	sô vreislîcher sit,
die müesen doch ersterben	von ir übermuot.
ich sol iuch baz bewîsen,	degen küene und guot.

wir suln in recken wîse	ze tal varn den Rîn.
die wil ich dir benennen,	die daz sulen sîn:
selbe vierde degene	varn wir an den sê.
sô erwerben wir die vrouwen,	swie ez uns dar nâch ergê.

der gesellen bin ich einer,	daz ander soltû wesen.
der dritte, daz sî Hagene.	wir mugen wol genesen.
der vierde, daz sî Dancwart,	der vil küene man.
uns endurfen ander tûsent	mit strîte nimmêr bestân.“

„diu mære wesse ich gerne“,	sprach der künec dô,
„ê daz wir hinnen füeren,	des wære ich harte vrô,
waz wir kleider solden	vor Prünhilde tragen,
diu uns dâ wol gezæmen.	daz sult ir Gunthêre sagen.“

„wât die aller besten,	die ieman bevant,
die treit man zallen zîten	in Prünhilde lant.
des sulen wir rîchiu kleider	vor der vrouwen tragen,
daz wirs iht haben schande,	sô man diu mære hœre sagen.“

dô sprach der degen guoter:	„sô wil ich selbe gân
zuo mîner lieben muoter,	ob ich erbitten kan,
daz uns ir schœnen meide	helfen prüeven kleit,
diu wir tragen mit êren	für die hêrlîchen meit.“

dô sprach von Tronege Hagene	mit hêrlîchen siten:
„waz welt ir iuwer muoter	sölcher dienste bitten?
lât iuwer swester hœren,	wes ir habet muot,
sô wirdet iu ir dienest	zuo dirre hovereise guot.“

dô enbôt er sîner swester,	daz er si wolde sehen,
und ouch der degen Sîvrit.	ê daz was geschehen,
dô hete sich diu schœne	ze wunsche wol gekleit.
daz komen der vil küenen,	daz was ir mæzlîche leit.

nû was ouch ir gesinde	gezieret, als im zam.
die fürsten kômen beide.	dô si daz vernam,
dô stuont si von dem sedele.	mit zühten si dô gie,
dâ si den gast vil edele	und ouch ir bruoder enpfie.

„willekomen sî mîn bruoder	und der geselle sîn!
diu mære ich wiste gerne“,	sô sprach daz magedîn,
„waz ir hêrren woldet,	sît ir ze hove gât.
daz lâzet ir mich hœren,	wie ez iu edelen recken stât.“

dô sprach der künec Gunthêr:	„vrouwe, ich wilz iu sagen:
wir müezen michel sorgen	bî hôhem muote tragen.
wir wellen höveschen rîten	verre in vremdiu lant.
wir solden zuo der reise	haben zierlîch gewant.“

„nû sitzet, lieber bruoder“,	sprach daz küneges kint,
„und lât mich rehte hœren,	wer die vrouwen sint,
der ir dâ gert mit minnen	in ander künege lant.“
die ûz erwelten beide	nam diu vrouwe bî der hant.

dô gie si mit in beiden,	dâ si ê dâ saz,
ûf matratze diu vil rîchen,	ich wil wol wizzen daz,
geworht von guoten bilden,	mit golde wol erhaben.
si mohten bî den vrouwen	guote kurzewîle haben.

vriuntlîche blicke	und güetlîchez sehen,
des mohte dâ in beiden	harte vil geschehen.
er truoc si ime herzen.	si was im sô der lîp.
sît wart diu schœne Kriemhilt	des starken Sîvrides wîp.

dô sprach der künec rîche:	„vil liebiu swester mîn,
âne dîne helfe	kunde ez niht gesîn,
wir wellen kurzewîlen	in Prünhilde lant.
dâ bedorften wir ze habene	vor vrouwen hêrlîch gewant.“

dô sprach diu juncvrouwe:	„vil lieber bruoder mîn,
swaz der mînen helfe	dar an kan gesîn,
des bring ich iuch wol innen,	daz ich iu bin bereit.
versagte iu ander iemen,	daz wære Kriemhilde leit.

ir sult mich, ritter edele,	niht sorgende bitten.
ir sult mir gebieten	mit hêrlîchen siten.
swaz iu von mir gevalle,	des bin ich iu bereit
und tuon ez willeclîche“,	sprach diu wunneclîchiu meit.

„wir wellen, liebiu swester,	tragen guot gewant.
daz sol helfen prüeven	iuwer edeliu hant.
des volziehen iuwer megede,	daz ez uns rehte stât,
wand wir der verte	hân deheiner slahte rât.“

dô sprach diu juncvrouwe:	„nû merket, waz ich sage:
ich hân selbe sîden.	nû schaffet, daz man trage
gesteine uns ûf den schilden,	sô würken wir diu kleit.“
des willen was dô Gunthêr	und ouch Sîvrit bereit.

„wer sint die gesellen,	sprach diu künegîn,
die mit iu gekleidet	ze hove sulen sîn?“
er sprach: „ich selbe vierde.	zwêne mîne man,
Dancwart und Hagene,	suln ze hove mit mir gân.

ir sult vil rehte merken,	waz ich iu, vrouwe, sage:
daz ich selbe vierde	ze vier tagen trage
ie drîer hande kleider	und alsô guot gewant,
daz wir âne schande	rûmen Prünhilde lant.“

mit guotem urloube	die hêrren schieden dan.
dô hiez ir juncvrouwen	drîzec meide gân
ûz ir kemenâten	Kriemhilt diu künegîn,
die zuo sölchem werke	heten grœzlîchen sin.

die arâbischen sîden,	wîz alsô der snê,
und von Zazamanc der guoten,	grüen alsam der klê,
dar în si leiten steine.	des wurden guotiu kleit.
selbe sneit si Kriemhilt,	diu vil hêrlîche meit.

von vremder vische hiuten	bezoc, wol getân
ze sehene vremden liuten,	swaz man der gewan,
die dacten si mit sîden,	sô si si solden tragen.
nû hœret michel wunder	von der liehten wæte sagen:

von Marroc ûz dem lande	und ouch von Lybîân
die aller besten sîden,	die ie mêr gewan
deheines küneges künne,	der heten si genuoc.
wol lie daz schînen Kriemhilt,	daz si in holden willen truoc.

sît si der hôhen verte	heten nû gegert,
hermîne vedern,	die dûhten si unwert.
pfellel dar ob lâgen	swarz alsam ein kol,
daz noch snellen helden stüende	in hôchgezîten wol.

ûz arâbischem golde	vil gesteines schein.
der vrouwen unmuoze,	diu newas niht klein.
inre siben wochen	bereiten si diu kleit.
dô was ouch ir gewæfen	den guoten recken bereit.

dô si bereitet wâren,	dô was in ûf den Rîn
gemachet vlîzeclîchen	ein starkez schiffelîn,
daz si tragen solde	vol nider an den sê.
den edelen juncvrouwen	was von arbeiten wê.

dô sagte man den recken,	in wæren nû bereit,
diu si dâ füeren solden,	ir zierlîchen kleit,
alsô si dâ gerten.	daz was nû getân.
dône wolden si niht langer	bî dem Rîne bestân.

nâch den hergesellen	wart ein bote gesant,
ob si wolden schouwen	niuwez ir gewant,
ob ez den helden wære	ze kurz und ouch ze lanc.
ez was in rehter mâze.	des sagten si den vrouwen danc.

für alle die si kômen,	die muosen in des jehen,
daz si zer werlde heten	bezzers niht gesehen.
des mohten si si gerne	dâ ze hove tragen.
von bezzer recken wæte	kunde niemen niht gesagen.

vil grœzlîche danken	wart dô niht verdeit.
dô gerten urloubes	die helde vil gemeit.
in ritterlîchen zühten	die hêrren tâten daz.
des wurden liehtiu ougen	von weinen trüeb und naz.

si sprach: „vil lieber bruoder,	ir möhtet noch bestân
und würbet ander vrouwen.	daz hieze ich wol getân,
dâ iu sô sêre	enwâge stüende niht der lîp.
ir muget hie nâher vinden	ein alsô hôch geborn wîp.“

ich wæn, in sagte ir herze,	daz in dâ von geschach.
si weinten al gelîche,	swaz iemen gesprach.
ir golt in vor den brüsten	wart von trehen sal.
die vielen in genôte	von den ougen hin ze tal.

si sprach: „hêrre Sîvrit,	lât iu bevolhen sîn
ûf triuwe und ûf genâde	den lieben bruoder mîn,
daz im iht gewerre	in Prünhilde lant!“
daz lobte der vil küene	in vroun Kriemhilde hant.

dô sprach der degen rîche:	„ob mir mîn leben bestât,
sô sult ir aller sorgen,	vrouwe, haben rât.
ich bring in iu gesunden	her wider an den Rîn.
daz wizzet sicherlîchen.“	im neic daz schœne magedîn.

ir golt varwen schilde	man truoc in ûf den sant
und brâhte in zuo zin	allez ir gewant.
ir ross hiez man in ziehen.	si wolden rîten dan.
dâ wart von schœnen vrouwen	vil michel weinen getân.

dô stuonden in den venstern	diu minneclîchen kint.
ir schif mit dem segele,	daz ruorte ein hôher wint.
die stolzen hergesellen,	die sâzen ûf den Rîn.
dô sprach der künec Gunthêr:	„wer sol nû schiffmeister sîn?“

„daz wil ich“, sprach Sîvrit,	„ich kan iuch ûf der vluot
hinnen wol gefüeren.	daz wizzet, helde guot.
die rehten wazzerstrâzen,	die sint mir wol bekant.“
si schieden vrœlîchen	ûz der Burgonden lant.

Sîvrit dô balde	eine schalten gewan.
von stade begunde schieben	der kreftige man.
Gunthêr der küene	ein ruoder selbe nam.
dô huoben sich von lande	die snellen ritter lobesam.

si fuorten rîche spîse,	dar zuo vil guoten wîn,
den besten, den man kunde	vinden umben Rîn.
ir ross, diu stuonden schône,	si heten guot gemach.
ir schif, daz gie vil ebene.	vil lützel leides in geschach.

ir vil starken segelseil,	diu wurden in gestraht.
si fuoren zweinzec mîle,	ê daz ez wurde naht,
mit einem guotem winde	nider gegen dem sê.
ir starkez arbeiten	tet sît den hôchgemuoten wê.

an dem zwelften morgen,	sô wir hœren sagen,
heten si die winde	verre dan getragen
gegen Îsensteine	in Prünhilde lant.
daz was ir deheinem	niuwan Sîvride erkant.

dô der künec Gunthêr	sô vil der bürge sach,
und ouch die wîten marke,	wie balde er dô sprach:
„sagt mir, vriunt Sîvrit,	ist iu daz bekant,
wes sint dise bürge	und ouch daz hêrlîche lant?“

des antwurte Sîvrit:	„ez ist mir wol bekant.
ez ist Prünhilde	liute und lant,
und Îsenstein diu veste,	als ir mich hôrtet jehen.
dâ muget ir noch hiute	vil schœner vrouwen gesehen.

und wil iu helden râten,	ir habt einen muot,
ir jeht gelîche,	jâ dunket ez mich guot:
swenne wir noch hiute	für Prünhilde gân,
sô müezen wir mit sorgen	vor der küneginne stân.

sô wir die minneclîchen	bî ir gesinde sehen,
sô sult ir, helde mære,	wan einer rede jehen:
Gunthêr sî mîn hêrre,	und ich sî sîn man.
des er dâ hât gedingen,	daz wirt allez getân.“

des wâren si bereite,	swaz er si loben hiez.
durch ir übermüete	ir deheiner ez niht liez.
si jâhen, swes er wolde.	dâ von in wol geschach,
dô der künec Gunthêr	die schœnen Prünhilde sach.

„jâne lobe ichz niht sô verre	durch die liebe dîn,
sô durch dîne swester,	daz schœne magedîn!
diu ist mir sam mîn sêle	und sô mîn selbes lîp.
ich wil daz gerne dienen,	daz si werde mîn wîp.“

in der selben zîte	dô was ir schif gegân
der bürge alsô nâhen.	dô sach der künec stân
oben in den venstern	vil manege schœne meit.
daz er ir niht erkande,	daz was Gunthêre leit.

er vrâgte Sîvride,	den gesellen sîn:
„ist iu daz iht künde	umb disiu magedîn,
die dort her nider schouwent	gein uns ûf die vluot,
swie ir hêrre heize?	si sint vil hôhe gemuot.“

dô sprach der hêrre Sîvrit:	„nû sult ir tougen spehen
under den juncvrouwen	und sult mir danne jehen,
welche ir nemen woldet,	hetet irs gewalt.“
„daz tuon ich“, sô sprach Gunthêr,	ein ritter küen und balt:

„sô sihe ich ir eine	in jenem venster stân
in snêwîzer wæte.	diu ist sô wolgetân,
die welent mîniu ougen	durch ir schœnen lîp.
ob ich gewalt des hete,	si müese werden mîn wîp.“

„dir hât erwelt vil rehte	dîner ougen schîn.
ez ist diu edel Prünhilt,	daz schœne magedîn,
nâch der dîn herze ringet,	der sin und ouch der muot.“
elliu ir gebærde,	diu dûhte Gunthêren guot.

dô hiez diu küneginne	ûz den venstern gân
ir hêrlîche megde.	sine solden dâ niht stân
den vremden an ze sehene.	des wâren si bereit.
waz dô die vrouwen tâten,	daz ist uns sider ouch geseit.

gegen den unkunden	strichen si ir lîp,
des ie site heten	diu wætlîchen wîp.
an diu engen venster	kômen si gegân,
dâ si die helde sâhen.	daz wart durch schouwen getân.

ir wâren niuwan viere,	die kômen in daz lant.
Sîvrit der küene	ein ross zôch ûf den sant.
dâ sâhen durch venster	diu wætlîchen wîp.
des dûhte sich getiuwert	des künec Gunthêres lîp.

er habte im dâ bî zoume	daz zierlîche marc
guot und schœne,	vil michel und vil starc,
unz der künec Gunthêr	in den satel gesaz.
alsô diente im Sîvrit,	des er doch sît vil gar vergaz.

dô zôch er ouch daz sîne	von dem schiffe dan.
er hete sölchen dienest	vil selten ê getân,
daz er bî stegereife	gestüende helde mêr.
daz sâhen durch diu venster	die vrouwen schœn und hêr.

reht in einer mâze,	den helden vil gemeit
von snê blanker varwe	ir ross und ouch ir kleit
wâren vil gelîche.	ir schilde wol getân,
die lûhten von den handen	den vil wætlîchen man.

ir setel wol gesteinet,	ir fürbüege smal,
si riten hêrlîche	für Prünhilde sal.
dar an hiengen schellen	von liehtem golde rôt.
si kômen zuo dem lande,	als ez ir ellen gebôt,

mit spern niuwe sliffen,	mit swerten wol getân,
diu ûf die sporn giengen	den wætlîchen man.
die fuorten die vil küenen,	scharpf und breit.
daz sach allez Prünhilt,	diu vil hêrlîche meit.

mit in kômen dô Dancwart	und ouch Hagene.
wir hœren sagen mære,	wie die degene
von raben swarzer varwe	truogen rîchiu kleit.
ir schilde wâren schœne,	michel guot und breit.

von Indiâ dem lande	man sach si steine tragen.
die kôs man an ir wæte	vil hêrlîche wagen.
si liezen âne huote	ir schiffel bî der vluot.
sus riten zuo der bürge	die helde küene und guot.

sehs und ahzec türne	si sâhen drinne stân,
drî palas wîte, und einen	sal wol getân
von edelem marmelsteine,	grüene alsam ein gras.
dar inne selbe Prünhilt	mit ir ingesinde was.

diu burc was entslozzen,	vil wîte ûf getân.
dô liefen in engegene	die Prünhilde man
und enpfiengen dise geste	in ir vrouwen lant.
ir ross hiez man behalten,	und ir schilde von der hant.

dô sprach ein kamerære:	„ir sult uns geben diu swert
und ouch die liehten brünne!“	„des sît ir ungewert“,
sprach von Tronege Hagene,	„wir wellens selbe tragen.“
dô begunde im Sîvrit	dâ von diu rehten mære sagen:

„man pfliget in dirre bürge,	daz wil ich iu sagen,
daz neheine geste	hie wâfen sulen tragen.
nû lât si tragen hinnen,	daz ist wol getân.“
des volgete vil ungerne	Hagene, Gunthêres man.

man hiez den gesten schenken	und schuof in gemach.
vil manegen snellen recken	man dâ ze hove sach
in fürstlîcher wæte	allenthalben gân.
dô wart vil michel	schouwen an die küenen getân.

dô wart vrouwen Prünhilde	gesaget mit mæren,
daz unkunde recken	dâ komen wæren
in hêrlîcher wæte	gevlozzen ûf dem vluot.
dâ von begunde vrâgen	diu maget schœne und guot:

„ir sult mich lâzen hœren“,	sprach diu künegîn,
„wer die vil unkunden	recken mugen sîn,
die in mîner bürge	sô hêrlîche stân,
und durch welches liebe	die helde her gevarn hân.“

dô sprach ein ir gesinde:	„vrouwe, ich mac wol jehen,
daz ich ir deheinen	nie mêr habe gesehen,
wand gelîche Sîvride	einer dar under stât.
den sult ir wol enpfâhen,	daz ist mit triuwen mîn rât.

der ander der gesellen,	der ist sô lobelîch,
ob er gewalt des hete,	wol wære er ein künec rîch
ob wîten fürsten landen,	und möhte er diu gehân.
man siht in bî den andern	sô rehte hêrlîche stân.

der dritte der gesellen,	der ist sô griulîch,
und doch mit schœnem lîbe,	küneginne rîch,
von swinden sînen blicken,	der er sô vil getuot.
er ist in sînen sinnen,	ich wæne, grimme gemuot.

der jungeste dar under,	der ist sô lobelîch.
magetlîcher zühte	sihe ich den degen rîch
mit guotem gelæze	sô minneclîche stân.
wir möhtenz alle fürhten,	hete im hie iemen iht getân.

swie blîde er pflege der zühte,	und swie schœne sî sîn lîp,
er möhte wol erweinen	vil wætlîchiu wîp,
swenne er begunde zürnen.	sîn lîp ist sô gestalt,
er ist in allen tugenden	ein degen küene und balt.“

dô sprach diu küneginne:	„nû brinc mir gewant!
und ist der starke Sîvrit	komen in diz lant
durch willen mîner minne,	ez gât im an den lîp.
ich fürhte in niht sô sêre,	daz ich werde sîn wîp.“

Prünhilt diu schœne	wart schiere wol gekleit.
dô gienc mit ir dannen	vil manec schœniu meit,
wol hundert oder mêre.	gezieret was ir lîp.
ez wolden sehen die geste	diu vil wætlîchen wîp.

dâ mit giengen degene	dâ ûz Îslant,
die Prünhilde recken.	die truogen swert enhant,
fünf hundert oder mêre.	daz was den gesten leit.
dô stuonden von dem sedele	die helde küene und gemeit.

dô diu küneginne	Sîvriden sach,
nû muget ir gerne hœren,	wie diu maget sprach:
„sît willekomen,	Sîvrit, her in diz lant!
waz meinet iuwer reise?	gerne hete ich daz bekant.“

„vil michel iuwer	genâde, mîn vrou Prünhilt,
daz ir mich geruochet grüezen,	fürsten tohter milt,
vor disem edelen recken,	der hie vor mir stât,
wand er ist mîn hêrre. der êren	hete ich gerne rât.

er ist geborn von Rîne.	waz sol ich dir sagen mêr?
durch die dîne liebe	sîn wir gevarn her.
der wil dich gerne minnen,	swaz im dâ von geschiht.
nû bedenk es dich bezîte,	mîn hêrre erlâzet dich es niht.

er ist geheizen Gunthêr	und ist ein künec hêr.
erwürbe er dîne minne,	er engerte nihtes mêr.
jâ gebôt mir her ze varne	der recke wolgetân!
möhte ich es im geweigert	hân, ich hete ez gerne verlân.“

si sprach: „ist er dîn hêrre,	und bistû sîn man,
diu spil, diu ich im teile,	getar er diu bestân,
behabt er des meisterschaft,	sô wirde ich sîn wîp.
und ist daz ich gewinne,	ez gât iu allen an den lîp.“

dô sprach von Tronege Hagene:	„vrouwe, lât uns sehen
iuweriu spil diu starken.	ê daz iu müeste jehen
Gunthêr mîn hêrre,	dâ müeste ez herte sîn.
er trûwet wol erwerben	ein alsô schœne magedîn.“

„den stein sol er werfen	und springen dar nâch,
den gêre mit mir schiezen.	lât iu sîn niht ze gâch!
ir muget wol hie verliesen	die êre und ouch den lîp.
des bedenket iuch vil ebene.“	sprach daz minneclîche wîp.

Sîvrit der vil küene	zuo dem künege trat.
allen sînen willen	er in reden bat
gegen der küneginne.	er solde ân angest sîn:
„ich sol iuch wol behüeten	vor ir mit den listen mîn.“

dô sprach der künec Gunthêr:	„küneginne hêr,
nû teilet, swaz ir gebietet.	und wære es dannoch mêr,
daz bestüende ich allez	durch iuwern schœnen lîp.
mîn houbet wil ich verliesen,	ir enwerdet mîn wîp.“

dô diu küneginne	sîne rede vernam,
des spils bat si gâhen,	als ir dô gezam.
si hiez ir gewinnen	ze strîte guot gewant,
eine brünne rôtes goldes	und einen guoten schildes rant.

ein wâfenhemde sîden,	daz leite an diu meit,
daz in deheinem strîte	wâfen nie versneit,
von pfellel ûzer Lybîâ.	ez was vil wol getân.
von porten lieht gewürhte	sach man schînen dar an.

die zît wart disen recken	mit gelpfe vil gedröut.
Dancwart und Hagene,	die wâren ungevröut.
wie ez dem künege ergienge,	des sorgete in der muot.
si dâhten: „unser reise,	diu ist uns recken niht ze guot.“

die wîle was ouch Sîvrit,	der wætlîche man,
ê ez iemen erfünde,	in daz schif gegân,
dâ er sîne tarnkappen	verborgen ligen vant.
dar în slouf er vil schiere.	dô was er niemen bekant.

er îlte hin widere.	dô vant er recken vil,
dâ diu küneginne	teilte ir hôhen spil.
dar gie er tougenlîche.	von listen daz geschach,
alle die dâ wâren,	daz in dâ niemen ensach.

der rinc, der was bezeiget.	daz spil solde geschehen
vor manegem küenen recken,	die daz solden sehen.
mêr danne siben hundert,	die sach man wâfen tragen,
swem an dem spil gelünge,	daz ez die helde solden sagen.

dô was komen Prünhilt.	gewâfent man die vant,
sam ob si solde strîten	umb elliu küneges lant.
jâ truoc si ob den sîden	vil manegen goldes zein.
ir minneclîche varwe	dar under vil hêrlîche schein.

dô kom ir gesinde.	die truogen dar zehant
von al rôtem golde	einen schildes rant
mit stahele herte spangen,	vil michel und breit,
dar under spilen wolde	diu minneclîchiu meit.

der vrouwen schiltvezzel	ein edel porte was.
dar ûfe lâgen steine	grüene sam ein gras.
der lûhte maneger hande	mit schîne wider daz golt.
er müeste wesen vil küene,	dem diu vrouwe würde holt.

der schilt was under buckeln,	als uns daz ist gesaget,
wol drîer spannen dicke.	den solde tragen diu maget.
von stahel und ouch von golde	rîch er was genuoc,
den ir kamerære selbe	vierde kûme truoc.

alsô der starke Hagene	den schilt dar tragen sach,
mit grimmigem muote	der helt von Tronege sprach:
„wâ nû, künec Gunthêr,	wie verliese wir den lîp?
der ir dâ gert ze minnen,	diu ist des tiuvels wîp!“

vernemt noch von ir wæte.	der hete si genuoc:
von Azagouc der sîden	einen wâfenroc si truoc,
edel und rîche.	ab des varwe schein
von der küneginne	vil manec hêrlîcher stein.

dô truoc man der vrouwen,	vil swære und grôz,
einen gêr vil scharpfen,	den si alle zîte schôz,
starc und ungefüege,	michel und breit,
der ze sînen ecken	vil harte vreislîchen sneit.

von des gêres swære	hœret wunder sagen:
wol vierdehalbiu messe	was dar zuo geslagen.
den truogen kûme	drîe Prünhilde man.
Gunthêr der edele	vil harte sorgen began.

er dâhte in sînem muote:	„waz sol diz wesen?
der tiuvel ûz der helle,	wie kunde er dâ vor genesen?
wære ich ze Burgonden	mit dem lebene mîn,
si müeste hie lange	vrî vor mîner minne sîn.“

dô sprach Hagenen bruoder,	der küene Dancwart:
„mich riuwet inneclîchen	disiu hovevart.
nû hiezen wir ie recken,	wie verliese wir den lîp,
suln uns in disen landen	nû überwinden diu wîp?

mich müet daz harte sêre,	daz ich kom in diz lant.
und hete mîn bruoder Hagene	sîn wâfen an der hant,
und ouch ich daz mîne,	sô möhten sanfte gân
mit ir übermüete	alle Prünhilde man.

daz wizzet sicherlîchen,	si soldenz wol bewarn,
und hete ich tûsent eide	ze einem vride geswarn,
ê daz ich sterben sæhe	den lieben hêrren mîn,
jâ müese den lîp verliesen	daz vil schœne magedîn!“

„wir solden ungevangen	wol rûmen diz lant“,
sprach dô sîn bruoder Hagene,	„und heten wir daz gewant,
des wir ze der nôt bedurfen,	und ouch diu swert vil guot,
sô würde wol gesenftet	der starken vrouwen übermuot.“

wol hôrte diu maget edele,	waz der degen sprach.
mit smielendem munde	si über ahsel sach:
„nû er dunke sich sô küene,	sô traget in ir gewant.
ir vil scharpfen wâfen gebet	den recken an die hant!“

dô si diu swert gewunnen,	alsô diu maget gebôt,
der vil küene Dancwart	vor vröuden wart vil rôt.
„nû spilen, swes si wellen!“	sprach der vil snelle man,
„Gunthêr ist unbetwungen,	sît daz wir unser wâfen hân.“

diu Prünhilde sterke	vil grœzlîche schein.
man truoc ir zuo dem ringe	einen swæren stein,
grôz und ungefüege,	vil michel und wel.
in truogen kûme zwelve	helde küene und snel.

den warf si zallen zîten,	dô si den gêr verschôz.
der Burgondære sorge	wurden harte grôz.
„wâfen“, dô sprach Hagene,	„waz hât der künec ze trût?
jâ sol si in der helle	sîn des übelen tiuvels brût!“

an vil wîzen armen	si die ermel want.
si begunde vazzen	den schilt an der hant.
den gêr si hôch zucte.	dô gienc ez an den strît.
Gunthêr und Sîvrit,	die vorhten Prünhilde nît.

und wære im Sîvrit	niht ze helfe komen,
sô hete si dem künege	sînen lîp benomen.
er gie dar tougenlîche	und ruorte im sîne hant.
Gunthêr sîne liste	vil sorclîchen ervant.

„waz hât mich gerüeret?“	dâhte der küene man.
dô sach er allenthalben	und vant dâ niemen stân.
er sprach: „ich binz, Sîvrit,	der liebe vriunt dîn.
vor der küneginne soltû	gar ân angest sîn.

den schilt gip mir von hende	und lâze mich den tragen,
und merke rehte,	waz dû mich hœres sagen.
nû habe dû die gebære,	diu werc wil ich begân.“
dô er in rehte erkande,	ez was im liebe getân.

„nû hil dû mîne liste,	diene soltû niemen sagen.
sô mac diu küneginne	vil lützel iht bejagen
an dir deheines ruomes,	des si doch willen hât.
nû sihtû, wie diu vrouwe	vor dir unsorclîchen stât.“

dô schôz vil krefteclîche	diu hêrlîchiu meit
ûf einen schilt niuwen,	michel und breit,
den truoc an sîner hende	daz Sigelinde kint.
daz fiuwer spranc von stahele,	als ez wæte der wint.

des starken gêres snîde	al durch den schilt gebrach,
daz man diu fiuwer lougen	ûz den ringen sach.
des schuzzes beide strûchten,	die kreftigen man.
wan diu tarnkappe,	si wæren tôte dâ bestân.

Sîvride dem vil küenen	von munde brast daz bluot.
vil balde spranc er widere.	dô nam der helt guot
den gêr, den si geschozzen hete	dem helde durch den rant.
den vrumte ir dô hin widere	des starken Sîvrides hant.

er dâhte: „ich wil niht schiezen	daz schœne magedîn.“
er kêrte des gêres snîde	hinder den rucke sîn.
mit der gêrstangen	er schôz ûf ir gewant,
daz ez erklanc vil lûte	von sîner ellenthaften hant.

daz fiuwer stoup ûz ringen,	alsam ez tribe der wint.
den schuz, den schôz mit ellen	daz Sigemundes kint.
sine mohte mit ir kreften	des schuzzes niht gestân.
ez enhete der künec Gunthêr	triuwen nimmêr getân.

Prünhilt diu schœne,	vil balde si ûf gespranc:
„Gunthêr, ritter edele,	des schuzzes habe danc!“
si wânde, er hete ez	mit sîner kraft getân.
ir was dar nâch geslichen	ein verre kreftiger man.

dô gie si hin vil balde.	vil zornec was ir muot.
den stein huop vil hôhe	diu edel maget guot.
si swanc in krefteclîche	vil verre von der hant.
dô spranc si nâch dem wurfe.	jâ erklanc ir allez ir gewant.

der stein, der was gevallen	wol zwelf klâfter dan.
den wurf, den brach mit sprunge	diu maget wolgetân.
dar gie der hêrre Sîvrit,	dâ der stein gelac.
Gunthêr in dô wegte,	der helt in werfene pflac.

Sîvrit, der was küene,	vil kreftec und vil lanc.
den stein, den warf er verrer,	dar zuo er wîter spranc.
von sînen schœnen listen	er hete kraft genuoc,
daz er mit dem sprunge	den künec Gunthêre doch truoc.

der sprunc, der was ergangen,	der stein der was gelegen.
dô sach man ander niemen	wan Gunthêr den degen.
Prünhilt diu schœne,	diu wart in zorne rôt.
Sîvrit hete geverret	des künec Gunthêres tôt.

zuo zir ingesinde	ein teil si lûte sprach,
dô si Gunthêren zent des ringes	wol gesunden sach:
„vil balde kumt her nâher,	ir mâge und mîne man.
ir sult dem künege Gunthêr	alle wesen undertân!“

dô leiten die vil küenen	diu wâfen von der hant.
si buten sich ze füezen	ûz Burgonden lant
Gunthêr dem rîchen,	vil manec küene man.
si wânden, daz er hete	diu spil mit sîner kraft getân.

er gruozte si minneclîche.	jâ was er tugende rîch.
dô nam in bî der hende	diu maget lobelîch.
si erloubte im, daz er dâ solde	haben gewalt.
des vröute sich dô Hagene,	der degen küene und balt.

si bat den ritter edele	mit ir dannen gân
in den palas wîten.	alsô daz wart getân,
dô erbôt man ez den recken	mit dienste baz.
Dancwart und Hagene,	die muosenz lâzen âne haz.

Sîvrit der snelle	wîse was genuoc.
sîne tarnkappen	er abe behalten truoc.
dô gie er hine wider,	dâ manec vrouwe saz.
er sprach zuo dem künege,	und tet vil wîslîche daz:

„wes beitet ir, mîn hêrre?	wan beginnet ir der spil,
der iu diu küneginne	teilet alsô vil?
und lât uns balde schouwen,	wie diu sîn getân!“
sam ers niht enwesse,	gebârte der listege man.

dô sprach diu küneginne:	„wie ist daz geschehen,
daz ir habt, hêr Sîvrit,	der spil niht gesehen,
diu hie hât errungen	diu Gunthêres hant?“
des antwurte in Hagene	ûzer Burgonden lant.

er sprach: „dâ het ir uns, vrouwe,	betrüebet den muot.
dô was bî dem schiffe	Sîvrit, der helt guot,
dô der vogt von Rîne	diu spil iu an gewan.
des ist ez im unkunde“,	sprach der Gunthêres man.

„sô wol mich dirre mære“,	sprach Sîvrit der degen,
„daz iuwer hôchvart	ist alsô hie gelegen,
daz iemen lebet, der iuwer	meister müge sîn!
nû sult ir, maget edele,	uns hinnen volgen an den Rîn.“

dô sprach diu wolgetâne:	„des enmac niht ergân.
ez müezen ê bevinden	mâge und mîne man.
jâne mac ich alsô	lîhte gerûmen mîniu lant,
die mîne besten vriunde	werden ê besant!“

dô hiez si boten rîten	allenthalben dan.
si besande ir vriunde,	mâge und man.
die bat si ze Îsensteine	komen unerwant,
und hiez in allen geben	rîch und hêrlîch gewant.

si riten tegelîche	spâte und vruo
der Prünhilde	bürge scharhaft zuo.
„jârâ jâ!“ sprach Hagene,	„waz haben wir getân?
wir erbeiten hie vil übele	der schœnen Prünhilde man,

sô si nû mit ir krefte	koment in daz lant.
der küneginne wille	ist uns unbekant.
waz, ob si alsô zürnet,	daz wir sîn verlorn?
sô ist uns diu maget edele	ze grôzen sorgen geborn.“

dô sprach der starke Sîvrit:	„daz sol ich understân.
des ir dâ habt sorge,	des lâz ich niht ergân.
ich sol iu helfe bringen	her in diz lant,
vil erwelten recken,	die iu noch nie wurden bekant.

ir sult nâch mir niht vrâgen.	ich wil hinnen varn.
got müeze iuwer êre	die zît wol bewarn.
ich kum schiere wider	und bringe tûsent man
der aller besten degene,	der ich ie künde gewan.“

„sône sît êt niht ze lange“,	sprach der künec dô,
„wir sîn iuwerer helfe	vil billîchen vrô.“
er sprach: „ich kum wider	in vil kurzen tagen.
daz ir mich habt gesendet,	daz sult ir Prünhilde sagen.“

dannen gie dô Sîvrit	zer porten ûf den sant
in sîner tarnkappen,	dâ er ein schiffel vant.
dar an sô stuont vil tougen	daz Sigemundes kint.
er fuorte ez balde dannen,	alsam ez wæte der wint.

den schiffmeister sach niemen.	daz schiffel sêre vlôz
von Sîvrides kreften,	die wâren alsô grôz.
si wânden, daz ez fuorte	ein sunder starker wint.
nein, ez fuorte Sîvrit,	der schœnen Sigelinden kint.

bî des tages zîten	und in der einen naht
kom er ze einem lande	mit grœzlîcher maht,
wol hundert langer	raste und dannoch baz.
die hiezen Nibelunge,	dâ er den grôzen schatz besaz.

der helt, der fuor aleine	ûf einen wert vil breit.
daz schif gebant vil balde	der ritter vil gemeit.
er gie zuo einem berge,	dar ûf ein burc stuont,
und suochte herberge,	sô die wegemüeden tuont.

dô kom er für die porten.	verslozzen im diu stuont.
jâ huoten si ir êren,	sô noch die liute tuont.
anz tor begunde bôzen	der unkunde man.
daz was wol behüetet.	dô vant er innerthalben stân

einen ungefüegen,	der der bürge pflac,
bî dem zallen zîten	sîn gewæfen lac.
der sprach: „wer ist, der bôzet	sô vaste an daz tor?“
dô wandelte sîne stimme	der hêrre Sîvrit dâ vor.

er sprach: „ich bin ein recke,	nû entsliuz ûf daz tor!
ich erzürne ir etslîchen	noch hiute dâ vor,
der gerne sanfte læge	und hete sîn gemach.“
daz müete den portenære,	dô daz hêr Sîvrit gesprach.

nû hete der rise küene	sîn gewæfen an getân,
sînen helm ûf sîn houbet.	der vil starke man
den schilt vil balde zucte,	daz tor er ûf dô swief.
wie rehte grimmeclîchen	er an Sîvriden lief!

wie er getorste wecken	sô manegen küenen man!
dâ wurden slege swinde	von sîner hant getân.
dô begunde im schermen	der hêrlîche gast.
dô schuof der portenære,	daz sîn gespenge zebrast

von einer îsenstangen.	des gie dem helde nôt.
ein teil begunde fürhten	Sîvrit den tôt,
dô der portenære	sô krefteclîche sluoc.
dar umbe was im wæge	sîn hêrre Sîvrit genuoc.

si striten alsô sêre,	daz al diu burc erschal.
dô hôrte man daz diezen	in Nibelunges sal.
er twanc den portenære,	daz er in sît gebant.
diu mære wurden kunde	in al Nibelunge lant.

dô hôrte daz grimme strîten	verre durch den berc
Albrîch der vil küene,	ein wildez getwerc.
er wâfende sich balde.	dô lief er, dâ er vant
disen gast vil edelen,	dâ er den risen gebant.

Albrîch was vil grimme,	starc was er genuoc.
helm und ringe	er an dem lîbe truoc,
und eine geisel swære	von golde an sîner hant.
dô lief er harte snelle,	dâ er Sîvriden vant.

siben knoufe swære,	die hiengen vor dar an,
dâ mit er umb der hende	den schilt dem küenem man
sluoc sô bitterlîchen,	daz im des vil zebrast.
des lîbes kom in sorge	dô der wætlîche gast.

den scherm er von der hende	gar zebrochen swanc.
dô stiez er in die scheiden	ein wâfen, daz was lanc.
den sînen kamerære	wolde er niht slahen tôt.
er schônte sîner zühte,	als im diu tugent daz gebôt.

mit starken sînen handen	lief er Albrîchen an.
dô vienc er bî dem barte	den altgrîsen man.
er zogte in ungefuoge,	daz er lûte schrê.
zuht des jungen heldes,	diu tet Albrîche wê.

lûte rief der küene:	„lât mich genesen!
und möhte ich iemens eigen	ân einen recken wesen,
dem swüere ich des eide,	ich wære im undertân,
ich diente iu ê ich stürbe“,	sprach der listige man.

er bant ouch Albrîchen	alsam den risen ê.
die Sîvrides krefte	tâten im vil wê.
daz getwerc begunde vrâgen:	„wie sît ir genant?“
er sprach: „ich heize Sîvrit.	ich wânde, ich wære iu wol bekant.“

„sô wol mich dirre mære!“	sprach Albrîch daz getwerc,
„nû hân ich wol erfunden	diu degenlîchen werc,
daz ir von wâren schulden	müget landes hêrre wesen.
ich tuon swaz ir gebietet,	daz ir mich lâzet genesen.“

dô sprach der hêrre Sîvrit:	„ir sult balde gân,
und bringet mir der recken,	der besten die wir hân,
tûsent Nibelunge,	daz mich die hie gesehen.“
war umbe er dô des gerte,	des hôrte in niemen verjehen.

dem risen und Albrîche	lôsete er diu bant.
dô lief Albrîch balde,	dâ er die recken vant.
er wacte sorgende	der Nibelunge man.
er sprach: „wol ûf, ir helde,	ir sult ze Sîvride gân!“

si sprungen von den betten	und wâren vil bereit.
tûsent ritter snelle	wurden wol gekleit.
si giengen, dâ si funden	Sîvriden stân.
dâ wart ein schône grüezen	ein teil mit werken getân.

vil kerzen was enzündet,	man schancte im lûtertranc.
daz si schiere kômen,	er sagte es in allen danc.
er sprach: „ir sult von hinnen	mit mir über vluot.“
des vant er vil bereite	die helde küen und guot.

wol drîzec hundert recken,	die wâren schiere komen.
ûz den wurden der besten	tûsent dô genomen.
den brâhte man ir helme	und ander ir gewant,
wand er si füeren wolde	in daz Prünhilde lant.

er sprach: „ir guote ritter,	daz wil ich iu sagen:
ir sult vil rîchiu kleider	dâ ze hove tragen,
wand uns dâ sehen müezen	vil minneclîchiu wîp.
dar umbe sult ir zieren	mit guoter wæte den lîp.“

an einem morgen vruo	huoben si sich dan.
waz sneller geverten	Sîvrit dô gewan!
si fuorten ross diu guoten	und hêrlîch gewant.
si kômen ritterlîche	in daz Prünhilde lant.

dô stuonden in den zinnen	diu minneclîchiu kint.
dô sprach diu küneginne:	„weiz iemen, wer die sint,
die ich dort sihe vliezen	sô verre ûf dem sê?
si füerent segele rîche,	die sint noch wîzer danne der snê.“

dô sprach der künec von Rîne:	„ez sint mîne man.
die hete ich an der verte	hie nâhen bî verlân.
die hân ich besendet.	die sint nû, vrouwe, komen.“
der hêrlîchen geste	wart vil grôze war genomen.

dô sach man Sîvride	vor in einem schiffe stân
in hêrlîcher wæte,	unde ander manegen man.
dô sprach diu küneginne:	„hêr künec, ir sult mir sagen:
sol ich die geste enpfâhen,	oder sol ich grüezen si verdagen?“

er sprach: „ir sult engegen	in für den palas gân,
ob wir si gerne sehen,	daz si daz wol verstân.“
dô tet diu küneginne,	als ir der künec geriet.
Sîvride mit dem gruoze	si von den andern schiet.

man schuof in herberge	und behielt in ir gewant.
dô was sô vil der geste	komen in daz lant,
daz si sich allenthalben	drungen in den scharn.
dô wolden die vil küenen	heim ze lande varn.

dô sprach diu küneginne:	„ich wolde im wesen holt,
der geteilen kunde	mîn silber und mîn golt
mîn und des küneges gesten,	des ich sô vil hân.“
des antwurte Dancwart,	des künec Gîselhêres man:

„vil edeliu küneginne,	lât mich der slüzzel pflegen
ich trûwe ez sô geteilen“,	sprach der küene degen,
„swaz ich erwerbe schande,	die lât mîn eines sîn!“
daz er milte wære,	daz tet der degen schîn.

dô sich Hagenen bruoder	der slüzzel underwant,
sô manege gâbe rîche	gap des heldes hant:
swer einer marke gerte,	dem wart sô vil gegeben,
daz die armen alle	muosen vrœlîche leben.

wol bî hundert pfunden	gap er âne zal.
genuoge in rîcher wæte	giengen vor dem sal,
die nie dâ vor getruogen	sô hêrlîchiu kleit.
daz gevriesch diu künegîn.	ez was ir wærlîche leit.

dô sprach diu vrouwe hêre:	„hêr künec, ich hete es rât,
daz iuwer kamerære	mir wil der mînen wât
lâzen niht belîben.	er swendet mir mîn golt.
der ez noch understüende,	dem wolde ich immer wesen holt.

er gît sô rîche gâbe,	jâ wænet des der degen,
ich habe gesant nâch tôde!	ich wils noch lenger pflegen.
ouch trûwe ichz wol verswenden,	daz mir mîn vater lie.
sô milten kamerære	gewan noch küneginne nie.“

dô sprach von Tronege Hagene:	„vrouwe, iu sî geseit,
ez hât der künec	von Rîne golt und kleit
alsô vil ze gebene,	daz wir des haben rât,
daz wir von hinnen füeren	iht der Prünhilde wât.“

„nein, durch mîne liebe“,	sprach diu künegîn,
„lâzet mich erfüllen	zweinzec leitschrîn
von golde und von sîden,	daz geben sol mîn hant,
sô wir kômen über	in daz Gunthêres lant.“

mit edelem gesteine	ladete man diu schrîn.
ir selber kamerære	dâ mite muosen sîn.
sine wolde es niht getrûwen	dem Gunthêres man.
Gunthêr und Hagene	dar umb lachen began.

dô sprach diu küneginne:	„wem lâz ich mîniu lant?
diu sol ê bestiften	mîn und iuwer hant!“
dô sprach der künec edele:	„nû heizet her gân
der iu dar zuo gevalle,	den sul wir voget wesen lân.“

ein ir hôhesten mâc	diu vrouwe bî ir sach.
er was ir muoter bruoder.	zuo dem diu vrouwe sprach:
„nû lât iu sîn bevolhen	mîne bürge und ouch diu lant.“
si rihten sich zer verte.	man sach si rîten ûf den sant.

si fuorte mit ir dannen	sehs und ahzec wîp,
dar zuo wol hundert megde.	vil schœne was in der lîp.
sine sûmten sich niht langer,	si wolden gâhen dan.
die si dâ heime liezen,	hey, waz der weinen began!

in tugentlîchen zühten	si rûmte ir eigen lant.
si kuste ir vriunt die nâhen,	die si bî ir vant.
mit guotem urloube	si kômen ûf den sê.
zuo ir vater lande	kom diu vrouwe nimmêr mê.

dô hôrte man ûf der verte	maneger hande spil.
aller kurzewîle	heten si dô vil.
dô kom in zuo ir reise	ein rehter wazzerwint.
si fuoren von dem lande	mit vil grôzen vröuden sint.

dône wolde si den hêrren	niht minnen ûf der vart.
ez wart ir kurzewîle	unz in ir hûs gespart,
ze Wormez zuo der bürge,	zeiner hôchgezît,
dâ si vil vröuden rîche	kômen mit ir helden sît.

dô si gevarn wâren	wol niuwen tage,
dô sprach von Tronege Hagene:	„nû hœrt, waz ich iu sage:
wir sûmen uns mit den mæren	ze Wormez an den Rîn.
iuwer boten solden	nû ze Burgonden sîn.“

dô sprach der künec Gunthêr:	„ir habet mir wâr geseit.
uns wære ze der selben	verte niemen sô bereit
als ir, mîn vriunt, hêr Hagene.	nû rîtet in mîn lant!
die mîne hovereise	tuot in niemen baz bekant.“

des antwurte Hagene:	„ich bin niht bote guot.
lât mich pflegen der kamere,	belîben ûf der vluot.
jâ wil ich bî den vrouwen	behüeten ir gewant,
unz wir si bringen	in der Burgonde lant.

nû bittet Sîvride	füeren die boteschaft!
der kan si wol gewerben	mit ellenthafter kraft.
versage er iu die reise,	ir sult mit guoten siten
durch iuwer swester willen	der bete in vriuntlîchen bitten.“

er sande nâch dem recken.	der kom, dô man in vant.
er sprach: „sît wir heim nâhen	in mîniu lant,
sô solde ich boten senden	der lieben swester mîn
und ouch mîner muoter,	daz wir nâhen an den Rîn.

des ger ich an iuch, Sîvrit.	nû leistet mînen muot,
daz ich ez immer diene“,	sprach der degen guot.
dô widerredete ez Sîvrit,	der vil küene man,
unz daz in Gunthêr sêre	vlêgen began.

er sprach: „ir sult rîten	durch den willen mîn
und ouch durch Kriemhilde,	daz schœne magedîn,
daz ez mit mir verdiene	diu hêrlîchiu meit.“
dô daz gehôrte Sîvrit,	dô was der recke vil bereit.

„nû enbietet, swaz ir wellet,	des wirt niht verdaget.
ich wil ez gerne werben	durch die vil schœnen maget.
zewiu solde ich verzîhen,	die ich in herzen hân?
swaz ir gebietet,	daz ist allez getân.“

„sô saget mîner muoter,	Uoten der künegîn,
daz wir an dirre verte	in hôhem muote sîn.
lât wizzen mîne bruoder,	wie wir geworben hân!
ir sult ouch unser vriunde	disiu mære hœren lân.

die mînen schœnen swester,	die sult ir niht verdagen.
den mîn und Prünhilde dienest,	den sult ir der megde sagen,
und ouch dem gesinde	und allen mînen man,
dar nâch ie ranc mîn herze,	wie wol ich daz verendet hân.

und sagt Ortwîne,	dem liebem neven mîn,
daz er heize sidelen	ze Wormez an den Rîn,
und ander mîne mâge	sol man wizzen lân:
ich wil mit Prünhilde	grôze hôchzîte hân.

und sage mîner swester,	sô si daz habe vernomen,
daz ich mit mînen gesten	sî ze lande komen,
daz si mit vlîze enpfâhe	die lieben triutinne mîn.
daz wil ich immer	diende umb Kriemhilde sîn.“

Sîvrit der hêrre	balde urloup genam
von vroun Prünhilde,	als im wol gezam,
und zallem ir gesinde.	dô reit er an den Rîn.
ez kunde in dirre werlde	ein bote bezzer niht gesîn.

mit vier und zweinzec recken	ze Wormez er dô reit.
des küneges kom er âne.	dô daz wart geseit,
allez daz gesinde	müete jâmers nôt.
si vorhten, daz ir hêrre	dort beliben wære tôt.

dô erbeizten si von rossen.	vil hôhe stuont ir muot.
vil schiere kom in Gîselhêr,	der junge künec guot,
unde Gêrnôt, sîn bruoder.	wie balde er dô sprach,
dô er den künec Gunthêr	niht bî Sîvride sach:

„sît willekomen,	Sîvrit! ir sult mich wizzen lân,
wâ ir mînen bruoder,	den künec, habt verlân.
diu Prünhilde sterke	in wæn uns hât benomen,
sô wære ir hôhiu minne	uns ze grôzem schaden komen.“

„die angest lât belîben!	iu und den mâgen sîn,
iu enbiutet sînen dienest	der liebe hergeselle mîn.
den liez ich wol gesunden.	er hât mich iu gesant,
daz ich sîn bote wære	mit mæren her in iuwer lant.

ir sult daz ahten schiere,	swie sô daz geschehe,
daz ich die küneginne	und iuwer swester sehe.
die sol ich lâzen hœren,	waz in enboten hât
Gunthêr und Prünhilt.	ir dinc in hôhe stât.“

dô sprach der junge Gîselhêr:	„dâ sult ir zuo zir gân.
dâ habt ir mîner swester	vil liebe an getân.
si treit ouch michel sorge	umb den bruoder mîn.
diu maget siht iuch gerne,	des wil ich iuwer bürge sîn.“

dô sprach der hêrre Sîvrit:	„swaz ich ir dienen kan,
daz sol vil willeclîchen	mit triuwen sîn getân.
wer saget nû den vrouwen,	daz ich dar wil gân?“
des wart dô bote Gîselhêr,	der vil wætlîche man.

Gîselhêr der snelle	zuo sîner muoter sprach
und ouch ze sîner swester,	dâ er si beide sach:
„uns ist komen Sîvrit,	der helt ûz Niderlant.
in hât mîn bruoder Gunthêr	her ze Rîne gesant.

er bringet uns diu mære,	wie ez umb den künec stê.
nû sult ir im erlouben,	daz er ze hove gê.
er sagt diu rehten mære	her von Îslant.“
noch was den edelen vrouwen	michel sorge bekant.

si sprungen nâch ir wæte.	dô leiten si sich an.
si bâten Sîvride	hin ze hove gân.
daz tet er willeclîchen,	wand er si gerne sach.
Kriemhilt diu edele	zuo im güetlîchen sprach:

„sît willekom, hêr Sîvrit,	ritter lobelîch!
wâ ist mîn bruoder Gunthêr,	der edel künec rîch?
von Prünhilde krefte,	ich wæn, wir in hân verlorn.
ouwê mich armer megde,	daz ich ze der werlt ie wart geborn!“

dô sprach der ritter küene:	„nû gebt mir botenbrôt!
ir vil schœne vrouwen,	ir weinet âne nôt.
ich liez in wol gesunden,	daz tuon ich iu bekant.
si habent mich iu beide	mit den mæren her gesant.

iu enbiutet holden dienest	er und diu wine sîn
mit vriuntlîcher liebe,	vil edeliu künegîn.
nû lâzet iuwer weinen.	si wellent schiere komen.“
si hete in manegen zîten	sô liebez mære niht vernomen.

mit snê wîzen gêren	ir ougen wolgetân
wischete si nâch trehen.	danken si began
dem boten dirre mære,	diu ir wâren komen.
dô was ir michel trûren	und ir weinen benomen.

si bat den boten sitzen.	des was er vil bereit.
dô sprach diu minneclîche:	„mir wære niht ze leit,
ob ich dem boten miete	solde geben mîn golt.
dar zuo sît ir ze rîche:	ich wil iu immer wesen holt.“

„ob ich nû eine hete“,	sprach er, „drîzec lant,
sô enpfienge ich doch gerne	gâbe ûz iuwerer hant.“
dô sprach diu tugentrîche:	„nû sol ez sîn getân!“
si hiez den kamerære	nâch der botenmiete gân.

vier und zweinzec bouge	mit gesteine guot,
die gap si im ze miete.	sô stuont des heldes muot,
er wolde es niht behalten.	er gap ez sâ zehant
ir næhestem ingesinde,	die er ze kemenâten vant.

ir muoter bôt ir dienest	in vil güetlîchen an.
„ich sol iu sagen mære“,	sprach der küene man,
„wes iuch bittet Gunthêr,	sô er kumt an den Rîn.
ob ir daz, vrouwe,	leistet, er welle iu immer wæge sîn.

die sînen rîchen geste,	des hôrte ich in gern,
daz ir die wol enpfâhet,	und sult in des gewern,
daz ir gegen im rîtet	für Wormez an den sant.
des sît ir von dem künege	mit rehten triuwen gemant.“

dô sprach diu minneclîche:	„des bin ich vil bereit.
swaz ich im kan gedienen,	daz ist im unverseit.
mit vriuntlîchen triuwen,	sô sol ez sîn getân.“
dô mêrte sich ir varwe,	die si vor liebe gewan.

ez enwart nie bote enpfangen	deheines fürsten baz.
getorste si in küssen,	diu vrouwe tæte daz.
wie rehte minneclîche	er von den vrouwen schiet!
dô tâten Burgonde,	als in Sîvrit geriet.

Sindolt und Hûnolt	und Rûmolt der degen,
vil grôzer unmuoze	muosen si dô pflegen,
rihten daz gesidele	vor Wormez ûf den sant.
des küneges schaffære	man mit arbeiten vant.

Ortwîn und Gêre,	diene wolden daz niht lân,
si sanden nâch den vriunden	allenthalben dan.
si kundeten in die hôchzît,	diu dâ solde sîn.
dâ zierten sich engegene	diu vil schœnen magedîn.

der palas und die wende,	daz was über al
gezieret gegen den gesten.	der Gunthêres sal,
der wart vil wol bezimbert	durch manegen vremden man.
disiu vil starke hôchzît,	diu huop sich vil vrœlîchen an.

dô riten allenthalben	die wege durch daz lant
der drîer künege mâge.	die hete man besant,
daz si den solden warten,	die in dâ wolden komen.
dâ wart ûzer valde	vil rîcher wæte genomen.

dô sagete man diu mære,	daz man rîten sach
die Prünhilde vriunde.	dô huop sich ungemach
von des volkes krefte	in Burgonden lant.
hey, waz man küener degene	dâ ze beiden sîten vant!

dô sprach diu schœne Kriemhilt:	„ir mîniu magedîn,
die an dem antpfange	mit mir wellen sîn,
die suochen ûz den kisten	diu aller besten kleit!
sô wirt uns von den gesten	lop und êre geseit.“

dô kômen ouch die recken.	die hiezen tragen dar
die hêrlîchen setele	von rôtem golde gar,
die vrouwen solden rîten	ze Wormez an den Rîn.
bezzer pfertgereite,	diu kunden niender sîn.

hey, waz dâ liehtes goldes	von den mœren schein!
in lûhte von den zoumen	vil manec edel stein.
die guldînen schemel	ob liehtem pfelle guot,
die brâhte man den vrouwen.	si wâren vrœlîch gemuot.

ûfe dem hove wâren	diu vrouwenpfert bereit
den edelen juncvrouwen,	als ich iu hân geseit.
diu smalen fürbüege	sach man die mœre tragen
von den besten sîden,	dâ von iu iemen kunde gesagen.

sehs und ahzec vrouwen	sach man dâ für gân,
die gebende truogen.	zuo Kriemhilde dan
kômen die vil schône	und truogen liehtiu kleit.
dâ kom ouch gezieret	manec wætlîchiu meit,

fünfzec und viere	von Burgonde lant.
ez wâren ouch die hœhsten,	die man dâ iender vant.
die sach man dâ valvahse	under liehten porten gân.
des ê der künec gerte,	daz wart mit vlîze getân.

si truogen rîchen pfellel,	die besten, die man vant,
vor den vremden recken,	sô manec guot gewant,
daz ir genuoge schœne	ze rehte wol gezam.
er wære in swachem muote,	der ir deheiner wære gram.

von zobel und von harme	vil man dâ kleider vant.
dâ wart vil wol gezieret	manec arm und hant
mit bougen ob den sîden,	die si dâ solden tragen.
iu enkunde diz vlîzen	ze ende niemen gesagen.

vil manegen gürtel	spæhen, rîch und lanc,
über liehtiu kleider	vil manec hant dô swanc
ûf edel rocke ferrans	von pfelle ûz Arâbî.
den edelen juncvrouwen	was vil hôher vröuden bî.

ez wart in fürgespenge	manec schœniu meit
genæt vil minneclîche.	ez möhte ir wesen leit,
der ir vil liehtiu varwe	niht lûhte gegen der wât.
sô schœnes ingesindes	nû niht küneges künne hât.

dô die vil minneclîchen	nû truogen ir gewant,
die si dâ füeren solden,	die kômen dar zehant.
der hôchmüeten recken	was ein vil michel kraft.
man truoc ouch dar mit schilden	vil manec eschînen schaft.

anderthalp des Rînes	sach man mit manegen scharn
den künec mit sînen gesten	zuo dem stade varn.
ouch sach man dâ bî zoume	leiten manege meit.
die si enpfâhen solden,	die wâren alle bereit.

dô die von Îslande	zen schiffen kômen dan,
und ouch von Nibelungen	die Sîvrides man,
si gâheten zuo dem lande.	unmüezec wart ir hant,
dâ man des küneges vriunde	des stades anderthalben vant.

nû hœret ouch disiu mære	von der künegîn,
Uoten der rîchen,	wie si diu magedîn
vrumte von der bürge.	dar si dô selbe reit.
dâ gewan ein ander kunde	vil manec ritter und meit.

der herzoge Gêre	Kriemhilt zoumte dan
niwâr für daz bürgetor.	Sîvrit, der küene man,
der muoste ir fürbaz dienen.	si was ein schœne kint.
des wart im wol gelônet	von der juncvrouwen sint.

Ortwîn der küene	bî vrou Uoten reit
vil geselleclîchen	manec ritter und meit.
ze sô grôzem antpfange,	des wir wol mügen jehen,
wart nie sô vil der vrouwen	bî ein ander gesehen.

vil manec bûhurt	rîcher wart dâ getriben
von helden lobelîchen,	niht wol daz wære beliben,
vor Kriemhilt der vil schœnen	zuo den schiffen dan.
dô huop man von den mœren	manege vrouwen wolgetân.

der künec was komen über,	und manec werder gast.
hey, waz starker schefte	vor den vrouwen brast!
man hôrte dâ hurteclîchen	von schilden manegen stôz.
hey, waz rîcher buckelen	vor gedrange lûte erdôz!

die vil minneclîchen	stuonden an der habe.
Gunthêr mit sînen gesten	gie von den schiffen abe.
er fuorte Prünhilden	selbe an sîner hant.
dâ lûhte wider ein ander	vil lieht stein und gewant.

mit vil grôzen zühten	vrou Kriemhilt dô gie,
dô si vroun Prünhilden	von ir gesinde enpfie.
man sach dâ schapel rucken	mit liehten henden dan,
dâ si sich kusten beide.	daz wart durch zuht getân.

dô sprach gezogenlîche	Kriemhilt daz magedîn:
„ir sult zuo disen landen	uns willekomen sîn,
mir und mîner muoter,	und allen die wir hân
der getriuwen vriunde!“	dô wart nîgen getân.

die vrouwen sich beviengen	mit armen dicke hie.
sô minneclîch enpfâhen	gehôrte man noch nie,
sô die vrouwen beide	der briute tâten kunt.
vrou Uote und ir tohter,	die kusten dicke ir süezen munt.

dô vrou Prünhilt	vol kom ûf den sant,
dô wart vil minneclîchen	genomen bî der hant
von wætlîchen recken manec	wîp wolgetân.
man sach die schœnen megede	vor vroun Prünhilde stân.

ê daz ir gruoz ergienge,	daz was ein lange stunt.
jâ wart dâ geküsset	manec rôse varwer munt.
noch stuonden bî ein ander	die küneges töhter rîch.
daz liebte an ze sehene	vil manegem recken lobelîch.

dô spehten mit den ougen,	die ê hôrten jehen,
daz si alsô schœnes	niht mêr heten gesehen
sô die vrouwen beide.	des jach man âne lüge.
ouch kôs man an ir lîbe	dâ deheiner slahte trüge.

die vrouwen spehen kunden	und minneclîchen lîp,
die lobten durch ir schœne	daz Gunthêres wîp.
dô sprâchen dâ die wîsen,	die heten ez baz gesehen,
man möhte Kriemhilden	vor vroun Prünhilden jehen.

wider ein ander	giengen maget und wîp.
man sach dâ wol gezieret	vil manegen schœnen lîp.
dâ stuonden sîden hütten	und manec rîch gezelt.
der was gar erfüllet	vor Wormez daz velt.

vor des küneges mâgen	wart dringen dâ getân.
dô hiez man Prünhilde	und Kriemhilde gân,
und mit in alle die vrouwen,	dâ man schate vant.
dar brâhten si die degene	ûzer Burgonden lant.

nû wâren ouch die geste	ze rosse alle komen.
vil manec rîchiu	tjost durch schilt wart genomen.
daz velt begunde stiuben,	sam ob al daz lant
mit louge wære erbrunnen.	dâ wurden helde wol bekant.

des dâ die recken pflâgen,	daz sach dâ manec meit.
mich dunket, daz hêr Sîvrit	mit sînen degen reit
vil manege widerkêre	für die hütten dan.
er fuorte der Nibelunge	tûsent wætlîcher man.

dô kom von Tronege Hagene,	als im der wirt geriet.
den bûhurt minneclîche	dô der helt geschiet,
daz si ungestoubet	liezen diu vil schœnen kint.
des wart dô von den gesten	gevolget güetlîche sint.

dô sprach der hêrre Gêrnôt:	„diu ross lâzet stân,
unz ez beginne kuolen.	sô sul wir ane vân
dienen schœnen wîben	für den palas wît:
sô der künec welle rîten,	daz ir vil bereite sît!“

dô der bûhurt was zergangen	über al daz velt,
dô giengen kurzewîlen	under manec gezelt
die ritter zuo den vrouwen	ûf hôher vröuden wân.
dâ vertriben si die stunde,	unz si wolden rîten dan.

vor âbendes nâhen,	dô diu sunne nider gie
und ez begunde kuolen,	niht langer man daz lie,
sich huop gegen der bürge	manec man und wîp.
mit ougen wart getriutet	vil maneger schœnen vrouwen lîp.

dâ wart von guoten helden	vil kleider ab geriten
von den hôchgemuoten	nâch des landes siten,
unze für den palas	der künec nider stuont.
dâ wart gedienet den vrouwen,	sô helde hôchgemuote tuont.

dô wurden ouch gescheiden	die rîchen künegîn.
vrou Uote und ir tohter,	die giengen beide hin
mit ir ingesinde	in ein vil wîtez gadem.
dô hôrte man allenthalben	ze vröuden grôzen kradem.

gerihtet wart daz gesidele.	der künec wolde gân
ze tische mit den gesten.	dô sach man bî im stân
die schœnen Prünhilde.	krône si dô truoc
in des küneges lande.	jâ was si rîch genuoc.

vil manec hergesidele	mit guoten tavelen bereit
von spîse wart gesetzet,	als uns ist geseit.
des si dâ haben solden,	wie wênec des gebrast!
dô sach man bî dem künege	vil manegen hêrlîchen gast.

des wirtes kamerære	in becken von golde rôt
daz wazzer für truogen.	des wære lützel nôt,
ob iu daz iemen sagte,	daz man diente baz
ze fürsten hôchgezîte.	ich wolde niht gelouben daz.

ê daz der vogt von Rîne	wazzer dô genam,
dô tet der hêrre Sîvrit,	als im dô gezam.
er mante in sîner triuwe,	wes er im verjach,
ê daz er Prünhilt	dâ heime in Îslande sach.

er sprach: „ir sult gedenken,	des mir swuor iuwer hant,
swenne vrou Prünhilt	kœme in diz lant,
ir gæbet mir iuwer swester.	wâ sint die eide komen?
ich hân an iuwer reise	michel arbeit genomen!“

dô sprach der künec zem gaste:	„ir habet mich rehte ermant.
jâne sol niht meineide	werden des mîn hant!
ich wil ez iu füegen,	sô ich aller beste kan.“
dô hiez man Kriemhilde	ze hove für den künec gân.

mit ir vil schœnen megden	si kômen für den sal.
dô spranc von einer stiege	Gîselhêr ze tal.
„nû heizet wider wenden	disiu magedîn!
niuwan mîn swester eine	sol bî dem künege sîn.“

dô brâhte man Kriemhilde,	dâ man den künec vant.
dô stuonden ritter edele	von maneges fürsten lant
in dem sal wîten.	man hiez si stille stân.
dô was diu vrou Prünhilt	wol hin unz an den tisch gegân.

dô sprach der künec Gunthêr:	„swester vil gemeit,
durch dîne selbe tugende	lœse mînen eit.
ich swuor dir einen recken,	und wirdet der dîn man,
sô hâstû mînen willen	mit vil grôzen triuwen getân.“

dô sprach diu maget vil edele:	„vil lieber bruoder mîn,
ir sult mich niht vlêgen.	jâ wil ich immer sîn
swie ir mir gebietet!	daz sol sîn getân.
ich wil in loben gerne,	den ir mir, hêrre, gebet ze man.“

von lieber ougen blicke	wart Sîvrit varwe rôt.
ze dienste sich der recke	vroun Kriemhilde bôt.
man hiez si zuo ein ander	an einen rinc dô gân.
man vrâgte, ob si gerne	næme den vil wætlîchen man.

in magetlîchen zühten	schamte si sich ein teil.
iedoch was gelücke	und Sîvrit vil geil,
daz si in niht versprechen	wolde al dâ zehant.
ouch lobte si ze wîbe	der edel künec von Niderlant.

dô er si gelobte	und ouch in diu meit,
güetlîch umbevâhen	was dâ vil bereit
von Sîvrides armen	daz minneclîche kint.
von helden wart geküsset	diu schœne Kriemhilt sint.

sich teilte daz gesinde.	alsô daz geschach,
an daz gegensidele	man Sîvride sach
mit Kriemhilde sitzen.	dar diente manec man.
man sach die Nibelunge	mit samt Sîvride gân.

der künec was gesezzen	und Prünhilt diu meit.
dô sach si Kriemhilde,	dône wart ir nie sô leit,
bî Sîvride sitzen.	weinen si began.
ir vielen heize trehene	über liehtiu wange dan.

dô sprach der wirt des landes:	„vil liebiu vrouwe mîn,
war umbe lât ir trüeben	vil liehter ougen schîn?
ir muget iuch vröun balde.	iu ist undertân
mîn lant und mîne bürge	und manec wætlîcher man.“

„ich mac wol balde weinen“,	sprach diu schœniu meit.
„umb dîne swester	ist mir von herzen leit.
die sihe ich nâhen sitzen	dem eigenholden dîn.
daz muoz ich immer weinen,	sol si alsô verderbet sîn.“

dô sprach der künec Gunthêr:	„ir müget wol stille dagen.
ich wil iu zandern zîten	disiu mære sagen,
war umb ich mîne swester	Sîvride hân gegeben.
jâ mac si mit dem recken	immer vrœlîchen leben!“

si sprach: „mich jâmert immer	ir schœne und ouch ir zuht.
wesse ich, war ich möhte,	ich hete gerne vluht,
daz ich iu nimmêr wolde	geligen nâhen bî,
ir ensaget mir wâ von Kriemhilt	diu Sîvrides wine sî.“

dô sprach der künec edele:	„ich tuon ez iu wol bekant.
er hât als wol bürge	als ich, und wîtiu lant.
daz wizzet sicherlîche:	er ist ein künec rîch.
dar umb gan ich im ze minnen	die schœnen maget lobelîch.“

swaz ir der künec sagete,	si hete trüeben muot.
dô gâhte von den tischen	vil manec ritter guot.
ir bûhurt wart sô herte,	daz al diu burc erdôz.
den wirt bî sînen gesten	vil harte sêre verdrôz.

er dâhte, er læge sanfter	der schœnen vrouwen bî.
dô was er des gedingen	niht gar in herzen vrî,
im müese von ir schulden	liebes vil geschehen.
er begunde vriuntlîchen	an vroun Prünhilde sehen.

ir ritterschaft die geste	bat man abe lân.
der künec mit sînem wîbe	ze bette wolde gân.
vor des sales stiegen	gesamenten si sich sît,
Kriemhilt und Prünhilt.	noch was ez ân ir beider nît.

dô kom ir ingesinde,	diene sûmten sich des niht.
ir rîchen kamerære	brâhten in diu lieht.
sich teilten dô die recken,	der zweier künege man.
dô sach man vil der degene	danne mit Sîvride gân.

die hêrren kômen beide,	dâ si solden ligen.
dô gedâhte ietslîcher	mit minnen an gesigen
den minneclîchen vrouwen.	daz senftete in den muot.
Sîvride kurzewîle,	diu wart vil grœzlîche guot.

dô der hêrre Sîvrit	bî Kriemhilde lac,
und er sô minneclîche	der juncvrouwen pflac
mit sînen edelen minnen,	si wart im sô sîn lîp.
er næme für si eine	niht tûsent anderiu wîp.

ich sag iu niht mêre,	wie er der vrouwen pflac.
nû hœret disiu mære,	wie Gunthêr gelac
bî vroun Prünhilde,	der ziere degen.
er hete dicke sanfter	bî andern wîben gelegen.

daz volc was im entwichen,	vrouwen und man.
dô wart diu kemenâte	vil balde zuo getân.
er wânde, er solde triuten	ir vil minneclîchen lîp.
jâ was ez noch unnâhen,	ê si wurde sîn wîp.

in sabenwîzem hemede	si an daz bette gie.
dô dâhte der ritter edele:	„nû hân iz allez hie,
des ich ie dâ gerte	in allen mînen tagen.“
si muoste im von ir schœne	von grôzen schulden wol behagen.

diu lieht begunde bergen	des edelen küneges hant.
dô gie der degen küene,	dâ er die vrouwen vant.
er leite sich ir nâhen.	sîn vröude, diu was grôz.
die vil minneclîchen	der helt mit armen umbeslôz.

minneclîch triuten,	des kunde er vil begân,
ob in diu edele vrouwe	hete lâzen daz getân.
dô zurnde si sô sêre,	daz in gemüete daz.
er wânde vinden vriunde,	dô vant er vîentlîchen haz.

si sprach: „ritter edele,	ir sult ez lâzen stân,
des ir dâ habet	gedingen. jâne mac es niht ergân!
ich wil noch maget belîben,	ir sult wol merken daz,
unz ich diu mære ervinde.“	dô wart ir Gunthêr gehaz.

dô ranc er nâch ir minne	und zerfuorte ir diu kleit.
dô greif nâch einem gürtel	diu hêrlîchiu meit.
daz was ein starker porte,	den si umb ir sîten truoc.
dô tet si dem künege	grôzer leide genuoc.

die füeze und ouch die hende	si im ze samne bant.
si truoc in zeinem nagel	und hienc in an die want.
dô er si slâfes irrete,	die minne si im verbôt.
jâ hete er von ir krefte	vil nâch gewunnen den tôt.

dô begunde er vlêgen,	der meister wânde sîn:
„nû lœset mîn gebende,	vil edeliu künegîn!
ine trûwe iu doch, schœniu vrouwe,	nimmêr an gesigen,
und sol ouch harte selten	iu sô nâhe mêr geligen!“

sine ruochte, wie im wære,	wand si vil sanfte lac.
dort muoste er allez hangen	die naht unz an den tac,
unz der liehte morgen	durch diu venster schein.
ob er ie kraft gewünne,	diu was an sînem lîbe klein.

„nû sagt mir, hêr Gunthêr,	ist iu daz iht leit,
ob iuch gebunden fünden“,	sprach diu schœne meit,
„die iuwern kamerære	von einer vrouwen hant?“
dô sprach der ritter edele:	„daz würde iu übele bewant!

ouch hete ich es wênec êre“,	sprach der snelle man.
„durch iuwer selber tugende	nû lât mich zuo iu gân.
sît daz iu mîne minne	sint alsô starke leit,
ich sol mit mînen henden	nimmêr rüeren iuwer kleit.“

dô lôsete si in balde.	und dô si in ûf verlie,
wider daz bette	er zuo der vrouwen gie.
er leite sich sô verre,	daz er ir schœne wât
dar nâch vil selten ruorte.	des wolde ouch si dô haben rât.

dô kom ouch ir gesinde,	die brâhten in niuwiu kleit.
der was in an den morgen	harte vil bereit.
swie wol man dâ gebârte,	trûrec was genuoc
der hêrre von dem lande,	swie er des tages krône truoc.

nâch siten, der si pflâgen,	und man durch reht begie,
Gunthêr und Prünhilt	niht langer daz enlie,
si giengen zuo dem münster,	dâ man die messe sanc.
dar kom ouch hêr Sîvrit.	sich huop dâ grœzlîch gedranc.

nâch küneclîchen êren	was in dar bereit,
swaz si dâ haben solden,	ir krône und ouch ir kleit.
dô wurden si gewîhet.	dô daz was getân,
dô sach man si alle viere	under krône vrœlîchen stân.

vil junger degen swert dâ nâmen,	sehs hundert oder baz,
den künegen al ze den êren.	ir sult wol wizzen daz.
sich huop vil michel vröude	in der Burgonde lant.
man hôrte dâ schefte hellen	an der swertdegene hant.

dô sâzen in den venstern	diu schœnen magedîn.
si sâhen vor in liuhten	vil maneges schildes schîn.
dô hete sich gescheiden	der künec von sînen man.
swes iemen ander pflæge,	man sach den künec trûrende gân.

im und Sîvride ungelîch	stuont der muot.
wol wesse, waz im wære,	der edel ritter guot.
dô gienc er zuo dem künege.	vrâgen er began:
„wie ist iu hînt gelungen?	daz sult ir mich nû wizzen lân!“

dô sprach der wirt ze dem gaste:	„ich hân laster und schaden,
wand ich hân den übelen	tiuvel heim ze hûse geladen.
dô ich si wânde minnen,	vil sêre si mich bant.
si truoc mich zeinem nagele	und hie mich hôhe an die want.

dâ hie ich angestlîche	die naht unz an den tac,
ê daz si mich enbünde.	wie sanfte si dô lac!
daz sol dir vriuntlîche	ûf genâde sîn gekleit.“
dô sprach der starke Sîvrit:	„ez ist mir wærlîche leit.

des bringe ich dich wol innen.	und læzestû ez âne nît,
ich schaffe, daz si hîntz	sô nâhe bî dir gelît,
daz si dich ir minne	gesûmet nimmêr mêr.“
der rede was dô Gunthêr	nâch sînen arbeiten hêr.

dô sprach der hêrre Sîvrit:	„dû maht wol genesen.
ich wæne, uns ungelîche	hînat sî gewesen.
mir ist dîn swester Kriemhilt	lieber danne der lîp.
ez muoz diu vrouwe Prünhilt	noch hînat werden dîn wîp.“

er sprach: „ich kum noch hînte	ze der kemenâten dîn
alsô tougenlîchen	in der tarnkappen mîn,
daz sich mîner liste	mac niemen wol verstân.
sô lâ die kamerære	ûz zuo ir herberge gân.

sô lesche ich den kinden	diu lieht an der hant.
daz ich sî dar inne,	dâ bî sî dir bekant,
daz ich dir gerne diene.	sô twinge ich dir dîn wîp,
daz dû si hînte minnest,	oder ich verliuse mînen lîp.“

„âne daz dû iht triutest“,	sprach der künec dô,
„die mîne lieben vrouwen,	anders bin ich es vrô.
sô tuo ir swaz dû wellest,	und næmest ir den lîp,
daz solde ich wol verkiesen.	si ist ein vreislîchez wîp!“

„daz nim ich“, sô sprach Sîvrit,	„ûf die triuwe mîn,
daz ich ir niht enminne.	diu schœne swester dîn,
diu ist mir vor allen,	die ich noch ie gesach.“
vil wol geloubte	der künec Gunthêr, daz Sîvrit gesprach.

dâ was von kurzewîle	vröude und nôt.
bûhurt und schallen	allez man verbôt,
dâ die vrouwen solden	gegen dem sale gân.
dô hiezen die kamerære	die liute von dem wege stân.

von rossen und von liuten	gerûmet wart der hof.
der vrouwen ietslîche,	die fuorte ein bischof,
dô si vor den künegen	ze tische solden gân.
in volgete an daz gesidele	vil manec wætlîcher man.

der künec in guotem wâne	dô vrœlîchen saz.
daz im gelobte Sîvrit,	wol dâhte er ane daz.
der eine tac in dûhte	wol drîzec tage lanc:
an sîner vrouwen minne	stuont aller sîn gedanc.

er erbeite kûme,	daz man von tische gie.
die schœnen Prünhilde	man dô komen lie,
und ouch vroun Kriemhilde,	beide an ir gemach.
hey, waz man sneller degene	vor den künegen sach!

Sîvrit der hêrre	vil minneclîchen saz
bî sînem wîbe	mit vröuden âne haz.
si trûte sîne hende	mit ir vil wîzer hant,
unze er ir vor den ougen,	sine wesse wenne, verswant.

dô si mit im spilte	und sis niht mêr ensach,
zuo sînem gesinde	diu küneginne sprach:
„mich hât des michel wunder,	wâ der künec sî bekomen.
wer hât im die sînen	hende ûz den mînen genomen?“

die rede si lie belîben.	dô was er hin gegân,
dâ er vil kamerære	mit den liehten vant stân.
diu begunde er leschen	den kinden an der hant.
daz er wære Sîvrit,	daz was Gunthêr bekant.

wol wesse er, waz er wolde.	dô hiez er dannen gân
megede und vrouwen.	dô daz was getân,
der rîche künec selbe	dô beslôz die tür.
vil starker rigel zwêne	warf er snelle dar für.

diu lieht verbarc er schiere	under die bettewât.
eines spils begunde,	des was dô niht rât,
Sîvrit der vil starke	und ouch diu vil schœniu meit,
daz was dem künege	Gunthêr beidiu liep und leit.

Sîvrit, der leite	sich nâhen der juncvrouwen bî.
si sprach: „nû lât ez, Gunthêr,	als liep als ich iu sî,
daz ir iht arbeite	lîdet alsam ê!“
sît getet diu vrouwe	dem küenen Sîvride wê.

dô hal er sîne stimme,	daz er niht ensprach.
Gunthêr wol hôrte,	swie er sîn niht ensach,
daz heinlîcher dinge	von in dâ niht geschach.
si heten an dem bette	vil harte kleinen gemach.

er gebârte, sam ez wære	Gunthêr, der künec rîch.
er umbslôz mit armen	die maget lobelîch.
si warf in ûz dem bette	dâ bî ûf eine banc,
daz im sîn houbet lûte	ûf einem schamel erklanc.

wider ûf mit kreften	spranc der küene man.
er wolde ez baz versuochen.	dô er des began,
daz er si wolde twingen,	dar umbe wart im vil wê.
sölch wer von deheiner vrouwen,	diu wæne immer mêr ergê.

dô er niht wolde erwinden,	diu maget ûf dô spranc.
„ir ensult mir niht zerfüeren	mîn hemde sô blanc!
ir sît vil ungefüege!	daz sol iu werden leit,
des bringe ich iuch wol innen!“	sprach diu wætlîchiu meit.

si beslôz mit armen	den tiuwerlîchen degen.
dô wolde si in gebunden	alsam den künec legen,
daz si an dem bette	möhte haben gemach.
daz er ir die wât zerfuorte,	diu vrouwe ez grœzlîchen rach.

waz half sîn grôziu sterke	und ouch sîn grôziu kraft?
si erzeigete dem degene	ir lîbes meisterschaft.
si truoc in mit gewalte,	daz muose êt alsô sîn,
und dructe in gefuoge zwischen	die want und ein schrîn.

„ouwê“, dâhte der recke,	„sol ich nû mînen lîp
von einer maget verliesen,	sô mugen elliu wîp
her nâch immer mêre	tragen gelpfen muot
gegen ir manne, diu ez sus	nimmêr getuot!“

der künec ez wol hôrte.	er angestete umb den man.
Sîvrit zurnte sêre.	schamen er sich began.
mit ungefüeger krefte	satzte er sich wider.
er versuochtez angestlîche	an vroun Prünhilde sider.

den künec ez dûhte lange,	ê er si betwanc.
si dructe im sîne hende,	daz ûz den nagelen spranc
daz bluot im von ir krefte.	daz was dem helde leit.
sît brâhte er an ein lougen	die vil hêrlîchen meit

ir ungefüeges willen,	des si ê dâ jach.
der künec ez allez hôrte,	swie er niht ensprach.
er dructe si an daz bette,	daz si vil lûte schrê.
ir tâten sîne krefte	harte grœzlîchen wê.

dô greif si hinz ir sîten,	dâ si den porten vant,
und wolde in hân gebunden.	dô werte ez sô sîn hant,
daz ir diu lit erkrachten	und ouch al der lîp.
des wart der strît gescheiden.	dô wart si Gunthêres wîp.

si sprach: „künec edele,	dû solt mich leben lân.
ez wirt vil wol versüenet,	swaz ich dir hân getân.
ich engewer mich nimmêr mêre	der edelen minne dîn.
ich hân daz wol erfunden,	daz dû kanst vrouwen meister sîn.“

Sîvrit stuont dannen.	ligen lie er die meit,
sam er von im ziehen wolde	vil gar sîniu kleit.
er zôch ir ab ir hende	ein guldîn vingerlîn,
daz si des nie wart innen,	diu edele künegîn.

dar zuo nam er ir gürtel,	daz was ein porte guot.
ine weiz, ob er daz tæte	durch sînen hôhen muot.
er gap ez sînem wîbe,	daz wart im sider leit.
dô lâgen bî ein ander	Gunthêr und diu schœniu meit.

er pflac ir minneclîchen,	als im daz gezam.
dô muoste si verkiesen	ir zorn und ouch ir scham.
von sîner heinlîche	si wart ein lützel bleich.
hey, waz ir von der minne	ir grôzen krefte entweich!

dône was ouch si niht	sterker dann ein ander wîp.
er trûte minneclîche	den ir vil schœnen lîp.
ob siz versuochte mêre,	waz kunde daz vervân?
daz hete ir allez Gunthêr	mit sînen minnen getân.

wie rehte minneclîche	si dô bî im lac
mit vriuntlîcher liebe	unz an den liehten tac!
nû was der hêrre Sîvrit	wider ûz gegân,
dâ er wol wart enpfangen	von einer vrouwen wolgetân.

er understuont ir vrâge,	der si hete gedâht.
er hal si sît vil lange,	daz er ir hete brâht,
unz daz si under krône	in sînem lande gie.
swaz er ir geben solde,	wie lützel erz belîben lie!

der wirt wart an dem morgen	verrer baz gemuot,
danne er dâ vor wære.	des wart diu vröude guot
in allem sînem lande	von manegem edelem man.
die er ze hûse ladete,	den wart vil dieneste getân.

diu hôchzît dô werte unz an den	vierzehenden tac,
daz in al der wîle	nie der schal gelac
von aller hende vröuden,	der iemen solde pflegen.
dô wart des küneges koste	vil harte hôhe gewegen.

des edelen wirtes mâge,	als ez der künec gebôt,
die gâben durch sîn êre	kleider und golt vil rôt,
ross und dar zuo silber	vil manegem vremdem man.
die dâ gâbe gerten,	die schieden vrœlîchen dan.

Sîvrit, der hêrre	ûzer Niderlant
mit tûsent sînen mannen,	allez ir gewant,
daz si ze Rîne brâhten,	wart allez hin gegeben,
und ouch diu ross mit setelen.	si kunden hêrlîche leben.

ê daz man die rîche gâbe	alle dâ verswanc,
die wider ze lande wolden,	die dûhte des ze lanc.
ez enwart nie geste	mêre baz gepflegen.
sô endete sich diu hôchzît.	daz wolde Gunthêr der degen.

dô die geste wâren	alle dan gevarn,
dô sprach ze sînem	gesinde Sigemundes barn:
„wir suln uns ouch bereiten	heim in mîniu lant!“
liep was ez sînem wîbe,	dô ez diu vrouwe rehte ervant.

si sprach zuo zir manne:	„wenne sul wir varn?
daz ich sô harte gâhe,	daz heiz ich wol bewarn.
mir suln ê mîne bruoder	teilen mit diu lant.“
leit was ez Sîvride,	dô erz an Kriemhilde ervant.

die fürsten zuo zim giengen	und sprâchen alle drî:
„nû wizzet daz, hêr Sîvrit,	daz iu immer sî
mit triuwen unser dienest	bereit, rehte unz an den tôt.“
dô neic er den degenen,	dô man imz sô güetlîch erbôt.

„wir suln ouch mit iu teilen“,	sprach Gîselhêr daz kint,
„lant und bürge,	die unser eigen sint,
und swaz der wîten rîche	ist uns undertân.
der sult ir teil vil guoten	mit samt Kriemhilde hân.“

sun der Sigemundes	zuo den fürsten sprach,
dô er der hêrren willen	gehôrte und sach:
„got lâz iu iuwer erbe	immer sælec sîn,
und ouch die liute dar inne!	jâ getuot diu liebe wine mîn

des teiles wol ze râte,	den ir ir woldet geben!
dâ si sol tragen krône,	und sol ich daz geleben,
si muoz werden rîcher	danne iemen lebendiger sî.
swaz ir sus gebietet, des bin ich	iu dienestlîchen bî.“

dô sprach diu vrouwe Kriemhilt:	„habt ir der erbe rât,
umb Burgonde degene	sô lîhte ez niht enstât.
si müge ein künec gerne	füeren in sîn lant.
jâ sol si mit mir teilen	mîner lieben bruoder hant!“

dô sprach der hêrre Gêrnôt:	„nû nim dir, swen dû wil.
die gerne mit dir rîtent,	der vindestû hie vil.
von drîzec hundert recken	wir geben dir tûsent man.
die sîn dîn heimgesinde.“	Kriemhilt dô senden began

nâch Hagenen von Tronege	und ouch nâch Ortwîn,
ob die und ouch ir mâge	Kriemhilde wolden sîn.
dô gewan dar umbe Hagene	ein zornlîchez leben.
er sprach: „jâne mac uns Gunthêr	ze werlde niemen gegeben!

ander iuwer gesinde	die lât iu volgen mite,
wand ir doch wol bekennet	der Tronegære site:
wir müezen bî den künegen	hier enhove bestân.
wir suln in langer dienen,	den wir al her gevolget hân!“

daz liezen si belîben.	dô bereiten si sich dan.
ir edel ingesinde	vrou Kriemhilt zuo zir gewan
zwô und drîzec meide	und fünf hundert man.
Eckewart der grâve,	der volgete Sîvride dan.

urloup si alle nâmen,	beidiu ritter und kneht,
megede und vrouwen.	daz was michel reht.
gescheiden küssende	wurden si zehant.
si rûmten vrœlîchen	des künec Gunthêres lant.

dô beleiten si ir mâge	vil verre ûf den wegen.
man hiez in allenthalben	ir nahtselde legen,
swâ si si gerne nâmen,	al durch der künege lant.
dô wurden boten balde	Sigemunde dan gesant,

daz er daz wizzen solde	und ouch Sigelint,
daz sîn sun komen wolde	und ouch vroun Uoten kint,
Kriemhilt diu vil schœne,	von Wormez über Rîn.
dône kunden in diu	mære nimmêr lieber gesîn.

„sô wol mich“, sprach dô Sigemunt,	„daz ich gelebet hân,
daz Kriemhilt diu vil schœne	sol hie gekrônet gân!
des müezen wol getiuwert	sîn al diu erbe mîn.
mîn sun, der edel Sîvrit,	sol hie selbe künec sîn!“

dô gap diu edele Sigelint	vil manegen samît rôt.
silber und golt vil swære,	daz was ir botenbrôt.
si vröute sich der mære,	diu si dô vernam.
sich kleidete ir ingesinde	mit vlîze, als in dô wol gezam.

man sagete, wer dâ kœme	mit im in daz lant.
dô hiezen si gesidele	rihten sâ zehant,
dar zuo er gekrônet	vor vriunden solde gân.
dô riten im engegene	des künec Sigemundes man.

ist iemen baz enpfangen,	daz ist mir unbekant,
danne die helde mære	in Sigemundes lant.
Sigelint diu schœne	Kriemhilt engegene reit
mit maneger vrouwen schœnen,	ir volgeten ritter gemeit,

in einer tageweide,	dâ man die geste sach.
die kunden und die vremden	liten ungemach,
unz daz si kômen	zeiner bürge wît,
diu was geheizen Santen,	dâ si krône truogen sît.

mit lachendem munde Sigelint	und Sigemunt
kusten Kriemhilt durch liebe	ze maneger stunt,
und ouch Sîvrit.	in was ir leit benomen.
allez ir gesinde	was in grôze willekomen.

man bat die geste bringen	für Sigemundes sal.
die schœnen juncvrouwen,	die huop man dâ ze tal
nider von den mœren.	dâ was vil manec man,
dô man den schœnen vrouwen	mit vlîze dienen began.

swie grôz ir hôchzît bî dem	Rîne was bekant,
noch gap man den helden	hie vil bezzer gewant,
denne si ie getruogen	noch bî allen ir tagen.
man mohte michel wunder	von ir rîchheite sagen.

dô si in ir hôhen êren	sâzen und heten genuoc,
waz golt varwer gêren	ir ingesinde truoc!
perlen und edel gesteine	verwieret wol dar în:
sus pflac ir vlîzeclîchen Sigelint	diu edel künegîn.

dô sprach vor sînen vriunden	der hêrre Sigemunt:
„den Sîvrides mâgen	tuon ich allen kunt,
er sol vor disen recken	die mîne krône tragen!“
diu mære hôrten gerne	die von Niderlande sagen.

er bevalch im sîn gerihte,	krône und ouch daz lant.
sît was er ir aller meister,	die er ze rehte vant,
und dar er rihten solde.	daz wart alsô getân,
daz man sêre vorhte	der schœnen Kriemhilden man.

in disen grôzen êren	lebete er, daz ist wâr,
und rihte under krône	unz an daz zehende jâr,
daz diu vil schœne vrouwe	einen sun gewan.
daz was des küneges	mâgen nâch ir willen ergân.

den îlte man dô toufen	und gap im einen namen,
Gunthêr, nâch sînem œheim.	des endorfte er sich niht schamen.
geriet er nâch den mâgen,	daz wære im wol ergân.
dô zôch man in mit vlîze.	daz was von schulden getân.

in den selben zîten	starp vrou Sigelint.
dô hete den gewalt	mit alle der edelen Uoten kint,
der sô rîchen vrouwen	ob landen wol gezam.
daz klagten dô genuoge,	dô si der tôt von in genam.

nû hete ouch dort bî Rîne,	sô wir hœren sagen,
bî Gunthêr dem rîchen	einen sun getragen
Prünhilt diu schœne	in Burgonden lant.
durch des heldes liebe	wart er Sîvrit genant.

wie rehte vlîzeclîchen	sîn man hüeten hiez!
Gunthêr der edele	im magezogen liez,
die ez wol kunden ziehen	ze einem biderbem man.
hey, waz im ungelücke	sît der vriunde an gewan!

mære zallen zîten	der wart vil geseit,
wie rehte lobelîchen	die recken vil gemeit
lebten zallen stunden	in Sigemundes lant.
alsam tet ouch Gunthêr	mit sînen mâgen ûz erkant.

daz lant zen Nibelungen	Sîvride diente hie,
rîcher sîner mâge	wart noch deheiner nie,
und ouch Nibelunges recken	und ir beider guot.
des truoc der vil küene	deste hœhern muot.

hort den aller meisten,	den helt ie gewan,
âne die es ê pflâgen,	hete nû der küene man,
den er vor einem berge	mit sîner hende erstreit.
dar umbe sluoc er ze tôde	vil manegen ritter gemeit.

er hete den wunsch der êren.	und wære des niht geschehen,
sô müese man von schulden	dem edelen recken jehen,
daz er wære ein der beste,	der ûf ors ie gesaz.
man vorhte sîne sterke,	und tet vil billîche daz.

nû gedâhte ouch alle	zîte daz Gunthêres wîp:
„wie treit êt alsô hôhe	vrou Kriemhilt den lîp?
nû ist doch unser	eigen Sîvrit ir man.
er hât uns nû vil lange	lützel dienste getân.“

diz truoc si in ir herzen,	und wart ouch wol verdeit.
daz si ir vremede wâren,	daz was ir harte leit.
daz man ir sô selten diente	von Sîvrides lant,
wâ von daz wære,	daz hete si gerne bekant.

si versuochtez an dem künege,	ob ez möhte geschehen,
daz si Kriemhilde	solde noch gesehen.
si reitez heinlîche,	des si dâ hete muot.
dô dûhte den hêrren	diu rede mæzlîchen guot.

„wie möhte wir si bringen“,	sprach der künec rîch,
„her zuo disem lande?	daz wære unmügelîch.
si sitzent uns ze verre.	ine getar sis niht gebitten.“
des antwurte im vrou Prünhilt	in einen listigen siten:

„swie hôhe rîche wære	deheines küneges man,
swaz im gebüte sîn hêrre,	daz solde er doch niht lân.“
des ersmielte Gunthêr,	dô si daz gesprach.
er enjach es im niht ze dienste,	swie dicke er Sîvride sach.

si sprach: „vil lieber hêrre,	durch den willen mîn,
sô hilf mir, daz Sîvrit	und ouch diu swester dîn
kumen zuo disem lande,	daz wir si hie gesehen!
sône kunde mir ze wâre	nimmêr lieber geschehen.

dîner swester zühte	und ir wol gezogener muot,
swenne ich dar an gedenke,	wie sanfte mir daz tuot,
wie wir ensamt sâzen,	dô ich êrste wart dîn wîp!
si mac mit êren minnen	des küenen Sîvrides lîp.“

si gerte es alsô lange,	unz daz der künec sprach:
„nû wizzet, daz ich geste	sô gerne nie gesach.
ir müget mich sanfte vlêgen.	ich wil die boten mîn
nâch in beiden senden,	daz si uns komen an den Rîn.“

dô sprach diu küneginne:	„sô sult ir mir sagen,
wenne ir si welt besenden,	oder in welchen tagen
unser lieben vriunde	suln komen in daz lant.
die ir dar wellet senden,	die lât mir werden bekant.“

„daz tuon ich“, sprach der fürste.	„drîzec mîner man
wil ich dar lâzen rîten.“	die hiez er für sich gân.
bî den enbôt er mære	in daz Sîvrides lant.
ze liebe gap in Prünhilt	vil harte hêrlîch gewant.

dô sprach der künec Gunthêr:	„ir recken sult von mir sagen,
al daz ich dar enbiete,	sult ir niht verdagen,
dem starkem Sîvride	und ouch der swester mîn,
daz in endarf ze der werlde	niemen holder gesîn.

unde bittet, daz si beide	zuo uns komen an den Rîn.
daz welle ich und mîn vrouwe	immer dienende sîn.
vor disen sunewenden	sol er und sîne man
sehen hie vil manegen,	der im vil grôzer êren gan.

dem künege Sigemunde	saget den dienest mîn,
daz ich und die mîne	im immer wæge sîn,
und saget ouch mîner swester,	daz si niht lâze daz,
sine rîte zuo zir vriunden!	ir zam nie hôchgezîten baz.“

Prünhilt und Uote	und swaz man dâ vrouwen vant,
die enbuten alle	ir dienest in Sîvrides lant
den minneclîchen vrouwen	und manegem küenem man.
mit küneges vriunde râte	die boten huoben sich dan.

si fuoren reislîche.	ir pfert und ir gewant,
daz was in komen allen.	dô rûmten si daz lant.
in zogete wol ir verte,	dar si dâ wolden varn.
der künec hiez mit geleite	die boten vlîzeclîche bewarn.

si kômen in drîn wochen	geriten in daz lant
ze Nibelunges bürge,	dar wâren si gesant.
ze Norwæge in der marke,	dâ funden si den degen.
diu ross den boten wâren	vil müede von den langen wegen.

Sîvride und Kriemhilt	wart beiden dô geseit,
daz ritter dar komen wæren,	die truogen sölchiu kleit,
sam man zen Burgonden	dô der site pflac.
si spranc von einem bette,	dar an si ruowende lac.

dô bat si zeinem venster	eine maget gân.
diu sach den küenen Gêren	an dem hove stân,
in und die gesellen,	die wâren dar gesant.
gegen ir herzeleide	wie liebiu mære si bevant!

si sprach zuo dem künege:	„nû seht ir, wâ si stânt,
die mit dem starken Gêren	ûf dem hove gânt,
die uns mîn bruoder Gunthêr	sendet nider den Rîn.“
dô sprach der starke Sîvrit:	„die suln uns willekomen sîn!“

allez daz gesinde	lief, dâ man si sach.
ir ietslîch besunder	vil güetlîche sprach
daz beste daz si kunden	ze den boten dô.
Sigemunt der hêrre,	der was ir kunfte harte vrô.

dô wart geherberget	Gêre und sîne man.
diu ross hiez man behalten.	die boten giengen dan,
dâ der hêrre Sîvrit	bî Kriemhilde saz.
in was ze hove erloubet,	dâ von sô tâten si daz.

der wirt mit sînem wîbe	stuont ûf sâ zehant.
wol wart enpfangen Gêre	von Burgonden lant
mit sînen hergesellen,	die Gunthêres man.
Gêren den vil rîchen	bat man an den sedel gân.

„erloubet uns die botschaft,	ê daz wir sitzen gân.
uns wegemüede geste,	lât uns die wîle stân!
wir süln iu sagen mære,	waz iu enboten hât
Gunthêr und Prünhilt, ir dinc vil	hôhenlîche stât,

und ouch waz vrou Uote,	iuwer muoter, her enbôt,
Gîselhêr der junge	und ouch hêr Gêrnôt,
und iuwer besten mâge.	die habent uns her gesant.
die enbietent iu ir dienest	ûzer Gunthêres lant.“

„nû lôn in got“, sprach Sîvrit,	„ich getrûwe in harte wol
triuwen und guotes,	alsô man vriunden sol.
alsam tuot ouch ir swester.	ir sult uns mære sagen,
ob unser lieben vriunde	dâ heime iht hôhes muotes tragen.

sît daz wir von in schieden,	hât in iemen iht getân,
den mînen konemâgen,	daz sult ir mich wizzen lân.
daz wil ich in immer	mit triuwen helfen tragen,
unze daz ir vîande	den mînen dienest müezen klagen.“

dô sprach der marcgrâve	Gêre, ein recke vil guot:
„si sint in allen tugenden	sô rehte hôch gemuot.
si ladent iuch ze Rîne	zeiner hôchgezît.
si sæhen iuch vil gerne,	daz ir des âne zwîvel sît,

unde bittent mîne vrouwen,	si sul mit iu dar komen.
swenne daz der winter	ein ende habe genomen,
vor disen sunewenden,	sô wolden si iuch sehen.“
dô sprach der starke Sîvrit:	„daz kunde müelîch geschehen.“

dô sprach aber Gêre	von Burgonden lant:
„iuwer muoter Uote	hât iuch gemant,
Gêrnôt und Gîselhêr,	ir sult in niht versagen.
daz ir in sît sô verre,	daz hœre ich tegelîche klagen.

Prünhilt, mîn vrouwe,	und alle ir magedîn,
die vröunt sich der mære.	und ob ez müge sîn,
daz si iuch noch gesæhen,	daz gæbe in hôhen muot.“
dô dûhten disiu mære	die schœnen Kriemhilde guot.

gêre was ir sippe.	der wirt in sitzen hiez.
den gesten hiez er schenken,	niht langer man daz liez.
dô was ouch komen Sigemunt,	dâ er die boten sach.
der hêrre vriuntlîche	zuo den Burgonden sprach:

„sît willekomen, ir recken,	ir Gunthêres man!
sît daz Kriemhilt	ze wîbe gewan
Sîvrit der mîn sun,	man solde iuch dicker sehen
hie in disem lande,	wolt ir uns vriuntschefte jehen.“

si sprâchen, swenne er wolde,	si solden gerne komen.
in wart ir michel müede	mit vröuden vil benomen.
die boten bat man sitzen.	spîse man in truoc.
dô hiez dô geben Sîvrit	sînen gesten genuoc.

si muosen dâ belîben	bevollen niun tage.
des heten endeclîchen	die snellen ritter klage,
daz si niht wider solden	rîten in ir lant.
dô hete der künec Sîvrit	nâch sînen vriunden gesant.

er vrâgte, waz si rieten,	ob si solden an den Rîn:
„ez hât nâch mir gesendet	Gunthêr, der vriunt mîn,
er und sîne mâge,	durch eine hôchgezît.
nû kœme ich im vil gerne,	wand daz sîn lant ze verre lît.

und bittent Kriemhilde,	daz si mit mir var.
nû râtet, liebe vriunde,	wie sol ich komen dar?
und solde ich herverten	durch si in drîzec lant,
dâ müese in dienen gerne	hin diu Sîvrides hant!“

dô sprâchen sîne recken:	„habt ir der reise muot
hin zer hôchgezîte,	wir râten, waz ir tuot:
ir sult mit tûsent recken	rîten an den Rîn.
sô müget ir wol mit êren	dâ zen Burgonden sîn.“

dô sprach von Niderlande	der hêrre Sigemunt:
„welt ir zer hôchgezîte,	wan tuot ir mir daz kunt?
ob ez iu niht versmâhet,	sô rît ich mit iu dar.
ich füere hundert degene.	dâ mite mêre ich iuwer schar.“

„und welt ir mit uns rîten,	vil lieber vater mîn“,
sprach der küene Sîvrit,	„vil vrô sol ich des sîn.
inner tagen zwelven	sô rûm ich mîniu lant.“
alle die es dô gerten,	den gap man ross und ouch gewant.

dô der künec edele	der reise hete muot,
dô hiez man wider rîten	die snellen boten guot.
den sînen konemâgen	enbôt er an den Rîn,
er wolde harte gerne	dâ zir hôchgezîten sîn.

Sîvrit und Kriemhilt,	alsô wir hœren sagen,
sô vil den boten gâben,	daz ez niht mohten tragen
ir mœre heim ze lande.	er was ein rîcher man.
ir starken soumære,	die treip man vrœlîche dan.

ir volc kleidete Sîvrit	und ouch Sigemunt.
Eckewart der grâve,	der hiez an der stunt
vrouwen kleider suochen,	diu besten diu man vant
oder iender kunde erwerben über	al Sîvrides lant.

die setele zuo den schilden	bereiten man began.
rittern und vrouwen,	die mit in solden dan,
den gap man swaz si wolden,	daz in niht gebrast.
dô brâhte er sînen vriunden	vil manegen hêrlîchen gast.

den boten zogete sêre	ze lande ûf den wegen.
dô kom zen Burgonden	Gêre der degen.
er wart vil wol enpfangen.	dô erbeizten si ze tal
von rossen und von mœren	für den Gîselhêres sal.

die tumben und die wîsen	giengen, sô man tuot,
vrâgen umbe mære.	dô sprach der ritter guot:
„swenne ich si sage dem künege,	dâ hœret si zehant!“
er gie mit den gesellen,	dâ er Gunthêren vant.

der künec von grôzer liebe	von dem sedele spranc.
daz si sô balde kômen,	des sagte in dô danc
Prünhilt diu schœne.	Gunthêr zem boten sprach:
„wie gehabt sich Sîvrit,	von dem mir liebes vil geschach?“

dô sprach der küene Gêre:	„dâ wart er vröuden rôt,
er und iuwer swester.	nie vriunde baz enbôt
sô getriuwiu mære	deheiner slahte man,
als iu der hêrre Sîvrit	und ouch sîn vater hât getân.“

dô sprach ze dem marcgrâven	des edelen küneges wîp:
„nû sagt mir, kumet uns Kriemhilt?	hât noch ir schœner lîp
behalten iht der zühte,	der si wol kunde pflegen?“
„si kumt iu sicherlîchen,“	sô sprach dô Gêre der degen.

Uote bat dô drâte	die boten für sich gân.
dô mohte man an ir vrâge	harte wol verstân,
daz si daz hôrte gerne,	was Kriemhilt noch gesunt.
er sagete, wie er si fünde,	und daz si kœme in kurzer stunt.

ouch wart von in diu gâbe	ze hove niht verdeit,
die in gap hêr Sîvrit,	golt und ouch diu kleit.
daz brâhte man ze sehene	der drîer künege man.
der ir vil grôzen milte	wart in danken getân.

„er mac“, sprach dô Hagene,	„von im sanfte geben.
er enkunde ez niht verswenden,	und solde er immer leben.
hort der Nibelunge	beslozzen hât sîn hant.
hey, solde er kumen immer	in der Burgonden lant!“

allez daz gesinde	vröute sich dar zuo,
daz si komen solden.	spâte und vruo
jâ wâren vil unmüezec	der drîer künege man.
vil manec hergesidele	man dô rihten began.

Hûnolt der küene	und Sindolt der degen,
die heten vil unmuoze,	die zît si muosen pflegen
truhsæzen und schenken	ze rihten manege banc.
des half in ouch hêr Ortwîn.	des sagete in Gunthêr danc.

Rûmolt der kuchenmeister,	wie wol er rihte sît
die sînen undertânen!	vil manegen kezzel wît,
heven und pfannen,	hey, waz man der dâ vant!
dô bereite man den spîse,	die dâ kômen in daz lant.

alle ir unmuoze	die lâze wir nû sîn,
unde sagen, wie vrouwe Kriemhilt	und ouch ir magedîn
gegen Rîne fuoren	von Nibelunge lant.
nie getruogen mœre	sô manec rîche gewant.

vil der soumschrîne	man schicte zuo den wegen.
dô reit mit sînen	vriunden Sîvrit der degen,
und ouch diu küneginne,	dar si heten vröuden wân.
sît wart ez in allen	ze grôzem leide getân.

dâ heime si dô liezen	Sîvrides kindelîn
und sun Kriemhilde.	daz muose êt alsô sîn.
von ir hovereise	im erstuont michel sêr.
sîn vater und sîn muoter	gesach daz kindel nimmêr mêr.

dô reit ouch mit in dannen	der hêrre Sigemunt.
solde er rehte wizzen,	wie ez nâch der stunt
zer hôchgezîte ergienge,	er hete ir niht gesehen.
im kunde ze lieben vriunden	nimmêr leider geschehen.

die boten man für sande,	die diu mære sageten dar.
dô reit ouch in engegen	mit wunneclîcher schar
vil der Uoten vriunde	und der Gunthêres man.
der wirt gegen sînen gesten	vil sêre sich vlîzen began.

er gie zuo Prünhilt,	dâ er die sitzen vant.
„wie enpfie êt iuch mîn swester,	dô ir kômet in mîn lant?
alsam sult ir enpfâhen	daz Sîvrides wîp!“
„daz tuon ich von schulden.	gerne holt ist ir mîn lîp.“

dô sprach der künec rîche:	„si kument morgen vruo.
welt ir si enpfâhen,	dâ grîfet balde zuo,
daz wir ir in der bürge	niht erbîten hie.
mir kômen in allen wîlen	sô rehte liebe geste nie.“

ir megde und ir vrouwen	hiez si dô sâ zehant
suochen guotiu kleider,	die besten die man vant,
die ir ingesinde	vor gesten solden tragen.
daz tâten si doch gerne.	daz mac man lîhte gesagen.

ouch îlten in dô dienen	die Gunthêres man.
alle sîne recken	der wirt zuo sich gewan.
dô reit diu küneginne	vil hêrlîche dan.
dâ wart vil michel grüezen	die liebe geste getân.

mit wie getânen vröuden	man die geste enpfie!
si dûhte, daz vrou Kriemhilt	vroun Prünhilde nie
sô rehte wol enpfienge	in Burgonde lant.
die si ê niht gesâhen, den wart vil	hôher muot erkant.

nû was ouch komen Sîvrit	mit den sînen man.
man sach die helde wenden	wider unde dan
des veldes allenthalben	mit ungefüegen scharn.
dringen und stouben kunde	dâ niemen bewarn.

dô der wirt des landes	Sîvride sach
und ouch Sigemunde,	wie minneclîch er dô sprach:
„nû sît mir grôze willekomen	und al den vriunden mîn!
der iuwer hovereise	sul wir hôchgemuote sîn.“

„nû lôn iu got“, sprach Sigemunt,	der êre gernde man,
„sît daz iuch mîn sun Sîvrit	ze vriunde gewan,
dô rieten mîne sinne,	daz ich iuch solde sehen.“
dô sprach der künec Gunthêr:	„mir ist liebe dar an geschehen.“

Sîvrit wart enpfangen,	als im dâ wol gezam,
mit vil grôzen êren,	was im dâ niemen gram.
des half mit grôzen zühten	Gîselhêr und Gêrnôt.
ich wæne, man ez gesten	noch nie sô güetlîch erbôt.

dô nâhten zuo ein ander	der zweier künege wîp.
dâ wart vil setel lære.	manec schœner vrouwen lîp
wart von helde handen	erhaben ûf daz gras.
die vrouwen gerne dienten,	waz der unmüezegen was!

dô giengen zuo ein ander	diu minneclîchen wîp.
des was in grôzen vröuden	vil maneges ritters lîp,
daz ir beider grüezen	sô schône wart getân.
dô sach man vil der recken	bî ir juncvrouwen stân.

daz hêrlîche gesinde,	daz vie sich bî der hant.
in zühte grôze nîgen,	des man vil dâ vant,
und küssen minneclîchen	von vrouwen wolgetân.
daz was liep ze sehene	Gunthêres und Sîvrides man.

sine biten dâ niht	langer. si riten zuo der stat.
der wirt daz sînen gesten	wol erzeigen bat,
daz man si gerne sæhe	in Burgonden lant.
vil manegen puneiz rîchen	man vor den juncvrouwen vant.

ûzer Tronege Hagene	und ouch Ortwîn,
daz si gewaldec wæren,	daz tâten si wol schîn.
swaz si gebieten wolden,	daz torste man niht lân.
von in wart michel dienest	den lieben gesten getân.

vil schilde hôrte	man hellen dâ ze dem bürgetor
von stichen und von stœzen.	lange habte der vor
der wirt mit sînen gesten,	ê si kômen drîn.
jâ gienc in diu stunde	mit grôzer kurzewîle hin.

für den palas rîchen	mit vröuden si dô riten.
manegen pfellel spæhen,	guot und wol gesniten,
sach man über setel	den vrouwen wolgetân
allenthalben hangen.	dô kômen Gunthêres man.

die geste hiez man füeren	balde an ir gemach.
under wîlen blicken	man Prünhilde sach
an vroun Kriemhilde,	diu schœne was genuoc.
ir varwe gegen dem golde	den glanz vil hêrlîchen truoc.

allenthalben schallen	ze Wormez in der stat
hôrte manz gesinde.	Gunthêr dô bat
Dancwarten, sînen marschalc,	daz er ir solde pflegen.
dô begunde er daz gesinde	harte güetlîche legen.

dar ûze und ouch dar inne	spîsen man si lie.
jâ wart vremder geste	baz gepflegen nie.
alles des si gerten,	des was man in bereit.
der künec der was sô rîche,	daz dâ niemen niht wart verseit.

man diente in vriuntlîche	und ân allen haz.
der wirt dô ze tische	mit sînen gesten saz.
man bat Sîvride sitzen,	als er hete ê getân.
dô gie mit im ze sedele	vil manec wætlîcher man.

wol zwelf hundert recken	an dem ringe sîn
dâ ze tische sâzen.	Prünhilt diu künegîn
gedâhte, daz eigenholde	niht rîcher kunde wesen.
si was im noch sô wæge,	daz si in gerne lie genesen.

an einem âbende,	dâ der künec saz,
vil der rîchen kleider	wart von wîne naz,
dâ die schenken solden	zuo den tischen gân.
dâ wart vil voller dienest	mit grôzem vlîze getân.

sô man ze hôchzîten	lange hât gepflegen,
vrouwen und megde,	die hiez man schône legen.
von swannen si dar kômen,	der wirt in willen truoc.
mit güetlîchen êren	man gap in allen genuoc.

dô diu naht hete ende	und der tac erschein,
ûz den soumschrînen	vil manec edel stein
erlûhte in guoter wæte,	die ruorte vrouwen hant.
dô wart dar für gesuochet	vil manec hêrlîch gewant.

ê daz vol ertagete,	dô kômen für den sal
vil ritter unde knehte.	dô huop sich aber der schal
vor einer vrüemesse,	die man dem künege sanc.
dâ riten junge helde,	dazs in der künec sagete danc.

vil krefteclîche lûte	manec pûsûn erdôz.
von trumben und von floyten	wart der schal sô grôz,
daz Wormez diu vil wîte	dar nâch lûte erschal.
die hôchgemuoten helde	ze rossen kômen über al.

dô huop sich in dem lande	vil harte hôhe ein spil
von manegem guotem recken.	der sach man dâ vil,
den ir tumbiu herze	gâben hôhen muot.
dâ sach man under schilde	vil manegen zieren ritter guot.

in diu venster sâzen	diu hêrlîchiu wîp
und vil der schœnen megede.	gezieret was ir lîp.
si sâhen kurzewîle	von manegem küenem man.
der wirt mit sînen vriunden	selbe rîten began.

sus vertriben si die wîle,	diu dûhte niht lanc.
man hôrte dâ zem tuome	maneger glocken klanc.
dô kômen in die mœre.	die vrouwen riten dan.
den edelen küneginnen,	den volgete manec küene man.

si stuonden vor dem münster	nider ûf daz gras.
Prünhilt ir gesten dannoch	vil wæge was.
si giengen under krône	in daz münster wît.
diu liebe wart sît gescheiden.	daz vrumte grœzlîcher nît.

dô si gehôrten messe,	si fuoren wider dan
mit vil manegen êren.	man sach si sider gân
ze tische vrœlîche.	ir vröude nie gelac
dâ zer hôchgezîte,	unz an den einleften tac.

vor einer vesperzîte	huop sich grôz ungemach,
daz von manegem recken	ûf dem hove geschach.
si pflâgen ritterschefte	durch kurzewîle wân.
dô liefen dar durch schouwen	vil manec wîp unde man.

ze samene dô gesâzen	die küneginne rîch.
si gedâhten zweier recken,	die wâren lobelîch.
dô sprach diu schœne Kriemhilt:	„ich hân einen man,
daz elliu disiu rîche	ze sînen handen solden stân!“

dô sprach diu vrou Prünhilt:	„wie kunde daz gesîn?
ob ander niemen lebte	wan sîn unde dîn,
sô möhten im diu rîche	wol wesen undertân.
die wîle lebt Gunthêr,	sô kunde ez nimmêr ergân!“

dô sprach aber Kriemhilt:	„nû sihestû, wie er stât,
wie rehte hêrlîche	er vor den recken gât,
alsam der liehte mâne	vor den sternen tuot!
des muoz ich von schulden	tragen vrœlîchen muot.“

dô sprach diu vrou Prünhilt:	„swie wætlîch sî dîn man,
swie edele und swie schœne,	sô muost dû vor im lân
Gunthêr den recken,	den edelen bruoder dîn.
der muoz vor allen künegen,	daz wizzest wærlîche, sîn.“

dô sprach dô vrou Kriemhilt:	„sô tiuwer ist wol mîn man,
daz ich in âne schulde	niht gelobet hân.
an vil manegen dingen	sô ist sîn êre grôz.
geloubestû des, Prünhilt,	er ist wol Gunthêres genôz.“

„jâne solt dû mir ez,	Kriemhilt, ze arge niht verstân,
wand ich âne schulde	die rede niht hân getân!
ich hôrte si jehen beide,	dô ich si aller êrste sach,
und dâ des küneges wille	an mînem lîbe geschach,

und dâ er mîne minne	sô ritterlîch gewan,
dâ jach des selbe Sîvrit,	er wære sküneges man.
des hân ich in für eigen,	sît ich es in hôrte jehen.“
dô sprach diu schœne Kriemhilt:	„sô wære mir übele geschehen.

wie heten sô geworben	die edelen bruoder mîn,
daz ich eigen mannes	wine solde sîn?
des wil ich dich, Prünhilt,	vil vriuntlîche bitten,
daz dû die rede lâzest	durch mich mit güetlîchen siten.“

„jâne mac ir niht gelâzen!“	sprach des küneges wîp.
„zwiu solde ich verkiesen	sô maneges ritters lîp,
der uns mit dem degene	dienestlîch ist undertân?“
Kriemhilt diu vil schœne	vil sêre zürnen began.

„dû muost in verkiesen,	daz er dir immer bî
wone deheiner	dienste. er ist tiuwerer danne sî
Gunthêr, der mîn bruoder,	der vil edel man.
dû solt mich des erlâzen,	daz ich von dir vernomen hân!

unde nimet mich immer wunder,	sît er dîn eigen ist,
und daz über uns beide	sô gewaltec bist,
daz er dir sô lange	den zins versezzen hât.
der dîner übermüete solde	ich von rehte haben rât!“

„dû ziuhest dich ze hôhe“,	sprach des küneges wîp.
„nû wil ich sehen gerne,	ob man den dînen lîp
habe ze sölchen êren,	sô man den mînen tuot!“
die vrouwen wurden beide	vil sêre zornec gemuot.

dô sprach diu vrouwe Kriemhilt:	„daz muoz êt nû geschehen.
sît dû mînes mannes	für eigen hâst verjehen,
nû müezen hiute kiesen	der beider künege man,
ob ich vor küneges wîbe	zem münster türre gân.

dû muost dâ hiute schouwen,	daz ich bin edel vrî,
und daz mîn man ist tiuwerer	danne der dîne sî.
dâ mit wil ich selbe	niht bescholten sîn.
dû solt noch hînte kiesen,	wie diu eigene diu dîn

ze hove gê vor recken	in Burgonden lant.
ich wil selbe tiuwerer wesen,	danne iemen habe bekant
deheine küneginne,	diu krône ie her getruoc!“
dô huop sich under den vrouwen	des grôzen nîdes genuoc.

dô sprach aber Prünhilt:	„wiltû niht eigen sîn,
sô muostû dich scheiden	mit den vrouwen dîn
von mînem ingesinde,	dâ wir zem münster gân.“
des antwurte Kriemhilt:	„entriuwen, daz sol sîn getân!“

„nû kleidet iuch, mîne meide“,	sprach Sîvrides wîp.
„ez muoz âne schande	belîben hie mîn lîp.
ir sult wol lâzen schouwen,	und habt ir rîche wât.
si mac sîn gerne lougen,	des Prünhilt verjehen hât.“

man mohte in lîhte râten.	si suochten rîchiu kleit.
dâ wart vil wol gezieret	manec vrouwe unde meit.
dô gie mit ir gesinde	des edelen küneges wîp,
dô wart ouch wol gezieret	der schœnen Kriemhilden lîp,

mit drîn und vierzec meiden,	die brâhte si an den Rîn.
die truogen liehte pfelle	geworht in Arâbî,
sus kômen zuo dem münster	die meide wolgetân.
ir warten vor dem hûse	alle Sîvrides man.

die liute nam des wunder,	wâ von daz geschach,
daz man die küneginne	alsô gescheiden sach,
daz si bî ein ander	niht giengen alsam ê.
dâ von wart manegem degene	sît vil sorclîchen wê.

hie stuont vor dem münster	daz Gunthêres wîp.
dô hete kurzewîle	vil maneges ritters lîp
mit den schœnen vrouwen,	der si dâ nâmen war.
dô kom diu vrou Kriemhilt	mit maneger hêrlîchen schar.

swaz kleider ie getruogen	edeler ritter kint,
wider ir gesinde	daz was gar ein wint.
si was sô rîch des guotes,	daz drîzec künege wîp
ez möhten niht erziugen,	daz tæte Kriemhilde lîp.

ob iemen wünschen solde,	der kunde niht gesagen,
daz man sô rîchiu kleider	gesæhe ie mêre tragen,
alsô dâ ze stunden	truogen ir meide wolgetân.
wan ze leide Prünhilde,	ez hete Kriemhilt verlân.

ze samne si dô kômen	vor dem münster wît.
ez tet diu hûsvrouwe	durch einen grôzen nît,
si hiez vil übellîche	Kriemhilde stille stân:
„jâ sol vor küneges wîbe	nimmêr eigen diu gegân!“

dô sprach diu schœne Kriemhilt,	zornec was ir muot:
„kundestû noch geswîgen,	daz wære dir guot.
dû hâst geschendet selbe	den dînen schœnen lîp.
wie möhte mannes kebse	werden immer küneges wîp?“

„wen hâstû hie verkebset?“	sprach dô des küneges wîp.
„daz tuon ich“, sprach Kriemhilt,	„den dînen schœnen lîp.
den minnete êrste Sîvrit,	der mîn vil lieber man.
jâne was ez niht mîn bruoder,	der dir den magetuom an gewan!

war kômen dîne sinne?	ez was ein arger list.
zwiu lieze dû in minnen,	sît er dîn eigen ist?
ich hœre dich“, sprach Kriemhilt,	„ân alle schulde klagen.“
„entriuwen“, sprach dô Prünhilt,	„daz wil ich Gunthêre sagen!“

„waz mac mir daz gewerren?	dîn übermuot dich hât betrogen.
dû hâst mich ze dieneste	mit rede dich an gezogen.
daz wizze in rehten triuwen,	ez ist mir immer leit.
getriuwer heinlîche sol ich dir	wesen unbereit!“

Prünhilt dô weinte.	Kriemhilt niht langer lie,
vor des küneges wîbe	inz münster si dô gie
mit ir ingesinde.	dâ huop sich grôzer haz.
des wurden ir liehtiu ougen	vil starke trüebe und naz.

swie vil man gote gediente	oder iemen dâ gesanc,
des dûhte Prünhilde	diu wîle gar ze lanc,
wand ir was vil trüebe	der lîp und ouch der muot.
des muose sît engelten	manec helt küen und guot.

Prünhilt gie mit ir vrouwen	für daz münster stân.
si gedâhte: „mich muoz Kriemhilt	mêre hœren lân,
des mich sô lûte zîhet	daz wortræze wîp.
hât er sich es gerüemet,	ez gât an Sîvrides lîp.“

nû kom diu edele Kriemhilt	mit manegem küenem man.
dô sprach diu vrouwe Prünhilt:	„ir sult noch stille stân.
ir jâhet mîn ze kebesen.	daz sult ir mich lâzen sehen.
mir ist von iuwern sprüchen,	daz wizzet, leide geschehen.“

dô sprach diu vrouwe Kriemhilt:	„ir möhtet mich lâzen gân.
ich erziuge ez mit dem golde,	daz ich an der hende hân.
daz brâhte mir mîn vriedel,	dô er êrste bî mir lac.“
nie gelebte Prünhilt	deheinen leidern tac.

si sprach: „diz golt vil edele,	daz wart mir verstoln
und ist mich harte lange	vil übele vor verholn.
ich kum es an ein ende,	wer mir ez hât genomen.“
die vrouwen wâren beide in grôz	ungemüete komen.

dô sprach aber Kriemhilt:	„ine wils niht wesen diep.
dû möhtes wol gedaget hân,	und wære dir êre liep.
ich erziuge ez mit dem gürtel,	den ich hie umbe hân,
daz ich niht liuge.	jâ wart mîn Sîvrit dîn man!“

von Ninnivê der sîden	si den porten truoc
mit edelem gesteine.	jâ was er guot genuoc.
dô den gesach vrou Prünhilt,	weinen si began.
daz muose vreischen Gunthêr	und alle Burgonden man.

dô sprach diu küneginne:	„heizet here gân
den fürsten vonme Rîne!	ich wil in hœren lân,
wie mich hât gehœnet	sîner swester lîp.
si sagt hie offenlîche,	ich sî Sîvrides wîp!“

der künec kom mit recken.	weinen er dô sach
die sîne triutinne.	wie güetlîch er sprach:
„sagt mir, liebiu vrouwe,	wer hât iu iht getân?“
si sprach zuo dem künege:	„ich muoz unvrœlîche stân.

von allen mînen êren	mich diu swester dîn
gerne wolde scheiden.	dir sol geklaget sîn,
si giht, mich habe gekebset	Sîvrit, ir man.“
dô sprach der künec Gunthêr:	„sô hete si übele getân.“

„si treit hie mînen gürtel,	den ich hân verlorn,
und mîn golt, daz rôte.	daz ich ie wart geborn,
daz riuwet mich vil sêre,	dûne beredest, künec, mich
der vil grôzen schande.	daz diene ich, künec, immer umbe dich.“

dô sprach der künec Gunthêr:	„er sol her für gân.
und hât er sichs gerüemet,	daz sol er hœren lân,
oder sîn muoz lougen	der helt von Niderlant.“
den Kriemhilde vriedel,	den hiez man bringen sâ zehant.

dô der hêrre Sîvrit	die ungemüeten sach,
er enwesse niht der mære.	wie balde er dô sprach:
„waz weinent dise vrouwen?	daz hete ich gerne erkant,
oder von welchen schulden	mich der künec habe besant.“

dô sprach der künec Gunthêr:	„jâ ist mir harte leit!
mir hât mîn vrouwe Prünhilt	ein mære hie geseit,
dû habes dich des gerüemet,	daz dû ir schœnen lîp
aller êrst habes	geminnet. daz sagt Kriemhilt, dîn wîp.“

dô sprach der starke Sîvrit:	„und hât si daz geseit,
ê daz ich erwinde,	ez sol ir werden leit.
und wil dir daz enpfüeren	vor allen dînen man
mit mînen hôhen eiden,	daz ich es niht gesaget hân.“

dô sprach der künec von Rîne:	„daz soltû lâzen sehen!
den eit, den dû dâ biutest,	und mac der hie geschehen,
aller valschen dinge,	der wil ich dich ledec lân.“
dô hiez man zuo dem ringe	die stolzen Burgonden stân.

Sîvrit der vil küene	zem eide bôt die hant.
dô sprach der künec rîche:	„mir ist sô wol bekant
iuwer grôz unschulde,	ich wil iu ledec lân,
des iuch mîn swester zîhet,	daz ir des niene habt getân!“

dô sprach aber Sîvrit:	„geniuzet es mîn wîp,
daz si hât betrüebet	den Prünhilde lîp,
daz ist mir sicherlîchen	âne mâze leit!“
dô sâhen zuo zein ander	die guoten ritter gemeit.

„man sol vrouwen ziehen“,	sprach Sîvrit der degen,
„daz si üppeclîche sprüche	lâzen under wegen.
verbiut ez dînem wîbe,	der mînen tuon ich sam.
ir grôzen ungefuoge	ich mich wærlîche scham.“

mit rede was gescheiden	manec schœne wîp.
dô trûrete alsô sêre	der Prünhilde lîp,
daz ez barmen muose	den Gunthêres man.
dô kom von Tronege Hagene	zuo sîner vrouwen gegân.

er vrâgete, waz ir wære.	weinende er si vant.
dô sagte si im diu mære.	er lobte ir sâ zehant,
daz ez erarnen müese	der Kriemhilde man,
oder er wolde nimmêr	dar umbe vrœlîch gestân.

zuo der rede kom dô	Ortwîn und Gêrnôt,
dâ die helde rieten	den Sîvrides tôt.
dar zuo kom ouch Gîselhêr,	der edelen Uoten kint.
dô er ir rede gehôrte,	er sprach getriuwelîche sint:

„ir vil guoten recken,	war umbe tuot ir daz?
jâne gediente Sîvrit	nie alsölchen haz,
daz er dar umbe solde	verliesen sînen lîp!
jâ ist es harte lîhte,	dar umbe zürnent diu wîp!“

„suln wir gouche ziehen?“	sprach aber Hagene.
„des habent vil lützel êre	sô guote degene,
daz er sich hât gerüemet	der lieben vrouwen mîn.
dar umbe wil ich sterben, ez engê	im an daz leben sîn.“

dô sprach der künec selbe:	„er enhât uns niht getân
niuwan guot und êre.	man sol in leben lân.
waz touc, ob ich dem recken	nû wære gehaz?
er was ie getriuwe,	und tet vil willeclîche daz.“

dô sprach von Metzen	der degen Ortwîn:
„jâne mac in niht gehelfen	diu grôze sterke sîn!
erloubet mir ez mîn hêrre,	ich getuo im leit.“
dô heten im die helde	âne schulde widerseit.

sîn gevolgete niemen,	niuwan daz Hagene
geriet in allen zîten	Gunthêr dem degene,
ob Sîvrit niht enlebte,	sô würde im undertân
vil der künege lande.	der helt des trûren began.

dô liezen siz belîben.	spiln man dô sach.
hey, waz man starker schefte	vor dem münster brach
vor Sîvrides wîbe	al zuo dem sale dan!
dô wâren in unmuote	alle Gunthêres man.

der künec sprach: „lât belîben	den mortlîchen zorn!
er ist uns ze sælden	und ze êren geborn.
ouch ist sô grimme	starc der wundern küene man,
ob er sîn innen werde,	sô torste in niemen bestân.“

„nein er“, sprach dô Hagene,	„ir müget wol stille dagen.
ich getrûwez heinlîche	alsô wol an getragen.
daz Prünhilde weinen	sol im wesen leit.
jâ sol im von Hagenen	immer wesen widerseit!“

dô sprach der künec Gunthêr:	„wie mac daz ergân?“
des antwurte Hagene:	„ich wilz iuch hœren lân:
wir heizen boten	zuo zuns in diz lant
widersagen offenlîche,	die hie niemen sîn bekant.

sô jeht ir vor den gesten,	daz ir und iuwer man
wellet herverten.	alsô daz ist getân,
sô lobt er iu dar dienen.	des verliuset er den lîp.
sô ervar ich uns diu mære	ab des küenen recken wîp.“

der künec gevolgete übele	Hagenen, sînem man.
die starken untriuwe	begunden tragen an,
ê iemen daz erfünde,	die ritter ûz erkorn.
von zweier vrouwen bâgen	wart vil manec helt verlorn.

an dem vierdem morgen	zwên und drîzec man
sach man ze hove rîten.	daz wart dô kunt getân
Gunthêr dem vil rîchen,	im wære widerseit.
von lüge erwuohsen vroun Kriemhilde	diu aller grœzesten leit.

urloup si nâmen,	daz si für solden gân,
und jâhen, daz siz wæren,	Liudegêres man,
den ê hete betwungen	diu Sîvrides hant
und in ze gîsel brâhte	in daz Gunthêres lant.

die boten er dô gruozte	und hiez si sitzen gân.
ir einer sprach dar under:	„hêrre, lât uns stân,
unze wir sagen mære,	die iu enboten sint.
jâ habt ir ze vîande,	daz wizzet, maneger muoter kint!

iu widersaget Liudegast	und Liudegêr,
den ir dâ wîlen tâtet	diu grœzlîchen sêr.
die wellent zuo ziu rîten	mit her in diz lant.“
der künec begunde zürnen,	dô er diu mære bevant.

dô hiez man die meinræten	zen herbergen varn.
wie möhte sich hêr Sîvrit	dô dâ vor bewarn,
er oder ander iemen?	daz si dâ truogen an,
daz wart sît in selben	ze grôzem leide getân.

der künec mit sînen	vriunden rûnende gie.
Hagene von Tronege	in nie geruowen lie.
noch heten ez gescheiden	genuoge sküneges man,
dône wolde êt Hagene	nie des tages ab gegân.

eines tages si Sîvrit	rûnende vant.
dô begunde vrâgen	der helt von Niderlant:
„wie gât sô trûreclîche	der künec und sîne man?
daz hilf ich im immer rechen,	hât im iemen iht getân.“

dô sprach der hêrre Gunthêr:	„mir ist von schulden leit.
Liudegast und Liudegêr,	die habent mir widerseit.
si wellent offenlîchen	rîten in mîn lant!“
dô sprach der degen küene:	„daz sol diu Sîvrides hant

nâch allen iuwern êren	mit vlîze understân.
ich getuon noch den degenen,	als ich hân ê getân.
ich gelege in wüeste	ir bürge und ouch ir lant,
ê daz ich erwinde.	des sî mîn houbet iuwer pfant.

ir und iuwer recken	sult hie heime bestân,
und lât mich zuo zin rîten	mit den, die ich hân.
daz ich iu gerne diene,	daz lâz ich iuch sehen.
von mir sol iuweren vîanden,	daz wizzet, leide geschehen!“

„sô wol mich dirre mære!“	sprach der künec dô,
als ob er ernstlîche	der helfe wære vrô.
mit valsche neic im tiefe	der ungetriuwe man.
dô sprach der hêrre Sîvrit:	„ir sult vil kleine sorge hân.“

dô schicten si die reise	mit den knehten dan.
Sîvride und den sînen	ze sehen was ez getân.
dô hiez er sich bereiten	die von Niderlant.
die Sîvrides recken suochten	strîteclîch gewant.

dô sprach der starke Sîvrit:	„mîn vater Sigemunt,
ir sult hie belîben.	wir komen in kurzer stunt,
gît uns got gelücke,	her wider an den Rîn.
ir sult bî dem künege	hie vil vrœlîche sîn.“

diu zeichen si an bunden,	alsô si wolden dan.
dâ wâren genuoge	die Gunthêres man,
diene wessen niht der	mære, dâ von ez was geschehen.
man mohte grôz gesinde	dô bî Sîvride sehen.

ir helme und ouch ir brünne	si bunden ûf diu marc.
sich bereite vome lande	vil manec ritter starc.
dô gie von Tronege Hagene,	dâ er Kriemhilde vant,
und bat im geben urloup.	si wolden rûmen daz lant.

„nû wol mich“, sprach dô Kriemhilt,	„daz ich ie gewan den man,
der mînen lieben vriunden	wol tar vor gestân,
alsô mîn hêrre Sîvrit	tuot den vriunden mîn!
des wil ich hôhes muotes“,	sprach diu küneginne, „sîn.

vil lieber vriunt Hagene,	gedenket ane daz,
daz ich iu gerne diene	und noch nie wart gehaz.
des lâzet mich geniezen	an mînem liebem man!
er ensol des niht engelten,	habe ich Prünhilde iht getân.

daz hât mich sît gerouwen“,	sprach daz edel wîp,
„ouch hât er dar umbe	zerblouwen mînen lîp,
daz ich ez ie geredete,	daz beswæret ir den muot.
daz hât vil wol errochen	der helt küene und guot.“

er sprach: „ir werdet versüenet	noch wol nâch disen tagen,
Kriemhilt, mîn liebiu vrouwe.	jâ sult ir mir sagen,
wie ich iu müge gedienen	an Sîvride, iuwerm man!
daz tuon ich gerne,	vrouwe, wand ich es niemen baz engan.“

„ich wære ân alle sorge“,	sprach daz edel wîp,
„daz im iemen næme	in sturme sînen lîp.
ob er niht wolde volgen	sîner übermuot,
sô wære immer sicher	der degen küene und guot.“

„vrouwe“, sprach dô Hagene,	„und habt ir des wân,
daz man in müge versnîden,	ir sult mich wizzen lân,
mit wie getânen listen	ich daz sol understân.
ich wil im ze huote	immer rîten und gân.“

si sprach: „dû bist mîn mâc	und ich bin der dîn.
ich bevilhe dir mit triuwen	den lieben wine mîn,
daz dû mir wol behüetest	den mîn holden man.“
si sagte im kundiu mære,	diu bezzer wæren verlân.

si sprach: „mîn man ist küene	und dar zuo starc genuoc.
dô er den linttrachen	an dem berge sluoc,
jâ badete sich in dem bluote	der recke vil gemeit.
dâ von in sît in stürmen	nie dehein wâfen versneit.

iedoch bin ich in sorgen,	swenne er in strîte stât,
und vil der gêrschüzze	von helden hande gât,
daz ich dâ verliese	den mînen lieben man.
hey, waz ich grôzer sorge	dicke umbe Sîvriden hân!

ich melde ez ûf genâde,	vil lieber vriunt, dir,
daz dû dîne triuwe	behaltest ane mir.
dâ man dâ mac verhouwen	den mînen lieben man,
daz lâz ich dich hœren.	deist ûf genâde getân.

dô von des trachen wunden	vlôz daz heize bluot,
und sich dar inne badete	der küene ritter guot,
dô viel im zwischen die herte	ein linden blat vil breit.
dâ mac man in versnîden.	des ist mir sorgen vil bereit.“

dô sprach von Tronege	Hagene: „ûf daz sîn gewant
næt ir im ein kleinez zeichen.	dâ ist mir bî bekant,
wâ ich in müge behüeten,	sô wir in sturme stân.“
si wânden helt dô vristen:	ez was ûf sînen tôt getân.

si sprach: „mit kleinen sîden	næ ich ûf sîn gewant
ein tougenlîchez kriuze.	dâ sol, helt, dîn hant
den mînen man behüeten,	sô ez an die herte gât,
swenne er in den stürmen	vor sînen vîanden stât.“

„daz tuon ich“, sprach dô Hagene,	„vil liebiu vrouwe mîn.“
dô wânde ouch des diu vrouwe,	ez solde im vrume sîn.
dô was dâ mit verrâten	der Kriemhilde man.
urloup nam dô Hagene.	dô gie er vrœlîche dan.

des küneges ingesinde	was allez samt gemuot.
ich wæne, immer recke	mêr deheiner tuot
sô grôzer meinræte,	sô dâ von im ergie,
dô sich an sîne triuwe Kriemhilt,	diu küneginne, lie.

des andern morgens	mit tûsent sîner man
reit der hêrre Sîvrit	vil vrœlîchen dan.
er wânde, er solde rechen	der sîner vriunde leit.
Hagene im reit sô nâhen,	daz er geschouwete diu kleit.

als er gesach daz bilde,	dô schicte er tougen dan,
die sageten ander mære,	zwêne sîner man,
mit vride solde belîben	daz Gunthêres lant,
und si hete Liudegêr	zuo dem künege gesant.

wie ungerne Sîvrit	dô hin wider reit,
er enhete etewaz	errochen sîner vriunde leit,
wand in vil kûme	erwanten die Gunthêres man.
dô reit er zuo dem künege.	der wirt im danken began:

„nû lôn iu got des willen,	vriunt Sîvrit,
daz ir sô willeclîche	tuot, des ich iuch bit!
daz sol ich immer dienen,	als ich von rehte sol.
vor allen mînen vriunden	sô getrûwe ich iu wol.

nû wir der herverte	ledec worden sîn,
sô wil ich jagen	rîten bern und swîn
hin zem Waskenwalde, als ich vil	dicke hân getân.“
daz hete gerâten Hagene,	der vil ungetriuwe man.

„allen mînen gesten	sol man daz sagen,
daz wir vil vruo rîten,	die wellen mit mir jagen,
daz si sich bereiten.	die aber hie bestân
höveschen mit den vrouwen,	daz sî mir liebe getân.“

dô sprach der hêrre Sîvrit	mit hêrlîchem site:
„swenne ir jagen rîtet,	dâ wil ich gerne mite.
sô sult ir mir lîhen	einen suocheman
und etelîchen bracken.	sô wil ich rîten in den tan.“

„welt ir niht nemen einen?“	sprach der künec zehant,
„ich lîh iu, welt ir, viere,	den vil wol ist bekant
der walt unde ouch die stîge,	dâ diu tier hine gânt,
die iuch niht fürwîse	zen herbergen rîten lânt.“

dô reit zuo sînem wîbe	der recke vil gemeit.
schiere hete Hagene	dem künege geseit,
wie er gewinnen wolde	den tiuwerlîchen degen.
sus getâner untriuwe	solde nimmêr man gepflegen.

Gunthêr und Hagene,	die recken vil balt,
lobten mit untriuwen	ein pirsen in den walt.
mit ir scharpfen gêren	si wolden jagen swîn,
bern und wisende.	waz möhte küeners gesîn?

dâ mit reit ouch Sîvrit	in hêrlîchem site.
maneger hande spîse	fuorte man in mite.
zeinem kalten brunnen	verlôs er sît den lîp,
daz hete gerâten Prünhilt,	des künec Gunthêres wîp.

dô gie der degen küene,	dâ er Kriemhilde vant.
dô was nû ûfgesoumet	sîn edel pirsgewant,
sîn und sîner gesellen.	si wolden über Rîn.
dône dorfte Kriemhilde	nimmêr leider gesîn.

die sîne triutinne	kuste er an den munt:
„got lâze mich dich,	vrouwe, gesehen noch gesunt,
und mich diu dînen ougen!	mit holden mâgen dîn
soltû kurzewîlen.	ine mac hie heime niht gesîn.“

dô gedâhte si an diu mære,	sine torste ir niht gesagen,
diu si dâ Hagenen	sagete. dô begunde klagen
diu edel küneginne,	daz si ie gewan den lîp.
dô weinete âne mâze	des hêrren Sîvrides wîp.

si sprach zuo dem recken:	„lât iuwer jagen sîn!
mir troumte hînat,	wie zwei wildiu swîn
jageten über heide,	dâ wurden bluomen rôt.
daz ich sô sêre weine,	des gât mir wærlîche nôt.

ich fürhte harte sêre	etelîchen rât,
ob man der deheinem	missedienet hât,
die uns gefüegen künnen	vîentlîchen haz.
belîbet, lieber hêrre!	mit rehten triuwen rât ich daz.“

er sprach: „mîn triutinne,	ich kum in kurzen tagen.
ine weiz hie niht der liute,	die mir iht hazzes tragen.
alle dîne mâge	sint mir gemeine holt.
ouch hân ich an den degenen	hie niht anders versolt.“

„Neinâ, hêrre Sîvrit!	jâ fürht ich dînen val!
mir troumte hînte leide,	wie ob dir ze tal
vielen zwêne berge.	ine gesach dich nimmêr mê.
wil dû von mir scheiden,	daz tuot mir an dem herzen wê.“

er umbvie mit handen	daz tugentrîche wîp.
mit minneclîchem küssen	trûte er ir schœnen lîp.
mit urloube er dannen	schiet in kurzer stunt.
sine gesach in leider	dar nâch nimmêr mêr gesunt.

dô riten si von dannen	in einen tiefen walt
durch kurzewîle willen.	vil manec ritter balt
volgeten Gunthêre	und sînen man.
Gêrnôt und Gîselhêr,	die wâren dâ heime bestân.

geladen vil der rosse	kom vor in über den Rîn,
die den jagetgesellen	truogen brôt und wîn,
daz vleisch mit den vischen	und manegen andern rât,
den ein künec sô rîche	vil harte billîchen hât.

si hiezen herbergen	für den grüenen walt
gegen des wildes abloufe,	die stolzen jeger balt,
dâ si dâ jagen solden,	ûf einen wert vil breit.
dâ was ouch komen Sîvrit.	daz wart dem künege geseit.

von den jagetgesellen wurden	dô gar bestân
die warte in allen enden.	dô sprach der küene man,
Sîvrit der vil starke:	„wer sol uns in den walt
wîsen nâch dem wilde,	ir helde küene und balt?“

„welle wir uns scheiden“,	sprach dô Hagene,
„ê daz wir beginnen	hie ze jagene?
dâ bî wir mügen bekennen,	ich und die hêrren mîn,
wer die besten jegere	an dirre waltreise sîn.

liute und gehünde	suln wir teilen gar.
sô kêr ietslîcher,	swar er gerne var.
swer danne jage daz beste,	des sol er haben danc.“
dô wart der jeger bîten	bî ein ander niht ze lanc.

dô sprach der hêrre Sîvrit:	„ich hân der hunde rât,
niuwan einen bracken,	der sô genozzen hât,
daz er die verte erkenne	der tiere durch den tan.
wir komen wol ze jegede“,	sprach der Kriemhilde man.

dô nam ein alter jegere	einen guoten spürhunt.
er brâhte den hêrren	in einer kurzer stunt,
dâ si vil tiere funden.	swaz der von legere stuont,
die erjagten die gesellen,	als noch guote jeger tuont.

swaz ir der bracke ersprancte,	die sluoc mit sîner hant
Sîvrit der vil küene,	der helt von Niderlant.
sîn ross lief sô sêre,	daz ir im niht entran.
den lop vor in allen	er an dem jegde gewan.

er was in allen dingen	biderbe genuoc.
tier was daz êrste,	daz er ze tôde sluoc,
ein vil starkez halpful,	mit der sînen hant.
dar nâch er vil schiere einen	ungefüegen lewen vant.

dô den der bracke ersprancte,	den schôz er mit dem bogen.
eine starke strâle	hete er dar în gezogen.
der lew lief nâch dem schuzze	wan drîer sprünge lanc.
die sînen jagetgesellen,	die sagten Sîvride danc.

dar nâch sluoc er schiere einen	wisent und einen elch,
starker uower viere	und einen grimmen schelch.
sîn ross in truoc sô balde,	daz ir im niht entran.
hirze oder hinden	kunde im wênec engân.

einen eber grôzen,	den vant der spürhunt.
als er begunde vliehen,	dô kom an der stunt
des selben gejeides meister.	er bestuont in ûf der slâ.
daz swîn vil zorneclîchen	lief an den helt sâ.

dô sluoc in mit dem swerte	der Kriemhilde man.
ez enhete ein ander jeger	sô sanfte niht getân.
dô er in hete ervellet,	man vie den spürhunt.
dô wart sîn jaget daz rîche	wol den Burgonden kunt.

dô sprâchen sîne jegere:	„mügez mit fuoge wesen,
sô lât uns, hêr Sîvrit,	der tiere ein teil genesen.
ir tuot uns hiute lære	den berc und ouch den walt!“
des begunde smielen	der degen küene unde balt.

dô hôrtens allenthalben	ludem und dôz.
von liute und ouch von hunden	was der schal sô grôz,
daz in dâ von antwurte	der berc und ouch der tan.
vier und zweinzec ruore	die jeger heten verlân.

dô muosen vil der tiere	verliesen dâ daz leben.
dô wânden si daz füegen,	daz man in solde geben
den prîs von dem gejeide.	des kunde niht geschehen,
dô der starke Sîvrit	wart zer fiuwerstat gesehen.

daz jaget was ergangen,	und ouch niht gar.
die zer fiuwerstete wolden,	die brâhten mit in dar
vil maneger tiere	hiute und wildes genuoc.
hey, waz man des zer kuchen	des küneges ingesinde truoc!

dô hiez der künec künden	den jegern ûz erkorn,
daz er wolde enbîzen.	dô wart vil lûte ein horn
zeiner stunt geblâsen,	dâ mit in wart erkant,
daz man den fürsten edele	dâ zen herbergen vant.

dô sprach ein Sîvrides	jegere: „hêrre, ich hân vernomen
von eines hornes duzze,	daz wir nû suln komen
zuo den herbergen.	antwurten ich des wil.“
dô wart nâch den gesellen	gevrâget blâsende vil.

dô sprach der hêrre Sîvrit:	„nû rûme ouch wir den tan!“
sîn ross truoc in ebene.	si îlten mit im dan.
si ersprancten mit ir schalle	ein tier vil griuwelîch.
daz was ein ber wilde.	dô sprach der degen hinder sich:

„ich wil uns hergesellen	guoter kurzewîle wern.
ir sult den bracken lâzen,	jâ sich ich einen bern!
der sol mit uns hinnen	zen herbergen varn.
er envliehe danne vil sêre,	er enkan sich es nimmêr bewarn.“

der bracke wart verlâzen,	der bere sprancte von dan.
dô wolde in errîten	der Kriemhilde man.
er kom in ein gewelle,	dône kunde es niwet wesen.
daz starke tier dô wânde	vor dem jegere genesen.

dô spranc von sînem rosse	der stolze ritter guot.
er begunde nâch loufen.	daz tier was unbehuot.
ez enkunde im niht entrinnen,	dô vienc er ez zehant.
ân aller slahte wunden	der helt ez schiere gebant.

kratzen und bîzen	kunde ez niht den man.
er bant ez zuome satele.	ûf saz der snelle sân.
er brâhte ez an die fiuwerstat	durch sînen hôhen muot
zeiner kurzewîle,	der recke küene und guot.

wie rehte hêrlîche	er zen herbergen reit!
sîn gêr was vil michel,	starc unde breit.
im hienc ein zier wâfen	hin nider an den sporn.
von vil rôtem golde fuorte	der hêrre ein schœne horn.

von bezzerm pirsgewæte	gehôrte ich nie gesagen.
einen roc von swarzem	pfellel, den sach man in tragen,
und eine hût von zobele,	diu rîche was genuoc.
hey, waz er rîcher porten	an sînem kochære truoc!

von einem pantel	was dar über gezogen
eine hût, durch die süeze.	ouch fuorte er einen bogen,
den man mit antwerke	muose ziehen dan,
der in spannen solde,	er enhete ez selbe getân.

von einer ludemes hûte	was allez sîn gewant.
von houbet unz an daz ende	geströut man dar ûfe vant.
ûz der liehten riuhe	vil manec goldes zein
ze beiden sînen sîten	dem küenem jegermeister schein.

dô fuorte er Balmungen,	ein ziere wâfen breit.
daz was alsô scherpfe,	daz ez nie vermeit,
swâ man ez sluoc ûf helme.	sîn ecke wâren guot.
der hêrlîche jeger	was hôhe gemuot.

sît daz ich iu diu mære	gar bescheiden sol:
im was sîn edel kocher	vil guoter strâle vol
von guldînen tüllen,	diu sahs wol hende breit.
ez muose vil balde sterben,	swaz er dâ mit versneit.

dô reit der ritter edele	vil weidenlîche dan.
in sâhen dort komen	her die Gunthêres man.
si liefen im engegen	und enpfiengen im daz marc.
dô fuorte er bî dem satel	einen bern grôz und starc.

als er gestuont von rosse,	dô lôste er im diu bant
von fuoze und ouch von munde.	dô erlûte dâ zehant
vil grôze daz gehünde,	swaz des den bern sach.
daz tier ze walde wolde.	die liute heten ungemach.

der ber von dem schalle	durch die kuchen geriet.
hey, waz er kuchenknehte	von dem fiuwer schiet!
vil kezzel wart gerüeret,	zefüeret manec brant.
hey, waz man guoter spîse	in der aschen ligen vant!

dô sprungen von dem sedele	die hêrren und ir man.
der ber begunde zürnen.	der künec, der hiez dô lân
allez daz gehünde,	daz an den seilen lac.
und wære ez wol verendet,	si heten vrœlîchen tac.

mit bogen und mit spiezen	niht langer man daz lie,
dô liefen dar die snellen,	dâ der ber gie.
dâ was sô vil der hunde,	daz dâ niemen schôz.
von des liutes schalle	daz gebirge allez erdôz.

der ber begunde vliehen	von den hunden dan.
im kunde niht gevolgen	wan Kriemhilde man.
der erlief in mit dem swerte.	ze tôde er in dô sluoc.
hin wider zuo dem fiuwere	den bern man dô sider truoc.

dô sprâchen, die daz sâhen,	er wære ein kreftec man.
die stolzen jagetgesellen	hiez man zen tischen gân.
ûf einem schœnem anger	saz ir dâ genuoc.
hey, waz man rîcher spîse	den edelen jegeren dô truoc!

die schenken kômen seine,	die tragen solden wîn.
ez enkunde baz gedienet	den helden nimmêr sîn:
heten si dar under	niht sô valschen muot,
sô wæren wol die recken	vor allen schanden behuot.

dô sprach der hêrre Sîvrit:	„wunder mich des hât,
sît man uns von den kuchen	gît sô manegen rât,
war umb uns die schenken	bringen niht den wîn.
man enpflæge baz der jegere,	ich enwil niht jagetgeselle sîn.

ich hete wol gedienet,	daz man mîn baz næme war!“
der künec von sînem tische	sprach in valsche dar:
„man sol iu gerne büezen,	swes wir gebresten hân.
daz ist von Hagenen schulden.	er wil uns gerne erdürsten lân.“

dô sprach von Tronege Hagene:	„vil lieber hêrre mîn,
ich wânde, daz daz pirsen	hiute solde sîn
dâ zem Spehtsharte.	den wîn, den sande ich dar.
sîn wir hiute ungetrunken,	wie wol ich mêre daz bewar.“

dô sprach der hêrre Sîvrit:	„ir lîp, der habe undanc!
man solde mir siben soume	met und lûtertranc
haben her gefüeret.	dô des niht mohte sîn,
dô solde man uns gesidelt haben	nâher an den Rîn!“

dô sprach von Tronege Hagene:	„ir edel ritter balt,
ich weiz hie bî nâhen	einen brunnen kalt.
daz ir niht enzürnet,	dâ suln wir hine gân.“
der rât wart manegem degene	ze grôzen sorgen getân.

Sîvrit den recken	twanc des durstes nôt.
den tisch er deste zîter	rucken dan gebôt.
er wolde für die berge	zuo dem brunnen gân.
dô was der rât mit meine	von den recken getân.

diu tier hiez man ûf wegen	füeren in daz lant,
diu dâ hete verhouwen	diu Sîvrides hant.
man jach im grôzer êren,	swer ez ie gesach.
Hagene sîne triuwe	vil sêre an Sîvriden brach.

dô si wolden dannen	zuo den linden breit,
dô sprach von Tronege Hagene:	„mir ist des vil geseit,
daz niht gevolgen künne	der Kriemhilde man,
swenne er wolde gâhen.	Hey, wolde er uns daz sehen lân!“

dô sprach von Niderlande	der küene Sîvrit:
„daz muget ir wol versuochen.	welt ir mir loufen mit
ze wette zuo dem brunnen?	sô daz ist getân,
dem sol man jehen dannen,	den man sihet gewunnen hân.“

„nû welle ouch wirz versuochen“,	sprach Hagene der degen.
dô sprach der snelle Sîvrit:	„sô wil ich mich legen
für die iuwern füeze	nider an daz gras.“
dô er daz gehôrte,	wie liep ez Gunthêre was!

dô sprach der degen küene:	„noch wil ich iu mêre sagen:
allez mîn gewæte	wil ich mit mir tragen,
den gêr zuo dem schilde	und al mîn pirsgewant.“
den kocher zuo dem swerte	vil schiere er umb gebant.

dô zugen si diu kleider	von dem lîbe dan.
in zwein wîzen hemden	sach man si beide stân.
sam zwei wildiu pantel	si liefen durch den klê.
dô sach man bî dem brunnen	den küenen Sîvriden ê.

den prîs an allen dingen	truoc er vor manegem man.
daz swert, daz lôste er schiere,	den kocher leite er dan,
den starken gêr er leinte	an der linden ast.
bî des brunnen vluzze	stuont der hêrlîche gast.

die Sîvrides tugende	wâren harte grôz.
den schilt er leite nider,	al dâ der brunne vlôz.
swie harte in dô durste,	der helt niene tranc,
ê daz der künec getrunke.	des sagte er im bœsen danc.

der brunne, der was küele,	lûter und guot.
Gunthêr sich dô neigete	nider zuo dem vluot.
als er hete getrunken,	dô rihte er sich von dan.
alsam hete ouch gerne	der küene Sîvrit getân.

dô engalt er sîner zühte.	den bogen und daz swert,
daz truoc allez Hagene	von im dannewert.
dô spranc er hin wider,	dâ er den gêr dâ vant.
er sach nâch einem bilde	an des küenen gewant.

dâ der hêrre Sîvrit	ob dem brunnen tranc,
er schôz in durch daz kriuze,	daz von der wunden spranc
daz bluot im von dem herzen	vaste an Hagenen wât.
sô grôze missewende	ein helt nimmêr mêr begât.

den gêr im gein dem herzen	er dô stecken lie.
alsô grimmeclîchen	ze vlühten Hagene nie
gelief noch in der werlde	vor deheinem man.
dô sich der hêrre Sîvrit	der grôzen wunden versan,

der hêrre tobelîchen	von dem brunnen spranc.
im ragete von dem herzen	ein gêrstange lanc.
der fürste wânde vinden	bogen oder swert,
sô müese wesen Hagene	nâch sînem dienste gewert.

dô der sêre wunde	des swertes niht envant,
dône hete êt er niht	mêre wand des schildes rant.
er zucte in von dem brunnen,	dô lief er Hagenen an.
dône kunde im niht entrinnen	des künec Gunthêres man.

swie wunt er was zem tôde,	sô krefteclîch er sluoc,
daz ûz dem schilde	dræte genuoc
des edelen gesteines.	der schilt vil gar zerbrast.
sich hete gerne errochen	der vil hêrlîche gast.

dô was gestrûchet Hagene	vor sîner hant ze tal.
von des slages krefte	der wert vil lûte erhal.
hete er daz swert enhande,	sô wærez Hagenen tôt,
sô sêre zurnte der wunde.	des gie im wærlîchen nôt.

erblichen was sîn varwe,	er enkunde niht gestân.
sînes lîbes sterke	muose gar zergân,
wand er des tôdes zeichen	in liehter varwe truoc.
sît wart er beweinet	von schœnen vrouwen genuoc.

dô viel in die bluomen	der Kriemhilde man.
daz bluot von sîner wunden	sach man vil vaste gân.
dô begunde er schelten,	des gie im grôziu nôt,
die ûf in gerâten heten	den ungetriuwen tôt.

dô sprach der verchwunde:	„jâ, ir vil bœsen zagen!
waz helfent mîniu dienest,	daz ir mich habt erslagen?
ich was ie getriuwe.	des ich engolten hân.
ir habt an iuwern mâgen	leider übele getân.

die sint dâ von bescholten,	swaz ir wirt geborn
her nâch disen zîten.	ir habet iuwern zorn
gerochen alsô sêre	an dem lîbe mîn,
mit laster ir gescheiden	sult von guoten recken sîn!“

die ritter alle liefen,	dâ er erslagen lac.
ez was ir genuogen	ein vröudelôser tac.
die iht triuwe heten,	von den wart er gekleit.
daz hete wol verdienet	der ritter küen und gemeit.

der künec von Burgonden	klagte sînen tôt.
dô sprach der verchwunde:	„ez ist âne nôt,
daz der nâch schaden weinet,	der in hât getân.
der dienet michel schelten.	ez wære bezzer verlân.“

dô sprach der grimme Hagene:	„jâne weiz ich, waz er kleit.
allez hât nû ende,	unser sorge und unser leit.
wir vinden ir vil wênec,	die getürren uns bestân.
wol mich, deich sîner hêrschaft	ze râte hân getân!“

„ir müget iuch lîhte rüemen“,	sprach dô Sîvrit,
„hete ich an iu erkennet	den mortlîchen sit,
ich hete wol behalten	vor iu mînen lîp.
mich riuwet niht sô sêre	sô vrou Kriemhilt, mîn wîp.

nû müeze got erbarmen,	deich ie gewan den sun,
dem man daz itewîzen	sol nâch den zîten tuon,
daz sîne mâge iemen	mortlîche hân erslagen.
möhte ich“, sô sprach Sîvrit,	„daz solde ich billîche klagen.“

dô sprach jæmerlîche	der verchwunde man:
„welt ir, künec edele,	triuwen iht begân
in der werlt iemen,	lât iu bevolhen sîn
ûf iuwer genâde	die holden triutinne mîn,

und lât si des geniezen,	daz si iuwer swester sî.
durch aller fürsten tugende,	wont ir mit triuwen bî!
mir müezen warten lange	mîn vater und mîne man.
ez enwart nie vrouwen leider	an liebem manne getân.“

die bluomen allenthalben	von bluote wurden naz.
dô ranc er mit dem tôde.	unlange tet er daz,
wand des tôdes wâfen	ie ze sêre sneit.
dône mohte niht reden	mêre der recke küen und gemeit.

dô die hêrren sâhen,	daz der helt was tôt,
si leiten in ûf einen schilt,	der was von golde rôt,
und wurden des ze râte,	wie daz solde ergân,
daz man ez verhæle,	daz ez hete Hagene getân.

dô sprâchen genuoge:	„uns ist übel geschehen.
ir sult ez heln alle	und sult gelîche jehen,
dâ er rite eine jagen,	der Kriemhilde man,
in slüegen schâchære,	dâ er füere durch den tan.“

dô sprach von Tronege Hagene:	„ich bringe in in daz lant.
mir ist vil unmære,	und wirt ez ir bekant,
diu sô hât betrüebet	den Prünhilde muot.
ez ahtet mich vil ringe,	swaz si weinens getuot.“

dô erbiten si der nahte	und fuoren über Rîn.
von helden kunde nimmêr	wirs gejaget sîn.
ein tier, daz si sluogen,	daz weinten edeliu kint.
jâ muosen sîn engelten	vil guote wîgande sint.

von grôzer übermüete	müget ir hœren sagen
und von eislîcher râche.	dô hiez Hagene tragen
Sîvrit alsô tôten	von Nibelunge lant
für eine kemenâten,	dâ man Kriemhilde vant.

er hiez in tougenlîchen	legen an die tür,
daz si in dâ solde vinden,	sô si gienge dâ für
zer mettîne,	ê daz ez würde tac.
der diu vrouwe Kriemhilt	vil selten deheine verlac.

man lûte dâ zem münster	nâch gewoneheit.
vrou Kriemhilt diu schœne	wacte manege meit.
ein lieht bat si ir bringen	und ouch ir gewant.
dô kom ein kamerære,	dâ er Sîvriden vant.

er sach in bluotes rôten.	sîn wât was elliu naz.
daz ez sîn hêrre wære,	niene wesse er daz.
hin zer kemenâten	daz lieht truoc er an der hant.
von dem vil leidem mære	diu vrou Kriemhilt ervant.

dô si mit ir vrouwen	zem münster wolde gân,
dô sprach der kamerære:	„ir sult stille stân!
ez lît vor disem gademe	ein ritter tôt erslagen.“
dô begunde Kriemhilt	vil harte unmæzlîche klagen.

ê daz si rehte erfünde,	daz ez wære ir man,
an die Hagenen vrâge	denken si began,
wie er in solde vristen.	dô wart ir êrste leit.
von ir was allen vröuden	von sînem tôde widerseit.

dô seic si zuo der erden,	daz si niht ensprach.
die schœnen vröudelôsen	ligen man dô sach.
Kriemhilde jâmer	wart unmâzen grôz.
dô erschrê si nâch unkrefte,	daz al diu kemenâte erdôz.

dô sprach daz gesinde:	„waz, ob ez ist ein gast?“
daz bluot ir ûz dem munde	von herzen jâmer brast.
dô sprach si: „ez ist Sîvrit,	der mîn vil lieber man.
ez hât gerâten Prünhilt,	daz ez hât Hagene getân.“

diu vrouwe hiez sich wîsen,	dâ si den helt vant.
si huop sîn houbet schœne	mit ir vil wîzen hant.
swie rôt ez wære von bluote,	si hete in schiere erkant.
dô lac vil jæmerlîche	der helt von Nibelunge lant.

dô rief vil trûreclîche	diu vrouwe milt:
„ouwê mich mînes leides!	nû ist dir dîn schilt
mit swerten niht verhouwen.	dû lîst ermorderôt.
wesse ich, wer ez hete getân,	ich riete im immer sînen tôt.“

allez ir gesinde	klagete und schrê
mit ir lieben vrouwen,	wande in was harte wê,
umb ir vil edelen hêrren,	den si dâ heten verlorn.
dâ hete gerochen Hagene	harte Prünhilde zorn.

dô sprach diu jâmerhafte:	„ir kamerære, ir sult hin gân,
und wecket harte balde	die Sîvrides man.
ir sult ouch Sigemunde	mînen jâmer sagen,
ob er mir helfen welle	den küenen Sîvride klagen.“

dô lief ein bote balde,	dâ er si ligen vant,
die Sîvrides helde	von Nibelunge lant.
mit den vil leiden mæren	ir vröude er in benam.
sine woldens niht gelouben,	unz man daz weinen vernam.

der bote kom ouch schiere,	dâ der künec lac,
Sigemunt, der hêrre,	der slâfes niht enpflac.
ich wæne, sîn herze im sagte,	daz im was geschehen.
er enmohte sînen lieben sun	nimmêr lebendec gesehen.

„wachet, hêrre Sigemunt!	mich bat nâch iu gân
Kriemhilt, mîn vrouwe.	der ist ein leit getân,
daz ir vor allen leiden	an ir herze gât.
daz sult ir klagen helfen,	wand ez iuch sêre bestât.“

ûf rihte sich dô Sigemunt.	er sprach: „waz sint diu leit
der schœnen Kriemhilde,	diu dû mir hâst geseit?“
der bote sprach mit weinen:	„ine kan iu niht verdagen.
jâ ist von Niderlande	der küene Sîvrit erslagen!“

dô sprach der hêrre Sigemunt:	„lât iuwer schimpfen sîn
und alsô bœsiu mære	durch willen mîn,
daz ir ez saget iemen,	daz er sî erslagen,
wand ine kunde in nimmêr	vor mînem tôde verklagen.“

„welt ir mir niht gelouben,	daz ir mich hœret sagen,
sô muget ir selbe	hœren Kriemhilde klagen
und allez ir gesinde	den Sîvrides tôt.“
vil sêre schracte dô Sigemunt.	des gie im wærlîche nôt.

mit hundert sînen mannen	er von dem bette spranc.
si zucten zuo den henden	diu scharpfen wâfen lanc.
si liefen zuo dem wuofe	vil jæmerlîche dan.
dô kômen tûsent recken,	des küenen Sîvrides man.

dô si sô jæmerlîche	die vrouwen hôrten klagen,
dô wânden sümelîche,	si solden kleider tragen.
jâne mohten si der sinne	vor leide niht gehaben.
in wart vil michel swære	in ir herzen begraben.

dô kom der küene Sigemunt,	dâ er Kriemhilde vant.
er sprach: „ouwê der reise	her in ditze lant!
wer hât mich mînes kindes	und iuch des iuweren man
bî alsô guoten vriunden	sus mortlîche âne getân?“

„hey, solde ich den bekennen!“	sprach daz vil edel wîp,
„holt würde im nimmêr	mîn herze und ouch mîn lîp.
ich geriete im alsô leide,	daz die vriunde sîn
von den mînen schulden	müesen weinende sîn.“

Sigemunt, der hêrre,	den fürsten umbeslôz.
dô wart von sînen vriunden	der jâmer alsô grôz,
daz von dem starkem wuofe	palas unde sal
und ouch diu stat ze Wormze	von ir weinen erschal.

dône kunde niemen	getrœsten daz Sîvrides wîp.
man zôch ûz den kleidern	den sînen lîp.
man wuosch im sîne wunden	und leite in ûf den rê.
dô was den sînen liuten	von grôzem jâmer starke wê.

dô sprâchen sîne recken	von Nibelunge lant:
„in sol immer rechen	mit willen unser hant.
er ist in dirre bürge,	der ez hât getân!“
dô îlten nâch den wâfen	alle Sîvrides man.

die ûz erwelten degene	mit schilden kômen dar,
einlef hundert recken,	die hete an sîner schar
Sigemunt der hêrre.	sînes sunes tôt,
den wolde er gerne rechen.	des gie im wærlîchen nôt.

sine wessen, wen si solden	mit strîte dô bestân,
sine tæten ez danne	Gunthêr und sîne man,
mit den der hêrre Sîvrit	an daz gejeide reit.
Kriemhilt sach si gewâfent.	daz was ir grœzlîche leit.

swie michel wære ir jâmer	und swie starc ir nôt,
dô vorhte si harte	der Nibelunge tôt
von ir bruoder mannen,	daz si ez understuont.
si warnte si als güetlîche,	sô vriunde liebe vriunde tuont.

dô sprach diu jâmers rîche:	„mîn hêrre Sigemunt,
wes welt ir beginnen?	iu ist niht rehte kunt:
jâ hât der künec Gunthêr	sô manegen küenen man!
ir welt iuch alle verliesen,	sult ir die recken bestân.“

mit ûf erbunden schilden	in was ze strîte nôt.
diu edel küneginne	bat und gebôt,
daz siz mîden solden,	die recken vil gemeit.
dô siz niht lâzen wolden,	es was ir wærlîchen leit.

si sprach: „hêrre Sigemunt, ir sult	ez lâzen understân,
unz ez sich baz gefüege.	sô wil ich mînen man
immer mit iu rechen.	der mir in hât benomen,
wirde ich des bewîset,	ich sol im schedelîche komen.

ez ist der übermüeten	hie bî Rîne vil,
dâ von ich iu des strîtes	râten niht enwil.
si habent wider einen	ie wol drîzec man.
nû lâz in got gelingen,	als umb uns gedienet hân!

ir sult hie belîben,	und dolt mit mir mîniu leit.
als ez tagen beginne,	ir helde vil gemeit,
sô helfet mir besarken	den mînen lieben man!“
dô sprâchen die degene:	„daz sol werden getân.“

iu enkunde niemen	daz wunder vol sagen
von rittern und von vrouwen,	wie man die hôrte klagen,
sô daz man des wuofes	wart in der stat gewar.
die edelen burgære,	die kômen gâhende dar.

si klageten mit den gesten,	wand in was harte leit,
daz Sîvrides schulde	in niemen hete geseit,
durch waz der edel recke	verlür den sînen lîp.
dô weinten mit den vrouwen	der guoten burgære wîp.

smide hiez man gâhen	würken einen sarc
von silber und von golde,	vil michel und vil starc.
man hiez in vaste spengen	mit stahel, daz was guot.
dô was allen liuten	harte trûrec der muot.

diu naht was zergangen.	man sagte, ez wolde tagen.
dô hiez diu edel vrouwe	zuo dem münster tragen
Sîvriden, den hêrren,	den vil lieben man.
swaz er dâ vriunde hete,	die sach man weinende gân.

dô si in zem münster brâhten,	vil der glocken klanc.
dô hôrte man allenthalben	vil maneges pfaffen sanc.
dô kom der künec Gunthêr	mit den sînen man
und ouch der grimme Hagene	zuo dem wuofe gegân.

er sprach: „vil liebiu swester,	ouwê der leide dîn,
daz wir niht âne	des grôzen schaden sîn!
wir müezen klagen immer	den Sîvrides lîp.“
„daz tuot ir âne schulde“,	sprach daz jâmerhafte wîp.

„wære iu dar umbe leide,	sône wære es niht geschehen.
ir hetet mîn vergezzen,	des mac ich nû wol jehen,
dâ ich dâ wart gescheiden	und mîn lieber man.
daz wolde got“, sprach Kriemhilt,	„und wære ez mir selber getân.“

si buten vaste ir lougen.	Kriemhilt begunde jehen:
„swelcher sich unschuldige,	der lâze daz gesehen!
der sol zuo der bâre	vor den liuten gân.
dâ bî mac man die wârheit	harte schiere verstân.“

daz ist ein michel wunder,	vil dicke ez noch geschiht:
swâ man den mortmeilen	bî dem tôten siht,
sô bluotent im die wunden.	als ouch dâ geschach.
dâ von man die schulde	dâ ze Hagene gesach.

die wunden vluzzen sêre,	alsam si tâten ê.
die ê dâ sêre klageten,	des wart nû michel mê.
dô sprach der künec Gunthêr:	„ich wilz iuch wizzen lân:
in sluogen schâchære.	Hagene hât es niht getân.“

„mir sint die schâchære“,	sprach si, „vil wol bekant.
nû lâze ez got errechen	noch sîner vriunde hant.
Gunthêr und Hagene,	jâ habt ir ez getân!“
die Sîvrides degene	heten gegen strîte wân.

dô sprach aber Kriemhilt:	„habt mit mir die nôt!“
dô kômen dise beide,	dâ si in funden tôt,
Gêrnôt, ir bruoder,	und Gîselhêr daz kint.
in triuwen si in klageten	mit den anderen sint.

si weinten inneclîchen	den Kriemhilde man.
man solde messe singen.	zuo dem münster dan
giengen allenthalben	wîp, man und kint.
die sîn doch lîhte enbâren,	die weinten Sîvriden sint.

Gêrnôt und Gîselhêr,	die sprâchen: „swester mîn,
nû trœste dich nâch tôde,	als ez doch muoz sîn.
wir wellen dichs ergetzen,	die wîle wir geleben!“
dône kunde ir trôst deheinen	zer werlde niemen gegeben.

sîn sarc, der was bereitet	wol umbe einen mitten tac.
man huop in von der bâre,	dâ er ûfe lac.
in enwolde noch diu vrouwe	lâzen niht begraben.
des muosen al die liute	michel arbeite haben.

in einen rîchen pfellel	man den tôten want.
ich wæne, man dâ iemen	âne weinen vant.
dô klagete herzenlîche	Uote, ein edel wîp,
und allez ir gesinde	den sînen wætlîchen lîp.

dô man daz gehôrte,	daz man zem münster sanc,
und man in gesarket hete,	dô huop sich grôz gedranc.
durch willen sîner sêle	waz opfers man dô truoc!
er hete bî den vîanden	doch guoter vriunde genuoc.

Kriemhilt diu arme	zen kameræren sprach:
„si suln durch mîne liebe	lîden ungemach,
die im iht guotes günnen	und mir wesen holt.
durch Sîvrides sêle	sol man teilen sîn golt.“

dehein kint was dâ sô kleine,	daz iht witze mohte haben,
daz muose gân zem opfer,	ê er würde begraben.
baz danne hundert messe	man dâ des tages sanc.
von Sîvrides vriunden	wart dâ grôzer gedranc.

dô man dâ hete gesungen,	daz volc huop sich von dan.
dô sprach diu vrouwe Kriemhilt:	„ir ensult eine lân
hînte mich bewachen	den ûz erwelten degen.
ez ist an sînem lîbe	al mîn vröude gelegen.

drî tage und drî nahte	wil ich in lâzen stân,
unz ich mich geniete mînes	vil lieben man.
waz, ob daz got gebiutet,	daz mich nimt ouch der tôt?
sô wære wol verendet	mîn armer Kriemhilde nôt.“

zen herbergen giengen	die liute von der stat.
pfaffen und münche	si belîben bat
und allez sîn gesinde,	daz ez des heldes pflac.
si heten naht vil arge	und vil müelîchen tac.

âne ezzen und âne trinken	beleip dâ manec man.
die ez dâ nemen wolden,	den wart daz kunt getân,
daz mans in den vollen gæbe.	daz schuof hêr Sigemunt.
dô was den Nibelungen	vil arbeite kunt.

die drîe tagezîte,	sô wir hœren sagen,
die dâ kunden singen,	daz si muosen tragen
vil der arbeite.	waz man in opfers truoc!
die vil arme wâren,	die wurden rîche genuoc.

swaz man vant der armen,	die es niht mohten hân,
die hiez man zem opfer	mit dem golde gân
ûz sîn selbes kamern.	dô er niht solde leben,
umb sîne sêle wart manec	tûsent marc gegeben.

urbor ûf der erden	teilten si in diu lant,
swâ sô man diu klôster	und guote liute vant.
silbers und wæte	gap man den armen genuoc.
si tet dem wol gelîche,	daz si im holden willen truoc.

an dem drittem morgen,	ze der rehten messezît,
sô was bî dem münster	der kirchhof alsô wît
von den lantliuten	weinens alsô vol.
si dienten im nâch tôde,	alsô man lieben vriunden sol.

in den tagen vieren,	man hât gesaget daz,
ze drîzec tûsent marken	oder dannoch baz
wart durch sîne sêle	den armen dâ gegeben.
dô was gelegen ringe	sîn grôziu schœne und ouch sîn leben.

dô got dâ wart gedienet,	daz man vol sanc,
mit ungefüegem leide	vil des volkes ranc.
man hiez in ûz dem münster	zuo dem grabe tragen.
die sîn ungerne enbâren,	die sach man weinen und klagen.

vil lûte schrîende	daz liut gie mit im dan.
vrô enwas dâ niemen,	weder wîp noch man.
ê daz man in begrüebe,	man sanc und las.
hey, waz guoter pfaffen	ze sîner bivilde was!

ê daz zem grabe kœme	daz Sîvrides wîp,
dô ranc sô mit jâmer	ir getriuwer lîp,
daz man si mit dem brunnen	vil dicke dâ vergôz.
ez was ir ungemüete	vil harte unmæzlîchen grôz.

ez was ein michel wunder,	daz si ie genas.
mit klage ir helfende	manec vrouwe was.
dô sprach diu küneginne:	„ir Sîvrides man,
ir sult durch iuwer triuwe	an mir genâde begân.

lât mir nâch mînem leide	daz kleine liep geschehen,
daz ich sîn schœne houbet	noch eines müeze sehen!“
dô bat sis alsô lange	mit jâmers sinnen starc,
daz man zebrechen muose	dô den hêrlîchen sarc.

dô brâhte man die vrouwen,	dâ si in ligen vant.
si huop sîn schœne houbet	mit ir vil wîzen hant.
dô kuste si alsô tôten	den edel ritter guot.
diu ir vil liehten ougen	vor leide weinten bluot.

ein jâmergez scheiden	wart dô dâ getân.
dô truoc man si von dannen.	sine kunde niht gegân.
dô vant man sinnelôse	daz hêrlîche wîp.
vor leide möhte ersterben	der ir vil wunneclîcher lîp.

dô man den edelen hêrren	hete nû begraben,
leit âne mâze	sach man die alle haben,
die mit im komen wâren	von Nibelunge lant.
vil selten vrœlîchen	man dô Sigemunden vant.

dâ was der etelîcher,	der drîer tage lanc
vor dem grôzem leide	niht az noch entranc.
dô mohten si dem lîbe	sô gar geswîchen niht.
si nerten sich nâch sorgen,	sô noch genuogen geschiht.

der sweher Kriemhilde	gie, dâ er si vant.
er sprach zer küneginne:	„wir suln in unser lant.
wir wæn unmære	geste bî dem Rîne sîn.
Kriemhilt, vil liebiu vrouwe,	nû vart ir zuo den landen mîn!

sît daz uns untriuwe	âne hât getân
hie in disen landen	des iuwern edelen man,
des sult ir niht engelten.	ich wil iu wæge sîn
durch mînes suns liebe.	des sult ir âne zwîvel sîn.

ir sult haben,	vrouwe, allen den gewalt,
den iu ê tæte kunde	Sîvrit, der degen balt.
daz lant und ouch diu krône,	daz sî iu undertân.
iu suln gerne dienen	alle Sîvrides man.“

dô sagete man den knehten,	si solden rîten dan.
dô wart ein michel gâhen	nâch rossen getân.
bî ir starken vîanden	was in ze wesen leit.
den vrouwen und den megden	hiez man suochen diu kleit.

dô der künec Sigemunt	wolde sîn geriten,
dô begunden Kriemhilt	die ir mâge bitten,
daz si bî ir muoter	solde dâ bestân.
dô sprach diu vrouwe hêre:	„daz kunde nimmêr ergân.

wie möhte ich den immer	mit ougen an gesehen,
von dem mir armem wîbe	sô leide ist geschehen?“
dô sprach der junge Gîselhêr:	„vil liebiu swester mîn,
dû solt durch dîne triuwe	hie bî dîner muoter sîn.

die dich dâ habent beswæret	unde betrüebet den muot,
der bedarftû niht ze dienste.	nû zer mîn eines guot!“
si sprach zuo dem recken:	„jâne mac es niht geschehen.
vor leide muoz ich sterben,	swenne ich Hagenen müese sehen.“

„des tuon ich dir ze râte,	vil liebiu swester mîn.
dû solt bî dînem bruoder	Gîselhêre sîn.
jâ wil ich dich ergetzen	dînes mannes tôt!“
dô sprach diu gotes arme:	„des wære Kriemhilde nôt!“

dô ez ir der junge Gîselhêr	sô güetlîch erbôt,
dô begunde vlêgen	Uote und Gêrnôt
und ir getriuwe mâge.	si bâten si dâ bestân,
si hete lützel künnes	under Sîvrides man.

„si sint iu alle vremde“,	sô sprach Gêrnôt.
„ez enlebet sô starker niemen,	er nemüeze ligen tôt.
daz bedenket, liebiu swester,	und trœstet iuwern muot.
belîbet bî den vriunden!	daz wirt iu wærlîchen guot.“

si lobte Gîselhêren,	si wolde dâ bestân.
diu ross gezogen wâren	den Sigemundes man,
als si wolden rîten	zer Nibelunge lant.
dô was ouch ûf gesoumet	al der recken gewant.

dô gie der hêrre Sigemunt	zuo Kriemhilde stân.
er sprach zuo der vrouwen:	„die Sîvrides man
nû warten bî den rossen.	nû sul wir rîten hin,
wand ich vil ungerne	bî den Burgonden bin.“

dô sprach diu vrouwe Kriemhilt:	„mir râtent die vriunde mîn,
swaz ich hân getriuwen,	ich sul hie bî in sîn.
ich habe niemen mâge	in Nibelunge lant.“
vil leit was ez Sigemunde,	dô erz an Kriemhilde ervant.

dô sprach der künec Sigemunt:	„lât iuz niemen sagen!
vor allen mînen mâgen	sult ir die krône tragen
alsô gewalteclîche,	als ir ê habt getân.
ir ensult des niht engelten,	daz wir den helt verloren hân.

und vart ouch mit uns wider	durch iuwer kindelîn,
daz ensult ir niht,	vrouwe, weise lâzen sîn.
swenne iuwer sun gewahset,	der trœstet iu den muot.
die wîle sol iu dienen	manec helt küene und guot!“

si sprach: „hêrre Sigemunt,	jâne mac ich rîten niht.
ich muoz hie belîben,	swaz halt mir geschiht,
bî den mînen mâgen,	die mir helfen klagen.“
dô begunden disiu mære	den guoten recken missehagen.

si sprâchen al gelîche:	„sô möhte wir wol jehen,
daz uns aller êrste	wære leit geschehen,
woldet ir belîben	bî unsern vîanden hie.
sô geriten hovereise	noch helde sorclîcher nie.“

„ir sult âne sorge	got bevolhen varn.
man gît iu guot geleite,	ich heiz iuch wol bewarn,
zuo Sigemundes lande.	mîn liebez kindelîn,
daz sol ûf genâde	iu recken wol bevolhen sîn!“

dô si wol vernâmen,	daz si niht wolde dan,
dô weinten al gelîche	die Sigemundes man.
wie rehte jæmerlîchen	schiet dô Sigemunt
von vroun Kriemhilde! dô was im	ungemüete kunt.

„sô wê der hôchgezîte!“	sprach dô der künec hêr,
„ez geschiht von kurzewîle	hinfür nimmêr mêr
künege noch sînen	mâgen, daz uns ist geschehen.
man sol uns nimmêr mêre	hie zen Burgonden sehen!“

dô sprâchen offenlîche	die Sigemundes man:
„ez möhte noch diu reise	in diz lant ergân,
sô wir den rehte ervinden,	der uns den hêrren sluoc.
si habent von sînen mâgen	starker vîande genuoc!“

er kuste Kriemhilden.	wie jæmerlîchen er sprach,
dô si belîben wolde,	und er daz rehte ersach:
„nû rîten vröuden âne	heim in unser lant.
alle mîne sorge	sint mir êrste nû bekant.“

si riten ân geleite	von Wormez niden Rîn.
si mohten wol des muotes	vil sicherlîchen sîn,
ob si in vîentschefte	würden an gerant,
daz sich weren wolde	der küenen Nibelunge hant.

sine gerten urloubes	dâ ze keinem man.
dô sach man Gêrnôt	und Gîselhêren gân
zuo zim minneclîchen.	im was sîn schade leit.
des brâhten in wol inne	die helde küene und gemeit.

dô sprach gezogenlîchen	der fürste Gêrnôt:
„got weiz daz wol von himele,	an Sîvrides tôt
gewan ich nie die schulde,	daz ich daz hôrte sagen,
wer im hie vîent wære!	ich sol in billîche klagen.“

dô gap in guot geleite	Gîselhêr daz kint.
er brâhte sorgende	ûz dem lande sint
den künec mit sînen recken	heim ze Niderlant.
wie lützel man der mâge	dar inne vrœlîchen vant!

wie si nû gefüeren,	des kan ich niht gesagen.
man hôrte hie zallen	zîten Kriemhilde klagen,
daz ir niemen trôste	daz herze und ouch den muot,
ez entæte Gîselhêr.	der was getriuwe unde guot.

Prünhilt diu schœne	mit übermüete saz.
swaz geweinte Kriemhilt,	unmære was ir daz.
sine wart ir guoter	triuwe nimmêr mêr bereit.
sît getet ir ouch vrou Kriemhilt	diu vil herzenlîchen leit.

dô diu edel Kriemhilt	alsô verwitwet wart,
bî ir ime lande	der grâve Eckewart
beleip mit sînen mannen.	der dienete ir zallen tagen.
der half ouch sîner vrouwen	sînen hêrren dicke klagen.

ze Wormez bî dem münster	ein gezimber man ir slôz,
wît und vil michel,	rîch und grôz,
dâ si mit ir gesinde	sît âne vröude saz.
si was zer kirchen gerne,	und tet vil güetlîchen daz.

dâ man begruop ir vriedel,	wie selten si daz lie,
mit trûregem muote	si alle zît dar gie!
si bat got den guoten	sîner sêle pflegen.
vil dicke wart beweinet	mit grôzen triuwen der degen.

Uote und ir gesinde	trôsten si zaller stunt.
dô was ir daz herze	sô grœzlîche wunt,
ez kunde niht vervâhen,	swaz man ir trôstes bôt.
si hete nâch liebem vriunde	die aller grœsten nôt,

die nâch liebem manne	ie mêr wîp gewan.
man mohte ir michel tugende	kiesen wol dar an,
si klagete unz an ir ende,	die wîle werte si der lîp.
sît rach sich wol mit ellen	des küenen Sîvrides wîp.

sus saz si nâch ir leide,	daz ist alle wâr,
nâch ir mannes tôde	wol vierdehalbez jâr,
daz si ze Gunthêr	nie dehein wort gesprach
und ouch ir vîant Hagenen	in der zîte nie gesach.

dô sprach der helt von Tronege:	„möht ir daz tragen an,
daz ir iuwer swester	ze vriunde möhtet hân,
sô kœme ze disen landen	daz Nibelunges golt.
des möht ir vil gewinnen,	würde uns diu küneginne holt.“

er sprach: „wir suln ez versuochen.	mîne bruoder sint ir bî.
die sul wirz bitten werben,	daz si unser vriunt sî,
ob wir in ir an gewinnen,	daz si daz gerne sehe.“
„ine trûwe es niht“, sprach Hagene,	„daz daz immer geschehe.“

dô hiez er Ortwînen	hin ze hove gân
und den marcgrâven Gêren.	dô daz was getân,
man brâhte ouch Gêrnôten	und Gîselhêr daz kint.
si versuochtenz vriuntlîche	an vroun Kriemhilde sint.

dô sprach von Burgonden	der küene Gêrnôt:
„vrouwe, ir klaget ze lange	den Sîvrides tôt.
iu wil der künec rihten,	daz er sîn niht hât erslagen.
man hœret iuch zallen zîten	sô rehte grœzlîchen klagen!“

si sprach: „des zîhet in niemen.	in sluoc diu Hagenen hant.
wâ man in verhouwen solde,	dô er daz an mir ervant,
wie möhte ich des getrûwen,	daz er im wære gehaz?
ich hete wol behuotet“,	sprach diu küneginne, „daz,

daz ich niht vermeldet	hete sînen lîp.
sô lieze ich nû mîn weinen,	ich vil armez wîp.
holt wirde ich in nimmêr,	die ez dâ hânt getân“
dô begunde vlêhen Gîselhêr,	der vil wætlîche man.

„ich wil den künec grüezen!“	dô si im des verjach,
mit sînen besten vriunden	man in vor ir sach.
dône torste Hagene	für si niht gegân.
wol wesse er sîne schulde.	er hete ir leide getân.

dô si verkiesen wolde	ûf Gunthêren den haz,
ob er si küssen solde,	ez zæme im deste baz,
wære ir von sînem	râte leide niht getân.
sô möhte er unzwîvellîchen	zuo Kriemhilde gân.

ez enwart nie suone	mit sô vil trehen mê
gefüeget under vriunden.	ir tet ir schade wê.
si verkôs ûf si alle,	wan ûf den einen man.
in hete erslagen niemen,	ez hete Hagene getân.

dar nâch vil unlange	truogen si daz an,
daz diu vrouwe Kriemhilt	den grôzen hort gewan
von Nibelunge lande	und fuorte in an den Rîn.
er was ir morgengâbe.	er solde ir billîche sîn.

dar nâch fuor Gîselhêr	und Gêrnôt.
ir ahzec hundert mannen	Kriemhilt dô gebôt,
daz si in holen solden,	dâ er verborgen lac,
dâ sîn der degen Albrîch	mit sînen besten vriunden pflac.

dô man die von dem Rîne	nâch dem schatze komen sach,
Albrîch der vil küene	zuo sînen vriunden sprach:
„wir engetürren ir des hordes	vor gehaben niht,
sît sîn ze morgengâbe	diu edel küneginne giht.

doch würdez nimmêr“,	sprach Albrîch, „getân,
niuwan daz wir übele	dâ verlorn hân
mit samt Sîvrit	die guoten tarnhût,
wand die truoc alle zîte	der schœnen Kriemhilde trût.

nû ist ez Sîvride	leider übel komen,
daz uns die tarnkappen	hât der helt benomen,
und daz im muose dienen	allez ditze lant.“
dô gie der kamerære,	dâ er die slüzzel vant.

ez stuonden vor dem berge	die Kriemhilde man
und ouch ein teil ir mâge.	den schatz, den hiez man dan
tragen zuo dem schiffe	an diu schiffelîn.
den fuorte man ûf den ünden	unz ze Berge an den Rîn.

nû müget ir von dem horde	wunder hœren sagen:
swaz zwelf kanzwegene	meiste mohten tragen
in vier tagen und nahten	von dem berge dan,
ouch muose ir ietslîcher	des tages drî stunt gân.

ez enwas niht anders	wan steine und golt.
und ob man al die werlde	hete dâ von versolt,
sîn newære niht minner	einer marke wert.
jâne hete es âne	schulde niht gar Hagene gegert.

der wunsch, der lac dar under:	von golde ein rüetelîn.
der daz hete erkunnet,	der möhte meister sîn
wol in aller werlde	über einen ietslîchen man.
der Albrîches mâge	kom vil mit Gêrnôte dan.

dô si den hort behielten	in Gunthêres lant,
und sich es diu küneginne	aller êrst underwant,
in kamer und in türnen	sîn wart vil getragen.
man gehôrte nie daz wunder	von guote mêre gesagen.

und wære sîn tûsent stunde	noch alse vil gewesen,
und solde der hêrre Sîvrit	gesunder sîn gewesen,
bî im wære Kriemhilt	hende blôz bestân.
getriuwer wîbes künne	ein helt nie mêr gewan.

dô si den hort nû hete,	dô brâhte si in daz lant
vil unkunder recken.	jâ gap der vrouwen hant,
daz man sô grôzer milte	mêre nie gesach.
si pflac vil guoter tugende,	des man der küneginne jach.

den armen und den rîchen	begunde si nû geben,
daz dâ reite Hagene,	ob si solde leben
noch deheine wîle,	daz si sô manegen man
in ir dienst gewünne,	daz ez in leide müese ergân.

dô sprach der künec Gunthêr:	„ir ist lîp und guot.
zwiu sol ich daz wenden,	swaz si dâ mit getuot?
jâ derwarp ich daz vil kûme,	daz si mir wart sô holt!
nû enruochen, war si teile	ir silber und ir golt.“

Hagene sprach ze dem künege:	„ez solde ein vrumer man
deheinem einem wîbe	niht des hordes lân.
si bringet ez mit gâbe	noch ûf den tac,
dâz vil wol geriuwen	die küenen Burgonden mac.“

dô sprach der künec Gunthêr:	„ich swuor ir einen eit,
daz ich ir getæte	nimmêr mêre leit,
und wil es fürbaz hüeten.	si ist diu swester mîn.“
dô sprach aber Hagene:	„lât mich den schuldigen sîn!“

ir sümelîche eide	wâren unbehuot.
dô nâmen si der witwen	daz kreftige guot.
Hagene sich der slüzzel	aller underwant.
daz zurnde ir bruoder Gêrnôt,	dô er daz rehte bevant.

dô sprach der hêrre Gîselhêr:	„Hagene hât getân
vil leides mîner swester.	ich solde ez understân.
wære er niht mîn mâc,	ez gienge im an den lîp!“
iteniuwez weinen	tet dô Sîvrides wîp.

dô sprach der hêrre Gêrnôt:	„ê daz wir immer sîn
gemüejet mit dem golde,	wir soldenz in den Rîn
allez heizen senken.	daz wære wol getân.“
si gie vil klegelîche	für ir bruoder Gunthêre stân.

si sprach: „vil lieber bruoder,	dû solt gedenken mîn.
beidiu lîbes und guotes	soltû mîn voget sîn!“
dô sprach er zuo der vrouwen:	„daz sol sîn getân,
als wir nû komen widere.	wir haben rîtens wân.“

der künec und sîne mâge	rûmten dô daz lant,
die aller besten dar under,	die man iender vant,
niuwan Hagene aleine.	der beleip dâ durch haz,
den er truoc Kriemhilde,	und tet vlîzeclîche daz.

ê daz der künec rîche	wære wider komen,
die wîle hete Hagene	den schatz vil genomen.
er schutte in dâ ze Lôche	allen in den Rîn.
er wânde, er solde in niezen.	des enkunde niht gesîn.

die fürsten kômen widere,	mit in vil manec man.
Kriemhilt ir schaden	grôzen klagen began
mit meiden und mit vrouwen.	in was harte leit.
gerne wære ir Gîselhêr	aller triuwen bereit.

dô sprâchen si gemeine:	„er hât übele getân!“
er entweich der fürsten zorne	alsô lange dan,
unz er gewan ir hulde.	si liezen in genesen.
dône kunde im Kriemhilt	nimmêr vîender sîn gewesen.

ê daz von Tronege Hagene	den schatz alsô verbarc,
dô heten siz gevestent	mit eiden alsô starc,
daz er verholn wære,	unz ir einer möhte leben.
sine kunden ins selben	noch niemen ander gegeben.

mit iteniuwen leiden	beswæret was ir muot,
umb ir mannes ende,	und dô si ir daz guot
alsô gar genâmen.	dône gestuont ir klage
des lîbes nimmêr mêre	unz an ir jungesten tage.

nâch Sîvrides tôde,	daz ist al wâr,
si wonte in manegem	sêre driuzehen jâr,
daz si des recken tôdes	vergezzen kunde niht.
si was im getriuwe,	des ir diu meiste menige giht.

daz was in einen zîten,	dô vrou Helche erstarp,
und daz der künec Etzel	umb ein ander vrouwen warp.
dô rieten sîne vriunde	in der Burgonden lant
zeiner stolzen witewen,	diu was vrou Kriemhilt genant.

sît daz erstorben wære	der schœnen Helchen lîp,
si sprâchen: „welt ir immer	gewinnen edel wîp,
die hôhesten und die besten,	die künec ie gewan,
sô nemt die selben vrouwen.	der starke Sîvrit was ir man.“

dô sprach der künec rîche:	„wie möhte daz ergân,
sît ich bin ein heiden	und der toufe niene hân?
sô ist diu vrouwe kristen.	dâ von sô lobt sis niht.
ez müese sîn ein wunder,	ob ez immer geschiht.“

dô sprâchen aber die snellen:	„waz, ob siz lîhte tuot
durch iuwern namen den hôhen	und iuwer michel guot?
sô sol man daz versuochen	an daz vil edel wîp.
ir müget vil gerne minnen	den ir vil wætlîchen lîp!“

dô sprach der künec edele:	„wem ist nû bekant
under iu bî Rîne	die liute und ouch daz lant?“
dô sprach von Bechelâren	der guote Rüedegêr:
„ich hân erkant von kinde	die edelen künege hêr,

Gunthêr und Gêrnôt,	die edelen ritter guot.
der dritte heizet Gîselhêr.	ir ietslîcher tuot,
swaz er der besten êren	und tugende mac begân.
ouch hânt ir alten mâge	noch her daz selbe getân.“

dô sprach aber Etzel:	„vriunt, dû solt mir sagen,
ob si in mînem lande	krône solde tragen.
und ist ir lîp sô schœne,	als mir ist geseit,
den mînen besten vriunden	solde ez nimmêr werden leit.“

„si gelîchet sich wol mit schœne	der lieben vrouwen mîn,
Helchen der vil rîchen.	jâne kunde niht gesîn
in dirre werlde schœner	deheines küneges wîp.
den si lobt ze vriunde, der mac wol	trœsten sînen lîp.“

er sprach: „sô wirbez,	Rüedegêr, als liep als ich dir sî.
und sol ich Kriemhilde	immer geligen bî,
des wil ich dir lônen,	sô ich aller beste kan.
sô hâstû mînen willen	sô rehte verre getân.

ûzer mîner kameren	sô heiz ich dir geben,
daz dû und dîne gesellen	müget vrœlîche leben,
von rossen und von kleidern	allez, daz dû wil.
des heiz ich iu bereiten	zuo der boteschefte vil.“

des antwurte Rüedegêr,	der marcgrâve rîch:
„gerte ich dînes guotes,	daz wære unlobelîch.
ich wil dîn bote gerne	wesen an den Rîn
mit mîn selbes guote,	daz ich hân von der hende dîn.“

dô sprach der künec rîche:	„nû, wenne welt ir varn
nâch der minneclîchen?	got sol iuch bewarn
der reise an allen êren,	und ouch die vrouwen mîn.
des helfe mir gelücke,	daz si uns genædec müeze sîn!“

dô sprach aber Rüedegêr:	„ê wir rûmen daz lant,
wir müezen ê bereiten	wâfen und gewant,
alsô daz wirs êre	vor fürsten mugen hân.
ich wil ze Rîne füeren	fünf hundert wætlîcher man.

swâ man zen Burgonden	mich und die mîne sehe,
daz ir ietslîcher	danne dir des jehe,
daz nie künec deheiner	alsô manegen man
sô verre baz gesande,	danne dû ze Rîne hâst getân.

und ob dûz, künec rîche,	niht wil dar umb lân,
si was in edelen minnen	Sîvride undertân,
dem Sigemundes kinde.	den hâstû hie gesehen.
man mohte im rehter êren	mit maneger wârheit jehen.“

dô sprach der künec edele:	„was si des recken wîp,
sô was wol alsô tiure	des edelen fürsten lîp,
daz ich niht versmâhen	die küneginne sol.
durch ir grôzen schœne	sô gevallet si mir wol.“

dô sprach der marcgrâve:	„sô wil iu daz sagen,
daz wir uns heben hinnen	in vier und zweinzec tagen.
ich enbiute ez Gotelinde,	der lieben vrouwen mîn,
daz ich nâch Kriemhilde selbe	bote welle sîn.“

hin ze Bechelâren	sande Rüedegêr.
dô wart diu marcgrâvinne	trûrec und hêr.
er enbôt ir, daz er solde	dem künege werben wîp.
si gedâhte minneclîche	an der schœnen Helchen lîp.

dô diu marcgrâvinne	die boteschaft vernam,
ein teil was ir leide.	weinens si gezam,
ob si gewinnen solde	vrouwen alsam ê.
sô si gedâhte an Helchen,	daz tet ir inneclîche wê.

Rüedegêr von Ungern	in siben tagen reit.
des was der künec Etzel	vrô und gemeit.
dâ zer stat ze Wiene	bereite man im wât.
dône mohte er sîner	reise dô niht langer haben rât.

dâ ze Bechelâren	im warte Gotelint.
diu junge marcgrâvinne,	daz Rüedegêres kint,
sach ir vater gerne	und die sîne man.
dâ wart ein liebez bîten	von schœnen kinden getân.

ê daz der edel Rüedegêr	ze Bechelâren reit
ûz der stat ze Wiene,	dô wâren in ir kleit
rehte volleclîchen	ûf den soumen komen.
die fuoren in der mâze,	daz in wart wênec iht genomen.

dô si ze Bechelâren	kômen in die stat,
die sînen reisgesellen	herbergen dô bat
der wirt vil minneclîche	und schuof in guot gemach.
Gotelint diu rîche	den wirt vil gerne komen sach.

alsam tet sîn liebiu	tohter, diu junge marcgrâvîn.
der nekunde nimmêr	sîn komen lieber sîn.
die helde ûz Hiunen landen,	wie gerne si si sach!
mit lachendem muote diu edele	juncvrouwe sprach:

„nû sî uns grôze willekomen	mîn vater und sîne man!“
dô wart ein schœne danken	mit vlîze dâ getân
der jungen marcgrâvinne	von manegem ritter guot.
vil wol wesse Gotelint	des hêrren Rüedegêres muot.

dô si des nahtes nâhen	bî Rüedegêren lac,
wie güetlîche vrâgen	diu marcgrâvinne pflac,
war in gesendet hete	der künec von Hiunen lant!
er sprach: „mîn vrouwe Gotelint,	ich tuon dir ez gerne bekant.

dâ sol ich mînem hêrren	werben ein ander wîp,
sît daz ist verdorben	der schœnen Helchen lîp.
ich wil nâch Kriemhilde	rîten an den Rîn.
diu sol hie zen Hiunen	gewaltec sîn.“

„daz wolde got“, sprach Gotelint,	„und möhte daz geschehen,
sît daz wir ir hœren	sô maneger êren jehen,
si ergatzte uns mîner vrouwen	lîhte in alten tagen.
ouch möhten wir si gerne	zen Hiunen krône lâzen tragen.“

dô sprach der marcgrâve:	„triutinne mîn,
die mit mir sulen rîten	hinnen an den Rîn,
den sult ir minneclîche	bieten iuwer guot.
sô helde varent rîche,	sô sint si hôhe gemuot.“

si sprach: „ez ist deheiner,	der ez gerne von mir nimt,
ine gebe ir ietslîchem,	swaz im wol gezimt,
ê daz ir hinnen scheidet	und ouch iuwer man.“
dô sprach der marcgrâve:	„daz ist mir liebe getân.“

hey, waz man rîcher pfellel	von ir kamer truoc!
der wart den edelen recken	ze teile dô genuoc,
erfüllet vlîzeclîchen	von hals unz ûf den sporn.
die im dar zuo gevielen,	die hete im Rüedegêr ûz erkorn.

an dem sibendem morgen	von Bechelâren reit
der wirt mit sînen recken.	wâfen und kleit
fuorten si den vollen	durch der Beyer lant.
si wurden ûf der strâzen	durch rouben selten an gerant.

inner tagen zwelven	si kômen an den Rîn.
dône kunden disiu	mære niht verholn sîn.
man sagete ez dem künege	und ouch sînen man,
ez kœmen vremde geste.	der wirt dô vrâgen began,

ob iemen si bekande,	man solde ez im sagen.
man sach ir soumære	sô rehte swære tragen.
daz si vil rîche wâren,	daz wart dâ bekant.
man schuof in herberge	in der wîten stat zehant.

dô die vil unkunden	wâren în bekomen,
dô wart der selben hêrren	vaste war genomen.
si wunderte, wannen füeren	die recken an den Rîn.
der wirt nâch Hagenen sande,	ob si im kündec möhten sîn.

dô sprach der helt von Tronege:	„ine hân ir niht gesehen.
als wir si nû geschouwen,	ich kan iu wol verjehen,
von swannen si riten	her in ditze lant.
si sulen sîn vil vremde,	ine habe si schiere bekant.“

den gesten herberge	wâren nû genomen.
in vil rîchiu kleider	was der bote komen
und sîne hergesellen.	ze hove si dô riten.
si fuorten guotiu kleider	vil harte spæhe gesniten.

dô sprach der snelle Hagene:	„als ich mich kan verstân,
wande ich den hêrren	lange niht gesehen hân,
si varent wol dem gelîche,	sam ez sî Rüedegêr,
von hiunischen landen	der recke küene und hêr.“

„wie sol ich daz gelouben“,	sprach der künec zehant,
„daz der von Bechelâren	sî komen in diz lant?“
als der künec Gunthêr	die rede vol gesprach,
Hagene der küene	den guoten Rüedegêren sach.

er und sîne vriunde	liefen alle dan.
dô sach man von den rossen	fünf hundert ritter stân.
dô wurden wol enpfangen	die von Hiunen lant.
boten nie getruogen	alsô hêrlîch gewant.

dô sprach harte lûte	von Tronege Hagene:
„nû sîn gote willekomen	dise degene,
der voget von Bechelâren	und alle sîne man!“
der antpfanc wart wol mit êren	den snellen Hiunen getân.

des küneges næhesten mâge,	die giengen, dâ man si sach.
Ortwîn von Metze	ze Rüedegêren sprach:
„wir haben in aller wîle	mêre nie gesehen
geste hie sô gerne.	des wil ich wærlîche jehen.“

des gruozes si dô dankten	den recken über al.
mit den hergesinden	si giengen in den sal,
dâ si den künec funden	bî manegem hêrlîchem man.
der hêrre stuont von sedele.	daz was durch grôze zuht getân.

wie rehte zühteclîchen	er zuo den boten gie!
Gunthêr und Gêrnôt	vil vlîzeclîch enpfie
den gast mit sînen mannen,	als im wol gezam.
den guoten Rüedegêren	er bî der hende genam.

er brâhte in zuo dem sedele,	dâ er selbe saz.
den gesten hiez man schenken,	vil gerne tet man daz,
met den vil guoten	und den besten wîn,
den man kunde vinden	in dem lande al umb den Rîn.

Gîselhêr und Gêre,	die wâren beide komen.
Dancwart und Volkêr,	die heten ouch vernomen
umb dise geste.	si wâren vrô gemuot.
si enpfiengen vor dem künege	die ritter edel und guot.

dô sprach ze sînem hêrren	von Tronege Hagene:
„ez solden immer dienen	dise degene,
daz uns der marcgrâve	ze liebe hât getân.
des solde lôn enpfâhen	der schœnen Gotelinde man.“

dô sprach der künec Gunthêr:	„ine kan daz niht verdagen,
wie sich gehaben beide,	daz sult ir mir sagen,
Etzel und Helche	ûzer Hiunen lant.“
dô sprach der marcgrâve:	„ich tuon ez iu gerne bekant.“

dô stuont er von dem sedele	mit allen sînen man.
er sprach zuo dem künege:	„und mac daz sîn getân,
daz ir mir, fürste,	erloubet, sône wil ich niht verdagen.
diu mære, diu ich bringe,	sol ich iu vrœlîche sagen.“

er sprach: „swaz man uns mære	bî iu enboten hât,
die erloube ich iu ze sagene	âne vriunde rât.
ir sult si lâzen hœren	mich und mîne man,
wand ich iu aller êren	hie ze werbene gan.“

dô sprach der bote biderbe:	„iu enbiutet an den Rîn
getriuwelîchen dienest	der grôze voget mîn,
dar zuo al den vriunden,	die ir müget hân.
ouch ist disiu boteschaft	mit grôzen triuwen getân.

iu bat der künec edele	klagen sîne nôt:
sîn volc ist âne vröude.	mîn vrouwe, diu ist tôt,
Helche die vil rîche,	mînes hêrren wîp.
an der nû ist verweiset	vil maneger juncvrouwen lîp,

kint der edelen fürsten,	diu si gezogen hât.
dâ von ez ime lande	vil jæmerlîche stât.
diu enhânt nû leider niemen,	der ir mit triuwen pflege.
des wæn ouch sich vil seine	des küneges sorge gelege.“

„nû lôn im got“, sprach Gunthêr,	„daz er den dienest sîn
sô willeclîch enbiutet	mir und den vriunden mîn!
den sînen gruoz ich gerne	hie vernomen hân.
daz sulen gerne dienen	beide mâge und mîne man.“

dô sprach von Burgonden	der recke Gêrnôt:
„die werlt mac immer riuwen	der schœnen Helchen tôt
durch ir vil manege tugende,	der si kunde pflegen.“
der rede gestuont im Hagene,	dar zuo vil manec ander degen.

dô sprach aber Rüedegêr,	der edel bote hêr:
„sît ir mir, künec,	erloubet, ich sol iu sagen mêr,
waz iu mîn lieber hêrre	her enboten hât,
sît im sîn dinc nâch Helchen	sô rehte kumberlîchen stât:

man sagte mînem hêrren,	Kriemhilt sî âne man,
hêr Sîvrit sî erstorben.	und ist daz sô getân,
welt ir ir des günnen,	sô sol si krône tragen
vor Etzelen recken. daz hiez	ir mîn hêrre sagen.“

dô sprach der künec rîche,	wol gezogen was sîn muot:
„si hœret mînen willen,	ob siz gerne tuot.
den wil ich iu künden	in disen drîen tagen.
ê ich ez an ir erfünde,	zwiu solde ich Etzelen versagen?“

die wîle man den gesten	hiez schaffen guot gemach.
in wart dâ sô gedienet,	daz Rüedegêr des jach,
daz er dâ vriunde hete	under Gunthêres man.
Hagene im diente gerne.	er hete im ê alsam getân.

alsus beleip dô Rüedegêr	unz an den dritten tac.
der künec nâch râte sande,	vil wîslîch er pflac,
ob ez sîne mâge	dûhte guot getân,
daz Kriemhilt nemen solde	den künec Etzelen ze man.

si rieten al gemeine,	niuwan Hagene.
der sprach ze Gunthêr	dem degene:
„habt ir rehte sinne,	sô wirt ez wol behuot,
ob sis volgen wolde,	daz ir ez nimmêr getuot.“

„war umbe“, sprach dô Gunthêr,	„solde ichs volgen niht?
swaz der küneginne	liebes geschiht,
des sol ich ir wol günnen.	si ist diu swester mîn.
wir soldenz selbe werben,	ob ez ir êre möhte sîn.“

dô sprach aber Hagene:	„lât die rede stân!
het ir Etzelen künde,	als ich sîn künde hân,
sol si in danne minnen,	als ich iuch hœre jehen,
sô ist iu aller êrste	von schulden sorgen geschehen.“

„war umb?“ sprach dô Gunthêr,	„ich behuote vil wol daz,
daz ich im kome sô nâhen,	daz ich deheinen haz
von im dulden müese,	und wære si sîn wîp.“
dô sprach aber Hagene:	„ez gerætet nimmêr mîn lîp.“

man hiez nâch Gêrnôten	und nâch Gîselhêren gân,
ob die hêrren beide	dûhte guot getân,
daz Kriemhilt solde minnen	den rîchen künec hêr.
noch widerreite ez Hagene	und nieman mêr.

dô sprach von Burgonden	Gîselhêr der degen:
„nû müget ir, vriunt Hagene,	noch der triuwen pflegen.
ergetzet si der leide,	und ir ir habt getân!
an swiu ir wol gelünge,	daz soldet ir ungevêhet lân.

jâ habt ir mîner swester	getân sô manegiu leit“,
sô sprach aber Gîselhêr,	der recke vil gemeit,
„daz si des hete schulde,	ob si iu wære gram.
nie man deheiner vrouwen	noch mêre vröuden benam.“

„daz ich daz wol bekenne,	daz tuon ich iu kunt.
sol si nemen Etzel,	gelebt si an die stunt,
si getuot uns noch vil leide,	swie siz getraget an.
jâ wirt ir dienende	vil manec wætlîcher man!“

des antwurte Hagenen	der küene Gêrnôt:
„ez mac alsô belîben	unz an ir beider tôt,
daz wir gerîten nimmêr	in Etzelen lant.
wir suln ir sîn getriuwe.	daz ist ze den êren uns gewant.“

dô sprach aber Hagene:	„mir mac niemen widersagen.
und sol diu edele Kriemhilt	Helchen krône tragen,
si getuot uns noch vil leide,	swie si gefüege daz.
ir sult ez lân belîben.	daz zimt iu recken michel baz.“

mit zorn sprach dô Gîselhêr,	der schœnen Uoten sun:
„wir suln doch niht alle	meinlîchen tuon.
swaz êren ir geschehe,	vrô solden wir des sîn.
swaz ir geredet,	Hagene, ich diene ir durch die triuwe mîn!“

dô daz gehôrte Hagene,	dô wart er ungemuot.
Gêrnôt und Gîselhêr,	die stolzen ritter guot,
und Gunthêr der rîche	ze jungest reiten daz,
ob ez lobte Kriemhilt,	si woldenz lâzen âne haz.

dô sprach der fürste Gêre:	„ich wilz der vrouwen sagen,
daz si ir den künec Etzel	lâze wol behagen.
dem ist sô manec recke	mit grôzen vorhten undertân.
er mac si wol ergetzen,	swaz ir leides ist getân.“

dô gie der snelle recke,	dâ er Kriemhilde sach.
si enpfie in güetlîche.	wie balde er dô sprach:
„ir müget mich gerne grüezen	und geben botenbrôt.
iuch wil gelücke scheiden	vil schiere ûz aller iuwer nôt.

ez hât durch iuwer minne,	vrouwe, her gesant
ein der aller beste,	der ie küneges lant
gewan mit vollen êren	oder krône solde tragen.
ez werbent ritter edele.	daz hiez iu iuwer bruoder sagen.“

dô sprach diu jâmers rîche:	„iu sol verbieten got
und allen mînen vriunden,	daz si deheinen spot
an mir armer üeben.	waz solde ich einem man,
der ie herzeliebe	von guotem wîbe gewan?“

si widerreite ez sêre.	dô kom aber sint
Gêrnôt, ir bruoder,	und Gîselhêr daz kint
dâ bâten minneclîche	trœsten si ir muot:
ob si den künec genæme,	ez wære ir wærlîchen guot.

überwinden kunde	niemen dô daz wîp,
daz si minnen wolde	deheines mannes lîp.
dô bâten si die degene:	„nû lâzet doch geschehen,
ob ir anders niht getuot, daz ir	den boten ruochet sehen!..“

„daz eine wil ich niht	versprechen“, sprach daz vil edel wîp,
„ich ensæhe gerne	den Rüedegêres lîp
durch sîne manege tugende.	wære er her niht gesant,
swerz ander boten wære,	dem wære ich immer unbekant.“

si sprach: „ir sult in morgen	heizen her gân
zuo mîner kemenâte.	ich wil in hœren lân
vil gar den mînen willen	sol ich im selbe sagen.“
ir wart eriteniuwet	daz ir vil grœzlîchez klagen.

dô gerte ouch niht anders	der edel Rüedegêr,
wan daz er gesæhe	die küneginne hêr.
er weste sich sô wîsen,	ob ez immer solde ergân,
daz si sich den recken	überreden müese lân.

des andern morgens vruo,	dô man die messe sanc,
die edelen boten kômen,	dô wart dâ grôz gedranc,
die mite Rüedegêre	ze hove wolden gân.
der sach man dâ gekleidet	vil manegen hêrlîchen man.

Kriemhilt diu hêre	und vil trûrec gemuot,
si warte Rüedegêr,	dem edelen boten guot.
der vant si in der wæte,	die si alle tage truoc.
dâ bî truoc ir gesinde	rîcher kleider genuoc.

si gienc im engegene	zuo der tür dan
und enpfie vil güetlîche	den edelen man.
niuwan selbe zwelfter	er dar zuo ir gie.
man bôt im grôzen dienest.	ir enkômen hôher boten nie.

man hiez den hêrren sitzen	und sîne man.
die zwêne marcgrâven,	die sach man vor ir stân,
Eckewart und Gêre,	die edelen recken guot.
durch die hûsvrouwen	si sâhen niemen wol gemuot.

si sâhen vor ir sitzen	vil manec schœne wîp.
dô pflac niuwan jâmers	der Kriemhilde lîp.
ir wât was vor den brüsten	von heizen trehen naz.
der edel marcgrâve	sach wol an Kriemhilde daz.

dô sprach der bote hêre:	„vil edeles küneges kint,
mir und mînen gesellen,	die mit mir komen sint,
sult ir daz erlouben,	daz wir vor iu stân
und iu sagen mære,	war nâch wir her geriten hân.“

„nû sî iu erloubet“,	sprach diu künegîn.
„swaz ir reden wellet.	alsô stât mîn sin,
daz ich ez gerne hœre.	ir sît ein bote guot.“
die andern dô wol hôrten	ir unwilligen muot.

dô sprach von Bechelâren	der fürste Rüedegêr:
„mit triuwen grôze liebe	Etzel, ein künec hêr,
hât iu enboten,	vrouwe, her in ditze lant.
er hât nâch iuwer minne	vil guote recken her gesant.

er enbiutet iu inneclîchen	minne âne leit.
stæter vriuntschefte,	der sî er iu bereit,
als er ê tet vroun Helchen,	diu im ze herzen lac.
jâ hât er nâch ir tugenden	vil dicke unvrœlîchen tac!“

dô sprach diu küneginne:	„marcgrâve Rüedegêr,
wære iemen, der bekande	mîniu starken sêr,
der bæte mich niht triuten	noch deheinen man.
jâ verlôs ich ein den besten,	den ie vrouwe gewan!“

„waz mac ergetzen leides“,	sprach der vil küene man,
„wan vriuntlîche liebe?	swer die kan begân,
und der dan einen kiuset,	der im ze rehte kumt,
vor herzelîcher leide	niht sô grœzlîche vrumt.

und geruochet ir ze minnen	den edelen hêrren mîn,
zwelf vil rîcher krône	sult ir gewaltec sîn.
dar zuo gît iu mîn hêrre	wol drîzec fürsten lant,
diu elliu hât betwungen	sîn vil ellenthaftiu hant.

ir sult ouch werden vrouwe	über manegen werden man,
die mîner vrouwen Helchen	wâren undertân,
und über manege vrouwen,	der si hete gewalt,
von hôher fürsten künne“,	sprach der küene degen balt.

„dar zuo gît iu mîn hêrre,	heizet er iu sagen,
ob ir geruochet krône	bî dem künege tragen,
gewalt den aller hœhesten,	den Helche ie gewan.
den sult ir gewalteclîche haben	vor Etzelen man.“

dô sprach diu küneginne:	„wie möhte mînen lîp
immer des gelusten,	deich würde heldes wîp?
mir hât der tôt an einem	sô rehte leit getân,
des ich unz an mîn ende	muoz unvrœlîche stân.“

dô sprâchen aber die Hiunen:	„küneginne rîch,
iuwer leben wirt bî Etzel	sô rehte lobelîch,
daz iuch immer wunnet,	ist daz ez ergât,
wand der künec rîche	vil manegen zieren degen hât.

Helchen juncvrouwen	und iuwer magedîn,
solden die bî ein ander	ein gesinde sîn,
dâ bî möhten recken	werden wol gemuot.
lât ez iu, vrouwe,	râten: ez wirt iu wærlîchen guot!“

si sprach in ir zühten:	„nû lât die rede stân
unze morgen vruo!	sô sult ir her gân.
ich wil iu antwurten,	des ir dâ habt muot.“
des muosen dô gevolgen	die recken küen unde guot.

dô si zen herbergen	alle kômen dan,
dô hiez diu edel vrouwe	nâch Gîselhêren gân
und ouch nâch ir muoter.	den beiden sagte si daz,
daz si gezæme weinen	und niht anderes baz.

dô sprach ir bruoder Gîselhêr:	„swester, mir ist geseit,
und wilz ouch wol gelouben,	daz elliu dîniu leit
der künec Etzel swende,	und nimestûn zeinem man.
swaz iemen ander râte,	sô dunkt ez mich wol getân.

er mac dich wol ergetzen“,	sprach aber Gîselhêr,
„vome Rotten zuo dem Rîne,	von der Elbe unz an daz mer
sô ist künec deheiner	sô gewaltec niht.
dû maht dich vröuwen balde,	sô er dîn ze konen giht.“

si sprach: „mîn vil lieber bruoder,	zwiu rætestû mir daz?
klagen und weinen	mir immer zæme baz.
wie solde ich vor recken	dâ ze hove gân?
wart mîn lîp ie schône,	des bin ich âne getân.“

dô sprach diu vrouwe Uote	ir lieben tohter zuo:
„swaz dîne bruoder râten,	liebez kint, daz tuo!
volge dînen vriunden,	sô mac dir wol geschehen.
ich hân dich doch sô lange	mit grôzem jâmer gesehen.“

dô bat si got vil dicke	füegen ir den rât,
daz si ze gebene hete	golt, silber und wât
sam ê bî ir manne,	dô er noch was gesunt.
si gelebte doch nimmêr	mêre sît sô vrœlîche stunt.

si gedâhte in ir sinnen:	„und sol ich mînen lîp
geben einem heiden?	ich bin ein kristen wîp.
des muoz ich zer werlde	immer schaden hân.
gæbe er mir elliu rîche,	ez ist von mir vil ungetân.“

dâ mit siz lie belîben.	die naht unz an den tac
diu vrouwe an ir bette	mit vil gedanken lac.
diu ir vil liehtiu ougen	getruckenten nie,
unz daz si aber den morgen	hin ze mettîne gie.

ze rehter messezîte	die künege wâren komen.
si heten aber ir swester	under hende genomen.
jâ rieten si ir ze minnen	den künec von Hiunen lant.
die vrouwen ir deheiner	lützel vrœlîche vant.

dô hiez man dar gewinnen	die Etzelen man,
die nû mit urloube	wæren gerne dan,
geworben oder gescheiden,	swie ez dô möhte sîn.
ze hove kom dô Rüedegêr.	die helde reiten under in,

daz man rehte erfüere	des edelen fürsten muot,
und tæten daz bezîte.	daz dûhte si alle guot:
ir wege wæren verre	wider in ir lant.
man brâhte Rüedegêren,	dâ er Kriemhilde vant.

vil minneclîche bitten	der recke dô began
die edelen küneginne,	si solde in hœren lân,
waz si enbieten	wolde in Etzelen lant.
er wæn an ir niht anders	niuwan lougenen vant,

daz si nimmêr minnen wolde	mêr deheinen man.
dô sprach der marcgrâve:	„daz wære missetân.
zwiu woldet ir verderben	einen als schœnen lîp?
ir müget noch mit êren	werden guotes mannes wîp!“

niht half, daz si gebâten,	unz Rüedegêr
si gesprach in heinlîche,	die küneginne hêr,
er wolde si ergetzen,	swaz ir ie geschach.
ein teil begunde ir senften	dô ir grôzer ungemach.

er sprach zer küneginne:	„lât iuwer weinen sîn!
ob ir ze Hiunen hetet	niemen danne mîn,
getriuwer mîner mâge	und ouch der mîner man,
er müese es sêre engelten,	und hete iu iemen iht getân.“

dâ von wart wol geringet	dô der vrouwen muot.
si sprach: „sô swert mir eide,	swaz mir iemen getuot,
daz ir sît der næhste,	der büeze mîniu leit!“
dô sprach der marcgrâve:	„vrouwe, des bin ich bereit.“

mit allen sînen mannen	swuor ir dô Rüedegêr
mit triuwen immer dienen,	und daz die recken hêr
ir nimmêr niht versageten	ûz Etzelen lant.
des si êre haben solde,	des sichert ir Rüedegêres hant.

dô gedâhte diu getriuwe:	„sît ich vriunde hân
alsô vil gewunnen,	sô sol ich reden lân
die liute swaz si wellen,	ich jâmerhaftez wîp.
waz, ob noch wirt errochen	des mînen lieben mannes lîp?“

si gedâhte: „sît daz Etzel	der recken hât sô vil,
sol ich den gebieten,	sô tuon ich swaz ich wil.
er ist ouch wol sô rîche,	daz ich ze geben hân.
mich hât der leidege Hagene	mînes guotes âne getân.“

si sprach ze Rüedegêre:	„hete ich daz vernomen,
daz er niht wære ein heiden,	sô wolde ich gerne komen,
swar er hete willen,	und næme in zeinem man.“
dô sprach der marcgrâve:	„die rede sult ir, vrouwe, lân.

er hât sô vil der recken	in kristenlîcher ê,
daz iu bî dem künege	nimmêr wirdet wê.
waz, ob ir daz verdienet,	daz er toufet sînen lîp?
des müget ir gerne werden	des künec Etzelen wîp.“

dô sprach aber ir bruoder:	„nû lob ez, swester mîn.
iuwer ungemüete,	daz sult ir lâzen sîn!“
si bâtens alsô lange,	unz doch ir trûrec lîp
lobte vor den helden,	si würde Etzelen wîp.

si sprach: „ich wil iu volgen,	ich armiu künegîn,
daz ich var zuo den Hiunen,	sô daz nû mac gesîn,
swenne ich hân die vriunde,	die mich füeren in sîn lant.“
des bôt dô vor den helden	diu schœne Kriemhilt ir hant.

dô sprach der marcgrâve:	„habt ir zwêne man,
dar zuo hân ich ir mêre.	ez wirdet wol getân,
daz wir iuch wol nâch êren	bringen über Rîn.
ir sult niht, vrouwe,	langer hie zen Burgonden sîn.

ich hân fünf hundert manne	und ouch der mâge mîn,
die suln iu hie dienen	und dâ heime sîn,
vrouwe, swie ir gebietet.	ich tuon iu selbe alsam,
swenne ir mich mant der mære,	daz ich mich es nimmêr gescham.

nû heizet iu bereiten	iuwer pfertkleit.
die Rüedegêres ræte	iu nimmêr werden leit.
und saget ez iuwern magedîn,	die ir dâ füeren welt.
jâ kumt uns ûf der strâze	vil manec ûz erwelter helt!“

si heten noch gesmîde,	daz man dâ vor reit
bî Sîvrides zîten,	daz si vil manege meit
mit êren möhte füeren,	swenne si wolde dan.
hey, waz man guoter setele	den schœnen vrouwen gewan!

ob si ê ie getruogen	deheiniu rîchen kleit,
der wart zuo zir verte	vil manegez nû bereit,
wand in von dem künege	sô vil gesaget wart.
si sluzzen ûf die kisten,	die ê stuonden wol bespart.

si wâren vil unmüezec	wol fünftehalben tac.
si suochten ûz der valden,	des vil dar inne lac.
Kriemhilt dô ir kamer	al entsliezen began:
si wolde machen rîche	alle Rüedegêres man.

si hete noch des goldes	von Nibelunge lant,
si wânde, ez zen Hiunen	teilen solde ir hant,
daz ez wol hundert mœre	niender kunden tragen.
diu mære hôrte Hagene	dô von Kriemhilde sagen.

er sprach: „sît mir vrou Kriemhilt	nimmêr wirdet holt,
sô muoz ouch hie belîben	daz Sîvrides golt.
zwiu solde ich mînen vîanden	lân sô michel guot?
ich weiz wol, waz Kriemhilt	mit disem schatze getuot.

ob si in bræhte hinnen,	ich wil gelouben daz,
er würde doch zerteilet	ûf den mînen haz.
sine habent ouch niht der rosse,	diu in solden tragen.
in wil behalten Hagene.	daz sol man Kriemhilde sagen!“

dô si gehôrte diu mære,	dô was ir grimme leit.
ez wart ouch den künegen	allen drîn geseit.
si woldenz gerne wenden.	dô des niht geschach,
Rüedegêr der edele	harte vrœlîche sprach:

„rîchiu küneginne,	zwiu klaget ir daz golt?
iu ist der künec Etzel	sô grœzlîchen holt.
gesehent iuch sîniu ougen,	er gît iu alsô vil,
daz ir ez verswendet nimmêr.	des ich iu, vrouwe, sweren wil.“

dô sprach diu küneginne:	„vil edel Rüedegêr,
ez gewan küneges	tohter nie rîchheite mêr,
danne der mich Hagene	âne hât getân.“
dô kom ir bruoder Gêrnôt	hin zir kemenâten gegân.

mit gewalt des küneges	den slüzzel stiez er an die tür.
golt daz Kriemhilde	reichte man dar für
ze drîzec tûsent marken	oder dannoch baz.
er hiez ez nemen die geste.	liep was Gunthêre daz.

dô sprach von Bechelâren	der Gotelinde man:
„ob ez mîn vrouwe Kriemhilt	allez möhte hân,
swaz sîn ie wart gefüeret	von Nibelunge lant,
sîn solde lützel rüeren mîn oder	der küneginne hant.

nû heizet ez behalten,	wand ich es niene wil.
jâ fuorte ich von lande	des mînen alsô vil,
daz wirs ûf der strâze	haben guoten rât,
und unser koste hinnen	harte hêrlîchen stât!“

dâ vor in aller wîle	gefüllet zwelf schrîn
des aller besten goldes,	daz iender möhte sîn,
heten die ir megde.	daz fuorte man von dan,
und gezierde vil der vrouwen,	daz si zir verte solde hân.

gewalt des grimmen Hagenen	dûhte si ze starc.
si hete ir opfergoldes	noch wol tûsent marc.
si teilte ez sîner sêle,	ir vil liebem man.
daz dûhte Rüedegêren	mit grôzen triuwen getân.

dô sprach diu klagende	vrouwe: „wâ sint die vriunde mîn,
die durch mîne liebe wellent	ellende sîn?
die suln mit mir rîten	in der Hiunen lant.
die nemen schatz den mînen,	und koufen ross und ouch gewant!“

dô sprach zer küneginne	der marcgrâve Eckewart:
„sît daz ich alêrste	iuwer gesinde wart,
sô hân ich iu mit triuwen	gedienet“, sprach der degen,
„und wil unz an mîn ende	des selben immer bî iu pflegen.

ich wil ouch mit mir füeren	fünf hundert mîner man,
der ich iu ze dienste	mit rehten triuwen gan.
wir sîn vil ungescheiden,	ez entuo dann der tôt.“
der rede neic im Kriemhilt.	des gie ir wærlîche nôt.

dô zôch man dan die mœre.	si wolden varn dan.
dâ wart vil michel	weinen von vriunden getân.
Uote diu vil rîche	und manec schœne meit,
die zeigeten, daz in wære	nâch vroun Kriemhilde leit.

hundert rîcher megede	fuorte si mit ir dan.
die wurden sô gekleidet,	als in wol gezam.
dô vielen in die trehene	von liehten ougen nider.
si gelebte vil der vröuden	ouch bî Etzelen sider.

dô kom der hêrre Gîselhêr	und ouch Gêrnôt
mit ir gesinde,	als in ir zuht gebôt.
dô wolden si beleiten	ir liebe swester dan.
dô fuorten si ir recken	wol tûsent wætlîcher man.

dô kom der snelle	Gêre und ouch Ortwîn.
Rûmolt der kuchenmeister	dâ mite muose sîn.
si schuofen die nahtselde	unz an Tuonouwe stat.
dô reit niht fürbaz Gunthêr,	wan ein lützel für die stat.

ê si von Rîne füeren,	si heten für gesant
ir boten harte snelle	in der Hiunen lant,
die dem künege sageten,	daz im Rüedegêr
ze wîbe hete erworben	die edelen küneginne hêr.

die boten lâzen rîten!	wir suln iu tuon bekant,
wie diu küneginne	füere durch diu lant,
oder wâ von ir schieden	Gîselhêr und Gêrnôt.
si heten ir gedienet,	als in ir triuwe daz gebôt.

unz an die Tuonouwe	ze Vergen si dô riten.
si begunden urloubes	die küneginne bitten,
wan si wider wolden	rîten an den Rîn.
dône mohte ez âne weinen	von guoten vriunden niht gesîn.

Gîselhêr der snelle	sprach zer swester sîn:
„swenne daz dû, vrouwe,	bedurfen wellest mîn,
ob dir iht gewerre,	daz tuo dû mir bekant!
sô rît ich dir ze dieneste	in daz Etzelen lant.“

die ir mâge wâren,	kuste si an den munt.
vil minneclîche scheiden	sach man an der stunt
von Rüedegêres,	des marcgrâven, man.
dô fuorte diu küneginne	vil manege meit wolgetân,

hundert und viere,	die truogen rîchiu kleit
von gemâlet rîchen pfellel.	vil der schilde breit
fuorte man bî den vrouwen	nâhen ûf den wegen.
dô kêrte von ir dannen	vil manec hêrlîcher degen.

si zogeten dannen balde	nider durch Beyerlant.
dô sagte man diu mære,	dâ wæren für gerant
vil unkunder geste,	dâ noch ein klôster stât,
und dâ daz In mit vluzze	in die Tuonouwe gât.

in der stat ze Pazzouwe	saz ein bischof.
die herberge wurden	lære, und ouch des fürsten hof.
si îlten gegen den gesten	ûf in Beyerlant,
dâ der bischof Pilgrîn	die schœnen Kriemhilden vant.

den recken von dem lande	was dô niht ze leit,
dô si ir volgen sâhen	sô manege schœne meit.
dâ trûte man mit ougen	der edelen ritter kint.
guote herberge	gap man den gesten sint.

der bischof mit sîner nifteln	ze Pazzouwe reit.
dô daz den burgæren	von der stat wart geseit,
daz dar kœme Kriemhilt,	des fürsten swester kint,
diu wart wol enpfangen	von den koufliuten sint.

daz si belîben solden,	der bischof hete es wân.
dô sprach der hêrre Eckewart:	„ez ist ungetân.
wir müezen varn nider	in Rüedegêres lant.
uns wartet vil der degene,	wan ez ist in allen wol bekant.“

diu mære nû wol wesse	diu schœne Gotelint.
si bereite sich mit vlîze	unde ir vil edel kint.
ir hete enboten Rüedegêr,	daz in daz dûhte guot,
daz si der küneginne	dâ mite trôste den muot,

daz si ir rite engegene	mit den sînen man
ûf zuo der Ense.	dô daz wart getân,
dô sach man allenthalben	die wege unmüezec stân.
si begunden gegen	den gesten beidiu rîten und gân.

nû was diu küneginne	ze Everdingen komen.
genuoge ûz Beyerlande,	solden si hân genomen
den roub ûf der strazen	nâch ir gewonheit,
sô heten si den gesten	dâ getân vil lîhte leit.

daz was wol understanden	von dem marcgrâven hêr.
er fuorte tûsent ritter	und dannoch mêr.
dô was ouch komen Gotelint,	Rüedegêres wîp.
mit ir kom hêrlîche	vil maneges edelen recken lîp.

dô si über die Trouwen kômen	bî Ense ûf daz velt,
dô sach man ûf gespannen	hütten und gezelt,
dâ die geste solden	die nahtselde hân.
diu koste was den gesten	dâ von Rüedegêr getân.

Gotelint diu schœne	die herberge lie
hinder ir belîben.	ûf den wegen gie
mit klingenden zoumen manec	pfert wolgetân.
der antpfanc wart vil schône.	liep was ez Rüedegêr getân.

die in ze beiden sîten	kômen ûf den wegen,
die riten lobelîche.	der was vil manec degen.
si pflâgen ritterschefte.	daz sach vil manec meit.
ouch was der ritter dienest	niht der küneginne leit.

dô zuo den gesten kômen	die Rüedegêres man,
vil der trunzûne	sach man ze berge gân
von der recken hende	mit ritterlîchen siten.
dâ wart wol ze prîse	vor den vrouwen dô geriten.

daz liezen si belîben.	dô gruozte manec man
vil güetlîche ein ander.	dô fuorten si von dan
die schœnen Gotelinden,	dâ si Kriemhilde sach.
die vrouwen dienen kunden,	die heten kleinen gemach.

der voget von Bechelâren	ze sînem wîbe reit.
der edelen marcgrâvinne	was daz niht ze leit,
daz er sô wol gesunder	was von Rîne komen.
ir was ein teil ir swære	mit grôzen vröuden benomen.

dô si in hete enpfangen,	er hiez si ûf daz gras
erbeizen mit den vrouwen,	swaz ir dâ mit ir was.
dâ wart vil unmüezec	manec edel man.
dâ wart vrouwen dienest	mit grôzem vlîze getân.

dô sach diu vrouwe Kriemhilt	die marcgrâvinne stân
mit ir gesinde.	sine lie niht nâher gân.
daz pfert mit dem zoume	zucken si began
und bat sich snelleclîchen	heben von dem satel dan.

den bischof sach man wîsen	sîner swester kint,
in und Eckewarten,	zuo Gotelinde sint.
dâ wart vil michel	wîchen an der selben stunt.
dô kuste diu ellende	an Gotelinden munt.

dô sprach vil minneclîchen	daz Rüedegêres wîp:
„nû wol mich, liebiu vrouwe,	daz ich iuweren schœnen lîp
hân in disen landen	mit mînen ougen gesehen!
mir enkunde an disen zîten	nimmêr lieber geschehen.“

„nû lôn iu got“, sprach Kriemhilt,	„vil edeliu Gotelint!
sol ich gesunt belîben	und Botelunges kint,
ez mac iu komen ze liebe,	daz ir mich habt gesehen.“
in beiden was unkunde,	daz sider muose geschehen.

mit zühten zuo zein ander	gie vil manec meit.
dô wâren in die recken	mit dieneste vil bereit.
si sâzen nâch dem gruoze	nider ûf den klê.
si gewunnen maneger künde,	die in vil vremede wâren ê.

man hiez den vrouwen schenken.	ez was wol mitter tac.
daz edel ingesinde	dâ niht lenger lac.
si riten, dâ si funden	manege hütten breit.
dâ was den edelen gesten	vil michel dienest bereit.

die naht si heten ruowe	unz an den morgen vruo.
die von Bechelâren	bereiten sich dar zuo,
wie si behalten solden	vil manegen vremden gast.
wol hete gehandelt Rüedegêr,	daz in dâ wênec iht gebrast.

diu venster an den mûren	sach man offen stân.
diu burc ze Bechelâren,	diu was ûf getân.
dô riten dar în die geste,	die man vil gerne sach.
den hiez der wirt vil edele	schaffen guoten gemach.

diu Rüedegêres tohter	mit ir gesinde gie,
dâ si die küneginne	vil minneclîch enpfie.
dâ was ouch ir muoter,	des marcgrâven wîp.
mit liebe wart gegrüezet	vil maneger juncvrouwen lîp.

si viengen sich behanden	und giengen dan
in einen palas wîten,	der was vil wol getân,
dâ diu Tuonouwe	under hin vlôz.
si sâzen gegen dem lufte	unde heten kurzewîle grôz.

wes si dâ mêre pflâgen,	des enkan ich niht gesagen.
daz in sô übele zogete,	daz hôrte man dô klagen
die Kriemhilde recken,	wan ez was in leit.
hey, waz dô guoter degene	mit ir von Bechelâren reit!

vil minneclîchen dienest	Rüedegêr in bôt.
dô gap diu küneginne	zwelf armbouge rôt
der Gotelinde tohter,	und alsô guot gewant,
daz si niht bezzers	brâhte in diz lant.

swie ir genomen wære	der Nibelunge golt,
alle die si gesâhen,	die machete si ir holt
noch mit dem kleinem guote,	daz si dâ mohte hân.
des wirtes ingesinde,	dem wart grôziu gâbe getân.

dâ widerbôt dô êre	diu vrouwe Gotelint
den gesten von dem Rîne	sô güetlîche sint,
daz man der vremden	harte wênec vant,
si trüegen ir gesteine	oder ir vil hêrlîch gewant.

dô si enbizzen wâren,	und daz si solden dan,
von der hûsvrouwen	wart geboten an
getriuwelîcher dienest	daz Etzelen wîp.
dâ wart vil getriutet	der juncvrouwen lîp.

si sprach zer küneginne:	„swenne iuch nû dunket guot,
ich weiz wol, daz ez gerne	mîn lieber vater tuot,
daz er mich zuo ziu sendet	in der Hiunen lant.“
daz si ir getriuwe wære,	vil wol daz Kriemhilt ervant.

diu ross bereitet wâren	und für Bechelâren komen.
dô hete diu edel küneginne	urloup nû genomen
von Rüedegêres wîbe	und der tohter sîn.
dô schiet ouch sich mit gruoze	vil manec schœnez magedîn.

ein ander si vil selten	gesâhen nâch den tagen.
ûzer Medelicke	ûf handen wart getragen
vil manec goltvaz rîche.	dar inne brâhte man wîn
den gesten zuo der strâze.	si muosen willekomen sîn.

ein wirt was dâ gesezzen,	Astolt was der genant.
der wîste si die strâze	in daz Ôsterlant,
gegen Mûtâren	die Tuonouwe nider.
dâ wart vil wol gedienet	der küneginne sider.

der bischof minneclîche	von sîner nifteln schiet.
daz si sich wol gehabte,	wie vaste er ir daz riet,
und daz si ir êre koufte,	als Helche hete getân.
hey, waz si grôzer êren	sît dâ zen Hiunen gewan!

zuo der Treisem brâhte	man die geste dan.
ir pflâgen vlîzeclîche	die Rüedegêres man,
unze daz Hiunen	riten über lant.
dô wart der küneginne	vil michel êre bekant.

bî der Treisem hete	der künec von Hiunen lant
eine burc vil rîche,	diu was vil wol bekant,
geheizen Zeizenmûre.	vrou Helche saz dâ ê
und pflac sô grôzer tugende,	daz wærlîch nimmêr mêr ergê,

ez entæte danne Kriemhilt,	diu alsô kunde geben.
si mohte nâch ir leide	daz liep vil wol geleben,
daz ir ouch jâhen êre	die Etzelen man,
der si sît grôzen vollen	bî den helden gewan.

diu Etzelen hêrschaft	was sô wît erkant,
daz man zallen zîten	in sînem hove vant
die küenesten recken,	von den ie wart vernomen
under kristen und under	heiden. die wâren mit im alle komen.

bî im was zallen zîten,	daz wætlîch mêr ergê,
kristenlîcher orden	und ouch der heiden ê.
in swie getânem leben	sich ietslîcher truoc,
daz schuof des küneges milte,	daz man in allen gap genuoc.

si was ze Zeizenmûre	unz an den vierden tac.
diu molte ûf der strâze	die wîle nie gelac,
sine stübe alsam	ez brünne allenthalben dan.
dâ riten durch Ôsterrîche	des künec Etzelen man.

dô was ouch dem künege	vil rehte nû geseit,
des im von den gedanken	swunden sîniu leit,
wie hêrlîchen Kriemhilt	dâ kœme durch diu lant.
der künec begunde gâhen,	dâ er die wolgetânen vant.

von vil maneger sprâche	sach man ûfe den wegen
vor Etzelen rîten	manegen küenen degen,
von kristen und von heiden	vil manege wîte schar,
dâ si die vrouwen funden.	si kômen hêrlîche dar.

von Riuzen und von Kriechen	reit dâ vil manec man.
den Pœlân und den Walâchen	sach man swinde gân
ir ross diu vil guoten,	dâ si mit krefte riten.
swaz si site heten, der wart vil	wênec vermiten.

von dem lande ze Kiewen	reit dâ vil manec degen,
und die wilden Petschenære.	dâ wart vil gepflegen
mit dem bogen schiezen	zen vogelen, die dâ vlugen.
die pfîle si vil sêre	zuo den wenden vaste zugen.

ein stat bî Tuonouwe	lît in Ôsterlant,
diu ist geheizen Tulne.	dâ wart ir bekant
vil manec site vremede,	den si ê nie gesach.
si enpfiengen dâ genuoge,	den sît leit von ir geschach.

vor Etzelen, dem künege,	ein ingesinde reit,
vrô und vil rîche,	hövesch und gemeit:
wol vier und zweinzec	fürsten, tiuwer und hêr.
daz si ir vrouwen sæhen,	dâ von engerten si niht mêr.

der herzoge Râmunc	ûzer Walâchen lant,
mit siben hundert mannen	kom er für si gerant.
sam vliegende vogele	sach man si varn.
dô kom der fürste Gibeche	mit vil hêrlîchen scharn.

Hornboge der snelle	wol mit tûsent man
kêrte von dem künege	gegen sîner vrouwen dan.
vil lûte wart geschallet	nâch des landes siten.
von der Hiunen mâgen	wart ouch dâ sêre geriten.

dô kom von Tenemarken	der küene Hâwart
und Îrinc der vil snelle,	vor valsche wol bewart,
und Irnvrit von Düringen,	ein wætlîcher man.
si enpfiengen Kriemhilde,	daz sis êre muosen hân,

mit zwelf hundert mannen,	die fuortens in ir schar.
dô kom der hêrre Blœdelîn	mit drîn tûsent dar,
der Etzelen bruoder	ûzer Hiunen lant.
der kom vil hêrlîche,	dâ er die küneginne vant.

dô kom der künec Etzel	und ouch hêr Dieterîch
mit allen sînen gesellen.	dâ was vil lobelîch
manec ritter edele,	biderbe und guot.
des wart dô vroun Kriemhilde	vil wol gehœhet der muot.

dô sprach zer küneginne	der hêrre Rüedegêr:
„vrouwe, ich wil enpfâhen	hie den künec hêr.
swen ich iuch heize küssen,	daz sol sîn getân.
jâne muget ir niht gelîche	grüezen alle Etzelen man!“

dô huop man von dem mœre	die küneginne hêr.
Etzel der vil rîche	enbeite dô niht mêr,
er stuont von sînem rosse	mit manegem küenem man.
man sach in vrœlîche	gegen Kriemhilde gân.

zwêne fürsten rîche,	als uns daz ist geseit,
bî der vrouwen gânde,	truogen ir diu kleit,
dâ ir der künec Etzel	hin engegen gie,
dâ si den fürsten edele	mit kusse güetelîch enpfie.

ûf ructe si ir gebende.	ir varwe wolgetân,
diu lûhte ir ûz dem golde.	dâ was vil manec man,
die jâhen, daz vrou Helche	niht schœner kunde sîn.
dâ bî sô stuont vil nâhen	des küneges bruoder Blœdelîn.

den hiez si küssen Rüedegêr,	der marcgrâve rîch,
und den künec Gibechen.	dâ stuont ouch Dieterîch.
der recken kuste zwelve	daz Etzelen wîp.
dô enpfie si sus mit gruoze	vil maneges ritters lîp.

al die wîle und Etzel	bî Kriemhilde stuont,
dô tâten dô die tumben,	als noch die liute tuont.
vil manegen puneiz rîchen	sach man dâ geriten.
daz tâten kristen helde	und ouch die heiden nâch ir siten.

wie rehte ritterlîche	die Dieterîches man
die schefte liezen vliegen	mit trunzûnen dan,
hôhe über die schilde	guoter ritter hant!
von den tiuschen gesten	wart dürkel manec schildes rant.

dâ wart von schefte brechen	vil michel dôz vernomen.
dô wâren von dem lande	die recken alle komen
und ouch des küneges geste,	vil manec edel man.
dô gie der künec rîche	mit vroun Kriemhilde dan.

si sâhen bî in stênde	ein vil hêrlîch gezelt.
von hütten was erfüllet	alumbe daz velt,
dâ si solden ruowen	nâch ir arbeit.
von helden wart gewîset	dar under manec schœniu meit

mit der küneginne,	dâ si sît gesaz
ûf rîch stuolgewæte.	der marcgrâve daz
hete wol geschaffen,	daz man ez vant vil guot,
daz gesidele Kriemhilde.	des vröute sich Etzelen muot.

waz dô redete Etzel,	daz ist mir unbekant.
in der sînen zeswen	lac ir wîziu hant.
si gesâzen minneclîche,	dâ Rüedegêr der degen
den künec niht wolde	lâzen Kriemhilde heinlîche pflegen.

dô hiez man lân belîben	den bûhurt über al.
mit êren wart verendet	dâ der grôze schal.
dô giengen zuo den hütten	die Etzelen man.
man gap in herberge	vil wîte allenthalben dan.

der tac der hete nû ende.	si schuofen ir gemach,
unz man den liehten morgen	aber schînen sach.
dô was zuo den rossen	komen manec man.
hey, waz man kurzewîle	dem künege ze êren began!

der künec ez nâch den êren	die Hiunen schaffen bat.
dô riten si von Tulne	ze Wiene zuo der stat.
dâ funden si gezieret	vil maneger vrouwen lîp.
si enpfiengen wol mit êren	des künec Etzelen wîp.

mit harte grôzem vollen	sô was in bereit,
swaz si haben solden.	vil manec helt gemeit
sich vröute gegen dem schalle.	herbergen man began.
des küneges hôchgezîte,	diu huop sich vrœlîchen an.

sine mohten niht geherbergen	alle in der stat.
die niht geste wâren,	Rüedegêr die bat,
daz si herberge	næmen in daz lant.
ich wæne, man alle zîte	bî Kriemhilde vant

den hêrren Dieterîchen	und andern manegen degen.
si heten sich der ruowe	mit arbeit bewegen,
durch daz si den gesten	trôsten wol den muot.
hêr Rüedegêr und sîne	vriunde heten kurzewîle guot.

diu hôchzît was gevallen	an einen pfinxtac,
dâ der künec Etzel	bî Kriemhilde lac
in der stat ze Wiene.	si wæn sô manegen man
bî ir êrsten manne	nie ze dienste gewan.

si kunte sich mit gâbe	dem, der si nie gesach.
vil maneger dar under	zuo den gesten sprach:
„wir wânden, daz vrou Kriemhilt	guotes niht möhte hân.
nû ist hie mit ir gâbe	vil manec wunder getân!“

diu hôchzît, diu werte	sibenzehen tage.
ich wæne, man von deheinem	künege mêre sage,
des hôchzît grôzer wære.	daz ist uns gar verdeit.
alle die dâ wâren,	die truogen iteniuwe kleit.

si wæn in Niderlande	dâ vor niene gesaz
mit sô manegem recken.	dâ bî sô geloube ich daz,
was Sîvrit rîch des guotes,	daz er nie gewan
sô manegen recken edele,	sô si sach vor Etzelen stân.

ouch gap nie deheiner	zuo sîn selbes hôchgezît
sô manegen rîchen	mantel tief und wît,
noch sô guoter kleider,	der si mohten vil hân,
sô si durch Kriemhilde	heten alle getân.

ir vriunde und ouch die geste,	die heten einen muot,
daz si dâ niht ensparten	deheiner slahte guot.
swes iemen an si gerte,	daz gâben si bereit.
des gestuont dâ vil der degene	von milte blôz âne kleit.

wie si ze Rîne sæze,	si gedâhte ane daz,
bî ir edelen manne,	ir ougen wurden naz.
si hete es vaste hæle,	deiz iemen kunde sehen.
ir was nâch manegem leide	sô vil der êren geschehen.

swaz iemen tet mit milte,	daz was gar ein wint,
unz an Dieterîchen.	swaz Botelunges kint
im gegeben hete,	daz was nû gar verswant.
ouch begie dâ michel wunder	des milten Rüedegêres hant.

ûzer Ungerlande	der fürste Blœdelîn,
der hiez dâ lære machen	vil manec leitschrîn
von silber und von golde,	daz wart dâ hin gegeben.
man gesach des küneges helde	sô rehte vrœlîche leben.

Werbel und Swemmelîn,	des küneges spilman,
ich wæne, ir ieslîcher	zer hôchgezît gewan
wol ze tûsent marken	oder dannoch baz,
dâ diu schœne Kriemhilt	bî Etzel under krône saz.

an dem ahzentem morgen	von Wiene si dô riten.
dâ wart in ritterschefte	schilde vil versniten
von spern, die dâ fuorten	die recken an der hant.
sus kom der künec Etzel	unz in daz hiunische lant.

ze Heimburc der alten	si wâren über naht.
dône kunde niemen	wizzen wol des volkes aht,
mit wie getâner krefte	si riten über lant.
hey, waz man schœner vrouwen	in sîner heinmüete vant!

ze Mîsenburc der rîchen,	dâ schifften si sich an.
daz wazzer wart verdecket	von ross und ouch von man,
alsam ez erde wære,	swaz man sîn vliezen sach.
die wegemüeden vrouwen,	die heten senfte und ouch gemach.

ze samene was geslozzen	manec schif vil guot,
daz im niht enschadete	die ünde noch diu vluot.
dar über was gespannen	manec guot gezelt,
sam ob si noch heten	beidiu lant unde velt.

dô kômen disiu mære	ze Etzelnburc von dan.
dô vröuten sich dar inne	wîp unde man.
daz Etzelen ingesinde,	des ê diu vrouwe pflac,
gelebten sît bî Kriemhilde	vil manegen vrœlîchen tac.

dô stuonden dâ wartende	vil manec edel meit,
die von Helchen tôde	heten manegiu leit.
siben künege töhter	Kriemhilt noch dâ vant,
von den was gezieret	wol allez Etzelen lant.

diu juncvrouwe Herrât	noch des gesindes pflac,
diu Helchen swester tohter,	an der vil tugende lac,
diu gemahele Dieterîches,	eins edelen küneges kint,
diu tohter Nentwînes.	diu hete vil der êren sint.

gegen der geste künfte	vröute sich ir muot.
ouch was dar zuo bereitet	vil kreftigez guot.
wer kunde iu daz bescheiden,	wie sît der künec saz?
si gelebten dâ zen Hiunen	nie mit der küneginne baz.

dô der künec mit sînem wîbe	von dem stade reit,
wer ieslîchiu wære,	daz wart dô wol geseit.
die edelen Kriemhilde,	si gruoztens deste baz.
hey, wie gewalteclîche	si sît an Helchen stat gesaz!

getriuwelîcher dienste	wart ir vil bekant.
dô teilte diu küneginne	golt und gewant,
silber und gesteine.	swaz die des über Rîn
mit ir zen Hiunen brâhte,	daz muose gar zergeben sîn.

ouch wurden ir mit dieneste	sider undertân
alle des küneges	mâge und alle sîne man,
daz diu vrouwe Helche	sô gewalteclîch gebôt,
sô si nû muosen dienen	unz an den Kriemhilde tôt.

dô stuont mit sölchen êren	der hof und ouch daz lant,
daz man dâ zallen zîten	die kurzewîle vant,
swar nâch ieslîchem	daz herze truoc den muot,
durch des küneges liebe	und die küneginne guot.

mit vil grôzen êren,	daz ist al wâr,
wonten si mit ein ander	unz an daz sibende jâr.
die zît diu küneginne	eines suns was genesen.
des kunde der künec Etzel	nimmêr vrœlîcher wesen.

sine wolde niht erwinden,	sine würbe sint,
daz getoufet würde	daz Etzelen kint
nâch kristenlîchem rehte.	ez wart Ortliep genant.
des wart vil michel vröude	über elliu Etzelen lant.

swaz ie guoter tugende	an vroun Helchen lac,
der vleiz sich nû vrou Kriemhilt	dar nâch vil manegen tac.
die site si lêrte Herrât,	diu ellende meit.
diu hete tougenlîche	nâch Helchen grôziu leit.

den vremden und den kunden	was si vil wol bekant.
die jâhen, daz nie vrouwe	besæze ein küneges lant
bezzer unde milter.	daz heten si für wâr.
daz lop si truoc zen Hiunen	unz an daz drîzehende jâr.

nû hete si wol erkunnen,	daz ir niemen widerstuont,
alsô noch fürsten wîbe	küneges recken tuont,
und daz si alle zîte	zwelf künege vor ir sach.
si gedâhte ouch maneger leide,	der ir dâ heime geschach.

si gedâhte ouch maneger	êren von Nibelunge lant,
der si dâ was gewaltec,	und die ir Hagenen hant
mit Sîvrides tôde	hete gar benomen,
ob im daz noch immer	von ir ze leide möhte komen:

„daz geschæhe, ob ich in	möhte bringen in daz lant!“
ir troumte, daz ir gienge	vil dicke an der hant
Gîselhêr, ir bruoder.	si kuste in zaller stunt
vil ofte in senftem slâfe.	sît wart in arbeiten kunt.

ich wæne, der übel vâlant	Kriemhilde daz geriet,
daz si sich mit vriuntschefte	von Gîselhêre schiet,
den si durch suone kuste	in Burgonden lant.
dô begunde ir aber salwen	von heizen trehen ir gewant.

ez lac ir an dem herzen	spâte und vruo,
wie man si âne schulde	bræhte dar zuo,
daz si müese minnen einen	heidenischen man.
die nôt, die hete ir Hagene	und Gunthêr getân.

des willen in ir herzen	kom si vil selten abe.
si gedâhte: „ich bin sô	rîche und hân sô grôze habe,
daz ich mînen vîanden	gefüege noch ein leit.
des wære êt ich von Tronege	Hagenen gerne bereit.

nâch den getriuwen jâmert	dicke daz herze mîn.
die mir dâ leide tâten,	möhte ich bî den sîn,
sô würde wol errochen	mînes vriundes lîp,
des ich kûme erbeite“,	sprach daz Etzelen wîp.

ze liebe si dô heten	alle sküneges man,
die Kriemhilde recken.	daz was vil wol getân.
der kamern, der pflac Eckewart.	dâ von er vriunt gewan.
den Kriemhilde willen kunde	niemen understân.

si dâhte zallen zîten:	„ich wil den künec bitten“,
daz er ir des gunde	mit güetlîchen siten,
daz man ir vriunde bræhte	in der Hiunen lant.
den argen willen niemen	an der küneginne ervant.

dô si eines nahtes	bî dem künege lac,
mit armen umbvangen hete	er si, als er pflac
die edelen vrouwen triuten,	si was im alsô sîn lîp,
dô gedâhte ir vîande	daz vil hêrlîche wîp.

si sprach zuo dem künege:	„vil lieber hêrre mîn,
ich wolde iuch bitten gerne,	möhte ez mit hulden sîn,
daz ir mich liezet sehen,	ob ich daz hete versolt,
ob ir den mînen vriunden	wæret inneclîchen holt.“

dô sprach der künec rîche,	getriuwe was sîn muot:
„ich bringe iuch des wol innen,	swâ liep und guot
den recken widerfüere,	des müese ich vröude hân,
wande ich von wîbes minne	nie bezzer vriunde gewan.“

dô sprach diu küneginne:	„iu ist daz wol geseit,
ich hân vil hôher mâge.	dar umbe ist mir sô leit,
daz mich die sô selten	ruochent hie gesehen.
ich hœre mîn die liute	niuwan für ellende jehen.“

dô sprach der künec Etzel:	„vil liebiu vrouwe mîn,
dûhte ez si niht ze verre,	sô lüede ich über Rîn,
swelche ir dâ gerne	sæhet, her in mîniu lant.“
des vröute sich diu vrouwe,	dô si den willen sîn ervant.

si sprach: „welt ir mir triuwe	leisten, hêrre mîn,
sô sult ir boten senden	ze Wormez über Rîn.
sô enbiut ich mînen vriunden,	des ich dâ habe muot.
sô kumt uns her ze lande	vil manec edel ritter guot.“

er sprach: „swenne ir gebietet,	sô lâzet ez geschehen!
iren kundet iuwer vriunde	sô gerne niht gesehen,
als ich si gesæhe,	der edelen Uoten kint.
mich müet daz harte sêre,	daz si uns sô lange vremde sint.

ob ez dir wol gevalle,	vil liebiu vrouwe mîn,
sô wolde ich gerne senden	nâch den vriunden dîn
die mînen videlære	in Burgonden lant.“
die guoten videlære	hiez er bringen sâ zehant.

si îlten harte balde,	dâ der künec saz
bî der küneginne.	er sagete in beiden daz,
si solden boten werden	in Burgonden lant.
dô hiez er in bereiten	harte hêrlîch gewant.

vier und zweinzec recken	bereite man diu kleit.
ouch wart in von dem künege	diu boteschaft geseit,
wie si dar laden solden	Gunthêr und sîne man.
Kriemhilt diu vrouwe	si sunder sprechen began.

dô sprach der künec rîche:	„ich sage iu, wie ir tuot:
ich enbiute mînen vriunden	liep unde allez guot,
daz si geruochen rîten	her in mîniu lant.
ich hân sô lieber geste	harte wênec noch bekant.

unde ob si mînes willen	wellen iht begân,
die Kriemhilde mâge, daz si des	niht enlân,
sine kœmen an disem sumere	zuo mîner hôchgezît,
wand vil der mînen wunne	an mînen konemâgen lît.“

dô sprach der videlære,	der stolze Swemmelîn:
„wenne sol iuwer hôchzît	in disen landen sîn,
daz wir daz iuren vriunden	kunnen dort gesagen?“
dô sprach der künec Etzel:	„ze næhesten sunewenden tagen!“

„wir tuon, swaz ir gebietet“,	sprach dô Werbelîn.
in ir kemenâten	bat si diu künegîn
bringen tougenlîche,	dâ si die boten sprach.
dâ von vil manegem degene	sît wênec liebes geschach.

si sprach zen boten beiden:	„nû dienet michel guot,
daz ir mînen willen	vil güetlîchen tuot,
und saget, swaz ich enbiete,	heim in unser lant!
ich mache iuch guotes rîche	und gip iu hêrlîch gewant.

unde swaz ir mîner vriunde	immer müget gesehen
ze Wormez bî dem Rîne,	den sult ir niht verjehen,
daz ir noch nie gesæhet	betrüebet mînen muot,
und saget mînen dienest	den helden küene unde guot.

bittet, daz si leisten,	daz in Rüedegêr enbôt,
und mich dâ mite scheiden	von aller mîner nôt!
die Hiunen wellent wænen,	deich âne vriunde sî.
ob ich ein ritter wære,	ich kœme in etwenne bî.

unde sagt ouch Gêrnôt,	dem edelen bruoder mîn,
daz im zer werlde holder	niemen müge sîn.
bittet, daz er mir	bringe in diz lant
unser besten vriunde,	deiz uns zen êren sî gewant.

sô sagt ouch Gîselhêr,	daz er wol gedenke dar an,
daz ich von sînen schulden	nie leides niht gewan.
des sæhen in vil gerne	hie diu ougen mîn.
ich hete in hie vil gerne	durch die grôzen triuwe sîn.

saget ouch mîner muoter	die êre, die ich hân,
und ob von Tronege Hagene	welle dort bestân,
wer si danne solde	wîsen durch diu lant?
dem sint die wege von kinde	her zen Hiunen wol bekant.“

die boten niene westen,	wâ von daz was getân,
daz si von Tronege Hagenen	niht solden lân
belîben bî dem Rîne.	ez wart in sider leit.
mit im was manegem degene	ze grimmem tôde widerseit.

brieve unde botschaft	was in nû gegeben.
si fuoren guotes rîche	und mohten schône leben.
urloup gap in Etzel	und ouch sîn schœne wîp.
in was von guoter wæte	wol gezieret der lîp.

dô Etzel zuo dem Rîne	sîne boten sande,
dô vlugen disiu mære	von lande ze lande.
mit boten harte snellen	er bat und ouch gebôt
zuo sîner hôchgezîte.	des holte maneger dâ den tôt.

die boten dannen fuoren	ûzer Hiunen lant
zuo den Burgonden.	dar wâren si gesant
nâch drîn edelen künegen	und ouch nâch ir man,
si solden komen Etzele.	des man dô gâhen began.

hin ze Bechelâren	kômen si geriten.
dâ diente man in gerne.	daz enwart dâ niht vermiten.
Rüedegêr sînen dienest	enbôt und Gotelint
bî in hin ze Rîne,	und ouch ir beider liebez kint.

sine liezens âne	gâbe von in niht scheiden dan,
daz deste baz gefüeren	die Etzelen man.
Uoten und ir kinden	enbôt dô Rüedegêr,
sine heten in sô	wæge deheinen marcgrâven mêr.

si enbuten ouch Prünhilde	dienest und guot,
stæteclîche triuwe	und willigen muot.
dô si die rede vernâmen,	die boten wolden varn.
si bat diu marcgravinne	got von himele bewarn.

ê daz die boten kômen	wol durch Beyerlant,
Werbel der vil snelle	den guoten bischof vant.
waz der dô sînen vriunden	hin ze Rîne enbôt,
daz ist mir niht gewizzen,	niuwan sîn golt alsô rôt

gap er den boten ze minne.	rîten er si lie.
dô sprach der bischof Pilgrîn:	„unde solde ich si sehen hie,
mir wære wol ze muote,	die swester süne mîn,
wand ich mac vil selten	zuo zin komen an den Rîn.“

welche wege si füeren	ze Rîne durch diu lant,
des kan ich niht bescheiden.	ir silber und gewant,
daz nam in niemen:	man vorhte ir hêrren zorn.
jâ was gewaltec der edele	künec wol geborn.

inner tagen zwelven	kômens an den Rîn,
ze Wormez zuo dem lande,	Werbel und Swemmelîn.
dô sagte man diu mære	den künegen und ir man,
dâ kômen boten vremde.	Gunthêr dô vrâgen began.

dô sprach der vogt von Rîne:	„wer tuot uns daz bekant,
von wannen dise vremden	riten in daz lant?“
daz enwesse niemen,	unze daz si sach
Hagene von Tronege	dô ze Gunthêren sprach:

„uns koment niuwiu mære,	des wil ich iu verjehen.
die Etzelen videlære,	die hân ich hie gesehen.
si hât iuwer swester	gesendet an den Rîn.
si süln uns durch ir hêrren	grôze willekomen sîn!“

si riten al bereite	für den palas dan.
ez gefuoren nie hêrlîcher	fürsten spileman.
des küneges ingesinde	enpfienc si sâ zehant.
man gap in schœn herberge,	und hiez behalten ir gewant.

ir reisekleider wâren	rîch und sô wol getân,
jâ mohten si mit êren	für den künec gân.
der enwolden si niht	mêre dâ ze hove tragen.
ob ir iemen ruochte,	die boten hiezen ez dâ sagen.

in der selben mâze	man ouch liute vant,
die ez vil gerne nâmen.	den wart ez gesant.
dô leiten an die geste	verre bezzer wât,
als ez boten küneges	ze tragen hêrlîche stât.

dô gie mit urloube	dâ der künec saz
daz Etzelen gesinde.	gerne sach man daz.
Hagene züchteclîche	gegen den boten spranc
und enpfie si minneclîche.	des sageten im die knappen danc.

durch diu kunden mære	vrâgen er began,
wie sich Etzel gehabte	und sîne man.
dô sprach der videlære:	„daz lant gestuont nie baz,
noch sô vrô die liute.	nû wizzet endeclîche daz.“

si giengen zuo dem wirte.	der palas, der was vol.
dô enpfie man die geste,	sô man von rehte sol
güetlîchen grüezen	in ander künege lant.
Werbel vil der recken	dâ bî Gunthêren vant.

der künec gezogenlîche	grüezen si began:
„sît willekomen ir beide,	ir Hiunen spilman,
und iuwer hergesellen!	hât iuch her gesant
Etzel der vil rîche	zuo der Burgonden lant?“

si nigen dem künege.	dô sprach Werbelîn:
„dir enbiutet holden dienest	der liebe hêrre mîn
und Kriemhilt, dîn swester,	her in ditze lant.
si habent uns iu recken	ûf guote triuwe gesant.“

dô sprach der künec rîche:	„der mære bin ich vrô.
wie gehabt sich Etzel“,	sô vrâgte der degen dô,
„und Kriemhilt, mîn swester,	ûzer Hiunen lant?“
dô sprach der videlære:	„diu mære tuon ich iu bekant,

daz sich noch nie gehabten	deheine liute baz,
danne si sich gehabent	beide, wizzet daz,
und allez ir gedigene,	die mâge und ouch ir man.
si vröuten sich der verte,	dô wir schieden von dan.“

„genâde sîner dieneste,	die er mir enboten hât,
und mîner swester,	sît ez alsô stât,
daz si lebent mit vröuden,	der künec und sîne man,
wand ich doch der mære	gevrâget sorgende hân!“

die zwêne junge künege,	die wâren ouch nû komen.
si heten disiu mære	alrêrst dô vernomen.
durch sîner swester liebe	die boten gerne sach
Gîselhêr der junge	zuo zin minneclîchen sprach:

„ir boten soldet uns grôze	willekome sîn!
ob ir dicker woldet	her rîten an den Rîn,
ir fündet hie die vriunde,	die ir gerne möhtet sehen.
iu solde hie ze lande	vil wênec leides geschehen.“

„wir trûwen iu aller êren“,	sprach dô Swemmelîn,
„ine kunde iu niht bediuten	mit den sinnen mîn,
wie rehte minneclîchen	iu Etzel enboten hât
und iuwer edel swester,	der dinc in hôhen êren stât.

genâde unde triuwe	mant iuch des küneges wîp,
und daz ir ie was wæge	iuwer herze und iuwer lîp,
und ze vorderste dem künege	sîn wir her gesant,
daz ir geruochet rîten	in daz Etzelen lant.

daz wir iuch des bæten,	vil vaste uns daz gebôt
Etzel der rîche iu allen	daz enbôt:
ob ir iuch iuwer swester	niht sehen woldet lân,
sô wolde er doch gerne	wizzen, waz er iu hete getân,

daz ir in alsô vremdet	und ouch sîniu lant.
ob iu diu küneginne	wære nie bekant,
sô möhte er doch verdienen,	daz ir in ruochet sehen!
swenne daz ergienge,	sô wære im liebe geschehen.“

dô sprach der künec Gunthêr:	„über dise siben naht,
sô künd ich diu mære,	wes ich mich hân bedâht
mit den mînen vriunden.	die wîle sult ir gân
in iuwer herberge	und sult vil guote ruowe hân.“

dô sprach aber Werbelîn:	„und möhte daz geschehen,
daz wir mîne vrouwen	kunden ê gesehen,
Uoten die vil rîchen,	ê wir schüefen uns gemach?“
Gîselhêr der edele	dô vil zühteclîchen sprach:

„daz sol iu niemen wenden,	welt ir für si gân.
ir habt mîner muoter	willen gar getân,
wand si sihet iuch gerne	durch die swester mîn,
vroun Kriemhilden.	ir sult ir willekomen sîn!“

Gîselhêr si brâhte,	dâ er die vrouwen vant.
die boten sach si gerne	von der Hiunen lant.
si gruozte si minneclîche	durch ir tugende muot.
dô sagten ir diu mære	die boten hövesch unde guot.

„jâ enbiutet iu mîn vrouwe“,	sô sprach Swemmelîn,
„dienest unde triuwe!	möhte daz gesîn,
daz si iuch dicke sæhe,	ir sult gelouben daz,
sô wære ir in der werlde	mit deheinen vröuden baz.“

dô sprach diu küneginne:	„des enmac niht gesîn.
swie gerne ich dicke sæhe	die lieben tohter mîn,
sô ist mir leider ze verre	des edelen küneges wîp.
nû sî immer sælec	ir und Etzelen lîp!

ir sult mich lâzen wizzen,	ê ir ez gerûmet hie,
wenne ir wider wellet.	ine gesach sô gerne nie
boten in langen zîten,	denne ich iuch hân gesehen.“
die knappen ir dô lobten,	daz si daz liezen geschehen.

zen herbergen fuoren	die von Hiunen lant.
dô hete der künec rîche	nâch vriunden sîn gesant.
Gunthêr der edele	vrâgte sîne man,
wie in diu rede geviele.	vil maneger dô sprechen began.

daz er wol möhte rîten	in Etzelen lant,
daz rieten im die besten,	die er dâ under vant,
âne Hagenen eine.	dem was ez grimme leit.
er sprach zem künege tougen:	„ir habt iu selben widerseit.

nû ist iu doch gewizzen,	waz wir haben getân!
wir mügen immer sorge	zuo Kriemhilde hân,
wand ich sluoc ze tôde	ir man mit mîner hant.
wie getorste wir rîten	in daz Etzelen lant?“

dô sprach der künec rîche:	„mîn swester lie den zorn
mit kusse minneclîche.	si hât ûf uns verkorn,
daz wir ir ie getâten,	ê si von hinnen reit,
ez ensî êt Hagene,	danne iu einem widerseit.“

„nû lât iuch niht betriegen“,	sprach Hagene, „swes si jehen,
die boten von den Hiunen.	welt ir Kriemhilde sehen,
ir müget dâ verliesen	die êre und ouch den lîp.
jâ ist vil lancræche	des künec Etzelen wîp!“

dô sprach zuo dem râte	der fürste Gêrnôt:
„sît ir von schulden	fürhtet dâ den tôt
in hiunischen rîchen,	solde wirz dar umbe lân,
wir ensæhen unser swester,	daz wære vil übele getân.“

dô sprach der fürste Gîselhêr	zuo dem degene:
„sît ir iuch schuldec wizzet,	vriunt Hagene,
sô sult ir hie belîben	und iuch wol bewarn,
und lâzet, die getürren,	zuo mîner swester mit uns varn.“

dô begunde zürnen	von Tronege der degen:
„ine wil, daz ir iemen	füeret ûf den wegen,
der getürre rîten	mit iu ze hove baz.
sît ir niht welt erwinden,	ich sol iu wol erzeigen daz.“

dô sprach der kuchenmeister,	Rûmolt der degen:
„der vremden und der kunden	möhtet ir wol heizen pflegen
nâch iuwer selbes willen,	wand ir habet vollen rât.
ich wæne niht, daz Hagene	iuch noch vergîselt hât.

welt ir niht volgen Hagene,	iu rætet Rûmolt,
wand ich iu bin mit triuwen	vil dienestlîchen holt,
daz ir sult hie belîben	durch den willen mîn,
unde lât den künec Etzel	dort bî Kriemhilde sîn.

wie kunde iu in der werlde	immer sanfter wesen?
ir müget vor iuwern vîanden	harte wol genesen.
ir sult mit guoten kleidern	zieren wol den lîp.
trinket wîn den besten	und minnet wætlîchiu wîp!

dar zuo gît man iu spîse,	die besten, die ê gewan
in der werlt künec deheiner.	ob des niht möhte ergân,
ir soldet noch belîben	durch iuwer schœne wîp,
ê ir sô kintlîche	soldet wâgen den lîp.

des rât ich belîben.	rîch sint iuwer lant.
man mac iu baz erlœsen	hie heime diu pfant
danne dâ zen Hiunen.	wer weiz, wie ez dâ gestât?
ir sult belîben, hêrren!	daz ist der Rûmoldes rât.“

„wir wellen niht belîben“,	sprach dô Gêrnôt,
„sît daz uns mîn swester	sô minneclîch enbôt
und Etzel der rîche.	zwiu solde wir daz lân?
der dar niht gerne welle,	der mac hie heime bestân.“

des antwurte Hagene:	„lât iuch unbilden niht
mîne rede dar umbe.	swie halt iu geschiht,
ich rât iu an den triuwen:	welt ir iuch bewarn,
sô sult ir zuo den Hiunen	vil gewerlîche varn.

sît ir niht welt erwinden,	sô besendet iuwer man,
die besten, die ir vindet	oder iender müget hân.
sô wel ich ûz in allen	tûsent ritter guot.
sône mac iu niht gewerren	der argen Kriemhilde muot.“

„des wil ich gerne volgen“,	sprach der künec zehant.
dô hiez er boten rîten	wîten in sîniu lant.
dô brâhte man der helde	driu tûsent oder mêr.
sine wânden niht ze	erwerben alsô grœzlîchiu sêr.

si riten vrœlîche	in Gunthêres lant.
man hiez in allen geben	ross und ouch gewant,
die dâ varn solden	von Burgonden dan.
der künec mit guotem willen	der vil manegen gewan.

dô hiez von Tronege Hagene	Dancwart, den bruoder sîn,
ir beider recken ahzec	füeren an den Rîn.
die kômen ritterlîche.	harnasch und gewant
fuorten die vil snellen	in daz Gunthêres lant.

dô kom der küene Volkêr,	ein edel spilman,
zuo der hovereise	mit drîzec sîner man.
die heten sölch gewæte,	ez möhte ein künec tragen.
daz er zen Hiunen wolde,	daz hiez er Gunthêre sagen.

wer der Volkêr wære,	daz wil ich iuch wizzen lân:
er was ein edel hêrre.	im was ouch undertân
vil der guoten recken	in Burgonden lant.
durch daz er videlen kunde,	dô was er der spilman genant.

Hagene welte tûsent.	die hete er wol bekant,
und swaz in starken strîten	gevrümt hete ir hant,
oder swaz si ie begiengen,	des hete er vil gesehen.
den kunde anders niemen	niuwan vrümekeite jehen.

die boten Kriemhilde	vil sêre dâ verdrôz,
wande ir vorhte zir hêrren,	diu was harte grôz.
si gerten tegelîche	urloubes von dan.
des engunde in niht Hagene.	daz was durch liste getân.

er sprach zuo sînem hêrren:	„wir süln daz bewarn,
daz wir si lâzen rîten,	ê daz wir selbe varn
dar nâch in siben tagen	in Etzelen lant.
treit uns iemen argen willen,	deist uns deste baz bekant.

sône mac ouch sich vrou Kriemhilt	bereiten niht dar zuo,
daz uns durch ir râte	iemen schaden tuo.
hât aber si den willen,	ez mac ir leide ergân.
wir füeren mit uns hinnen	sô manegen ûz erwelten man.“

schilde und setele	und allez ir gewant,
daz si füeren wolden	in Etzelen lant,
daz was bereitet nû gar vil	manegem küenem man.
die boten Kriemhilde	hiez man für Gunthêren gân.

dô die boten kômen,	dô sprach Gêrnôt:
„der künec wil gevolgen,	des uns Etzel her enbôt.
wir wellen komen gerne	ze sîner hôchgezît
und sehen unser swester,	daz ir des âne zwîvel sît.“

dô sprach der künec Gunthêr:	„künnet ir uns gesagen,
wenne sî diu hôchzît,	oder in welchen tagen
wir dar komen solden?“	dô sprach Swemmelîn:
„zen næhesten sunewenden	sol si wærlîche sîn.“

der künec in erloubte,	des was noch niht geschehen,
ob si wolden gerne	vroun Prünhilde sehen,
daz si für si solden	mit sînem willen gân.
daz understuont dô Volkêr.	daz was ir liebe getân.

„jâne ist mîn vrouwe Prünhilt	nû niht sô wol gemuot,
daz ir si müget schouwen!“	sprach der ritter guot.
„bîtet unz morgen,	sô lât mans iuch sehen.“
dô si si wânden schouwen,	dône kunde es niht geschehen.

dô hiez der fürste rîche,	er was den boten holt,
durch sîne selbes tugende	tragen dar sîn golt
ûfe den breiten schilden,	der mohte er vile hân.
ouch wart in rîchiu gâbe	von sînen vriunden getân.

Gîselhêr und Gêrnôt,	Gêre und Ortwîn,
daz si ouch milte wâren,	daz tâten si wol schîn.
alsô rîche gâbe	buten si die boten an,
daz si si vor ir hêrren	niht getorsten enpfân.

dô sprach zuo dem künege	der bote Werbelîn:
„hêr künec, lât iuwer	gâbe hie ze lande sîn!
wir mügen ir doch niht füeren.	mîn hêrre ez uns verbôt,
daz wir iht gâbe næmen.	ouch ist es harte lützel nôt.“

dô wart der vogt von Rîne	dâ von vil ungemuot,
daz si versprechen wolden	sô rîches küneges guot.
doch muosen si enpfâhen	sîn golt und sîn gewant,
daz si mit in fuorten	sît in Etzelen lant.

si wolden sehen Uoten,	ê si schieden dan.
Gîselhêr der snelle,	der brâhte die spileman
für sîne muoter Uoten.	diu vrouwe enbôt von dan,
swaz si êren hete,	daz wære ir liebe getân.

dô hiez diu küneginne	ir porten und ir golt
geben durch Kriemhilde,	wand der was si holt,
und durch den künec Etzel,	den selben spileman.
si mohtenz gerne enpfâhen:	ez was mit triuwen getân.

urloup genomen heten	die boten nû von dan
von wîben und von mannen.	vrœlîch si dô dan
fuoren în ze Swâben.	dar hiez si Gêrnôt
sîne helde leiten,	daz ez in niemen missebôt.

dô sich die von in schieden,	die ir solden pflegen,
hêrschaft diu Etzelen	vridete ûf allen wegen.
des ennam in niemen	ross noch ir gewant.
si îlten harte balde	in daz Etzelen lant.

swâ si der vriunde iht wessen,	daz tâten si den kunt,
daz die Burgonden	in vil kurzer stunt
kœmen her von Rîne	in der Hiunen lant.
dem bischofe Pilgrîne	wart ouch daz mære bekant.

dâ si für Bechelâren	die strâze nider riten,
man sagete ez Rüedegêr,	daz enwart niht vermiten,
unde Gotelinde,	des marcgrâven wîp.
daz si si sehen solde,	des wart vil vrœlîch ir lîp.

gâhen mit den mæren	sach man die spilman.
Etzelen si funden	in der stat ze Gran.
dienest über dienest,	der man im vil enbôt,
sageten si dem künege.	vor liebe wart er vröuden rôt.

dô diu küneginne	diu mære rehte ervant,
daz ir bruoder solden	komen in daz lant,
dô was ir wol ze muote.	si lônte den spileman
mit vil grôzer gâbe.	daz was ir êre getân.

si sprach: „nû sagt beide,	Werbel und Swemmelîn,
welche mîne mâge	zer hôchzît wellen sîn,
der besten, die wir ladeten	her in ditze lant.
nû sagt, waz redete Hagene,	dô er diu mære bevant?“

er sprach: „der kom zer sprâche	an einem morgen vruo.
lützel guoter sprüche	redete er dar zuo,
dô si die reise lobten	her in Hiunen lant.
daz was dem grimmem Hagenen	gar zem tôde genant.

ez kument iuwer bruoder,	die künege alle drî,
in hêrlîchem muote.	swer mêr dâ mite sî,
der mære ich endeclîchen	wizzen niene kan.
ez lobte mit in rîten	Volkêr, der küene spileman.“

„des enbære ich harte	lîhte“, sprach des küneges wîp,
„deich immer sæhe	den Volkêres lîp.
Hagenen bin ich wæge.	der ist ein helt vil guot.
daz wir in sehen müezen,	des stât mir hôhe der muot.“

dô gie diu küneginne,	dâ si den künec sach.
wie rehte minneclîche	Kriemhilt dô sprach:
„wie gevallent iu diu mære,	lieber hêrre mîn?
des ie mîn wille gerte,	daz sol nû verendet sîn.“

„dîn wille, deist mîn vröude“,	sprach der künec dô.
„ine wart mîn selbes mâge	nie sô rehte vrô,
ob si immer komen solden	her in mîniu lant.
durch liebe dîner vriunde	sô ist mîn sorge verswant.“

des küneges ambetliute,	die hiezen über al
mit gesidele rihten	palas und sal
gegen den lieben gesten,	die in dâ solden komen.
sît wart von in dem künege	vil michel wunne benomen.

nû lâze wir belîben,	wie si gefuoren hie.
hôchgemuote recken,	die gefuoren nie
sô rehte hêrlîche	in deheines küneges lant.
si heten swaz si wolden,	beidiu wâfen und gewant.

der vogt von dem Rîne	kleidete sîne man,
sehzec und tûsent,	als ich vernomen hân,
und niuwen tûsent knehte	gegen der hôchgezît.
die si dâ heime liezen,	die beweinetenz sît.

dô truoc man diu gereite	ze Wormez über den hof.
dô sprach dâ von Spîre	ein alter bischof
zuo der schœnen Uoten:	„unser vriunde wellent varn
gegen der hôchgezîte.	got müeze ir êre dâ bewarn!“

dô sprach zuo zir kinden	diu edel Uote:
„ir soldet hie belîben,	helde guote!
mir ist getroumet hînte	von angestlîcher nôt,
wie allez diz gefügele	in disem lande wære tôt.“

„swer sich an troume wendet“,	sprach dô Hagene,
„der enweiz der rehten mære	niht ze sagene,
wenn ez im ze êren	volleclîchen stê.
ich wil, daz mîn hêrre ze hove	nâch urloube gê.

wir suln gerne rîten	in Etzelen lant.
dâ mac wol dienen künegen	guoter helde hant,
dâ wir dâ schouwen	müezen Kriemhilde hôchgezît.“
Hagene riet die reise,	iedoch gerou ez in sît.

er hete ez widerrâten,	wand daz Gêrnôt
mit ungefüegen worten	im alsô missebôt:
er mant in Sîvrides,	vroun Kriemhilden man.
er sprach: „dâ von wil Hagene	die grôzen hovereise lân.“

dô sprach von Tronege Hagene:	„durch vorhte ich niene tuo.
swenne ir gebietet,	helde, sô sult ir grîfen zuo.
jâ rît ich mit iu gerne	in Etzelen lant!“
sît wart von im verhouwen	vil manec helm unde rant.

diu schif bereitet wâren.	dâ was vil manec man.
swaz si kleider heten,	diu truoc man dar an.
si wâren unmüezec.	vor âbendes zît
si huoben sich von hûse	vil harte vrœlîche sît.

gezelt unde hütten	spien man an daz gras
anderthalp des Rînes.	dô daz geschehen was,
der künec bat noch belîben	daz sîn vil schœne wîp.
si trûte noch des nahtes	den sînen wætlîchen lîp.

pusûnen, floytiern,	huop sich des morgens vruo,
dar si varn solden.	dâ bereiten si sich zuo.
swer liep hete in arme,	der trûte vriundes lîp.
des schiet sît vil mit leide	des künec Etzelen wîp.

diu kint der schœnen Uoten,	die heten einen man,
küene und getriuwe.	dô si wolden dan,
dô sagte er dem künege	tougen sînen muot.
er sprach: „des muoz ich trûren,	daz ir die hovereise tuot.“

er was geheizen Rûmolt	und was ein helt zer hant.
er sprach: „wem welt ir lâzen	liute und ouch diu lant?
daz niemen kan erwenden	iu recken iuwern muot!
diu Kriemhilden mære	nie gedûhten mich guot.“

„daz lant sî dir bevolhen	und mîn kindelîn,
und diene wol den vrouwen!	daz ist der wille mîn.
swen dû sehest weinen,	dem trœste sînen lîp.
jâne getuot uns nimmêr	leide des künec Etzelen wîp!“

diu ross bereitet wâren	den künegen und ir man.
mit minneclîchem küssen	schiet vil maneger dan,
dem in hôhem muote	lebte dâ der lîp.
daz muose sît beweinen	vil manec wætlîchez wîp.

dô man die snellen recken	zen rossen sach gân,
dô kôs man vil der vrouwen	trûreclîchen stân.
daz ir vil langez scheiden	sagte in vil wol ir muot:
ûf grôzen schaden ze komene	daz herze niemen sanfte tuot.

die snellen Burgonden	sich ûz huoben.
dô wart in dem lande	ein michel uoben.
beidenthalp der berge	weinte wîp und man.
swie dort ir volc getæte,	si fuoren vrœlîche dan.

die Nibelunges helde	kômen mit in dan
in tûsent halspergen.	ze hûs si heten lân
vil manege schœne vrouwen.	die gesâhen si nimmêr mê.
die Sîvrides wunden	tâten Kriemhilde wê.

dô schicketen si ir reise	gegen dem Möune dan,
ûf durch Ôstervranken,	die Gunthêres man.
dar leite si dô Hagene,	dem was ez wol bekant.
ir marschalc was Dancwart,	der helt von Burgonden lant.

dô si von Ôstervranken	gegen Salvelde riten,
dô mohte man si kiesen	an hêrlîchen siten,
die fürsten und ir mâge,	die helde lobesam.
an dem zwelften morgen	der künec an die Tuonouwe kam.

dô reit von Tronege Hagene	zaller vorderôst.
er was den Nibelungen	ein helflîcher trôst.
dô erbeizte der degen	küene nider ûf den sant.
sîn ross er harte balde	zuo zeinem boume gebant.

daz wazzer was engozzen,	diu schif verborgen.
ez ergie den Nibelungen	ze grôzen sorgen,
wie si kœmen übere:	der wâc was in ze breit.
dô erbeizte zuo der erden	vil manec ritter gemeit.

„leide“, sprach dô Hagene,	„mac dir wol hie geschehen,
voget von dem Rîne.	nû maht dû selbe sehen,
daz wazzer ist engozzen.	vil starc ist im sîn vluot.
jâ wæne wir verliesen	noch hiute hie manegen helt guot!“

„waz wîzet ir mir,	Hagene?“ sprach der künec hêr.
„durch iuwer selbes tugende,	untrœstet uns niht mêr.
den furt sult ir uns suochen	hin über an daz lant,
daz wir von hinnen bringen	beidiu ross und ouch gewant.“

„jâne ist mir“, sprach Hagene,	„mîn leben niht sô leit,
daz ich mich welle ertrenken	in disen ünden breit!
ê sol von mînen handen	ersterben manec man
in Etzelen landen, des ich vil	guoten willen hân.

belîbet bî dem wazzer,	ir stolzen ritter guot!
ich wil die vergen suochen	selbe bî der vluot,
die uns bringen übere	in Gelpfrâtes lant.“
dô nam der starke Hagene	sînen guoten schildes rant.

er was vil wol gewâfent.	den schilt er dannen truoc,
sînen helm ûf gebunden,	lieht was er genuoc.
dô truoc er ob der brünne	ein wâfen alsô breit,
daz ze beiden ecken	harte vreislîchen sneit.

dô suochte er nâch den vergen	wider und dan.
er hôrte wazzer giezen,	losen er began,
in einem schœnem brunnen.	daz tâten wîsiu wîp.
die wolden sich dâ küelen	und badeten ir lîp.

Hagene wart innen.	er sleich in tougen nâch.
dô si daz versunnen,	dô wart in dannen gâch.
daz si im entrunnen,	des wâren si vil hêr.
er nam in ir gewæte,	der helt enschadete in niht mêr.

dô sprach daz eine merewîp,	Hadeburc was si genant:
„edel ritter Hagene,	wir tuon iu hie bekant,
swenne ir uns, degen küene,	gebet wider unser wât,
wie iu ze den Hiunen	disiu hovereise ergât.“

si swebten sam die vogele	vor im ûf der vluot.
des dûhten in ir	sinne starc und guot.
swaz si im sagen wolden,	er geloubtez deste baz.
des er dô hinz in gerte,	vil wol bescheideten si im daz.

si sprach: „ir müget wol rîten	in Etzelen lant.
des setze ich iu ze bürgen	mîne triuwe hie ze hant,
daz helde nie gefuoren	in deheiniu rîche baz
nâch alsô grôzen êren.	nû geloubet wærlîche daz!“

der rede was dô Hagene	in sînem herzen hêr.
dô gap er in ir kleider	und sûmte sich niht mêr.
dô si dô an geleiten	ir wunderlîch gewant,
dô sagten si im rehte	die reise in Etzelen lant.

dô sprach daz ander merewîp,	diu hiez Sigelint:
„ich wil dich warnen,	Hagene, daz Aldrîânes kint:
durch der wæte liebe	hât mîn muome dir gelogen.
kümestû hin zen Hiunen,	sô bistû sêre betrogen.

jâ soltû kêren widere!	daz ist dir an der zît,
wand ir helde küene	alsô geladet sît,
daz ir sterben müezet	in Etzelen lant.
swelche dar gerîtent,	die habent den tôt an der hant.“

dô sprach aber Hagene:	„ir trieget âne nôt.
wie möhtez sich gefüegen,	daz wir alle tôt
solden dâ belîben	durch iemens haz?“
si begunden im diu mære	sagen küntlîcher baz.

dô sprach aber diu eine:	„ez muoz alsô wesen,
daz iuwer deheiner	kan dâ niht genesen,
niuwan des küneges kappelân.	daz ist uns wol bekant.
der kümet gesunt widere	in daz Gunthêres lant.“

dô sprach in grimmem muote	der küene Hagene:
„daz wære mînen hêrren	müelîch ze sagene,
daz wir alle zen Hiunen solden	verliesen den lîp.
noch zeige uns überz wazzer,	daz aller wîseste wîp!“

si sprach: „sît dû der verte	niht welles haben rât:
swâ obene bî dem wazzer	ein herberge stât,
dâ inne ist ein verge,	und niender anderswâ.“
der mære der er vrâgte,	der geloubete er sich dâ.

dem ungemuotem recken	sprach diu eine nâch:
„nû bîtet noch, hêr Hagene,	jâ ist iu gar ze gâch!
vernemet noch diu mære,	wie ir kumet über sant:
dirre marke hêrre,	der ist Else genant.

sîn bruoder ist geheizen	der degen Gelpfrât,
ein hêrre in Beyerlande.	wie müelîch ez iu stât,
welt ir durch sîne marke!	ir sult iuch wol bewarn
und sult ouch mit dem vergen	vil bescheidenlîche varn.

der ist sô grimmes muotes,	er lât iuch niht genesen,
ir enwelt bî dem helde	mit guoten sinnen wesen.
welt ir, daz er iuch füere,	sô gebet im den solt.
er hüetet dises landes	und ist Gelpfrâte holt.

unde kom er niht bezîte,	sô ruofet über vluot,
und jeht, ir heizet Amelrîch.	der was ein helt guot,
der durch vîentschefte	rûmte ditze lant.
sô kumt iu der verge,	swenne im der nam wirt genant.“

der übermüete Hagene	der vrouwen dô neic.
er enredete niht mêre,	wan daz er vaste sweic.
dô gie er bî dem wazzer	für sich an den sant,
dâ er anderthalben	ein herberge vant.

er begunde vaste ruofen	hin über den vluot:
„nû hol mich hie,	verge“, sprach der degen guot,
„sô gip ich dir ze miete	einen bouc von golde rôt.
jâ ist mir dirre verte,	daz wizzest, wærlîche nôt!“

der verge was sô rîche,	daz im niht dienen zam.
dâ von er lôn vil selten	von iemen dâ genam.
ouch wâren sîne knehte	vil harte hôchgemuot.
noch stuont allez Hagene	eine disehalp der vluot.

dô ruofte er mit der krefte,	daz al der wâc erdôz,
wan des heldes sterke	was michel und grôz:
„nû hol mich, Amelrîchen!	ich bin der Elsen man,
der durch starke vîentschaft von disem	lande entran.“

vil hôhe an dem swerte	einen bouc er im bôt,
lieht und schœne	was er, von golde rôt,
daz man in über fuorte	in Gelpfrâtes lant.
der übermüete verge	nam selbe daz ruoder an die hant.

ouch was der selbe verge	müelîch gesît.
diu guof nâch grôzem guote	vil bœse ende gît.
dô wolde er verdienen	daz Hagenen golt sô rôt.
des leit er von dem degene	den swertgrimmigen tôt.

der verge îlte genôte	hin über an den sant.
den er dâ nennen hôrte,	dô er des niht envant,
dô zurnde er ernslîchen,	als er Hagenen sach.
vil harte grimmeclîche	er zuo dem degen sprach:

„ir müget wol sîn geheizen	benamen Amelrîch.
des ich mich hie verwæne,	dem sît ir ungelîch.
von vater und von muoter	was er der bruoder mîn.
nû ir mich betrogen habt,	ir müezet disehalp sîn.“

„nein, durch got den rîchen!“	sprach dô Hagene,
„ich bin ein recke vremde	und sorge ûf degene.
nû nemet hin vriuntlîche	hiute mînen solt,
daz ir mich über füeret.	ich bin iu wærlîchen holt.“

dô sprach aber der verge:	„des mac niht gesîn.
ez habent vîande	die lieben hêrren mîn.
dar umbe ich niemen vremden	füere in diz lant.
sô liebe dir sî ze lebene,	sô trit vil balde ûz an den sant!“

„Nûne tuot es niht!“ sprach Hagene,	„wan trûrec ist mîn muot.
nemet von mir ze minne	diz golt vil guot,
und füeret uns über:	tûsent ross und alsô manegen man.“
dô sprach der grimme verge:	„ez wirdet nimmêr getân.“

er huop ein starkez ruoder,	michel und breit.
er sluoc ûf Hagenen,	des wart er ungemeit,
daz er in dem schiffe	strûchte an sîniu knie.
sô rehte grimmer verge,	der kom dem Tronegære nie.

dô wolde er baz erzürnen	den übermüeten gast.
er sluoc im eine schalten,	daz diu gar zerbrast,
Hagenen über daz houbet.	er was ein starker man.
dâ von der Elsen verge	grôzen schaden dâ gewan.

mit grimmegem muote	greif Hagene zehant
vil balde ze sîner scheiden,	dâ er ein wâfen vant.
er sluoc im ab daz houbet	und warf ez an den grunt.
diu mære wurden schiere	den stolzen Burgonden kunt.

in den selben stunden,	dô er den schiffman sluoc,
daz schif, daz vlôz enouwe.	daz was im leit genuoc.
ê erz gerihte widere,	müeden er began.
dô zôch vil krefteclîche	des künec Gunthêres man.

mit zügen harte swinden	kêrte ez der gast,
unz im daz starke ruoder	in der hende brast.
er wolde zuo den recken	ûz an einen sant,
dâ was deheinez mêre.	hey, wie schiere erz dâ gebant

mit einem schiltvezzel!	daz was ein porte smal.
gegen einem walde	kêrte er hin ze tal.
dô vant er sînen hêrren	an dem stade stân.
dô gie im hin engegen	vil manec wætlîcher man.

mit gruoze in wol enpfiengen	die snellen ritter guot.
dô sâhens in dem schiffe	riechen daz bluot
von einer starken wunden,	die er dem vergen sluoc.
dô wart von den degenen	gevrâget Hagene genuoc.

dô der künec Gunthêr	daz heize bluot ersach
sweben in dem schiffe,	wie balde er dô sprach:
„wan sagt ir mir,	Hagene, war ist der verge komen?
iuwer starkez ellen,	ich wæn, im daz leben hât benomen.“

dô sprach er lougenlîche:	„dâ ich daz schif dâ vant
bî den wilden wîden,	dâ lôste ez mîn hant.
ich hân deheinen vergen	hiute hie gesehen.
ez ist ouch niemen leide	von mînen schulden hie geschehen.“

dô sprach von Burgonden	der hêrre Gêrnôt:
„hiute muoz ich sorgen	ûf lieber vriunde tôt.
sît wir der schiffliute	bereite niene hân,
wie wir kumen über,	des muoz ich trûrende stân.“

vil lûte rief dô Hagene:	„leit nider ûf daz gras,
ir knehte, diu gereite!	ich gedenke, daz ich was
der aller beste verge,	den man bî dem Rîne vant.
jâ getrûwe ich iuch wol bringen	hin über in Gelpfrâtes lant!“

daz si dester balder	kœmen über vluot,
diu ross si an sluogen.	daz swimmen, daz wart guot,
wand in diu starc ünde	deheinez dâ benam.
etelîchez ouwete	verre, als ez müeden began.

dô truogen si zem schiffe	ir golt und ouch ir wât,
sît daz si der verte	niht mohten haben rât.
Hagene was dâ meister.	des fuorte er ûf den sant
vil manegen rîchen recken	in daz unkunde lant.

zem êrsten brâhte er über	wol tûsent ritter hêr,
dar nâch sîne recken.	dannoch was ir mêr.
niun tûsent knehte fuorte	er an daz lant.
des tages was unmüezec	des Tronegæres hant.

dô er si wol gesunde	brâhte über den vluot,
dô gedâhte vremder mære	der snelle degen guot,
diu im ê dâ sageten	diu wilden merewîp.
des hete des küneges kappelân	nâch verlorn sînen lîp.

bî dem kappelsoume	er den pfaffen vant:
ob dem heilectuome	er leinte an sîner hant.
des mohte er niht geniezen,	dô in Hagene sach.
der gotes arme priester	muose lîden ungemach.

er swanc in ûz dem schiffe.	dar zuo wart im gâch.
dô riefen ir genuoge:	„nû vâhâ, hêrre, vâch!“
Gîselhêr der junge,	zürnen erz began.
er enwolde ez doch niht lâzen	ir deheinen understân.

dô sprach von Burgonden	der hêrre Gêrnôt:
„waz hilfet iuch nû, Hagene,	des kappelânes tôt?
tæte ez ander iemen,	daz solde iu wesen leit.
umbe welche schulde habt ir dem	priester widerseit?“

der pfaffe swam genôte.	er wolde sîn genesen,
ob im iemen hülfe.	des mohte dâ niht wesen,
wan der starke Hagene	vil zornec was gemuot.
er stiez in zuo dem grunde.	daz dûhte niemene guot.

dô der arme pfaffe	der helfe niene sach,
dô kêrte er wider übere.	des leit er ungemach.
swie er niht swimmen kunde,	im half diu gotes hant,
daz er wol kom gesunder	hin wider ûz an daz lant.

dô stuont der arme priester	unde schutte sîne wât.
dâ bî sach wol Hagene,	daz sîn niht wære rât,
daz im für wâr sageten	diu wilden merewîp.
er dâhte: „dise degene	müezen verliesen den lîp.“

dô si daz schif entluoden	und gar getruogen dan,
swaz dar ûf heten	der drîer künege man,
Hagene sluoc ez ze stücken	und warf ez an den vluot.
des hete michel wunder	die recken küene unde guot.

„zwiu tuot ir daz,	bruoder?“ sô sprach Dancwart,
„wie sul wir über,	sô wir die widervart
rîten von den Hiunen	ze lande an den Rîn?“
sît dô sagete in Hagene,	daz des kunde niht gesîn.

dô sprach der helt von Tronege:	„ich tuon ez ûf den wân,
ob wir an dirre reise	deheinen zagen hân,
der uns entrinnen welle	durch zagelîche nôt,
der muoz an disem wâge	doch lîden schamelîche tôt.“

si fuorten mit in einen	ûz Burgonden lant,
einen helt ze sînen	handen, der was Volkêr genant.
der redete spæhelîche	allen sînen muot.
swaz ie begie hêr Hagene,	daz dûhte den videlære guot.

ir ross bereitet wâren,	die soumære wol geladen.
si heten an der verte	noch deheinen schaden
genomen, der si müete,	wan des küneges kappelân:
der muose ûfe sînen füezen	hin wider zuo dem Rîne gân.

dô si nû wâren komen	alle ûfe den sant,
der künec begunde vrâgen:	„wer sol uns durch daz lant
die rehten wege wîsen,	daz wir niht irre varn?“
dô sprach der starke Volkêr:	„daz sol ich eine bewarn.“

„nû enthaltet iuch“, sprach Hagene,	„ritter unde kneht.
man sol vriunden volgen,	jâ dunket ez mich reht!
vil ungefüegiu mære,	diu tuon ich iu bekant:
wir enkumen nimmêr wider	in Burgonden lant.

daz sageten mir zwei merewîp	hiute morgen vruo,
daz wir niht komen widere.	nû rât ich, waz man tuo:
daz ir iuch wâfent,	helde. ir sult iuch wol bewarn,
wir hân hie starke vîande,	daz wir gewerlîche varn.

ich wânde an lügen vinden	diu wilden merewîp.
si jâhen, daz gesunder	unser deheines lîp
wider ze lande kœme,	niuwan der kappelân.
dar umb ich in wolde	sô gerne hiute ertrenket hân.“

dô vlugen disiu mære	von schare ze schar.
des wurden snelle helde	vor leide missevar,
dô si begunden sorgen	ûf den herten tôt
an dirre hovereise.	des gie in wærlîche nôt.

dâ ze Mœringen	si wâren über komen,
dâ dem Elsen vergen	der lîp was benomen.
dô sprach aber Hagene:	„sît daz ich vîande hân
verdienet ûf der strâze,	wir werden sicherlîch bestân.

ich sluoc den selben vergen	hiute morgen vruo.
si wizzen wol diu mære.	nû grîfet, helde, zuo,
ob Gelpfrât und Else	hiute hie bestê
unser ingesinde,	daz ez in schedelîch ergê.

ich erkenne si sô küene,	ez wirdet niht verlân.
diu ross, diu sult ir lâzen	deste sanfter gân,
daz des iemen wæne,	wir vliehen ûf den wegen.“
„des râtes wil ich volgen“,	sô sprach Gîselhêr der degen.

„wer sol daz ingesinde	wîsen über lant?“
si sprâchen: „daz tuo Volkêr,	dem ist ez hie wol bekant,
stîge und strâze,	der küene spileman.“
ê daz mans vollen gerte,	man sach gewâfent stân

den snellen videlære.	den helm er ûf gebant.
in hêrlîcher varwe	was sîn wîcgewant.
er bant ouch ze sînem schafte	ein zeichen, daz was rôt.
sît kom er mit den künegen	in eine grœzlîche nôt.

dô was tôt des vergen	Gelpfrâte komen
mit gewissem mære.	dô hete ez ouch vernomen
Else der vil starke.	ez was in beiden leit.
si sanden nâch ir helden.	die wâren schiere bereit.

in vil kurzen zîten,	ich wilz iuch hœren lân,
sach man zuo in rîten,	die schaden heten getân
in starken urliugen,	vil ungefüegiu her.
der kômen Gelpfrâte	wol siben hundert oder mêr.

dô si ir grimmen vîanden	begunden rîten nâch,
jâ beiten si ir hêrren.	den was ein teil ze gâch
nâch den küenen gesten:	si wolden anden ir zorn.
des wart der hêrren vriunde	sider mêr verlorn.

dô hete von Tronege Hagene	wol gefüeget daz,
wie möhte sîner mâge	ein helt gehüeten baz,
er pflac der nâchhuote	mit den sînen man
und Dancwart, sîn bruoder. daz was vil	wîslîch getân.

in was des tages zerunnen,	des enheten si niht mêr.
er vorhte an sînen	vriunden leit unde sêr.
si riten under schilden	durch der Beyer lant.
dâ nâch in kurzer wîle	die helde wurden an gerant.

beidenthalp der strâze	und hinden vaste nâch
si hôrten hüeve klaffen.	dem liute was ze gâch.
dô sprach der küene Dancwart:	„man wil uns hie bestân.
nû bindet ûf die helme!	daz dunket mich rætlîch getân.“

si hielten ab ir verte,	als ez muoste sîn.
si sâhen in der vinster	der liehten schilde schîn.
dône wolde Hagene	niht langer si verdagen:
„wer jaget uns ûf der strâze?“	daz muose im Gelpfrât dô sagen.

dô sprach der marcgrâve	ûz Beyerlant:
„wir suochen unser vîande,	unde haben her nâch gerant.
ine weiz niht, wer mir hiute	mînen vergen sluoc.
der was ein helt zen handen.	des ist mir leide genuoc.“

dô sprach von Tronege Hagene:	„was der verge dîn?
der wolde uns niht füeren.	des ist diu schulde mîn.
dô sluoc ich den recken.	deiswâr, des gie mir nôt.
ich hete von sînen handen	vil nâch gewunnen den tôt.

ich bôt im ze miete	golt und gewant,
daz er uns über fuorte,	helt, in dîn lant.
dô zurnde er sô sêre,	daz er mich dô sluoc
mit einer starken schalten.	des was ich grimme genuoc.

dô kom ich zem swerte	und werte im sînen zorn
mit einer starken wunden.	des wart der helt verlorn.
daz bringe ich iu ze suone,	swie iuch dunket guot.“
dô gie ez an ein strîten.	si wâren herte gemuot.

„ich wesse wol“, sprach Gelpfrât,	„dô hie für gereit
Gunthêr und sîn gesinde,	daz uns tæte leit
Hagene von Tronege.	nû sol er niht genesen.
für des vergen ende	der helt muoz hie bürge wesen.“

si neigeten über schilde	ze stichen nû diu sper,
Gelpfrât und Hagene.	in was zein ander ger.
Else und Dancwart	vil hêrlîche riten.
si versuochten, wer si wâren.	dâ wart vil grimme gestriten.

wie möhten sich versuochen	immer helde baz?
von einer starken tjoste	hinder daz ross gesaz
Hagene der küene	von Gelpfrâtes hant.
im brast daz fürbüege. dô wart im	strîten bekant.

von ir ingesinde	der krach der schefte schal.
dô erholte ouch sich dô	Hagene, der ê was ze tal
komen von dem stiche	nider an daz gras.
er wæne unsanftes muotes	wider Gelpfrâte was.

wer in diu ross behielte,	daz ist mir unbekant.
si wâren zuo der erden	komen ûf den sant.
Hagene und Gelpfrât	ein ander liefen an.
des hulfen ir gesellen,	daz in wart strîten kunt getân.

swie bitterlîche Hagene	ze Gelpfrâte spranc,
der edel marcgrâve	des schildes hin im swanc
ein michel stücke,	deiz fiuwer dræte dan.
des was vil nâch erstorben	der küene Gunthêres man.

dô begunde er rüefen	Dancwarten an:
„hilf mir, lieber bruoder!	jâ hât mich bestân
ein helt zen sînen handen,	der enlât mich niht genesen!“
dô sprach der küene Dancwart:	„des sol ich scheidære wesen.“

der helt dô spranc dar nâher	und sluoc im einen slac
mit einem scharpfen wâfen,	dâ von er tôt gelac.
Else wolde gerne	rechen dô den man.
er und sîn gesinde schieden	schedelîche dan:

im was erslagen der bruoder,	selbe wart er wunt.
wol ahzec sîner degene	beliben dâ ze stunt
mit dem grimmen tôde.	der hêrre muose dan
vlühteclîchen	von den Gunthêres man.

dô die von Beyerlande	wichen ûz dem wege,
dô hôrte man nâch hellen	die vreislîchen slege.
dô jageten die von Tronege	ir vîanden nâch.
die sîn niht engelten wânden,	den was allen ze gâch.

dô sprach an der vlühte	Dancwart der degen:
„wir suln wider wenden	balde ûf disen wegen,
und lâze wir si rîten.	si sint von bluote naz.
gâhe wir zen vriunden!	ich râte wærlîchen daz.“

dô si hin wider kômen,	dâ der schade was geschehen,
dô sprach von Tronege Hagene:	„helde, ir sult besehen,
wes uns hie gebreste,	oder wen wir hân verlorn
hie in disem strîte	durch den Gelpfrâtes zorn.“

si heten verlorn viere.	die muosen si verklagen.
die wâren wol vergolten:	dâ wider was erslagen
der von Beyerlande	hundert oder baz.
des wâren den von Tronege	ir schilde trüebe und bluotes naz.

ein teil schein ûz den wolken	des liehten mânen brehen.
dô sprach aber Hagene:	„niemen sol verjehen
den mînen lieben hêrren,	waz wir hie hân getân.
lât si unze morgen	âne sorge bestân.“

dô si nû nâch in kômen,	die dort striten ê,
dô tet dem ingesinde	diu müede harte wê.
„wie lange sul wir rîten?“	sprach manec man.
dô sprach der küene Dancwart:	„wir mugen niht herberge hân.

ir müezet alle rîten,	unz ez werde tac.“
Volkêr der snelle,	der des gesindes pflac,
bat den marschalc vrâgen:	„wâ sul wir hînte sîn,
dâ gerasten unser mœre	und ouch die lieben hêrren mîn?“

dô sprach der küene Dancwart:	„ine kans iu niht gesagen.
wir enmugen niht geruowen,	ê ez beginne tagen.
swâ wirz danne vinden,	dâ legen uns an ein gras!“
dô si diu mære hôrten,	wie leit in sümelîchen was!

si beliben unvermeldet	des heizen bluotes rôt,
unz daz diu sunne	ir liehtez schînen bôt
dem morgen über berge,	daz ez der künec sach,
daz si gestriten heten.	der helt vil zorneclîchen sprach:

„wie nû, vriunt Hagene,	iu wæn versmâhet daz,
daz ich bî iu wære,	dâ iu die ringe naz
sus wurden von dem bluote!	wer hât daz getân?“
er sprach: „daz tet Else.	der hete uns nehten bestân.

durch den sînen vergen	wir wurden an gerant.
dâ sluoc Gelpfrâten mînes	bruoder Dancwarten hant.
sît entran uns Else.	des twanc in michel nôt.
in hundert und uns viere	beliben in dem strîte tôt.“

wir kunnen niht bescheiden,	wâ si sich leiten nider.
alle die lantliute,	die gevrieschen sider,
daz ze hove fuoren	der edelen Uoten kint.
si wurden wol enpfangen	dâ ze Pazzouwe sint.

der edelen künege œheim,	der bischof Pilgrîn,
dem wart vil wol ze muote,	dô die neven sîn
mit alsô vil recken	kômen zuo zim in daz lant.
daz er in willec wære,	daz wart in schiere bekant.

si wurden wol enpfangen	von vriunden ûf den wegen.
dâ ze Pazzouwe	man kunde ir niht gepflegen,
si muosen überz wazzer,	dâ si funden velt.
dâ wurden ûf gespannen	hütten unde gezelt.

si muosen dâ belîben	allen einen tac
und ouch die naht. mit vollen	wie schône man ir pflac!
dar nâch si muosen rîten	in Rüedegêres lant.
dem wurden ouch diu mære	dar nâch vil schiere bekant.

dô die wegemüeden	ruowe genâmen,
unde si dem lande	nâher kâmen,
dô fundens ûf der marke	slâfende einen man,
dem von Tronege Hagene	ein starkez wâfen an gewan.

jâ was geheizen Eckewart	der starke ritter guot.
er gewan dar umb einen	trûrigen muot,
dâ er verlôs daz wâfen	von der helde vart.
die marke Rüedegêres,	die fundens übele bewart.

„ouwê mir dirre schande!“	sprach dô Eckewart,
„jâ riuwet mich vil sêre	der Burgonden vart!
sît ich Sîvride verlôs,	sît was mîn vröude zergân.
ouwê, hêrre Rüedegêr,	wie hân ich wider dich getân!“

dô hôrte vil wol Hagene	des edelen recken nôt.
er gap im wider sîn wâfen	und sehs bouge rôt,
„die habe dir, helt, ze minnen,	daz dû mîn vriunt sîst.
dû bist ein degen küene,	swie eine dû ûfe der marke lîst.“

„got lôn iu iuwerer bouge!“	sprach dô Eckewart,
„doch riuwet mich vil sêre	zen Hiunen iuwer vart.
ir sluoget Sîvriden.	man ist iu hie gehaz.
daz ir iuch wol behüetet,	an triuwen rât iu ich daz.“

„nû müeze uns got behüeten“,	sprach dô Hagene.
„jâne hânt niht mêre	sorge dise degene
wan umb die herberge,	die künege und ouch ir man,
wâ wir in disem lande	noch hînte nahtselde hân.

diu ross sint uns verdorben	ûf den herten wegen,
und der spîse zerunnen“,	sprach Hagene der degen.
„wir vinden ez niender veile.	uns wære wirtes nôt,
der uns noch hînte gæbe	durch sîne tugende sîn brôt.“

dô sprach aber Eckewart:	„ich zeig iu einen wirt,
daz ir ze hûse selten	sô wol bekomen birt
in deheinem lande,	als iu hie mac geschehen,
ob ir vil snelle degene	wellet Rüedegêren sehen.

der sitzet ûf der strâze	und ist der beste wirt,
der ie kom ze hûse.	sîn herze tugende birt,
alsô der süeze meie	daz gras mit bluomen tuot.
swenne er sol helden	dienen, sô ist er vrœlîch gemuot.“

dô sprach der künec Gunthêr:	„welt ir mîn bote sîn,
ob uns welle enthalten	durch den willen mîn
mîn lieber vriunt Rüedegêr,	mîne mâge und unser man?
daz wil ich immer dienen,	sô ich aller beste kan.“

„der bote bin ich gerne“,	sprach dô Eckewart.
mit vil guotem willen	huop er sich an die vart
und sagete dô Rüedegêre,	als er hete vernomen.
im was in manegen zîten	niht sô lieber mære komen.

man sach ze Bechelâren	îlen einen degen.
selbe erkande in Rüedegêr.	er sprach: „ûf disen wegen
dort her gâhet Eckewart,	ein Kriemhilde man.“
er wânde, daz die vîande	im heten leide getân.

dô gie er für die porten,	dâ er den boten vant.
daz swert er ab gurte	und leitez von der hant.
diu mære, diu er brâhte,	wurden niht verdaget
den wirt und sîne vriunde.	ez wart in schiere gesaget.

er sprach zem marcgrâven:	„mich hât zuo ziu gesant
Gunthêr, der hêrre	von Burgonden lant,
und Gîselhêr, sîn bruoder,	und ouch Gêrnôt.
der recken ieslîcher	iu sînen dienest her enbôt.

daz selbe hât ouch Hagene	und Volkêr
mit triuwen vlîzeclîche.	noch sage ich iu mêr,
daz iu des küneges marschalc	bî mir daz enbôt,
daz den guoten knehten wære	iuwer herberge nôt.“

mit lachendem munde	antwurte Rüedegêr:
„nû wol mich dirre mære,	daz die künege hêr,
daz si geruochent mîner	dieneste! der wirt in niht verseit.
koment si mir ze hûse,	des bin ich vrô und gemeit.“

„Dancwart, der marschalc,	der hiez iuch wizzen lân,
wen ir ze hûse	mit in soldet hân:
sehzec sneller recken,	und tûsent ritter guot,
und niun tûsent knehte.“	dô wart er vrœlîch gemuot.

„nû wol mich dirre geste!“	sprach dô Rüedegêr,
„daz mir koment ze hûse	dise recken hêr,
den ich noch vil selten	iht gedienet hân.
nû rîtet in engegene,	beide mâge unde man!“

dô îlten zuo den rossen	ritter und kneht.
swaz in gebôt ir hêrre,	daz dûhte si alle reht.
dô liezen si in der dienste	zogen deste baz.
noch enweste es niht vrou Gotelint,	diu in ir kemenâten saz.

dô gie der marcgrâve,	dâ er die vrouwen vant,
sîn wîp mit sîner tohter,	und sagete in zehant
diu vil lieben mære,	diu er hete vernomen,
daz in ir vrouwen bruoder	dar ze hûse solden komen.

„vil liebiu triutinne“,	sprach dô Rüedegêr,
„ir sult vil wol enpfâhen	die edelen künege hêr,
sô si mit ir gesinde	her ze hove gân.
ir sult ouch schône grüezen	Hagenen, Gunthêres man.

mit in kumt ouch einer,	der heizet Dancwart,
der ander heizet Volkêr,	an zühten wol bewart.
die sehse sult ir küssen	und diu tohter mîn,
unde sult ouch bî den recken	in zühten güetlîche sîn.“

daz lobten dô die vrouwen	und wâren sîn bereit.
si suochten ûz den kisten	diu hêrlîchen kleit,
dar inne si engegene	den recken wolden gân.
dâ wart vil michel vlîzen	von schœnen wîben getân.

gevelschet vrouwen varwe	vil lützel man dâ vant.
si truogen ûf ir houbete	von golde liehtiu bant,
daz wâren schapel rîche,	daz in ir schœne hâr
zefuorten niht die winde.	daz ist an den triuwen wâr.

in sölchen unmuozen	sul wir die vrouwen lân.
hie wart vil michel	gâhen über velt getân
von Rüedegêres vriunden,	dâ man die fürsten vant.
si wurden wol enpfangen	in des marcgrâven lant.

dô si der marcgrâve	zuo zim komen sach,
Rüedegêr der snelle	vil vrœlîche sprach:
„sît willekomen, ir hêrren	und ouch iuwer man,
hie in mînem lande!	vil gerne ich iuch gesehen hân.“

dô nigen im die recken	mit triuwen âne haz.
daz er in willec wære,	vil wol erzeigete er daz.
besunder gruozte er Hagenen,	den hete er ê bekant,
alsam tet er Volkêrn	ûzer Burgonden lant.

er enpfie ouch Dancwarten.	dô sprach der küene degen:
„sît ir uns welt beruochen,	nû wer sol danne pflegen
des unsern ingesindes,	daz wir haben brâht?“
dô sprach der marcgrâve:	„ir sult haben guote naht

und allez iuwer gesinde.	swaz ir in daz lant
habt mit iu gefüeret,	ross und ouch gewant,
dem schaffe ich sölche huote,	daz sîn niht wirt verlorn,
daz iu ze schaden bringe	gegen einigem sporn.

spannet ûf, ir knehte,	die hütten an daz velt!
swaz ir hie verlieset,	des wil ich wesen gelt.
ziehet ab die zoume,	diu ross lâzet gân!“
daz hete in wirt deheiner	dâ vor vil selten getân.

des vröuten sich die geste.	dô daz geschaffen was,
die hêrren riten dannen.	sich leiten an daz gras
über al die knehte.	si heten guot gemach.
ich wæne, in an dirre	verte nie sô sanfte geschach.

diu edele marcgrâvinne	was für die burc gegân
mit ir vil schœnen tohter.	dô sach man bî ir stân
die minneclîchen vrouwen	und manege schœne meit.
die truogen vil der bouge	und ouch hêrlîchiu kleit.

daz edel gesteine	lûhte verre dan
ûz ir vil rîchen wæte.	si wâren wolgetân.
dô kômen ouch die geste	und erbeizten sâ zehant.
hey, waz man grôzer zühte	an den Burgonden vant!

sehs und drîzec megde	und manec ander wîp,
den was wol ze wunsche	geschaffen gar der lîp,
die giengen in engegene	mit manegem küenem man.
dâ wart ein schœne grüezen	von edelen vrouwen getân.

diu edele marcgrâvinne	kuste die künege alle drî.
alsam tet ir muoter.	dâ stuont ouch Hagene bî.
ir vater hiez in küssen.	dô blicte si in an.
er dûhte si sô vorhtlîch,	daz siz vil gerne hete lân.

dô muoste si daz leisten,	daz ir der wirt gebôt.
gemischet wart ir varwe,	bleich unde rôt.
si kuste ouch Dancwarten,	dar nâch den spileman.
durch sînes lîbes ellen	wart im daz grüezen getân.

diu junge marcgrâvinne,	diu nam bî der hant
Gîselhêr, den recken	von Burgonden lant.
alsam tet ouch ir muoter	Gunthêr den küenen man.
si giengen mit den helden	vil harte vrœlîche dan.

der wirt gie bî Gêrnôte	in einen wîten sal.
ritter und vrouwen	gesâzen dâ ze tal.
dô hiez man balde schenken	den gesten guoten wîn.
jâne dorften nimmêr	helde baz gehandelet sîn.

mit lieben ougen blicken	wart gesehen an
diu Rüedegêres tohter.	diu was sô wolgetân,
jâ trûte si in den sinnen	vil manec ritter guot.
daz kunde ouch si verdienen.	si was hôhe gemuot.

si dâhten, swes si wolden,	des enmohte aber niht geschehen.
hin und her wider	wart dâ vil gesehen
an megede und an vrouwen,	der saz dâ genuoc.
der edel videlære	dem wirte holden willen truoc.

nâch gewonheite	sô schieden si sich dâ.
ritter und vrouwen,	die giengen anderswâ.
dô rihte man die tische	in dem sale wît.
den unkunden gesten diente	man hêrlîche sît.

durch der geste liebe	hin ze tische gie
diu edele marcgrâvinne.	ir tohter si dô lie
belîben bî den kinden,	dâ si von rehte saz.
die geste ir niht ensâhen.	si müete wærlîche daz.

dô si getrunken heten	und gezzen über al,
dô wîste man die schœnen	wider in den sal.
gemelîcher sprüche	wart dâ niht verdeit.
der redete vil dô Volkêr,	ein degen küen und gemeit.

dô sprach offenlîchen	der edel spilman:
„rîcher marcgrâve,	got hât an iu getân
vil genædeclîchen,	wand er iu hât gegeben
ein wîp sô rehte schœne,	dar zuo ein wunneclîchez leben.

ob ich ein fürste wære“,	sprach der spilman,
„und solde ich tragen krône,	ze wîbe wolde ich hân
die iuwern schœnen tohter.	des wünschet mir der muot.
diu ist minneclîch ze sehen,	dar zuo edel und guot.“

dô sprach der marcgrâve:	„wie möhte daz gesîn,
daz immer künec gerte	der lieben tohter mîn?
wir sîn hie ellende,	beide ich und mîn wîp.
waz hilfet grôziu schœne	an der juncvrouwen lîp?“

des antwurte Gêrnôt,	der wolgezogen man:
„und solde ich triutinne	nâch mînem willen hân,
sô wolde ich sölches wîbes	immer wesen vrô.“
des antwurte Hagene	vil harte güetlîchen dô:

„nû sol mîn hêrre Gîselhêr	doch nemen ein wîp!
ez ist sô hôher mâge	der marcgrâvinne lîp,
daz wir gerne dienten,	ich unde sîne man,
und solde si under krône	dâ zen Burgonden gân.“

diu rede Rüedegêren	dûhte harte guot,
und ouch Gotelinde.	jâ vröute sich in der muot.
dô truogen an die helde,	daz si ze wîbe nam
Gîselhêr der edele,	als ez wol künege gezam.

swaz sich sol gefüegen,	wer möhte daz understân?
man bat die juncvrouwen	hin ze hove gân.
dô swuor man im ze gebene	daz wunneclîche wîp.
dô lobte ouch er ze minnen	den ir vil minneclîchen lîp.

man beschiet der juncvrouwen	bürge unde lant.
des sicherte dâ mit eiden	des edelen küneges hant
unde ouch der hêrre Gêrnôt,	daz würde daz getân.
dô sprach der marcgrâve:	„sît ich der bürge niene hân,

sô sol ich iu mit triuwen	immer wesen holt.
ich gibe ze mîner tohter	silber unde golt,
sô hundert soumære	meiste mügen tragen,
daz ich des heldes mâgen	nâch êren müge wol behagen.“

dô hiez man si beide	stân an einen rinc
nâch gewonheite.	vil manec jungelinc
in vrœlîchem muote	in zegegen stuont.
si gedâhten in ir sinnen,	sô noch die tumben gerne tuont.

dô man begunde vrâgen	die minneclîchen meit,
ob si den recken wolde,	ein teil was ez ir leit,
und dâhte doch ze nemene	den wætlîchen man.
si schamte sich der vrâge,	sô manec maget hât getân.

ir riet ir vater Rüedegêr,	daz si spreche „jâ!“
und daz si in gerne næme.	vil schiere dô was dâ
mit sînen wîzen handen,	der si umbeslôz,
Gîselhêr der edele.	swie lützel si sîn doch genôz!

dô sprach der marcgrâve:	„ir edele künege rîch,
als ir nû wider rîtet,	daz ist gewonlîch,
heim hin zen Burgonden,	sô gip ich iu mîn kint,
daz ir si mit iu füeret.“	daz gelobten si sint.

swaz man dô schalles hôrte,	den muosen si dô lân.
man hiez die juncvrouwen	zer kemenâten gân,
und ouch die geste slâfen	und ruowen an den tac.
dô bereite man die spîse.	der wirt ir güetlîche pflac.

dô si enbizzen wâren,	si wolden dannen varn
gegen der Hiunen landen.	„daz heiz ich wol bewarn“,
sprach der wirt vil edele,	„ir sult ouch hie bestân,
wand ich sô lieber geste	selten hie iht gewunnen hân.“

des antwurte Dancwart:	„jâne mac es niht gesîn!
wâ nemt ir die spîse,	daz brôt und ouch den wîn,
daz ir sô manegen recken	noch hînte müeset hân?“
dô daz der wirt gehôrte,	er sprach: „ir sult die rede lân.

mîne vil lieben hêrren,	ir sult mir niht versagen.
jâ gebe ich iu die spîse	ze vierzehen tagen,
mit allem iuwerem gesinde,	daz mit iu her ist komen!
mir hât der künec Etzel	noch vil wênec iht genomen.“

swie sêre si sich werten,	si muosen dâ bestân
unz an den vierden morgen.	dô wart dâ getân
von des wirtes milte,	daz verre wart geseit.
er gap den sînen gesten	beidiu ross und kleit.

ez enkunde niht wern langer,	si muosen dannen varn.
Rüedegêr der küene	vil wênec iht gesparn
kunde vor sîner milte.	swes iemen gerte nemen,
daz versagete er niemen.	ez muose in allen gezemen.

ir edel ingesinde	brâhte für daz tor
gesatelt vil der mœre.	dô kom zuo zin dâ vor
vil der vremden recken.	si truogen schilde enhant,
wande si wolden rîten	in daz Etzelen lant.

der wirt dô sîne gâbe	bôt über al,
ê daz die edelen geste	kœmen für den sal.
er kunde milteclîche	mit grôzen êren leben.
die sîne tohter schœne,	die hete er Gîselhêr gegeben.

dô gap er Gunthêre,	dem helde lobelîch,
daz wol truoc mit êren	der edel fürste rîch,
swie selten er gâbe enpfienge,	ein wâfenlîch gewant.
dar nâch neic dô Gunthêr des edelen	Rüedegêres hant.

dô gap er Gêrnôte	ein wâfen guot genuoc,
daz er sît in sturme	vil hêrlîchen truoc.
der gâbe im vil wol gunde	des marcgrâven wîp.
dâ von der guote Rüedegêr	sît muose verliesen den lîp.

Gotelint bôt Hagenen,	als ir vil wol gezam,
ir minneclîchen gâbe,	sît si der künec nam,
daz er ouch ân ir stiure	zuo der hôchgezît
von ir varn niht solde,	doch widerredete er ez sît.

„alles, des ich ie gesach“,	sprach dô Hagene,
„sône gerte ich niht mêre	hinnen ze tragene
niuwan jenes schildes	dort an jener want.
den wolde ich gerne füeren	in daz Etzelen lant.“

dô diu marcgrâvinne Hagenen	rede vernam,
ez mante si ir leides.	weinen si gezam.
dô gedâhte si vil	tiure an Nuodunges tôt.
den hete erslagen Witege.	dâ von sô hete si jâmers nôt.

si sprach zuo dem degene:	„den schilt wil ich iu geben.
daz wolde got von himele,	daz er noch solde leben,
der in dâ truoc enhende!	der lac in sturme tôt.
den muoz ich immer weinen.	des gât mir armem wîbe nôt.“

diu edele marcgrâvinne	von dem sedele gie.
mit ir vil wîzen handen	si den schilt gevie.
diu vrouwe truoc in Hagenen.	er nam in an die hant.
diu gâbe was mit êren	an den recken gewant.

ein hulft von liehtem pfelle	ob sîner varwe lac,
bezzern schilt deheinen	belûhte nie der tac,
von edelem gesteine.	swer sîn hete gegert
ze koufen, an der koste	was er wol tûsent marke wert.

den schilt hiez dô Hagene	tragen vor im dan.
dô begunde Dancwart	hin ze hove gân.
dem gap vil rîchiu kleider	des marcgrâven kint.
diu truoc er zen Hiunen	vil harte hêrlîche sint.

allez, daz der gâbe	von in wart genomen,
in ir deheines hende	wære ir niht bekomen,
wan durch des wirtes liebe,	der ez in sô schône bôt.
sît wurdens im sô vîent,	daz si in muosen slahen tôt.

Volkêr der snelle	mit sîner videlen dan
gie gezogenlîche	für Gotelinde stân.
er videlte süeze dœne	und sanc ir sîniu liet.
dâ mit nam er urloup,	dô er von Bechelâren schiet.

ir hiez diu marcgrâvinne	eine lade tragen.
von vriuntlîcher gâbe	müget ir hœren sagen:
dar ûz nam si zwelf bouge	unde spiens im an die hant:
„die sult ir hinnen füeren	in daz Etzelen lant

unde sult durch mînen willen	si ze hove tragen,
swenne ir wider wendet,	daz man mir müge sagen,
wie ir mir habt gedienet	dâ zer hôchgezît!“
des diu vrouwe gerte,	vil wol leiste er daz sît.

dô sprach der wirt zen gesten:	„ir sult deste sanfter varn.
ich wil iuch selbe leiten	und heizen wol bewarn,
daz iu ûf der strâze	niemen müge geschaden.“
dô wurden sîne soume	harte schiere geladen.

der wirt wart wol bereitet,	mit fünf hundert man
mit rossen und mit kleidern.	die fuorte er mit im dan
vil harte hêrlîchen	zuo der hôchgezît.
der einer mit dem lebene	kom nie ze Bechelâren sît.

mit kusse minneclîche	der wirt dô dannen schiet.
alsô tet ouch Gîselhêr,	als im sîn tugent riet.
mit umbeslozzen armen	si trûten schœniu wîp.
daz muose sît beweinen	vil maneger juncvrouwen lîp.

dô wurden allenthalben	diu venster ûf getân.
der wirt mit sînen mannen	zen rossen wolde gân.
ich wæn, ir herze in sagete	diu krefteclîchen leit.
dâ weinte manec vrouwe	und manec wætlîchiu meit.

nâch ir lieben vriunden	genuoge heten sêr,
die si ze Bechelâren	gesâhen nimmêr mêr.
doch riten si mit vröuden	nider über sant,
ze tal bî Tuonouwe,	ûz in daz hiunische lant.

dô sprach zen Burgonden	der ritter vil gemeit,
Rüedegêr der edele:	„jâne suln niht verdeit
wesen unser mære,	daz wir zen Hiunen komen!
im hât der künec Etzel	nie sô liebes niht vernomen.“

ze tal durch Ôsterrîche	der bote balde reit.
den liuten allenthalben	wart daz wol geseit,
daz die helde kômen	von Wormez über Rîn.
des küneges ingesinde	kunde ez niht lieber gesîn.

die boten für strichen	mit den mæren,
daz die Nibelunge	zen Hiunen wæren:
„dû solt si wol enpfâhen,	Kriemhilt, vrouwe mîn.
dir koment nâch vil grôzen êren	die vil lieben bruoder dîn.“

Kriemhilt, diu vrouwe,	in ein venster stuont.
si warte nâch den mâgen,	sô noch vriunde nâch vriunden tuont.
von ir vater lande	sach si manegen man.
der künec vriesch ouch diu mære.	vor liebe er lachen began.

„nû wol mich mîner vröuden!“	sprach dô Kriemhilt,
„hie bringent mîne mâge	vil manegen niuwen schilt
und halsperge wîz.	swer nemen welle golt,
der gedenke mîner leide,	und wil im immer wesen holt.“

dô die Burgonden kômen	in Etzelen lant,
dô gevriesch ez von Berne	der alte Hildebrant.
er sagte ez sînem hêrren.	ez was im harte leit.
er bat in wol enpfâhen	die ritter küene und gemeit.

Wolfhart der snelle	hiez bringen diu marc.
dô reit mit Dieterîche	vil manec degen starc,
dâ er si grüezen wolde,	zuo zin an daz velt.
dâ hetens ûf gebunden	vil manec hêrlîch gezelt.

dô si von Tronege Hagene	verrest rîten sach,
zuo den sînen hêrren	gezogenlîch er sprach:
„nû sult ir snelle recken	von den sedeln stân,
und gât in hin engegene,	die iuch dâ wellent enpfân!

dort kumt her ein gesinde,	daz ist mir wol bekant.
ez sint vil snelle degene	von Amelunge lant,
die füert der von Berne.	die sint vil hôchgemuot.
ir sult ez niht versmâhen,	swaz man iu dieneste getuot.“

dô stuonden von den rossen,	daz was michel reht,
neben Dieterîche	manec ritter und kneht.
si giengen zuo den gesten,	dâ man die helde vant.
si gruozten minneclîchen	die von Burgonden lant,

dô si der hêrre Dieterîch	gegen im komen sach.
hie müget ir gerne hœren,	waz dô der degen sprach
zuo den Uoten kinden:	ir reise was im leit.
er wânde, ez wiste Rüedegêr,	daz erz in hete geseit.

„sît willekomen, ir hêrren,	Gunthêr und Gîselhêr,
Gêrnôt unde Hagene!	sam sî hêr Volkêr
und Dancwart der vil snelle!	ist iu daz niht bekant,
Kriemhilt noch sêre weinet	den helt von Nibelunge lant!“

„si mac wol lange weinen“,	sprach dô Hagene,
„er lît vor manegem jâre	gar ze tôde erslagene.
den künec von den Hiunen,	den sol si holden haben.
Sîvrit kumt niht widere.	er ist vor maneger zît begraben.“

„die Sîvrides wunden	lâzen wir nû stân!
sol leben diu vrouwe Kriemhilt,	noch mac schade ergân.“
sô redete von Berne	der hêrre Dieterîch:
„trôst der Nibelunge,	dâ vor behüete dû dich!“

„wie sol ich mich behüeten?“	sprach der künec hêr,
„Etzel uns boten sande,	wes sol ich vrâgen mêr,
daz wir zuo zim solden	rîten her in daz lant.
ouch hât uns manegiu mære	mîn swester Kriemhilt gesant.“

„ich kan iu wol gerâten“,	sprach aber Hagene,
„nû bittet iu diu mære	baz ze sagene
den hêrren Dieterîchen	und sîne helde guot,
daz si iuch lâzen wizzen	der vroun Kriemhilde muot.“

dô giengen sundersprâchen	die drîe künege rîch,
Gunthêr und Gêrnôt,	und ouch hêr Dieterîch:
„nû sage uns, von Berne	vil edel ritter guot,
wie dir sî gewizzen	umb der küneginne muot!“

dô sprach der voget von Berne:	„waz sol ich mêre sagen?
ich hœre alle morgen	weinen und klagen
mit jæmerlîchen siten	daz Etzelen wîp
dem rîchen got von himele	des starken Sîvrides lîp.“

„ez ist êt unerwendet“,	sprach der küene man,
Volkêr der videlære,	„daz wir vernomen hân.
wir suln ze hove rîten,	und suln lâzen sehen,
waz uns vil snellen degenen	dâ zen Hiunen müge geschehen.“

die küenen Burgonden	hin ze hove riten.
si kômen hêrlîche	nâch des landes siten.
dô wunderte dâ zen Hiunen	vil manegen küenen man
umb Hagenen von Tronege,	wie der wære getân,

durch daz man sagete mære,	des was im genuoc,
daz er von Niderlande	Sîvriden sluoc,
sterkest aller recken,	den Kriemhilde man.
des wart michel vrâge	ze hove nâch Hagenen getân.

der helt was wol gewahsen,	daz ist al wâr.
grôz was er zen brüsten,	gemischet was sîn hâr
mit einer grîsen varwe.	diu bein wâren im lanc
und eislîch sîn gesihene.	er hete hêrlîchen ganc.

dô hiez man herbergen	die Burgonden man.
Gunthêres ingesinde,	daz wart gesundert dan.
daz riet diu küneginne,	diu im vil hazzes truoc.
dâ von man sît die knehte	in der herberge sluoc.

Dancwart, Hagenen bruoder,	der was marschalc.
der künec im sîn gesinde	vlîzeclîch bevalch,
daz er ir vil wol pflæge,	und in gæbe genuoc.
der helt von Burgonden	in allen guoten willen truoc.

Kriemhilt diu schœne	mit ir gesinde gie,
dâ si die Nibelunge	mit valschem muot enpfie.
si kuste Gîselhêren	und nam in bî der hant.
daz sach von Tronege Hagene.	den helm er vaste gebant.

„nâch sus getânem gruoze“,	sprach dô Hagene,
„mügen sich verdenken	snelle degene.
man gruozet sunderlingen	die künege und ir man.
wir haben niht guoter reise	zuo dirre hôchgezît getân.“

si sprach: „sît willekomen,	swer iuch gerne siht!
durch iuwer selbes vriuntschaft	sô grüeze ich iuwer niht.
saget, waz ir mir bringet	von Wormez über Rîn,
dar umb ir mir sô grôze	soldet willekomen sîn!“

„hete ich gewest diu mære“,	sprach dô Hagene,
„daz iu gâbe solden	bringen degene,
ich wære wol sô rîche,	hete ich mich baz verdâht,
daz ich iu mîne gâbe	her ze lande hete brâht.“

„nû sult ir mich der mære	mêre wizzen lân:
hort der Nibelunge,	war habt ir den getân?
der was doch mîn eigen.	daz ist wol bekant.
den soldet ir mir füeren	in daz Etzelen lant.“

„entriuwen, mîn vrou Kriemhilt,	des ist vil manec tac,
daz ich hort der Nibelunge	niene gepflac.
den hiezen mîne hêrren	senken in den Rîn.
dâ muoz er wærlîche	unz an daz jungeste sîn!“

dô sprach diu küneginne:	„ich hâns ouch gedâht.
ir habt mirs noch vil wênec	her ze lande brâht,
swie er mîn eigen wære	unde ich sîn wîlen pflac.
des hân ich alle zîte	vil manegen trûrigen tac.“

„jâ bringe ich iu den tiuvel!“	sprach aber Hagene.
„ich hân an mînem schilde	sô vil ze tragene
und an der mînen brünne.	mîn helm, der ist sô lieht.
daz swert an mîner hende,	des enbringe ich iu nieht!“

dô sprach diu küneginne	zen recken über al:
„man sol deheiniu wâfen	tragen in den sal.
ir helde, ir sult mirs ûf geben.	ich wil si behalten lân.“
„entriuwen“, sprach dô Hagene,	„ez wirdet nimmêr getân.

jâne ger ich niht der êren,	fürsten wine milt,
daz ir zen herbergen	trüeget mînen schilt
unde ander mîn gewæfen!	ir sît ein künegîn.
daz enlêrte mich niht mîn vater.	ich wil selbe kamerære sîn.“

„ouwê mîner leide!“	sprach dô vrou Kriemhilt.
„war umbe wil mîn bruoder	und Hagene sînen schilt
niht lâzen behalten?	si sint gewarnôt.
und wesse ich, wer daz tæte,	der müese kiesen den tôt.“

des antwurte ir mit zorne	der fürste Dieterîch:
„ich bin ez, der hât gewarnet	die edelen künege rîch
und Hagenen den küenen,	den Burgonden man.
nû zuo, vâlandinne,	dûne solt michs niht geniezen lân!“

des schamte sich vil sêre	daz Etzelen wîp.
si vorhte bitterlîchen	den Dieterîches lîp.
dô gie si von im balde,	daz si niene sprach,
wan daz si swinde blicke	an ir vîande sach.

behenden sich dô viengen	zwêne degene.
daz eine was hêr Dieterîch,	daz ander Hagene.
dô sprach gezogenlîche	der recke vil gemeit:
„daz iuwer komen zen Hiunen,	daz ist mir wærlîche leit,

durch daz diu küneginne	daz gesprochen hât.“
dô sprach von Tronege Hagene:	„es wirt wol alles rât.“
sus redeten mit ein ander	die zwêne küene man,
daz der künec Etzel	dar umbe vrâgen began:

„diu mære weste ich gerne“,	sprach der künec rîch,
„wer der recke wære,	den dort hêr Dieterîch
sô vriuntlîch enpfâhet.	er treit vil hôhen muot.
swer sîn vater wære,	er mac wol sîn ein helt guot.“

des antwurte	dem künege ein Kriemhilde man:
„er ist geborn von Tronege.	sîn vater hiez Aldrîân.
swie blîde er hie gebâre,	er ist ein grimmer man.
ich lâze iuch daz wol schouwen,	daz ich gelogen niene hân.“

„wie sol ich daz erkennen,	daz er sô grimmec ist?“
dannoch er niene wesse	vil manegen argen list,
den sît diu küneginne	an ir mâgen begie,
daz si mit dem lebene	deheinen von den Hiunen lie.

„wol erkande ich Aldrîânen,	der was mîn man.
lop unde michel êre	er hie bî mir gewan.
ich machete in ze ritter	und gap im mîn golt.
Helche diu getriuwe	was im inneclîchen holt.

dâ von ich wol erkenne	allez Hagenen sint.
ez wurden mîne gîsel	zwei wætlîchiu kint,
er unde von Spânje Walthêr,	die wuohsen hie ze man.
Hagenen sande ich wider heim,	Walthêr mit Hildegunt entran.“

er gedâhte langer mære,	diu wâren ê geschehen.
sînen vriunt von Tronege,	den hete er rehte ersehen,
der im in sîner jugende	vil starkiu dienest bôt.
sît vrumte er im in alter	vil manegen lieben vriunt tôt.

dô schieden sich die zwêne	recken lobelîch,
Hagene von Tronege	und ouch hêr Dieterîch.
dô blicte über ahsel	der Gunthêres man
nâch einem hergesellen,	den er vil schiere gewan.

dô sach er Volkêr	bî Gîselhêre stân.
den spæhen videlære	bat er mit im gân,
wand er vil wol erkande	sînen grimmen muot.
er was an allen dingen	ein ritter küene und guot.

noch liezen si die hêrren	ûf dem hove stân.
niuwan si zwêne aleine	sach man dannen gân
über den hof vil verre	für einen palas wît.
die ûz erwelten degene	vorhten niemens nît.

si gesâzen vor dem hûse	gegen einem sal,
der was Kriemhilde,	ûf eine banc ze tal.
dô lûhte in von ir lîbe	ir hêrlîch gewant.
genuoge, die si sâhen,	si heten gerne bekant.

alsam tier diu wilden	wurden gekapfet an
die übermüeten helde	von den Hiunen man.
si ersach ouch durch ein venster	daz Etzelen wîp.
des wart aber betrüebet	der schœnen Kriemhilden lîp.

ez mante si ir leide.	weinen si began.
des hete michel wunder	die Etzelen man,
waz ir sô schiere	betrüebet hete den muot.
si sprach: „daz hât Hagene,	ir helde küene unde guot.“

si sprâchen zuo der vrouwen:	„wie ist daz geschehen?
wand wir iuch niulîche	haben vrô gesehen.
nie niemen wart sô küene,	der ez iu hât getân,
heizet ir ez uns rechen,	ez sol im an sîn leben gân!“

„daz wolde ich immer dienen,	swer ræche mîniu leit.
alles des er gerte,	des wære ich im bereit.
ich biute mich iu ze füezen“,	sprach des küneges wîp,
„rechet mich an Hagene,	daz er verliese den lîp!“

dô garten sich vil balde	sehzec küener man
durch Kriemhilde willen.	si wolden hine gân
und wolden slahen Hagenen,	den vil küenen man,
und ouch den videlære.	daz wart mit râte getân.

dô diu küneginne	ir schar sô kleine sach,
in einem grimmem muote	si zuo den helden sprach:
„des ir dâ habt gedingen,	des sult ir abe gân.
jâne durfet ir sô ringe	nimmêr Hagenen bestân!

swie starc und swie küene	von Tronege Hagene sî,
noch ist er verre sterker,	der im dâ sitzet bî,
Volkêr der videlære.	der ist ein übel man.
jâne sult ir die helde	niht sô lîhte bestân!“

dô si daz gehôrten,	dô garte sich ir mêr,
vier hundert sneller recken.	diu küneginne hêr
was des genœte,	daz si in tæte leit.
dâ von wart sît degenen	vil michel sorge bereit.

dô si vil wol gewâfent	daz ir gesinde sach,
zuo den snellen recken	diu küneginne sprach:
„nû bîtet eine wîle.	jâ sult ir stille stân!
ich wil under krône	zuo mînen vîanden gân.

unde hœret itewîze,	waz mir hât getân
Hagene von Tronege,	der Gunthêres man.
ich weiz in sô übermüeten,	daz er mir lougent niht.
sô ist ouch mir unmære,	swaz im dar umbe geschiht.“

dô sach der videlære,	ein küene spilman,
die edelen küneginne	ab einer stiege gân,
nider von einem hûse.	als er daz gesach,
Volkêr der vil küene	zuo sînem hergesellen sprach:

„nû schouwet, vriunt Hagene,	wâ si dort her gât,
diu uns âne triuwe	inz lant geladet hât!
ine gesach mit küneges	wîbe nie sô manegen man,
die swert enhende trüegen	und alsô strîteclîchen gân.

wizzet ir, vriunt Hagene,	ob si iu sîn gehaz?
sô wil ich iu râten,	ir hüetet deste baz
des lîbes und der êren.	jâ dunket ez mich guot!
als ich mich versinne,	si sint zornec gemuot.

und sint ouch sümelîche	zen brüsten alsô wît,
swer sîn selbes hüete,	der tuo daz enzît.
ich wæn, si die liehten brünne	nû dar under tragen.
wen si dâ mit meinen,	daz enkan ich niemen gesagen.“

dô sprach in zornes muote	Hagene, der küene man:
„ich weiz wol, daz ez allez	ist ûf mich getân,
daz si diu liehten wâfen	tragent an der hant.
vor den möhte ich noch gerîten	in der Burgonden lant.

nû sagt mir, vriunt Volkêr,	ob ir mir welt gestân,
ob wellent mit mir strîten	die Kriemhilde man.
daz lâzet ir mich hœren,	als liep als ich iu sî.
ich won iu immer mêre	mit triuwen dienstlîchen bî.“

„ich hilf iu sicherlîchen“,	sprach der spilman,
„ob ich uns engegene sæhe	den künec selbe gân
mit allen sînen recken.	die wîle ich leben muoz,
sô entwiche ich iu durch vorhte	nimmêr einen fuoz.“

„nû lôn iu got von himele,	vil edel Volkêr!
ob si mit mir strîten,	wes bedarf ich danne mêr?
sît ir mir helfen wellet,	als ich hân vernomen,
sô suln dise recken	vil gewerlîchen komen.“

„nû stê wir von dem sedele“,	sprach der spilman.
„si ist ein küneginne,	und lât si für gân.
bietet ir die êre.	si ist ein edel wîp.
dâ mit ist ouch getiuret	unser ieweders lîp.“

„nein, durch mîne liebe!“	sprach aber Hagene,
„sô wolden sich versinnen	dise degene,
daz ichz durch vorhte tæte,	und solde ich hin gân.
ich enwil durch ir deheinen	nimmêr von dem sedele stân.

jâ zimet ez uns beiden	ze wâre lâzen daz.
zwiu solde ich den êren,	der mir ist gehaz?
daz engetuon ich nimmêr,	die wîle ich hân den lîp.
ouch enruoche ich, waz mich genîdet	des künec Etzelen wîp.“

der übermüete Hagene	leite über sîniu bein
ein vil liehtez wâfen,	ûz des knopfe schein
ein vil liehter jaspes,	grüener danne ein gras.
wol erkande ez Kriemhilt,	daz ez Sîvrides was.

dô si daz swert erkande,	dô gie ir trûrens nôt.
sîn gehilze, daz was guldîn,	diu scheide ein porte rôt.
ez mante si ir leide.	weinen si began.
ich wæne, ez hete dar umbe	der küene Hagene getân.

Volkêr der snelle	zôch nâher ûf der banc
einen videlbogen	starken, vil michel und lanc,
gelîch einem swerte,	vil scharpf unde breit.
dô sâzen unervorhte	die zwêne degene gemeit.

nû dûhten sich sô hêre	die zwêne küene man,
daz si niht wolden	von dem sedel stân
durch niemens vorhte.	des gie in an den fuoz
diu edele küneginne	und bôt in vîentlîchen gruoz.

si sprach: „hêr Hagene,	wer hât nâch iu gesant,
daz ir getorstet rîten	her in diz lant,
unde ir daz wol erkandet,	waz ir mir habet getân?
hetet ir guote sinne,	ir soldet ez billîche lân.“

„nâch mir sande niemen“,	sprach dô Hagene,
„man ladete her ze lande	drîe degene,
die heizent mîne hêrren,	und bin ich ir man.
in deheiner hovereise	bin ich selten hinder in bestân.“

si sprach: „nû sagt mir mêre,	zwiu tâtet ir daz,
daz ir daz habt verdienet,	daz ich iu bin gehaz?
ir sluoget Sîvriden,	den mînen lieben man.
des ich unz an mîn ende immer	genuoc ze weinen hân.“

er sprach: „waz sol des mêre?	der rede ist nû genuoc.
ich binz aber,	Hagene, der Sîvriden sluoc,
den helt ze sînen handen.	wie sêre er des engalt,
daz diu schœne Kriemhilt	die vroun Prünhilden schalt!

ez ist êt âne lougen,	küneginne rîch,
ich hân es alles schulde,	des schaden schedelîch.
nû reche ez, swer der welle,	ez sî wîp oder man!
ich enwolde danne liegen,	ich hân iu leides vil getân.“

si sprach: „nû hœrt, ir recken,	wâ er mir lougent niht
aller mîner leide!	swaz im dâ von geschiht,
daz ist mir vil unmære,	ir Etzelen man.“
die übermüeten degene,	ein ander sâhen si an.

swer den strît dâ hüebe,	sô wære daz geschehen,
daz man den zwein gesellen	der êren müese jehen,
wan siz in stürmen heten	vil dicke wol getân.
des sich jene vermâzen,	durch vorhte muosen si daz lân.

dô sprach ein der recken:	„wes seht ir mich an?
daz ich ê dâ lobte,	des wil abe gân,
daz ich durch niemens gâbe	verliesen wil den lîp.
jâ wil uns verleiten	des künec Etzelen wîp!“

dô sprach dâ bî ein ander:	„des selben hân ich muot.
der mir gæbe türne	von rôtem golde guot,
disen videlære	wolde ich niht bestân,
durch sîne swinden blicke,	die ich an im gesehen hân.

ouch erkenne ich Hagenen	von sînen jungen tagen.
des mac man von dem recken	lîhte mir gesagen:
in zwein und zweinzec stürmen	hân ich in gesehen,
dâ vil maneger vrouwen	ist herzeleit geschehen.

er und der von Spânje	tâten manegen stich,
dô si hie bî Etzelen	vâhten manec wîc
ze êren dem künege.	des ist vil geschehen.
dar umb muoz man Hagenen	der êren billîche jehen.

dannoch was der recke	sîner jâr ein kint.
daz dô die tumben wâren,	wie grîse die nû sint!
nû ist er komen ze witzen	und ist ein grimmec man.
ouch treit er Balmungen,	daz er vil übele gewan.“

dâ mit was gescheiden,	daz niemen dâne streit.
dô wart der küneginne	herzenlîchen leit.
die helde kêrten dannen.	jâ vorhten si den tôt
von dem videlære.	des gie in sicherlîchen nôt.

dô sprach der videlære:	„wir haben daz wol ersehen,
daz wir hie vîande vinden,	als wir ê hôrten jehen.
wir suln zuo den künegen	hin ze hove gân,
sône tar unser hêrren	mit strîte niemen bestân.

wie dicke ein man durch vorhte	manegiu dinc verlât,
swâ sô vriunt bî vriunde	vriuntlîchen stât!
und hât er guote sinne,	daz ers niene tuot,
schade vil maneges	wirt von sinnen wol behuot.“

„nû wil ich iu volgen“,	sprach dô Hagene.
si giengen, dâ si funden	die zieren degene
in grôzem antpfange	an dem hove stân.
Volkêr der vil küene	vil lûte sprechen began

zuo den sînen hêrren:	„wie lange welt ir stân,
daz ir iuch lâzet dringen?	ir sult ze hove gân,
unde hœret an dem künege,	wie er sî gemuot!“
dô sach man sich gesellen	die helde küene und guot.

der fürste von Berne	nam an die hant
Gunthêren den vil rîchen	von Burgonden lant.
Irnvrit, der nam Gêrnôten,	den vil küenen man.
dô sach man Rüedegêren ze hove	mit Gîselhêren gân.

swie iemen sich gesellete	und ouch ze hove gie,
Volkêr unde Hagene,	die geschieden sich nie,
niuwan in einem sturme	an ir endes zît.
daz muosen edel vrouwen	beweinen grœzlîchen sît.

dô sach man mit den künegen	hin ze hove gân
ir edelen ingesindes	tûsent küener man,
dar über sehzec recken,	die wâren mit in komen.
die hete in sînem lande	der küene Hagene genomen.

Hâwart und ouch Îrinc,	die zwêne ûz erwelten man,
die sach man gesellîchen	bî den künegen gân.
Dancwart und Wolfhart,	ein tiuwerlîcher degen,
die sach man wol ir tugende	vor den anderen pflegen.

dô der vogt von Rîne	in den palas gie,
Etzel der vil rîche	daz langer niht enlie,
er spranc von sînem sedele,	als er in komen sach.
der gruoz sô rehte schône	von den künegen im geschach.

„sît willekomen, hêr Gunthêr,	und ouch hêr Gêrnôt
und iuwer bruoder Gîselhêr!	mîn dienest ich iu enbôt
mit triuwen vlîzeclîchen	ze Wormez über Rîn,
und allez daz gesinde	sol mir willekomen sîn.

nû sît uns grôze willekomen,	ir zwêne degene,
Volkêr der vil küene	und ouch Hagene,
mir und mîner vrouwen,	her in ditze lant!
si hât iu boten manege	hin ze Rîne gesant.“

dô sprach von Tronege Hagene:	„des hân ich vil vernomen.
wære ich durch mîne hêrren	zen Hiunen her niht komen,
sô wære ich iu zen êren	geriten in daz lant.“
dô nam der wirt vil edele	die lieben geste bî der hant.

er brâhte si zem sedele,	dâ er selbe saz.
dô schancte man den gesten,	mit vlîze tet man daz,
in wîten goldes schâlen	met, môraz unde wîn,
unde bat die ellenden	grôze willekomen sîn.

dô sprach der künec Etzel:	„des wil ich iu verjehen:
mir enkunde in dirre werlde	lieber niht geschehen
denne ouch an iu,	helden, daz ir mir sît bekomen.
des ist der küneginne	vil michel trûren benomen.

mich nimt des michel wunder,	waz ich iu habe getân,
sô manegen gast vil edel,	den ich gewunnen hân,
daz ir nie geruochtet	komen in mîniu lant.
daz ich iuch nû gesehen	hân, daz ist zen vröuden mir gewant.“

des antwurte Rüedegêr,	ein ritter hôchgemuot:
„ir muget si sehen gerne.	ir triuwe, diu ist guot,
der mîner vrouwen mâge	sô schône kunnen pflegen.
si bringent iu ze hûse	vil manegen wætlîchen degen.“

an sunewenden	âbent die hêrren wâren komen
in Etzelen hof des rîchen.	vil selten ist vernomen
von alsô hôhem gruoze,	als er die helde enpfie.
nû was ouch ezzens zît, der Rüedegêr	mit in ze tische gie.

ein wirt bî sînen gesten	schôner nie gesaz.
man gap in volleclîchen	trinken unde maz.
alles, des si gerten,	des was man in bereit.
man hete von den helden	vil michel wunder geseit.

der tac, der hete nû ende,	und nâhete in diu naht.
die wegemüeden recken,	ir sorge si an vaht,
wanne si solden ruowen	und an ir bette gân.
daz beredete Hagene.	ez wart in schiere kunt getân.

Gunthêr sprach ze dem wirte:	„got lâz iuch wol geleben!
wir wellen varn slâfen.	ir sult uns urloup geben.
swenne ir daz gebietet,	sô kom wir morgen vruo.“
er schiet von sînen gesten	vil harte vrœlîchen dô.

dringen allenthalben	die geste man dô sach.
Volkêr der küene	zuo den Hiunen sprach:
„wie getürret ir den recken	für die füeze gân?
unde welt irs iuch niht mîden,	sô wirt iu leide getân.

sô slahe ich etelîchem	sô swæren gîgen slac,
hât er getriuwer iemen,	der ez beweinen mac.
wan wîchet ir uns recken?	jâ dunket ez mich guot!
ez heizent allez degene	unde sint gelîche niht gemuot.“

dô der videlære	sô zorneclîchen sprach,
Hagene der küene	hinder sich dô sach.
er sprach: „iu râtet rehte	der küene spileman,
ir Kriemhilde helde, ir sult zen	herbergen gân.

des ir dâ habt willen,	ich wæn, ez iemen tuo.
welt ir ihtes beginnen,	sô kumet uns morgen vruo
unde lât uns ellende	hînt haben gemach.
jâ wæne ez von helden	mit sölchem willen ie geschach!“

dô brâhte man die geste	in einen wîten sal.
den funden si berihtet	den recken über al
mit vil rîchen	betten, lanc und breit.
in riet diu vrouwe Kriemhilt	diu aller grœzesten leit.

vil manegen kulter spæhe	von Arraz man dâ sach
der vil liehten pfellel,	und manec bettedach
von arâbischen sîden,	die beste mohten sîn.
dar ûfe lâgen lîsten,	die gâben hêrlîchen schîn.

diu decklachen hermîn	vil manegiu man dâ sach,
und von swarzem zoble,	dar under si ir gemach
des nahtes schaffen solden	unz an den liehten tac.
ein künec mit sînem	gesinde nie sô hêrlîch gelac.

„ouwê der nahtselde!“	sprach Gîselhêr daz kint,
„und ouwê mîner vriunde,	die mit uns komen sint!
swie êt ez uns mîn swester	sô güetlîche erbôt,
ich fürhte, daz wir müezen	von ir schulden ligen tôt.“

„nû lâzet iuwer sorgen!“	sprach Hagene der degen,
„ich wil noch hînte selbe	der schiltwahte pflegen.
ich trûwe uns wol behüeten,	unz komet der tac.
des sît gar ân angest.	sô genese, swer der mac.“

dô nigen si im alle	unde sagten im des danc.
si giengen zuo den betten.	diu wîle was niht lanc,
daz sich geleget heten	die wætlîchen man.
Hagene, der küene	helt, sich wâfen began.

dô sprach der videlære,	Volkêr der degen:
„versmâhet ez iu niht, Hagene,	sô wolde ich mit iu pflegen
der schiltwahte hînte	unz morgen vruo.“
der helt vil minneclîche	dankete Volkêre dô.

„nû lôn iu got von himele,	vil lieber Volkêr!
zallen mînen sorgen	sône gerte ich niemens mêr
niuwan iuch aleine,	swâ ich hete nôt.
ich sol ez wol verdienen,	mich enwende es der tôt.“

dô garten si sich beide	in liehtez ir gewant.
dô nam ir ietwedere	den schilt an sîne hant,
und giengen ûz dem hûse	für die tür stân.
dô pflâgen si der geste.	daz was mit triuwen getân.

Volkêr der snelle,	zuo des sales want
sînen schilt den guoten	leite er von der hant.
dô gie er hin widere.	die videl er genam.
dô diente er sînen vriunden,	als ez dem helde gezam.

under die tür des hûses	saz er für den stein.
küener videlære,	der wart nie dehein.
dô im der seiten dœnen	sô süezeclîch erklanc,
die stolzen ellenden	sagtens Volkêren danc.

dô klungen sîne seiten,	daz allez daz hûs erdôz.
sîn ellen zuo der fuoge,	diu beidiu wâren grôz.
ie süezer und süezer	er videlen began.
dô entswebte er an den betten	vil manegen sorgenden man.

dô si entslâfen wâren,	und er daz ervant,
dô nam der degen widere	den schilt an die hant
und gie zuo dem gademe	für den türn stân,
und huote der ellenden	vor den Kriemhilde man.

des nahtes wol enmitten,	ine weiz ez ê geschach,
daz Volkêr der küene einen	helm schînen sach
verre ûz einer vinster.	die Kriemhilde man,
die wolden an den gesten	gerne schaden hân getân.

dô sprach der videlære:	„vriunt Hagene,
uns zimt disiu sorge	ensamt ze tragene.
ich sihe gewâfente liute	bî dem hûse stân.
als ich mich versinne, ich wæne,	si wellent uns bestân.“

„sô swîget!“ sprach dô Hagene,	„lât si uns her nâher baz,
ê si unser werden innen.	sô wirt hie helmvaz
verrucket mit den swerten	von unser zweier hant.
si werdent Kriemhilde	hin wider übele gesant.“

ein der Hiunen recken	vil schiere daz gesach,
daz diu tür was behüetet.	wie balde er dô sprach:
„des wir dâ heten willen,	jâne mac es niht ergân!
ich sihe den videlære	an der schiltwahte stân.

der treit ûf sînem houbete	einen helm glanz,
lûter und herte,	starc unde ganz.
ouch lohent im die ringe,	sam daz fiuwer tuot.
bî im stât ouch Hagene.	des sint die geste wol behuot.“

zehant si kêrten widere.	dô Volkêr daz ersach,
wider sînen gesellen	er zorneclîchen sprach:
„nû lât mich zuo den recken	vor dem hûse gân!
ich wil vrâgen mære	der vroun Kriemhilde man.“

„nein, durch mîne liebe!“	sprach dô Hagene.
„kumt ir von dem hûse,	die snellen degene
bringent iuch mit swerten	vil lîhte in sölche nôt,
daz ich iu müese helfen, und wære	ez aller mîner mâge tôt.

sô wir danne beide	kœmen in den strît,
ir zwêne oder viere	in einer kurzen zît
sprüngen zuo dem hûse	unde tæten uns diu leit
an den slâfenden recken,	diu nimmêr würden verkleit.“

dô sprach aber Volkêr:	„sô lât daz geschehen,
daz wir si bringen innen,	daz ich si habe gesehen,
daz des iht haben lougen	die Kriemhilde man,
daz si ungetriuwelîche	vil gerne heten getân!“

zehant dô rief in Volkêr	hin engegene:
„wie gât ir sus gewâfent,	ir snellen degene?
welt ir schâchen rîten,	ir Kriemhilde man,
dar sult ir mich ze helfe	unde mîne hergesellen hân!“

des antwurte im niemen.	zornec was sîn muot.
„pfî, ir zagen bœse!“	sprach der helt guot,
„wolt ir slâfende	uns ermordet hân?
daz ist sô guoten helden	noch vil selten her getân.“

dô wart der küneginne	vil rehte geseit,
daz ir boten niht erwurben.	von schulden was ir leit.
dô fuogete si ez anders.	vil grimmec was ir muot.
des muosen sît verderben	die helde küene unde guot.

„mir kuolent sô die ringe“,	sô sprach Volkêr,
„jâ wæne diu naht uns welle	nû niht wern mêr!
ich kius ez von dem lufte,	ez ist schiere tac.“
dô wacten si dô manegen,	der noch slâfende lac.

dô erschein der liehte morgen	den gesten in den sal.
Hagene begunde wecken	die ritter über al,
ob si zuo dem münster	zer messe wolden gân.
nâch siten kristenlîche	man vil liuten began.

si sungen ungelîche,	daz dâ vil wol schein,
kristen unde heiden,	die wâren niht enein.
dô wolden zuo der kirchen	die Gunthêres man.
si wâren von den betten	al gelîche gestân.

dô næten sich die recken	in alsô guot gewant,
daz nie helde mære	in deheines küneges lant
ie bezzer kleider brâhten.	daz was Hagenen leit.
er sprach: „jâ sult ir helde	hie tragen anderiu kleit!

jâ sint iu doch genuogen	diu mære wol bekant!
nû traget für die rôsen	diu wâfen an der hant,
für schapel wol gesteinet	die liehten helme guot,
sît daz wir wol erkennen	der argen Kriemhilden muot.

wir müezen hiute strîten,	daz wil ich iu sagen.
ir sult für sîden hemde	die halsperge tragen
und für die rîchen mentel	die guoten schilde wît,
ob iemen mit iu zürne,	daz ir vil werlîche sît.

mîne vil lieben	hêrren, dar zuo mâge und man,
ir sult vil willeclîchen	zuo der kirchen gân,
unde klaget got dem rîchen	iuwer sorge und iuwer nôt,
und wizzet sicherlîchen,	daz uns nâhet der tôt.

ir ensult ouch niht vergezzen,	swaz ir habet getân,
unde sult vil vlîzeclîche	dâ gein gote stân.
des wil ich iuch warnen,	recken vil hêr,
ez enwelle got von himele,	ir vernemet messe nimmêr mêr.“

sus giengen zuo dem münster	die fürsten und ir man.
ûf dem vrônem vrîthove,	dâ hiez si stille stân
Hagene der küene,	daz si sich schieden niht.
er sprach: „jâ weiz ez noch niemen,	waz von den Hiunen uns geschiht!

leget, mîne vriunde,	die schilde für den fuoz,
unde geltet, ob iu iemen	welle bieten swachen gruoz,
mit tiefen verchwunden!	daz ist Hagenen rât,
daz ir sô werdet funden,	daz ez iu lobelîchen stât.“

Volkêr und Hagene,	die zwêne giengen dan
für daz wîte münster.	daz wart durch daz getân,
daz si daz wolden wîzen,	daz des küneges wîp
müese mit in dringen.	jâ was vil grimmec ir lîp.

dô kom der wirt des landes	und ouch sîn schœne wîp.
mit rîchem gewande	gezieret was ir lîp,
und ouch vil sneller recken,	die man sach mit ir varn.
dô kôs man hôhe stouben	von der Kriemhilde scharn.

dô der künec rîche	sus gewâfent sach
die künege und ir gesinde,	wie balde er dô sprach:
„wie sihe ich vriunde mîne	under helme gân?
mir ist leit, ûf mîne triuwe,	und hât in iemen iht getân,

ich solz in büezen gerne,	swie si dunket guot.
hât iemen in beswæret	daz herze und ouch den muot,
des bringe ich si wol innen,	daz ez mir ist vil leit.
swaz si mir gebietent,	des bin ich in alles bereit.“

des antwurte Hagene:	„uns hât niemen niht getân.
ez ist site mîner hêrren,	daz si gewâfent gân
zallen hôchgezîten	ze vollen drîen tagen.
swaz man uns hie getæte,	wir soldenz Etzelen sagen.“

vil wol hôrte Kriemhilt,	waz dô Hagene sprach.
wie rehte vîentlîche	si im under sach!
sine wolde doch niht	melden den site von ir lant,
swie lange si den hete	dâ zen Burgonden bekant.

swie grimme und swie starc si in	vîent wære,
hete im iemen gesaget	diu rehten mære,
er hete wol understanden,	daz doch sît dâ geschach.
durch ir vil starke übermuot	ir deheiner im es verjach.

dô gie vil grôziu menege	mit der küneginne dan.
dône wolden dise	zwêne doch niht hôher stân
zweier hande breite.	daz was den Hiunen leit.
jâ muosen si sich dringen	mit den helden gemeit.

Etzelen kamerære,	diene dûhte daz niht guot.
jâ heten si den recken	erzürnet dô den muot,
wan daz sine torsten	vor dem künege hêr.
dâ was vil michel dringen	und doch niht anders mêr.

dô man dâ gote gediente,	und daz si wolden dan,
vil balde kom zen rossen	vil manec Hiunen man.
dô was bî Kriemhilde	manec schœniu meit.
wol siben tûsent degene	bî der küneginne reit.

Kriemhilt mit ir vrouwen	in diu venster gesaz
zuo Etzel dem rîchen.	vil liep was im daz.
si wolden schouwen rîten	die helde vil gemeit.
hey, waz vremder recken	vor in ûf dem hove reit!

dô was ouch der marschalc	mit den knehten komen,
Dancwart der vil küene.	der hete zuo zim genomen
sînes hêrren ingesinde	von Burgonden lant.
diu ross man wol gesatelt	den küenen Nibelungen vant.

dô si zen rossen kômen,	die künege unde ouch ir man,
Volkêr der starke	râten daz began,
si solden bûhurdieren	nâch ir landes siten.
des wart von den helden	sît vil hêrlîch geriten.

der helt hete in gerâten,	des si doch niht verdrôz.
der bûhurt und daz schallen,	diu wurden beide grôz.
ûfe den hof vil wîten	kom vil manec man.
Etzel unde Kriemhilt	daz selbe schouwen began.

ûf den bûhurt kômen	sehs hundert degene
der Dieterîches recken	den gesten zegegene.
si wolden kurzewîle	mit den Burgonden hân.
hete ers in gegunnen,	si hetenz gerne getân.

hey, waz guoter recken	in dâ nâch reit!
dem hêrren Dieterîche,	dem wart daz geseit.
mit Gunthêres mannen	daz spil er in verbôt.
er vorhte sîner manne.	des gie im sicherlîchen nôt.

dô dise von Berne	gescheiden wâren dan,
dô kômen von Bechelâren	die Rüedegêres man,
fünf hundert under schilde,	für den sal geriten.
liep wære dem marcgrâven,	daz siz heten vermiten.

dô reit er wîslîchen	zuo zin durch die schar
unde sagete sînen degenen,	si wæren des gewar,
daz in unmuote	wæren die Gunthêres man.
ob si den bûhurt liezen,	ez wære im liebe getân.

dô si von in geschieden	die helde vil gemeit,
dâ kômen die von Düringen,	als uns daz ist geseit,
und der von Tenemarken	wol tûsent küener man.
von stichen sach man vliegen	vil der trunzûne dan.

Irnvrit unde Hâwart	in den bûhurt riten.
ir heten die von Rîne	vil stolzlîch erbiten.
si buten manege tjoste	den von Düringen lant.
des wart von stichen dürkel	vil manec hêrlîcher rant.

dô kom der hêrre Blœdelîn	mit drîn tûsent dar.
Etzel und Kriemhilt nâmen	sîn vil wol war,
wande vor in beiden	diu ritterschaft geschach.
diu küneginne ez gerne	durch leit der Burgonden sach.

Schrûtân unde Gibeche	ûf den bûhurt riten,
Râmunc und Hornboge,	nâch hiunischen siten.
si hielten gegen den helden	von Burgonden lant.
die schefte dræten hôhe über	des küneges sales want.

swes iemen dâ pflæge,	sô was ez niuwan schal.
man hôrte von schilde stœzen	palas unde sal
harte lûte erdiezen	von Gunthêres man.
den lop daz sîn gesinde	mit grôzen êren gewan.

dô was ir kurzewîle	sô michel und grôz,
daz durch die kovertiure	der blanke sweiz dô vlôz
von den guoten rossen,	diu die helde riten.
si versuochtenz an die Hiunen	mit vil hôchvertegen siten.

dô sprach der küene recke,	Volkêr der spilman:
„ich wæn, uns dise recken	türren niht bestân.
ich hôrte ie sagen mære,	si wæren uns gehaz.
nûne kundez sich gefüegen	ze wâre niender baz.“

„zen herbergen füeren“,	sprach aber Volkêr,
„sol man uns die mœre,	und rîten danne mêr
gegen âbende,	sô des wirdet zît.
waz, ob diu küneginne	den lop den Burgonden gît?“

dô sâhens einen ritter	sô weigerlîchen hie,
daz al der Hiunen	getet deheiner nie.
jâ mohte er in den zîten	wol haben herzen trût:
er fuor sô wol gekleidet	sam eines edelen ritters brût.

dô sprach aber Volkêr:	„wie möhte ich daz verlân?
jener trût der vrouwen	muoz ein gebiuze hân.
ez kunde niemen gescheiden,	ez gât im an den lîp.
jâne ruoche ich, ob ez zürne	des künec Etzelen wîp!“

„nein, durch mîne liebe“,	sprach der künec sân,
„ez wîzent uns die liute.	und ob wir si bestân,
ir lât ez heben die Hiunen,	daz füeget sich noch baz.“
dannoch der künec Etzel	bî der küneginne saz.

„ich wil den bûhurt mêren“,	sprach dô Hagene,
„lât die vrouwen schouwen	und die degene,
wie wir kunnen rîten!	daz ist guot getân.
man gît doch lop deheinen	des künec Gunthêres man.“

Volkêr der vil snelle	den bûhurt wider reit.
daz wart sît maneger	vrouwen vil grœzlîche leit:
er stach dem rîchen Hiunen	daz sper durch sînen lîp.
daz sach man sît beweinen	beide maget und wîp.

vil harte hurteclîche	Hagene unde sîne man
mit sehzec sîner degene	rîten er began
nâch dem videlære,	dâ daz spil geschach.
Etzel unde Kriemhilt	ez bescheidenlîchen sach.

dône wolden die drî künege	den ir spileman
bî den vîanden	niht âne huote lân.
dâ wart von tûsent helden	vil kreftelîch geriten.
si tâten, daz si wolden,	in vil hôchverteclîchen siten.

dâ der rîche Hiune	ze tôde wart erslagen,
man hôrte sîne mâge	wuofen und klagen.
dô ruofte al daz gesinde:	„wer hât ez getân?“
„daz hât der videlære,	Volkêr, der küene spileman!“

nâch swerten und nâch schilden	riefen dâ zehant
des marcgrâven mâge	von der Hiunen lant.
si wolden Volkêren	ze tôde erslagen hân.
der wirt ûz einem venster	vil harte gâhen began.

dô huop sich von den liuten	allenthalben schal.
die künege unde ir gesinde	erbeizten für den sal.
diu ross ze rucke stiezen	die Burgonden man.
dô kom der künec Etzel.	der hêrre ez scheiden began.

ein des Hiunen mâge,	den er bî im vant,
ein vil starkez wâfen	brach er im ûz der hant.
dô sluoc ers alle widere,	wand im was vil zorn.
„wie hete ich mînen dienest	an disen helden verlorn?

ob ir hie bî mir slüeget	disen spilman“,
sprach der künec Etzel,	„daz wære missetân.
ich sach vil wol sîn rîten,	dô er den Hiunen stach,
daz ez von einem strûche	ân sîne schulde geschach.

ir müezet mîne geste	vride lâzen hân!“
dô wart er ir geleite.	diu ross, diu zôch man dan
zuo den herbergen.	si heten manegen kneht,
die in mit vlîze wâren	zallem dieneste gereht.

der wirt mit sînen vriunden	in den palas gie.
zorn er mêr deheinen	dâ niht werden lie.
dô rihte man die tische.	daz wazzer man in truoc.
dâ heten die von Rîne	der starken vîande genuoc.

ê die hêrren gesâzen,	des was harte lanc.
diu Kriemhilde sorge	si ze sêre twanc.
si sprach: „fürste von Berne,	ich suoche es dînen rât,
helfe unde genâde.	mîn dinc mir angestlîchen stât.“

des antwurte ir Hildebrant,	der recke lobelîch:
„swer sleht die Nibelunge,	der tuot ez âne mich,
durch deheines schatzes liebe.	ez mac im werden leit.
si sint noch unbetwungen,	die snellen ritter gemeit.“

dô sprach in sînen zühten	dar zuo hêr Dieterîch:
„die bete lâ belîben,	küneginne rîch!
mir habent dîne mâge	der leide niht getân,
daz ich die degen küene	mit strîte welle bestân.

diu bete dich lützel êret,	vil edeles fürsten wîp,
daz dû dînen mâgen	rætest an den lîp.
si kômen ûf genâde	her in diz lant.
Sîvrit ist ungerochen	von der Dieterîches hant.“

dô si der untriuwe	an dem Bernære niene vant,
dô lobte si alsô balde	in Blœdelînes hant
eine rîche marke,	die Nuodunc ê besaz.
sît dô sluoc in Dancwart,	daz er der gâbe gar vergaz.

si sprach: „dû solt mir helfen,	hêrre Blœdelîn.
jâ sint in disem hûse	die vîande mîn!
die sluogen Sîvriden,	den mînen lieben man.
swer mir daz hilfet rechen,	dem bin ich immer undertân.“

des antwurte ir Blœdelîn:	„vrouwe, nû wizzet daz:
jâne getar ich in vor Etzelen	gerâten keinen haz,
wande er die dîne	mâge, vrouwe, vil gerne siht.
tæte ich in iht ze leide,	der künec vertrüege mir sîn niht.“

„Neinâ, hêrre Blœdelîn,	ich bin dir immer holt!
jâ gip ich dir ze miete	silber unde golt
unde eine maget schœne,	daz Nuodunges wîp!
sô maht dû gerne triuten	den ir vil minneclîchen lîp.

daz lant zuo den bürgen	wil ich dir allez geben.
sô maht dû, ritter edel,	mit vröuden immer leben,
gewinnestû die marke,	dâ Nuodunc inne saz.
swaz ich dir gelobe hiute,	mit triuwen leist ich dir daz.“

dô der hêrre Blœdelîn	die miete dâ vernam,
und daz im durch ir schœne	diu vrouwe wol gezam,
mit strîte wânde er dienen	daz minneclîche wîp.
dar umbe muose der recke	dô verliesen den lîp.

er sprach zer küneginne:	„gât wider in den sal!
ê es iemen werde innen,	sô heb ich einen schal.
ez muoz erarnen Hagene,	daz er iu hât getân.
ich antwurte iu gebunden	des künec Gunthêres man.“

„nû wâfent iuch“, sprach Blœdelîn,	„alle mîne man!
wir suln den vîanden	in die herberge gân.
des wil mich niht erlâzen	daz Etzelen wîp.
dar umbe suln wir helde	alle wâgen den lîp.“

dô diu küneginne	Blœdelînen lie
in des strîtes willen,	ze tische si dô gie
mit Etzel dem künege	unde ouch mit sînen man.
si hete swinde ræte	an die geste getân.

dô der strît niht anders	kunde sîn erhaben,
Kriemhilt ir leit daz alte	in ir herzen was begraben,
dô hiez si tragen	zen tischen den Etzelen sun.
wie kunde ein wîp durch râche	immer vreislîcher getuon?

dar giengen an der stunde	die Etzelen man.
si truogen Ortlieben,	den jungen künec, dan
zuo der fürsten tische,	dâ ouch Hagene saz.
des muose daz kint ersterben	durch sînen mortlîchen haz.

dô der künec rîche	sînen sun ersach,
zuo sînen konemâgen	er güetlîche sprach:
„nû seht ir, vriunt die mîne,	daz ist mîn einec sun
und ouch iuwer swester.	daz mac iu allen wesen vrum.

gevæhet er nâch dem künne,	ez wirt ein küene man,
rîch und vil edel,	starc unde wolgetân.
leb ich deheine	wîle, ich gip im zwelf lant.
sô mac iu wol gedienen	des edelen Ortliebes hant.

dar umbe bit ich gerne	iuch, liebe vriunde mîn:
swenne ir ze lande	rîtet wider an den Rîn,
sô sult ir mit iu füeren	iuwerer swester sun,
und sult ouch an dem kinde	vil genædeclîchen tuon.

unde ziehet in zen êren,	unz er werde ze man!
hât iu in dem lande	iemen iht getân,
daz hilfet er iu rechen,	gewehset im sîn lîp.“
die rede hôrte ouch Kriemhilt,	des künec Etzelen wîp.

„im solden wol getrûwen	dise degene,
gewüehse er zeinem manne“,	sô sprach Hagene,
„doch ist der künec junge	sô veiclîch getân.
man sol mich sehen selten	ze hove nâch Ortliebe gân.“

der künec an Hagenen blicte.	diu rede was im leit.
swie niht dar umbe redete	der fürste vil gemeit,
ez betruobete im sîn herze	unde beswârete im den muot.
dône was der Hagenen	wille niht ze kurzewîle guot.

ez tet den fürsten allen	mit dem künege wê,
daz Hagene von sînem	kinde hete gesprochen ê.
daz siz vertragen solden,	daz was in ungemach.
sine wessen niht der mære,	waz von dem recken sît geschach.

Blœdelînes recken,	die wâren alle gar.
mit tûsent halspergen	huoben si sich dar,
dâ Dancwart mit den knehten	ob dem tische saz.
dâ huop sich under helden	der aller grœzeste haz.

alsô der hêrre Blœdelîn	für die tische gie,
Dancwart der marschalc	in vlîzeclîche enpfie:
„willekomen her ze	hûse, mîn hêr Blœdelîn!
jâ wundert mich der mære:	waz sol disiu rede sîn?“

„jâne dürfet ir mich niht	grüezen!“ sô sprach Blœdelîn,
„wan diz komen daz mîne,	daz muoz dîn ende sîn,
durch Hagenen, dînen bruoder,	der Sîvriden sluoc.
des engiltest dû hie zen Hiunen,	und ander degene genuoc.“

„Neinâ, hêrre Blœdelîn!“	sô sprach dô Dancwart,
„sô möhte uns wol balde	riuwen disiu hovevart.
ich was ein wênec kindelîn,	dô Sîvrit verlôs den lîp.
ine weiz niht, waz mir wîzet	des künec Etzelen wîp.“

„jâne weiz ich dir der	mære niht ze sagene,
ez tâten dîne mâge,	Gunthêr unde Hagene!
nû wert iuch, vil ellenden!	ir künnet niht genesen.
ir müezet mit dem tôde	pfant daz Kriemhilde wesen.“

„sône welt ir niht erwinden“,	sô sprach Dancwart,
„sô riuwet mich mîn vlêhen,	daz wære baz gespart.“
der snelle degen küene	von dem tische spranc.
er zôch ein scharpfez wâfen,	daz was michel unde lanc.

dô sluoc er Blœdelîne	einen swinden swertes slac,
daz im daz houbet schiere	vor den füezen gelac.
„daz sî dîn morgengâbe“,	sprach Dancwart der degen,
„zuo Nuodunges brûte,	der dû mit minnen woldest pflegen!

man mac si morgen mehelen	einem anderm man.
wil er die brûtmiete,	dem wirt alsam getân.“
ein vil getriuwer Hiune	hete im daz geseit,
daz im diu küneginne	riet sô grôziu leit.

dô sâhen Blœdelînes	man, ir hêrre lac erslagen.
dône wolden si den gesten	niht langer daz vertragen.
mit ûf erburten swerten	si sprungen für diu kint
in grimmigem muote.	daz gerou vil manegen sint.

vil lûte rief dô Dancwart	daz gesinde allez an:
„ir seht wol, edelen knehte,	wie ez wil umbe gân.
nû wert iuch, vil ellenden!	deiswâr, des gât uns nôt,
swie uns diu edele Kriemhilt	sô rehte güetlîch enbôt.“

die niht swert enheten,	die reichten für die banc,
unde huoben von den füezen	vil manegen schamel lanc.
der Burgonden knehte	in wolden niht vertragen.
dâ wart von swæren stüelen	durch helme biulen vil geslagen.

wie grimme sich dô werten	diu ellenden kint!
si triben ûz dem hûse	die gewâfenten sint,
doch beleip ir tôt dar inne	fünf hundert oder baz.
dô was daz ingesinde	von bluote rôt unde naz.

disiu starken mære	wurden dan geseit
den Etzelen recken.	ez was in grimme leit,
daz erslagen wære	Blœdel und sîne man.
daz hete Hagenen	bruoder mit den knehten getân.

ê ez diu küneginne erfünde,	die Hiunen, durch ir haz,
der garte sich zwei tûsent	oder dannoch baz.
si giengen zuo den knehten,	daz muose êt alsô wesen,
unde liezen des gesindes	niender einen genesen.

die ungetriuwen brâhten	für daz hûs ein michel her.
die ellenden knehte,	die stuonden wol ze wer.
waz half ir baldez ellen?	si muosen ligen tôt.
dar nâch in kurzen stunden	huop sich ein vreislîchiu nôt.

hie müget ir hœren wunder	bî ungefuoge sagen:
niun tûsent knehte,	die lâgen tôt erslagen.
dar über ritter zwelve	der Dancwartes man.
man sach in alterseine	noch bî den vîanden stân.

der schal der was geswiftet,	der dôz der was gelegen.
dô blicte über ahsel	Dancwart der degen.
er sprach: „ouwê der vriunde,	die ich verlorn hân!
nû muoz ich leider eine	bî mînen vîanden stân.“

diu swert genôte vielen	ûf sîn eines lîp.
daz muose sît beweinen	vil maneges heldes wîp.
den schilt, den ructe er hôher,	den vezzel nider baz.
dô vrumte er vil der ringe	mit bluote vliezende naz.

„sô wê mir dirre leide!“	sprach Aldrîânes kint,
„nû wîchet, Hiunen recken!	ir lât mich an den wint,
daz der luft erküele	mich sturmes müeden man!“
dô sach man den recken	vil harte hêrlîche gân.

alsô der strîtes müede	ûz dem hûse spranc,
waz iteniuwer swerte	ûf sînem helm erklanc!
die niht gesehen heten,	waz wunders tet sîn hant,
die sprungen hin engegene	dem von Burgonden lant.

„nû wolde got“, sprach Dancwart,	„möhte ich den boten hân,
der mînen bruoder Hagenen	kunde wizzen lân,
daz ich vor disen recken	stân in sölcher nôt!
der hülfe mir von hinnen,	oder er gelæge bî mir tôt.“

dô sprâchen Hiunen recken:	„der bote muostû sîn,
sô wir dich tragen tôten	für den bruoder dîn.
sô siht im êrste	leide der Gunthêres man.
dû hâst dem künege Etzel	sô grôzen schaden hie getân.“

er sprach: „nû lât daz dröuwen,	unde wîchet hôher baz.
jâ getuon ich etelîchem	noch die ringe naz!
ich wil diu mære selbe	hin ze hove sagen,
unde wil ouch mînen hêrren	mînen grôzen kumber klagen.“

er leidete sich sô sêre	den Etzelen man,
daz si in mit den swerten	torsten niht bestân.
dô schuzzen si der gêre	sô vil in sînen rant,
daz er in durch die swære	muose lâzen von der hant.

dô wânden si in betwingen,	dô er niht schildes truoc.
hey, waz er tiefer wunden	durch die schilde sluoc!
des muose vor im strûchen	vil manec küener man.
dar umbe lop vil grôzen	der starke Dancwart gewan.

ze beiden sînen sîten	sprungen si im zuo.
jâ kom ir ieslîcher	in den strît ze vruo.
dô gie er vor den vîanden,	als ein eberswîn
ze walde tuot vor hunden.	wie möhte er küener gesîn?

sîn vart wart erniuwet	von heizem bluote naz.
jâne kunde ein einec	recke gestrîten nimmêr baz
sînen vîanden,	danne er hete getân.
man sach den Hagenen bruoder	ze hove hêrlîchen gân.

truhsæzen unde schenken,	die hôrten swerte klanc.
vil maneger dô daz trinken	von der hende swanc
unde eteslîche spîse,	die man ze hove truoc.
dô kom im vor der stiegen	der starken vîande genuoc.

„wie nû, ir truhsæzen?“	sprach der müede degen,
„jâ soldet ir der geste	vil güetlîche pflegen,
unde soldet ir den hêrren	guote spîse tragen
unde liezet mich den mînen	hêrren diu mære rehte sagen!“

swelcher im durch sîn ellen	für die stiege spranc,
der sluoc er eteslîchem	sô grimmen swertes swanc,
daz si durch die vorhte	ûf hôher muosen stân.
ez hete sîn starkez ellen	vil michel wunder getân.

alsô der küene Dancwart	under die tür getrat,
daz Etzelen gesinde	er hôher wîchen bat.
mit bluote was berunnen	allez sîn gewant.
ein vil starkez wâfen,	daz truoc er blôz an sîner hant.

vil lûte rief dô Dancwart	zuo dem degene:
„ir sitzet al ze lange,	bruoder Hagene!
iu unde got von himele	klag ich unser nôt:
ritter unde knehte	sint in den herbergen tôt.“

er rief im hin engegene:	„wer hât daz getân?“
„daz hete der hêrre	Blœdelîn unde sîne man.
ouch hât ers sêre engolten,	daz wil ich iu sagen:
ich hân mit mînen handen	im sîn houbet abe geslagen.“

„daz ist ein schade kleine“,	sprach aber Hagene,
„dâ man saget mære	von einem degene,
ob er von recken henden	verliuset sînen lîp.
in suln deste ringer	klagen wætlîchiu wîp.

nû saget mir, bruoder Dancwart,	wie sît ir sô rôt?
ich wæne, ir von wunden	lîdet grôze nôt.
ist er iender ime lande,	der ez iu hât getân,
in enner der übel tiuvel,	ez muoz im an sîn leben gân.“

„dû sihest mich wol gesunden.	mîn wât ist bluotes naz.
von anderer manne wunden	ist mir geschehen daz,
der ich alsô manegen	hiute hân erslagen,
ob ich es sweren solde,	ine kundez nimmêr gesagen.“

er sprach: „bruoder Dancwart,	sô hüetet uns der tür,
unde lât der Hiunen einen	komen niht der für!
ich wil reden mit den recken,	als uns des twinget nôt.
unser ingesinde	lît vor in unverdienet tôt.“

„sol ich sîn kamerære“,	sprach der küene man,
„alsô rîchen künegen	ich gedienen kan,
sô pflige ich der stiegen	nâch den êren mîn.“
den Kriemhilde degenen	kunde leider niht gesîn.

„mich nimt des michel wunder“,	sprach aber Hagene,
„waz nû hinne rûnen	die Hiunen degene.
si wæn lîhte des enbæren,	der an der tür dâ stât,
und diu hovemære	gesaget den Burgonden hât.

ich hân vernomen lange	von Kriemhilde sagen,
daz si ir herzeleide	wolde niht vertragen.
nû trinken wir die minne	unde gelten sküneges wîn!
der junge vogt der Hiunen,	der muoz der êrste sîn.“

dô sluoc daz kint Ortlieben	Hagene der helt guot,
daz im gegen der hende	ame swerte vlôz daz bluot,
und daz dem künege	daz houbet spranc in die schôz.
dô huop sich under degenen	ein mort vil grimmec unde grôz.

dar nâch sluoc er dem magezogen	einen swinden slac
mit beiden sînen henden,	der des kindes pflac,
daz im daz houbet schiere	vor dem tische nider lac.
ez was ein jæmerlîchez lôn,	daz er dem magezogen wac.

er sach vor Etzelen	tische einen spilman.
Hagene in sînem zorne	gâhen dar began.
er sluoc im ûf der videlen	ab die zeswen hant.
„daz habe dir ze boteschefte	in der Burgonden lant!“

„sô wê mir mîner hende!“	sprach Werbel der spilman.
„hêr Hagene von Tronege,	waz hete ich iu getân?
ich kom ûf grôze triuwe	in iuwerer hêrren lant.
wie klinge ich nû die dœne,	sît ich verlorn hân die hant?“

Hagene geahtete ringe,	gevidelte er nimmêr mêr.
dô vrumte er in dem hûse	diu mortgrimmen sêr
an den Etzelen recken,	der er sô vil ersluoc.
dô brâhte er in dem hûse	liutes ze tôde genuoc.

Volkêr der vil snelle	von dem tische spranc.
sîn videlboge im lûte	an sîner hende erklanc.
dô videlte ungefuoge	Gunthêres spilman.
hey, waz er im ze vîande	der küenen Hiunen gewan!

ouch sprungen von den tischen	die drîe künege hêr.
si woldenz gerne scheiden,	ê daz schaden geschæhe mêr.
sine mohtenz mit ir	sinnen dô niht understân,
dô Volkêr unde Hagene	sô sêre wüeten began.

dô sach der vogt von Rîne	ungescheiden den strît.
dô sluoc der fürste selbe	vil manege wunden wît
durch die liehten ringe	den vîanden sîn.
er was ein helt zen handen.	daz tet er grœzlîche schîn.

dô kom ouch zuo dem strîte	der starke Gêrnôt.
jâ vrumte er der Hiunen	vil manegen helt tôt
mit einem scharpfem swerte,	daz gap im Rüedegêr.
den Etzelen recken	tet er diu grœzlîchen sêr.

der junge sun vroun Uoten	zuo dem strîte spranc.
sîn wâfen hêrlîchen	durch die helme erklanc
den Etzelen recken	ûzer Hiunen lant.
dâ tet vil michel wunder	des küenen Gîselhêres hant.

swie vrum si alle wæren,	die künege und alle ir man,
doch sach man vor in allen	Gîselhêren stân
gegen den vîanden.	er was ein helt guot.
er vrumte dâ mit wunden	vil manegen vallen in daz bluot.

ouch werten sich vil sêre	die Etzelen man.
dô sach man die geste	houwende gân
mit den vil liehten swerten	durch des küneges sal.
dô hôrte man allenthalben	von wuofe grôzen schal.

dô wolden die dar ûze	zir vriunden sîn dar in.
die nâmen an den türen	vil kleinen gewin.
dô wæren die dar inne	vil gerne für den sal.
Dancwart liez ir deheinen	die stiegen ûf unde ouch ze tal.

des huop sich vor den türen	vil starker gedranc
unde ouch von den swerten	grôzer helme klanc.
des kom der küene Dancwart	in eine grôze nôt.
daz besorgete sîn bruoder,	als im sîn triuwe daz gebôt.

vil lûte rief dô Hagene	Volkêren an:
„seht ir dort, geselle,	mînen bruoder stân
vor hiunischen recken	under starken slegen?
vriunt, nert mir den bruoder,	ê wir verliesen den degen!“

„daz tuon ich sicherlîchen“,	sprach der spilman.
er begunde videlende	durch den palas gân.
ein hertez swert im ofte	an sîner hende erklanc.
die recken von dem Rîne	im sageten grœzlîchen danc.

Volkêr der küene	zuo Dancwarten sprach:
„ir habt erliten hiute	vil grôzen ungemach.
mich bat iuwer bruoder,	durch helfe zuo ziu gân.
welt ir nû sîn dar ûze, sô wil ich	innerthalben stân.“

Dancwart der snelle	stuont ûzerthalp der tür.
er werte in ir stiege,	swaz ir kom dar für.
des hôrte man wâfen hellen	den helden an der hant.
sam tet ouch innerthalben	Volkêr von Burgonden lant.

der küene videlære	rief über die menege:
„der sal ist wol beslozzen,	mîn vriunt hêr Hagene.
jâ ist alsô verschranket	diu Etzelen tür
von zweier helde handen,	dâ gânt wol tûsent rigel für!“

dô von Tronege Hagene	die tür sach sô behuot,
den schilt warf dô ze rucke	der mære helt guot.
dô begunde er êrste	rechen, daz im was getân.
dô heten sîne vîande	zem lebene deheiner slahte wân.

dô der vogt von Berne	rehte daz ersach,
daz Hagene der starke	sô manegen helm brach,
der künec der Amelunge	spranc ûf eine banc.
er sprach: „hie schenket Hagene	daz aller wirsiste tranc.“

der wirt hete grôze sorge,	als im dô daz gezam,
waz man im lieber vriunde	vor sînen ougen nam,
wande er vor sînen vîanden	vil kûme dâ genas.
er saz vil angestlîchen.	was half in, daz er künec was?

Kriemhilt diu rîche	rief Dieterîchen an:
„nû hilf mir, ritter edele,	mit dem leben dan,
durch aller fürsten tugende,	ûzer Amelunge lant!
wand erreichet mich Hagene,	ich hân den tôt an der hant.“

„wie sol ich iu nû gehelfen?“	sprach hêr Dieterîch,
„edeliu küneginne,	nû sorge ich umbe mich.
ez sint sô sêre	erzürnet die Gunthêres man,
daz ich an disen zîten	gevriden niemen kan.“

„Neinâ, hêrre Dieterîch,	vil edel ritter guot,
lâzâ hiute schînen	den tugentlîchen muot,
daz dû mir helfest hinnen,	oder ich belîbe tôt!“
der sorge gie Kriemhilde	vil harte grœzlîche nôt.

„daz wil ich versuochen,	ob ich iu gehelfen kan,
wande ich in manegen	zîten nie gesehen hân
sô bitterlîch erzürnet	sô manegen ritter guot.“
jâ sach er durch die helme	von swerten springen daz bluot.

mit kraft begunde ruofen	der degen ûz erkorn,
daz sîn stimme erlûte	alsam ein wisentes horn,
und daz diu burc vil wîte	von sîner kraft erdôz.
diu sterke Dieterîches	was unmæzlîche grôz.

dô gehôrte Gunthêr	ruofen disen man.
in dem herten sturme	losen er began.
er sprach: „Dieterîches stimme	ist in mîn ôre komen.
ich wæne, im unser degene	im haben etwen hie benomen.

ich sihe in ûf dem tische.	er winket mit der hant.
ir vriunt unde mâge	von Burgonden lant,
gehabt ûf des strîtes.	lât hœren unde sehen,
waz hie dem degene	von mînen mannen sî geschehen.“

dô der künec Gunthêr	bat unde ouch gebôt,
si habten ûf mit swerten	in des strîtes nôt.
daz was gewalt vil grôzer,	daz dâ niemen sluoc.
jâ vrâgete er den von Berne	der mære schiere genuoc.

er sprach: „vil edel Dieterîch,	waz ist iu hie getân
von den mînen vriunden?	willen ich des hân,
buoze unde suone,	der bin ich iu bereit.
swaz iu iemen tæte,	daz wære mir inneclîchen leit.“

dô sprach der hêrre Dieterîch:	„mir ist niht getân.
lât mich ûz dem hûse	mit iuwerem vride gân
von disem herten strîte	mit dem gesinde mîn!
daz wil ich sicherlîchen	immer dienende sîn.“

„wie vlêhet ir sô schiere?“	sprach dô Wolfhart,
„jâ hât der videlære	die tür nie sô verspart,
wir entsliezen sô wîte,	daz wir dar für gân!“
„nû swîget!“ sprach hêr Dieterîch,	„ir habet den tiuvel getân!“

dô sprach der künec Gunthêr:	„erlouben ich iu wil,
füeret ûze dem hûse	lützel oder vil,
âne mîne vîande.	die suln hie bestân.
si hânt mir hie zen Hiunen	sô rehte leide getân.“

dô er daz gehôrte,	under arme er beslôz
die edelen küneginne.	der sorge, diu was grôz.
dô fuorte er anderthalben	Etzelen mit im dan,
ouch gie mit Dieterîche	sehs hundert wætlîcher man.

dô sprach der marcgrâve,	der edel Rüedegêr:
„sol aber ûzem hûse	iemen komen mêr,
die iu doch gerne dienen,	daz lâzet uns vernemen!
sô sol ouch vride stæter	den guoten vriunden gezemen.“

des antwurte Gîselhêr	von Burgonden lant:
„vride unde suone	sî iu von uns bekant,
sît ir sît triuwen stæte,	ir unde iuwer man.
ir sult unangestlîchen	mit iuwern vriunden hinnen gân.“

dô Rüedegêr der hêrre	gerûmete den sal,
fünf hundert oder mêre	im volgeten über al
der von Bechelâren,	vriunde unde sîner man.
von dem künege Rüedegêr	schaden grôzen sît gewan.

dô sach ein Hiunen	recke Etzelen gân
bî Dieterîche nâhen.	genozzen wolde er sîn hân.
dem gap der videlære	einen sölchen slac,
daz im vor Etzelen füezen	daz houbet schiere gelac.

dô der wirt des landes	kom für daz hûs gegân,
dô kêrte er sich hin widere	unde sach Volkêren an:
„ouwê mir dirre geste! ditze	ist ein grimmigiu nôt,
daz alle mîne recken	suln vor in ligen tôt.

âch wê der hôchgezîte!“	sprach der künec hêr,
„dâ vihtet einer inne,	der heizet Volkêr,
als ein eber wilde,	unde ist ein spilman.
ich danke es mînem heile,	daz ich dem tiuvel entran.

sîne leiche lûtent übele,	sîne züge, die sint rôt.
jâ vellent sîne dœne	vil manegen helt tôt!
ine weiz niht, waz uns wîze	der selbe spilman,
wand ich gast nie deheinen	sô rehte leiden gewan.“

si heten die si wolden	lâzen für den sal.
dô huop sich innerthalben	ein grœzlîcher schal.
die geste sêre râchen	daz in ê geschach.
Volkêr der vil küene,	hey, waz er helme zerbrach!

sich kêrte gegen dem schalle	Gunthêr, der künec hêr:
„hœrt ir die dœne,	Hagene, die dort Volkêr
videlt mit den Hiunen,	swer zuo den türn gât?
ez ist ein rôter anstrich,	den er ze dem videlbogen hât.“

„mich riuwet âne mâze“,	sô sprach Hagene,
„daz ich ie gesaz in dem	hûse vor dem degene.
ich was sîn geselle	unde ouch er der mîn,
und kome wir immer wider heim,	daz suln wir noch mit triuwen sîn.

nû schouwe, künec hêre,	Volkêr ist dir holt.!
er dienet vlîzeclîche	dîn silber und dîn golt.
sîn videlboge im snîdet	durch den herten stâl.
er brichet ûf den helmen	diu liehte schînenden mâl.

ine gesach nie videlære	sô hêrlîchen stân,
als der degen Volkêr	hiute hât getân.
die sînen leiche hellent	durch helme und rant.
jâ sol er rîten guotiu	ross unde tragen hêrlîch gewant!“

swaz der Hiunen mâge	in dem sal was gewesen,
der enwas nû deheiner	dar inne mê genesen.
des was der schal geswiftet,	daz niemen mit in streit.
diu swert von handen legeten	die küenen recken gemeit.

die hêrren nâch ir müede	sâzen dô ze tal.
Volkêr unde Hagene	giengen für den sal.
sich leinten über schilde	die übermüeten man.
dô wart dâ rede	vil spæhe von in beiden getân.

dô sprach von Burgonden	Gîselhêr der degen:
„jâne müget ir, liebe vriunde,	ruowe niht gepflegen!
ir sult die tôten liute	ûz dem hûse tragen.
wir werden noch bestanden,	ich wilz iu wærlîche sagen.

sine suln uns under	füezen hie niht langer ligen.
ê daz uns die Hiunen	mit sturme an gesigen,
wir gehouwen noch die wunden,	diu mir sanfte tuot.
des hân ich“, sprach dô Gîselhêr,	„einen stætigen muot.“

„sô wol mich sölches hêrren!“	sprach dô Hagene,
„der rât enzæme niemen	wan einem degene,
den uns mîn junger hêrre	hiute hât getân.
des müget ir Burgonden	alle vil vrœlîche stân.“

dô volgeten si dem râte	und truogen für die tür
siben tûsent tôten	wurfen si dar für
vor des sales stiegen.	dâ vielen si ze tal.
dô huop sich von ir mâgen	ein vil klagelîcher schal.

ez was ir etelîcher	sô mæzlîchen wunt,
der sîn sanfter pflæge,	er würde noch gesunt,
der vor dem hôhen valle	muose ligen tôt.
daz klageten dô ir vriunde.	des gie in wærlîche nôt.

dô sprach der videlære,	Volkêr, ein helt gemeit:
„nû kiuse ich des die wârheit,	als mir ist geseit:
die Hiunen, die sint bœse.	si klagent sam diu wîp.
nû solden si beruochen	der vil sêre wunden lîp.“

dô wânde ein marcgrâve,	er riete ez durch guot:
er sach einen sînen	mâc gevallen in daz bluot.
er beslôz in mit den armen	unde wolde in tragen dan.
den schôz ob im ze tôde	der vil küene spileman.

dô daz die ander sâhen,	diu vluht, diu huop sich dan.
si begunden alle vluochen	dem selbem spileman.
einen gêr er ûf gezucte,	vil scharpf unde vil hart,
der von einem Hiunen	zuo zim dar ûf geschozzen wart.

den schôz er kreftelîchen	durch die burc dan,
über daz volc vil verre:	den Etzelen man
gap er herberge	hôher von dem sal.
sîn vil starkez ellen	die liute vorhten über al.

dô stuonden vor dem hûse	vil manec tûsent man.
Volkêr unde Hagene	reden dô began
mit Etzel dem künege	allen iren muot.
des kômen sît in sorge	die helde küene und guot.

„ez zæme“, sô sprach Hagene,	„vil wol volkes trôst,
daz die hêrren vehten	zaller vorderôst,
alsô der mînen hêrren	hie ieslîcher tuot.
die houwent durch die helme,	nâch swerten vliuzet daz bluot.“

Etzel was sô küene,	er vazzete sînen schilt.
„nû vart gewerlîche“,	sprach vrou Kriemhilt,
„unde bietet ir den recken	daz golt über rant,
wande erreichet iuch dort Hagene,	ir habt den tôt an der hant!“

der künec, der was sô küene,	er wolde erwinden niht,
daz von sô rîchem fürsten	vil selten nû geschiht.
man muose in bî dem vezzel	ziehen wider dan.
Hagene der grimme	in aber hœnen began:

„ez was ein verriu sippe“,	sprach Hagene der degen,
„die Etzel unde Sîvrit	ze samne heten gepflegen.
er minnete Kriemhilden,	ê si ie gesæhe dich.
künec vil bœse,	war umbe rætest an mich?“

dise rede hôrte	des edelen küneges wîp.
des wart in ungemüete	der Kriemhilde lîp,
daz er si getorste schelten	vor Etzelen man.
dar umbe si aber râten	an die geste began.

si sprach: „der mir von Tronege	Hagenen slüege
unde mir sîn houbet	her für mich trüege,
dem fulte ich rôtes goldes	den Etzelen rant.
dar zuo gæbe ich im ze miete	vil guote bürge unde lant.“

„Nûne weiz ich, wes si	bîtent“, sprach der spilman,
„ine gesach nie helde	sô zagelîchen stân,
dâ man hôrte bieten	alsô hôhen solt.
jâne sol in Etzel	dar umbe nimmêr werden holt!

die hie sô lasterlîchen	ezzent des fürsten brôt
unde im nû geswîchent	in der grœzesten nôt,
der sihe ich hie vil manegen	vil zagelîche stân,
unde wellent doch sîn vil küene.	si müezens immer schande hân!“

dô rief von Tenemarke	der marcgrâve Îrinc:
„ich hân ûf êre lâzen	nû lange mîniu dinc
unde hân in volkes stürmen	des besten vil getân.
nû brinc mir mîn gewæfen!	jâ wil ich Hagenen bestân!“

„daz wil ich widerrâten“,	sprach dô Hagene.
„sô heiz ûf hôher wîchen	der Hiunen degene!
gespringent iuwer zwêne	oder drî in den sal,
die sende ich vil ungesunde	die stiegen wider hin ze tal.“

„dar umbe ichz niht lâze“,	sprach aber Îrinc,
„ich hân ouch ê versuochet	sam sorclîchiu dinc.
jâ wil ich mit dem swerte	dich einen bestân!
waz hilfet übermüeten,	daz dû mit rede hâst getân?“

dô wart gewâfent balde	der degen Îrinc
unde Irnvrit von Düringen,	ein küener jungelinc,
und Hâwart der vil starke,	wol mit tûsent man.
swes Îrinc begunde,	si woldens alles im gestân.

dô sach der videlære	eine vil grôze schar,
die mit Îringe	gewâfent kômen dar.
si truogen ûf gebunden	vil manegen helm guot.
dô wart der küene Volkêr	ein teil vil zornec gemuot.

„seht ir, vriunt Hagene,	dort Îringen gân,
der iuch mit dem swerte	lobte eine bestân?
wie zement helde lügene?	ich wil unprîsen daz.
ez gânt mit im gewâfent	wol tûsent recken oder baz.“

„nû heizet mich niht liegen!“	sprach Hâwartes man.
„ich wilz gerne leisten,	swaz ich gelobt hân.
durch deheine vorhte	wil ich es ab gân,
swie griulîch sî nû Hagene,	ich wil in eine bestân.“

ze füezen bôt sich Îrinc	mâgen und man,
daz si in eine liezen	den recken bestân.
daz tâten si ungerne,	wand in was wol bekant
der übermüete Hagene	ûzer Burgonden lant.

dô bat er si sô lange,	daz ez sît geschach,
dô daz ingesinde	den willen sîn ersach,
daz er warp nâch êren.	dô liezen si in gân.
dô wart von in beiden	ein grimmez strîten getân.

Îrinc von Tenemarke	vil hôhe truoc den gêr.
sich dacte mit dem schilde	der tiuwer degen hêr.
dô lief er ûf ze Hagenen	vaste für den sal.
dô huop sich von den degenen	ein vil grœzlîcher schal.

dô schuzzen si die gêre	mit krefte von der hant
durch die vesten schilde	ûf liehtez ir gewant,
daz die gêrstangen	vil hôhe dræten dan.
dô griffen zuo den swerten	die zwêne grimme küene man.

des küenen Hagenen ellen,	daz was starke grôz.
dô sluoc ouch ûf in Îrinc,	daz al daz hûs erdôz.
palas und türne	erhullen nâch ir slegen.
dône kunde niht verenden	des sînen willen der degen.

Îrinc, der lie Hagenen	unverwundet stân.
zuo dem videlære	gâhen er began.
er wânde, er möhte in twingen	mit sînen herten slegen.
dô kunde sich wol beschermen	Volkêr der degen.

dô sluoc der videlære,	daz über des schildes rant
dræte daz gespenge	von Volkêres hant.
den liez er dô belîben,	ez was ein übel man.
dô lief er Gunthêren	von den Burgonden an.

dô was ir ietweder	ze strîte starc genuoc.
swaz Gunthêr und Îrinc	ûf ein ander sluoc,
daz brâhte niht von wunden	daz vliezende bluot.
daz behuote ir gewæfen,	daz was starc unde guot.

Gunthêren er lie belîben	und lief Gêrnôten an.
daz fiuwer ûz den ringen	er houwen im began.
dô hete von Burgonden	der starke Gêrnôt
den küenen Îringen	erslagen næhelîchen tôt.

dô spranc er von dem fürsten.	snel er was genuoc.
der Burgonden viere	der helt vil balde sluoc,
des edelen ingesindes	von Wormez über Rîn,
dône kunde Gîselhêr	nimmêr zorneger gesîn.

„got weiz, hêr Îrinc“,	sprach Gîselhêr daz kint,
„ir müezet mir die gelten,	die vor iu tôt sint
gelegen hie ze stunde!“	dô lief er in an.
er sluoc den Tenlender,	daz er muose dâ bestân.

er schôz vor sînen handen	nider in daz bluot,
daz si alle wolden wænen,	daz der helt guot
ze strîte nimmêr mêre	geslüege einen slac.
Îrinc doch âne	wunden hie vor Gîselhêren lac.

von des swertes dôze	unde von des helmes klanc
wâren sîne witze	worden harte kranc,
daz sich der degen küene	des lebens niht versan.
daz hete mit sînen kreften	der starke Gîselhêr getân.

dô im begunde entwîchen	von dem houbte der dôz,
den er ê dâ dolte	von dem slage grôz,
er dâhte: „ich bin noch lebende	und niender wunt.
nû ist mir aller êrst	daz ellen Gîselhêres kunt.“

dô hôrte er beidenthalben	die vîande stân.
wisten si diu mære,	im wære noch mêr getân.
ouch hete er Gîselhêren	dâ bî im vernomen.
er dâhte, wie er solde	von den vîanden komen.

wie rehte tobelîche	er ûz dem bluote spranc.
sîner snelheite	er mohte sagen danc.
dô lief er ûz dem hûse,	dâ er aber Hagenen vant,
und sluoc im slege grimme	mit sîner ellenthafter hant.

dô dâhte Hagene:	„dû muost des tôdes wesen.
dich envride der übel tiuvel,	dûne kanst niht genesen!“
doch wunte Îrinc Hagenen	durch sînen helmhuot.
daz tet der helt mit Wasken,	daz was ein wâfen alsô guot.

dô der hêrre Hagene	der wunden enpfant,
dô erwagte im ungefuoge	daz swert an sîner hant.
al dâ muose im entwîchen	der Hâwartes man
hin nider von der stiegen.	Hagene im volgen began.

Îrinc der vil küene	den schilt über swanc,
unde wære diu selbe stiege	drîer stiegen lanc,
die wîle liez in Hagene	nie slahen einen slac.
hey, waz rôter vanken	ob sînem houbte gelac!

wider zuo den sînen	kom Îrinc wol gesunt.
dô wurden disiu mære	Kriemhilde rehte kunt,
waz er von Tronege Hagenen	mit sînem strîte hete getân.
des im diu küneginne	vil hôhe danken began.

„nû lôn dir got, Îrinc,	vil mære helt guot!
dû hâst mir wol getrœstet	daz herze unde ouch den muot.
nû sihe ich rôt von bluote	Hagenen sîn gewant.“
Kriemhilt nam im selbe	den schilt vor liebe von der hant.

„ir muget im mâzen danken“,	sô sprach Hagene,
„wolde erz noch versuochen,	daz zæme degene.
kœme er danne hinnen,	sô wære er küener man.
diu wunde vrumt iuch kleine,	die ich von im enpfangen hân.

daz ir von mîner wunden	die ringe sehet rôt,
daz hât mich erreizet	ûf maneges mannes tôt.
ich bin aller êrst erzürnet,	als ein unverzaget man.
mir hât der degen Îrinc	schaden kleinen noch getân.“

dô stuont gegen dem winde	Îrinc von Tenelant.
er kuolte sich in ringen.	den helm er ab gebant.
dô sprâchen al die liute,	sîn ellen wære guot.
des hete der marcgrâve	einen rîche hôhen muot.

aber sprach dô Îrinc:	„mîne vriunde, wizzet daz,
daz ir mich wâfent schiere.	ich wilz versuochen baz,
ob ich noch müge betwingen	den übermüeten man.“
sîn schilt was verhouwen.	einen bezzern er gewan.

vil schiere wart der recke	dô gewâfent baz.
einen gêr vil starken	nam er durch den haz,
dâ mit er aber wolde	Hagenen dort bestân.
dô warte im vîentlîche	der mortgrimmege man.

sîn mohte niht erbîten	Hagene der degen.
er lief im hin engegene	mit schüzzen unde mit slegen
die stiegen ûz an ein ende.	sîn zorn der was grôz.
Îrinc sîner sterke	dô vil wênec genôz.

si sluogen durch die schilde,	daz ez lougen began
von fiuwer rôten winden.	der Hâwartes man
wart von Hagenen swerte	krefteclîchen wunt
durch schilt und durch die brünne.	des er wart nimmêr mêr gesunt.

dô der degen Îrinc	der wunden enpfant,
den schilt er baz dô ructe	über diu helmbant.
des schaden in dûhte	der volle, den er dâ gewan.
sît tet im aber mêre	des künec Gunthêres man.

Hagene vor sînen	füezen einen gêr ligen vant.
er schôz ûf Îringen,	den helt von Tenelant,
daz im von dem houbte	diu stange ragete dan.
im hete der recke Hagene	den grimmen ende getân.

Îrinc muoste entwîchen	zuo den von Tenelant.
ê daz man dô dem degene	den helm ab gebant,
man brach den gêr von houbte.	dô nâhete im der tôt.
daz weinten sîne mâge.	des gie in wærlîche nôt.

dô kom diu küneginne	über in gegân.
den starken Îringen	klagen si began.
si weinte sîne wunden.	ez was ir grimme leit.
dô sprach vor sînen mâgen	der recke küene und gemeit:

„lât die klage belîben,	vil hêrlîch wîp!
waz hilfet iuwer weinen?	jâ muoz ich mînen lîp
verliesen von den wunden,	die ich enpfangen hân!
der tôt wil mich niht langer	iu und Etzelen dienen lân.“

er sprach zuo den Düringen	und ze den von Tenelant:
„die gâbe sol enpfâhen	iuwer deheines hant
von der küneginne,	ir liehtez golt vil rôt.
unde bestât ir Hagenen,	ir müezet kiesen den tôt.“

sîn varwe was erblichen.	des tôdes zeichen truoc
Îrinc der vil küene.	ez was in leit genuoc.
genesen niht enkunde	der Hâwartes man.
dô muoste ez an ein strîten	von den von Tenemarke gân.

Irnvrit unde Hâwart	sprungen für daz gadem
wol mit tûsent helden.	vil ungefüegen kradem
hôrte man allenthalben,	kreftec unde grôz.
hey, waz man scharpfer gêre	zuo den Burgonden schôz!

Irnvrit der küene	lief an den spilman,
des er den schaden grôzen	von sîner hant gewan.
der edel videlære	den lantgrâven sluoc
durch einen helm vesten.	jâ was er grimme genuoc.

dô sluoc der hêrre Irnvrit	den küenen spilman,
daz im muosen bresten	diu ringes gespan,
und daz sich beschutte	diu brünne fiuwer rôt.
doch viel der lantgrâve	vor dem videlære tôt.

Hâwart unde Hagene	ze samne wâren komen.
er möhte wunder kiesen,	ders hete war genomen.
diu swert genôte vielen	den helden an der hant.
Hâwart muoste ersterben	von dem ûzer Burgonden lant.

dô die Tenen unde die Düringen	ir hêrren sâhen tôt,
dô huop sich vor dem hûse	ein vreislîchiu nôt,
ê si die tür gewunnen	mit ellenthafter hant.
des wart dâ verhouwen	vil manec helm unde rant.

„wîchet!“, sprach dô Volkêr,	„unde lât si her în gân.
ez ist sus unverendet,	des si dâ habent wân.
si müezen drinne ersterben	in vil kurzer zît.
si erarnent mit dem tôde,	daz in diu küneginne gît.“

dô die übermüeten	kômen in den sal,
vil manegem wart daz houbt	geneiget sô ze tal,
daz er muose ersterben	von ir swinden slegen.
wol streit der küene Gêrnôt.	sam tet ouch Gîselhêr der degen.

tûsent unde viere	kômen in daz hûs.
von swerten sach man blicken	vil manegen swinden sûs.
sît wurden doch die recken	alle drinne erslagen.
man mohte michel wunder	von den Burgonden sagen.

dar nâch wart ein stille,	dô der schal verdôz.
daz bluot allenthalben	durch diu löcher vlôz
und dâ zen rigelsteinen	von den tôten man.
daz heten die von Rîne	mit grôzem ellen getân.

dô sâzen aber ruowen	die von Burgonden lant.
diu wâfen mit den schilden	leitens ûz der hant.
dô stuont noch vor den türen	der küene spilman.
er warte, ob iemen wolde	noch zuo zin mit strîte gân.

der künec klagete sêre.	sam tet ouch sîn wîp.
megede und vrouwen,	die quelten dâ den lîp.
ich wæne des, daz hete	der tôt ûf si gesworn.
des wart noch vil der recken	von den gesten dâ verlorn.

„nû bindet ab die helme!“	sprach Hagene der degen.
„ich unde mîn geselle,	wir suln iuwer pflegen.
unde wellent ez noch versuochen	zuo zuns die Etzelen man,
sô warne ich mîne hêrren,	sô ich aller schiereste kan.“

dô entwâfente	daz houbet vil manec ritter guot.
si sâzen ûf die wunden,	die vor in in daz bluot
wâren zuo dem tôde	von ir handen komen.
dâ wart der edelen geste	vil übele goum genomen.

noch vor dem âbende,	dô schuof der künec daz
unde ouch diu küneginne,	daz ez versuochten baz
die hiunischen recken.	der sach man vor in stân
noch wol zweinzec tûsent.	si muosen dâ ze strîte gân.

sich huop ein sturm herte	zuo den gesten sân.
Dancwart, Hagenen bruoder,	der vil snelle man,
spranc von sînen hêrren	zen vîanden für die tür.
man wânde, er wære erstorben.	er kom gesunder wol dar für.

der herte strît, der werte,	unz ez diu naht benam.
dô werten sich die geste,	als guoten helden zam,
den Etzelen mannen	den sumerlangen tac.
hey, waz noch küener degene	vor in veige gelac!

zeinen sunewenden	daz grôze mort geschach,
daz diu vrouwe Kriemhilt	ir herzeleit errach
an ir næhesten mâgen	unde anderem manegem man,
dâ von der künec Etzel	vröude nimmêr mêr gewan.

in was des tages zerunnen.	dô gie in sorgen nôt.
si gedâhten, daz in bezzer	wære ein kurzer tôt,
denne lange dâ ze quelne	ûf ungefüegiu leit.
eines vrides si dô	gerten, die stolzen ritter gemeit.

si bâten, daz man bræhte	den künec zuo in dar.
die bluot varwen helde	unde ouch harnasch var
trâten ûz dem hûse,	die drîe künege hêr.
sine wessen, wem ze klagene	diu ir vil grœzlîchen sêr.

Etzel unde Kriemhilt,	die kômen beide dar.
daz lant, daz was ir eigen,	des mêrte sich ir schar.
er sprach zuo den gesten:	„nû saget, waz welt ir mîn?
ir wænet vride gewinnen.	daz kunde müelîch gesîn

ûf schaden alsô grôzen,	als ir mir habt getân.
ir sult es niht geniezen,	unde sol ich mîn leben hân.
daz kint, daz ir mir sluoget,	und vil der mâge mîn!
vride unde suone	sol iu vil gar versaget sîn.“

des antwurte Gunthêr:	„des twanc uns grôziu nôt.
allez mîn gesinde	lac vor dînen helden tôt
an der herberge.	wie hete ich daz versolt?
ich kom zuo dir ûf triuwe:	ich wânde, daz mir wærest holt.“

dô sprach von Burgonden	Gîselhêr daz kint:
„ir Etzelen helde,	die noch hie lebende sint,
waz wîzet ir mir recken?	waz hân ich iu getân?
wand ich vriuntlîche	in diz lant geriten hân.“

si sprâchen „dîner güete	ist al diu burc vol
mit jâmer zuo dem lande.	jâ gunden wir dir wol,
daz dû nie komen wærest	von Wormez über Rîn!
daz lant habt ir verweiset,	dû und die bruoder dîn.“

dô sprach in zornes	muote Gunthêr der degen:
„welt ir diz starke hazzen	ze einer suone legen
mit uns ellenden recken,	deist beidenthalben guot.
ez ist gar âne schulde,	swaz uns Etzel getuot.“

dô sprach der wirt zen gesten:	„mîn und iuwer leit,
diu sint vil ungelîche.	diu michel arbeit,
des schaden zuo den schanden,	die ich hie hân genomen,
des sol iuwer deheiner	nimmêr lebende hinnen komen.“

dô sprach zuo dem künege	der starke Gêrnôt:
„sô sol iu got gebieten,	daz ir vrümeclîchen tuot.
slaht uns ellenden,	und lât uns zuo ziu gân
hin nider an die wîte!	daz ist iu êre getân.

swaz uns geschehen künne,	daz lât kürzlîche ergân.
ir habt sô vil gesunder,	und türrens uns bestân,
daz si uns stürme müede	lâzent niht genesen.
wie lange suln wir recken	in disen arbeiten wesen?“

die Etzelen recken,	die hetenz nâch getân,
daz si si wolden lâzen	für den palas gân.
daz gehôrte Kriemhilt.	ez was ir harte leit.
des wart den ellenden	der vride ze gâhes verseit.

„Neinâ, Hiunen recken!	des ir dâ habt muot,
ich rât an rehten triuwen,	daz ir des niht entuot,
daz ir die mortræzen	lâzet für den sal.
sô müesen iuwer mâge	lîden den tôtlîchen val.

ob ir nû niemen lebte,	wan diu Uoten kint,
mîne edele bruoder,	unde koment si an den wint,
erkuolent in die ringe,	sô sît ir alle verlorn.
ez enwurden küener degene	nie zer werlde geborn.“

dô sprach der junge Gîselhêr:	„vil schœniu swester mîn,
des trûte ich vil übele,	daz dû mich über Rîn
ladetes her ze lande	in dise grôze nôt.
wie hân ich an den Hiunen	hie verdienet den tôt?

ich was dir ie getriuwe,	nie getet ich dir leit.
ûf sölchen gedingen	ich her ze lande reit,
daz dû mir holt wærest,	vil liebiu swester mîn.
bedenke an uns genâde,	ez mac niht anders nû gesîn!“

„ine mac iu niht genâden.	ungenâde ich hân.
mir hât von Tronege Hagene	sô grôziu leit getân.
ez ist vil unversüenet,	die wîle ich hân den lîp.
ir müezet es alle engelten“,	sprach daz Etzelen wîp.

„welt ir mir Hagenen einen	her ze gîsel geben,
sône wil ich niht versprechen,	ich welle iuch lâzen leben,
wande ir sît mîne bruoder	unde einer muoter kint.
sô rede ich ez nâch der suone	mit disen helden, die hie sint.“

„Nûne welle got von himele!“	sprach dô Gêrnôt,
„ob unser tûsent wæren,	wir lægen alle tôt,
der sippen dîner mâge,	ê wir dir einen man
gæben hie ze gîsel.	ez wirt êt nimmêr getân.“

„wir müesen doch ersterben“,	sprach dô Gîselhêr.
„uns scheidet niemen	von ritterlîcher wer.
swer gerne mit uns vehte,	wir sîn êt aber hie,
wande ich deheinen mînen vriunt	an den triuwen nie verlie.“

dô sprach der küene Dancwart,	im zæme niht ze dagene,
„jâne stât niht eine	mîn bruoder Hagene!
die hie den vride versprechent,	ez mac in werden leit.
des bringe ich iuch wol innen,	daz sî iu wærlîch geseit.“

dô sprach diu küneginne:	„ir helde vil gemeit,
nû gât der stiege nâher,	unde rechet mîniu leit.
daz wil ich immer dienen,	als ich von rehte sol.
der Hagenen übermüete,	der gelôn ich im wol.

lât einen ûz dem hûse	niht komen über al!“
si hiez vieren enden	zünden an den sal.
„sô werdent wol errochen	elliu mîniu leit.“
die Etzelen degene	wurden schiere bereit.

die noch hie ûze stuonden,	die tribens in den sal
mit slegen unde mit schüzzen.	des wart vil grôz der schal.
doch wolden nie gescheiden	die fürsten und ir man.
sine kunden vor ir triuwen	ein ander niht verlân.

den sal, den hiez dô zünden	daz Etzelen wîp.
dô quelte man den recken	mit fiuwer dâ den lîp.
daz hûs von einem winde	vil balde allez bran.
ich wæne, daz volc enheinez	grôzer angest nie gewan.

genuoge ruoften drinne:	„ouwê dirre nôt!
wir möhten michel gerner	sîn in sturme tôt.
ez möhte got erbarmen,	wie sîn wir alle verlorn.
nû richet ungefüege	an uns diu küneginne ir zorn.“

ir einer sprach dar inne:	„wir müezen ligen tôt.
waz hilfet uns daz grüezen,	daz uns der künec enbôt?
mir tuot von starker hitze	der durst sô rehte wê.
des wæn mîn leben schiere	in disen sorgen zergê.“

dô sprach von Tronege Hagene:	„ir edel ritter guot,
swen twinge durstes	nôt, der trinke hie daz bluot.
daz ist in sölcher hitze	bezzer danne wîn.
ez enmac an disen zîten	êt nû niht bezzer gesîn.“

dô gie der recken einer,	dâ er einen tôten vant.
er kniete im zuo den wunden.	den helm er ab gebant.
dô begunde er trinken	daz vliezende bluot.
swie ungewon ers wære,	ez dûhte in grœzlîche guot.

„nû lôn iu got, hêr Hagene!“	sprach der müede man,
„daz ich von iuwer lêre	sô wol getrunken hân.
mir ist noch vil selten	geschenket bezzer wîn.
lebe ich deheine wîle,	ich sol iu immer wæge sîn.“

dô die ander daz gehôrten,	daz ez in dûhte guot,
dô wart ir michel mêre,	die trunken ouch daz bluot.
dâ von gewan vil krefte	ir eteslîches lîp.
des engalt an lieben vriunden	sît vil manec wætlîch wîp.

daz fiuwer viel genôte	ûf si in den sal.
dô leiten siz mit schilden	von in hin ze tal.
der rouch und ouch diu hitze	in tâten beidiu wê.
ich wæne, der jâmer immer	mêr an helden ergê.

dô sprach von Tronege Hagene:	„stât zuo des sales want.
lât niht die brende vallen	ûf iuwer helmbant.
tret si mit den füezen	nider in daz bluot!
ez ist ein übel hôchzît,	die uns diu küneginne tuot.“

in sus getânen leiden	der naht in doch zeran.
noch stuont vor dem hûse	der küene spileman
unde Hagene sîn geselle,	geleinet über rant.
si warten schaden mêre	von den ûz Etzelen lant.

dô sprach der videlære:	„nû gê wir in den sal!
sô wænent des die Hiunen,	daz wir sîn über al
tôt von dirre quâle,	diu an uns ist getân.
si sehent uns noch begegene	in strîte ir etelîchen stân.“

dô sprach von Burgonden	Gîselhêr daz kint:
„ich wæn, ez tagen welle.	sich hebt ein küeler wint.
nû lâz uns got von himele	ein lieber zît geleben!
uns hât mîn swester Kriemhilt	ein arge hôchzît gegeben.“

dô sprach aber einer:	„ich kiuse nû den tac.
sît daz ez uns nû bezzer	wesen niht enmac,
sô wâfent ir iuch,	helde! gedenket an den lîp!
jâ kumt uns aber schiere	des künec Etzelen wîp!“

der wirt, der wolde wænen,	die geste wæren tôt
von ir arbeite	und von des fiuwers nôt.
dô lebte ir noch dar inne	sehs hundert küener man,
daz nie künec deheiner	bezzer degene gewan.

der ellenden huote	hete wol ersehen,
daz noch die geste lebten,	swie vil in was geschehen
ze schaden und ze leide,	den hêrren unde ir man.
man sach si in dem gademe	noch vil wol gesunde stân.

man sagete Kriemhilde,	ir wære vil genesen.
dô sprach diu küneginne:	„daz kunde nimmêr wesen,
daz ir deheiner lebte	von des fiuwers nôt.
ich wil des baz getrûwen,	daz si alle ligen tôt.“

noch genæsen gerne	die fürsten und ir man,
ob noch iemen wolde	genâde an in begân.
diene kunden si niht	vinden an den von Hiunen lant.
dâ râchen si ir sterben	mit vil werlîcher hant.

des tages wider morgen	grüezen man in bôt
mit hertem urliuge.	des kômen helde in nôt.
dô wart zuo zin geschozzen	vil manec herter gêr.
sich werten ritterlîchen	die recken küene unde hêr.

dem Etzelen gesinde	erweget was der muot,
daz si wolden	daz Kriemhilde guot.
dar zuo si wolden leisten,	daz in der künec gebôt.
des muose maneger	schiere von in kiesen den tôt.

von geheize unde von gâbe	man mohte wunder sagen.
si hiez golt daz rôte	dar în mit schilden tragen.
si gap ez, swer sîn ruochte	und ez wolde enpfân.
jâne wart nie grôzer	solden mêr ûf vîande getân.

ein michel kraft der recken	dar zuo gewâfent gie.
dô sprach der küene Volkêr:	„wir sîn êt aber hie.
ine gesach nie ûf vehten	helde gerner komen,
die daz golt des küneges	uns ze vâre hânt genomen.“

dô riefen dâ genuoge:	„nâher, helde, baz,
daz wir dâ suln verdienen,	unde tuon bezîte daz!
hie belîbet niemen,	wand der doch sterben sol.“
dô sach man schiere ir schilde	stecken gêre schüzze vol.

waz mac ich sagen mêre?	wol zwelf hundert man,
die versuochtenz vil sêre	wider unde dan.
dô kuolten mit den wunden	die geste wol ir muot.
ez mohte niemen gescheiden.	des sach man vliezen daz bluot

von verchtiefen wunden,	der wart dâ vil geslagen.
ieslîchen nâch sînen	vriunden hôrte man sêre klagen.
die biderben sturben alle	dem rîchen künege hêr.
des heten holde mâge	nâch in grœzlîchiu sêr.

ez heten die ellende	wider morgen guot getân.
wine der Gotelinde	kom ze hove gegân.
dô sach er beidenthalben	diu grœzlîchen sêr.
daz weinte inneclîchen	der vil guote Rüedegêr.

„sô wê mir“, sprach der recke,	„daz ich ie den lîp gewan.
daz disen grôzen jâmer	kan niemen understân!
swie gerne ichz vriden wolde,	der künec entuot es niht,
wande er der sînen leide	ie mêr und mêr gesiht.“

dô sande an Dieterîchen	der guote Rüedegêr,
ob siz noch kunden wenden	an den künegen hêr.
dô enbôt im der von Berne:	„wer möhte ez understân?
ez enwil der künec Etzel	niemen scheiden lân.“

dô sach ein Hiunen recke	Rüedegêren stân
mit weinenden ougen,	unde hete es vil getân.
der sprach zer küneginne:	„nû seht ir, wie er stât,
der doch gewalt den meisten	hie bî Etzelen hât,

und dem allez	dienet, liut unde lant!
wie sô vil der bürge	an Rüedegêr gewant,
der er von dem künege	vil manege haben mac?
er gesluoc in disen stürmen	nie lobelîchen slac.

mich dunket, er enruoche,	wie ez hie umbe gât,
sît êt er den vollen	nâch sînem willen hât.
man giht im, er sî küener	danne iemen müge sîn.
daz ist in disen sorgen	worden bôslîche schîn.“

mit trûrigem muote	der vil getriuwe man,
den er daz reden hôrte,	der helt, der blicte in an.
er dâhte: „dû solt ez erarnen.	dû gihest, ich sî verzaget.
dû hâst disiu mære	ze hove ze lûte gesaget.“

die fûst begunde er twingen.	dô lief er in an
unde sluoc sô kreftlîche	den hiunischen man,
daz er im vor den füezen	lac vil schiere tôt.
dô was aber gemêret	des künec Etzelen nôt.

„hin, dû zage mære!“,	sprach dô Rüedegêr.
„ich hân doch genuoge	leit unde sêr.
daz ich hie niht envihte,	zwiu wîzest dû mir daz?
jâ wære ich den gesten	von grôzen schulden gehaz,

unde allez, daz ich möhte,	hete ich in getân,
niuwan daz ich die recken	her gefüeret hân.
jâ was ich ir geleite	in mînes hêrren lant!
des ensol mit in niht	strîten mîn vil ellendes hant.“

dô sprach ze dem marcgrâven	Etzel, der künec hêr:
„wie habt ir uns geholfen,	vil edel Rüedegêr?
wand wir sô vil der veigen	hie ze lande hân,
wir bedorften ir niht mêre.	ir habt vil übele getân.“

dô sprach der ritter edele:	„dâ beswærete er mir den muot,
unde hât mir geitewîzet	êre unde guot,
des ich von dînen handen	hân sô vil genomen.
daz ist dem lugenære ein teil	unstetelîche komen.“

dô kom diu küneginne,	unde hete ez ouch gesehen,
daz von des heldes zorne	dem Hiunen was geschehen.
si klagete ez ungefuoge.	ir ougen wurden naz.
si sprach ze Rüedegêre:	„wie habe wir verdienet daz,

daz ir mir und dem künege	mêret unser leit?
nû habt ir uns, edel Rüedegêr,	allez her geseit,
ir woldet durch uns wâgen	die êre unde ouch daz leben.
ich hôrte iu vil der recken	den prîs vil grœzlîchen geben.

ich man iuch der genâden,	und ir mir habt gesworn,
dô ir mir ze Etzelen	rietet, ritter ûz erkorn,
daz ir mir woldet dienen	an unser eines tôt.
des wart mir armem wîbe	nie sô grœzlîche nôt.“

„daz ist âne lougen,	ich swuor iu, edel wîp,
daz ich durch iuch wâgete	êre unde ouch den lîp.
daz ich die sêle verliese,	des enhân ich niht gesworn.
zuo dirre hôchgezîte	bat ich die fürsten wol geborn.“

si sprach: „gedenke,	Rüedegêr, der grôzen triuwe dîn,
der stæte und ouch der eide,	daz dû den schaden mîn
immer woldest rechen	und elliu mîniu leit.“
dô sprach der marcgrâve:	„ich hân iu selten verseit.“

Etzel der vil rîche	vlêgen ouch began.
dô buten si sich ze füezen	beide für den man.
den edelen marcgrâven	unmuotes man dô sach.
der vil getriuwe recke	harte jæmerlîchen sprach:

„ouwê mir gotes armem,	daz ich ie ditze gelebet hân!
aller mîner êren,	der muoz ich abe stân,
triuwen unde zühte,	der got an mir gebôt.
ouwê got von himele,	daz mich es niht wendet der tôt!

swelchez ich nû lâze	und daz ander begân,
sô hân ich bôslîche	unde vil übele getân.
lâze aber ich si beide,	mich schiltet elliu diet.
nû geruoche mich bewîsen,	der mir ze lebene geriet.“

dô bâten si in genôte,	der künec und ouch sîn wîp.
des muosen sider recken	verliesen den lîp
vor Rüedegêres hende,	dâ ouch der helt erstarp.
ir müget daz hie wol hœren,	daz er vil jæmerlîchen warp.

er wiste schaden gewinnen	und ungefüegiu leit.
er hete dem künege	vil gerne verseit
und ouch der küneginne.	vil sêre vorhte er daz,
ob er ir einen slüege,	daz im diu werlt würde gehaz.

dô sprach zuo dem künege	der vil küene man:
„hêr künec, nû nemt hin widere	al daz ich von iu hân!
daz lant mit den bürgen,	der sol mir niht bestân.
ich wil ûf mînen füezen	in daz ellende gân.“

dô sprach der künec Etzel:	„wer hülfe danne mir?
daz lant zuo den liuten,	daz gip ich allez dir,
daz dû mich rechest,	Rüedegêr, an den vîanden mîn.
dû solt ein künec gewaltec	beneben Etzelen sîn.“

dô sprach aber Rüedegêr:	„wie sol ichz ane vân?
heim zuo mînem hûse	ich si geladen hân.
trinken und spîse	ich in güetlîchen bôt
und gap in mîne gâbe.	wie sol ich râten in den tôt?

die liute wænent lîhte,	daz ich sî verzaget.
deheinen mînen dienest	hân ich in versaget,
den vil edelen fürsten	und den iren man.
ouch riuwet mich diu vriuntschaft,	die ich mit in geworben hân.

Gîselhêr dem degene	gap ich die tohter mîn.
sine kunde in dirre	werlde niht baz verwendet sîn
ûf zuht unde ûf êre,	ûf triuwe unde ouch ûf guot.
ine gesach nie künec sô jungen	sô tugentlîch gemuot.“

dô sprach aber Kriemhilt:	„vil edel Rüedegêr,
nû lâ dich erbarmen	unser beider sêr,
mîn unde ouch des küneges.	gedenke wol dar an,
daz nie wirt deheiner	sô leide geste gewan!“

dô sprach der marcgrâve	wider daz edel wîp:
„ez muoz hiute gelten	der Rüedegêres lîp,
swaz ir und ouch mîn hêrre	mir liebes habt getân.
dar umbe muoz ich ersterben.	daz mac niht langer gestân.

ich weiz wol, daz noch hiute	mîne bürge unde mîniu lant
iu müezen ledec werden	von ir etelîches hant.
ich bevilhe iu ûf genâde	mîn wîp unde mîniu kint
und ouch die vil ellenden,	die dâ ze Bechelâren sint.“

„nû lôn dir got,	Rüedegêr!“ sprach der künec dô.
er und diu küneginne,	si wurden beide vrô.
„uns suln dîne liute	vil wol bevolhen wesen.
wol trûwe ich mînem heile:	dû maht selbe genesen.“

nû liez er an die wâge	sêle und lîp.
dô begunde weinen	daz Etzelen wîp.
er sprach: „ich muoz iu leisten,	als ich gelobt hân.
ouwê der mînen vriunde,	die ich vil ungerne bestân!“

man sach in von dem künege	vil trûreclîchen gân.
dô vant er sîne recken	vil nâhen vor im stân.
er sprach: „ir sult iuch wâfen,	alle mîne man.
die küenen Burgonden, die muoz ich	leider bestân.“

si hiezen balde springen,	dâ man ir gewæfen vant.
ez der helm wære	oder des schildes rant,
von ir ingesinde	wart ez dar getragen.
sît hôrten leidiu mære	die stolzen ellenden sagen.

gewâfent wart dô Rüedegêr	mit fünf hundert man.
dar über zwelf recken	ze helfe er dô gewan,
die wolden prîs erwerben	in des sturmes nôt.
sine wessen niht des,	daz in sô nâhete der tôt.

dô sach man Rüedegêren	under helme gân.
ez truogen swert diu scharpfen	die Rüedegêres man,
dar zuo vor ir handen	die liehten schilde breit.
daz sach der videlære.	ez was im grœzlîche leit.

dô sach der junge Gîselhêr	sînen sweher gân
mit ûf gebundem helme.	wie möhte er dô verstân,
waz er dâ meinte,	niuwan allez guot?
des wart der künec edele	sô rehte vrœlîch gemuot.

„nû wol mich sölcher vriunde!“	sprach Gîselhêr der degen,
„die wir hân gewunnen	ûf disen wegen.
wir suln mînes wîbes	vil wol geniezen hie.
mir ist liep, ûf mîne triuwe,	daz ie diu hîrât ergie.“

„ine weiz, wes ir iuch trœstet“,	sprach dô der spilman.
„wâ gesâhet ir ie durch suone	sô manegen helt gân
mit ûf gebunden helmen,	die trüegen swert enhant?
an uns wil dienen Rüedegêr	sîne bürge und sîniu lant.“

bedaz der videlære	die rede vol gesprach,
Rüedegêren den edelen	man vor dem hûse sach.
sînen schilt den guoten	satzte er für den fuoz.
dô muose er sînen vriunden	versagen dienest und gruoz.

der edel marcgrâve	rief in den sal:
„ir küenen Nibelunge,	nû wert iuch über al!
ir soldet mîn geniezen,	nû engeltet ir mîn.
ê dô wâren wir vriunde.	der triuwen wil ich ledec sîn.“

dô erschracten dirre	mære die nôthaften man,
wande ir deheiner	vröuden dâ von niht gewan,
daz mit in wolde strîten,	dem si dâ wâren holt.
si heten von ir vîanden	michel arbeit gedolt.

„Nûne welle got von himele“,	sprach Gunthêr der degen,
„daz ir iuch genâden	sult an uns bewegen
und der vil grôzen triuwe,	der wir doch heten muot!
ich wil iu des getrûwen,	daz ir ez nimmêr getuot.“

„jâne mac ich es niht gelâzen!“	sprach dô der küene man,
„ich muoz mit iu strîten,	wand ich ez gelobt hân.
nû wert iuch, küenen helde,	sô liep iu sî der lîp!
mich enwolde es niht erlâzen	des künec Etzelen wîp.“

„ir widersaget uns nû ze spâte“,	sprach dô der künec hêr.
„nû müeze iu got vergelten,	vil edel Rüedegêr,
triuwe unde minne,	die ir uns habt getân,
ob ir ez an dem ende	woldet güetlîcher lân.

wir soldenz immer dienen,	daz ir uns habt gegeben,
ich unde mîne mâge,	ob ir uns liezet leben.
der hêrlîchen gâbe,	dô ir uns brâhtet her
in Etzelen lant mit triuwen,	des denket, edel Rüedegêr!“

„wie wol ich iu des gunde“,	sprach Rüedegêr der degen,
„daz ich iu mîne gâbe	mit vollen solde geben
alsô willeclîchen,	als ich des hete wân!
sône würde mir dar umbe	nimmêr schelten getân.“

„erwindet, edel Rüedegêr“,	sprach dô Gêrnôt,
„wand ez wirt deheiner	gesten nie erbôt
sô rehte minneclîchen,	sô ir uns habt getân.
des sult ir wol geniezen,	ob wir bî lebene bestân!“

„daz wolde got“, sprach Rüedegêr,	„vil edel Gêrnôt,
daz ir ze Rîne wæret,	unde ich wære tôt
mit etelîchen êren,	sît ich iuch sol bestân!
ez enwart noch nie an helden	wirs von vriunden getân.“

„nû lôn iu got, hêr Rüedegêr“,	sprach aber Gêrnôt,
„der vil rîchen gâbe!	mich riuwet iuwer tôt,
sol an iu verderben	sô tugentlîcher muot.
hie trage ich iuwer wâfen,	daz ir mir gâbet, helt guot.

daz ist mir nie geswichen	in aller dirre nôt.
under sînen ecken	lît manec ritter tôt.
ez ist lûter unde	stæte, hêrlîch und guot.
ich wæne, sô rîcher gâbe	ein recke nimmêr mêr getuot.

unde welt ir niht erwinden,	ir enwelt zuo zuns gân,
slaht ir mir iht der vriunde,	die ich noch hinne hân,
mit iuwer selbes swerte	nim ich iu den lîp.
sô riuwet ir mich,	Rüedegêr, unde iuwer hêrlîch wîp.“

„daz wolde got, hêr Gêrnôt!	unde möhte daz ergân,
daz aller iuwer wille	wære hie getân,
und daz genesen wære	iuwerer vriunde lîp!
jâ sol iu wol getrûwen beide	mîn tohter unde mîn wîp!“

dô sprach von Burgonden	der schœnen Uoten kint:
„wie tuot ir sô, hêr Rüedegêr?	die mit mir komen sint,
die sint iu alle wæge.	ir grîfet übel zuo.
die iuwern schœnen tohter	welt ir verwitwen ze vruo.

swenne ir und iuwer recken	mit strîte mich bestât,
wie rehte unvriuntlîche	ir daz schînen lât,
daz ich iu wol getrûwe	für alle ander man,
dâ von ich zeinem wîbe	iuwer tohter mir gewan!“

„gedenket iuwer triuwe,	vil edel künec hêr,
gesende iuch got von hinnen“,	sô sprach Rüedegêr.
„lât die juncvrouwen	niht engelten mîn.
durch iuwer selbes tugende,	sô ruochet ir genædec sîn!“

„daz tæte ich billîchen“,	sprach Gîselhêr daz kint.
„die hôhen mîne mâge,	die noch hier inne sint,
suln die vor iu ersterben,	sô muoz gescheiden sîn
diu vil stæte vriuntschaft	zuo dir und ouch der tohter dîn.“

„nû müeze uns got genâden!“	sprach der küene man.
dô huoben si die schilde,	alsô si wolden dan
strîten zuo den gesten	in Kriemhilde sal.
dô rief vil lûte Hagene	von der stiegen her ze tal:

„belîbet eine wîle,	vil edel Rüedegêr!“
alsô sprach dô Hagene,	„wir wolden reden mêr,
ich und mîne hêrren,	als uns des twinget nôt.
waz mac gehelfen Etzelen	unser ellenden tôt?“

„ich stân in grôzen sorgen“,	sprach aber Hagene,
„den schilt, den mir gap vrou Gotelint	ze tragene,
den habent mir die Hiunen	zerhouwen vor der hant.
ich fuorte in vriuntlîche	in daz Etzelen lant.

daz des got von himele	geruochen wolde,
daz ich schilt sô guoten	noch tragen solde,
sô den dû hâst vor hende,	vil edel Rüedegêr!
sô bedorfte ich in den stürmen	deheiner halsperge mêr.“

„vil gerne ich dir wære	guot mit mînem schilde,
torste ich dirn bieten	vor Kriemhilde.
doch nim dû in hin,	Hagene, und trag in an der hant.
hey, soldestû in füeren	heim in der Burgonden lant!“

dô er im sô willeclîchen	den schilt ze gebene bôt,
dô wart genuoger ougen	von heizen trehen rôt.
ez was diu leste gâbe,	die sît immer mêr
gebôt deheinem degene	von Bechelâren Rüedegêr.

swie grimme Hagene wære	und swie herte gemuot,
jâ erbarmte im diu gâbe,	die der helt guot
bî sînen lesten zîten	sô nâhen hete getân.
vil manec ritter edele	mit im trûren began.

„nû lôn iu got von himele,	vil edel Rüedegêr!
ez wirt iuwer gelîchen	deheiner nimmêr mêr,
der ellenden recken	sô hêrlîche gebe.
got sol daz gebieten,	daz iuwer tugent immer lebe.

sô wê mir dirre mære!“	sprach aber Hagene,
„wir heten ander swære	sô vil ze tragene,
suln wir mit vriunden strîten,	daz sî got gekleit.“
dô sprach der marcgrâve:	„daz ist mir inneclîchen leit.“

„nû lôn iu got der gâbe,	vil edel Rüedegêr!
swie halt gein iu gebâren	dise recken hêr,
daz nimmêr iuch gerüeret	in strîte hie mîn hant,
ob ir si alle slüeget,	die von Burgonden lant.“

des neic im mit zühten	der guote Rüedegêr.
si weinten allenthalben,	daz disiu herzen sêr
niemen gescheiden kunde.	daz was ein michel nôt.
vater maneger tugende	lac an Rüedegêren tôt.

dô sprach von dem hûse	Volkêr der spilman:
„sît mîn geselle Hagene	den vride hât getân,
den sult ouch ir stæte	haben von mîner hant.
daz habt ir wol verdienet,	dô wir kômen in daz lant.

vil edel marcgrâve,	ir sult mîn bote sîn:
dise rôten bouge	gap mir diu marcgrâvîn,
daz ich si tragen solde	hie zer hôchgezît.
die müget ir selbe schouwen,	daz ir mîn geziuc des sît.“

„daz wolde got von himele“,	sprach dô Rüedegêr,
„daz iu diu marcgrâvinne	noch solde geben mêr!
diu mære sag ich gerne	der triutinne mîn,
gesihe ich si gesunde.	des müget ir âne zwîvel sîn.“

als er im daz gelobte,	den schilt huop Rüedegêr.
des muotes er ertobete.	dône beit er dâ niht mêr.
dô lief er zuo den gesten	einem degen gelîch.
manegen slac vil swinden	sluoc der marcgrâve rîch.

die zwêne stuonden hôher,	Volkêr und Hagene,
wand ez im ê gelobten	die küenen degene.
noch vant er alsô küenen	bî den türen stân,
daz Rüedegêr des strîtes	mit grôzen sorgen began.

durch mortrâchen willen	sô liezen in dar în
Gunthêr und Gêrnôt.	si heten helde sin.
dô stuont ûf hôher Gîselhêr.	ze wâre ez was im leit.
er versach sich noch des lebenes,	dar umb er Rüedegêren meit.

dô sprungen zuo den vîanden	des marcgrâven man.
man sach si nâch ir hêrren	vil degenlîche gân.
diu snîdenden wâfen	si truogen an der hant.
des brast dâ vil der helme	und manec hêrlîcher rant.

dô sluogen die vil müeden	manegen herten slac
den von Bechelâren,	der eben und tiefe wac,
durch die liehten ringe	vaste unz ûf daz verch.
si tâten in dem sturme	diu vil hêrlîchen werc.

daz edel ingesinde	was nû komen gar dar în.
Volkêr und Hagene,	die sprungen balde hin.
sine gâben vride	niemen wan dem einem man.
von ir beider handen	daz bluot durch helme nider ran.

wie rehte grimmeclîchen	vil manec swert dar inne erklanc!
vil der schilde spangen	ûz den slegen spranc.
des reis ir schiltgesteine	verhouwen in daz bluot.
si vâhten alsô grimme,	daz man ez nimmêr mêr getuot.

der vogt von Bechelâren	gie wider und dan,
alsô der mit ellen	in sturme werben kan.
dem tet des tages Rüedegêr	harte wol gelîch,
daz er ein recke wære	vil küene und ouch vil lobelîch.

hie stuonden dise recken,	Gunthêr unde Gêrnôt.
si sluogen in dem sturme	vil manegen helt tôt.
Gîselhêr und Dancwart,	die zwên ez ringe wac.
des vrumten si vil manegen	unz ûf ir jungesten tac.

vil wol zeigete Rüedegêr,	daz er was starc genuoc,
küene unde wol gewâfent.	hey, waz er helde sluoc!
daz sach ein Burgonde.	zornes gie im nôt.
dâ von begunde nâhen	des edelen Rüedegêres tôt.

Gêrnôt der starke,	den helt ruofte er an.
er sprach zem marcgrâven:	„ir welt mir mîner man
niht genesen lâzen,	vil edel Rüedegêr.
daz müet mich âne mâze.	ich enkans niht angesehen mêr.

nû mac iu iuwer gâbe	wol ze schaden komen,
sît ir mir mîner vriunde	habt sô vil genomen.
nû wendet iuch her umbe,	vil edel küene man!
iuwer gâbe wirt verdienet,	sô ich aller beste kan.“

ê daz der marcgrâve	zuo zim vol kom dar,
des muosen liehte ringe	werden missevar.
dô sprungen zuo ein ander	die êre gernde man.
ir ietwederer schermen	für starke wunden began.

ir swert sô scherpfe wâren,	ez enkunde niht gewegen.
dô sluoc Gêrnôten	Rüedegêr der degen
durch helm vlinsherten,	daz nider vlôz daz bluot.
daz vergalt im schiere	der ritter küene und guot.

die Rüedegêres gâbe	an hende er hôhe wac.
swie wunt er zem tôde wære,	er sluoc im einen slac
durch den schilt vil guoten	unz ûf diu helmgespan.
dâ von sô muose ersterben	der schœnen Gotelinde man.

jâne wart nie wirs gelônet	sô rîcher gâbe mêr.
dô vielen beide erslagene,	Gêrnôt und Rüedegêr,
gelîche in dem sturme	von ir beider hant.
aller êrst erzurnde Hagene,	dô er den grôzen schaden vant.

dô sprach der helt von Tronege:	„ez ist uns übel komen.
wir haben an in beiden	sô grôzen schaden genomen,
den nimmêr überwindent	ir liute und ouch ir lant.
die Rüedegêres helde	sint unser ellenden pfant.“

„ouwê mînes bruoder,	der tôt ist hie gevrumt!
waz mir der leiden mære	zallen zîten kumt!
ouch muoz mich immer riuwen	der edel Rüedegêr.
der schade ist beidenthalben,	und diu vil grœzlîchen sêr.“

dô Gîselhêr der hêrre	sach sînen sweher tôt,
die dô dar inne wâren,	die muosen lîden nôt.
der tôt der suochte sêre,	dâ sîn gesinde was.
der von Bechelâren	dô langer einer niht genas.

dô Gunthêr unde Gîselhêr,	und ouch Hagene,
Dancwart unde Volkêr,	die guoten degene,
die giengen, dâ si funden	ligen die zwêne man,
dô wart dâ von den helden	mit jâmer weinen getân.

„der tôt uns sêre roubet“,	sprach Gîselhêr daz kint.
„nû lâzet iuwer weinen,	und gê wir an den wint,
daz uns die ringe erküelen,	uns strîtmüeden man.
jâ wæn uns got von himele	niht lenger hie ze lebene gan!“

den sitzen, disen leinen,	sach man manegen degen.
si wâren aber müezec.	dâ wâren tôt gelegen
die Rüedegêres helde.	vergangen was der dôz.
sô lange werte diu stille,	daz sîn Etzelen verdrôz.

„ouwê dirre dieneste!“	sprach des küneges wîp,
„diene sint sô stæte,	daz vîande lîp
müge des engelten	von Rüedegêres hant.
er wil si wider bringen	in der Burgonden lant.

waz hilfet, künec Etzel,	daz wir geteilet hân
mit im, swaz er wolde?	der helt hât missetân.
der uns dâ solde rechen,	der wil der suone pflegen.“
des antwurte Volkêr,	der vil zierlîche degen:

„der rede enist niht sô, leider,	vil edel küneges wîp.
getorste ich heizen liegen	alsus edelen lîp,
sô het ir tiuvellîchen	an Rüedegêren gelogen.
er und die sînen degene	sint an der suone gar betrogen.

er tet sô volleclîche,	daz im der künec gebôt,
daz er unde sîn gesinde	ist hie gelegen tôt.
nû sehet alumbe,	Kriemhilt, wem ir gebieten welt.
iu hât unz ûf den ende	gedienet Rüedegêr der helt.

welt ir des niht gelouben,	man solz sehen lân.“
durch ir herzen leide,	sô wart dô daz getân:
man truoc den helt verhouwen,	dâ in der künec sach.
den Etzelen degenen	sô rehte leide nie geschach.

dô si den marcgrâven	sâhen tôten tragen,
ez enkunde dehein schrîbære	gebrieven noch gesagen
die manege ungebære	von wîbe unde ouch von man,
diu sich von herzen jâmer	aldâ zeigen began.

der Etzelen jâmer	wart alsô grôz,
als eines lewen stimme	der rîche künec erdôz
mit herzeleidem wuofe.	alsam tet ouch sîn wîp.
si klageten ungefuoge	des guoten Rüedegêres lîp.

dô hôrte man allenthalben	jâmer alsô grôz,
daz palas und türne	von dem wuofe erdôz.
dô hôrte ez ouch von Berne	ein Dieterîches man.
durch disiu starken mære	wie balde er gâhen began!

dô sprach er zuo dem fürsten:	„hœrt, mîn hêr Dieterîch,
swaz ich noch her gelebt	hân, sô rehte unmügelîch
gehôrte ich klage nie mêre,	als ich nû hân vernomen.
ich wæn, der künec Etzel	ist selbe zuo dem schaden komen.

wie möhtens anders alle	haben sölchen muot?
der künec oder Kriemhilt:	ir einez, daz ist tôt
von den küenen gesten	durch ir nît gelegen.
ez weinet ungefuoge	vil manec zierlîcher degen.“

dô sprach der helt von Berne:	„mîne vil lieben man,
nû gâhet niht ze sêre!	swaz hie hânt getân
die ellenden recken,	des gât in michel nôt,
unde lât si des geniezen,	daz ich in mînen vride enbôt!“

dô sprach der küene Wolfhart:	„ich wil dar gân
unde wil vrâgen der mære,	waz si hânt getân,
und wilz iu sagen danne,	vil lieber hêrre mîn,
als ich ez dort ervinde,	waz diu klage müge sîn.“

dô sprach der hêrre Dieterîch:	„swâ man zornes sich versiht,
ob ungefüegiu vrâge	danne dâ geschiht,
daz betrüebet lîhte den guoten	recken ir vil hôhen muot.
jâne wil ich niht,	Wolfhart, daz ir die vrâge gein in tuot!“

dô bat er Helpfrîchen	vil balde dar gân
und hiez in daz ervinden	an Etzelen man,
oder an den gesten selben,	waz wære dâ geschehen.
dône hete man von liuten	sô grôzen jâmer nie gesehen.

der bote begunde vrâgen:	„waz ist hie getân?“
dô sprach einer drunder:	„dâ ist vil gar zergân,
swaz wir vröuden heten	in der Hiunen lant.
hie lît erslagen Rüedegêr	von der Burgonden hant.

die mit im dar în kômen,	der ist einer niht genesen.“
dône kunde Helpfrîche	nimmêr leider wesen.
jâne gesagete er mære	sô rehte ungerne nie.
der bote zuo Dieterîche	vil sêre weinende gie.

„waz habt ir uns erfunden?“	sprach dô Dieterîch,
„wie weinet ir sô sêre,	degen Helpfrîch?“
dô sprach der edele	recke: „ich mac wol balde klagen.
den guoten Rüedegêren	hânt die Burgonde erslagen.“

dô sprach der helt von Berne:	„daz ensol niht wellen got!
daz wære ein starkiu râche	unde ouch des tiuvels spot.
wâ mit hete Rüedegêr	an in daz versolt?
jâ ist mir daz wol künde,	er ist den ellenden holt!“

des antwurte Wolfhart:	„unde heten siz getân,
sô solt ez in allen	an ir leben gân.
ob wirz in vertrüegen,	des wære wir geschant.
jâ hât uns vil gedienet	des guoten Rüedegêres hant!“

der vogt der Amelunge	hiez ez ervinden baz.
vil harte senelîche	er in ein venster saz.
dô bat er Hildebranden	zuo den gesten gân,
daz er an in erfünde,	waz dâ wære getân.

der sturmküene recke,	meister Hildebrant,
weder schilt noch wâfen	truoc er an der hant.
er wolde in sînen zühten	zuo den gesten gân.
von sîner swester kinde	wart im ein strâfen getân.

dô sprach der grimme Wolfhart:	„welt ir dar blôzer gân,
sô mac ez ân ein schelten	nimmêr wol gestân.
sô müezet ir lasterlîchen	tuon die widervart.
kumt ir dar gewâfent,	daz etelîcher wol bewart.“

dô garte sich der wîse	durch des tumben rât.
ê daz ers innen würde,	dô wâren in ir wât
alle Dieterîches	recken und truogen swert enhant.
dem helde was leide.	vil gerne hete erz erwant.

er vrâgte, war si wolden.	„wir wellen mit iu dar.
waz, ob von Tronege Hagene	deste wirs getar
gein iu mit spotte sprechen,	des er wol kan pflegen?“
dô er daz gehôrte,	dâ von gestatte es in der degen.

dô sach der küene Volkêr	wol gewâfent gân
die recken von Berne,	die Dieterîches man,
begürtet mit den swerten.	si truogen schilt enhant.
er sagete ez sînem hêrren	ûzer Burgonden lant.

dô sprach der videlære:	„ich sihe dort her gân
sô rehte vîentlîche	die Dieterîches man,
gewâfent under helme.	si wellent uns bestân.
ich wæn, ez an daz übele	welle uns ellenden gân.“

in den selben zîten	kom ouch Hildebrant.
dô satzte er für die füeze	sînes schildes rant.
er begunde vrâgen	die Gunthêres man:
„ouwê, ir guoten helde,	waz hete iu Rüedegêr getân?

mich hât mîn hêrre Dieterîch	her zuo ziu gesant.
ob erslagen hete	iuwer deheines hant
den edelen marcgrâven,	als uns daz ist geseit,
wir enkunden überwinden	niht diu grœzlîchen leit.“

dô sprach von Tronege Hagene:	„daz mære ist ungelogen,
wie wol ich iu des gunde,	hete iuch der bote betrogen,
durch Rüedegêres liebe,	daz noch lebte sîn lîp,
den immer mugen weinen	beide man und ouch diu wîp.“

dô si daz rehte erhôrten,	daz er wære tôt,
dô klageten in die recken.	ir triuwe in daz gebôt.
den Dieterîches recken	sach man trehene gân
über berte unde über kinne.	in was vil leide getân.

der herzoge von Berne,	Sigestap, dô sprach:
„nû hât gar ein ende	genomen der gemach,
den uns ie gefüegete Rüedegêr	nâch unser leide tagen.
vröude ellender diete	lît an Rüedegêr erslagen.“

dô sprach von Amelungen	der degen Wolfwîn:
„und ob ich hiute sæhe	tôt den vater mîn,
mir enwurde nimmêr leider	danne umbe sînen lîp.
ouwê, wer sol nû trœsten	des edelen marcgrâven wîp?“

dô sprach in zornes muote	der degen Wolfhart:
„wer wîset nû die recken	sô manege herevart,
alsô der marcgrâve	vil dicke hât getân?
ouwê, vil edel Rüedegêr,	daz wir dich sus verlorn hân!“

Wolfprant und Helpfrîch	und ouch Helmnôt
mit allen ir vriunden	klagten sînen tôt.
vor sûften mohte vrâgen	niht mêre Hildebrant.
er sprach: „nû tuot, ir degene,	dar nâch mîn hêrre hât gesant:

gebt uns Rüedegêren	alsô tôten ûz dem sal,
an dem gar mit jâmer	lît unser vröuden val!
lât uns an im dienen,	daz er ie hât begân
an uns vil grôze triuwe	und an manegem andern man.

wir sîn ouch ellende,	als Rüedegêr der degen.
wes lâzet ir uns bîten?	lât in uns after wegen
tragen, daz wir nâch tôde	lônen noch dem man.
wir hetenz billîche	bî sînem lebene getân.“

dô sprach der künec Gunthêr:	„nie dienest wart sô guot,
sô den ein vriunt vriunde	nâch dem tôde tuot.
daz heiz ich stæte triuwe,	der die kan begân.
ir lônet im nâch schulden.	er hât iu liebes vil getân.“

„wie lange suln wir vlêgen?“	sprach Wolfhart der degen.
„sît unser trôst der beste	von iu ist tôt gelegen,
und wir sîn leider mêre	mügen niht gehaben,
lât in uns hinnen tragen,	daz wir den recken begraben!“

des antwurte Volkêr:	„niemen in iu gît.
nemt in in dem hûse,	dâ der degen lît
mit starc verchwunden,	gevallen in daz bluot!
sô ist ez ein voller	dienest, den ir Rüedegêren tuot.“

dô sprach der küene Wolfhart:	„got weiz, hêr spilman,
ir endürfet uns niht reizen.	ir habt uns leit getân.
getorste ich vor mînem hêrren,	sô kœmet irs in nôt.
des müezen wirz lâzen,	wand er uns strîten hie verbôt.“

dô sprach der videlære:	„der vorhte ist gar ze vil,
swaz man im verbiutet,	der ez allez lâzen wil.
daz kan ich niht geheizen	rehten heldes muot.“
diu rede dûhte Hagenen	von sînem hergesellen guot.

„des enlât iuch niht belangen!“	sprach aber Wolfhart.
„ich entrihte iu sô die seiten,	swenne ir die widervart
rîtet gein dem Rîne,	daz ir ez wol muget sagen.
iuwer übermüeten	mac ich mit êren niht vertragen!“

dô sprach der videlære:	„swenne ir die seiten mîn
verirret guoter dœne,	der iuwer helmes schîn,
der muoz vil trüebe	werden von der mînen hant,
swie halt ich gerîte	in der Burgonden lant.“

dô wolde er zuo zim springen,	wande daz in niht enlie
Hildebrant. sîn œheim	in vaste zim gevie:
„ich wæne, dû woldest toben	durch den tumben zorn.
mînes hêrren hulde hetes	dû immer mêr verlorn.“

„lât abe den lewen,	meister! er ist sô grimme gemuot.
kumt aber er mir zen handen“,	sprach Volkêr, der degen guot,
„hete er die werlt alle	mit sîner hant erslagen,
ich slahe in, daz erz widerspel	nimmêr mêr darf gesagen.“

des wart vil harte	erzürnet der Bernære muot.
den schilt gezucte Wolfhart,	ein sneller degen guot.
alsam ein lew wilder	lief er vor in dan.
im wart ein gâhez volgen	von sînen vriunden getân.

swie wîter sprünge er pflæge	für des sales want,
doch ergâhte in vor der stiege	der alte Hildebrant.
er enwolde in vor im lâzen	niht komen in den strît.
si funden, daz si suochten,	an den ellenden sît.

dô gespranc zuo Hagenen	meister Hildebrant.
diu swert man hôrte erklingen	an ir beider hant.
si wâren sêre erzürnet,	daz mohte man kiesen sint.
von ir zweier swerten	gie fiuwer rôter wint.

die wurden dô gescheiden	in des sturmes nôt.
daz tâten die von Berne,	als in ir kraft gebôt.
zehant dô wante Hildebrant	von Hagenen wider dan.
dô lief der starke Wolfhart	den küenen Volkêren an.

er sluoc den videlære	ûf den helm guot,
daz des swertes ecke	unz an die spangen wuot.
daz vergalt mit ellen	der küene spilman.
dô sluoc er Wolfharten,	daz er stieben began.

des fiuwers ûz den ringen	hiuwen si genuoc.
haz ir iegelîcher	dem andern dâ truoc.
die schiet dô von Berne	der degen Wolfwîn.
ob ez ein helt niht wære,	des enkunde niht gesîn.

Gunthêr der recke	mit vil willeger hant
enpfie die helde mære	von Amelunge lant.
Gîselhêr der hêrre,	diu liehten helmvaz,
der vrumte er dâ vil manegez	von bluote rôt unde naz.

Dancwart, Hagenen bruoder,	was ein grimmec man.
swaz er dâ vor hete	in strîte ie getân
den Etzelen recken,	daz was gar ein wint.
nû vaht vil tobelîche	des küenen Aldrîânes kint.

Ritschart unde Gêrbart,	Helpfrîch unde Wîchart,
die heten in manegen stürmen	vil selten sich gespart.
des brâhten si wol innen	die Gunthêres man.
dô sach man Wolfpranden	in strîte hêrlîche gân.

dô vaht, alsam er wuote,	der alte Hildebrant.
vil der guoten recken	vor Wolfhartes hant
mit tôde muosen vallen	von swerten in daz bluot.
sus râchen Rüedegêren	die recken küene unde guot.

dô vaht der hêrre Sigestap,	als im sîn ellen riet.
hey, waz er in dem strîte	guoter helme verschriet
den sînen vîanden,	Dieterîches swester sun!
er enkunde in dem sturme	nimmêr bezzers niht getuon.

Volkêr der starke,	dô er daz ersach,
daz Sigestap der küene	den bluotegen bach
hiu ûzer herten ringen,	daz was dem helde zorn.
er spranc im hin engegene.	dô hete Sigestap verlorn

von dem videlære	vil schiere dâ daz sîn leben.
er begunde im sîner künste	alsölchen teil dâ geben,
daz er von sînem swerte	muose ligen tôt.
daz rach der alte Hildebrant,	als im sîn ellen daz gebôt.

„ouwê liebes hêrren“,	sprach meister Hildebrant,
„der hie lît erstorben	von Volkêres hant!
nû sol der videlære	langer niht genesen!“
Hildebrant der küene,	wie kunde er grimmer gewesen?

dô sluoc er Volkêren,	daz im diu helmbant
stuben allenthalben	zuo des sales want
von helme und ouch von schilde,	dem küenen spileman.
dâ von der starke Volkêr	dô den ende dâ gewan.

dô drungen zuo dem strîte	die Dieterîches man.
si sluogen, daz die ringe	vil verre dræten dan,
und daz man ort der swerte	vil hôhe vliegen sach.
si holten ûz den helmen	den heize vliezenden bach.

dô sach von Tronege	Hagene Volkêren tôt.
daz was zer hôchgezîte	sîn aller meistiu nôt,
die er dâ hete gewunnen	an mâgen und ouch an man.
ouwê, wie harte Hagene	den helt dô rechen began!

„Nûne sol es niht geniezen	der alte Hildebrant!
mîn helfe lît erslagen	von des heldes hant,
der beste hergeselle,	den ich ie gewan.“
den schilt er ructe hôher.	dô gie er houwende dan.

Helpfrîch der küene	Dancwarten sluoc.
Gunthêre unde Gîselhêre,	den was ez leit genuoc,
dô si in vallen sâhen	in der starken nôt.
er hete mit sînen handen	vil wol vergolten sînen tôt.

die wîle gie dô Wolfhart	beide wider unde dan,
allez houwende	die Gunthêres man.
er was die dritten kêre	komen durch den sal.
dâ viel von sînen handen	vil manec recke ze tal.

dô rief der hêrre Gîselhêr	Wolfharten an:
„ouwê, daz ich sô grimmen	vîant ie gewan!
edel ritter küene,	nû wendet gegen în!
ich wilz helfen enden.	ez enmac niht lenger gesîn.“

zuo Gîselhêre kêrte	Wolfhart in den strît.
dô sluoc ietwederer	vil manege wunden wît.
sô rehte krefteclîchen	er zuo dem künege dranc,
daz imez bluot under füezen	al über daz houbet spranc.

mit swinden slegen grimme,	der schœnen Uoten kint,
enpfie er Wolfharten,	den küenen helt, sint.
swie starc der degen wære,	er enkunde niht genesen.
ez endorfte künec	sô junger nimmêr küener gewesen.

dô sluoc er Wolfharten	durch eine brünne guot,
daz im von der wunden	nider vlôz daz bluot.
er wunte zuo dem tôde	den Dieterîches man.
ez enhete ân einen recken	ze wâre niemen getân.

alsô der küene Wolfhart	der wunden dô enpfant,
den schilt, den liez er vallen.	hôher an der hant
huop er ein starkez wâfen,	daz was starc genuoc.
durch helm und durch ringe	der helt dô Gîselhêren sluoc.

si heten beide ein ander	den grimmen tôt getân.
dône lebte ouch niht mêre	der Dieterîches man.
Hildebrant der alte	Wolfharten vallen sach.
im wæne vor sînem tôde	sô rehte leide nie geschach.

dô wâren gar erstorben	die Gunthêres man
und ouch die Dieterîches.	Hildebrant was gegân,
dâ Wolfhart was gevallen	nider in daz bluot.
er beslôz mit armen	den recken küene unde guot.

er wolde in ûzem hûse	mit im tragen dan.
er was ein teil ze swære.	er muose in ligen lân.
dô blicte ouch ûz dem bluote	der rêwende man.
er sach wol, daz im gerne	sîn neve hete geholfen dan.

dô sprach der tôtwunde:	„vil lieber œheim mîn,
ir müget an disen zîten	mir niht vrum gesîn.
nû hüetet iuch vor Hagenen,	jâ dunket ez mich guot!
er treit in sînem herzen	einen grimmigen muot.

unde ob mich mîne mâge	nâch tôde wellen klagen,
den næhesten und den besten,	den sult ir von mir sagen,
daz si nâch mir niht weinen.	daz ist âne nôt.
vor eines küneges handen lige	ich hie hêrlîchen tôt.

ich hân ouch sô vergolten	hier inne mînen lîp,
daz ez wol mugen beweinen	der guoten ritter wîp.
ob iuch des iemen vrâge,	sô müget ir balde sagen,
vor mîn eines handen ligent	wol hundert erslagen.“

dô gedâhte ouch Hagene	an den spileman,
dem der küene Hildebrant	sîn leben an gewan.
dô sprach er zuo dem degene:	„ir geltet mîniu leit.
ir habt uns hinne erbunnen	vil maneges recken gemeit.“

er sluoc ûf Hildebranden,	daz man wol vernam
Balmungen diezen,	den er Sîvride nam,
Hagene der küene,	dâ er den helt ersluoc.
dô werte sich der alte.	jâ was er küene genuoc.

der recke Dieterîches	sluoc ein wâfen breit
ûf den helt von Tronege,	daz ouch vil sêre sneit.
dône kunde er niht	verwunden den Gunthêres man.
dô sluoc aber in Hagene	durch eine brünne wol getân.

dô der alte Hildebrant	der wunden enpfant,
dô vorhte er schaden	mêre von der Hagenen hant.
den schilt warf über rucke	der Dieterîches man.
mit der starken wunden	der helt dô Hagenen entran.

dâ was niemen lebende	aller der degene
niuwan die einen zwêne,	Gunthêr und Hagene.
mit bluote gie berunnen	der alte Hildebrant.
er brâhte leidiu mære,	dâ er Dieterîchen vant.

dô sach er trûreclîche	sitzen hie den man.
der leide michel mêre	der fürste dô gewan.
er sach ouch Hildebranden	in sîner brünne rôt.
dô vrâgete er der mære,	als im diu sorge gebôt:

„nû sagt mir, meister Hildebrant,	wie sît ir sô naz
von dem verchbluote,	oder wer tet iu daz?
ich wæne, ir mit den gesten	zem hûse habt gestriten.
ich verbôt ez iu sô sêre.	ir het ez billîche vermiten.“

dô sagte er sînem hêrren:	„ez tet Hagene.
der sluoc mir dise wunden	in dem gademe,
dô ich von dem recken	wolde wenden dan.
mit dem mînem lebene	ich dem tiuvel vil kûme entran.“

dô sprach der Bernære:	„vil rehte ist iu geschehen,
dô ir mich vriuntschefte	den recken hôrtet jehen,
daz ir den vride brâchet,	den ich in hete gegeben.
hete ich es niht immer	schande, ir soldet verliesen daz leben.“

„nû zürnet niht sô sêre,	mîn hêr Dieterîch,
an mir und mînen vriunden	der schade ist al ze rîch.
wir wolden Rüedegêren	getragen haben dan.
des enwolden uns niht gunnen	des künec Gunthêres man.“

„sô wê mir dirre leide!	ist Rüedegêr doch tôt!
daz muoz mir sîn ein jâmer	vor aller mîner nôt.
Gotelint diu edele	ist mîner basen kint.
âch wê der armen weisen,	die dâ ze Bechelâren sint!

triuwen unde leides	mant mich sîn tôt.“
er begunde starke weinen.	des gie dem helde nôt.
„ouwê getriuwer helfe,	die ich verlorn hân!
jâne überwinde ich nimmêr	des künec Etzelen man!

müget ir mir, meister Hildebrant,	diu mære rehte sagen,
wer der recke wære,	der in dâ habe erslagen?“
er sprach: „daz tet mit kreften	der starke Gêrnôt.
vor Rüedegêres henden	ist ouch der helt gelegen tôt.“

er sprach ze Hildebrande:	„nû sagt mînen man,
daz si sich balde wâfen,	wand ich wil dar gân,
unde heizet mir gewinnen	mîn liehtez wîcgewant.
ich wil selbe vrâgen	die helde ûzer Burgonden lant.“

dô sprach meister Hildebrant:	„wer sol zuo ziu gân?
swaz ir Habt der lebendeN,	die seht ir hie bî iu stân.
daz bin ich alterseine.	die andern, die sint tôt.“
dô erschracte er dirre mære.	des gie im wærlîche nôt,

wand er leit sô grôzez	zer werlde nie gewan.
er sprach: „unde sint erstorben	alle mîne man,
sô hât mîn got vergezzen,	ich armer Dieterîch.
ich was ein künec hêre,	vil gewaltec und rîch.

wie kunde ez sich gefüegen“,	sprach hêr Dieterîch,
„daz si alle sint erstorben,	die helde lobelîch,
von den strîtmüeden,	die doch heten nôt?
wande durch mîn ungelücke,	in wære vremde noch der tôt.

sît daz es mîn unsælde	niht langer wolde entwesen,
sô sagt mir: ist der geste	noch iemen genesen?“
dô sprach meister Hildebrant:	„daz, weiz got, niemen mêr
niuwan Hagene aleine	unde Gunthêr, der künec hêr.“

„ouwê, lieber Wolfhart,	sol ich dich hân verlorn,
sô mac mich balde riuwen,	daz ich ie wart geborn,
Sigestap und Wolfwîn,	und ouch Wolfprant!
wer sol mir danne helfen	in der Amelunge lant?

Helpfrîch der vil küene,	und ist mir der erslagen,
Gêrbart und Wîchart,	wie solde ich die verklagen?
daz ist an mînen vröuden	mir der leste tac.
ouwê, daz vor leide	niemen sterbene mac.“

dô suochte der hêrre Dieterîch	selbe sîn gewant.
im half, daz er sich wâfente,	meister Hildebrant.
dô klagete alsô sêre	der kreftige man,
daz daz hûs erdiezen	von sîner stimme began.

dô gewan er wider	rehten heldes muot.
in grimme wart gewâfent	dô der helt guot.
einen schilt vil vesten	nam er an die hant.
si giengen dannen balde,	er unde meister Hildebrant.

dô sprach von Tronege Hagene:	„ich sihe dort her gân
hêrren Dieterîchen.	der wil uns bestân
nâch sînem starkem leide,	daz im ist hie geschehen.
man sol daz hiute kiesen,	wem man des besten müge jehen.

jâne dunket sich von	Berne der hêrre Dieterîch
nie sô starc des lîbes	und ouch sô griuwelîch,
und wil erz an uns rechen,	daz im ist getân“,
alsô redete Hagene,	„ich tar in rehte wol bestân!“

dise rede hôrte	Dieterîch und ouch Hildebrant.
er kom, dâ er die recken	beide stênde vant
ûzen vor dem hûse,	geleinet an den sal.
sînen schilt den guoten,	den satzte Dieterîch ze tal.

in leideclîchen sorgen	sprach dô Dieterîch:
„wie habt ir sô geworben,	Gunthêr, künec rîch,
wider mich ellenden?	waz hete ich iu getân?
alles mînes trôstes,	des bin ich hie eine bestân.

iuch endûhte niht der volle	an der grôzen nôt,
dô ir uns Rüedegêren	den helt sluoget tôt.
nû habet ir mir erbunnen	aller mîner man.
jâne hete ich iu helden	sölcher leide niht getân!

gedenket an iuch selben	unde an iuwer leit,
tôt der iuwern vriunde	und ouch diu arbeit,
ob ez iu guoten recken	beswæret iht den muot.
ouwê, wie rehte unsanfte	mir tôt der Rüedegêres tuot!

ez geschach ze dirre werlde	nie leider manne mêr.
ir gedâhtet übele	an mîn und an iuwer sêr.
swaz ich vriunde hete,	die sint von iu erslagen.
jâne kan ich nimmêr	mêre die mînen mâge verklagen!“

„jâne sîn wir niht sô	schuldec!“ sprach dô Hagene,
„ez giengen zuo disem hûse	iuwer degene
gewâfent wol ze vlîze,	mit einer schar sô breit.
mich dunket, daz diu mære	iu niht rehte sîn geseit!“

„waz sol ich gelouben mêre?	mir seite ez Hildebrant,
dô mîne recken gerten	von Amelunge lant,
daz ir in Rüedegêren	gæbet ûz dem sal,
dô but ir niuwan spotten	den küenen helden her ze tal.“

dô sprach der künec von Rîne:	„si jâhen wolden tragen
Rüedegêren hinnen.	den hiez ich in versagen,
Etzelen ze leide	und niht den dînen man,
unz daz dô Wolfhart	dar umbe schelten began.“

dô sprach der helt von Berne:	„ez muoste êt alsô sîn.
Gunthêr, künec edele,	durch die zuht dîn,
ergetze mich der leide,	die mir von dir sint geschehen,
und süene ez, ritter küene,	daz ich des künne dir gejehen!

ergip dich mir ze gîsel,	dû und ouch dîn man,
sô wil ich behüeten,	sô ich aller beste kan,
daz dir zen Hiunen niemen	niht entuot.
dûne solt an mir niht	vinden niuwan triuwen unde guot.“

„daz enwelle got von himele“,	sprach dô Hagene,
„daz sich dir ergæben	zwêne degene,
die noch werlîche	gewâfent gegen dir stânt
und noch sô ledeclîche	vor ir vîanden gânt!“

„ir ensult ez niht versprechen“,	sô redete Dieterîch,
„Gunthêr unde Hagene.	ir habt beide mich
sô sêre beswæret,	daz herze und ouch den muot,
welt ir mich ergetzen, daz ir ez vil	billîche tuot.

ich gibe iu mîne triuwe	und sicherlîche hant,
daz ich mit iu rîte	heim in iuwer lant.
ich leite iuch nâch den êren,	oder ich gelige tôt,
und wil durch iuch vergezzen	der mînen grœzlîchen nôt.“

„Nûne muotet sîn niht	mêre!“ sprach aber Hagene,
„von uns zimt daz mære	niht wol ze sagene,
daz sich iu ergæben zwêne	alsô küene man.
nû siht man bî iu niemen	wan eine Hildebranden stân.“

dô sprach meister Hildebrant:	„got weiz, hêr Hagene,
der iu den vride biutet	mit iu ze tragene,
ez kumt noch an die stunde,	daz ir möhtet nemen
die suone mînes hêrren	möht ir iu lâzen gezemen.“

„jâ næme ich die suone“,	sprach aber Hagene,
„ê ich sô lasterlîche	ûze einem gademe
vlühe, meister Hildebrant,	als ir hie habt getân!
ich wæne, daz ir kundet	baz gein vîanden stân!“

des antwurte Hildebrant:	„zwiu verwîzet ir mir daz?
nû, wer was, der ûf einem schilde	vor dem Waskensteine saz,
dô im von Spânje Walthêr	sô vil der vriunde sluoc?
ouch habt ir noch ze zeigen	an iu selben genuoc!“

dô sprach der hêrre Dieterîch:	„ez enzimt niht helde lîp,
daz si suln schelten	sam diu alten wîp.
ich verbiut iu, Hildebrant,	daz ir niht sprechet mêr.
mich ellenden recken	twingent grœzlîchiu sêr.

lât hœren“, sprach Dieterîch,	„recke Hagene,
waz ir beide spræchet,	snellen degene,
dô ir mich gewâfent	zuo ziu sâhet gân.
ir jâhet, daz ir eine	mit strîte woldet mich bestân.“

„jâne lougent iu des niemen“,	sprach Hagene der degen,
„ine wellez hie versuochen	mit den starken slegen,
ez ensî daz mir zebreste	daz Nibelunges swert!
mir ist zorn, daz unser beider	ist ze gîsel hie gegert!“

dô Dieterîch gehôrte	den grimmen Hagenen muot,
den schilt vil balde zucte	der snelle degen guot.
wie balde gein im Hagene	von der stiege spranc!
Nibelunges swert daz guote	vil lûte ûf Dieterîche erklanc.

dô wesse wol hêr Dieterîch,	daz der küene man
vil grimmes muotes wære.	schermen im began
der hêrre von Berne	vor angestlîchen slegen.
wol erkande er Hagenen,	den vil zierlîchen degen.

ouch vorhte er Balmungen,	ein wâfen starc genuoc.
under wîlen Dieterîch	mit listen wider sluoc,
unz daz er Hagenen	mit strîte doch betwanc.
er sluoc im eine wunden,	diu was tief unde lanc.

dô dâhte der hêrre Dieterîch:	„dû bist in nœten erwigen.
ich hâns lützel êre,	soltû tôt vor mir geligen.
ich wilz sus versuochen,	ob ich ertwingen kan
dich mir ze einem gîsel.“	daz wart mit sorgen getân.

den schilt, den liez er vallen.	sîn sterke, diu was grôz.
Hagenen von Tronege	mit armen er beslôz.
des wart dô betwungen	von im der küene man.
Gunthêr der edele	dar umbe trûren began.

Hagenen bant Dieterîch	und fuorte in, dâ er vant
die edelen küneginne,	und gap ir bî der hant
den küenesten recken,	der ie swert getruoc.
nâch ir vil starkem leide	dô wart si vrœlîch genuoc.

vor liebe neic dem degene	daz Etzelen wîp:
„immer sî dir sælic	dîn herze und ouch der lîp!
dû hâst mich wol ergetzet	aller mîner nôt.
daz sol ich immer dienen,	mich ensûme danne der tôt.“

dô sprach der hêrre Dieterîch:	„ir sult in lân genesen,
edeliu küneginne,	und mac daz noch gewesen,
wie wol er iuch ergetzet,	daz er iu hât getân.
er ensol des niht engelten,	daz ir in seht gebunden stân.“

dô hiez si Hagenen	füeren an sîn ungemach,
dâ er lac beslozzen,	und dâ niemen sach.
Gunthêr, der künec edele,	rüefen dô began:
„war kom der helt von Berne?	der hât mir leide getân!“

dô gie im hin engegene	der hêrre Dieterîch.
daz Gunthêres ellen, daz was	vil lobelîch.
dône beit ouch er niht mêre.	er lief her für den sal.
von ir beider swerten	huop sich ein grœzlîcher schal.

swie vil der hêrre Dieterîch	lange was gelobt,
Gunthêr was sô sêre	erzürnet und ertobt,
wand er nâch starkem leide	sîn herzevîent was.
man sagt ez noch ze wunder,	daz dô hêr Dieterîch genas.

ir ellen und ir sterke	beider wâren grôz.
palas und türne	von den slegen dôz,
dô si mit swerten hiuwen	ûf die helme guot.
ez hete der künec Gunthêr	einen hêrlîchen muot.

sît twanc in der von Berne,	sam Hagenen ê geschach.
daz bluot man durch die ringe	dem helde vliezen sach
von einem scharpfen swerte,	daz truoc Dieterîch.
dô hete gewert hêr Gunthêr	nâch müede lobelîche sich.

der hêrre wart gebunden	von Dieterîches hant,
swie künege niene solden	lîden sölchiu bant.
er dâhte, ob er si lieze,	den künec unde sînen man,
alle, die si fünden,	die müesen tôt von in bestân.

Dieterîch von Berne,	der nam in bî der hant.
dô fuorte er in gebunden,	dâ er Kriemhilde vant.
dô was mit sînem leide	ir sorgen vil erwant.
si sprach: „willekom,	Gunthêr ûzer Burgonden lant!“

er sprach: „ich solde iu nîgen,	vil liebiu swester mîn,
ob iuwer grüezen möhte	genædeclîcher sîn.
ich weiz iuch, küneginne,	sô zornec gemuot,
daz ir mich unde Hagenen	vil swache grüezen getuot.“

dô sprach der helt von Berne:	„vil edeles küneges wîp,
ez enwart gîsel mêre	sô guoter ritter lîp,
als ich, vrouwe hêre,	iu an in gegeben hân.
nû sult ir die ellenden	mîn vil wol geniezen lân.“

si jach, si tæte ez gerne.	dô gie hêr Dieterîch
mit weinenden ougen	von den helden lobelîch.
sît rach sich grimmeclîchen	daz Etzelen wîp:
den ûz erwelten degenen	nam si beiden den lîp.

si lie si ligen besunder	durch ir ungemach,
daz ir sît deweder	den andern nie gesach,
unz si ir bruoder houbet	hin für Hagenen truoc.
der Kriemhilde râche	wart an in beiden genuoc.

dô gie diu küneginne,	dâ si Hagenen sach.
wie rehte vîentlîche	si zuo dem helde sprach:
„welt ir mir geben wider,	daz ir mir habt genomen,
sô müget ir wol lebende	heim zen Burgonden komen.“

dô sprach der grimme Hagene:	„diu rede ist gar verlorn,
vil edeliu küneginne.	jâ hân ich des gesworn,
daz ich den hort iht zeige!	die wîle daz si leben,
deheiner mîner hêrren,	sô sol ich in niemene geben.“

„ich bringez an ein ende“,	sô sprach daz edel wîp.
dô hiez si ir bruoder nemen	sînen vil schœnen lîp.
man sluoc im ab daz houbet.	bî dem hâre si ez truoc
für den helt von Tronege.	dô wart im leide genuoc.

alsô der ungemuote	sînes hêrren houbet sach,
wider Kriemhilde	dô der recke sprach:
„dû hâst ez nâch dînem willen	vil gar zeinem ende brâht,
und ist ouch iu ergangen,	als ich mir hete gedâht.

nû ist von Burgonden	der edel künec tôt,
Gîselhêr der junge	unde ouch hêr Gêrnôt.
den schatz, den weiz nû niemen	wan got, âne mîn.
der sol dich, vâlandinne,	immer verborgen sîn!“

si sprach: „sô habt ir übele	geltes mich gewert.
sô wil ich doch behalten	daz Sîvrides swert.
daz truoc mîn holder vriedel,	dô ich in jungest sach,
an dem mir herzeleide	von iuwern schulden geschach.“

si zôch ez von der scheiden.	daz kunde er niht erwern.
dô dâhte si den recken	des lîbes wol behern.
si huop im ûf daz houbet.	mit dem swerte siz ab sluoc.
daz sach der künec Etzel.	dô was im leide genuoc.

„wâfen!“ sprach der fürste,	„wie ist nû tôt gelegen
von eines wîbes handen	der aller beste degen,
der ie kom ze sturme	oder ie schilt getruoc!
swie vîent ich im wære,	ez ist mir leide genuoc.“

dô sprach der alte Hildebrant:	„jâ geniuzet si des niht,
daz si in slahen torste!	swaz mir dâ von geschiht,
swie er mich selbe bræhte	in angestlîche nôt,
iedoch sô wil ich rechen	des küenen Tronegæres tôt.“

Hildebrant mit zorne	zuo Kriemhilde spranc.
er sluoc der küneginne	einen swæren swertswanc.
jâ tet ir diu sorge	von Hildebrande wê.
waz mohte si gehelfen,	daz si grœzlîchen schrê?

dô was gelegen aller	dâ der veigen lîp.
ze stücken was gehouwen	dô daz edele wîp.
Dieterîch und Etzel	weinen dô began.
si klagten inneclîche	beide mâge und man.

diu vil michel êre	was gelegen tôt.
die liute heten alle	jâmer unde nôt.
mit leide was verendet	des küneges hôchgezît,
als ie diu liebe leide	zaller jungeste gît.

ine kan iu niht bescheiden,	waz sider dâ geschach,
wan: ritter und vrouwen	weinen man dâ sach,
dar zuo die edelen knehte,	ir lieben vriunde tôt.
dâ hât daz mære ein ende.	diz ist der Nibelunge nôt.

